Archive for August 2011

Der DOR-Notstand und El Niño

27. August 2011

Reich zufolge zeigt sich der DOR-Notstand nicht nur in atmosphärischen Erscheinungen (insbesondere verheerenden Regengüssen, die eine „skelettierte“ Landschaft zurücklassen, einerseits und Dürre andererseits), sondern vor allem auch im Verhalten der Menschen. Es ist buchstäblich eine „Atmosphäre der Gewalt“.

Zu seiner Zeit konnte Reich diesen Zusammenhang nur anekdotisch belegen, d.h. beispielsweise mit Sammlungen von Zeitungsberichten, die vielleicht von der Theorie überzeugen, – die bereits von ihr überzeugt sind.

An anderer Stelle habe ich auf den statistisch gesicherten Zusammenhang zwischen Kälteperioden in gemäßigten Breiten und Kriegen hingewiesen, etwa in China und in Europa. Nun haben Salomon Hsiang (Columbia University, New York) et al. statistisch nachgewiesen, daß das Wetterphänomen El Niño, das von trockener Hitze geprägt wird, das Konfliktrisiko in den betroffenen tropischen Regionen erhöht. Es kommt nicht nur zu extremen Regenfällen in vormaligen Dürregebieten und Dürren, die zu verheerenden Bränden in Regenwäldern führen können, die betroffenen Länder haben auch ein doppelt so hohes Risiko für gesellschaftspolitische Unruhen und Bürgerkriege.

[Die Forscher verglichen] 93 Länder, die von Auswirkungen des Phänomens betroffen sind, mit 82 Ländern, deren Wetter aufgrund ihrer geographischen Lage nicht von El Niño beeinflußt wird. Anhand von Daten aus den Jahren 1950 bis 2004 ermittelten sie zunächst ein weltweites Konfliktrisiko. Laut den Forschern liegt die Wahrscheinlichkeit für gewaltauslösende Konflikte in kühleren La-Niña-Jahren bei etwa drei Prozent. In El-Niño-Jahren war das Risiko für solche Konflikte doppelt so hoch, es lag bei sechs Prozent. In nicht von den Wetterphänomenen betroffenen Ländern blieb die Zahl der Konflikte in etwa gleich. Würden diese Länder ständig unter Bedingungen leben, wie sie La Niña mit sich bringt, könnte die Zahl der Konflikte um etwa 21 Prozent reduziert werden, errechneten die Forscher – im ausgewerteten Zeitraum entspräche das 48 Konflikten und Kriegen.

Man schließt auf einen mechanischen Zusammenhang zwischen vermindertem Nahrungsangebot in ärmeren Ländern und gesellschaftspolitischen Konflikten. In wohlgeordneten Ländern wie Australien hat El Niño entsprechend auch nicht die beschriebenen Auswirkungen.

Wäre Reichs Theorie richtig, und es ginge primär um energetische Veränderungen in der Atmosphäre, müßte sich auch in Australien diese „Gewaltatmosphäre“ äußern. Eine entsprechende statistischer Erhebung beispielsweise häuslicher Gewalt wäre interessant. In diesem Zusammenhang habe ich nur anekdotische Berichte wie diesen hier gefunden.

ORANUR und Immunisierung

25. August 2011

Das ORANUR-Experiment sollte ursprünglich zeigen, daß die Orgonenergie auch hinsichtlich radioaktiver Strahlung als heilendes Agens wirkt, d.h. den Auswirkungen der Radioaktivität, wenn nicht sogar dieser selbst, entgegenwirkt. Die unmittelbaren Resultate erwiesen das Gegenteil. Es zeigte sich, daß, beispielsweise bei Strahlenkrankheit, die Orgonenergie den Zustand des Patienten weiter verschlechtert und die Radioaktivität das Orgon selbst toxisch macht („ORANUR-Reaktion“).

Immerhin gab es nach einiger Zeit Anzeichen, daß Reichs Arbeitshypothese doch ihre Berechtigung hatte:

Zuletzt brachte das ORANUR-Experiment doch einige Hoffnungsschimmer mit sich, die Wirkung der Kernstrahlung neutralisieren zu können. Reich und seine Mitarbeiter fanden, daß nach den anfänglichen Auswirkungen das ORANUR Immunisierungseffekte hatte: sie konnten besser damit fertigwerden, wenn sie dem ORANUR erneut ausgesetzt wurden. So weist das ORANUR-Experiment in Richtung auf einen gewissen Schutz gegen Nuklearstrahlung. Bevor jedoch eine Nutzanwendung möglich wird, muß die Menschheit auf die Orgonenergie selbst und die Gefahren des ORANUR, das durch die Wechselwirkung von Kernstrahlung und dem Orgon erzeugt wird, hingewiesen werden.

Gian Luigi Russo et al. vom Italian National Research Council CNR in Pisa und Avellino haben entdeckt, daß Körperzellen als Reaktion auf eine kontinuierliche, milde Bestrahlung eine Art Immunität entwickeln können.

Bei ionisierender Strahlung, inklusive Röntgenstrahlung, galt bisher, je höher die Strahlendosis desto höher das Krebsrisiko. Nun wurden vom italienischen Forscherteam die Auswirkungen einer ständigen Exposition mit einer vergleichsweise niedrig dosierten Röntgenstrahlung getestet, wie sie insbesondere Kardiologen ständig ausgesetzt sind. Bereits Paracelsus habe die Hypothese aufgestellt, daß geringe Dosen von Giften sich positiv auf den Organismus auswirken können.

Ein Vergleich von Blutproben der Kardiologen und einer Vergleichsgruppe ergab folgendes Bild:

Das zu den reaktiven Sauerstoffspezies (ROS), bzw. „freien Radikalen“, gehörende Wasserstoffperoxid und die Caspase-3, ein Enzym, das eine Schlüsselrolle beim Auslösen des „Zellselbstmordes“ (Apoptose = bionöser Zerfall) spielt, spiegeln beide unmittelbar den Streß durch die ionisierende Strahlung wider. Das Antioxidans Glutathion schützt hingegen die Zelle vor Schäden durch Radioaktivität. Bei den Kardiologen war nun nicht nur die Konzentration des schädlichen Wasserstoffperoxids höher als bei der Vergleichsgruppe, sondern auch die des schützenden Glutathion. Außerdem war bei den Kardiologen die Caspase-3 vor allem in den Lymphozyten übermäßig aktiv. Die sich dadurch ergebende erhöhte Anfälligkeit der Lymphozyten für Apoptose, könne, so die mechanistische Denkweise, dazu dienen, Zellen mit beschädigtem Erbgut zu beseitigen und so deren „krebsige Entartung“ zu verhindern.

Funktionell betrachtet haben wir auf der einen Seite den bionösen Zerfall, d.h. nicht nur die Apoptose, sondern auch die Oxidation, eine Art „inneres Verrosten“ (= bionöser Zerfall), auf der anderen Seite das Glutathion, das diesem Zerfall entgegenwirkt.

Reichs innere Dämonen und wir

16. August 2011

In meiner Jugendzeit war ich ein großer Fan der Verfilmungen der Kurzgeschichten von Edgar Alan Poe durch Roger Corman Anfang der 60er Jahre. Diese Filme sind ein echtes Wunder, denn es sind nicht nur B-, sondern fast schon C-Produktionen. In bereits vorhandenen Filmsets und mit Kostümen aus dem Fundus wurden sie so schnell und mit so wenig Verbrauch sündhaft teurer Farbfilmrollen wie irgend möglich abgekurbelt. Und trotzdem sind es unvergeßliche cineastische Meisterwerke mit sensationell guten Schauspielern, nicht zuletzt dem göttlichen Vincent Price. Hollywood kann heute Abermillionen in einen solchen Film investieren, niemals wird es in der Lage sein, die unvergleichliche Atmosphäre und Intensität dieser alten Billigproduktionen zu reproduzieren.

Neulich habe ich mir Pit and the Pendulum auf Youtube angeschaut:

Der erste Gedanke, der mir danach kam: Mein Gott, das ist die Lebensgeschichte Reichs! So etwa muß sich Reichs Sohn Peter Reich gefühlt haben, als er sich im Kino den SciFi-Horror-Schocker Die Fliege von 1958 angeschaut hatte. Peter Reich erinnert sich:

Der Film handelt von einem Wissenschaftler, der entdeckt hat, wie man Materie durch den Raum senden kann. Er hat dazu einen besonderen Kasten entwickelt.

Im Verlauf einer solchen „Transmigration“ verlagern sich die Moleküle einer Stubenfliege auf den Wissenschaftler, der nun einen Fliegenkopf und einen Fliegenarm hat.

(…) mit der Zeit beginnt das Fliegenhirn, den Körper des Wissenschaftlers zu beherrschen. Schließlich bekommt der berühmte Wissenschaftler vor seinen animalischen Instinkten Angst und veranlaßt seine Frau, ihn zu beseitigen.

In der letzten Szene tröstet ein wohlmeinender Onkel die Witwe und den Sohn des Wissenschaftlers. Er sagt dem Sohn, sein Vater sei „auf Wissen der Zukunft gestoßen“, und „möglicherweise wird die Welt nach vielen Jahren seinen Beitrag begreifen“, und „er war seiner Zeit voraus“.

(…) Die Leute erheben sich von ihren Sitzen und verlassen nach und nach das Kino, nur ich sitze da, betäubt und benommen. In dem Kino lachten die Leute darüber, wie unglaubwürdig Die Fliege sei, obwohl in demselben Kino mitten in der Menge jemand saß, der etwas Ähnliches erlebt hatte, und das war wirklich geschehen. Aber in einem Film war es einfach glaubwürdiger. (Der Traumvater, München 1975, S. 254)

In Pit and the Pendulum wird die Geschichte eines spanischen Schloßbesitzers (gespielt von einem genialen Vincent Price) im 16. Jahrhundert beschrieben, der als Kind mit ansehen mußte, wie sein Vater, ein Mitglied der „Spanischen Inquisition“, seinen eigenen Bruder (den Onkel des kleinen Jungen) wegen Ehebruchs erschlug und danach seine Ehefrau (die Mutter des kleinen Jungen) erst bestialisch folterte und dann lebendig einmauerte. Am Ende der Erzählung, bzw. des Films, wiederholt sich das ganze durch tragische Verwicklungen.

Der Film zeigt plastisch, wie die Schuldgefühle den Schloßbesitzer, der das Geschehene dadurch zu bewältigen versucht, indem er das ultimative Folterinstrument baut („das Pendel des Todes“), innerlich auffressen und wie Intrige und Verrat ihn schließlich in den Wahnsinn treiben.

Das könnte, in der wirklich denkbar boshaftesten Interpretation, auch die Lebensgeschichte Reichs sein! Der hatte in seiner ersten veröffentlichten psychoanalytischen Fallgeschichte überhaupt, die Tragödie seiner Kindheit nacherzählt (Frühe Schriften). Er hatte den wiederholten Ehebruch seiner Mutter beobachtet und seinen jähzornigen Vater darüber in Kenntnis gesetzt. Dieser trieb dann mit seinen ständigen Vorwürfen die Mutter Reichs in den Selbstmord. Noch in den 1930er Jahren sei Reich, wie seine damalige Frau Elsa Lindenberg berichtete, nachts aus dem Schlaf aufgeschreckt: „Ich habe meine Mutter umgebracht!“ In seiner Reich-Biographie Fury on Earth versuchte Myron Sharaf Reichs gesamte Lebensgeschichte aus dem tragischen Geschehen zu erklären. Beispielsweise sei Reichs Lebensarbeit der Versuch die Schuld, die er auf sich geladen hatte, abzutragen („Messias-Komplex“).

Die Orgonomie kann nur stolz darauf sein, daß „ihre“ mehr oder weniger „offizielle“ Reich-Biographie alles andere als ein geschöntes Bild Reichs zeichnet!

Es gibt Orgonomen, die sich gegen Fury on Earth ausgesprochen haben, weil es zu sehr auf die „psychodynamische“ Entwicklung Reichs abziele und zu wenig von Reichs zweifellos vorhandener genitaler Gesundheit beschreibe, aber tatsächlich hat Sharaf der Orgonomie einen ungeheuren Dienst erwiesen. Jeder, der sich mit der Geschichte der Orgonomie beschäftigt, sollte immer wieder kritisch hinterfragen, ob im gegebenen Fall wirklich „Wilhelm Reich“ zum tragen kommt oder wir es doch eher mit einer Äußerungsform von dessen inneren Dämonen zu tun haben. Man denke etwa an Reichs Führungsstil, seine Entscheidungen, wenn er unter extremem Streß stand, etc.

Es geht nicht darum Reich posthum zu „entzaubern“. Es geht nicht um „Verrat“ an irgendeiner „Sache“, sondern ganz im Gegenteil darum, Reich mit mehr Empathie zu behandeln! Etwa nachzufühlen, warum er so früh ergraut und so schrecklich schnell gealtert ist.

Nun, Reich ist tot und hat seinen Frieden gefunden. Es geht vor allem um uns! Wie mir mal ein Orgonom im Gespräch sagte: „Theoretisch sollte die Orgonomie von Lebensglück, Lust und Freude geprägt sein, doch tatsächlich ist sie voller Streit, Auseinandersetzungen und Tragik.“ Es ist, als würde alles ein schwarzes Miasma umwehen, so als wirkten die Dämonen fort, die Reich gequält haben. Cormans filmische Adaption von Poes Erzählung vermittelt den emotionalen Gehalt dessen, was Sharaf beschrieben hat.

Wie Reich seinen Sohn Peter am Ende ermahnt hat: Das wichtigste im Leben ist es glücklich zu sein!

Ist die Orgonomie ein Kult?

6. August 2011

Kulte erkennt man daran, daß von bzw. in ihnen das logische Denken (und damit das selbständige Denken) untergraben und schließlich zerstört wird. Ihre Hauptmethode ist dabei das Übermannen mit Material. Beispielsweise kann man „beweisen“, daß 1 plus 1 nicht 2, sondern 3 ergibt, indem man der einen Rechnung „1 + 1 = 2“ ganze Bände mit zigtausenden von entsprechenden Fehlrechnungen „1 + 1 = 3“ von Erstklässlern entgegenhält. „Eins plus eins“ braucht man doch nur abzählen: das ergibt eindeutig 3!

Wenn eine Formulierung nicht in sich klar, nachvollziehbar und logisch ist, bringt es nichts, auf „die Literatur“ zu verweisen! Auf diese Weise ließe sich nämlich wirklich jede Aussage „beweisen“. Mit entsprechenden „Querverweisen“ ließe sich ein ganzes Gedankensystem aufbauen, das keinerlei Verknüpfung zur Realität hat. Eines erklärt das andere – und alles zusammen hängt in der Luft wie ein paranoides Wahnsystem. So sehen beispielsweise die „Grundlagen“ der vermeintlichen „Esoterik“ aus.

Das ist bei der Orgonomie eindeutig nicht der Fall. Sie ist kein in sich geschlossenes Gedankengebäude, in dem das eine Element das andere abstützt, sondern alles geht immer wieder von neuem nachvollziehbar auf die Klinik und das Labor zurück.

Ein weiteres Element kultischen „Denkens“ ist die Gleichsetzung von Abfolge und kausaler Beziehung. Beispielsweise kann sich einer Übung, einem Ritual, etc. ein Erfolgserlebnis anschließen. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, daß das Zweite Ergebnis des Ersten ist! Um das festzustellen bedarf es Experimente, in denen die Randbedingungen kontrolliert werden. In der Psychotherapie ist so etwas leider so gut wie unmöglich, aber immerhin war Reich der erste Psychoanalytiker, der objektive Kriterien für einen Therapieerfolg anmahnte und erste Statistiken präsentierte. Und je „körperlicher“ seine Therapie wurde, desto greifbarer wurden die „Therapieergebnisse“.

Und was ist, wenn sich kein Therapieerfolg einstellen will? Ein Kultanhänger ließe sich davon nicht irritieren und erwiderte einfach, daß das dann halt gar keine richtige Orgontherapie war! Nun ist es aber so, daß die Orgontherapie ja gerade auf der Aufarbeitung von gescheiterten Therapieversuchen beruht. Auf diese Weise entwickelte sich im „Technischen Seminar“ die systematische Charakteranalyse aus der ursprünglichen Psychoanalyse, bei der das Unbewußte mehr oder weniger willkürlich mit Deutungen „beschossen“ wurde. So entwickelte sich die Vegetotherapie aus der Charakteranalyse, als klar wurde, daß das Unbewußte in der körperlichen Panzerung direkt greifbar war und dergestalt auch Fälle behandelt werden konnten, die zuvor unzugänglich geblieben waren. Und als dann deutlich wurde, daß der Körper nicht nur einfach „gepanzert“ ist, sondern diese Panzerung eine klare segmentäre Struktur besitzt, ohne deren Berücksichtigung sich der Körper an einer Stelle um so mehr abpanzert, desto mehr man ihn an anderer Stelle entpanzert, entwickelte sich aus der Vegetotherapie die Orgontherapie. Aus dieser wurde schließlich die moderne Orgontherapie, nachdem sich immer mehr herausstellte, daß zu viel Aktivismus und „Technik“ von seiten des Therapeuten kontraproduktiv und letztendlich mechanistisch ist. Der wirkliche therapeutische Faktor ist der Kontakt zwischen Therapeut und Patient.

Das bringt uns schließlich zum Hauptpunkt, wegen dem zunächst der Psychoanalyse und dann der Orgonomie vorgehalten wurde, es handele sich jeweils um Kulte: Wer dem ganzen nicht folgen mag, bei dem kommt das Unbewußte zum Ausdruck („Widerstand“), bzw. er ist „gepanzert“. Noch schlimmer, ihm wird vorgehalten, daß diese widerständigen Regungen sexueller, meist homosexueller, Natur seien (Psychoanalyse), bzw. daß er „orgastisch impotent“ sei (Orgonomie). Wer Leuten so etwas an den Kopf wirft, hat von der Orgonomie nichts verstanden (wenn man mal von allgemeinen Erläuterungen über den Zustand der „gepanzerten Menschheit“ absieht). Es geht im konkreten Fall nicht um „Panzerung“ per se, sondern um die Art der Panzerung. Es kann beispielsweise auch sein, daß jemand sehr empfindlich, geradezu „allergisch“ auf die Orgonomie reagiert, weil er allgemein besonders wenig gepanzert ist. Oder in ihm eine unerträgliche Sehnsucht aufkommt, weil der Brustkorb praktisch ungepanzert ist. Oder umgekehrt „das ganze“ ihn „kalt läßt“, weil der Brustkorb vollkommen erstarrt ist.

Kultisch wirkt es auch, wenn man im vermeintlichen „Kampf gegen die Emotionelle Pest“ dem Kritiker Dinge unterstellt, die er gar nicht gesagt hat, aber „aufgrund seiner Charakterstruktur“ angeblich gemeint hat. Beispielsweise wird so aus jemanden, der die angeblich „politisch konservative Ausrichtung der Orgonomie“ infrage stellt, unvermittelt ein „Kommunist“. Ich glaube, das ist der Bereich, wo die Orgonomie tatsächlich kultische Züge annimmt. Ich habe mich damit bereits in Reichs „Sozialpsychiatrie“ (Teil 2) befaßt.

Kultisch ist es vor allem, wenn man auf Kritiker überhaupt nicht mehr hört, weil generell die bisherige Kritik nichts weiter war als üble Nachrede und Unterstellung. Man kann jedoch nicht von der Masse an haltloser Kritik darauf schließen, daß jede einzelne Kritik haltlos ist, genausowenig wie man von einer einzelnen haltlosen Kritik darauf schließen kann, daß jedwede Kritik haltlos ist. Wer aufgrund solchen unlogischen „Denkens“ seine Ohren für jedwede Kritik verschließt, handelt töricht und selbstschädigend, zumal dieses Verhalten nach außen hin vollkommen indiskutabel ist. Reich selbst mußte hinsichtlich der Kritik durch Mildred Brady konstatieren: „Ja, das ist ein Kult!“, als ihm auffiel, wie seine „Mitarbeiter“ (in diesem Fall wohl eher seine Jünger!) seine Büste behandelten und wie viele Photos seines Konterfeis in der Zeitschrift der medizinischen Orgonomen abgedruckt wurden.

Also, ist die Orgonomie ein Kult? Von ihrer Struktur her nicht, jedoch gibt es Kristallisationspunkte, um die herum sich sehr schnell ein Kult ausbilden könnte. Das hängt davon ab, inwiefern die Vertreter der Orgonomie klar und logisch denken können, d.h. vor allem vom Zustand ihres Augensegments. Deshalb ist es auch so wichtig, daß wirklich jeder, der sich mit Orgonomie beschäftigt, in Therapie ist. Und zwar nicht irgendeine „Reichianische Therapie“, die durchweg die Augenpanzerung verstärken, sondern eine Therapie bei den handvoll autorisierten Therapeuten. Reich hat darauf bereits in den 1930er Jahren bestanden. Nun ist es aber so, daß für den Außenstehenden gerade dies das Kennzeichen eines Kultes ist – daß jeder sich einer „Gehirnwäsche“ unterziehen muß. Und das auch noch unter ungeheuerem persönlichem Aufwand bei den ganz ganz wenigen Spezialisten!

Spätestens hier muß der Dialog zwischen der Orgonomie und ihren Kritikern abbrechen, denn hier tut sich tatsächlich die unüberwindbare „generelle Kluft“ auf, von der ich oben gesprochen habe:

Die Lösung bietet einzig das Projekt „Kinder der Zukunft“, d.h. eine rationale Welt, in der Orgontherapie weitgehend überflüssig ist.