Posts Tagged ‘Moralismus’

Die soziopolitische Diathese (Teil 4)

6. November 2018

von Paul Mathews, M.A., M.A.C.O.

Das konservative Syndrom

Der Konservative funktioniert mehr oder weniger verzerrt aus dem Kern heraus, d.h. die sekundäre Schicht wird auf zwei Arten abgewehrt: direkte Aggression (muskuläre Abwehr) oder moralische Unterdrückung (offene Sexualverneinung, Autoritarismus, Mystizismus). Er hat eine relativ dünne Fassade und es ist leichter, die Abwehrmechanismen zu durchschauen.

Wenn er Schuldgefühle hat, hängen die damit zusammen, ob er seine religiösen Ideale nicht erfüllt oder nicht in Harmonie mit der Natur lebt. Er wetteifert mit dem Vater, anstatt gegen ihn zu rebellieren, und er kann seine Absolution entweder von Gott oder von der Natur erhalten.

Da er jedoch sexuell unterdrückt ist, muss er seine sekundären Triebe bewältigen und kann sie nicht loswerden. Sein Moralismus und Autoritarismus sind ein Versuch, sie in sich und anderen zu kontrollieren (verzerrter Kontakt), und wenn er dazu nicht in der Lage ist, werden sie entweder in geheimen, perversen Fantasien oder – schlimmstenfalls – in schwerer Körperverletzung (Schwarzer Faschismus) ausgedrückt. Der Konservative benutzt seinen Intellekt, um der sekundären Schicht Ausdruck zu verleihen (1, S. 156)e, während der Liberale den seinen als Abwehr gegen die sekundäre Schicht verwendet; dies vergrößert die Fassade und ihre Komplexität und macht den Liberalen zu einem besonders schwierigen therapeutischen Problem. In der abschließenden Analyse führt die Abwehrhaltung des Liberalen gegen seine sekundäre Schicht zu weit größerem Durcheinander. Da der Konservative mit dem Vater konkurriert und sich mit ihm identifiziert5f, den intellektuellen Abwehrmechanismen nicht derartig hingegeben ist und über seine Aggression verfügt, neigt er dazu, individualistisch zu sein, verweist seinen Zentralismus hauptsächlich auf seine Familie und hat ein größeres Gefühl von Loyalität (wegen des Kontakts, wenn auch verzerrt), was sich als Patriotismus oder schlimmstenfalls als Chauvinismus manifestiert. Er identifiziert sich nicht mit der internationalen „Herde“, obwohl er sie in seiner schwarz-faschistischen Phase vielleicht als „überlegene Rasse“ (Mystizismus) dominieren möchte. Sowohl die schwarzen als auch die roten Faschisten wollen die Menschheit kontrollieren.

Die konservative Fassade ist relativ dünn, was die Struktur des Konservativen weitaus weniger komplex macht als die des Liberalen sowie viel leichter zu erkennen, zu beanstanden und, wenn nötig, zu bekämpfen. Genau aus diesen Gründen, glaube ich, ist es dem Konservativen nicht gelungen, die moderne Welt zu dominieren. Man sollte nie vergessen, was der schwarze Faschist (das Extrem des konservativen Spektrums) getan hat oder tun könnte – auch wenn sich die meisten Liberalen selten daran erinnern, was der rote Faschist (das Extrem des liberalen Spektrums) getan hat und derzeit tut.

Der konservative Charakter war der vorherrschende Typ bis zum Aufkommen des sogenannten Zeitalters der Vernunft; der Beginn der industriellen Revolution und das Wachstum der Technologie verstärkten die Kommunikation und machten die Massen für die hirnzentrierten liberalen Propagandisten zugänglicher. Die liberale Ideologie lockerte die Panzerung der grundsätzlich konservativen Massen, was zu einer Reaktion führte, die nicht zu einem ungepanzerten genitalen Charakter, sondern vielmehr zu einem gepanzerten liberalen Typus führte. Dieser liberale Typ musste sich gegen die konservative Struktur verteidigen, vor der er floh. Er tat dies, indem er seine oberflächliche intellektuelle Fassade als Abwehr gegen seinen Konservatismus und den Ausdruck seiner sekundären Schicht stärkte. Daher zog er mehr und mehr Energie in sein Gehirn und erzeugte so eine tiefe Spaltung zwischen seinen Organempfindungen und seiner Gedankentätigkeit; mit anderen Worten, eine Kontaktlosigkeit. So könnte man bemerkenswerterweise sagen, dass der Konservatismus sowohl historisch als auch charakterologisch eine frühere Stufe des modernen Liberalismus darstellt – eine Stufe, die der Liberale auf dem Weg zu mehr Gesundheit theoretisch erneut durchleben müsste6.

 

Fußnoten

5 Ein Artikel in der September-Ausgabe der Psychology today, 1974, mit dem Titel „Doves vs. Hawks; Guess Who Had the Authoritarian Parents“ von David M. Mantell, Dr. phil., bestätigt eindeutig die Identifizierung des Konservativen mit dem Vater, obwohl seine allgemeine Methodik und Interpretationen ernsthaft zu hinterfragen sind.

6 Dass Patienten in ihrem Charakter konservativer werden, wenn sie sich der Gesundheit nähern, wurde von einer Anzahl praktizierender Orgontherapeuten bestätigt.

 

Anmerkungen des Übersetzers

e Der Mensch in der Falle, S. 230: „Auf der konservativen Seite des Spektrums bewahrt sich das Individuum einen gewissen Kontakt zum Kern, wenn auch einen verzerrten, was einen vollständigeren Selbstausdruck und Aggressionstoleranz ermöglicht. Wenn das Gleichgewicht gestört wird, beginnt das Individuum, seine Brutalität zu äußern; es rationalisiert sie mystisch als notwendig im besten Interesse der Gruppen von Auserwählten, die beteiligt sind.“

f Psychologie heute, „Tauben gegen Falken; Ratet mal, wer die autoritären Eltern hatte.“

 

Literatur

1. Baker, E.F.: Man in the Trap. New York: Macmillan Company, 1967
5. Reich, W.: The Mass Psychology of Fascism. New York: Farrar, Straus & Giroux (Noonday), 1970
6. Reich, W.: Character Analysis. New York: Farrar, Straus & Giroux (Noonday), 1971

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 8 (1974), Nr. 2, S. 204-215.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Blogeinträge Februar 2013

30. August 2018

Charles Konia über die Pest „Gesellschatfspolitik“:

Blogeinträge Februar 2013

  • Der Mythos des 21. Jahrhunderts
  • Ein Musterbeispiel für die Emotionelle Pest: Der Krieg gegen die Drogen
  • Die Stoßrichtung der politischen Agenda von Obamas zweiter Amtszeit
  • Willkommen in der Demokratie im Nahen Osten
  • Die Exposition des amerikanischen Volks gegenüber der kommunistischen Pest
  • Die Anziehung der Pest auf die Linke und die Rechte
  • Das Problem die Emotionelle Pest zu erkennen

Wie mit Linken leben?

22. August 2018

Mir persönlich wird immer wieder „Opportunismus“ vorgeworfen, weil ich mit bestimmten Leuten gut zurechtkomme, das würde doch allem widersprechen, was ich so schreibe! Aber dieser Vorwurf ist purer Moralismus, d.h. alle Funktionsebenen werden wild durcheinandergeworfen. Es ist mir mit Verlaub scheiß egal, ob mein Bäcker ISIS-Anhänger, Kommunist oder eine Sozialdemoratte ist. Meine Freundlichkeit ist nicht gespielt, sondern gehört integral zu diesem Funktionsbereich („Brötchenkaufen“). Alles andere ist Moralismus und das diametrale Gegenteil der Orgonomie! (Von wegen „authentisch sein“!)

Vor Jahrzehnten habe ich mit bestimmten Leuten noch politisiert, aber damals ist mir ein derartiger Haß, eine derartige herablassende Verachtung und ein derartiger scharfer Moralismus (!!!) entgegengeschlagen, daß ich das früh als vollkommen sinnlos fallengelassen habe. Um sich hier aufzureiben, ist das Leben wirklich viel zu kurz! Es gibt jede Menge andere funktionelle Ebenen, auf denen man sich von Mensch zu Mensch begegnen kann und sei es, daß man den ganzen Abend nur rumalbert.

Problem sind wirklich die Linken, die die Gesellschaftspolitik („Man muß doch was tun!“) zu ihrer Ersatzreligion gemacht haben. Sie müssen alles politisieren und moralisieren. Mit diesen Spinnern kann man ja nicht mal über das harmloseste alle Themen sprechen, das Wetter, da sie nicht nur sofort mit dem „Klima“ ankommen, sondern auch mit den vermeintlichen Ursachen des „Klimawandels“, dem Kapitalismus des weißen Mannes. In deren Augen wirst du schon zum „Nazi“, nur weil du für den Rest deines Lebens Glühbirnen gehortet hast! Nicht mal das besagte „Rumalbern“ ist noch möglich, weil dank der Political Correctness, dem alles erstickenden Moralismus der Linken, jede noch so unschuldige Bemerkung auf die Goldwaage gelegt wird. Es wird demnach zunehmend schwerer eine gemeinsame Funktionsebene zu finden. Wir steuern wirklich auf einen Bürgerkrieg zu, der dann unvermeidlich wird, wenn alle bioenergetischen Brücken gekappt sind.

„Zusammenprall mit der emotionalen Pest“, ein Kapitel von KINDER DER ZUKUNFT

1. Februar 2018

Zunächst einmal wieder die Probleme mit der Übersetzung, die auffälligerweise Reich immer wieder in einem Licht zeichnet, das eher an „Aleister Crowley“ gemahnt. Reich will Kinder aufwachsen lassen, wie Gott sie geschaffen hat, während der Übersetzer sie „als Gott“ aufwachsen läßt. In diesem Kapitel hat die Protagonistin „moralische Haltungen, die sie häufig einzuschränken versuchten, tapfer bekämpft“ (S. 79). Im Original ist jedoch von „moralistic mire“ die Rede. Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen „moral“ und „moralistic“. Und wo ist überhaupt das „mire“ gebieben? Es geht um den „moralistischen Morast“, den auch jeder gläubige Christ bekämpfen wird, nicht um „moralische Haltungen“?

Das Kapitel setzt sich aus drei Teilen zusammen: eine kurze Beschreibung der in der Charakterstruktur der Menschen verankerten „emotionalen Pest“ (S. 73-76), welche Prinzipien die Menschen beherzigen sollten, die in der Orgonomie aktiv sind (S. 77) und schließlich eine Fallgeschichte, die zweite nach der Fallgeschichte „David“ (= Peter Reich), bzw. die Beschreibung einer entsprechenden abendlichen Zusammenkunft des Orgonomic Infant Research Center (OIRC), die Reich zum Anlaß nimmt, über seine Isolation und Verfolgung zu klagen.

Mit dieser Fallgeschichte habe ich mich bereits in meiner Besprechung von Christopher Turners Buch Adventures in the Orgasmatron (S. 49) beschäftigt: Der Modju Michael Silvert war Geliebter der Hebamme des OIRC, deren vierjährige Tochter Silvert in Behandlung nahm und die hier vorgestellt wird. Dieses Mädchen, Paki Wright (Jahrgang 1945) verfaßte über ihr Martyrium ein Buch (Wright 2002). Sie wurde kurz vor oder nach dem von Reich beschriebenen OIRC-Treffen, d.h. 1950, von Silvert sexuell mißbraucht. 1962 versuchte sich die 16jährige Paki das Leben zu nehmen – seelisch zerstört von der „Orgonomie“. Bei der Zusammenkunft waren die Orgonomen von Silverts sexuell extrem freizügiger Partnerin und ihren Beschreibungen, die diese Sitzung des OIRC ausfüllten, schlichtweg angeekelt. Reich interpretierte diese viszerale Ablehnung von Silverts Gespielin durch die anwesenden Orgonomen als „Emotionelle Pest“ und Modju Silvert konnte sich weiter bei Reich einschleimen…

Bezeichnenderweise sagt Reich wenig bis nichts über den eigentlichen Inhalt der Sitzung. Ihm fiel nur auf, daß das kleine Mädchen sich an die Mutter klammerte, kaum Kontakt zu ihr herzustellen war und sie sich weigerte sich zu entkleiden (S. 79). Er führte diese Weigerung zu kooperieren darauf zurück, daß die Atmosphäre im Raum eiskalt und feindselig gewesen sei (S. 84). Gut möglich, daß Modju Silvert ihm eingeflüstert hatte, daß sei darauf zurückzuführen, weil die anwesenden Orgonomen die kindliche Genitalität und die Freizügigkeit der Mutter nicht ertragen konnten! „Das Auditorium war vor der Direktheit der Mutter erschrocken“ (S. 84).

Das bedeutet natürlich nicht, daß die einzelnen Aussagen Reichs, so wie sie jetzt in diesem Kapitel dastehen, in irgendeiner Weise falsch wären. Es zeigt nur, daß Reich ab und an Opfer seiner eigenen eklatanten Fehleinschätzungen war.

Daß sich die Lektüre wirklich lohnt, zeigt etwa folgender bemerkenswerter Satz:

Meine erbittersten Feinde waren stets diejenigen gewesen, die von meinem Werk und dem, was es für die Menschheit beinhaltet, begeistert waren, die aber die Geduld, die Ausdauer, das Wissen oder den Geist nicht besaßen, es zu leben und weiterzutragen. (S. 83)

ZUKUNFTSKINDER: 1. „Rousseauismus“? b. Alice Miller und der sexuelle Kindesmißbrauch

25. Januar 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

1. „Rousseauismus“? b. Alice Miller und der sexuelle Kindesmißbrauch

Kapitalismus und die Funktion des Orgasmus (Teil 5)

2. Juli 2015

In Ökonomie und Sexualökonomie habe ich dargestellt, wie die Befreiung der Sexualität aus ihren mittelalterlichen Fesseln den Kapitalismus hervorgerufen hat und daß die planwirtschaftliche Zersetzung des Kapitalismus uns zurück ins Mittelalter treibt (wie bereits 1933 infolge der Weltwirtschaftskrise geschehen).

Durch die Verkümmerung von Sexualität (Zwangsmoral) und Konsum (sozialistische Verzichtsideologie) kommt es beim Individuum und im gesellschaftlichen Organismus langsam zur „Schrumpfungsbiopathie“. Der Marxismus läuft auf eine reglementierte Zuteilungswirtschaft hinaus, in der dem Träger des Arbeitsprozesses die Spannungslösung an seinem Arbeitsprodukt vorenthalten wird, was genauso verheerend ist wie ein Coitus interruptus. Die Beschneidung der Arbeitsenergie rächt sich ähnlich wie die Nichtbeachtung der sexualökonomischen Naturgesetze.

Die „gesellschaftlicher Abpanzerung“ der Sexualenergie ist funktionell identisch mit der „gesellschaftlichen Abpanzerung“ der Arbeitsenergie.

Die beiden humanbiologischen Grundfunktionen Sexualität und Arbeit sind ursprünglich in der gleichen Institution beheimatet: der Familie („Familie“ im weitesten Sinne des Wortes!). Die Familie geht aus der sexuellen Gemeinschaft hervor, die wiederum auf der Überlagerungsfunktion gründet („genitale Umarmung“). Mit der Familie kommt es zur ersten Teilung der Aufgaben im Überlebenskampf: die Funktion „Arbeit“ taucht auf. Diese neue Funktion, mit all ihren „Sachzwängen“, steht in einem gewissen Gegensatz zur Sexualität. Zum Beispiel gibt es, damit das reibungslose Funktionieren der Arbeitsteilung garantiert ist, in ausnahmslos allen Kulturen (die noch nicht ganz vom Patriarchat untergraben wurden) das Inzesttabu, sowie (wenn auch weniger ausgeprägt) die öffentliche Tabuisierung der sexuellen Gemeinschaft der Eheleute. Zum Beispiel ist das schlimmste denkbare Schimpfwort der Trobriander: „Beschlafe deine Frau!“ Ähnlich ist die Sexualität in der späteren arbeitsteiligen Gesellschaft am Arbeitsplatz tabuisiert. Ihr Ort ist die „Freizeit“.

Bei aller Gegensätzlichkeit gibt es in den Bereichen Sexualenergie und Arbeitsenergie ganz ähnliche Störungen aufgrund von Panzerung im Individuum. Zum Beispiel kann man den Kapitalismus als eine Art „gesellschaftlicher Orgontherapie“ betrachten, weil er die Menschen dazu zwingt, aufzustehen und sich zu bewegen. Wer „sitzt“ kommt unter die Räder. (Das ist im übrigen auch der tiefere, bioenergetische Beweggrund für die „Globalisierungsgegner“ in Deutschland: sie wollen angesichts einer sich bewegenden Welt sitzen bleiben.) Genauso ist es in der Sexualität: wer sich nicht ständig bemüht, findet keinen Partner, kann ihn nicht halten oder endet in einer festgefahrenen lustlosen Beziehung, die nur noch die Bequemlichkeit zusammenhält. Das einzige, was uns davon abhält materiell und sexuell erfolgreich, glücklich und reich zu sein, ist unsere Panzerung, die uns dermaßen verkrüppelt, daß jeder Maulwurfshügel zu einem unüberwindbaren Bergmassiv wird. (Auf unverantwortlich freiheitskrämerische Weise spielen sogenannte „Motivationstrainer“ mit dieser Wahrheit – die in ihren Händen zu einer gemeinen Lüge wird.)

Hinzu kommt die „gesellschaftliche Abpanzerung“. Man denke etwa an die Trennung der Geschlechter in islamischen Ländern, die das „Heiratsmarktgeschehen“ behindert, wenn nicht unmöglich macht und zu sexuellen Übergriffen in den Familien führt, wo wegen der Polygamie ohnehin alle Unterschiede verwischt sind. (Tatsächlich werden in islamischen Ländern fast flächendeckend immer die Cousinen bzw. Cousins geheiratet, was in Jordanien z.B. zu einer Epidemie erblicher Blindheit geführt hat.) Diese Art gesellschaftlicher Abpanzerung der Sexualenergie ist funktionell identisch mit der gesellschaftlichen Abpanzerung der Arbeitsenergie, z.B. wenn sich zwischen dem Produzenten und den Konsumenten diverse Zwischenglieder schieben, die, anstatt das Marktgeschehen zu unterstützen, es behindern (Bürokratien, politische Interessenvertreter, Zwischen- und Großhändler, Gewerkschaften, das Rechtssystem, die Einkommenssteuer: kurz alle mittelalterlichen Restbestände aus der vorkapitalistischen, ständischen Welt der Zünfte).

Jerome Eden schrieb dazu:

Aus seiner gepanzerten Struktur heraus produziert ARM [der gepanzerte Mensch, armored man] die Zwillingsbrüder seiner Versklavung – den „Mittelsmann“ und den Politiker. Wie die Mittlere Schicht seiner gepanzerten Struktur besteuert der Mittelsmann die Energie, die Früchte bioenergetischer Arbeit, weil ARM nicht fähig ist, für seine eigene Produktivität, für den Verkauf und die Verteilung seiner selbst erzeugten Güter die Verantwortung zu übernehmen. Der Politiker repräsentiert ARMs oberflächliche Fassade. Beide sind wesentlich für die Fortdauer der gepanzerten Gesellschaft. Sie können in einer arbeitsdemokratischen Gesellschaft nicht geduldet werden. (The Value of Values, Careywood, Idaho: Jerome Eden, 1980)

Hierher gehört auch das Problem des Geldes, das den Austausch zwischen Produzenten und Konsumenten erst ermöglicht. Wird das Geld so manipuliert, daß es seine zentrale Funktion, einen reibungslosen Austausch zwischen den Marktteilnehmern zu gewährleisten, nicht mehr erfüllen kann, also nicht mehr für Gerechtigkeit sorgt, sondern ganz im Gegenteil das Gift der Ungerechtigkeit in die Gesellschaft trägt, trifft das die Arbeitsdemokratie ins Mark.

Orgontherapie: Die Anwendung des funktionellen Denkens in der medizinischen Praxis (Teil XVI: Kinder und Jugendliche) (Teil 5)

5. Juli 2014

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Charles Konia: Orgontherapie: Die Anwendung des funktionellen Denkens in der medizinischen Praxis (Teil XVI: Kinder und Jugendliche) (Teil 5)

acologo

Wider das liberale Pseudochristentum!

27. April 2013

Friedensbewegte, gutmenschliche Christen gefallen sich vor allem in drei Dikta, die mit äußerster moralischer Verve vertreten werden:

  • Du sollst nicht töten!
  • So dir jemand auf die rechte Wange schlägt, halte ihm auch die linke hin!
  • Liebe deine Feinde!

Pazifismus wird bis auf die selbstverleugnende Spitze getrieben, Idiotie zur Tugend. Nur leider hat das nicht das geringste mit der Botschaft vom Berg Sinai und der Bergpredigt zu tun!

„Du sollst nicht töten!“, ist schlichtweg eine Fehlübersetzung des „Du sollst nicht morden!“ Selbstverständlich kann ein Jude oder Christ im Krieg einen gegnerischen Kombattanten oder einen zum Tode verurteilten töten, ohne irgendeine Sünde zu begehen!

Jemand auf die rechte Wange schlagen, bedeutet ihn mit dem Handrücken der rechten Hand zu schlagen, was in der Antike Ausdruck äußerster Verachtung war. So wurde Sklaven signalisiert, daß sie der letzte subhumane Dreck sind, mit denen man sich buchstäblich nicht die Hände (die Handflächen) dreckig macht. Jemanden „auch die linke Wange hinhalten“, ist also nicht Ausdruck masochistischer Unterwerfung (eine Todsünde für ein Geschöpf Gottes!), sondern ganz im Gegenteil die Aufforderung einem auf Augenhöhe zu begegnen.

Und was schließlich die Feindesliebe betrifft, ist das eine Aufforderung zur Selbstdisziplin, denn seine Freunde zu lieben, ist wahrhaftig keine große Kunst! Es ist die Aufforderung, innerlich stark, objektiv und klar im Kopf zu bleiben und nicht vom Gegner innerlich „besessen“ zu sein.

Man sieht sofort, daß sich hier ein ganz andersgeartetes Christentum herausschält, als das, was uns die liberalen Pseudochristen verkaufen wollen, die den Glauben an Gott mit dem Glauben an eine humanistische Moral vertauscht haben.

Tatsächlich sind sie nicht mal „liberal“. Es sind Pseudo-Liberale, deren Ziel es ist, dem Feind, d.h. dem Teufel, zum Sieg zu verhelfen, sei dies nun in Gestalt des Kommunismus oder des Islamismus. Sie treten hyperchristlich auf, sind aber in Wirklichkeit Wölfe im Schafspelz. Ich habe mich mit dieser Thematik bereits an anderer Stelle beschäftigt.

Zum Schluß ein sehr interessantes Zitat aus einer Arbeit des Theologen Karl Dienst über Das Ende des Protestantismus: Moral als Religionsersatz?:

Die durch [den Moralismus] produzierte kollektive Vorstellung der Wertlosigkeit, ja der Gefährlichkeit der Werteprinzipien der solchermaßen beschädigten Personen und auch ihrer nationalen Gemeinschaft erzeugt und fördert eine masochistische Moral, den Selbsthaß. Ihre Modalitäten sind unaufhörliche Schuldbekenntnisse und Bußrituale, die persönliche und auch nationale Selbsterniedrigung und die Bereitschaft zu unbegrenzten Wiedergutmachungsangeboten. Der Kriegsgeneration bleibt dann nur noch die Alternative, als Verbrecher oder als politische Dummköpfe zu erscheinen, die schleunigst Buße zu tun hat. Der Frankfurter Psychologieprofessor Fritz Süllwold spricht als Folgen von solchen Schuldkomplexen und Selbsthaß „affektive Denkhemmungen“ an, die eine „drastische Reduktion des Aufmerksamkeits- und Auffassungsumfangs und dementsprechend erhebliche Einbußen bei der Informationsaufnahme und Informationsintegration“ bewirken und wie „kollektive Verblödungen“ erscheinen.

Was hier beschrieben wird, ist nichts anderes als die künstliche Erzeugung okularer Panzerung durch Sprachregelungen.

Was wir mit den Grünen, „Kirche von unten“ und anderen derartigen Bewegungen erleben, erlebten unsere Vorväter in den 1930er Jahren angesichts der politischen Religion Nationalsozialismus und einem vor moralischer Inbrunst innerlich brennenden Hitler:

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=fdUfZRTz9zM%5D

In der antiautoritären Gesellschaft (und der Nationalsozialismus war in vieler Hinsicht ein Vorläufer der antiautoritären Gesellschaft!) wird Religion politisiert und Politik wird zum sinnstiftenden Religionsersatz.

The Journal of Orgonomy (Vol. 35, No. 1, Spring/Summer 2001)

2. September 2012

Der Zerfall der Moral ist allgegenwärtig. Das fängt damit an, daß man im Apartmenthaus nicht zurückgegrüßt wird, wenn man jemanden freundlich grüßt, und reicht bis hin zur Unmoral unserer Politiker und Wirtschaftsbosse. Moral ist direkter Ausdruck unseres Kontaktes zu unserem bioenergetischen Kern. Der Zerfall der Moral weist entsprechend auf die zunehmende Kontaktlosigkeit hin.

Charles Konia sagt dazu:

Moral leitet sich von der eigenen Urteilsfähigkeit ab. Die Moral eines Menschen (…) wird durch die Tiefe des Kontakts, den er mit sich selbst hat, bestimmt. Bei ungepanzerten Menschen stammt die Urteilsfähigkeit aus dem biologischen Kern. Bei einem solchen Menschen funktioniert Moral in einer einfachen, unkomplizierten Art und Weise. Sie steht im Dienst der Erhaltung ungepanzerten Lebens bei ihm selbst und in seiner Umgebung. Nennen wir dies „natürliche Moral“. Bei gepanzerten Menschen erstarrt die Urteilsfähigkeit. Sie ist entsprechend der individuellen Charakterstruktur verzerrt. Moral verwandelt sich in Moralismus und beginnt der Erhaltung gepanzerten Leben zu dienen. („Editor’s Page“)

Der gegenwärtige Zerfall der Moral ist Ergebnis einer mißglückten Biologischen Revolution. Eine Revolution, die ungefähr 1960 ihren Anfang nahm. Die Menschen sollten freier sein, frei von alten Konventionen. Ergebnis ist jedoch nicht genuine Freiheit, sondern ein immer weiter um sich greifendes Chaos vermengt mit einer neuen Art von Moral, die das Lebendige vielleicht mehr einschränkt als jemals zuvor.

In seinem Aufsatz „Ideology is a Secondary Factor in Defining the Sociopolitical Spectrum“ (S. 58-79) führt dies Robert A. Harman weiter aus, indem er die autoritäre Tendenz orgonometrisch mit dem einfachen Gegensatz gleichsetzt:

und die antiautoritäre Tendenz mit dem antagonistischen Gegensatz:

In der autoritären Gesellschaft kommt es bei Konflikten zu einer direkten Auseinandersetzung, die zu einem im ganzen befriedigenden Resultat führt. Dinge werden beim Namen genannt und damit Konflikte lösbar (→←).

Im antiautoritären Neusprech hingegen werden zwar Begriffe verwendet, die auf Inklusion zu zielen scheinen (man wird beispielsweise nicht mehr mit dem Diktum „ungebildet“ ausgegrenzt, sondern man ist „bildungsfern“), doch tatsächlich läuft das ganze natürlich auf Vermeidung von Kontakt und auf „Spaltung“ hinaus, da die Probleme nicht mehr angegangen werden, sondern ihnen ausgewichen wird und sie sich so immer weiter zuspitzen (←→).

Der Abstand zwischen Gebildeten und Ungebildeten wird immer größer. Früher war der durchschnittliche „klassenbewußte“ Arbeiter erstaunlich gut unterrichtet, während man heutzutage bereits bei manchen Abiturienten das Gefühl hat, man unterhielte sich mit einem sprechenden Affen! Desgleichen mit dem Sozialstaat: alle Maßnahmen, die „den Armen“ helfen sollten, mündeten letztendlich in einer immer weiteren Verelendung („Elend“ ist etwas anderes als „Armut“!). Das „Aufnehmen“ fremder Ethnien, die keinerlei „Integrationsdruck“ ausgesetzt wurden, führte zu einer Spaltung, der Gesellschaft. Die Liste, um die Etablierung des antagonistischen Gegensatzes in wirklich allen Bereichen des Lebens zu illustrieren, ließe sich beliebig fortsetzen.

Oberflächlich betrachtet ging es beim Moralismus der autoritären Gesellschaft vor allem um Ausgrenzung („Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!“), darüber gibt es ganze soziologische Bibliotheken, doch tatsächlich, d.h. von der Bioenergetik her betrachtet, ging es darum die Menschen sozusagen „zusammenzuzwingen“, durch rigide Kleiderordnungen, Benimmregeln, etc. (→←). Die Moral diente schlicht dem Erhalt der Gesellschaft.

Entsprechend sieht es beim antiautoritären Moralismus oberflächlich so aus, daß im Gegensatz zu früher „niemand ausgegrenzt wird“. In Wirklichkeit läuft er aber darauf hinaus, daß sich die Gesellschaft in Gruppen spaltet, die nichts mehr miteinander verbindet und die keinerlei Kontakt mehr zueinander haben. Logisches Ergebnis wird der Bürgerkrieg sein. Man nehme die USA, wo, je mehr gegen den Rassismus gekämpft wird, sich desto mehr die „Rassen“ voneinander entfremden (←→). Die öffentliche Moral, der sich alle zu unterwerfen haben, ist ein Werkzeug der kommunistischen Subversion geworden!

The Journal of Orgonomy (Vol. 30, No. 1, Spring/Summer 1996)

15. August 2012

Der medizinische Orgonom Gary A. Karpf hat mit „Reactionary Socio-Political Traits in a Paranoid Schizophrenic Character“ eine Fallgeschichte präsentiert, die an den 15 Jahre später zu trauriger Berühmtheit gelangten norwegischen Terroristen Anders Behring Breivik gemahnt.

Der rechte Reaktionär sei, so Karpf, der sich wiederum auf Elsworth F. Baker und Reich bezieht, geprägt von stark mystischen Tendenzen, einem ausgeprägten Moralismus und er bewältige starke Ängste mit sadistischer kontraphobischer Aggression.

Karpf beschreibt einen Patienten weitgehend ohne soziale Fassade, d.h. er kümmerte sich kaum um andere, lebte sozial zurückgezogen und glaubte, daß andere ihn nicht mögen, weil er so „direkt“ sei. Er war voller Komplexe und Selbstzweifel und träumte davon, an der Seite „großer Heerführer“ sich bewähren zu können. Auch war sein „Denken“ vom Primärprozeß geprägt (beispielsweise „Neger = schwarz = schlecht = Schmutz“) und er hing mystischen Theorien an. Er glaubt an die Wiedergeburt und daß er beispielsweise einst an der Seite von Julius Cäsar kämpfte. Was seine Sexualität betrifft bevorzugte er das Masturbieren mit Phantasien von Dominanz. Geschlechtsverkehr konnte er nur ertragen, wenn er von hinten in die Partnerin eindrang, so daß er dominant und „im Kopf“ bleiben konnte. Seine Frau, die beiden Kinder und die gesamte Familie betrachtete er nicht als Individuen, sondern als bloße narzißtische Ausläufer seiner selbst. Jede Form von Zärtlichkeit war ihm fremd.

[Seine] Symptome und sein Auftreten stimmten mit der charakterologischen Diagnose einer paranoiden Schizophrenie überein. Obzwar er emotional sadistisch war, gab es keine Hinweise auf das Manipulieren von Menschen oder sozialen Systemen für lebensnegative Ziele, weshalb er kein pestilenter Charakter bzw. Faschist war. Das Vorliegen und die Schwere des Rassismus, Moralismus und Mystizismus rechtfertigte die zusätzliche Diagnose eines reaktionären soziopolitischen Charakters.

Nachdem er Vertrauen gefaßt hatte, gestand der Patient gegenüber Karpf seinen gegen Juden und Schwarze gerichteten Rassismus und seine mit diesem einhergehenden Phantasien, die um Folter, Erniedrigung und Mißhandlung kreisten. Gleichzeitig war sein Leben geprägt von Reinlichkeitsritualen, um nicht von der Umwelt „kontaminiert“ zu werden.

Beim Patienten hätte es, so Karpf, zwei Zustände gegeben: im ersten wäre die okulare Panzerung sehr ausgeprägt, was mit einem falschen Gefühl der Expansion und „rassischen Überlegenheit“ einherging; wenn diese okulare Panzerung nachließ, stiegen depressive Gefühle auf, die innere Konfusion wurde evident und sein Leben wurde desorganisiert. Entsprechend schwer, langwierig und für den Patienten gefährlich war die Auflösung des okularen Panzers!

Die soziale Isolation, der verschrobene „Kriegerkult“, der Mystizismus, der Narzißmus, die Gefühlskälte, der hohe moralischen Anspruch, die überwertige Idee „Rassenreinheit“ und nicht zuletzt die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie verbinden Karpfs Patienten mit Breivik, der sein von Mißerfolgen und Versagen geprägtes Leben nur zusammenhalten konnte, indem er immer mehr „in den Augen wegging“ und ganz in einer Phantasiewelt aus „Tempelrittern“ und verwickelten Verschwörungstheorien aufging.

Breivik ist nur Extrembeispiel der allgemeinen sozialen Tragödie, die mit der Panzerung des Menschen einhergeht. Je mehr sich die Menschen den politischen Rändern nähern, desto gepanzerter sind sie, insbesondere aber okular gepanzert. Sie werden zusehends unfähig klar und folgerichtig zu denken. Was gemeint ist, wird unmittelbar evident, wenn man in Internetforen, „dem engagierten Volk aufs Maul schaut“ (in diesem Fall „auf die Finger“): der nackte, sinnleere Wahnsinn grinst einen an. Karpf:

Am Ende der Analyse, d.h. mit einem Verstehen des einzelnen Menschen aus einer orgonomischen sozio-politischen Perspektive heraus, wird deutlich, daß das irrationale soziale Funktionieren während der gesamten Geschichte Ergebnis des gemeinsamen sozialen Funktionierens von Menschen mit Augen- (Gehirn-) Panzerung ist und weiterhin sein wird. Bis das beim Massenindividuum rückgängig gemacht wird durch eine verbesserte Betreuung von Säuglingen und Kindern, kann es keine umfassende Verbesserung im sozialen Verhalten und Funktionieren geben. Die Gesellschaft reproduziert sich, indem sie ihre Werte im Charakter des Einzelnen verankert. Umgekehrt verewigt der Einzelne die Gesellschaft.

Was die beiden, Karpfs Patient und Breivik, trennt, ist Breiviks Versuch andere zu manipulieren. Etwas, was bei Karpfs Patient fehlt. Breiviks Bluttaten sollten in Norwegen eine „Hetzjagd auf Kulturkonservative und Nationalisten provozieren“, deren Gegenwehr dann schließlich in der von Breivik ersehnten nationalistischen Revolution münden würde. Diese boshafte Hinterhältigkeit erweist ihn als pestilenten Charakter. Beispielsweise versuchte Breivik vergebens das Gericht und die Medien in seinen grandiosen Plan einzuspannen. Für einen derartigen manipulativen Pestcharakter und Faschisten ist Orgontherapie keine Option. Er ist prinzipiell untherapierbar ist.

Karpfs Patient hatte immerhin eine eigene Familie und eine Berufslaufbahn aufzuweisen, während Breivik, ähnlich fast der gesamten Führungsmannschaft des Nationalsozialismus, allen voran Hitler selbst, eine gescheiterte, berufslose Existenz ohne Kontakt zu Frauen fristete.