Am Rande: Bione

bionsapaIn den 1930er Jahren hat Reich die „Bione“ entdeckt. Er hat gezeigt, daß seine Bione nicht mit Hilfe von „Luftkeimen“ erklärt werden können, da Bione sofort nach Herstellung der Präparate nachweisbar sind, während Gebilde, die sich aufgrund von „Luftinfektion“ bilden, Stunden zur Entwicklung brauchen und ohnehin keine Ähnlichkeit mit Bionen haben. Durch Luftinfektion konnte er nur „bestimmte Formen von großen Stäben und einfachen Kokken“ erzeugen (Der Krebs, S. 94-96).

In den amerikanischen Proceedings of the National Academy of Sciences wurde 2007 erstmals ein umfassender Zensus der Bakterien in der Luft vorgelegt, der eher ein Fragezeichen hinter Reichs Forschung setzt:

Früher mußten Forscher versuchen, die Luftkeime zu kultivieren, um sie identifizieren zu können, was problematisch ist, weil bis zu 99% der Bakterien in den Nährböden gar nicht überleben können. Inzwischen kann man mit dem sogenannten „PhyloChip“ die DNS bzw. RNS der Bakterien nachweisen und sie so identifizieren. Auf diesem Weg wurden 1800 Bakterienarten in der Luft von Texas gefunden.

Interessant ist der Befund, daß nicht der Ort so wichtig ist, an denen die Probe genommen wird, sondern vielmehr die Jahreszeit und die Witterungsbedingungen. Reich fand entsprechend, daß frisches Gras sich in einer Nährlösung weniger schnell bionös zersetzt und sich durch die Organisierung der Bione weniger schnell Protozoen bilden, als es bei Aufgüssen mit Heu der Fall ist.

Je extremer Reich die Stoffe behandelte (d.h. je besser er sie „sterilisierte“), etwa durch Glühen, desto einfacher bildeten sich Bione in der Nährlösung.

Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, daß man Mikroben auch an Orten findet, an denen sie theoretisch keine Überlebenschancen haben. Tatsächlich wurden in den letzten Jahren Bakterien in immer lebensfeindlicheren Umgebungen entdeckt.

2002 ist man in den Goldminen Südafrikas, mit 3,5 km den tiefsten Minen überhaupt, in Wassereinschlüssen auf Bakterien gestoßen. Im gleichen Jahr hat man entsprechendes auch in Millionen Jahren alten Sedimenten unter dem Meeresboden gefunden. Wie das Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie berichtet, wurden vor der Küste Perus bei bis zu 420 m tiefen Bohrungen lebende Einzeller gefunden. Es sei nicht bekannt, wie diese Zellen existieren können.

2008 haben französische und britische Forscher sogar 1600 Meter unter dem Meeresboden lebende Mikroorganismen entdeckt. In den Bohrkernen fanden sie Mikroben, die offenbar trotz der widrigen Bedingungen, zu denen Temperaturen zwischen 60 und 100 Celsius gehören, einen aktiven Stoffwechsel besitzen und sich vermehren.

Die Biosphäre im Inneren der Erde scheint global vernetzt zu sein – oder tatsächlich deshalb identisch zu sein, weil es halt Bione sind. Matthew Schrenk (Michigan State University) und sein Team untersuchten Proben aus dem tiefen Untergrund Kaliforniens und Finnlands, aus den tiefen Minenschächten Südafrikas und den tiefsten hydrothermalen Spalten des karibischen Meeres.

Schrenk berichtet:

Noch vor zwei Jahren hatten wir nur eine vage Vorstellung welche Mikroben in unterirdischen Gesteinsschichten vorhanden sind oder was sie fressen. Wir gewinnen jetzt dieses neue Bild nicht nur darüber, welche Art von Organismen man in diesen Systemen findet, sondern eine gewisse Übereinstimmung zwischen den Standorten weltweit – wir sehen die gleichen Arten von Organismen, wo wir auch hinschauen. Es ist leicht nachzuvollziehen, wie Vögel oder Fische sich ähneln können, obwohl sie Ozeane voneinander entfernt sind. Aber sich vorzustellen, daß 16 000 Kilometer voneinander entfernte Mikroben in den Ritzen harten Gesteins in extremen Tiefen, unter extremen Drücken und Temperaturen nahezu identisch sind, fordert die Phantasie heraus.

2005 wurde berichtet, daß Forscher im Grönlandeis in 3000 Meter Tiefe methan-produzierende Bakterien entdeckt hätten.

Die Wissenschaftler um Buford Price von der University of California schätzen das Alter der Bakterienkolonie auf mehr als 100 000 Jahre. Sie gehen davon aus, daß die Mikroben sich in der unwirtlichen Umgebung nur mühsam am Leben erhalten. Anstatt ihre Gemeinschaft zu vergrößern, müssen sie sich damit begnügen, Erbgutschäden zu reparieren.

Das auch für Einzeller winzig kleine Bakterium Herminiimonas glaciei hat über ein Jahrhunderttausend eine Umgebung praktisch ohne Sauerstoff, Nahrung, bei minus 50 Grad Celsius in dünnen Schichten flüssigen Wassers überlebt, in denen einen gewaltiger Druck herrscht.

2009 ist es Forschern der der Pennsylvania State University gelungen, diese Bakterien über 12 Monate hinweg langsam aufzutauen, d.h. zu einem Teil unserer Biosphäre zu machen. Sie haben kleine Kolonien gebildet.

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13 Antworten to “Am Rande: Bione”

  1. Die Biosphäre in den heißen Tiefen « Nachrichtenbrief Says:

    […] Das Leben schlägt einen Tiefenrekord nach dem anderen. Ich verweise auf meinen Blogeintrag Die neusten Forschungsergebnisse: sowohl eine Herausforderung für die Biologie der Schulbücher als…. […]

  2. Peter Nasselstein Says:

    Auch bei 33 Grad unter Null:

    http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/314886.html

  3. O. Says:

    Es ist schon verwunderlich, dass den allgemeinen Vorstellungen widersprechende Fakten überhaupt Erwähnung finden.

    Auf psychologischer Ebene werden sie in ihrer Bedeutung von den Wissenschaftlern nicht begriffen.
    Auf wissenschaftlicher Ebene bleiben sie „Einzelbefunde“, die keinen nennenswerten Widerspruch erzeugen.
    Bei Fragen des Umweltrisikos für genetisch veränderte Freisetzung von „Abfallpodukten“ wird deutlich, dass eine Kontamination – wie es von Kritikern erwartet wurde – mit massenweiser Freisetzung in die Umwelt (Flüsse etc.) gekommen ist.

  4. Klaus Says:

    Vielleicht sind manche ‚Algen‘ ‚ Bione‘?
    http://www.n-tv.de/wissen/Kosmonauten-beenden-Ausseneinsatz-an-ISS-article13446416.html
    Nach dem Einsatz berichtete der russische Einsatzleiter Wladimir Solowjew von den Hinweisen auf Meeresplankton. Die Spuren der Mikroteilchen seien bei Tests entdeckt worden, die sich über das vergangene Jahr erstreckt hätten. Auch bei diesem Einsatz nahmen Artemjew und Skworzow wieder Proben des Staubs, der sich auf den Bullaugen der ISS gesammelt hat.
    Bislang sei nicht klar, wie die Mikroteilchen auf die Wand der ISS gelangt seien. „Ähnliche Teilchen wurden auf der Meeresoberfläche gefunden“, erklärte Solowjew. Auf dem Weltraumbahnhof Baikonur in der kasachischen Steppe, wo Raumschiffe zur ISS starten, gebe es sie nicht.

  5. Peter Nasselstein Says:

    New research offers evidence of bacteria living as deep as 12 miles (19 kilometers) underground — quite possibly the deepest life has ever been glimpsed.

    http://www.livescience.com/49695-earth-life-extremophiles-underground.html?cmpid=559079

  6. Bisher unbekannte Biosphären | Nachrichtenbrief Says:

    […] Das Leben schlägt einen Tiefenrekord nach dem anderen. Ich verweise auf meinen Blogeintrag Am Rande: Bione. […]

  7. Robert (Berlin) Says:

    Als biologischer Laie kann ich nicht einschätzen, ob folgender Vorgang eine Weiterentwicklung der Bione sein kann:

    „Im Jahr 1910 folgte in derselben Fachzeitschrift eine erweiterte Fassung von Merezhkowskys Theorie, die in der Fachwelt auch als Symbiogenesis-Hypothese bekannt geworden ist. In dieser zweiten Publikation zog der Autor weitreichende Schlussfolgerungen zur Evolution der Organismen, die in einem Stammbaum-Diagramm veranschaulicht sind (Abb.8.5). Im Vorwort schrieb Merezhkowsky (1910), er wolle eine »neue Theorie der Entstehung der Organismen« präsentieren. Der Autor wandte sich gegen das Selektionsprinzip von Charles Darwin und setzte diesem seine Theorie der Symbiogenesis entgegen. Die beiden Hauptaussagen von Merezhkowsky (1910) können wie folgt zusammengefasst werden:
    Ursprüngliche Moneren (kernloses Amöbenplasma) standen am Anfang der Zell-Evolution. Mikrokokken (frei lebende Bakterien), die wiederholt in diese Moneren eingedrungen sind, bildeten den Kern (Symbiose I) und ergaben einfache Tierzellen (Amöben).
    In einige dieser animalischen Amöben bzw. Flagellaten drangen Cyanobakterien ein (Symbiose II), wodurch plastidenhaltige Zellen und somit Pflanzen entstanden sind.
    Auf Grundlage dieser Fakten kann ein Stammbaum der Organismen abgeleitet werden, der, ausgehend von Bakterien und Moneren, zu den Pilzen, Tieren und Pflanzen führt (Abb. 8.5).“

    U. Kutschera
    Tatsache Evolution, Was Darwin nicht wissen konnte (p.240).

    Siehe auch:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_Sergejewitsch_Mereschkowski

  8. Robert (Berlin) Says:

    3,7 Milliarden Jahre: Forscher finden Spuren des ältesten Lebens

    Wann begann das Leben auf unserem Planeten? In Grönland finden sich einige der ältesten Gesteine der Erde – und selbst darin fanden Forscher nun biologische Spuren. Vermutlich jedenfalls.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/forscher-finden-3-7-milliarden-jahre-alte-lebensspuren-a-1110227.html

  9. Robert (Berlin) Says:

    Jetzt zum Download

    https://archive.org/details/Reich_1938_Bione

  10. Claus Says:

    Nach der Entdeckung verschiedener Mikroorganismen wurde die Urzeugungstheorie neu belebt. Im 18. Jahrhundert experimentierten der englische Priester John Turberville Needham (1713–1781) und Georges-Louis Leclerc de Buffon (1707–1788) mit erhitzter Fleischbrühe in verschlossenen Gefäßen, wobei sie scheinbar spontan entstandene Organismen, sog. Infusorien, feststellen konnten.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Spontanzeugung

  11. Robert (Berlin) Says:

    Womöglich ein Beitrag zu Bione

    “ Immer wieder finden sich noch extremere Lebensformen, die bei noch höherer Temperatur, unter stärkerem Druck oder mit noch weniger Energie überleben können. Wohl nur vorübergehend Spitzenreiter in der Disziplin Hitzetoleranz ist daher derzeit das in heißen Untersee-Quellen heimische extremophile Bakterium Geogemma barossii : Die kugelförmigen Keime vermehren sich unter Laborbedingungen auch bei 121 Grad Celsius weiter. Die druckresistentesten Keime haben Forscher dagegen zuletzt 10,5 Kilometer unter der Meeresoberfläche gefunden.“

    https://www.spektrum.de/news/tief-in-der-erde-lebt-mehr-als-im-meer/1613304

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