Nationalsozialismus und „Antifaschismus“ (Teil 1)

Wie Reich 1933 in Die Massenpsychologie des Faschismus dargelegt hat, war der Nationalsozialismus immer gezielt das, was ihn für die angesprochene Gruppe attraktiv machte. Für das gesicherte Bürgertum repräsentierte er die alte Ordnung („Potsdam“), während er für das vom sozialen Abstieg gefährdete Kleinbürgertum und teilweise sogar für das Proletariat eine „national-sozialistische“ Volksgemeinschaft vertrat, die Sicherheit, Schutz und die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg bot. Für die durch und durch heterogenen Parteigänger des Nationalsozialismus selbst war der Nationalsozialismus vor allem eins: Antisemitismus. Das war der Kitt, der das ansonsten an allen Ecken und Enden auseinanderfließende Gebilde „Nationalsozialismus“ zusammenhielt und ihm seine unverwechselbare Identität gab.

Der nationalsozialistische Antisemitismus war dadurch gekennzeichnet, daß er einen zutiefst religiösen Aspekt hatte, wie ich an anderer Stelle ausgeführt habe. Die Juden repräsentierten eine Art „Gegengott“, den Teufel. „Der Jude“ selbst ist dieser (Gegen-) „Gott“: er ist allgegenwärtig und allmächtig. Sekundär wurde der „Jude“ dann zum „Dämon der bolschewistischen Zersetzung“ und gleichzeitig zum „Finanzkapitalisten“, der die Verantwortung für alle Mißstände trüge.

Der Schritt zum Holocaust war dergestalt fast zwangsläufig. Fast, denn ohne Krieg mußte er, aus Sicht eines gläubigen Nationalsozialisten, eine chiliastische Utopie bleiben. Der Krieg bot Hitler die Möglichkeit alle Juden aus seinem Herrschaftsbereich in Konzentrationslager im Osten zu verbringen. Mit einer verqueren, aber nachvollziehbaren psychotischen „Logik“ wollte er potentielle Agenten und Saboteure unschädlich machen. Dieser Wahnsinn hatte Methode, denn rein formal ist in Amerika das gleiche passiert: Roosevelt ließ zumindest an der Westküste ein Gutteil der Japaner mit amerikanischer Staatsbürgerschaft internieren, um so potentielle Agenten und Saboteure unschädlich zu machen. Wären sie nicht auch alle ermordet worden, hätte Roosevelt dazu die Order gegeben? Das wäre nicht der erste Völkermord-Befehl eines US-Präsidenten gewesen! (Ich spreche natürlich von den Indianerkriegen mit ihren „Todesmärschen“.) Siehe auch die rassistische Mentalität, die Truman dazu brachte, zwei japanische Städte auszuradieren als wären es Rattennester!

Ich schreibe das, um deutlich zu machen, daß die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht einfach mit Verweis auf Hitlers Charakter und eine angebliche „Massenpsychose“ erklärt werden können, sondern sich alles in rationalen Begriffen verstehen läßt. Reich hat dazu ein Jahrzehnt vor dem Holocaust geschrieben:

Die nationalsozialistischen Versammlungsreden zeichneten sich (…) durch sehr geschickte Maßnahmen aus, mit den Gefühlen der Massenindividuen zu operieren und sachliche Argumentation tunlichst zu vermeiden. (Die Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 53)

Es ist (…) irreführend, wenn man den Hitlerschen Erfolg allein aus der Demagogie der Nationalsozialisten, mit der „Vernebelung der Massen“, ihrer „Irreführung“ oder gar mit dem vagen, nichtssagenden Begriff der „Nazipsychose“ zu erklären versuchte, wie die Kommunisten und später andere Politiker es taten. Kommt es doch gerade darauf an zu begreifen, weshalb sich die Massen der Irreführung, Vernebelung und psychotischen Situation zugänglich erwiesen. Ohne die genaue Kenntnis dessen, was in den Massen vorgeht, kann man das Problem nicht lösen. Die Angabe der reaktionären Rolle der Hitler-Bewegung genügt nicht. Denn der Massenerfolg der NSDAP widersprach dieser ihrer reaktionären Rolle. Millionenmassen bejahten ihre eigene Unterdrückung, ein Widerspruch, der nur massenpsychologisch, und nicht politisch oder ökonomisch, zu lösen ist. (ebd., S. 53)

Leider gibt es gerade unter Reichianern die Tendenz, die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus unnötig zu emotionalisieren. Das schimpft sich dann „Antifaschismus“, wobei die ständig wütenden und moralisch aufgebrachten sogenannten „Antifaschisten“ überhaupt kein Gefühl dafür haben, wie sehr sie doch in ihrer ganzen Herangehensweise, die keine Grautöne kennt, den Nationalsozialisten ähneln: Fanatismus, der jede Diskussion ausschließt, nachdem Schlüsselbegriffe gefallen sind! Und wenn der Nationalsozialismus auch noch zur Inkarnation des Bösen schlechthin stilisiert wird, dann wird es wirklich unheimlich. Gar wenn das ganze eindeutig paranoide Züge annimmt und praktisch überall „Nazis“ vermutet werden. „Antifaschisten“ ahnen nicht mal, daß sich ihre „Weltanschauung“ formal in nichts von der der Nationalsozialisten unterscheidet.

Vollends gruselig wird es, wenn der „Antifaschismus“ mit althergebrachten „humanistischen Werten“ kommt, die gegen diesen allgegenwärtigen und offenbar allmächtigen subversiven Feind zu verteidigen sind. Die Abrundung bringt schließlich der Antikapitalismus, dessen Grundthese lautet, daß der Kapitalismus zwangsläufig in den Faschismus münden müsse, der uns auch unserer letzten Rechte und unseres letzten Halts beraube.

Dazu paßt, daß „Antifaschisten“ fanatische „Hitleristen“ sind: der Zweite Weltkrieg, der Holocaust, alles sei vorher bis ins Detail von Hitler geplant und von ihm mikrogemanagt worden. Es dreht sich alles um Intentionen, nicht um Strukturen, auf die die Linke doch sonst immer insistiert („strukturelle Gewalt“, etc.). Das ist Ausdruck eines tiefsitzenden Mystizismus, der, wie stets, mit einem extremen Mechanismus verbandelt ist („Hitler an den Schalthebeln einer gigantischen Maschinerie“). Daß die Nationalsozialisten die Welt bzw. ihre Feinde („der Jude“) exakt genauso betrachtet haben, scheint niemanden weiter zu kümmern. Desgleichen nicht, daß die „Antifaschisten“ genau wie die Nationalsozialisten mit Fälschungen arbeiten, etwa Hitlers lächerlicher „Dschingis-Kahn-Rede“. Weist man sie darauf hin, steht man unvermittelt als „Nazi“ da, der Hitler verteidigt. Es ist ein geschlossenes, brutal (moralische Entrüstung und blanker Haß) verteidigtes Wahnsystem, das nicht mal vor Mordaufrufen zurückschreckt.

Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: selbstverständlich hätte es ohne Hitler keinen Holocaust gegeben, aber der Holocaust war vor allem eins, eine sich ausbreitende pestilente Reaktion (Emotionelle Pest).

trioinferjoo

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2 Antworten to “Nationalsozialismus und „Antifaschismus“ (Teil 1)”

  1. Peter Nasselstein Says:

    Mit der richtigen, „antifaschistischen“ Gesinnung wird sogar der Mord an Kindern – zur Lust!!

  2. O. Says:

    Nun sind dies nicht vergleichsweise harmlose Aufrufe, denen bislang keine mir bekannte Tat folgte? Bekannt wurde mir hingegen, dass ich mit der farbigen Tochter eines farbigen deutschen Vaters arbeiten musste, dessen Vater von (heutigen) Nazis auf offener Straße umgebracht wurde.
    Die Geschichte dieses Kindes ging mir doch sehr nahe und seit dem ist mir so ein Mord von rechten Glatzen keine Nachricht mehr im Fernsehen, sondern sehr konkret erfahrbar.

    Der Clip erinnert mich an eine schöne Szene, die ich nicht ein zweites Mal brauche. Ich fahre im neuen Mercedes (keine Schleichwerbung) an die Ostsee und komme abends an. Ab 20:00 Uhr werden dort alle Bordsteine hochgeklappt wegen der „Nazisperrstunde“, kein Mensch ist mehr draußen in den Dörfern. Meine Begleitung ist blond und blauäugig, ihre Großmutter war sichelich schon im Geheimdienst des 3. Reiches, später natürlich beim BND, also machten wir keinen „undeutschen“ Eindruck im „Osten“. Am Strand ein paar jugendliche Pärchen. Wir steigen aus, um das Meer anzusehen, da trennen sich die Jungs plötzlich von ihren Mädels und stürmen direkt auf uns zu. Ich schalte gerade noch rechtzeitig, so dass wird den Wagen schnell erreichen und frage mich jetzt, welchen Gang ich nun einlegen soll, viel Zeit bleibt nicht. Nach kurzer Überlegung denke ich, dass wird den Rückwärtsgang noch gerade schaffen werden und drehe dann wie im Film. Wir entkommen noch und die Verfolger fahren die halbe Nacht noch die benachbarten Ortschaften ab.

    Den ostdeutschen Nazikids war es völlig egal, wen sie erwischen.

    Das war vor über zehn Jahren und politisch wurde es ignoriert. Wer heute in Ostberlin (Hellersdorf, Mahrzahn) unterwegs ist und nicht deutsch aussieht, wird angegriffen.

    In den westdeutschen Kleinstädten herscht mittlerweile ähnliches Klima. Jugendliche überfallen jeden nach Lust und Laune in der Nacht oder auf Festen, trifft man auf Rechtsradikale ist auch für nichts garantiert.

    Für die Politik (des Nichtstuns) und das gewaltbereite Klima in diesem Land schäme ich mich. Deutsche junge Menschen gehen nachts nur noch gewaltbereit feiern und es vergeht kaum eine Woche ohne eine Schlägerei mit Rechten oder ausländischen Randgruppen. Beide Gruppen sind keine Kulturbereicherung und arbeiten eher Hand in Hand. Die Antifa besteht meist aus Schülern, die in ihrer politischen Selbstverwirklichungsphase stecken. Von ihnen kommen meist nur Sprüche, erst durch die rechten Überfälle auf ihre Lokale beginnen sie sich mal zu wehren. Wie alle Jugendlichen, die permanent der Gewalterfahrung ausgesetzt sind, werden auch sie sich radikaler und gewaltbereiter Verhalten, dumm nur, dass sie das auch noch mit Grafitis für Ottonormalbürger lesbar darstellen.

    Früher konnte man die Kids noch mit Counterstrike am Computer binden, nach dem Verbot unter 18 Jahren und der Stigmatisierung dieses Spiels, geht es auf der Straße weiter, aber das konnten wir schon vor vielen Jahren vorhersagen. 😉

    _________________________

    Ein letztes Wort zur Antifa: Wer sich ständig mit den Bewegungen und Personen dieser Rechten befasst und ihre Killerlisten checkt, wird ihren Hass und ihre Angst übernehmen und nähert sich ihnen unmerklich emotionell an.

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