Jerome Eden auf Abwegen

Jerome Eden hat m.E. zwei große Fehler in seinem Leben gemacht, die nicht zu vernachlässigende Folgen für die Entwicklung der Orgonomie hatten. Der erste betrifft die rechtsradikalen amerikanischen Pseudo-Malteser vom „OSJ“. Ein Kürzel, mit dem seit Mitte der 1970er Jahre, neben Eden selbst, Elsworth F. Baker, Courtney F. Baker und Richard A. Blasband ihre Namen zierten. Dazu schrieb ich vor einigen Jahren im Diskussionsforum:

Das ganze geht auf Jerome Eden zurück, der irgendwann Anfang der 70er Jahre mit einer Gruppe amerikanischer „Malteser“ in Kontakt geraten ist. Wahrscheinlich vor dem Hintergrund seiner UFO-Forschung und seinem Antikommunismus. Einige bedeutende Generale aus dem Umfeld von MacArthur waren da auch Mitglied. Leider war diese Organisation von vorne bis hinten eine Lüge. Das war damals gar nicht so leicht rauszufinden. Jedenfalls fand ich damals nichts besonders Erschreckendes in den Bibliotheken. Baker war hellauf begeistert, zumal der angebliche Malteserorden, der jede Menge gesellschaftlich hochstehende Mitglieder vorweisen konnte, sich für die medizinische Verwendung der Orgonenergie interessierte. Trotzdem konnte Baker, der vorher von Eden angeworben worden war, gerade mal zwei andere Orgonomen (Blasband und Bakers Sohn Courtney) überreden, ebenfalls Ordensritter zu werden. Das ganze war peinlich und hat nur Schaden gebracht, denn nun konnten Bakers Feinde ihn mit einer „Nazi-Organisation“ in Verbindung bringen.

Der zweite Fehler hatte einen ähnlichen Hintergrund. Es handelt sich um Edens Verbreitung eines angeblich sowjetischen Handbuchs zur psychologischen Kriegsführung, das angeblich von amerikanischen Kommunisten benutzt worden war. Eden schrieb dazu im EDEN BULLETIN (Vol. 3, No. 3, July. 1976, S. 11):

Damals im Jahr 1957 – das war [1976] vor fast 20 Jahren – veröffentlichte ich Suffer the Children, das von meiner Erfahrung als funktioneller Erzieher handelte. Im Buch gab es lange Auszüge aus The Communist Manual of Instructions for Psychopolitical Warfare, das zuerst von Kenneth Goff ans Licht der Öffentlichkeit gebracht worden war. Als ehemaliges Mitglied der Kommunistischen Partei bezeugte er vor dem Congress die Authentizität des Handbuchs.

Suffer the Children starb im Kindbett –gerade mal 40 Exemplare wurden verkauft. Es wurde gründlich zum Schweigen gebracht, durch die Medien erstickt. Ich wurde, jedoch von einigen wenigen, die das Buch lasen, vehement kritisiert, wegen der Aufnahme von Abschnitten aus dem Handbuch für psychopolitische Kriegsführung. Mir wurde vorgehalten, daß das Handbuch offensichtlich eine Fälschung sei; es offensichtliche „plaziert“ worden sei, um dann von einer rechtsradikalen Gruppe herausgegeben zu werden. Auf diese Weise sollte der Kommunismus diskreditiert werden. Neun Jahre später wurden Abschnitte aus diesem Handbuch von Dr. E.F. Baker in seinem großen Werk Der Mensch in der Falle veröffentlicht veröffentlicht.

1976 veröffentlichte Eden nochmals große Auszüge in seinem Buch View from Eden. Tatsächlich stammte dieses Machwerk aus der Feder von L. Ron Hubbard und bildete den heimlichen Grundtext der Entwicklung seiner „Scientology“ zu dem verbrecherischen Alptraum, der sie heute ist. Ein Erforscher dieses mörderischen Kults schreibt dazu:

1955, inmitten des Kalten Krieges, verbreitete Hubbard die Nachricht, daß das russische Lehrbuch für Psychopolitik, das auch als „Gehirnwäsche-Handbuch“ bezeichnet wurde, auf mysteriöse Weise in seinen Besitz gelangt sei. Das Lehrbuch für Psychopolitik enthält Ideen und Methoden, die in einem langfristigen Plan zur Anwendung kommen, die Welt durch verdeckte Methoden zu unterwerfen. Es enthält auch mehrere Verweise auf [Hubbards „Therapiemethode“] Dianetik als einem wichtigem Gegenspieler der Kommunisten, der „über Jahre von den Kommunisten mißhandelt und verleumdet wurde“. Hier lag endlich der Beweis einer kommunistischen Verschwörung gegen L. Ron Hubbard vor und die Bestätigung, daß seine Kritiker Kommunisten oder Sympathisanten des Kommunismus seien. Hubbard hatte Kopien des russischen Lehrbuch für Psychopolitik als Broschüre gedruckt. Sie wurde „als öffentliche Dienstleistung“ an Medien, Behörden und verschiedene religiöse und politische Gruppen verschickt. Danach geriet das rätselhafte Lehrbuch für Psychopolitik nach und nach in Vergessenheit.

Den Rest der Geschichte kann man hier nachlesen:

Kenneth Goff war ein Pfarrer der Pfingstbewegung und seine 1956er Version von Hubbards Gehirnwäsche-Handbuch wurde unter konservativen und christlichen Gruppen verteilt. Goff hatte offenbar keinen Blick für die Bedeutung der im Handbuch wiederkehrenden Verweise auf die Dianetik. Ohne Kenntnisse von Dianetik und Scientology konnte er im Handbuch die Verwendung von Scientology-Sprache, z.B. „Thinkingness“, „mentales Vorstellungsbild“ oder „PDH“ für „Schmerz-Droge-Hypnose“, nicht ausmachen. Er kannte auch nicht Hubbards Verweise auf das Handbuch in verschiedenen Scientology-Schriften aus dem Jahre 1955.

Goff verwendete seine Version des Handbuchs für seine eigenen Zwecke, wobei er unwissentlich der Scientology einen Dienst erwies, indem er das Handbuch in Umlauf hielt und die Verbindung Hubbards zum Handbuch weiter vernebelte. Goff entfernte „Stickleys [= Hubbards] Anmerkung des Herausgebers“ und ersetzte sie durch seine eigene, wo er für die Authentizität des Handbuchs seine Hand ins Feuer legte und erklärte: „In seinem Inhalt sehen Sie den teuflischen Plan der Feinde Christi und Amerikas.“ Ironischerweise ist etwas Wahres an dieser Erklärung, wenn man sie auf Scientology bezieht, die ihrer Mitgliedschaft sagt, daß sie aus der Erde einen „Scientology-Planeten“ machen müssen. Dies würde die Ausrottung des Christentums bedeuten. Die Lehre der Scientology der „höheren Ebene“ beschreibt das Christentum als „Religion für Geisteskranke“.

Wer sich allgemein über diesen schwarz-faschistischen Dreck informieren will, sei der Blog gegen Scientology wärmstens empfohlen!

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=xi8ywNNoznE%5D

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6 Antworten to “Jerome Eden auf Abwegen”

  1. Peter Nasselstein Says:

    Ein Beispiel, wie das psychopolitische Lehrbuch in der Scientology sich auswirkt:

  2. O. Says:

    Diese beiden Fallen wurden gegen Eden und das ACO wurden nicht zufällig aufgestellt. Reichianer kennen sich gut mit dem okularen Block ihrer Patienten aus, nicht aber mit dem eigenen. Meist wollen sie nicht sehen, was um sie herum täglich passiert, weil alles für sie immer „normal“ sein soll, sonst müssten sie sich fragen, was das denn soll. Das macht es einfach für jede Organisation ihr Spielchen zu treiben. Aus der Geschichte mit Reich müssten sie genau wissen, was passieren kann oder passiert. Eigentlich müssten sie gewarnt sein. „Esoteriker-Sekten“ aller Art und organisierte Typen kümmern sich leidenschaftlich und „hingebungsvoll“ um die Orgonomy und werden davon auch nicht ablassen. Ihnen noch den Hof zu machen, dürfte die falsche Strategie sein. Und sicherlich wird man auch in die eine oder andere Falle reintapsen, jedoch sollte man nicht Teil dieser neuen „Freundschaften“ werden.

  3. In the Skies | Nachrichtenbrief Says:

    […] Scientology fasziniert mich. Erstens sind generell Sekten eine großartige Unterhaltung und Scientology ist der Prototyp einer Sekte. Es macht einfach Spaß, Irren zuzusehen, die sich selbst tödlich ernstnehmen. Eine bessere Komik als Roboter, die Menschen nachahmen, kann es kaum geben. Entsprechend zeigt Scientology wohin eine strikt „spirit-uelle“ Weltsicht in letzter Konsequenz führt. […]

  4. Schütze dich und das, was du liebst! | Nachrichtenbrief Says:

    […] einem solchen betrügerischen „Malteser-Orden“ zum Opfer gefallen. Ich diskutiere das kurz in Jerome Eden auf Abwegen. Unsäglich peinlich! Es war sowohl unverzeihlich in Bezug auf die Orgonomie als auch in Bezug auf […]

  5. Robert (Berlin) Says:

    The View From Eden ist aktuell als Photodruck bei Amazon erhältlich.
    „Printed in Poland by Amazon Fulfillment“

    https://www.amazon.de/gp/product/1727059255

    • Robert (Berlin) Says:

      Wie es aussieht, werden jetzt auch die anderen Bücher als BoD gedruckt. Es steht zwar nicht darin, wer den Auftrag gibt, aber es könnten Verwandte von J. Eden sein, die die Bücherrechte besitzen. Die Qualität ist leider mittelmäßig, weil die Scans lausig sind.

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