Die Massenpsychologie der antiautoritären Gesellschaft

Ich schreibe diesen Blogeintrag im IC auf dem Weg nach Hamburg. Neben mir an den mittleren Tischen im Großraumwagen sitzt ein Vater mit seinen beiden Söhnen im Vorschulalter. Der ältere „singt“ entnervend, der Vater bittet ihn immer wieder und wieder und nochmals, daß er doch endlich aufhören solle. Keinerlei Reaktion, wenn man von einem hämischen Gelächter des Jungen absieht. Desgleichen bittet der Vater, daß er sich doch nicht ständig weit über den Platz der jungen Frau, die neben ihm sitzt, lümmeln solle, ebenfalls keine Reaktion. So die ganze Fahrt über. Schließlich, ist der Vater so genervt, daß er ihn wegen einer Nichtigkeit schmerzhaft anstubst – und sich wortreich rechtfertigen muß. Das ganze erinnert fatal an ein sadomasochistisches Spiel. Der kleine Bruder, eindeutig kein Säugling mehr, hat ständig einen Schnuller im Mund, auch während er spricht. Am Ende der Fahrt fängt er herzzerreißend zu schreien an. Seine Verzweiflung ist grenzenlos. Ich denke, er hat sich schwer verletzt, irgendwo eingeklemmt oder so, tatsächlich ist er mit seiner linken Hacke beim Anziehen nicht richtig in den Schuh gekommen. Eine für ihn scheinbar unaufhebbare mißliche Lage.

In meiner Kindheit wären der trottelig-gutmütige Vater, der sadistische ältere Bruder und der schnullernde kleine Bruder schlichtweg undenkbar gewesen, allein schon, weil niemand das jeweilige Verhalten der drei toleriert hätte. Das verpeilte Trio hat die Mutter besucht. Kaum eine Szene beschreibt besser das, was man treffend als „antiautoritäre Gesellschaft“ bezeichnen kann. Noch Anfang der 1970er Jahre hätten die drei wie Aliens aus dem Weltall gewirkt!

Gepanzerte Gesellschaften kann man wie folgt beschreiben:

Die obige Gleichung beschreibt die „ödipale“ Struktur der gepanzerten Gesellschaft, in der der von Rationalität und Kalkül geprägte Staat, dem man Gehorsam und Gefolgschaft schuldig ist, den Vater verkörpert („Recht und Ordnung“) und die damit nicht unbedingt identische Nation, die sich vor allem durch sentimentale Gefühlsbindungen konstituiert, die Mutter („Blut und Boden“).

Wie Reich in der Massenpsychologie des Faschismus ausgeführt hat, ist die alte autoritäre Gesellschaft von zwei Triebkräften geprägt:

  1. Angst vor dem Vater Staat
  2. Sehnsucht nach der Mutter Nation

Beides kommt im Nationalismus zum Ausdruck. In Deutschland zeigte sich das im Kampf gegen den „jüdischen Bolschewismus“, der sich rebellisch dem gefürchteten Vater entgegenstellt und die Mutter „nimmt“, – und im gleichzeitigen Kampf gegen den „jüdischen Kapitalismus“, der die geliebte Mutter „fickt“, sie mit seinem „Mammonismus“ „entehrt“. (Zu letzterem siehe meine Ausführungen über die sozusagen „nicht-völkischen“ und gleichzeitig „sexuellen Ursprünge“ des Kapitalismus.)

Natürlich war die Begründung für den besagten Kampf, d.h. „die Reaktion“, nicht ganz aus der Luft gegriffen, wenn man mal vom Antisemitismus absieht, denn zweifellos waren in den 1920er und 30er Jahren sowohl durch die antikapitalistischen als auch die kapitalistischen Kräfte die traditionellen Einrichtungen, angefangen bei der Familie, bedroht. Beide zerstörten die autoritäre Familie, den autoritären Staat, und machten die Nation bedeutungslos („Globalisierung“). Das mündete, wie in Die antiautoritäre Gesellschaft beschrieben, schließlich in der antiautoritären Gesellschaft, die das genaue Gegenteil der autoritären Gesellschaft ist:

  1. Sehnsucht nach dem Vater Staat
  2. Angst vor der Mutter Nation

Die logische Konsequenz dieser beiden Bestrebungen ist der Internationalismus, der heute jede Facette des gesellschaftlichen Denkens durchdringt.

Die ödipale Rebellion gegen alles, wofür der Vater steht, war auf allen Ebenen erfolgreich: der Vater wurde zum „Freund der Kinder“, eine im Grunde verachtete Witzfigur, die männlichen „Sekundärtugenden“ wurden durch weibliche Gefühlsduselei ersetzt und der Staat wurde der Inbegriff von impotenter Ineffizienz, weil er für alles und jedes zuständig wurde („Sozialpolitik“). Heute bestimmt fast ausschließlich die Mutter bzw. weibliche „Bezugspersonen“, „Betreuerinnen“ und Lehrerinnen das Leben der Kinder.

Früher führte die Angst vor dem Staat und die Sehnsucht nach der „Volksgemeinschaft“ tendenziell zu einer Art „Selbstorganisation“: die autoritäre Familie war selbst eine Art Kleinstaat und die gefürchtete Obrigkeit brauchte kaum einzugreifen. Heute ist es genau umgekehrt: die „Volksgemeinschaft“ wurde zum Horror schlechthin, zur alles verschlingenden bösen Mutter, und der „Idealstaat“ (man denke nur an den absurden Begriff „Verfassungspatriotismus“!) wurde zur alleinigen Orientierung. Der „Nazi“ wird folgerichtig zum Leibhaftigen, zur Verkörperung des apokalyptisch Bösen, zum „(Anti-) Juden“. Europakritiker, Patrioten, Konservative, „neoliberale Raubtierkapitalisten“, geistig gesunde Menschen – alles nichts als „Nazis“!

Der einzige Halt, der den Menschen bleibt, ist der Staat, der sich ineffizient, wie er gemacht wurde, immer mehr zu einer Art religiösen Utopie verflüchtigt und zusehends in ein imgrunde mystisches Jenseits versetzt wird: die „Überwindung der föderalen Kleinstaaterei“, Europa, die UN bringen das Glück. Die Nation wird hingegen erbarmungslos „dekonstruiert“. Waren früher die phantasmagorischen „Juden“ der Feind, sind es nun nicht minder phantasmagorische „Nazis“. Genauso wie die „Juden“ früher auf phantasmagorische Weise Mutter Germania „verkauften“, schänden heute die „Nazis“ die Idee des Internationalismus.

Früher führte die Angst vor dem Vater dazu, daß, wie gesagt, die Menschen sozusagen selbst „Vater spielten“: „Selbstdisziplin“. Heute führt die Angst vor der immer mehr dominierenden Mutter dazu, daß die Gesellschaft in lauter voneinander isolierte „Kleinnationen“ zerfällt: „Tribalismus“ (etwas grundsätzlich anderes als „Kleinstaaterei“!). Alles dreht sich um die „Identität“, die etwa durch die Perversion, der man zufällig frönt, definiert wird. Das größte Verbrechen ist es, die „Gefühle“ eines dieser bizarren Gestalten zu verletzen. Es ist eine Welt, die genauso irre ist, wie es die Welt des Nationalsozialismus war, als sich alles um die „Nationalehre“ drehte. Siehe dazu meine Ausführungen in Linker Obskurantismus.

Zusammengefaßt haben wir:

Die von Reich beschriebene autoritäre Gesellschaft mit ihrer Unterdrückung der Sexualität durch den Vater, die den ödipalen Drang zur Mutter verstärkt (Mystizismus):

Angst vor Vater Staat → Sehnsucht nach Mutter Nation

Seit etwa 1960 tritt an Stelle der alten Gesellschaft, die neue antiautoritäre Gesellschaft, die von Charles Konia in The Emotional Plague beschrieben wurde. Hier führt die Vereinnahmung durch die Mutter zur ressentiment-besetzten Ablehnung aller natürlich gewachsenen „mütterlichen“ Strukturen, zur Flucht in künstlich konstruierte „väterliche“ Strukturen, d.h. zum Multikulturalismus, der eigentlich „Exokulturalismus“ heißen sollte (Mechanismus):

Angst vor Mutter Nation → Sehnsucht nach Vater Staat

Selbstverständlich gilt das hier gesagte ausschließlich für „Biodeutsche“. Türken und andere „Migranten“ leben weiterhin in autoritären Parallelgesellschaften – die mit der antiautoritären Gesellschaft nach Belieben spielen, da sie durch den erwähnten „Tribalismus“ geschützt werden, sakrosankt sind.

Als Ergänzung dieser Ausführungen empfehle ich Die Blase wird platzen von Bernhard Lassahn.

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13 Antworten to “Die Massenpsychologie der antiautoritären Gesellschaft”

  1. Robert (Berlin) Says:

    „Als Ergänzung dieser Ausführungen empfehle ich Die Blase wird platzen von Bernhard Lassahn.“

    Dieser Artikel, besonders der Originalartikel, bestätigt besonders die Evolutionsbiologie.
    Wie ich schon immer behauptete, es ist grotesker Unfug, die Orgonomie gegen die Evolutionsbiologie zu stellen.
    Sicherlich gibt es primitiven Biologismus („Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ etc), aber wer die ernsthafte Literatur liest, kann sich schnell ein realistisches Bild machen.

  2. O. Says:

    Der Artikel beschreibt einige Probleme, die sonst wohl nicht gesehen werden: Die Sondersteuer – „Dein Kind bekommt Unterhalt nach SGB II“ (gemeint ist das soziale Kind des anderen) und jetzt, Mann, rück auch den letzten Groschen rüber. MfG dein Jobcenter –

    Kiezbefruchter müssen für ihre leiblichen Kinder nichts zahlen, das besorgen ja anderen „Stief/ Soziale Väter“. Unterhalt für ihre Geschwängerten zahlen sie ohnehin nicht. … Der „Vater Staat“ – die Metapher für Terrorismus – will nicht zahlen für die Frauen und ihre Kinder, weils einfach zu teuer werden könnte. Dieses „Steuerverbrechen“ hat aber keine feministische Partei erfunden, die gibts es ja nicht, sondern die, die immer nicht verantwortlich sind für ihr tun. (HIGS)

    Die Erklärung alpha- und beta-Männchen hinkt und die Frauen seien an allem Schuld, als hätten sie die Gesetze verabschiedet. Als wären sie dran Schuld, dass sie nicht liebesfähig sind, wozu sie biologisch wohl verpflichtet seien, oder?

    Einige Tipps für Männer sind jedoch überlegenswert:
    1. heirate nicht
    2. trenne dich
    3. habe deine eigene Wohnung
    4. habe einen guten Anwalt
    5. weiß vorher, dass dir deine Kinder nicht gehören werden
    6. denke dir deine eigenen Tipps aus
    7. weiß was zu tun ist, wenn du ein alpha-Tier triffst

    Ansonsten merke: Der Staat ist nicht dein Vater, die Nation ist nicht deine Mutter, du bist kein Kind mehr – und „futuristisch“ ausgedrückt bist du „beta“ eine ID Nummer des „großen Bruders“.

    Daraus ergibt sich nur eine Frage: Wer willst Du sein in 2012?

  3. Peter Nasselstein Says:

    Das Photo!!! http://www.pi-news.net/2015/09/selbstgerecht-bis-zur-selbstpreisgabe/ Das Photo kann man wohl nur noch sexualökonomisch erklären. Wir brauchen dringend eine Massenpsychologie des gegenwärtigen Massenwahns in Deutschland, der wieder vorwiegend von Frauen getragen wird, die begattet werden wollen. Um Gottes Wilen, das Photo!

  4. David Says:

    http://www.achgut.com/artikel/die_blase_wird_platzen

    … hier fehlt selbstverständlich das Wichtigste, nämlich die Erinnerung an die Zeiten des Matriarchats. Sonst ist der Artikel ganz gut.

    Im einzelnen:

    Wenn wir einen weiten Blick wagen und im großen Maßstab zurückblicken, dann stoßen wir bei sehr frühen menschlichen Gesellschaften auf einen erstaunlichen Befund: 80% der Frauen haben Kinder, aber nur 20% der Männer. So erstaunlich ist es andererseits auch nicht, in der Tierwelt ist es genauso.

    Diese „sehr frühen“ Gesellschaften sind die von vor den Zeiten des Matriarchats. Wir kennen die kaum.

    Wie ich an anderer Stelle vermutet habe, gibt es da ein gewisses Maß an „Macho-Gebaren“, ein Patriarchat im engeren Sinne ist das jedoch nicht.

    Frauen wiederum sind von Natur aus hypergam, das heißt, sie orientieren sich ausschließlich an Alpha-Männern, die ihnen Schutz und einen optimalen Nachwuchs verheißen, auch wenn sie die begehrten Erzeuger teilen müssen.

    Die übliche Sichtweise, die nur von Polygamie und Monogamie ausgeht, erweist sich somit als nicht ausreichend, wir müssen zusätzlich noch die Hypergamie berücksichtigen.

    (Die „Hypergamie“ spielt bezeichnenderweise in der hiesigen Diskussion über das Verhalten von Frauen keine Rolle, obwohl es ein Schlüsselbegriff ist, mit dem sich vieles verstehen lässt: Frauen orientieren sich „nach oben“; die Frauenpolitik befasst sich ausschließlich mit „Spitzenjobs“; bei Partnerbörsen wählen Frauen als erstes die Gehaltsklasse der Männer, die ihnen vorgeschlagen werden sollen).

    Diese Zustände sind auch in der sozialen Orgonomie bislang kein Thema, decken sich jedoch sehr genau mit meinen eigenen Erlebnissen und Beobachtungen.

    Eine mit mir früher befreundete weibliche Person hat das sogar so immer wieder gesagt der Mann müsse die Frau beschützen.

    In jenen Gesellschaften, wo etwa zwei Drittel von Einkommen und Vermögen in den Händen der Frauen ist, vielleicht auch matrilinear vererbt und matrilokal gewohnt wird, ist der ständige Blick „nach oben“ für die Frauen nicht nützlich. Einfach überflüssig.

    Der Erfolg der Gattung Mensch liegt unter anderem darin, dass er mit der zivilisatorischen Errungenschaft der Ehe, die nicht umsonst von allen größeren Religionen vertreten wird, ein System geschaffen hat, von dem möglichst viele profitieren.

    Von allen größeren Religionen. D.h. von allen patriarchalischen Religionen (Hinduismus, Judentum, Christentum, Islam).

    Statt dass nur einige wenige Alpha-Männer Nachwuchs haben können, darf nun die große Mehrheit heiraten. Beta-Männer hätten sonst auch keine Motivation, überhaupt produktiv zu sein.

    Der Zwang zum Geldverdienen durch Arbeit ist selbstverständlich genau so stark aber quantitativ geringer, wenn ich materiell / finanziell anstatt für Frau und Kinder und mich selber nur für mich selber sorgen muss.

    So aber konnte es zu Kultur- und Arbeitsleistungen im eindrucksvoll großen Maßstab kommen.

    Dass – DeMeo und vielen anderen Forschern / Forscherinnen zufolge – auch matriarchale (matristische) Kulturen große Kultur- und Arbeitsleistungen gebracht haben, sagt er nicht. Diese Tatsache wird ihm – wie den meisten Forschern und Autoren – vollkommen unbekannt sein. Was nicht besonders verwunderlich ist.

    Das Erfolgs-Modell Ehe mit dazugehöriger Treueverpflichtung, bei dem Männer ihre Polygamie und Frauen ihre Hypergamie disziplinieren, bietet Vorteile sowohl für Kinder und Beta-Männer, als auch für Frauen, die nicht mehr gebärfähig sind, aber weiterhin versorgt werden müssen. Die fanden bisher mit ihrem treuen Ehemann, der sie schon in den besten Jahren kennengelernt hat und von dem sie Kinder haben, einen geeigneten Versorger.

    In den alten Kulturen hat die Frau einen hohen Status und die alte den höchsten. Als Schamanin / Medizinfrau erwirtschaftet sie auch das höchste Einkommen.

    Es gibt Kulturen, in denen es kein Geld gibt, aber auch in geldlosen Kulturen gibt es materielle Dinge, durch welche Dienstleistungen und Waren ermöglicht werden, sowie Einkommen, also Vermögen das man erzeugt oder bekommt pro Zeiteinheit. Mathematisch sozusagen Delta V nach Delta t. Es lässt sich nur nicht so einfach messen.

    Werfen wir zum Vergleich einen Seitenblick nach Indien: Da bringen Bräute eine Mitgift mit in die Ehe, die der Ehemann im Fall einer Scheidung einbehält. Dies ist für ihn eine Versicherung, falls sie ihn betrügt oder bei der kleinsten Schwierigkeit die Ehe aufkündigt.

    Das heißt die Frau ist abhängig und kann nicht zurück. Und das findet der auch noch gut! Geht’s noch??

    Es gibt im weiteren Verlauf des Textes viel Kritik am Feminismus, auch daran, dass zum Beispiel pharmakologische Methoden der Empfängnisverhütung erhältlich seien – was an Beatrix von Storch denken lässt die sich wieder die Strafbarkeit der Verhütung wünscht.

    Die matriarchale Gesellschaft kann der Autor – wie viele – sich wie gesagt gar nicht vorstellen. Noch nicht mal die Kultur bzw. Gesellschaft von Früh- und Hochmittelalter. Die muss man – wenn man – wenn man bedenkt dass die Hexenjagd in Mittel- und Westeuropa erst im Spätmittelalter losging, noch als halb-matriarchal bezeichnen.

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