Campina und die toten Schlüpfer

Einer Studie der University of North Carolina at Chapel Hill zufolge haben Frauen, die nach den Wechseljahren unter einer „Störung mit verminderter sexueller Appetenz“ leiden (Hypoactive Sexual Desire Disorder, HSDD), eine geringere krankheitsbedingte Lebensqualität als Frauen ohne diese Störung. Sie berichteten mehr als doppelt so häufig von Gesundheitsproblemen wie etwa Rückenschmerzen, Erschöpfungszuständen und Gedächtnisproblemen. Allgemein haben sie Beschwerden, die von ihrem Schweregrad her mit denen vergleichbar sind, die mit schwerwiegenden Erkrankungen wie etwa Bluthochdruck, Diabetes, Arthritis oder Asthma einhergehen. Studien haben gezeigt, daß zwischen 9 und 26 Prozent der Frauen in den USA unter HSDD leiden.

Der „unwillentliche Libidomangel“ ist demnach genauso ernst zunehmen wie „wirklich“ schwerwiegende Erkrankungen. Reich zufolge gehen alle diese Erkrankungen („Biopathien“) auf eine energetische Kontraktion des Organismus zurück. Diese „Sympathikotonie“ wurde durch die angelernte Orgasmusangst hervorgerufen. Die damit einhergehende orgastische Impotenz hält die Kontraktion aufrecht. Aber was werden die Wissenschaftler von der University of North Carolina at Chapel Hill mit ihren Ergebnissen machen? Die Studie wurde vom Pharmakonzern Procter & Gamble Pharmaceuticals finanziert: neue Pillen, um das Elend ertragen zu können – und um es aufrechtzuerhalten….

Über die Erfahrungen und Einsichten, die ihn zur Orgasmustheorie führten schreibt Reich:

Die grausamen Charakterzüge im Zustande chronischer sexueller Unbefriegtheit wurden mir verständlich. Ich konnte diese Erscheinung bei bissigen alten Jungfrauen und asketischen Moralisten sehen. Im Gegensatz dazu fiel die Milde und Güte genital befriedigbarer Menschen auf. Ich habe nie einen befriedigungsfähigen Menschen gesehen, der sadistisch sein konnte. Trat Sadismus bei solchen auf, so war mit Sicherheit auf eine Störung zuschließen, die plötzlich einsetzte und die gewohnte Befriedigung behinderte. Auch das Verhalten der Frauen im Wechseljahrealter sprach für den Zusammenhang. Es gibt klimakterische Frauen, die keine Spur von Bissigkeit oder unrationalem Haß zeigen, und andere, die in den Wechseljahren charakterlich bösartig werden, wenn sie es nicht schon vorher waren. Man kann sich leicht überzeugen, daß sie sich durch ihr genitales Vorleben unterscheiden. Der zweite Typus wird regelmäßig von Frauen gebildet, die nie eine befriedigende Liebesbeziehung hatten und dies nun bereuen, bewußt oder unbewußt die Folgen der Sexualstauung spüren. Sie werden aus Haß und Neid die wütendsten Bekämpfer jedes Fortschritts. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 121)

funktion

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4 Antworten to “Campina und die toten Schlüpfer”

  1. Der NACHRICHTENBRIEF in den Fängen der Pharmaindustrie « Nachrichtenbrief Says:

    […] NACHRICHTENBRIEF in den Fängen der Pharmaindustrie Von Peter Nasselstein Anfang 2009 habe ich einen Blogbeitrag über den „Libidomangel“ bei Frauen verfaßt. Oder im Fachchinesisch: einer „Störung mit verminderter sexueller Appetenz“, Hypoactive Sexual […]

  2. O. Says:

    Ab einem gewissen Alter (beginnend ab 40-45) erhöht sich die Vulnerabilität für Erkrankungen und Libidoverlust. Hier scheint ein biologisches Programm zu laufen, das Menschen unerwartet schnell in Krankheiten reinstürzt und einen ernsten (gefährlichen) Verlauf nehmen können. Eine sympathikone Reaktion gepaart mit altersbedingter körperlicher Anfälligkeit oder mit einer Sensibilität für (psychische) Resignation. – Spätestens jetzt sollten die Signale so ernst genommen werden, dass man hier gegen steuert!
    Der Betroffene muss hier aktiv werden und selbst wieder etwas verändern, vielleicht mal mit Hilfe eines Psychologen, eines klassischen Masseurs, … oder/ und einfach er/ sie sollte den Orgonakkumulator benutzten (den man aber selber oder von einem Freund bauen lassen sollte).

  3. Robert (Berlin) Says:

    „9 und 26 Prozent der Frauen“

    Nach meinen persönlichen Erfahrungen müssten es eher 20-50% zumindest in Berlin sein.

  4. Die toten Schlüpfer: über die neue Sex-Pille für Frauen | Nachrichtenbrief Says:

    […] „Libidomangel“ bei Frauen, bzw. im Fachchinesischen eine „Störung mit verminderter sexueller Appetenz“, Hypoactive […]

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