The Journal of Orgonomy (Vol. 40, No. 2, Fall/Winter 2006)

Robert A. Harman setzt sich in seinem Aufsatz „Functional Cosmology (Part VI): Misconceptions about the Relationship between Orgone Energy and Space“ (S. 119-154) mit einem Problem auseinander, das praktisch die gesamte Rezeption der Orgonbiophysik bestimmt: das „Cartesische Mißverständnis“. Dabei geht es darum, daß der physikalische Raum als eine Art „Plenum“ (DesCartes) betrachtet wird, d.h. er ist vollständig mit Materie, ähnlich dem Orgon, gefüllt. Materie, die sich bevorzugt in Strudeln wie ein „Feinstoff“ durch den Raum bewegt.

Harman zitiert den Religionsphilosophen Robert S. Corrington, der Reichs vermeintliches „Weltbild“ wie folgt beschreibt:

[Reich zufolge] war das Universum der Raum/Zeit durch schnell wirbelnde Wellen [von Orgonenergie] konstituiert, die alles Materielle und Energetische durchdrangen. (…) Reichs Art von Vitalismus schaute den gesamten Kosmos als einen weiten Orgonozean mit unterschiedlichen Dichten, Kondensationen und Drehgeschwindigkeiten je nach Region und Art des Wachstumszustandes.

Diese auf Zeno und DesCartes zurückgehende Sicht der Welt, habe, so Harman, durchaus nichts mit Reich zu tun:

  1. Der Bereich der relativen Bewegung ist nur ein Teilbereich des orgonotischen Funktionierens.

    harmantransformation

  2. Reich wollte kein in sich geschlossenes „Weltbild“ vermitteln, sondern schlichtweg Naturforschung betreiben.

Angesichts von Harmans Ausführungen mußte ich an die unterschiedlichsten Dinge denken, etwa Zuschriften über die Jahre, die, obwohl sehr nett und voller Lob, mich immer zutiefst irritiert haben. Es ging immer darum, daß ich endlich eine „Weltanschauung“ ausformuliert habe, mit der sich der Betreffende identifizieren könne. Meine Irritation kommt daher, daß die Welt nun alles braucht, aber wahrhaftig keine neue „Weltanschauung“. Es geht um Kontakt mit der Wirklichkeit (= Wahrheit), nicht um Weltanschauung (= Lüge)!

Ein anderes Beispiel: Wer die UFO-Forschung der letzten 60 Jahre verfolgt hat, wird sich vergegenwärtigt haben, daß etwas mit den diversen „Szenarien“ nicht stimmen kann. Wir haben es definitiv nicht primär mit „Raumschiffen“ zu tun, die von Punkt A nach Punkt B und zurück fliegen. Das gesamte Phänomen spricht dem Konzept „Raum“ hohn. Ich bin mittlerweile zu dem Schluß gekommen, daß „dämonologische“ Erklärungsansätze, wie sie insbesondere fundamentalistische Christen in den USA vertreten, dem Phänomen weitaus gerechter werden als das, was in der orgonomischen Literatur darüber zu lesen ist. Das heißt natürlich nicht, daß ich mystische Konzepte verteidige. Es heißt nur, daß hier ein Feld ist, wo das „cartesische Mißverständnis“ deutlich zum tragen kommt. Siehe dazu meine Ausführungen UFOs, Engel und Dämonen.

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8 Antworten to “The Journal of Orgonomy (Vol. 40, No. 2, Fall/Winter 2006)”

  1. Renate Says:

    Hallo an alle,
    im Buch „Contact with Space – Oranur Bericht II“ kommt mehrmals die Abkürzung „Et“ vor, einmal schreibt Robert McCullough in seinem Reisebericht von „Et in Form von Caliche“. Was bedeutet „Et“ und was ist Caliche genau? Danke, wenn es mir jmd erklärt 🙂

  2. Dolphin Says:

    „UFOs, Engel und Dämonen“:
    „Ich bin der Überzeugungen, daß ausnahmslos sämtliche Religionen auf den Mechanismen der Besessenheit beruhen. Die Gläubigen sind nichts weiter als Marionetten in einem Drama, das sich auf einer ganz anderen Ebene abspielt. Wir sind dazu da, um den Dämonen die Weiterexistenz zu sichern und unsere Auseinandersetzungen dienen fremden Interessen.“
    Was sind die anderen Ebenen, Dämonen und fremden Interessen?
    Gruß und Dank!

    • Peter Nasselstein Says:

      Es geht im Prinzip um das gleiche, was Freud und Reich Anfang des letzten Jahrhunderts offengelegt haben: die Eltern reproduzieren sich nicht nur körperlich, sondern vor allem auch „geistig“ (nicht nur „gedankenmäßig“, sondern „wesensmäßig“!) in den Kindern. Bis vor kurzem waren es fast ausschließlich die Kirchen, seit neuerem die Medien, die die Werte einimpfen, die dieses „Erziehungsprogramm“ sozusagen vereinheitlichen, wenn nicht sogar bestimmen. Letztendlich geht diese Tradition immer auf „Offenbarungen“, „Eingebungen“ und mystische Erfahrungen zurück. Am dramatischten sind die Marienerscheinungen, die von UFO-Erscheinungen ununterscheidbar sind. Welche (funktionelle!!) „Ebene“ das ist – ? Vielleicht verstehen wir das in 100 Jahren, vielleicht in 1000.

      Bei der Formulierung der von Ihnen zitierten Sätzen mußte ich an die tibetische Tradition denken, die um nichts anderes kreist, als das eigene „illusorische“ Ich auszulöschen und besessen zu werden, etwa von Tara und andere Dämonen bzw. „Götter“.

  3. Orgonkitsch « Nachrichtenbrief Says:

    […] mit jeder Menge an „Reich-Zitaten“ „untermauern“, aber wie ich jeweils anderswo (hier und hier) ausgeführt habe, entsprechen sie nicht dem Geist des Reichschen Oeuvres. Reich war weder ein […]

  4. Nahwirkungstheorie und Fernwirkungstheorie (Teil 1) | Nachrichtenbrief Says:

    […] Siehe zu diesen Ausführungen auch The Journal of Orgonomy (Vol. 40, No. 2, Fall/Winter 2006). […]

  5. Wilhelm Reich war Wissenschaftler, nicht Begründer einer Weltanschauungsgemeinschaft! | Nachrichtenbrief Says:

    […] besprochen oder nur erwähnt. Ich erinnere mich nur an eine kurze abwertende Erwähnung durch Robert A. Harman. Ich habe es nur zur Hand genommen, weil ich es mit Christopher Turners 2011 erschienenem […]

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