The Journal of Orgonomy (Vol. 14, No. 1, May 1980)

Der Biochemiker Friedrich Cramer bringt die mechano-mystischen Haltung „der Wissenschaft“ besonders klar zum Ausdruck, wenn er in Bezug auf die Liebe zunächst mechanistisch formuliert: „Es ist offensichtlich, daß Liebe kein physikalisches Prinzip ist oder durch noch so viel Nachdenken dazu gemacht werden könnte.“ „Liebe ist nicht wissenschaftsfähig.“ Um dann mystisch zu ergänzen: „Trotz ihrer tausend Facetten ist die Liebe die eine Grundsubstanz des Lebendigen, sie ist die Schwingung zwischen den Polen des Lebens“ (Symphonie des Lebendigen, Frankfurt 1996, S. 211). Mit anderen Worten: das Lebendige steht außerhalb der Wissenschaft. Entsprechend dröge und steril (gleichzeitig verkitscht und mystisch) sind Cramers Bücher – die das lebendigste und „orgonometrischste“ sind, was die moderne Wissenschaft überhaupt zu bieten hat.

Liebe wird als etwas hingestellt, was sich jeder Naturbeschreibung entzieht, wird aber gleichzeitig zu einem umfassenden Prinzip überdehnt, das allem zugrundeliegt!

In seinem wunderschönen kurzen Text „On Love“ hat Elsworth F. Baker beschrieben, was Liebe für die Orgonomie bedeutet. Liebe ist kein letztendlich unergründbares, d.h. kontaktloses „göttliches Prinzip“ (oder was auch immer), sondern etwas, von dem jeder kontaktvolle Mensch unmittelbar weiß, was es ist. In unserer gepanzerten Welt mag Liebe etwas Seltenes sein, aber sie ist nichtsdestoweniger etwas sehr Konkretes. Aufgrund von Bakers Text möchte ich es in den folgenden Punkten beschreiben, um dem Thema auch den letzten Rest von Mystik zu nehmen:

  1. Liebe ist die orgonotische Erstrahlung des Organismus, wenn sie in erster Linie im Genital verspürt wird.
  2. Diese Erstrahlung tritt auf, wenn der Geliebte nahe ist, es reicht aber schon der Gedanke an ihn.
  3. Anfangs ist das kein sexuelles Verlagen, sondern „Verehrung“. Man möchte den Verehrten umarmen, streicheln, liebkosen.
  4. Im Verlauf der Zeit tritt das überwältigende Verlangen hinzu sich mit ihm sexuell zu vereinigen.
  5. Liebe ist selbstlos. Sie will, daß der andere glücklich ist und erlaubt ihm entsprechend „alle Freiheiten“. Wobei natürlich ein gewisses Ausmaß an Eifersucht nur natürlich ist.
  6. Liebe kann eine Nacht dauern oder ein Leben lang. Das hängt von den äußeren Umständen ab und wie gut die Partner im Alltag zueinander passen, gemeinsame Interessen haben, etc.

Bis jetzt haben wir Liebe besprochen, die nach einem sexuellen Ausdruck verlangt. Es gibt eine andere Liebe, die dieser in jeder Hinsicht gleicht, außer daß Sex nicht nur nicht gewünscht wird, sondern als unangenehm empfunden würde. Das ist die Liebe, die man für einen Elternteil, ein Kind oder einen Freund desselben oder entgegengesetzten Geschlechtes fühlt. Liebe wird auch hier im Genital verspürt, man gerät in Gegenwart des anderen in Erregung, aber Sex ist keine Option. Es ist offensichtlich, daß das so sein sollte, aber warum es so ist, kann ich nicht sagen. Wo Sex in solchen Zusammenhängen zur Option wird, finden wir einen äußerst neurotischen Hintergrund.

Die Liebe ist nicht die eine mystische „Grundsubstanz“ und man kann die Liebe durchaus wissenschaftlich erforschen. Siehe etwa Reichs Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst.

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Eine Antwort to “The Journal of Orgonomy (Vol. 14, No. 1, May 1980)”

  1. O. Says:

    Ich hoffe mal, zum Thema Liebe fällt jedem etwas ein.

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