Das Geheimnis der Entropie

Der Zustand der maximalen Entropie ist die ultimative Verkörperung dessen, was in der Orgonomie als „mechanisch“ bezeichnet wird. Es gibt keine Ordnung, keine Strukturen. Ein derartiger Zustand ist gar nicht so einfach herzustellen. Beispielsweise muß man Laboratorien für Unsummen ins Weltall schießen, um dem Ordnungsfaktor Gravitation zu entgehen.

Wirklich interessant wird es, wenn man einen anderen Störfaktor ausschaltet: die Wärmebewegung. Nähert sich die Temperatur dem absoluten Nullpunkt treten Phänomene auf, die allem zu widersprechen scheinen, was wir mit einem „entropischen Zustand“ verbinden. Ich habe das in Orgonenergie-Kontinuum und atomare Struktur beschrieben.

Man kann sogar diskutieren, ob die Annäherung an das thermodynamische Gleichgewicht von genau jenen quantenmechanischen Mechanismen abhängig ist, deren Nähe zu orgonphysikalischen Phänomen ich im verlinkten Aufsatz aufgezeigt habe. Oder mit anderen Worten: das Zweite Thermodynamische Gesetz bedarf der spontanen Orgonenergie bzw. ihren quantenmechanichen Äquivalenten. (Siehe dazu David Z. Albert: „The Foundations of Quantum Mechanics and the Approach to Thermodynamic Equilibrium“, The British Journal for the Philosophy of Science, 45, S. 669-677, 1994.) Man muß einen Satz von Spielfiguren oder Spielkarten sozusagen „erst durchschütteln“, bevor man mit dem Spiel anfangen kann, das darin besteht, aus maximaler Unordnung maximale Ordnung zu machen. Am Anfang steht also das „Druchschütteln“ – ein anentropischer Akt, an dessen Ende maximale Entropie steht, die dann nach und nach abgebaut wird.

Ein Äquivalent zu quantenmechanischen Prozessen am Rande des absoluten Nullpunkts sind gleichförmige Nanoteilchen: In der Studie „Predictive Self-Assembly of Polyhedra into Complex Structures“ von Sharon Glotzer (University of Michigan) et al. konnten, jedenfalls in der Computer-Simulation, Ansammlungen von verschieden geformten Nanoteilchen dazu gebracht werden sich spontan zu verschiedenen makrokosmischen Strukturen zusammenzufinden.

Sich selbst überlassen finden schwebende Teilchen zu Zusammenstellungen mit der höchsten Entropie zueinander. Diese Zusammenstellung entspricht dann der Vorstellung, daß Entropie mit Unordnung gleichzusetzen ist, wenn die Teilchen ausreichend Raum zur Verfügung haben: sie zerstreuen sich und weisen in zufällige Richtungen. Aber dicht zusammengepackt fingen [in der Simulation] die Teilchen an, sich zu Kristallstrukturen zusammenzufinden, so wie es Atome tun – auch wenn die Nanoteilchen keine chemischen Bindungen eingehen konnten. Diese geordneten Kristalle mußten ebenfalls hochentropische Zusammenstellungen sein.

Glotzer erklärt, daß das nicht wirklich „Unordnung ist, die aus sich heraus Ordnung erschafft“, vielmehr benötige das Image der Entropie ein Update. Sie beschreibt sie als ein Maß für Möglichkeiten. Wenn man die Schwerkraft abdrehen könnte und einen Beutel mit Würfeln in ein Glas entleerte, würden die einzelnen schwebenden Würfel in jede mögliche Richtung zeigen. Wenn man jedoch damit fortfahre Würfel hinzuzufügen, werde der freie Raum schließlich so begrenzt, daß die Würfel mehr Optionen hätten, wenn sie sich gegeneinander ausrichten. Dasselbe passiert mit den Nanoteilchen, die so klein sind, daß sie die Einwirkung der Entropie stärker erfahren als die der Gravitation.

„Es dreht sich alles um Möglichkeiten“, sagt Glotzer. „In diesem Fall erzeugen geordnete Zusammenstellungen die meisten Möglichkeiten, die größten Freiräume. Das ist natürlich kontraintuitiv.“

70 Prozent der in den Computerdurchläufen getesteten Formen für Nanoteilchen ergaben unter dem Einfluß der Entropie Kristalle. Wobei die Forscher geradezu geschockt waren, wie kompliziert einige dieser Kristallstrukturen waren. Mittlerweile ist es sogar möglich, aus der Form der einzelnen Nanoteilchen die Art der Kristalle vorauszusagen, die sich aus den Nanoteilchen bilden. Warum 30 Prozent der Nanoteilchen, die sich in ihrer Form kaum von den anderen Nanoteilchen unterschieden, keine kristallinen Strukturen ergaben, bleibe jedoch ein Rätsel.

Wie an anderer Stelle dargelegt, ist aus schulphysikalischer Sicht der Orgonenergie-Akkumulator die perfekte Einrichtung, um einen Raum von Umgebungseinflüssen physikalisch zu isolieren: ein Faradayscher Käfig mit zusätzlicher Wärmedämmung. Mit Hilfe dieser „Abschirmung“ konnte Reich unerwartete Strukturen bzw. unerwartete Ordnung ausmachen, d.h. Energie akkumulieren. Entsprechende Phänomene beobachtet man, wenn man den Umwelteinfluß „Wärmebewegung“ gegen Null fährt oder, jedenfalls in der Computer-Simulation, die Freiheitsgrade von Nanoteilchen drastisch einschränkt, indem sie alle beispielsweise nur kleine Diskusse in einem beschränkten Raum sind. Statt einen amorphen „entropischen Brei“ zu bilden, zwingt die Entropie diese sozusagen „eingeschränkten“ Nanoteilchen zur Bildung von teilweise komplizierten Strukturen.

Sollten sich diese Erkenntnisse vom Computer in die Wirklichkeit übertragen, d.h. technologisch umsetzen lassen, hätten wir Materialien zur Verfügung, von denen kein Science-Fiction-Autor bisher auch nur träumen konnte!

Im übrigen erinnert mich das ganze fatal an die Atomtheorie der alten Griechen in Platons Fassung:

Im Timaios hat Platon um 350 v.Chr. die Ansicht vertreten, daß die vier „Elemente“, aus denen die Welt aufgebaut ist – Feuer, Wasser, Luft und Erde – alle aus winzigen Teilchen zusammengesetzt sind. Und da die Welt nur aus perfekten Bausteinen gemacht sein kann, so schloß er weiter, müssen diese Bausteine die Formen der regulären Körper haben. Zum leichtesten der Elemente, dem Feuer, muß das Tetraeder gehören. Als stabilstes aller Elemente muß die Erde aus Würfeln aufgebaut sein. Das Wasser ist flüssig und beweglich, also muß es aus Ikosaedern bestehen, dem regulären Körper, der am leichtesten rollt. Und in Bezug auf die Luft schreibt Plato: „…Luft verhält sich zu Wasser wie Wasser zu Erde“, so schließt er etwas mysteriös, „also muß Luft aus Oktaedern aufgebaut sein“.

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3 Antworten to “Das Geheimnis der Entropie”

  1. Zeitgenosse Says:

    Hallo Peter.

    Strebt ein mechanistischer Geist bzw. eine Ideologie nicht nach Ordnung und Struktur (Verweis auf die Maximalentwicklung des Mechanismus – der Entropie) und ist es nicht ein Widerspruch, dass Entropie und das Fehlen jeglicher Ordnung diese Maximalentwicklung darstellt und damit zum Gegenstück des Lebendigem wird? Oder habe ich etwas falsch interpretiert.

    Über den Abschirmeffekt eines ECHTEN Akkumulators: Hältst du es, als studiertem Physiker (habe ich im Blog mal gelesen das du Physik studiert hast) für möglich, die Theorie der Quantencomputer damit in die Realität umzusetzen? Quantencomputer scheitern ja an der schell stattfindenden Dekohärenz.

    • Peter Nasselstein Says:

      Naja, „Physik studiert“ – Physikstudium vorzeitig abgebrochen!

      Wenn ich Deinen Gedankengang richtig verstanden habe, beruht er ungefähr auf folgenden in sich widersprüchlichen Gleichsetzungen:

      Entropie = Kontinuum = Funkionalismus
      Negentropie = Ordnung = Mechanismus

      Ich soll diesen Widerspruch erklären. Die beiden obigen Gleichungen sind falsch, weil sie auf einem abstrakten (letztendlich mystischen) Denken beruhen. Sinn macht das ganze nur, wenn man sich den konkreten Orgonmetabolismus betrachtet:

      Das Orgonenergie-Kontinuum erzeugt spontan Ordnung (man denke nur an die Bione) und sorgt dafür, daß wirklich Ordnung herrscht, d.h. die Teile nicht zusammenhanglos nebenenander liegen, sondern eine funktionelle Beziehung haben.

      Der Mechanismus ist genau das: zwischen den Teilen ist der Zusammenhang zerbrochen, es gibt kein verbindendes Kontinuum mehr und infolge zerfallen die Einheiten in immer kleinere Teile – bis wir wieder beim Kontinuum angelangt sind. Man denke etwa an den bionösen Zerfall beim Krebs.

      Akkumulator und Abschirmung: Kann sein. Keine Ahnung, zumal ein Akkumulator in seiner Funktionsweise von der energetischen Umgebung abhängt. In einer energetisch toten Umgebung ist auch der „echteste“ Akkumulator verhältnismäßig tot, während in einer energetisch lebendigen Umgebung jede „Keksdose“ Wunder wirken kann.

      Das sind Fragen!! 😉

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