Edmund Forster, Erik Jan Hanussen und der Psychotherapeut um die Ecke

Ob Hanussen jemals mit Hitler zusammengetroffen ist, ist zweifelhaft. Der amerikanische Wikipedia-Eintrag über ihn behauptet das für Anfang der 1920er Jahre auf der Grundlage von Unterlagen des OSS, während im deutschen Eintrag davon keine Rede ist. Andere „Quellen“ behaupten eine Begegnung Anfang der 1930er Jahre. Derartige Begegnungen sind mehr als fraglich und werden m.W. in der seriösen Hitler-Literatur nirgends erwähnt. Trotzdem ist Hitlers Karriere ohne Hanussen m.E. kaum vorstellbar. Es geht um den Reichstagsbrand und das merkwürdig „schlafwandlerische“ Auftreten von Marinus van der Lubbe. Es ist tatsächlich diskussionswürdig, daß van der Lubbe von dem informellen SA-Mitglied Hanussen in einen hypnotischen Zustand versetzt worden war, um den Reichstag anzuzünden. Aus diesem posthypnotischen Zustand wurde er nie wieder befreit. Ich habe mich damit bereits an anderer Stelle beschäftigt. Unwillkürlich muß man an das merkwürdige Auftreten von Lee Harvey Oswald denken.

Beide, van der Lubbe und Oswald, handelten mit geradezu übermenschlicher Präzision. Es gehört ungemeine Willensstärke dazu, ein Gebäude wie den Reichstag systematisch in Brand zu setzen oder einen Präsidenten im Visier zu halten und in kürzester Folge dreimal abzudrücken. Hypnose kann bewirken, daß wir uns sozusagen nicht mehr selbst im Wege stehen und entsprechend Dinge „durchziehen“ können, die ohnehin unserem Wesen entsprechen. Deshalb kann man diese Methode ja therapeutisch nutzen, etwa zur Raucherentwöhnung oder um soziale Phobien zu überwinden, die das Arbeits- und Liebesleben behindern.

Bernhard Horstmann führt in seinem Buch Hitler in Pasewalk (Düsseldorf 2005) aus, daß Hitlers angebliche „Gaserblindung“ am Ende des Krieges in Wirklichkeit hysterischer Natur war und daß der behandelnde Psychiater, Dr. Edmund Forster, seinem Patienten mittels einer ausgeklügelten Hypnosetechnik dazu brachte wieder sehen zu können. Er suggerierte Hitler, daß dieser kein gewöhnlicher Mensch sei, sondern auserwählt, ein „Wundermann“, der mit seiner übermenschlichen Willenskraft Herrschaft über die Materie habe und deshalb auch das Unmögliche vermöge, nämlich trotz seiner zerstörten Augen wieder zu sehen. Die so freigesetzten psychopathologischen Mechanismen hätten, so Horstmann, in Hitler, eine „totale Wesenstransformation“ bewirkt.

Forster hat Hitler während der Trancephase die Omnipotenz des zu Wundern fähigen Übermenschen suggeriert. Er tat dies in Verbindung mit den Namen Jesus, Mohammed und der Heiligen und hat damit die Grundlage für einen Messiaskomplex gelegt, der später an Hitler verschiedentlich mit Staunen bemerkt worden ist. (S. 150)

Die „Stimme“, die Hitler gehört hat, und die ihn in einer „Vision“ zum Retter Deutschlands berief, war nichts anderes als die Stimme seines Hypnotiseurs Forster. (S. 244)

Da diese Hypnosebehandlung in die Wirren der November-Revolution fiel, hatte Forster nicht mehr die Gelegenheit den hypnotischen Zustand wieder aufzuheben. Ergebnis war eine andauernde Wesensveränderung Hitlers. Aus einem willensschwachen und eher schüchternen deutsch-völkischen und schwärmerisch wagnerianisierenden Sonderling wurde der visionäre „Führer“, dem nach allen Zeugenaussagen ein „hypnotisch aufgeladenes Fluidum“ umgab, das zumindest eher willensschwache Zeitgenossen in seinen Bann zog. Gleichzeitig wirkte Hitler merkwürdig starr, beziehungslos und „fremdgesteuert“, wie in Trance.

Die Rolle, die Forster und Hanussen in der Geschichte des Nationalsozialismus gespielt haben, wird sich nie abschließend nachweisen lassen, die Indizien sind aber ziemlich schlüssig. Es geht darum, daß Psychotechniken („Psychotherapie“) eine entscheidende Rolle im wichtigsten Geschehen seit Jahrhunderten gespielt haben.

Reich selbst hat Anfang der 1920er Jahre als angehender Psychiater und Psychoanalytiker „Suggestivmethoden“ angewendet, um seinen Patienten möglichst schnell helfen zu können. In der Psychoanalyse hat der hypnotische Rapport in Gestalt der „Übertragung“ überlebt. Der Therapeut wird unbewußt zum Vater und/oder zur Mutter und dringt dergestalt in die Psyche des Patienten ein, die sich in dessen Kindheit gebildet hatte. Es dreht sich alles darum, eine „Übertragung“ herzustellen. In der Orgontherapie hingegen ist die Übertragung nichts anderes als ein Ersatzkontakt, der automatisch auftritt und immer wieder aufgelöst und durch einen genuinen Kontakt ersetzt werden muß.

Praktisch alle anderen Methoden, einschließlich der „Selbsthypnose“, helfen zweifellos den Patienten, halten jedoch letztendlich das Elend aufrecht, indem sie die Kontaktlosigkeit perpetuieren, wenn nicht verstärken. Sozialphobiker, beispielsweise, mögen durch diverse „Techniken“ ihre Ängste verlieren und ein besseres Leben führen, letztendlich wäre ihnen aber mehr damit gedient, wenn sie lernten ihre Ängste zu ertragen. Die Geschichte des „Dritten Reiches“ ist ein Menetekel dafür, was „Psychotherapie“ letztendlich bedeutet. Man denke nur daran, daß sich immer wieder „Psychosekten“ um Psychoanalytiker, Individualpsychologen, etc. formieren. Wer sich etwas mit der „Psychotherapeuten-Szene“ auskennt – gruselig…

Es dreht sich immer um das gleiche Problem; ein Problem, mit dem ich mich morgen beschäftigen werde. Es geht um die Beziehung zwischen Therapeuten und Patienten. Bei Hanussen war es der Mißbrauch des therapeutischen „Rapports“; bei Forster geht es um eine ähnliche Situation, die aufgrund äußerer Umstände eintrat, und in der modernen Psychotherapie geht es darum, daß mangels eines klaren funktionellen Denkens, die therapeutische Beziehung ständig aus dem Ruder zu laufen droht mit teilweise verheerenden Konsequenzen.

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7 Antworten to “Edmund Forster, Erik Jan Hanussen und der Psychotherapeut um die Ecke”

  1. Jonas Says:

    „Forster hat Hitler während der Trancephase die Omnipotenz des zu Wundern fähigen Übermenschen suggeriert. Er tat dies in Verbindung mit den Namen Jesus, Mohammed und der Heiligen und hat damit die Grundlage für einen Messiaskomplex gelegt, der später an Hitler verschiedentlich mit Staunen bemerkt worden ist.“

    Hoffen wir, dass aus den „Kindern der Zukunft“ keine „Generation Hitler“ wird:

    Declaring Bratty Kids to Be Magical Superhumans („Indigo Children“)

    http://www.cracked.com/article_19721_the-5-creepiest-progressive-parenting-fads.html

  2. O. Says:

    Die Suggestion hat schon bei Freud nicht funktioniert, so sehr er sich anstrengte, daher kam er zu seiner „Psychoanalyse“, mangels suggestiver Fähigkeiten. Von der Hypnose verstand Freud auch nichts, daher nahm er die leichtere Technik der Suggestion als sein „neues“ Spezialgebiet an. 1920 war er schon über 25 Jahre von jeder Suggestion entfernt. Und nun soll Reich mit Suggestion experimentiert haben? Wo sind hier die Quellen?

    Hitler hatte kein „hypnotisch aufgeladenes Fluidum“. Das Fluidum, das auf Mesmer verweist, war seit über hundert Jahren tot und hatte nichts mit Hypnose zu tun. Jene „Aura“ von Hitler kann also nur eine Art Hinweis auf eine Psychose sein.

    Der „Rapport“ beschreibt eine gedankliche Übereinkunft, die schon bei Mesmer aufgefallen war als seine Klienten in den „kritischen Schlaf“ sich versetzten. Man interpretierte dies weg vom energetischen Kontakt hin zu einer hypnotischen Beziehung und Einflussnahme. des Hypnotiseurs auf den Hypnotisierten. Hier soll der Trancezustand künstlich hervorgerufen werden, um auf das Unterbewußte Einfluss zu bekommen. Dies ist jedoch keine Heiltechnik mehr, sondern eine Beherrschung und Willensbrechung des Hypnoseopfers. Dies war natürlich wesentlich interessanter als Menschen zu heilen und hat eine weite Verbreitung gefunden.

    Die psychoanalytische Übertragung hat hiermit nichts zu tun. Hier produziert der Patient die Übertragung seiner Erfahrungen mit dem Vater auf den Therapeuten und kann dies zum Thema machen. Der Therapeut benutzt keine Trance, sondern geht auf die Themen (Inhalte) des Patienten ein.

    NLP, Hypnose und die Eriksons Methode sind wirkungslose Techniken, die einen Erfolg, eine Verhaltensänderung suggerieren. Sie sind therpeutischer Missbrauch, eine kognitive Manipulation ohne die Hand (mesmerisierend) zu nutzen und gehören in die Scharlatanerie Ecke.

    Hitler war weniger ein Opfer einer Hypnose als vielmehr selbst Massenhypnotiseur, seine Inzenierungen – er hatte hierfür extra Schauspielunterricht genommen, waren visuelle und akustische Tranceinduktionen, um seine Hassbotschaften in die Köpfe der Menschen zu pflanzen.

    Er wusste die – wie Reich sagte – sexuellen Energien umzulenken und für seine Zwecke zu benutzen und in mystisches Denken zu kanalisieren. Das Hakenkreuz hat nicht nur eine symbolische Bedeutung zweier kopulierender Menschen, sondern auch eine hypnotische Kraft.

  3. Robert (Berlin) Says:

    „Unwillkürlich muß man an das merkwürdige Auftreten von Lee Harvey Oswald denken.“

    Weiteres zum Tod von Kennedy…

  4. Peter Nasselstein Says:

    Obama Antichrist benutzt die gleichen Hypnosetechniken wie Hitler:

    http://www.pennypresslv.com/Obama's_Use_of_Hidden_Hypnosis_techniques_in_His_Speeches.pdf

  5. Adolf Hitlers Intimfrisur « Nachrichtenbrief Says:

    […] blieb, ist die ungeheuer provokative Wirkung der Person Hitler selbst. Nach allen Zeugenaussagen hatte er unvergleichlich „hypnotisierende“ Augen. Ein Blick, und Männer waren ihm „auf ewig“ verfallen. Aber das erklärt kaum die […]

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