Archive for Juli 2011

Das Ende der Toleranz

14. Juli 2011

Das von James DeMeo entdeckte „Saharasia“ kommt im islamischen Selbstverständnis zum Ausdruck, das der syrische Philosoph Sadik Al-Azm wie folgt umreißt:

Die Vorstellung: Gott auf der Seite der Muslime, die im Besitz der absoluten Wahrheit sind; Machtbewußtsein; der Glaube, Geschichte zu machen, im Mittelpunkt der Welt zu stehen, eine Eroberungszivilisation zu sein. (z.n. Rolf Stolz: Kommt der Islam?, München 1997, S. 254)

Was das konkret bedeutet, kann man heute in Afrika beobachten, das vom Norden her durch langsame Infiltration systematisch islamisiert wird. Aus dem Kontinent der Lebensfreude wird ein Totenhaus. Man schaue sich nur die Berichte aus Nigeria an!

Saharasia ist zunächst einmal die größte und lebensfeindlichste Ansammlung von ineinander übergehenden Wüsten im gemeinsamen Zentralbereich der euroasiatisch-afrikanischen Landmasse. Diese geographische Großwüste geht mit dem einher, was Reich als „emotionale Wüste“ bezeichnet hat. Plastisch, aber auch denkbar inadäquat, kann man sich das etwa so vorstellen, daß wir, wenn wir uns unpäßlich fühlen, auch emotional „unausstehlich“ werden und dabei geradezu lebensfeindliche Tendenzen entwickeln. Entsprechend wurden die Menschen in der lebensfeindlichen Wüste, aus der es, anders als in kleineren ariden Gebieten, kein einfaches Entkommen gab, im Laufe der Jahrtausende zunehmend generell lebensfeindlich, insbesondere extrem frauen- und sexualfeindlich. Sie trugen diese Einstellungen mit sich, als sie in die fruchtbaren Randgebiete Europas, Asiens und Afrikas auswanderten. Ihre Traditionen („Verhaltenscodes“), Religionen und Ideologien machten diese Lebensfeindlichkeit zur „Formel“. Sie verselbständigte sich und wurde dergestalt zu einer Kraft, die ganz unabhängig von der Wüste funktioniert. Heute ist das der Islam, der alles in einem ist: Lebensweise, Religion und politische Ideologie.

Es wäre jedoch falsch den Islam in Bausch und Bogen zu verdammen. Wie Reich Ende der 1940er Jahre schrieb:

Der Gepanzerte schöpft aus seiner eigenen Quelle sekundäre Triebe, die Vorschriften und Anstandsgebräuche gegen sie. Man kann an der Anzahl und Strenge der Anstandssitten und Lebensvorschriften unmittelbar die Art und Intensität der sekundären asozialen Impulse im Menschen ablesen. (Äther, Gott und Teufel, S. 76)

Gesetzescodizes wie der Koran sind in Saharasia unverzichtbar, um angesichts der sekundären Triebe ein gedeihliches Miteinander zu sichern. Ohne Kleidervorschriften und „Anstandsregeln“ würde es beispielsweise zu Massenvergewaltigungen kommen. (Weshalb auch, nebenbei angemerkt, die immer weiter ansteigende Gesetzesflut in westlichen Ländern wirklich alles andere als ein „zivilisatorischer Fortschritt“ ist, sondern darauf hindeutet, daß in der Gesellschaft, bzw. natürlich in den Menschen, etwas grundsätzlich falsch läuft.)

Das Tragische ist, daß derartige Verhaltensregeln nicht nur die Folgen der emotionalen Wüste (letztendlich den Mangel an Empathie = „das Böse“) bekämpfen, sondern selbst das primäre Leben einschränken, selbst eine „Wüstenatmosphäre“ herstellen. Man kann sich kaum etwas „Empathie-loseres“ vorstellen als ein Gesetz, das alle Fälle gleich behandelt!

Im krassen Gegensatz zur „Erobererkultur“ ist im angeblich „imperialistischen Westen“ die „Toleranz“, konkret der Minderheitenschutz, der höchste Wert. Dagegen ist kaum etwas einzuwenden, solange es darum geht konkrete Menschenrechte zu schützen. Die Toleranz verkehrt sich jedoch ins Gegenteil, wenn auch auf Gefühle Rücksicht genommen werden soll. Dies bedeutet nämlich, daß man nicht etwa die eigene emotionale Wüste eingrenzt, sondern ganz im Gegenteil der fremden emotionalen Wüste Tür und Tor öffnet. Die Miesepeter können ihren Terror verbreiten!

Am 13. Juli 2011 berichtete die Ärzte-Zeitung, daß in Großbritannien immer mehr Kliniken und Praxen strikte Kleiderordnungen erlassen, da es zunehmend Patientenklagen darüber gäbe, daß Ärztinnen und Krankenschwestern zu freizügig herumlaufen. Daraufhin wurde ihnen untersagt zu große Dekolletés zu tragen; Tatoos müssen bedeckt werden und Röcke durch Hosen oder lange Kleider ersetzt werden.

Offensichtlich gibt es Menschen, für die auch der geringste Erregungsanstieg unerträglich ist. Bei den nichtigsten Anlässen „ticken sie aus“. Sie sind ständig beleidigt, fühlen sich ständig zurückgesetzt und angegriffen. Ihr Toleranzlevel liegt unterhalb der Grasnarbe! Sie sind wie griesgrämige „Nervenkranke“, die man vor jeder bioenergetischen Erregung schützen muß – auch wenn dadurch unser eigenes Leben unfrei und grau wird. Schließlich ist man ja tolerant! Man opfert der Toleranz seine eigene Lebensfreude – oder wie die Ärzte-Zeitung ihren Bericht überschreibt: „Wider die Wollust in britischen Kliniken“. Als wenn es nicht die natürlichste Sache der Welt wäre, die erotische Lebensfreude gegen eine Umgebung zu stemmen, die von Leid und Tod geprägt ist!

Hier haben wir ein Beispiel für die verheerenden Auswirkungen des mechanistischen Denkens, das unfähig ist die bio-sozialen und bio-historischen Zusammenhänge auch nur zu erahnen und rein abstrakt („blind mechanisch“) die Gefühle einer bestimmten Minderheit schützt, bis diese durch das Pochen auf „ihre Rechte“ jedweder Toleranz ein Ende setzt.

Übrigens halte ich es durchaus für möglich, daß die rezenten Angriffe der Emotionellen Pest gegen Reich insbesondere in England darauf beruhen, daß die sexuelle Revolution das eine Haupthindernis für die „multikulturelle Gesellschaft“ darstellt. Es geht darum, das neuste Projekt der Kommunisten abzusichern, nachdem sie von der „Arbeiterklasse“ schmählich verraten worden sind.

Gewisserweise stehen wir heute, im Zeitalter der Political Correctness, vor der gleichen Situation wie zu Zeiten der Sexpol Anfang der 1930er Jahre, als die Kommunisten anfingen die Hatz auf Reich zu eröffnen!

Ad hominem

13. Juli 2011

Reich hebt (z.B. im Vorwort von Der Krebs) hervor, daß man im sozialen Verkehr nicht die Techniken der charakteranalytischen Individualbehandlung anwenden könne. Es geht nicht an, daß man in aller Öffentlichkeit die angeblichen „charakterlichen Probleme“ von wem auch immer anspricht. Dafür ist in der Arztpraxis Platz, in persönlichen Aufzeichnungen, persönlichen Briefen oder im Austausch mit engen Freunden. In der Öffentlichkeit wirkt es deplaziert wie etwa das demonstrative heftige Austauschen von Zärtlichkeiten zwischen Liebenden an öffentlichen Orten.

Ohne eine gewisse Zurückhaltung ist ohnehin jedes erquickliche soziale Miteinander unmöglich. Das ist schlichtweg selbstevident!

Im sozialen Verkehr hat einzig und allein die Technik der Sozialen Psychiatrie Raum und selbst hier hat Reich seine Schüler davor gewarnt, daß dies nur die am besten ausgebildeten Psychiater ausüben können. Imgrunde nur er selbst! Ich habe mich damit in Reichs „Sozialpsychiatrie“ beschäftigt.

Dabei geht es vor allem um das öffentliche Bloßlegen verborgener Motivationen. Genau dies geschieht ohnehin alltäglich in den Medien, wo ständig über irgendwelche „verborgenen Motive“ spekuliert wird. Teilweise artet das in regelrechte Verschwörungstheorien aus. Dabei reicht bei Politikern doch meist schon der Hinweis, daß es ihnen gar nicht um Sachthemen geht, sondern um die irrationale Motivation als eine bedeutende Persönlichkeit in die Geschichtsbücher einzugehen, die etwa, gegen jeden Sinn und Verstand, Europa mit der Einführung des Euro vereinigt hat.

Nehmen wir mich, Peter Nasselstein, als Beispiel. Es wäre wirklich grotesk, würde man (je nach Photo) auf meine zu dünnen oder zu dicken Lippen hinweisen und aus solchem Zeugs ein „Psychogramm“ meiner Person erstellen. Surreal! Ganz anders sieht die Sache aus, wenn man meine Motive infrage stellen würde – und zwar wohlbegründet: „Geht es ihm wirklich um Sachfragen oder will er nicht vielmehr mit über 900 Artikeln durch schiere Masse auftrumpfen?“ Diskussionswürdig, solange niemand mit „Thesen“ kommt, wie der, daß mich meine Mutter nie beachtet hat und ich deshalb…

Wie grundsätzlich sinnlos derartige Diskussionen sind, wird aus der möglichen Antwort evident: Anscheinend sei mein Kritiker zu gepanzert, biophysisch zu unbeweglich, um nachvollziehen zu können, daß man etwas aus reiner Freude tun könne.

Auf diese Weise werden tiefe orgonomische Wahrheiten in oberflächliches kontaktloses Geschwafel transformiert!

In die Soziale Psychiatrie paßt auch Bakers soziopolitische Charakterologie. Sie macht in der Arztpraxis nur bedingt Sinn, da man sie kaum mit der individuellen Panzerung korrelieren kann – sehr wohl aber im öffentlichen Leben und dies ist auch der Ort, wo der Therapeut ansetzen muß: Aufklärung der Öffentlichkeit über die wahren Motive ihrer angeblichen „Vertreter“.

Umgekehrt macht die individualpsychiatrische Charakterologie im öffentlichen Leben keinerlei Sinn und ist sogar kontraproduktiv. Angemessen ist es allenfalls, wenn es denn angebracht ist, die verborgene Motivation im Alltag bloßzulegen. Etwa in der Anekdote, die Lois Wyvell erwähnt hat. Ein Student hielt auf Orgonon einen sehr komplizierten und „tiefsinnigen“ Vortrag, dem keiner folgen konnte. Worauf Reich trocken fragte, ob der Vortragende überhaupt selbst das verstanden habe, was er da referiert hat. Worauf der Student verzweifelt auf sein unverständliches Manuskript verwies. Es geht hier einfach um den Drang wichtiger, „tiefer“ und gedankenvoller zu erscheinen, als man wirklich ist. Es geht um das Bloßlegen von Kontaktlosigkeit und die Herstellung von Kontakt. Das „Herumpsychologisieren“ oder gar „Herumcharakteranalysieren“ hingegen verbessert in keinem Fall den Kontakt, sondern trägt nur noch weiter zur allgemeinen Kontaktlosigkeit bei.

Egal ob nun jemand ein genitaler, neurotischer oder pestilenter Charakter ist, es wäre angebracht und man könnte sich nicht rechtfertigen, wenn er sich gegen den Hinweis auf seine „charakterlichen Probleme“ aufs allerschärfste verwahren würde! Ganz anders sähe es aus, wenn man seine verborgene Motivation offengelegt hätte: ein genitaler Charakter würde sich darüber freuen, daß ihm geholfen wird noch realitätsgerechter zu funktionieren (denn selbst ein genitaler Charakter kann natürlich nie „perfekt“ und von neurotischen Mechanismen ganz frei sein); ein neurotischer Charakter würde mit Angst reagieren und, wenn er sich dieser Angst stellt, etwas aus dieser Offenlegung seiner unbewußten Motivation machen können, sich also bessern; ein pestilenter Charakter würde aber mit aller Macht und Gemeinheit zurückschlagen, von Unverschämtheit sprechen, seinerseits die Motivation seines Gegenüber in Frage stellen, etc. Auf diese Weise wird das Offenlegen verborgener Motivationen selbst zu einem Instrument der sozialpsychiatrischen Diagnostik. Während der individualpsychiatrische Hinweis auf „charakterliche Probleme“ nirgendwo hinführt, keinen diagnostischen Gewinn bringt und in jeder Hinsicht kontraproduktiv wirkt.

Es kann sogar ausgesprochen pestilent sein. Mich hat mal ein amerikanischer Orgonom heftig zusammengestaucht, als ich im Gespräch eine bestimmte Person in der deutschen Reich-Szene als „schizophren“ abqualifizierte. Das sei unerhört, was mir denn einfalle diesen Begriff zu benutzen, um jemanden schlechtzureden. Er habe viele Schizophrene behandelt, kenne viele, sei mit vielen befreundet.

Das kann man auf jede psychische Erkrankung übertragen: es geht nicht an, herablassend über seine Mitmenschen zu sprechen, weil sie emotionale Probleme haben. Das gilt selbst für Therapeuten. Sie müssen nicht „gesund“ sein und sie sollen keine „Gurus“ sein, nach denen man sich ausrichtet. Es geht schlicht und ergreifend darum, daß sie in ihrer Lehrtherapie soweit ihre eigenen Probleme bewältigt haben, daß diese dem therapeutischen Prozeß nicht im Wege stehen. Natürlich muß auch die Chemie stimmen, aber das ist einzig eine Sache zwischen den beiden Personen (Arzt und Patient) und geht sonst niemanden etwas an.

Daß man sich eine eigene Meinung über seine Mitmenschen bildet und „sich seinen Teil denkt“ ist jedem unbenommen, aber man kann das unmöglich öffentlich machen. U.a. deshalb hat Reich darauf insistiert, daß sein Archiv 50 Jahre nach seinem Tod versiegelt bleibt. Er konnte davon ausgehen, daß nach dieser Frist die meisten seiner Zeitgenossen weit jenseits der 80 bzw. schon lange tot sein würden. Ich kann mir nicht vorstellen, daß er es beispielsweise gutgeheißen hätte, daß der arme Paul Ritter schon vor dieser Frist erfahren hat, was Reich wirklich von ihm hielt. Siehe dazu die für mein Dafürhalten gegen Reichs Intentionen bereits 1983 erschienene Korrespondenz mit Neill Zeugnisse einer Freundschaft.

Und was ist mit dem Kampf gegen die Emotionelle Pest? Die Emotionelle Pest ist dadurch gekennzeichnet, daß die vorgeschobenen Motive nicht mit den wahren Motiven übereinstimmen. Man denke etwa an die propalästinensischen Aktivisten, denen das Schicksal anderer Völker, etwa die Zwangsarabisierung der Berber, vollkommen gleichgültig ist. Sie geben einen Dreck auf die sogenannten „Palästinenser“, tatsächlich wollen sie nur ihren Judenhaß ausleben.

Die Pest arbeitet mit dem, was man im Englischen als „character assasination“ bezeichnet und ungenügend mit „Rufmord“ übersetzt. Hier wird wild drauflos psychologisiert. Es wird grundsätzlich „ad hominem“ argumentiert und charakteristischerweise die geistige Gesundheit in Abrede gestellt. Das fängt auf dem Schulhof an, wo mißliebige Mitschüler als „kaputte Typen“, „Spastiker“, etc. abqualifiziert werden und hört mit dem politischen Mißbrauch der Psychiatrie auf („Schizophrenie“ unter dem Kommunismus).

Ist die Frage nach der Motivation nicht ebenfalls eine öffentliche Bloßstellung? Die Frage nach der Motivlage ist eine Frage nach der moralischen Integrität einer Person. Diese geht offensichtlich die Mitmenschen etwas an. Kann man der Person vertrauen? Ist sie „ganz“ oder ist sie „geteilt“ und sticht einen in den Rücken, wenn man sich von ihr abwendet? Jenseits davon hat die Öffentlichkeit der „biophysische Zustand“ oder die „Charakterstruktur“ dieser Person nichts anzugehen.

Nehmen wir wieder mich als Beispiel. Vor sehr vielen Jahren hatte ich bei xyz „Orgontherapie“. Im Nachhinein mußte ich dann erfahren, daß diese Person anderen „Patienten“ mitgeteilt hatte, daß „Nasselstein ein Schizophrener ist“. Nun, das ist Emotionelle Pest. Wenn ich umgekehrt die fehlende Integrität dieser Person bloßstelle, dann ist das das Gegenteil von Pest, d.h. ich spiele das Spiel der Pest nicht mit.

Übrigens gegen „character assasination“ kann man sich kaum wehren, denn alles was man tut oder bleiben läßt, kann entsprechend der „Diagnose“ interpretiert werden. Hingegen ist nichts leichter als seine eigene Integrität zu beweisen!