Archive for März 2012

Wir schulden der Natur ein Leben

30. März 2012

Erst der Tod, der Raum schafft für neues Leben, macht den Wandel möglich. Ansonsten fiele die Welt der Stagnation, d.h. dem Tod anheim. Nietzsche zitiert Goethe:

Leben ist die schönste Erfindung der Natur, und der Tod ist ihr Kunstgriff, viel Leben zu haben.

Nietzsche:

Die Liebe zum Leben ist beinahe der Gegensatz der Liebe zum Lang-Leben. Alle Liebe denkt an den Augenblick und die Ewigkeit – aber nie an „die Länge“. (Studienausgabe, Bd. 10, S. 88)

Auf die ewige Lebendigkeit aber kommt es an: was ist am „ewigen Leben“ und überhaupt am Leben gelegen! (Der Wanderer und sein Schatten, A 408)

Reich zitiert Nietzsches Fröhliche Wissenschaft (A 12):

Wer das „Himmelhoch-Jauchzen“ lernen will, muß sich auch für das „Zum-Tode-betrübt“ bereit halten. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer-TB, S. 153)

Wir müssen in diesem ewigen Werden und Vergehen das Leiden und das Illusorische jedes festen Haltes und Lebenssinns akzeptieren, um das Leben lieben zu können. Ohne diese „heroische“, will sagen erwachsene Einstellung werden wir zu Feinden des Lebendigen. Wir enden wie der Mechanist, der uns in seelenlose tote Maschinen verwandeln will, nur weil er das Leben und seine „Grausamkeit“ nicht verkraften kann. Oder wir enden wie die Spiritualisten, die uns zu körperlosen Geistwesen reduzieren wollen, die über der Natur schweben. Das Bewußtsein, das doch bloßes Mittel des Lebens ist, registriert Unlust und Schlechtigkeit, und schon schließt es auf den Wert des Lebens. Wir sind Produkte des Lebens und es ist einfach nur lächerlich, wenn wir uns zu Richtern über es aufschwingen. Dieses Streben nach perfektem Glück und perfekter Gerechtigkeit ist doch nur der nihilistische Wille zur Vernichtung des Lebens, das eben lebt und deshalb niemals so perfekt wie der Tod sein kann. Nur der Tod und das Tote ist ohne Leid und nivelliert alle „ungerechten“ Unterschiede. (Ich habe schon Linke gehört, die allen Ernstes so argumentierten: das Leben als Einbruch „imperialistischer“ Ungerechtigkeit in die Welt „demokratischer“ Entropie!)

Und, wenn denn Tod so schön ist, warum das todbringende Leben als grausam denunzieren?! Man hat, wie Nietzsche schreibt, den Tod nahe genug, um sich nicht vor dem Leben fürchten zu müssen. Und der Tod selber ist kein Schrecknis, weil man gar nicht tot ist! Deshalb fürchteten die „aufgeklärten“ Alten mit Epikur den Tod nicht, sodaß die Kirche die Hölle erfinden mußte, um überhaupt mit etwas Schrecklichem drohen zu können, das bloße „Nichtauferstehen“ reichte nicht (vgl. Nietzsche: Morgenröte, A 72). Paulus & Co. sagen im Effekt, daß, wenn es kein Leben nach dem Tode gäbe, man einfach glücklich drauf los leben könnte, da es nun aber ein Leben nach dem Tode gäbe, müsse man hier im Jammertal in Sack und Asche gehen. Mit Nietzsche kann man sagen, daß das Leben nach dem Tode bedeute, während des Lebens tot zu sein (Studienausgabe, Bd. 10, S. 57). Welch Frohe Botschaft das Christentum doch zu bieten hat…

Und wen das nichtexistente Nichts trotzallem noch schreckt: das tragische Lebensgefühl des „Nichts“ eines Camus verleiht dem Tod eine übermenschliche, titanische Würde. Während der kitschige Glauben der Gläubigen alles zu einer infantilen Farce macht: eine miese kleine Welt. Es gibt auf dieser Welt nichts Obszöneres als Priester am Totenbett!

Es ist ein Geschenk, jemanden bewußt zu machen, daß er nur noch eine bestimmte Zeit zu leben hat. Er wird diese Zeit vielleicht das erste Mal in seinem Leben leben. Was wäre schon Leben ohne eine zeitliche Begrenzung? Der Tod, also die Einschränkung der Zeit, zwingt zur Konzentration. Ohne Tod würden wir uns ziellos gehenlassen, uns ewig selbst verfehlen, da „morgen ja auch noch ein Tag ist“. Wie Nietzsche sagt:

Durch die sichere Aussicht auf den Tod könnte jedem Leben ein köstlicher, wohlriechender Tropfen von Leichtsinn beigemischt sein – und nun habt ihr wunderlichen Apotheker-Seelen aus ihm einen übelriechenden Gift-Tropfen gemacht, durch den das ganze Leben widerlich wird! (Der Wanderer und sein Schatten, A 322)

Man kann sagen, wir seien durch die Biologie alle zum Tode verurteilt – oder daß, weil wir ja sowieso sterben müssen, uns das Schicksal also an sich nichts anhaben kann. Wäre unsere Lebenszeit theoretisch unendlich, würde auch unsere Todesangst ins unendliche wachsen. Die bedauernswerten unsterblichen „Forever People“! Man kann im Tod den Höhepunkt der Absurdität der Existenz sehen – oder einen sinnstiftenden Zeitrahmen. Man kann darüber Depressionen kriegen, daß sich das Universum nicht im geringsten um die Massenmorde kümmert, daß alles so weitergeht, als würde nichts geschehen: der Frühling ist schön wie immer. Oder man kann darüber glücklich sein, daß sie nichts ausrichten können. Man kann suizidal werden angesichts der prinzipiellen Sinnlosigkeit von allem– oder angesichts der Unendlichkeit und Ewigkeit der Natur still und glücklich werden.

Daß eine gewisse Kaltschnäuzigkeit zum Leben gehört, hat der italienische Orgonom Guiseppe Cammarella sehr schön ausgedrückt:

Obwohl sich der Genitale Charakter der Möglichkeit bewußt ist, daß dieser Planet wegen der Destruktivität des gepanzerten Menschen verschwinden könnte, bewegt er sich auf ihm und versucht dabei so viel wie möglich Befriedigung zu finden, auch unter den schlimmsten Umständen. Er verhält sich wie die Vögel, die er sieht, wie sie singen und sich gegenseitig fröhlich jagen inmitten einer scheußlichen, künstlichen Landschaft, mit künstlichen Bäumen, geometrischen Formen, Plastiktüten, Teer und Nuklearabfällen. („Healthy vs. Armored Man“, Journal of Orgonomy, May 1983)

Man stelle sich demgegenüber jene Leute mit ihrer Leichenbittermiene vor, die wegen der Sterblichkeit des Menschen gleich das ganze Universum verfluchen. Die, die nicht eine gewisse böse Art von fröhlichem rücksichtslosen Zynismus besitzen, „die Grausamkeit des Kindes“, sind wie Mehltau, der alles Leben unter sich mit Griesgrämigkeit erstickt.

The Journal of Orgonomy (Vol. 20, No. 2, November 1986)

29. März 2012

Eines der Hauptübel des sogenannten „Reichianismus“ ist die Zerstörung der von Reich entwickelten Therapietechnik. Diese beruht auf folgender Gleichung:

Der orgonotische Kontakt kommt insbesondere in kurzen und präzisen Interventionen und Äußerungen von Seiten des Therapeuten zum Ausdruck. Es geht nicht um ausgefeilte körperliche „Übungen“ wie in der „Bioenergetik“ a la Alexander Lowen und dem kontaktlosen Unsinn, der als „energetische Medizin“ verkauft wird. Zur Zerstörung der Therapie gehören insbesondere genaue Anweisungen, wie der Patient zu liegen hat, wie irgendwelche Gliedmaßen angewinkelt sein müssen, etc. Auch geht es nicht um irgendwelche langen verbalen Erläuterungen, sondern schlicht darum, den Patienten mit seiner eigenen Kontaktlosigkeit in Kontakt zu bringen. Wenn der beispielsweise langatmig „möglichst präzise“ sein Verhältnis zu seinen Mitmenschen erklären will, geht es von seiten des Therapeuten nicht darum den Patienten mit irgendwelchen „brillanten“ Analysen übertrumpfen zu wollen, sondern ihn zurück zu seinem grundlegenden emotionalen Problem zu führen: „Sie haben schlichtweg Angst!“

Das ist Orgonomie! Es hat nichts mit dem pseudointellektuellen und „pseudoenergetischen“ Komplexitäten der mechano-mystischen Weltanschauung zu tun, die auf einer einzigen Maxime beruht: dem Ausweichen vor dem Wesentlichen. Wenn sie als Patient einem dieser Wichtigtuer gegenübersitzen, der „präzise“ jede Muskelspannung bearbeiten will, ohne vorher deren Funktion erfaßt zu haben, und mit vermeintlich brillanten Bonmots jede unbewußte Regung erklärt – laufen sie weg! Das zeigt alles nämlich nur eins: den mangelnden orgonotischen Kontakt beim Therapeuten, den er durch aufgesetztes „Spezialistentum“ wettmachen muß.

Wie Charles Konia in „Orgone Therapy: Part III. The Application of Functional Thinking in Medical Practice” (S 285-292) ausführt, bestimmt das, der orgonotische Kontakt, die gesamte Beziehung zwischen Therapeut und Patient:

In der therapeutischen Beziehung ist der Therapeut weder „besser“ als der Patient, noch sind Patient und Therapeut „gleichgestellt“, also keine Freunde oder Kameraden. Sowohl elitäres als auch anti-elitäres Denken sind in der Therapie neurotische Tendenzen, die entweder von Seiten des Patienten oder von Seiten des Therapeuten ausgehen. Diese Einstellungen werden den Fortschritt der Therapie stören. In der therapeutischen Beziehung repräsentieren Patient und Therapeut einfach unterschiedliche Funktionen. Sowohl der Patient als auch der Therapeut müssen in der Lage sein und die Bereitschaft zeigen, ihre jeweiligen Rollen einzunehmen. Der Patient repräsentiert den Vorgang der einer ärztlichen Behandlung unterliegt, während der Therapeut den ärztlichen Behandlungvorgang vertritt. Ohne diese Übereinkunft kann es keine Therapie geben. (…) Neurotische Gegenentwürfe zur therapeutischen Beziehung treten auf, wenn der Patient vom Therapeuten „gefesselt“ ist, ihn als „Kumpel“ und „Spezi“ empfindet, ihn „idealisiert“, sich als „Mitarbeiter“ oder bloße „Schachfigur“ des Therapeuten fühlt oder wenn der Therapeut zum „Guru“ oder zum „Freund“ des Patienten wird.

Sollte sich der vermeintliche „Orgontherapeut“ Ihnen gegenüber unprofessionell verhalten, d.h. einen auffallenden Mangel an Distanz zeigen oder so tun als schwebe er in höheren Sphären und wäre mehr als ein Arzt, dann ist er dermaßen krank, daß er im Zweifelsfall wahrscheinlich mehr Hilfe benötigt als Sie.

Ein guter Therapeut stellt ein ganz normales, der Situation angemessenes Arzt-Patient-Verhältnis her. Und wie jeder gute Arzt weiß er was er tut, d.h. er ist in seinen Interventionen sparsam und zielgerichtet. Es ist wie in jeder anderen Lebenssituation auch. Der gute Handwerker fällt in wenigen Schritten eine Diagnose und behebt den Schaden entsprechend zielgerichtet. Der kontaktlose Pfuscher hingegen weiß nicht was er tut und hinterläßt ein hoffnungsloses Chaos. Er geht immer nach Schema F vor oder improvisiert ziellos vor sich hin. Siehe dazu auch die entsprechenden Ausführungen von Richard Schwartzman.

Ich habe am Rande selbst mitbekommen, wie es Patienten von Möchtegern-„Orgontherapeuten“ von Sitzung zu Sitzung schlechter ging. Andere „Orgontherapeuten“ erklärten ihren enttäuschten und verzweifelten Patienten schließlich frech, daß Reichs Ansatz mittlerweile halt überholt sei, die Menschen heute „frühgestört“ seien und der Patient deshalb eine neue Serie von (ebenso kontaktlosen) „therapeutischen“ Interventionen über sich ergehen lassen müsse. Die Anzahl der Methoden, die ein „Orgontherapeut“ anbietet, korreliert mit dem Ausmaß seiner Kontaktlosigkeit. Den Anfang machte Ende der 1950er Jahre Alexander Lowen mit seinen „bioenergetischen Übungen“.

Das Elend der Psychotherapie ist weit verbreitet. Louis Berger, ein führender Psychoanalytiker in den USA, beschreibt in seiner Freud-Biographie Freud: Darkness in the Midst of Vision (New York 2000), wie er im Laufe der Zeit mit den führenden Ausbildungs-Analytikern und ihren Patienten in Kontakt kam, die langfristigen Effekte der Therapien sah – und nur bestätigen kann, was der bekannte Psychotherapie-Kritiker Jeffrey M. Masson 1992 über dessen eigene Ausbildungsanalyse geschrieben hatte: der führende Analytiker sei autokratisch gewesen, seine Vorgehensweise von Willkür und Machtmißbrauch geprägt (S. 376 und 386).

Mit Mirtazapin gegen AIDS

27. März 2012

Die AIDS-Diskussion scheint eine spezifische pestilente Reaktion (Emotionelle Pest) auf die sexuelle Freizügigkeit der 1960er und 1970er Jahre zu sein. Daß, um Reich zu paraphrasieren, die Sexualverneinung nicht nur im sozialen und persönlichen Leben manchen Trick ausspielt, der rationalem Begreifen unzugänglich ist, sondern auch in der Wissenschaft, dem Hort der Rationalität, zeigt die fraglose Dominanz der HIV-AIDS-Hypothese. Der bekannte Retrovirologe Peter Duesberg hat mittlerweile seit fast drei Jahrzehnten ausgeführt, daß die HIV-Hypothese nicht viel mehr als eine „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“ für Retrovirologen war, nachdem diese jahrzehntelang vergeblich versucht hatten Krebs auf Retroviren zurückzuführen.

Als sich Anfang der 1980er Jahre ein neues Krankheitsbild zeigte, das man zuerst als eine Art Drogenkrankheit interpretierte, ergriffen die Retrovirologen die Gelegenheit beim Schopfe. Allen anderen Hypothesen wurde das Stigma der Verantwortungslosigkeit angesichts einer menschheitsvernichtenden Epidemie verpaßt und sie so aus dem wissenschaftlichen Diskurs gedrängt. Und das obwohl Kritiker gezeigt haben, daß kein Beweis für eine Zellschädigung durch HIV vorliegt und daß das HIV aus biologischen und epidemiologischen Gründen unmöglich allein für die diversen AIDS-Krankheiten, die das Syndrom definieren, verantwortlich sein kann.

Gegen die offizielle HIV-AIDS-Doktrin wird von den Kritikern eine multifaktorielle Verursachung gestellt, die die Besonderheiten der AIDS-Epidemie weitaus besser erklärt: Mißbrauch von Drogen und Antibiotika, Mehrfachinfektionen mit allen möglichen Erregern, Aufnahme von Fremdeiweiß direkt intravenös wie bei Blutern und Fixern bzw. durch den Darm bei Homosexuellen. Bei der Durchsicht epidemiologischer Studien über die Entwicklung von Kaposi-Sarkoma bei Homosexuellen wurde festgestellt, daß mit dem Beginn der HIV-Hypothese die Fragebögen für die Studien entsprechend verändert wurden, d.h. es wurde mehr Gewicht auf Sexualpraktiken gelegt und weniger ausführlich nach Drogenmißbrauch und insbesondere nach der Inhalation von Nitrit („Poppers“) gefragt – wo die ersten Studien noch eine klare Korrelation gefunden hatten. Überhaupt werden die offiziellen AIDS-Daten aufgrund der vorgefaßten HIV-AIDS-These nachweisbar falsch ausgewertet. Eigene Nachforschungen der AIDS-Kritiker haben gezeigt, daß die HIV-Infektion stark mit Drogenkonsum und dieser wiederum stark mit Homosexualität korreliert.

Das Vorkommen von Krankheiten, die AIDS definieren, ist nicht auf HIV-Positive beschränkt, sondern korreliert zu 98% fast ausschließlich mit Drogenkonsum. AIDS bleibt auf die Risikogruppen beschränkt und greift nicht auf die allgemeine Bevölkerung über. Es ist unrichtig, daß alle Risikogruppen infolge der HIV-Infektion mit der gleichen Geschwindigkeit AIDS entwickeln. Außerdem ist es überhaupt fraglich, ob HIV ein unabhängiger Mikroorganismus ist. Stattdessen wurde die experimentell überprüfbare Hypothese aufgestellt, daß die HIV-Proteine endogener Herkunft sind. Was die Behandlung der angeblichen Virusinfektion betrifft, wurden Studien vorgestellt, wonach die AZT-Behandlung von asymptomatischen Patienten mit 500 oder mehr T4-Helferzellen das Auftreten von AIDS beschleunigt. In experimentellen Arbeiten wurde nachgewiesen, daß die Dosis von AZT, die als Anti-HIV-Medizin verschrieben wird, für menschliche Zellen extrem toxisch ist.

In westlichen Ländern ist AIDS wie zu Anfang der „Seuche“ noch immer weitgehend auf Homosexuelle und Drogenkonsumenten beschränkt, wobei sich die beiden Gruppen weitgehend überlappen. Man nehme etwa die bei Homosexuellen weitverbreitete Abhängigkeit von Methamphetamin (Yaba, Ice, Meth, Crystal, Crystal Meth), die, wie es in der neusten Ausgabe von Info Neurologie & Psychiatrie (März 1912) heißt, „in hohem Maße mit der Verbreitung des humanen Immundefizienz-Virus (HIV) unter homosexuellen Männern assoziiert (ist)“.

Methamphetamin enthemme, so daß es zu Kontakt mit vielen Geschlechtspartnern komme, „Analsex“, auch ungeschützter „Analsex“, und sogar Sex mit bekanntermaßen HIV-positiven Geschlechtspartnern praktiziert werde. So steige aufgrund der Droge, die schnell suchtkrank macht, das Risiko sich zu infizieren.

Charakteristischerweise werden zwei Fragen außer acht gelassen:

  1. Warum konsumieren so außerordentlich viele Homosexuelle Drogen?
  2. Ähneln die teilweise beträchtlichen Nebenwirkungen von Methamphetamin nicht der AIDS-Symptomatik?

Die erste Frage hat die von Info Neurologie & Psychiatrie referierte Studie von Colfax GN, Santos GN, Das M et al. zwar nicht beantwortet, aber immerhin deutlich beleuchtet. In einer doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Studie konnte gezeigt werden, daß Mirtazapin im Verbund mit Beratungsgesprächen den Methamphetamin-Gebrauch deutlich reduziert, was gleichzeitig mit einer Verringerung sexuell riskanten Verhaltens verknüpft ist. Das ist um so bemerkenswerter, als es derzeit keine zugelassene pharmakologische Therapie gegen Methamphetamin-Abhängigkeit gibt.

Deutet nicht alles darauf hin, daß die Homosexuellen aufgrund ihrer strukturellen Befriedigungsunfähigkeit bzw. orgastischen Impotenz depressiv werden und entsprechend in die drogeninduzierte „Enthemmung“ flüchten? Gleichzeitig gehen diese Drogen mit Nebenwirkungen einher, die alle Anzeichen einer Schrumpfungsbiopathie zeigen. Bei Methamphetamin sind das:

  • Schwächung des Immunsystems
  • Hautentzündungen
  • Haarausfall
  • Zahnausfall (sog. „Meth-Mund“)
  • Magenschmerzen
  • Magendurchbruch
  • Herzrhythmusstörungen
  • Schlafstörungen
  • Erhöhte Körpertemperatur (Hyperthermie)
  • Paranoide Wahnvorstellungen aufgrund des Schlafmangels
  • Akutwerden einer latenten Schizophrenie
  • Übersteigerte(r) Egozentrik/Narzißmus
  • Aggressivität

Chronische Folgen eines starken Konsums sind:

  • Nierenschäden durch oxidativen Streß
  • Gewichtsverlust
  • Zersetzung der Schleimhäute in Mund und Nase (bei Schnupfen oder Rauchen)
  • Ausfall der Zähne
[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=OGQxhaPhFDs%5D

Alzheimer, eine Schrumpfungsbiopathie?

25. März 2012

Gemäß einer Studie von Konrad Talbot (University of Pennsylvania) et al. ist Insulinresistenz im Gehirn eine entscheidende Ursache von Alzheimer. Das ist die erste Studie, die direkt zeigen konnte, daß im Gehirn von Alzheimerkranken Insulinresistenz vorliegt. Die Forscher hatten bei Nichtdiabetikern, die mit Alzheimer verstorben waren, Hirngewebe entnommen und mit Insulin stimuliert. Sie fanden Störungen bei zwei Hauptsignalpfaden für Insulin und des insulinartigen Wachstumsfaktors.

Das Insulin steuert im Gehirn nicht nur die Glukose-Aufnahme, sondern ermöglicht, da Insulin im Gehirn anders als im Rest des Körpers funktioniert, auch unabhängig davon das normale Funktionieren der Hirnzellen.

Mit diesem Thema habe ich mich bereits in Schizophrenie als „Schrumpfungsbiopathie“ und die Atrophie des Gehirns beschäftigt, wo es um die funktionellen Identität von Alzheimer und Diabetes ging. Hier ein entsprechender Bericht bereits von 2007:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=_wtAyiLt1Qo%5D

Diabetes wird hier als Schrumpfunsbiopathie beschrieben. Das Hauptsymptom von Diabetes ist Hyperglykämie, „Zucker im Blut“, es gibt jedoch keinen Hinweis darauf, daß bei Alzheimer das Gehirn hyperglykäm ist. Gleichzeitig ist bei Zuckerkranken das Risiko an Alzheimer zu erkranken um 50 Prozent höher als bei Normalen.

The Journal of Orgonomy (Elsworth F. Baker Commemorative Issue, February 1986)

22. März 2012

Ich zitiere aus der vorher unveröffentlichten jährlichen Rede Elsworth F. Bakers als Präsident des American College of Orgonomy von 1972 (S. 65-69). In der Rede geht es um die sich damals formierende antiautoritäre Gesellschaft, die sich mittlerweile (2012) fest etabliert hat und alle Facetten unseres Lebens bestimmt. Baker beschreibt das gesellschaftliche Chaos und die antiautoritäre Erziehung und frägt:

Was erreicht der liberal mit diesem ganzen Aufruhr? Indem er daran teilhat, bekommt er durch all die Aufregung und Aktivität das Gefühl lebendig zu sein, obwohl er innerlich tot ist. Er setzt andere in Bewegung, weil er sich selbst nicht bewegen kann. Ihre Destruktivität verschafft ihm ein Ventil für den unterdrückten Haß, den er in seinem Inneren hegt. Er, der sich für den Retter der Menschheit ausgibt, ist das perfekte Beispiel für die Emotionelle Pest. Jeder, der nicht mit ihm übereinstimmt, wird als vorurteilsbeladen, als Rassist, Reaktionär und als Schwein hingestellt.

Damals waren es die radikalen Studenten, „Weather Men“, etc., heute sind es die Leute von der Occupy-Bewegung, die die Linksliberalen begeistern. Und da die Linksliberalen die Medien und die Wissenschaft und damit die sogenannte „öffentliche Meinung“ dominieren oder besser gesagt kontrollieren, schließt sich auch der konservativste Politiker diesem enthemmten Wahnsinn an. Es muß stets alles in Bewegung sein, es darf beim vermeintlichen „Fort-Schritt“ kein Innehalten geben. Man denke nur an das „Projekt Europa“! Auf jede Verzögerung wird mit hysterischen Ausbrüchen reagiert, so als wäre der „Reformstau“ buchstäblich der Stau sexueller Energie, die die Leute in den Wahnsinn treibt. „Reform“ wohin man schaut, von der Schule bis zur Bauordnung. Alles ist ständig in hektischer Aufregung – nur daß sich tatsächlich nichts ändert, außer daß alles nur noch verfahrener wird.

Die Linksliberalen sitzen in den Redaktionen, Universitätsinstituten und nicht zuletzt an Lehrerpulten, sind selbst innerlich wie tot, goutieren sich aber an der Unordnung, der chaotischen Bewegung, die sie um sich herum anstacheln mit ihren unverantwortlichen „Theorien“ und ihren Propagandalügen.

Für die deutsche Situation ist beispielsweise die Fernsehserie Lindenstraße typisch, wo es untergründig immer darum geht, die Bevölkerung, insbesondere aber Jugendliche, zu sozialem Aktivismus zu animieren. Neulich ging es beispielsweise darum, daß eine der Figuren, ein alter „68er“-Rentner, eine Heranwachsende im Film dazu animieren wollte, IRGEND ETWAS politisches zu machen, egal was, solange es „progressiv“ ist. Sie entschloß sich schließlich für das Thema „Klimaänderung“.

Menschen sollen sich „engagieren“, d.h. nicht etwa ihr eigenes Leben auf die Reihe kriegen, sondern sich in das Leben anderer einmischen. Andere terrorisieren! Sie sollen „Sand im Getriebe“ sein! Oder mit anderen Worten: die rationalen, arbeitsdemokratischen Kernfunktionen sollen durch irrationale, ideologische Aktivitäten ersetzt werden, die aus der Mitteleren Charakterschicht stammen. Der pseudoliberale Modju sitzt dann zuhause und genießt, wie um ihn herum die Gesellschaft kollabiert. Jeder, der sich gegen diesen organisierten Wahnsinn stemmt, wird als „Nazi“ niedergeschrien.

Das perfekte Beispiel für Emotionelle Pest, aber alles, was gemeinhin als „Emotionelle Pest“ angeprangert wird, ist dieses vermeintliche „Nazitum“…

Der Irrsinn regiert die Welt

21. März 2012

Hitler hat, ganz Darwinist, einfach darauf vertraut, daß sich das (Starke und deshalb) Gute durchsetzt. Am Ende wollte er ja den überlegenen Slawen ein plattgemachtes Germanien überlassen. Und über die Juden schrieb er in Mein Kampf, ob nicht das „unerforschliche Schicksal“, also für Hitler Gott selber, „den Endsieg dieses kleinen Volkes in ewig unabänderlichem Beschlusse wünsche“.

Antisemit war er, weil er, wieder ganz Darwinist, in den Juden sozusagen das „biologische Substrat“ jener jüdisch-christlich-marxistischen Weltanschauung ausmachte, die den ewigen Kampf ums Überleben des Stärkeren hintertreibe, deshalb lebensfeindlich sei – und deshalb ausgemerzt gehöre.

Aber hat er jemals wirklich im wortwörtlichen Sinne an die jüdische Weltverschwörung geglaubt? Bei Himmler ist das absolut sicher. Am Ende hat er mit Vertretern des jüdischen Weltbundes verhandelt, weil er allen Ernstes fest davon überzeugt war, daß die im Hintergrund die Fäden ziehen. (Genauso wie es heute Millionen glauben, die dem „antizionistischen“ „Zeitgeist“ folgen!) Den besagten Vertretern hat er natürlich auch erzählt, daß er persönlich gar nichts gegen Juden habe. Ich bin geneigt ihm zu glauben.

Vor zehn Jahren hat der deutsch-syrische Islam-Experte Bassam Tibi eine schöne Anekdote im Radio erzählt: In einer Live-Diskussion im ägyptischen Fernsehen wurde er gefragt, ob es stimme, daß in Deutschland Moslems verbrannt werden. Total perplex und verwirrt hat Tibi das natürlich verneint. Nach der Fernsehsendung wurde er vom Chefredakteur zur Seite genommen. Er könne ihm doch nun unter vier Augen eingestehen, daß er von der deutschen Regierung bezahlt werde, um solche offensichtlichen Lügenmärchen („Moslems werden in Deutschland nicht verbrannt!“) zu verbreiten. – Große Teile der Weltbevölkerung scheinen genauso total irre und wahnhaft zu sein, wie es Himmler war. Total meschugge.

Und es sind nicht nur absurde, d.h. islamische Länder wie Ägypten oder Pakistan! Millionen, zig Millionen, Deutsche hängen den allerwirrsten Verschwörungstheorien an. Man schaue sich das Internet an! Beispielsweise Blogs, meine „Kollegen“: manche sind dermaßen irre, wirklich psychotisch, daß man es kaum glauben kann. Channeling, Botschaften von UFO-Kommandanten vom Planeten Venus, etc.pp. Und das ist kein Randphänomen, sondern derartige Blogs sind ein großer Erfolg, was man am leichtesten anhand der zahlreichen Kommentare ablesen kann. Bei anderen sehr erfolgreichen Blogs kann ich beim besten Willen nicht ausmachen, ob ich es mit Nationalsozialisten oder gewöhnlichen Bolschewisten zu tun habe. Und man glaube nicht, daß sich die Auswüchse des Darwinismus seit Hitler viel gebessert haben.

Ähnlich wie einst die Nationalsozialisten im einzelnen Menschen primär nur den Träger des Erbgutes seiner Rasse sahen, definiert auch der Vorreiter der neuen Gottlosen, der Engländer Richard Dawkins, den Menschen als „Verpackung der allein wichtigen Gene“, deren Erhaltung der vorrangige Zweck unseres Daseins sei.

Ich stimme, wie fast immer, mit dieser Aussage Kardinal Meisners vollkommen überein.

„Peter, ist dieser Blogeintrag nicht etwas wirr?“ Ähhh, es geht darum, daß ich keinen großen Unterschied zwischen Leuten sehe, die abends vom Meditationskreis heimkehren und feststellen, daß der Mond gekippt ist, und Wissenschaftlern, die uns gegen den „Klimawandel“ (sic!) gentechnisch Katzenaugen verpassen wollen.

Die Welten der Wissenschaft und hohen Politik auf der einen und des schieren Irreseins auf der anderen Seite scheinen weit voneinander getrennt zu sein, doch Reich hat in Werken wie Die Massenpsychologie des Faschismus und Äther, Gott und Teufel gezeigt, daß überall der gleiche Wahnsinn Methode hat:

Das geschieht in allen gepanzerten Menschen, unabhängig davon wie „rational“ sie sich auch immer gerieren mögen.

The Journal of Orgonomy (Vol. 19, No. 2, November 1985)

20. März 2012

Eines der Hauptangriffspunkte der Gegner der Orgonomie ist die Frage nach der Gesundheit. Man schaue sich doch den hochneurotischen Wilhelm Reich selbst an oder präsentiere doch bitte jemanden, der durch Orgontherapie psychisch gesund geworden sei!

Bei den „wissenschaftlichen“ Gegnern Reichs habe ich das Gefühl einer intellektuellen Kontaktlosigkeit, einer krankhaften Abwehr von ozeanischen Gefühlen, Sterilität. Zu dieser Sterilität gehört auch „Reinheit“ in dem Sinne, daß man von sich selber ausgehend Reich eine zu „reine“, „philosophische“ Vorstellung von orgastischer Potenz andichtet, die selbstverständlich in einer realen Welt niemals erreicht werden kann – so ist es leicht, Reich zu widerlegen. Es ist wie mit dem Vakuum oder destilliertem Wasser: man wird niemals ein von allen Molekülen befreites Vakuum oder absolut reines Wasser herstellen oder entdecken können, aber trotzdem macht es Sinn vom „luftleeren Vakuum“ oder „reinem Wasser“ zu reden. Um wieviel weniger kann das Lebendige perfekt „orgastisch potent“ sein!

Imgrunde wirft man der Orgonomie Idealismus vor. Sie würde sich selbst ein Ideal setzen („Gesundheit“), das uneinholbar sei – womit sie sich von vornherein selbst widerlege. Außerdem verschließe sie sich damit den Blick auf das wahre Leben bzw. das, was wirklich wichtig und fundamental sei. Sei doch gerade das Krankhafte, sozusagen „Unideale“, Wegweiser zu den grundlegenden Antrieben. Es ließe sich in diesem Zusammenhang etwa Freud zitieren:

Man muß doch bekennen, in diesen Symptomen der Zwangsneurose, diesen Vorstellungen und Impulsen, die auftauchen, man weiß nicht woher, sich so resistent gegen alle Einflüsse des sonst normalen Seelenlebens benehmen, den Kranken selbst den Eindruck machen, als wären sie übergewaltige Gäste aus einer fremden Welt, Unsterbliche, die sich in das Gewühl der Sterblichen gemengt haben, ist wohl der deutlichste Hinweis auf einen besonderen, vom übrigen abgeschlossenen Bezirk des Seelenlebens gegeben. Von ihnen aus führt ein nicht zu verfehlender Weg zur Überzeugung von der Existenz des Unbewußten in der Seele, und gerade darum weiß die klinische Psychiatrie, die nur eine Bewußtseinspsychologie kennt, mit ihnen nichts anderes anzufangen, als daß sie sie für die Anzeichen einer besonderen Degenerationsweise ausgibt. (Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, Fischer-TB, 1992, S. 266f)

Aus dieser Sichtweise, der Sichtweise, die das gesamte moderne Denken durchdringt und bestimmt, ist die Orgonomie nichts weiter als ein geradezu bedauernswerter Anachronismus.

Das Problem dieser Sichtweise ist, wie Reich in Äther, Gott und Teufel und anderen Schriften dargelegt hat, ihre Befangenheit in einem rigiden mechano-mystischen Denken. Nicht die Orgonomie denkt „idealistisch“, sondern ihre Kritiker.

Reich: „Es ist nicht richtig, daß es seelisch gesunde hier und seelisch kranke dort gibt“ (Der Krebs, Fischer-TB, S. 287). Man kann keine abstrakten Grenzen zwischen Krankheit und Gesundheit ziehen, denn Gesundheit betrifft die Funktionsweise des Gesamtorganismus.

Die unbeeinträchtigte Gesamtheit der organismischen Funktionen sowohl im somatischen als auch im psychischen Bereich konstituiert „Gesundheit“ oder „Normalität“ im lebensenergischen Sinn. Jede Störung dieser Ganzheit und Einheit, sei es im somatischen oder psychischen Bereich, wird in einem größeren oder kleineren Ausmaß die Grundlage für Krankheiten bilden. Von hier führt der Weg in die medizinische Pathologie, die nur dann eine funktionelle Pathologie sein kann, wenn man daran geht, den Organismus als biologische Einheit zu behandeln. (Reich: „Spontanous Motility as the Comprehensive Functioning Principle of the Living“, Orgone Energy Bulletin, 4(4), October 1952, S. 189)

Reich sagte voraus, was der kleine, vom mechano-mystischen Denken geprägte, Mann, aus dem Konzept „orgastische Potenz“ machen werde:

An die Stelle des unermüdlichen, geduldigen Kampfes um Verbesserung der Gesundheit, gestützt auf sorgfältig ausgewertete Erfahrungen, wird das absolute Ideal einer schnell normierten „perfekten Gesundheit“ treten und eine neue soziale Schichtung in „gesunde“ und „neurotische“ Menschen hervorbringen. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 334)

Dazu möchte ich aus Charles Konias Beitrag „Orgone Therapy: Part 1. The Psychosomatic Relationship“ (S. 259-278) zitieren:

Das gepanzerte Denken ist starr, einseitig, und idealistisch. Beispielsweise können bestimmte Einstellungen und Vorstellungen hochgeschätzt und mit Gesundheit und dem Guten gleichgesetzt werden, etwa Liebe, Arbeit, positives Denken, usw. Nicht nur, daß bei diesem Ansatz die Tatsache ignoriert wird, daß sogar Liebe und Arbeit reaktiv sein können und positives Denken Ausdruck einer neurotischen Einstellung sein kann, sondern auch, daß in bestimmten Fällen es für den Patienten notwendig ist, Haß zu fühlen und auszudrücken. Der Funktionalismus geht davon aus, daß nicht bestimmte Vorstellungen, Einstellungen oder Gefühle an sich gesund oder neurotisch sind, sondern daß es darauf ankommt, welche Funktion sie in Bezug auf eine gegebene Charakterstruktur oder in einer bestimmten Situation haben. Zum Beispiel kann im Fall eines Masochisten eine „positive“ Einstellung ein Zeichen von Gesundheit angesichts der gefürchteten Angst vor Expansion sein. In einem anderen Charaktertyp kann dieselbe Einstellung eine Abwehr darstellen.

The Journal of Orgonomy (Vol. 18, No. 2, November 1984)

16. März 2012

Wie Charles Konia in seinem Aufsatz über die Gicht, „The Gouty Diathesis“ (S. 172-182), ausführt, entstehen Nierensteine durch ein gepanzertes Zwerchfell-Segment, das das pulsatorische Funktionieren der Nieren einschränkt. Außerdem weist er darauf hin, daß Urate, also die Salze der Harnsäure, die die entscheidende Rolle bei der Pathogenese der Gicht spielen, ein Produkt des Orgonenergie-Metabolismus sind und eine Form von DOR darstellen.

Bei der Gicht existiert die latente Hyperurikämie, d.h. der erhöhte Harnsäurespiegel im Blut, lange vor der eigentlichen Gicht mit ihren chronischen Gelenkbeschwerden. Verantwortlich ist die überstarke muskuläre Anspannung im Zwerchfell-Segment und eine Tendenz zur akuten Kontraktion im Zwerchfell-Segment. Dies führt zu einer Ausscheidungsstörung der Nieren und damit zu einer Störung des Purin-Stoffwechsels.

Elsworth F. Baker zufolge ist das Zwerchfell-Segment, „das Hauptgebiet der psychosomatischen Krankheiten“ („Orgone Therapy“, Journal of Orgonomy, 12(2), November 1978, S. 206). Darunter fallen z.B. Lebererkrankungen. Der Orgonom Norman M. Levy erklärt zwei Fälle von Hepatitis (ohne Gelbsucht), die in der Endphase der Therapie auftraten, damit, daß es, nachdem der Energiefluß im Körper vergrößert wurde, im kontrahierten Zwerchfell-Segment zu einer „Erstrahlung“, d.h. Entzündung kam („Hepatitis as a Complication of Therapy“, Journal of Orgonomy, 4(1), May 1970, S. 94f). Was natürlich die Frage nach Infektion und Biopathie aufwirft, dazu schreibt Levy, daß seine Patienten keinen Infektionsquellen ausgesetzt waren, so daß der biopathische Prozeß pathogen war. In einem solchen Fall könnten bereits kleinste Erregermengen die Hepatitis hervorrufen, während bei größerer Ausgesetztheit mit Krankheitserregern die biopathische Diathese sicherlich keine Rolle spiele (S. 95f).

Das Zwerchfell-Segment ist in alle Ausstoßprozesse involviert vom Niesen bis zum Defäkieren. Erbrechen, das von Flatus begleitet wird, ist das Zeichen eines freien Zwerchfell-Segments (Morton Herskowitz: „The Segmental Armoring“, Annals of the Institute for Orgonomic Science, 4(1), September 1987, S. 66-87). Die Panzerung und Sympathikotonie des Zwerchfell-Segment führt in diesem Bereich zu einer Anfälligkeit der Sphinktermuskeln spastisch zu kontrahieren, was zu Gallensteinen, Magenpförtnerverengung und Ösophagospasmus führen kann. Baker berichtet:

Ich habe einen Fall mit Symptomen erlebt, die typisch für eine Erkrankung der Gallenblase waren, einschließlich schmerzhafter Verstopfung, Empfindlichkeit und Krämpfe in der rechten oberen Bauchregion (Hypochondrium), Verdauungsstörungen, Völlegefühl im Oberbauch, Blähungen und Gelbsucht; der ganze Symptomkomplex wurde durch Massage des Magenausgangs vollständig behoben. Als der Pylorokrampf nachließ, konnte man ein Gurgeln hören, und die Symptome verschwanden. Ich nehme an, daß der Krampf auch das Sphinkter Oddi mitumfaßte und so den Gallenfluß behinderte und die Gelbsucht hervorrief. Zu dem Zeitpunkt, als die Verkrampfung sich löste, äußerte die Patientin auch viel Bitterkeit, die sie ihrem Mann gegenüber empfand. (Der Mensch in der Falle, S. 291f).

Konia schreibt über einen seiner Patienten:

Diese Tendenz der Ringmuskeln spastisch zu kontrahieren, kann der Grund gewesen sein, daß Cholesterin in diesem Patienten schneller kristallisiert ist als bei anderen, die nicht die Tendenz haben Gallensteine zu entwickeln. Es ist bekannt, daß in der Pathogenese von Gallensteinen diätetische Faktoren, Überproduktion von Cholesterin durch die Leber, oder verminderte Produktion von Gallenpigment wahrscheinlich keine entscheidenden Faktoren sind. Das erhöhte Auftreten von Gallensteinen in Patienten, bei denen eine trunkale Vagotomie [d.h. die Durchtrennung beider zum Magen ziehender Äste des Parasympathikus] durchgeführt wurde, unterstreicht die Rolle von chronischer Sympathikotonie in der Pathogenese dieser Biopathie. (Konia: „Somatic Biopathies (Part 2: The Diaphragmatic Segment)“, Journal of Orgonomy, 24(2), November 1990, S. 187f; siehe auch Arthur Nelson: „Pylorospasm and Depression“, Journal of Orgonomy, 9(1), May 1975, S. 42-47)

Der genitale Charakter und der pestilente Charakter

15. März 2012

Die Orgonomie geht davon aus, daß der genitale Charakter sehr viel mit dem pestilenten Charakter (Modju) gemein hat, was sie beide vom einfachen Neurotiker abhebt, der typischerweise einen schwachen Willen hat, ein Zauderer ist, der sich dem Stärkeren unterwirft. Demhingegen ist sowohl der pestilente Charakter als auch der genitale Charakter durch eine Einheit und Harmonie der Antriebe geprägt, beide haben einen starken Willen, beide sind energisch und haben eine genitale Struktur.

Das Charakteristikum des ersteren ist seine orgastische Potenz, während der zweite unter einer extremen orgastischen Impotenz leidet. Wie können da beide eine genitale Struktur haben?

David Boadella bezeichnete die Emotionelle Pest fälschlicher und gleichzeitig auch erhellender Weise als eine Form von „sozialer Hysterie“ (Wilhelm Reich, München 1981, S. 212). Reich hatte über den Hysteriker geschrieben, er hätte „seine Genitalität voll entfaltet, aber mit Angst besetzt“ (Charakteranalyse, KiWi, S. 313). Elsworth F. Baker reiht den hysterischen Charakter sogar unter die genitalen Charaktertypen ein (Genitalität mit Angst). Er leidet also (trotz bzw. grade wegen seiner genitalen Struktur) unter einer extremen Beckenblockierung ähnlich wie auch Modju (der pestilente Charakter).

Sowohl beim genitalen Charakter als auch bei Modju ist die Genitalität energetisch besetzt; beim ersteren zur genitalen Entladung, beim letzteren zur totalen Blockierung eben dieser Entladung. Die Hysterikerin wird mit ihrer genitalen Energie durch somatische Innervationen, Furchtsamkeit und das typische hysterische Verhalten fertig – Modju durch sein pestilentes Verhalten. Auch sind Baker zufolge Hysterikerinnen manchmal pathologische Lügnerinnen – wie Modju.

Reich hat Modju als einen „Short-circuited genius“ bezeichnet (Orgone Energy Bulletin, 1954, S. 162-170). In diesem Zusammenhang trifft auf Modju das gleiche zu, was Reich über den Schizophrenen geschrieben hat:

Der schizoide [d.h. der schizophrene] Charakter ist – wie auch der „kriminelle“ – dem homo normalis im Durchschnitt tatsächlich überlegen, was seine Verständnisfähigkeit angeht: doch diese kommt aufgrund der tiefsitzenden [schizophrenen] Spaltung praktisch nicht zum Zuge und ist nicht in der Lage, eine dauerhafte, rationale biologische Tätigkeit zu entfalten, wie es beim sogenannten „Genius“ der Fall ist. (Charakteranalyse, S. 542)

Reichs entsprechende Ausführungen über den pestilenten Charakter als eine Art fehlgezündetem genitalen Charakter sind fast identisch. Die okulare Pathologie verbindet Modju mit Paranoikern, Mystikern und Schizophrenen. Reich hat auf die okulare Pathologie des Mystikers hingewiesen, der dem schizoiden (d.h. schizophrenen) Charakter strukturell sehr nahestehe (Charakteranalyse, S. 524).

Lithium und die orgonotische Pulsation

14. März 2012

Bipolare Störungen sind die Hölle auf Erden. Die manischen Phasen, etwa wenn die Patienten in einen ruinösen Kaufrausch verfallen, zerren genauso an der Substanz wie die unweigerlich folgenden depressiven Phasen, in denen das Leben schlimmer ist als der Tod. Es ist, als könne der Organismus nicht mit der natürlichen Pulsation zwischen Expansion und Kontraktion umgehen. Bei Expansion reagiert er „verkrampft“ und erratisch („Manie“), bei Kontraktion verfällt er geradezu in Todesstarre („Depression“). Das ganze erinnert etwas an den Erstickungstod, wo der Organismus auch zwischen grotesker Überaktivität und vollständiger Erstarrung, Aufbäumen und Ergeben ins Unvermeidliche hin und her schwankt, während die orgonotische Pulsation immer schwächer wird. Könnte es sein, daß die bipolare Störungen letztendlich auf eine chronisch reduzierte orgonotische Pulsation zurückgeht? Daß die bipolaren Phasen Ausdruck des „Todeskampfes“ eines sterbenden orgonotischen Systems sind?

Seit sechs Jahrzehnten hilft den Betroffenen das „Natursalz“ Lithiumchlorid, dessen therapeutische Wirkung vollkommen zufällig entdeckt wurde und seitdem ein Rätsel der Psychiatrie geblieben ist. Das Alkalimetall Lithium, so ungefähr die einfachste Substanz, die man sich überhaupt vorstellen kann (sie hat im Periodensystem die Ordnungszahl 3!), ist ein hochwirksames Psychopharmakon – und keiner kann erklären, wie es überhaupt auf die berühmte Chimäre „Hirnchemie“ einwirkt.

Dieser unhaltbare Zustand hat sich jetzt geändert. Qing-Jun Meng von der University of Manchester et al. konnten zeigen, daß Lithium den, wenn man so sagen kann, „Schlag der biologischen Uhr“ verstärkt. Lithium stärkt die innerzelluläre biologische Uhr dramatisch, indem es das Enzym Glykogen-Synthase-Kinase 3 (GSK-3) hemmt.

Die genaueren Zusammenhänge sind etwas für den Spezialisten, uns hat hier nur die naheliegende Verbindung zwischen der Hemmung bzw. Anregung der orgonotischen Pulsation und der manisch-depressiven Erkrankung bzw. deren Heilung zu interessieren. Sekundär ist die Frage, wie diese Störung der „inneren Uhr“ ausgelöst wurde: genetische Faktoren, psychosoziale Faktoren oder deren Zusammenspiel.

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