Funktionelle Medizin (Teil 1)

In den letzten Jahren häufen sich Meldungen, daß selbst bei schwerwiegenden medizinischen Störungen, denen man bisher hilflos gegenüberstand, durch denkbar simple und nebenwirkungsfreie Prozeduren Abhilfe geschaffen werden kann. Man denke etwa an Erektionsstörungen.

Dank des Fortschritts der mechanistischen Medizin lassen sich heute Potenzstörungen medikamentös behandeln. Um so bemerkenswerter ist es, daß simple Beckenbodengymnastik sogar noch effektiver ist als Viagra. Bei einer umfangreichen Untersuchung des Hamburger Urologen Frank Sommer hatten Probanden, denen man Viagra verabreichte, eine Erfolgsquote von 74%, während sie bei jenen, die statt dessen entsprechende Übungen (z.B. Gesäßbacken zusammendrücken) machten, nach wenigen Wochen bei 80% lag.

Das weist auf simple bioenergetische Prozesse hin, die Potenzstörungen zugrundeliegen. Nach orgonomischer Theorie beruht erektive Impotenz auf Anorgonie im Beckensegment, die durch Mobilisierung der Beckenbodenmuskulatur aufgehoben werden kann (E.F. Baker: Der Mensch in der Falle, S. 109)

Meist handelt es sich bei diesen Prozeduren um mechanische Äquivalente zu der Herangehensweise der medizinischen Orgonomie, insbesondere was die Lockerung des Muskelpanzers im Kopf und Brustbereich betrifft. Teilweise geht es in der Orgontherapie aber auch um die (zeitweise) Verstärkung der Panzerung im Beckenbereich.

Ein Beispiel für das letztere ist die Arbeit von Wouter Wieling und seiner Mitarbeiter von der Universität Amsterdam. Sie ließen Patienten, die zu Ohnmachtsanfällen neigen, die Beine kreuzen und die Muskulatur von Schenkeln, Unterleib und Po so anspannen, als würden sie versuchen Stuhl und Urin zurückzuhalten. Diese denkbar simple Methode verhindert eine drohende Bewußtlosigkeit oder zögert sie zumindest hinaus.

Wieling sieht darin eine praktische Alternative zu Medikamenten oder einen Schrittmacher. Sein Erklärungsansatz ist rein mechanistisch: die Muskelspannung würde die Adern zusammenpressen, das Blut nach oben drücken und auf diese Weise Blutdruck und Herzschlag stabilisieren.

Anders als bei den oben vorgestellten Übungen gegen Impotenz dienen sie bei Wieling nicht der Abwehr einer chronischen, sondern einer akuten Anorgonie in den Stützorganen, die mit einem Verlust des Gleichgewichtsempfindens einhergeht (vgl. Der Krebs, Fischer TB, S. 388).

Wann wird die Medizin erkennen, daß chronisch verspannte Muskeln, d.h. die Panzerung, der Dreh- und Angelpunkt der Pathologie ist?

In Der Mensch in der Falle (S. 104) führt Elsworth Baker aus, daß durch Mobilisierung des Brustkorbes das Herz entlastet wird.

Tadeusz Petelenz von der Kardiologischen Gesellschaft Kattowitz lehrte 115 Herzpatienten zu husten, wenn sie plötzliche Schmerzen in der Brust spürten. Bei 292 von 365 Vorfällen verschwanden die Symptome. Die Patienten blieben bei Bewußtsein und der Herzschlag normalisierte sich.

Es ist wirklich verblüffend, wie mit Hilfe von Reichs Panzerungs-Konzept komplizierte Krankheitszustände erklärbar werden. Man denke etwa an chronisch angespannte Halsmuskeln:

Enge Krawatten erhöhen das Risiko für Grünen Star, so eine US-Studie. Schon nach drei Minuten wurde bei 70% der Testpersonen ein erhöhter Augeninnendruck gemessen. Ist demnach das Glaukom eine typische Biopathie, die auf Panzerung, beispielsweise der Halsmuskulatur, zurückgeht?

Ian Edwards (Universität Leeds) et al. erklären wie verspannte Nackenmuskeln zu hohem Blutdruck führen:

Man kannte bereits die Stelle im Nachhirn, wo die Signale der Nackenmuskeln ankommen. Nun entdeckten die Wissenschaftler im Nachhirn von Ratten und Mäusen Verbindungen zu einer Hirnregion namens Nucleus tractus solitarii (NTS), die mit der Regulierung von Atmung, Blutdruck und Herzschlag in Verbindung gebracht wird. Eine solche Regulierung des Blutdrucks über die Nackenmuskulatur sei sinnvoll, weil der Blutfluß zum Gehirn unabhängig von der aktuellen Körperhaltung stets gleichbleibend gehalten werden muß. Da die Nackenmuskeln etwa im Liegen vollkommen anders belastet werden als im Stehen, eignen sie sich besonders gut dafür, dem Gehirn Veränderungen in der Haltung mitzuteilen.

orgasmusreflex

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5 Antworten to “Funktionelle Medizin (Teil 1)”

  1. David Says:

    Auch die Produktion von wirksamen Medikamenten, deren Inhaltsstoffe einfach und billig hergestellt werden können, wird oft unterbunden.

    http://www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/salbe-gegen-neurodermitis-wird-erneut-ueberprueft-1517459.html

    Zitat:

    Die Salbe, die laut Hersteller gegen die Hautkrankheiten Neurodermitis und Schuppenflechte nebenwirkungsfrei hilft, war bereits vor 20 Jahren entwickelt worden. Ein WDR-Film darüber hatte jüngst heftige Debatten ausgelöst – und einen Ansturm auf die Apotheken. Von den beiden Krankheiten sind bundesweit acht Millionen Menschen betroffen. Laut Film wollte zwei Jahrzehnte lang kein Pharmakonzern das vergleichsweise günstige Mittel herstellen – angeblich, um den Verkauf eigener teurerer Angebote nicht zu gefährden>. Nun produziert das Remscheider Unternehmen als Patent- Inhaber die Salbe selbst, aber nur in kleineren Mengen.

    Neuerdings besteht die Androhung, das Vitamin B12 vom „natürlichen Wirkstoff“ zum „Arzneiwirkstoff“ umzudefinieren und aufgrund dessen das Produkt nachträglich vom Markt zu nehmen; Zitat:

    Die Unterlagen des Pharmaherstellers (betreffend Zulassungsverfahren) sind noch nicht bei der Bezirksregierung eingegangen. Sollte die Prüfung verzögert und erst nach der Markteinführung von Regividerm Mitte November möglich sein, könne die Salbe notfalls auch nachträglich vom Markt genommen werden, sagte Paul.

    und die Muskulatur von Schenkeln, Unterleib und Po so anspannen, als würden sie versuchen Stuhl und Urin zurückzuhalten. Diese denkbar simple Methode verhindert eine drohende Bewußtlosigkeit oder zögert sie zumindest hinaus.

    Hier scheint einfach kurzfristig mehr Sauerstoff – und vielleicht auch mehr Orgonenergie – ins Gehirn zu kommen, so dass die Bewusstlosigkeit wenn nicht vermieden so doch hinausgezögert wird.

  2. Atmen gegen Schmerzen « Nachrichtenbrief Says:

    […] simple Interventionen teilweise große Effekte erzielt werden können. Ich habe das bereits in Funktionelle Medizin und Lustvolles Schaukeln aufgezeigt. Zwar werden wir, um beim obigen Beispiel zu bleiben, immer auf […]

  3. Die bioenergetischen Grundlagen der gegenwärtigen Sozialpolitik, Psychiatrie und Schulmedizin (Teil 1) « Nachrichtenbrief Says:

    […] durch funktionelle Interventionen weitgehend verdrängt werden, wie ich sie beispielsweise hier und hier beschrieben […]

  4. Die Funktion des Orgasmus (Teil 2) | Nachrichtenbrief Says:

    […] und Sportmediziners Dr. Frank Sommer mit 39 Leistungssportlern. (Zu Dr. Sommerer siehe auch Funktionelle Medizin.) Er stellte sich die Frage, ob Geschlechtsverkehr kurz vor dem Wettkampf die Leistung mindert oder […]

  5. Die Panzersegmente (Teil 4): Der Brust- und Zwerchfellpanzer | Nachrichtenbrief Says:

    […] Funktionelle Medizin habe ich Beispiele dafür gebracht, wie ernsthafte medizinische Probleme durch denkbar einfache […]

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