Der Zerfall der Moral ist allgegenwärtig. Das fängt damit an, daß man im Apartmenthaus nicht zurückgegrüßt wird, wenn man jemanden freundlich grüßt, und reicht bis hin zur Unmoral unserer Politiker und Wirtschaftsbosse. Moral ist direkter Ausdruck unseres Kontaktes zu unserem bioenergetischen Kern. Der Zerfall der Moral weist entsprechend auf die zunehmende Kontaktlosigkeit hin.
Charles Konia sagt dazu:
Moral leitet sich von der eigenen Urteilsfähigkeit ab. Die Moral eines Menschen (…) wird durch die Tiefe des Kontakts, den er mit sich selbst hat, bestimmt. Bei ungepanzerten Menschen stammt die Urteilsfähigkeit aus dem biologischen Kern. Bei einem solchen Menschen funktioniert Moral in einer einfachen, unkomplizierten Art und Weise. Sie steht im Dienst der Erhaltung ungepanzerten Lebens bei ihm selbst und in seiner Umgebung. Nennen wir dies „natürliche Moral“. Bei gepanzerten Menschen erstarrt die Urteilsfähigkeit. Sie ist entsprechend der individuellen Charakterstruktur verzerrt. Moral verwandelt sich in Moralismus und beginnt der Erhaltung gepanzerten Leben zu dienen. („Editor’s Page“)
Der gegenwärtige Zerfall der Moral ist Ergebnis einer mißglückten Biologischen Revolution. Eine Revolution, die ungefähr 1960 ihren Anfang nahm. Die Menschen sollten freier sein, frei von alten Konventionen. Ergebnis ist jedoch nicht genuine Freiheit, sondern ein immer weiter um sich greifendes Chaos vermengt mit einer neuen Art von Moral, die das Lebendige vielleicht mehr einschränkt als jemals zuvor.
In seinem Aufsatz „Ideology is a Secondary Factor in Defining the Sociopolitical Spectrum“ (S. 58-79) führt dies Robert A. Harman weiter aus, indem er die autoritäre Tendenz orgonometrisch mit dem einfachen Gegensatz gleichsetzt:
und die antiautoritäre Tendenz mit dem antagonistischen Gegensatz:
In der autoritären Gesellschaft kommt es bei Konflikten zu einer direkten Auseinandersetzung, die zu einem im ganzen befriedigenden Resultat führt. Dinge werden beim Namen genannt und damit Konflikte lösbar (→←).
Im antiautoritären Neusprech hingegen werden zwar Begriffe verwendet, die auf Inklusion zu zielen scheinen (man wird beispielsweise nicht mehr mit dem Diktum „ungebildet“ ausgegrenzt, sondern man ist „bildungsfern“), doch tatsächlich läuft das ganze natürlich auf Vermeidung von Kontakt und auf „Spaltung“ hinaus, da die Probleme nicht mehr angegangen werden, sondern ihnen ausgewichen wird und sie sich so immer weiter zuspitzen (←→).
Der Abstand zwischen Gebildeten und Ungebildeten wird immer größer. Früher war der durchschnittliche „klassenbewußte“ Arbeiter erstaunlich gut unterrichtet, während man heutzutage bereits bei manchen Abiturienten das Gefühl hat, man unterhielte sich mit einem sprechenden Affen! Desgleichen mit dem Sozialstaat: alle Maßnahmen, die „den Armen“ helfen sollten, mündeten letztendlich in einer immer weiteren Verelendung („Elend“ ist etwas anderes als „Armut“!). Das „Aufnehmen“ fremder Ethnien, die keinerlei „Integrationsdruck“ ausgesetzt wurden, führte zu einer Spaltung, der Gesellschaft. Die Liste, um die Etablierung des antagonistischen Gegensatzes in wirklich allen Bereichen des Lebens zu illustrieren, ließe sich beliebig fortsetzen.
Oberflächlich betrachtet ging es beim Moralismus der autoritären Gesellschaft vor allem um Ausgrenzung („Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!“), darüber gibt es ganze soziologische Bibliotheken, doch tatsächlich, d.h. von der Bioenergetik her betrachtet, ging es darum die Menschen sozusagen „zusammenzuzwingen“, durch rigide Kleiderordnungen, Benimmregeln, etc. (→←). Die Moral diente schlicht dem Erhalt der Gesellschaft.
Entsprechend sieht es beim antiautoritären Moralismus oberflächlich so aus, daß im Gegensatz zu früher „niemand ausgegrenzt wird“. In Wirklichkeit läuft er aber darauf hinaus, daß sich die Gesellschaft in Gruppen spaltet, die nichts mehr miteinander verbindet und die keinerlei Kontakt mehr zueinander haben. Logisches Ergebnis wird der Bürgerkrieg sein. Man nehme die USA, wo, je mehr gegen den Rassismus gekämpft wird, sich desto mehr die „Rassen“ voneinander entfremden (←→). Die öffentliche Moral, der sich alle zu unterwerfen haben, ist ein Werkzeug der kommunistischen Subversion geworden!
Schlagwörter: Moral, Moralismus, political correctness


6. September 2012 um 08:07 |
Mir gefällt das Wort „ungebildet“ nicht; denn für mich fühlt es sich wie eine Schuldzuweisung an. Mir kommt immer die Idee, er / sie kann gar nichts dafür, dass er / sie bildungsfern ist.
Aber vielleicht ist es nicht eine Zuweisung von Schuld, sondern von Verantwortung, und vielleicht ist Verantwortung, ähnlich wie Arbeit, eine biologische Funktion.
Man denkt immer, der bildungsferne Mensch ist bildungsfern, weil Vater Staat und – in Ländern mit Einparteiensystem – Mutter Partei nicht für ausreichend Bildung gesorgt haben.
Aber in Ländern mit ganz besonders dysfunktionalen Schulsystem – wie z.B. Deutschland – kann man, wie ich glaube, sogar ungebildet sein, wenn man die dreizehn oder jetzt zwölf Jahre bis zum Abitur irgendwie „abgesessen“ hat.
Peter hat in diesem Blog mindestens einmal geschrieben: „die Massen sollen gefälligst selber für Bildung … sorgen“. Das ist an sich eine gute Idee, mir ist jedoch nicht klar, wie das gehen soll.
Ein ganz anderes Thema, welches mit fehlender Funktion der Verantwortun zu tun haben könnte, sind die – in westlichen Ländern – zunehmend vielen Menschen (viele mit Universitätsabschluss) – die mit über 25 oder über 30 immer noch im Elternhaus wohnen. Das Schweizer Fernsehen SF1 hat am 5. September dieses Jahres eine Doku zu dem Thema ausgestrahlt.
„Kinder“, die für lange Zeit – oder für immer – im Elternhaus bleiben, lassen an die extrem-patriachalischen Gesellschaften denken, wo der MAnn immer im Haus seiner Eltern bleibt; die junge Frau geht mit der Heirat ins Haus der Eltern des Mannes und bleibt dort.
Wer weiß, ob die Rückkehr der autoritären Gesellschaft bevorsteht??
7. September 2012 um 19:12 |
Was sind wir doch so brav angepasst um liebkosende Worte für Staat und Partei (-en) zu verwenden. Zuhälter und Nutte (n) wären wohl die passenderen Beschreibungen in einem Mafiasystem.
Das Schulen Bildung in die Kinder trichtern mögen, scheint auch eine eher absurde Idee, vielmehr werden die Kinder gut konditioniert, dass nachzuplappern, was der Lehrer aus dem Lehrplan vorplappert und danach beurteilt, wie angepasst er/ sie ist. Daran hat sich im letzten Jahrhundert nichts geändert.
Ein „bildungsnaher“ Abiturient hat seine sexuelle Entwicklung erfolgreich nach hinten verschoben, dem gegenüber ist der Hauptschulabsolvent wesentlich triebhafter.
In Gymnasien wird lediglich gesiebt – ausgewählt, wer zu einer Hochschulreife sozialpolitisch und charakterlich passt. Das relevanteste Kriterium hierfür ist die Parteizugehörigkeit der Eltern, die in Noten ausgedrückt werden. Somit erhalten die „richtigen“ Schüler über den Numerus Clausus, das richtige Studienfach, dass die größte Verdienstmöglichkeit schafft.
Dieses Selektionsystem verspricht am Ende beste Zuchterfolge für die höchsten Positionen. Und Ausnahmen bestätigen die Regel.
Da dieses Bildungssystem noch heute in Gebrauch ist, bedarf es keiner Rückkehr der autoriären Gesellschaft.
Was unter den „bildungsfernen Schichten“ als antiauthoritär erscheint, ist der Abfall (das Abgefallene – im wörtlichen Sinn) der Selektion.
6. September 2012 um 17:14 |
Ich hatte gerade gesagt:
Ein ganz anderes Thema, welches mit fehlender Funktion der Verantwortun zu tun haben könnte, sind die – in westlichen Ländern – zunehmend vielen Menschen (viele mit Universitätsabschluss) – die mit über 25 oder über 30 immer noch im Elternhaus wohnen. Das Schweizer Fernsehen SF1 hat am 5. September dieses Jahres eine Doku zu dem Thema ausgestrahlt.
“Kinder”, die für lange Zeit – oder für immer – im Elternhaus bleiben, lassen an die extrem-patriachalischen Gesellschaften denken, wo der MAnn immer im Haus seiner Eltern bleibt; die junge Frau geht mit der Heirat ins Haus der Eltern des Mannes und bleibt dort.
Es gibt nicht viele Tage, wo ich zwei oder mehr Fernsehsendungen sehe. Am gleichen Tag etwas früher, auf br-alpha: Steinzeit-Experiment, Teil 2 – das bezieht sich auf ein Experiment wo man die am Bodensee gefundenen Pfahlbauten nachgebaut hat und einige Familien experimentell dort gelebt haben – unter den Bedingungen der Jungsteinzeit wo die Werkzeuge und vermutlich auch die spirituellen Angelegenheiten schon relativ weit entwickelt waren.
Bis zu einem gewissen Grad ist das, wie mir scheint, auch ein psychologisches Experiment. Wie man heute annimmt, sind die Kinder damals – in vorwiegend matriachalen Gesellschaften – relativ funktional aufgewachsen und konnten, wie ich glaube, bereits mit zehn Jahren viel Verantwortung übernehmen. Jetzt aber sieht man deutsche Wohlstands-Kinder, die es gewohnt sind, bedient zu werden und die damit, dass man in der Steinzeit so viele Dinge selber machen muss, gar nicht zufrieden sind und auch nicht gut funktionieren.
9. September 2012 um 10:01 |
Hier nochmal: die Ideologie ist →←, das Ergebnis isr ←→:
http://www.pi-news.net/2012/09/roma-stammiger-transsexueller-asylant/
9. September 2012 um 19:48 |
O. hat gesagt:
Dazu ganz aktuell (gesendet September 2012):
http://www.youtube.com/watch?v=WEX-lolGPyM&feature=related
10. September 2012 um 01:51 |
Schöner Beitrag.
10. September 2012 um 05:15 |
[…] Die Orgonometrie hinter diesem auf den ersten Blick widersprüchlichen Gedanken wurde bereits an anderer Stelle erläutert. Teilen Sie dies mit:E-MailDruckenFacebookGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem […]
14. September 2012 um 19:51 |
Habe noch folgendes nachzutragen:
Aus Kapitel: Paideia:
aus Fremeaux, Isabelle: Pfade durch Utopia, Hamburg, Edition Nautilus, 2012,
ISBN: 978-3-89401-763-7
hier geht es um eine so genannte „anarchistische“ Schule in Spanien:
Anders als die „freien Schulen“ wie etwa A.S. Neills Summerhill in Großbritannien (dieses m.E. von der Autorin ein wenig falsch verstanden), versteht man in Paideia die Freiheit des Aufwachsen nicht im Sinne von Passivität. Es herrscht hier nicht die Grundeinstellung des Laissez-faire, das den Kindern die Freiheit einräumen würde, unter den Augen von Lehrern, die sich jeglicher Stellungnahme enthalten, jederzeit zu tun, was sie wollen.
Hier findet ein dynamischer Prozess statt, der darauf abzielt, auf der Basis klar umrissener Werte miteinander eine Arbeitsgemeinschaft aufzubauen, wobei die Rechte der Erzieher und der Schüler als gleichwertig angesehen werden. Für das Leben und Lernen sind sieben Grundwerte entscheidend, die aus der anarchistischen Philosophie stammen:
Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Freiheit, Gewaltlosigkeit, Kultur, und als wichtigstes:
Glück. Sie – und erst danach Mathematik, Sprachen und Geschichte, sind die eigentlichen Unterrichtsfächer.
Wie aber diese Werte angeeignet werden, das ist genauso wichtig wie ihr Inhalt.
Zitat Ende.
Im weiteren wird gesagt, dass wenn die Kinder nach den Sommerferien aus den Familien zurück kommen, eine besonders schwieriege Situation ist, weil sie dann besonders unselbständig sind, dass dann vorübergehend ein etwas autoritärerer Zustand, das so genannte „mandado“ errichtet werden müsse. Letzteres ist entfernt ähnlich dem Bericht von Jerome Eden, der sagt, dass er öfters vorübergehend „Diktatur“ gespielt habe.
Auch wird gesagt, dass das bald wieder aufgehoben wird und dass die Kinder in der „anarchistischen“ Schule – noch mehr als bei Neill oder gar in den staatlichen Schulen – Verantwortung erlernen würden.
14. September 2012 um 20:02 |
Anarchisten: als ich ein Kind war, wurden umgangssprachlich die Leute von der „Baader-Meinhof-Bande“ also die von der RAF, Anarchisten genannt. Tatsächlich sind das aber eher Leute mit bürgerlicher Herkunft und einer – abgesehen von Baader – kopfigen Charakterstruktur, also Sozialisten / Kommunisten. Vielleicht mehr von Trotzkis als von Stalins Art, aber das ist nicht wesentlich.
Später im Gymnasium hörte ich dann, es habe früher die Anarchisten und die so genannten „utopischen“ Sozialisten gegeben, die seien aber nicht wichtig, weil ja nur der Marxismus, auch genannt historischer Materialismus, ein wissenschaftlicher Sozialismus sei, und Anarchisten und utopische Sozialisten hätten daher keine Chance.
Erst seit wenigen Tagen – durch Lektüre o.a. Buches – weiß ich, dass während des Bürgerkriegs in Spanien – vor der endgültigen Machtübernahme durch Franco – anarchistische Strukturen, d.h. Genossenschaften, Dörfer, und sogar Schulen – tatsächlich mehrere Jahre lang funktioniert haben.
15. September 2012 um 01:08 |
Offenbar mussten sie deshalb auch vernichtet werden …
15. September 2012 um 01:17 |
Der Ansatz von Montessouri erinnert an diese Richtung der „anarchistischen Schulen“, wobei eine Gleichwertigkeit von Erwachsenen und Schülern nicht besteht und eine Mitbestimmung der Schüler (wie wohl noch eher in Summerhill) auch nicht gefördert wird. Die Arbeitsweise durch das größtenteils „freie Arbeiten“ der Kinder an ihrem selbst gewählten Fach, läßt ein individuelles Lernen enstehen, je nach eigenem Interesse und Entwicklungsstandes des Kindes. Eine Frontalunterricht gibt es dabei nicht, oder nur selten.
15. September 2012 um 14:27 |
Es gibt in Deutschland zahlreiche freie Montessori- Schulen, die die Mitbestimmung der Schüler in unterschiedlichem Grad zulassen bzw. fördern. Begrifflich wird häufig zwischen direktiv (lehrerzentriert) und non- direktiv (kindzentriert) unterschieden. Für non- direktives Arbeiten wird versucht, eine entsprechende Lernumgebung zu erschaffen. Im Grundschulbereich stehen z.B. Regale mit Materialen, um die Grundlagen für mathematisches Verständnis zu erlangen. Sogenannte „Darbietungen“ zeigen den Kindern, was man mit den Materialen alles machen kann. Sie sind dann frei, wie sie die Materialen verwenden.
Die Kinder erwerben ein körperliches Gefühl z.B. für 10er, 100er, 1000er – weil sie x-mal einen 1000er- Würfel zusammengepusselt haben. Wenn es gut läuft, erspielen sich die Kinder körperliche Grundlagen (und deren mentale Repräsentationen), mit denen eine Abstrahierung (Rechnen mit Zahlen auf einem Blatt) viel leichter fällt. Neill lehnte diesen Ansatz „als zu wissenschaftlich, zu ordentlich, zu didaktisch ab“ (WP). Ich vermute, weil er die heilsamen Wirkungen seiner „Lernumgebung“ an anderen Faktoren festmachen konnte.
Neill selber stellte fest, dass die Freiheit (zur Entfaltung kindlicher Autonomie), und weniger seine „Privatstunden“ (Therapiesitzungen) den Kindern halfen. In Summerhill ist der Einfluss der Eltern durch die Internatsstruktur wesentlich geringer als an Tagesschulen, wo die familiären Einflüsse den Rest des Tages voll wirksam werden – positiv wie negativ. Wenn nun ein Elternhaus Belastungen mitbringt, werden sie ja automatisch und unbewusst an das Kind weitergegeben, insofern kann man die Internatsstruktur auch als Versuch sehen, die Familitis auszukurieren. Wenn dies gelungen ist, sind die Kinder bereit für formales Lernen, wobei Neill betont, dass dann keine besondere Didaktik notwendig ist.
15. September 2012 um 21:00 |
Kinder können in einigen „Fächern“ deutliche Schwierigkeiten haben und sich erst den Dingen zuwenden, die für sie gerade leichter zu lernen sind und wo sie erfolgreich sind.
Sie werden später ihre Lücken z. B. in Mathematik oder im Schreiben oder Lesen aufholen können und mit ihren Mitschülern wieder mitziehen können, da brauchen sich Eltern und Lehrer keine Sorgen zu machen. Da Kinder Spass am (freien) Lernen haben, sind sie keinswegs faul oder „spielen“ nur. Häufig sind sie auch hier unter starkem Leistungsdruck (im Vergleich mit anderen, die schon weiter sind), der ihnen genommen werden muss, wenn sie sich selbst blockieren.
28. Oktober 2012 um 12:34 |
Ich hatte hier über Paideia, die anarchistische Schule in Spanien, geschrieben.
Es bleibt zu ergänzen, dass es nicht „internat“-artig wie Summerhill ist, sondern eine Tagesschule.
28. Oktober 2012 um 13:15 |
Besagte „anarchistische“ Schule in Spanien ist besonders interessant auch. weil offenbar die Kinder zu positivem sozialem Funktionieren kommen, vielleicht noch mehr als in Summerhill, und ganz im Gegensatz zum herkömmlichen Schulbetrieb.
Der folgende Film „Menschen hautnah“ „Lucas letzter Brief“
http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2012/09/13/menschen-hautnah.xml
handelt von einem Selbstmord eines Schülers im Jahr 2011, der besonders viel Entsetzen und Trauer bei mir auslöst.
Bekanntermaßen gibt es die meisten Schülerselbstmorde in Indien und Japan wegen des hohen Konkurrenzdrucks, aber hier waren offenbar die Ursachen andere.
Lucas wurde durch die anderen Schüler durch Mobbing in den Selbstmord getrieben. Er warf sich im Alter von 16 Jahren vor einen Zug.
Die erste Ursache ist die schulmedizinische, und in diesem Fall falsche, Behandlung seiner Epilepsie durch Medikamente, welche ihn müde und ungelenk machten, was die anderen Schüler dazu bewegte, ihn seelisch und körperlich zu quälen, Woche für Woche, Monat für Monat, bis schließlich sein zweiter Versuch, sich umzubringen, gelang.
Die zweite Ursache ist, wenn man schaut und zuhört, was der Rektor sagt, eine Unverschämtheit. Auf die Frage, was man denn nach dem Selbstmord – etwa um das aufzuarbeiten oder ähnlichem für die Zukunft vorzubeugen, getan habe, sagt der einfach: Nichts!
Und ergänzt noch, dass es offenbar bei den Schülern, die die Mobber waren, von seiten der Eltern an Erziehung fehle, was die Schule nicht wett machen könne.
Wie ich glaube, sind Mobbing, Intrigen, Machtspiele, und soziale Ausgrenzung ganz natürliche Vorgänge, denn das Auskämpfen der Machtposition und des Ranges findet man wie in jedem Hühner- oder Wolfsrudel auch in Gruppen von Menschentieren, sie finden jedoch umso intensiver statt, je weniger seelische Gesundheit (Genitalität, wie Reich sagen würde) in der Gruppe vorhanden ist.
Besagtes Verhalten muss jedoch gestoppt werden wegen der Folgen, die es hat.
Wie auch in amerikanischen Firmen und Betrieben, wo man diese Vorgänge – weil zum Teil auch die guten, leistungsfähigen Beschäftigten, die man gar nicht los werden will, in den Selbstmord oder zumindest psychische oder psychosomatische Krankheit getrieben werden – zunehmend nicht nur als menschliche Tragödie, sondern auch als Kostenfaktor sieht!
Dagegen schaut man meines Wissens in Deutschland meist noch infolge von Unfähigkeit und Bequemlichkeit weg!
Unfähigkeit und Bequemlichkeit auch bei dem Rektor dieser Schule – und wie ich glaube, fast aller Schulen, wo, wie schon in New York damals von Jerome Eden festgestellt, die Lehrer ihren Dienst so machen, dass sie vor allem gemäß der Weisungen von oben unterrichten und eben nicht „always on the side of the children“ sind.
Zum Abschluss ein weiteres Beispiel dieser Unfähigkeit: es war einige Wochen vorher ein Eltern-Brief geschrieben worden, also ein Brief an alle Eltern der betroffenen Klasse, wo zu einer Extra-Elternversammlung betreffend Mobbing in dieser Klasse geladen wurde.
Der Brief hatte keine Wirkung, weil gerade die Mobber ihn nicht bei ihren Eltern abgaben!
Im Nachhinein ist man schlauer, man hätte den Brief auf andere Weise zu allen Eltern der Klasse bringen müssen oder, weil ja immer noch welche von den Jugendlichen abgefangen werden könnten, alle Eltern einzeln anrufen können.
Aber selbst im Nachhinein denken der Rektor und – wohl die meisten Lehrer über solche Möglichkeiten nicht nach!
Sondern immer nur Dienst nach Vorschrift …
28. Oktober 2012 um 13:59 |
Zu ergänzen: Besagte Schule wo dieser Schüler war, liegt keineswegs in irgendeinem „sozialen Brennpunkt“, etwa Großstadt oder ein Gebiet mit vielen aus fremden Kulturen stammenden Migranten.
Es ist eine ganz normale Realschule oder Gymnasium in der Voreifel, also einem nahe größerer Städte gelegenen, halb ländlichen (und wohl relativ „spießigen“?) Gebiet..
28. Oktober 2012 um 13:30 |
Lindner, Lilly: Splitterfasernackt; München, Droemer, 2011; ISBN: 978-3-426-22606-3
ist der Bericht einer Frau, welche in der Kindheit von einem Wohnungsnachbarn immer wieder vergewaltigt wurde.
Im Zusammenhang mit dem gerade eben gesagten ist wichtig, dass sie niemals irgend jemand etwas davon verraten hat.
Strengstes Stillschweigen gegenüber der Kernfamilie, also Eltern, Lehrern, Sozialarbeitern – gegenüber allen!
Fast das ganze Leben lang. Erst mit über vierzig hat sie sich einer Therapeutin geöffnet und auch durch Schreiben des besagten Buches.
Die Parallele zu dem durch Bullying in den Selbstmord getriebenen Schüler ist: auch er hat zwar – nach dem ersten Suizidversuch – Therapie in Anspruch genommen aber dann doch in späterer Zeit strengstens alles für sich behalten.
Also gleiches Verhalten bei dem sexuell missbrauchten Kind und bei dem gemobbten Schüler!
Und wie kann man solches striktes Stillschweigen des / der Betroffenen vermeiden? Nur wenn man es erfährt, kann man etwas dagegen tun! Sonst nimmt der / die Betroffene das wahrscheinlich mit ins Grab, ob er / sie nun im normalen Alter stirbt – oder vorher durch Suizid.
10. November 2012 um 15:00 |
Ich hatte – betreffend Mobbing an einer Schule und einen dadurch in den Selbstmord getriebenen Schüler – gesagt:
Nur Unfähigkeit und Bequemlichkeit?
Oder ein Klima der Intrigen und des Mobbings auch unter Lehrern, dem Rektor, und der Schulaufsicht, d.h. der über dem Rektor stehenden Behörden?
Ursula Sarrazin ist gewiss keine „anarchistische“ Pädagogin wie in der spanischen „Paideia“-Schule, auch nicht in der Art von A.S. Neill oder Jerome Eden.
Sie ist die Ehefrau des durch „Deutschland schafft sich ab“ recht bekannten Buch-Autors Thilo Sarrazin. Sie ist Grundschul-Lehrerin mit Erfahrung sowohl in normaler wie auch in Montessori-Pädagogik.
In ihrem Buch „Hexenjagd“ München, Diederichs, 2012, ISBN: 978-3-424-350760 beschreibt sie, was sie erleben musste, nachdem sie als Lehrerin in Mainz aufgehört und in Berlin mit dem Dienst angefangen hatte.
Es wurde, da sie gewisse Entscheidungen nicht hundertprozentig nach dem Willen von Rektor Syska und den Schulbehörden traf, sondern gemäß pädagogischer Notwendigkeiten und auch Beschlüssen der Klassenkonferenz – die nach Gesetz eigentlich verbindlich sind – massiv gegen sie gemobbt, vor allem hinten herum und im Geheimen.
Es wurde auch – am Schulamt – neben ihrer Personalakte eine Neben-Personalakte angelegt, was aber gar nicht legal ist. Da standen die meisten der unberechtigten Vorwürfe drin.
Hinsichtlich der Mobber und derer, die es mitbekommen und bewusst wegschauen, sagt sie unter anderem – Zitat:
„… es wird bei den beteiligten Personen eine unterschiedliche Motivation gewesen sein. Verantwortungsscheu waren sie meines Erachtens alle.
Das Nicht-Verantwortung-Tragen ist so zu sagen systemimmanent eingebaut, entschuldigt aber kein persönliches Handeln oder Nichthandeln.“
Zitat Ende.
U.S. sagt ferner betreffend Lehrer – es gilt aber wie ich glaube nicht nur für Lehrer, sondern für die meisten Beamten, Angestellten und Arbeiter – Zitat:
„manche werden krank, weil sie keine Strategien kennen und haben, mit Repressalien umzugehen. Lehrer wissen in aller Regel auch nicht, was eine Verwaltung darf, was nicht, und was sie tun muss oder tun sollte. Diese Unsicherheit ist kein guter Ratgeber für vernünftiges Verhalten und fundierte Entscheidungen.“
Zitat Ende.
Sie sagt auch, dass in Mobbing-Situationen regelmäßig alle Unbeteiligten, die etwas mitkriegen, sich vom Opfer zurückziehen würden und ja nicht helfend eingreifen würden, weil ja auch sie nicht Repressalien ausgesetzt sein wollen.
Auch dies gilt, wie ich glaube, nicht nur für Lehrer.
Auch dieses, weil Lehrer (und generell die meisten Menschen) nicht über Strategien und Taktiken verfügen.
Zurück zum Thema von Mobbing von Schülern gegen Schüler:
Lehrer haben, wie ich glaube, in der Regel in ihrer Ausbildung nicht gelernt, wie man systematisches Mobbing von Kindern an Kindern unterbindet, wie man – immer daran denken, dass die weg schauenden Unbeteiligten in der Mehrheit sind! – denen beibringt, so etwas nicht zu dulden.
10. November 2012 um 15:14 |
Ich hatte gesagt:
Die Ursachen dieses Defizits der Lehrer-Ausbildung sind mir nicht bekannt; hier jedoch möchte ich mich mit den Folgen abgeben:
Relativ seltene Folge ist, dass gelegentlich ein Schüler sich selber umbringt oder – vielleicht auch in einem so genannten „school shooting“, im Deutschen fälschlich „Amoklauf“ genannt, vorher noch ein paar andere Schüler und Lehrer usw.
Die, wie ich glaube, regelmäßige Folge der Nicht-Erziehung in diesen Angelegenheiten ist, dass auch nach der Schule ein möglichst gemeiner, trickreicher Umgang mit Konkurrenten als völlig normal empfunden wird und ebenso das Wegschauen und sich Ducken, wenn man – auf der Arbeit oder sonstwo – solche Vorgänge mitbekommt.
Schließlich pfeift man dann auf das Rechtssystem, welches man mit der Zeit so empfinden wird, dass ich die Rechte, die ich etwa als Arbeitnehmer, als Verbraucher, als Kunde von Handwerkern und allen möglichen anderen Leuten und Firmen und was ich sonst alles bin, als nicht existent, sondern lediglich auf dem Papier stehend, empfinde.
Somit wird man immer mehr aufhören, sich zu wehren, und es wird gesamtgesellschaftlich eine neue Leibeigenschaft, ein neuer Feudalismus sich entwickeln oder dagegen als Gegenreaktion –
kommen vielleicht die Nazis wieder an die Macht.