The Journal of Orgonomy (Vol. 43, No. 1, Spring/Summer 2009)

In ihrem Aufsatz „No Man Is an Island: The Individual and Society from an Orgonomic Viewpoint“ (S. 39-55) setzt sich die orgonomische Psychologin Virginia Whitener u.a. mit einem bisher unveröffentlichten Manuskript von Charles Konia aus dem Jahre 2007 auseinander: Functional PaleoAnthropology: The Origin of Human Armor.

Als vor vier oder fünf Millionen Jahren der Vormensch das aufrechte Gehen, seine Sprechwerkzeuge und den opponierbaren Daumen entwickelte, blieb das Gehirn vorerst etwa gleich groß wie zuvor. Die Funktion war zuerst da, die sie „steuernde“ Struktur kam erst später hinzu! Das „Erfassen“ von Gegenständen und das „Erfassen“ von Ideen erregten sich gegenseitig bioenergetisch. Ähnlich beim Sprechapparat: durch die Fähigkeit der Vokalisation entwickelte sich die Sprache und damit das Denken.

Durch die Steigerung der Erregungs- und Wahrnehmungsfunktion erhöhte sich die orgonotische Ladung des Gehirns. In Die kosmische Überlagerung hatte Reich Anfang der 1950er Jahre spekuliert, daß der Mensch sich abgepanzert habe, als er sich seiner Wahrnehmung bewußt wurde, sich selbst zum Objekt seiner Beobachtung machte und darüber strauchelte.

Konia zufolge ist die Vokalisation ein ähnlich wichtiger Faktor, denn mit ihr geriet die Atmung unter bewußte Kontrolle. Durch die „Atemsperre“, den zentralen Mechanismus der Panzerung, konnte der Mensch seine Angst, die mit der Selbstwahrnehmung einherging kontrollieren.

Entsprechend ist es kein Zufall, daß in der Orgontherapie die Sprache eine solch zentrale Rolle spielt („Charakteranalyse“) und je nach der Schwere der Augenpanzerung zuerst diese oder die Atemsperre angegangen wird. Neurotiker verharren in einer festgehaltenen Inspirationshaltung, d.h. die Atmung bleibt panikartig in der Einatmungsphase stecken („Schreckreaktion“), um das vegetative Zentrum mit Energie zu versorgen, während die mit Hingabe und Öffnung verbundene Ausatmung unterdrückt wird. Durch Mobilisierung der geregelten Atmungspulsation in der Orgontherapie soll das Energieniveau auch der Peripherie wieder gehoben werden, um den Schockzustand des Organismus (Kontraktion) und damit die Panzerung beheben zu können.

Nachdem Kontakt („Bewußt-Sein“) hergestellt ist, wird die Atemsperre meist zuerst gelöst (d.h. was die ganze Therapie betrifft, aber auch in jeder einzelnen Sitzung), um den Organismus zunächst einmal energetisch aufzuladen. Das Brustsegment als Sitz von Herz und Lunge bezeichnet Morton Herskowitz als „die hauptsächliche Bewegungsquelle des Energieniveaus des Körpers“ („The Segmental Armoring“, Annals of the Institute for Orgonomic Science, 4(1), September 1987, S. 66-87).

Wenn man diese Überlegungen (insbesondere aber Reichs betreffende Ausführungen in Die kosmische Überlagerung) Revue passieren läßt, wird unvermittelt deutlich, was Orgontherapie imgrunde überhaupt ist: es geht um unsere Existenz als Mensch per se. Nicht einfach wir liegen auf der Matratze: es geht um die Geschichte des Tiers Mensch, um die Spezies Homo sapiens, um die Menschheit und ihr Sein im kosmischen Orgonenergie-Ozean.

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=xd3-1tcOthg%5D

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3 Antworten to “The Journal of Orgonomy (Vol. 43, No. 1, Spring/Summer 2009)”

  1. Grundelemente einer orgonomischen Soziologie (Teil 6) « Nachrichtenbrief Says:

    […] auf dieses Kapitel so viele Leute abfahren. (Ob es sich wirklich um Unsinn handelt, stelle ich an anderer Stelle wiederum vehement […]

  2. Rousseau und die Befreiung des Lebendigen (Teil 1) | Nachrichtenbrief Says:

    […] wurde, mit eben diesem Bewußtsein zu koordinieren. Dieses Konzept war wenig spezifisch. Erst Charles Konia konnte einen konkreten Mechanismus angeben. Es geht um die Atmung und das Sprechen. Beispielsweise […]

  3. Die Panzersegmente (Teil 2): Der Mund- und Halspanzer | Nachrichtenbrief Says:

    […] Konia hat darauf hingewiesen, daß, als der Mensch vor Äonen die Sprache entwickelte, dies nur über die Beherrschung der Atmung erfolgen konnte und daß hier vielleicht der Ursprung der Panzerung liegt. (Man denke auch an die innige Verbindung von Sprache und Denken und Reichs abschließendes Kapitel in Die kosmische Überlagerung.) Das führt mich zu einem Thema, das mich seit meiner Gymnasialzeit beschäftigt, als ich das mir persönlich widerliche Spanisch als Zweitfremdsprache lernen mußte: Was macht eine Sprache, eine „Muttersprache“, aus den Menschen? Auf welche Weise sind Spanier und Lateinamerikaner schon allein wegen der Sprache von den „Germanisch“ sprechenden Menschen (Deutsche, Engländer, Skandinavier, etc.) auf biophysische Weise unterschieden? Man denke nur mal daran, was das (wie ich finde) gräßliche Spanisch mit deinem Kiefer, deinem gesamten oralen Segment macht! Oder was macht das „abgehackte“ Deutsch mit meinem Brustsegment, im Vergleich zum melodischen Italienisch, das „kein Punkt und Komma kennt“?! […]

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