Aus dem Führerhauptquartier der Antiorgon-Naziliga: Die drei Grundlagen des Nationalsozialismus (Teil 2)

Hitler wurde als „Messias aller Deutschen“ bezeichnet. Dietrich Eckart „der Prediger und Apostel Adolf Hitlers“ und „unsterbliche Dichter und Künder des Dritten Reiches“ brachte kurz vor seinem Tod 1923 folgenden poetischen Erguß zu Papier:

Du blödes Volk! Du schmähtes jeden, der sich treulich um dich mühte, mit gotteslästerlichen Reden lohntest du auch Hitlers Güte, grunztest, als die Pharisäer Hinterrücks ihn niederzwangen.

Baldur von Schirach, Reichsführer der HJ, dichtete voll Ergriffenheit:

Wir hörten oftmals deiner Stimme Klang und lauschten stumm und falteten die Hände, da jedes Wort in unsere Seelen drang. Wir wissen alle: einmal kommt das Ende, das uns befreien wird aus Not und Zwang. Was ist ein Jahr der Zeitenwende! Was ist das Gesetz, was hemmen will – der reine Glaube, den du uns gegeben, durchpulst bestimmend unser junges Leben. Mein Führer, du allein bist Weg und Ziel! (H.J. Gamm: Der braune Kult, Hamburg 1962, S. 24)

Und sogar Kindergebete galten ihm:

Führer, mein Führer, von Gott mir gegeben, beschütz und erhalte noch lange mein Leben! Hast Deutschland gerettet aus tiefster Not; Dir danke ich heute mein täglich Brot. Bleib lang noch bei mir, verlaß mich nicht, Führer, mein Führer, mein Glaube, mein Licht! Heil, mein Führer! (ebd., S. 213f)

Hitler selbst hatte 1922 gesagt:

Ich wäre kein Christ (…), wenn ich nicht, wie einst vor 2000 Jahren unser Herr, Front machen würde gegen die, die dieses arme Volk heute ausplündern und ausbeuten!

Es schmerzt mich, daß ich als Katholik gerade von katholischer Seite so niederträchtig angegriffen werde. Das schmerzt mich um so mehr, weil wirklich keine Bewegung mehr für das Christentum eintritt als die unsere und weil ich derjenige bin, dessen Arbeit es mit zu verdanken ist, daß das Christentum sich wieder so entfalten kann!

Entsprechend dankbar verkündete der Thüringer Kirchenrat Leutheuser 1933:

Christus ist zu uns gekommen durch Adolf Hitler. Er ist der entscheidende Mensch gewesen, als ein ganzes Volk bereit war, unterzugehen. Durch seine Kraft, seine Ehrlichkeit, seinen Glauben und seinen Idealismus fand der Heiland zu uns. Wir haben eigentlich nur eine Aufgabe: Werdet deutsch! Nicht: Werdet Christen! (z.n . Werner Reichelt: Das Braune Evangelium, Wuppertal, 1990, S. 56).

Nach der Machtergreifung sei, so Werner Reichelt in seiner Analyse des „braunen Evangeliums“, Schritt um Schritt die Christus-Geschichte in die Gegenwart übertragen und Hitler zum „Heiland der Deutschen“ erhoben worden, dessen Werdegang bis in die kleinsten Einzelheiten denen Jesu entsprach: Hitler wuchs in einer Art österreichischem Nazareth auf. Er führte seine Heimat heim ins Reich, als Verkörperung des Weges, der Wahrheit und des Lebens. Und trotzdem blieb dieser Gott doch ganz Mensch: „Das ist an ihm das Größte: daß er doch Mensch blieb, so wie du und ich.“ Durch sein, des schuldlosen armen Gefreiten, Opfer wird das ganze Volk gerettet werden. Am Anfang war er verborgen und seine Stimme galt im eigenen Land nichts. Seine Jünger wurden verfolgt, doch er hatte für sie die Trostworte der Bergpredigt: eines Tages wird alles umgekehrt sein! Standhaft steht Hitler gegen die satanische Versuchung des demokratischen Staates, der ihn, den eschatologischen Revolutionär, einbinden will. Wer nicht für Hitler ist, ist gegen ihn. Hitler verlangt absoluten, fanatischen Glauben. Ziel ist eine Art urchristlicher Gütergemeinschaft, wo das „Blut“ die Rolle des einigen Heiligen Geistes übernimmt. Die Dreieinigkeit wird durch „Ein Volk, ein Reich, ein Führer!“ ersetzt, bzw. „die Dreieinigkeit des Blutes, des Glaubens und des Staates“.

Anläßlich des NS-Winterhilfswerkes sagte Hitler 1937:

Wenn ich so manches Mal ärmlich gekleidete Mädchen mit unendlicher Geduld sammeln sehe, selbst frierend, um für andere Frierende zu sorgen, dann habe ich das Gefühl, daß sie alle auch Apostel eines Christentums sind. Und zwar eines Christentums, das von sich mit mehr Recht als ein anderes sagen kann: Dies ist das Christentum eines aufrichtigen Bekenntnisses, weil hinter ihm nicht das Wort, sondern die Tat steht. (z.n. Reichelt, S. 83)

Das hier beschriebene kann man wie folgt rekapitulieren:

In seiner Massenpsychologie des Faschismus beschreibt Reich die subjektiv revolutionäre Einstellung, die den Faschismus von bloßen reaktionären, restaurativen, „bürgerlichen“ Bewegungen kraß unterschieden hat. Hinzu kam, daß sich, wie Reich es ausdrückt, wie zuvor in allen anderen vorangegangenen derartigen Bewegungen „im Neuheidentum des deutschen Nationalsozialismus sich das vegetative Leben abermals Bahn (brach)“ (Die sexuelle Revolution, Fischer-TB, S. 267). Dabei imponiert die „nationalsozialistische Mystik“ wie ein grotesk verzerrter Animismus – die Alternative zum patriarchalischen, „bürgerlichen“ Mystizismus und Mechanismus (siehe dazu Reichs Äther, Gott und Teufel). Die Nähe des „Hitler-Mythus“ zum Christus von Reichs Christusmord ist ebenfalls allzu offensichtlich.

In der heutigen antiautoritären Gesellschaft beobachten wir ganz ähnliche Entwicklungen. Man denke nur an die USA, in der die Rebellion auf allen Ebenen immer groteskere Züge annimmt. Man braucht nur das Fernsehen anmachen, ins Kino gehen oder im Internet surfen! Alles ist von abstrusen Verschwörungstheorien durchzogen (die fast durchweg einen antisemitischen Kern haben!), ständig werden die traditionellen Werte und das „Establishment“ verhöhnt. Das traditionelle Christentum wird buchstäblich angepißt und mit Kot beschmiert. Eine ganze Nation hört auf das mystische Geschwafel eines Eckhart Tolle, öffnet Chakren, praktiziert „Quantenheilung“, etc. Obama wird als neuer Heiland präsentiert. Er hat sogar seine eigene Hakenkreuzfahne. Das ist Nationalsozialismus heute, nicht der Mummenschanz einer Handvoll geisteskranker Neonazis. (Die eh meist nur Schwule und Sadomasochisten sind, die ihren Fetisch ausleben.)

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

3 Antworten to “Aus dem Führerhauptquartier der Antiorgon-Naziliga: Die drei Grundlagen des Nationalsozialismus (Teil 2)”

  1. Peter Nasselstein Says:

    Wir sind vom Wahnsinn umzingelt!

    http://weltverschwoerungsblog.wordpress.com/2012/05/04/adolf-und-seine-auseridischen-hohlkopfe-die-galaktische-foderation-des-lichts/

  2. O. Says:

    Zu meiner Vorrede von gestern fehlt mir hier immer noch die verständliche Definition von „Antiautorität“, hier wird es mit Faschismus gleichgesetzt. Das erinnert mich mehr an Gleichnisse wie „Frieden = Krieg und Krieg = Frieden“. (vermultich aus Orwell „1984“) – es mag auch sein, dass ich es nicht verstehen kann.

    Obwohl hier EIN Präsident zum Antichrist oder „antiauthoritären faschistischen Führer“ und damit alle anderen früheren Präsidenten von diesem Vorwurf entlastet werden, weil sie eher authoritär gewesen seien. Das klingt nach US-Wahl-Propaganda, nicht nach einer klärenden Darstellung. Jede Kritik an den anderen Präsidenten desselben Staatenbundes wird in die Ecke der „Verschwörungstheorie“ gesehen, ohne zu fragen, wer machte welche Verschwörungstheorien. Als Verschwörungstheorie wird hier das interpretiert, was den Vorgängern des jetztigen „Faschistenführers“ in die eigene Darstellung der Geschichte passt, die zweifelsohne immer wieder auf Lügen aufgebaut wird.

    Nennt mich konservativ, aber ich bevorzuge die zukunfstweisende, wenn auch schon technisch und durch die Globalisierung überholte version von Orwells BigBrother, wobei es nicht unbedingt eines Führerkultes heute bedarf, sondern durch gewisse nicht gerne genannte Organistaionen vertreten und umgestzt wird. Das „TV“ (neben Musik- u. Filmindustrie etc.) ist nach wie vor eines der Propagandasprachrohre, auch wenn die hier zu Recht kritisierte (faschsitische) „antiautoritäre“ Unterhaltungs- und Spiele-Kultur vom Wesentlichen täglich ablenken muss. Letztlich fehlt nur noch das „Brot“ fürs Volk, die Spiele sind genügend vorhanden – in Anlehnung an das Römische Reich. Das Brot wird ihm gänzlich genommen werden.

  3. Peter Nasselstein Says:

    Hier Kurt Tucholsky, der Urvater der gegenwärtigen deutschen Occupy-Bewegung:

    Möge das Gas in die Spielstuben eurer Kinder schleichen. Mögen sie langsam umsinken, die Püppchen. Ich wünsche der Frau des Kirchenrats und des Chefredakteurs und der Mutter des Bildhauers und der Schwester des Bankiers, dass sie einen bittern qualvollen Tod finden, alle zusammen. Weil sie es so wollen, ohne es zu wollen. Weil sie faul sind. Weil sie nicht hören und nicht sehen und nicht fühlen. – „Dänische Felder“, in: „Die Weltbühne“, 26. Juli 1927, S. 152f.

    http://de.wikiquote.org/wiki/Kurt_Tucholsky

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.


%d Bloggern gefällt das: