Warum ich kein Christ bin

Zunächst das offensichtliche: Biologie und Astronomie haben bewiesen, daß es den christlichen Gott nicht gibt. Es geht dabei weniger darum, daß der Mensch vom Affen abstammt oder daß weder Erde, Sonne noch die Milchstraße Zentrum des Universums sind. Mit beidem haben sich außer ein paar wenigen Fundamentalisten alle Christen abgefunden. Es geht vielmehr darum, daß die Evolution und das unendliche Universum ein einziger Murks sind!

Man nehme nur unser Gehirn, das angeblich das größte Wunder der Natur ist. Tatsächlich ist es kompletter – Murks. Siehe dazu das Buch Murks: Der planlose Bau des menschlichen Gehirns des amerikanischen Psychologie-Professors Gary Marcus. Unser ganzer Körper ist ein einziger Murks. Man betrachte nur mal seine total wirre und inkonsequente Phylogenese, wie sie Hans Hass in Wie der Fisch zum Menschen wurde beschrieben hat.

Und dann die Astronomie: Newton konnte noch an den christlichen Gott glauben, als er das, wenn man nicht genauer hinsieht, wohlgeordnete Uhrwerk unseres Planetensystems betrachtete. Seitdem wir aber über die Milchstraße hinausblicken: ein einziges Chaos, in dem kaum eine Galaxie „normal“ und wohlgeordnet ist. Ein wirrer Zoo! Hier ist schlicht kein Platz mehr für den christlichen Gott. Gott ist tot!

Daß es trotzdem noch gebildete Christen gibt, hat sexualökonomische Gründe. Der britische Schriftsteller C.S. Lewis (1898–1963), der als Autor des christlich inspirierten Kinohits Der König von Narnia wieder ins öffentliche Bewußtsein getreten ist, hat einmal als Rechtfertigung für seinen christlich-fundamentalistischen Glauben gesagt:

Wenn unsere tiefsten Sehnsüchte in dieser Welt nicht befriedigt werden können, dann müssen wir für eine andere Welt erschaffen worden sein.

Besser kann man die Grundlage jeder Art von Mystizismus gar nicht ausdrücken: er ist der denkbar direkteste Ausdruck der orgastischen Impotenz. Gleichzeitig wird die Frustration deutlich, aus der immer wieder ein mörderischer, „apokalyptischer“ Haß gegen alles „diesseitige“ Lebendige erwächst.

Lewis zufolge ist das philosophische Zentrum des Christentums die Vorstellung, daß das Universum „moralisch“ ist. Demnach ist der Kern des Lebens – das Nein zum Leben.

Und warum verteidige ich dann das Christentum? Nietzsche hat eine apokalyptische Katastrophe angekündigt, die zwangsläufige Folge unserer Ermordung Gottes ist. Atheisten haben sich oft über diese Weissagung lustig gemacht, dabei jedoch verkannt, daß wir seit etwa 1960 mitten in dieser Apokalypse drinstecken. Wenn der Zerfall so weitergeht, wird niemand mehr da sein, der erkennen kann, daß „Gott“ von Wilhelm Reich entdeckt worden ist. Jedenfalls wird es unmöglich, eine „kritische Masse“ von Menschen heranzubilden. Das haben wir den liberalen „Antichristen“ zu verdanken!

Und wer ist jener ominöse Gott Wilhelm Reichs? Er ist das Lebendige; das Funktionieren jenseits des rein Mechanischen. Er offenbart sich insbesondere in der Form und Entwicklung von Organismen und Galaxien. Er ist die kosmische Lebensenergie, die wahrnehmungs- und empfindungsfähig ist. Wir drangsalieren und ermorden ihn tagtäglich in unseren Kindern. Euer „Gott“ ist Produkt der verzerrten, pervertierten Wahrnehmung dieses Gottes.

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11 Antworten to “Warum ich kein Christ bin”

  1. David Says:

    … Wenn der Zerfall so weitergeht, wird niemand mehr da sein, der erkennen kann, daß „Gott“ von Wilhelm Reich entdeckt worden ist.

    Wilhelm Reich hat das, was hier mit Gott identifiziert wird, nicht entdeckt, sondern wieder-entdeckt; es ist das Orgon, die Leben schaffende Energie, und somit mit Gott (im Sinne des Schöpfers) identisch, siehe auch Jerome Eden.

    In außereuropäischen Kulturen, aber in besonderem Maße auch, wie hier schon besprochen, in der jüdisch-christlichen Kultur, war früher immer das Bewusstsein der Lebensenergie vorhanden.

    Oben heißt es weiter:

    Das haben wir den liberalen „Antichristen“ zu verdanken!

    Es wurde hier schon oft über die kopf-zentrierten Sozialisten / Kommunisten gesprochen, in deren System eine Leben schaffende Energie keinen Platz hat. Diese Charaktere aber haben gewisse Vorgänger: das waren wie ich glaube, die Betreiber der Reformation, aber auch die Agenten der durch sie indirekt hervorgerufenen Gegenreformation wie z.B. die Jesuiten:

    Auch diesen Leuten ging es m.E. daraum, möglichst viel Macht über die Menschen zu erringen und zu erhalten, wozu es nützlich ist, eine schrift- und kopf-zentrierte Sache aufzuziehen – und die Menschen von Emotionen, und von so emotionalen Wahrnehmungen, wie etwa der Bewegung der Orgonenergie in der Atmosphäre, abzuschneiden. Marx, Lenin und Stalin sind würdige Nachfolger dieser pestilenten Charaktere von damals.

    Jedenfalls wird es unmöglich, eine „kritische Masse“ von Menschen heranzubilden.

    Diesen Satz hatte ich bei meinen beiden Zitaten weggelassen. Ein Bildungssystem, welches das selbständige Denken nicht gerade fördert, haben wir schon seit einiger Zeit.

    Vielleicht sogar schon seit mehreren hundert Jahren – auch in diesem Fall fällt der Verdacht auf o.a. Reformierer und Gegen-Reformierer.

  2. O. Says:

    Den Körper und das Gehirn als planlosen Murks zu bezeichnen, ist eine provozierende Annahme und ich spare mir mal die Lektüre dieses Buches.
    Der Aufbau von Lebewesen entspricht dem Modell: Form (Struktur) … „follows function“, gemeint ist die Funktion des Orgon.
    Wer sich mit dme Aufbau der „grauen Zellen“ und dessen neuropyhsiologischen Aufbau befasst hat, mag frustriert sein, das exakte Ariale für die verschiedenen Funtkionen nicht zu erkennen sind und sich die Funktionen lokal verscheiben können. Ansonaten ist der Aufbau relativ simpel und funktioniert – im gesunden Normalfall bestens. Jedoch liegt es dann am „Input“, der Erziehung, den Erfahrungen und den Möglichkeiten, wie es genutzt wird und was daraus werden – sich entwickeln – kann. Was soll daran Murks sein?
    Das viele nichts draus machen (können) oder es für TV-Input und Drogen nutzen, ist die Entscheidung des Users. „Die Gehirne sind Schrott“, weil Kinder Gewalt und Missbrauch in den Familien und dann auch Schulen erfahren, und Opfer zu Tätern werden usw.
    Ca. 30% der Schüler haben massive Schwierigkeiten, die den Kinderschutz aktivieren müssten. Sieht am sich die Zahlen an, die tatsächlich bei den Jugendämtern aktenkundig und zu Fällen von Hilfemaßnahmen werden, dann ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die JAs haben nicht die Kapaztitäten und Mittel, um nur annähernd sich dieser Situationen anzunehmen.

    Also gibt es weiterhin „Schrottgehirne“, egal welchen religiösen, kulturellen Hintergrundes. Da braucht man auch nicht den Teenager Hardcore-Porno-Konsum zu einem Problem stilisieren, oder den Drogenkonsum, da alles mit den familierären und dann sozialen Peergruppensystemen zusammenhängt. Normale Sexualität gibt es nicht bei vorhergehenden Gewalt- und Missbrauchserfahrungen, die im Übrigen auch bei deutschen Familien sehr hoch sind.

    Lehrer und Pädagogen lernen nichts über solche praktischen Familienprobleme an den Unis. Praktiker haben an den Unis auch keine Chance in die Lehre und Forschung rein zu kommen, „sie werden nicht gebraucht …“
    Daher wird nicht gelernt, wie man diesen Verhältnissen in der Schule begegnet oder sie erkennt. In diesem Sinne sind freilich „einige Gehirne Schrott“, aber nicht Murks vom Bauplan her.

  3. Die Mär vom „natürlichen Gleichgewicht“ « Nachrichtenbrief Says:

    […] Siehe auch meine Ausführungen in Warum ich kein Christ bin. […]

  4. Darwin gegen Christus « Nachrichtenbrief Says:

    […] Wir können unsere „Darwinistische Natur“ (die trotzdem unlösbar zu uns gehört!) transzendieren hin zu einer „Christus-Natur“, ohne daß wir dabei auf irrationale Weise religiös werden müßten. Siehe dazu meinen Blogeintrag Warum ich kein Christ bin. […]

  5. Wenn alles Natur ist, wie kann es dann Widernatur geben? « Nachrichtenbrief Says:

    […] ist eine grundsätzlich andere Weltsicht als die von Lewis und Konsorten. Ich habe versucht sie in Warum ich kein Christ bin zum Ausdruck zu bringen, mehr schlecht als recht. Sie hat etwas mit Geometrie („dem gestirnten […]

  6. Einige Gedanken zur „Reichianischen“ Esoterikszene « Nachrichtenbrief Says:

    […] hat die „göttliche“ Dimension durchaus nicht ausgelassen. Die Frage ist nur, was für einen Gott Reich vertreten hat. Es fing alles damit an, daß er Freuds Atheismus überwunden hatte. Stichwort „ozeanische […]

  7. Das definitive Ende der Orgonomie (Teil 2) | Nachrichtenbrief Says:

    […] Nun, es ist die Logik des Mechano-Mystizismus. Um diese Scheinlogik zu durchschauen, betrachte man etwa die Phylo- und Ontogenese des menschlichen Organismus. Ich verweise auf die Ausführungen von Hans Hass in seinem Buch Wie der Fisch zum Menschen wurde, wo es darum geht, daß fast alles im menschlichen Organismus vorher ganz anderen Aufgaben diente und es teilweise zu mehreren Funktionsumwandlungen kam, bevor ein Organ seine heutige Funktion ausführte. Allein schon dieses eine Buch beweist, daß es „Gott“, d.h. eine alles planende und überwachende Instanz nicht gibt. Siehe dazu meine Ausführungen Warum ich kein Christ bin. […]

  8. Christusfunktionalismus (Teil 1) | Nachrichtenbrief Says:

    […] Ich selbst bin kein Christ. Ich stehe dem Christentum wie ein Ethnograph gegenüber, der sich in den naiven Aberglauben der Eingeborenen verliebt hat, aber nie und nimmer dieses infantile Zeugs selbst glauben wird. […]

  9. Robert (Berlin) Says:

    Unser ganzer Körper ist ein einziger Murks.

    Richard Dawkins demonstrates laryngeal nerve of the giraffe

  10. Julius Says:

    Ist das was wir den liberalen „Antichristen“ zu verdanken haben, schon im Christentum angelegt, wo es in den gebrochenen Menschen deutlich wird?

  11. Die Mär vom „natürlichen Gleichgewicht“ | Nachrichtenbrief Says:

    […] Siehe auch meine Ausführungen in Warum ich kein Christ bin. […]

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