Podcast Episode: Wilhelm Reich, Orgontherapie und Gesellschaft
3. November 1957Reich in der Diskussion (Teil 4)
1. August 2026
Leserkommentare zu:
Zunächst mein eigener Sermon:
Manche Kritiker Reichs bemängeln, daß Reich in alter Freudscher Tradition dermaßen auf die Sexualität fixiert war, daß er das, frei nach Viktor Frankl, entscheidende Element seelischer Gesundheit ganz unter den Tisch fallen ließ: die Sinnhaftigkeit. Jemand, der keinen Sinn in seiner Existenz sieht und keine Motivation hat, muß psychisch kollabieren, während ein zölibatär lebender Mensch, der diese Voraussetzung erfüllt, wie etwa der Papst, bis zuletzt glücklich und zufrieden sein kann.
Gut. Schauen wir uns dazu folgende grundlegende Funktionsgleichung an:
Reich ging es darum die chronische ängstliche Kontraktion des Neurotikers (Sympathikotonie) aufzubrechen und eine von lustvoller Expansion bestimmte Existenz herzustellen. Diese leichte Parasympathikotonie ist der Normalzustand jedes Tieres und sollte auch bei uns vorherrschen.
Die Frage ist, wie man dort hinkommt. Die Antwort ist denkbar naheliegend: indem man lernt, die Angst zu ertragen (sich dem Leben stellt) und so nach und nach die Kontraktion überwindet. Die entscheidende Voraussetzung dazu ist ebenfalls offensichtlich: Motivation. Und die Motivation beruht auf der Aussicht auf zukünftige Lust.
Mystiker und etwa auch Kommunisten, die sich für den Wahn einer abstrakten „besseren Zukunft“ aufopfern, leben von dieser Hoffnung zukünftiger Lust. Sie sind bereit, dafür buchstäblich Hunderte von Millionen Menschen zu opfern! Dabei schwätzen sie von „Moral“ und davon, daß die Sexualität „nicht so wichtig“ ist!
- sagte 2013: “Es handelte sich um den Beginn der Orgon-Theorie. Fenichel und ich wagten nicht, uns anzugucken, denn kalte Schauer liefen uns den Rücken hinab.“
Ich mag mich ja irren, aber 1933 gab es noch keinen Beginn der Orgon-Theorie, weil es das Orgon noch nicht gab; dies enstand als Begriff 1939/40. Der Urgegensatz des Vegatativum war 1934 im enstehen, worüber sich die Herren unterhalten haben können und dies als „schizophrene Vorstellung“ betrachten.
Irgendwas kam Fenichel hier spanisch vor, was er als „schizophren“ versteht, wenn Reich dies noch mit einem Nachsatz wie „Kinder, wenn ich meiner Sache nicht so sicher wäre, würde es mich anmuten wie eine schizophrene Phantasie“ (Reich) kommentiert haben soll, dann hat Reich den Begriff selbst ausgedrückt, der im Gedächtnis haften blieb. Was war denn die „schizophrene Phantasie“? Das „Orgon“ war es noch nicht, sondern das eine biologische/bioelektrische Energie nachzuweisen wäre. Oder?
Darauf Robert: Naja, Reich hat seine Sachen erst dann veröffentlicht, wenn er sich seiner Sache absolut sicher war, also oft Jahre später. Er hat dann (1933) also sicher schon Vegeto-Therapie betrieben und gemeint, Libido wäre eine eigenständige biophysikalische Energie, die man evtl. am Hautwiderstand messen kann.
O.: Es war der hier genannte „erste Schritt“, der erinnert wird, verbunden mit genau der „Orgonthese“ (die später kam), als Reichs Untergang. Genau genommen ist es die Beschreibung der Funktion des Orgasmus als nachweisbarer Prozess, was nicht ertragen werden konnte. Solange es eine Theorie darüber gab, war noch alles einigemaßen ok, außer bei Freud. – Freud hätte ihn so oder so „gekillt“.
Renate fragte: Warum hätte ihn Freud „so oder so ‚gekillt’“ ?
Hatte den Eindruck, Freud war der einzige, der WR gegen Attacken verteidigt hatte (vor 1930), wo war dann der Bruch?
Sebastian: https://www.lsr-projekt.de/wrfreud.html#fueberr
O.: Meine schöne Erklärung hat sich im Äther verflüchtet ggrrrrr ….
Da nichts so ätzend ist, wie sich zu wiederholen, fällt die bessere Erklärung für Renate aus. Sorry.
Kurz gesagt: Reich und Freud inhaltliche Differenzen sind so groß, dass beide nicht zusammenpassten, was Freud sehr wohl bemerkte und Reich aber nicht sehen wollte.
Freud schmeißt Reich elegant raus (über Jones) und schmeißt ihn den Nazis zum Frass vor.
Die Freudsche Psychoanalyse passte hervorragend in die „arische Psychologie“, Reichs bessere Charakteranalyse hingegegen entarnte den Faschismus und wandte sich gegen Freuds Konzept der Triebsublimierung, um gesellschaftlich „besser“ zu funktionieren.
O.: Einerseits ging er auf Nummer sicher und hat später veröffentlicht. Die bioelektrischen Untersuchungen kamen aber erst nach 1933 – nämlich 1934 in Oslo als er dort die Geräte hatte.
Andererseits:
Sein „Orgon“ hat er in Anmerkungen erst im Nachhinein noch eingearbeitet in der 2. oder 3. Auflage der Charakteranalyse, die Zwischenphase der Vegetotherapie wird dadurch geschmälert und ein theoretisches Chaos entsteht durch mangelnde Abgrenzung der Phasen zum Nachteil der Orgontherapie, wie ich finde.
Robert: Aber die Hinweise von Sterba und Gerö lassen das Indiz zu, dass er schon angefangen hatte, in diese Richtung zu forschen. Wir wissen nicht, wann er erste Hypothesen diesbezüglich aufstellte, z. B auf der Nässetheorie von Kraus, die er schon in den Zwanziger Jahren laß.
Klaus schrieb 2011: „Es hat sogar ‚Satanisten’ gegeben, die sich auf Adler beriefen!“
Mag sein – besagt aber nicht viel. Man kann so viel Schauriges für „…“ einsetzen in „Es hat sogar … gegeben, die sich auf Reich beriefen!“
„Der Witz bei der ganzen Angelegenheit ist, daß Reich selbst bei sich von Anfang an, konstatierte, er stünde ‚draußen vor’.“ Ja ja, das behaupten allerdings so viele notorische Einzelgänger von sich, die sich für etwas ganz Einzigartiges halten, und spricht nicht für irgendetwas Relevantes.
Warum sich so sehr mit dem Mann Reich befassen und nicht eher nur insofern mit ihm, als es Beobachtung und Deutung interessanter Phänomene formulieren hilft?
Klar, das eine schließt das andere nicht aus; der Kult um IHN ist aber schon nervig genug und Wasser auf die Mühlen der Turners usw.
O.: Leute, die über vermeintliche Persönlichkeitsmerkmale anderer – hier über Reich – reden, sind mir suspekt. An anderer Stelle geäußerte und auch nicht neue Meinung Reich habe viele Frauen um sich gehabt oder die Frauen seien fasziniert von ihm gewesen, nun das halte ich für völlig normal für einen normal entwickelten Menschen. Wer das betonen muss, dem fehlt offensichtlich selbiges und sollte sich diesen Mangel mal anschauen. Das geht jetzt nicht direkt an Turner, der dies als Argument brachte, weil mich seine „Frauengeschichten“ eh nicht interessieren und bei einer solch unqualifizierten Bemerkung, ich ihn bemitleiden müsste.
Reich hatte nicht außergewöhnlich viel Frauen und hatte, was viel auffälliger war, doch schon in der psychoanalytischen Phase, sehen wir vom Altherrenclub einmal ab, und wohl auch in Berlin und Norwegen deultich viel attraktive und intellektuelle Männer um sich. Hieraus ist auch kein besonderer Schluss zu ziehen, außer dass auch diese Männer für Frauen eine Faszination gehabt haben dürften.
Männer, die stets auch (!) von Frauen umgeben sind, die ihnen zugeneigte sind, interessieren sich am wenigsten für dieses Phänomen, um nicht zu sagen, bekommen das meist auch gar nicht mit. Darüber mögen so manche Männer sich dann wundern und eifersüchtig werden. Viel Hass und Kontaktabbruch zwischen Männern kann hieraus resultieren, möglicherweise ist dies auch eher Reichs Problem geworden, dass die „konkurrierenden“ Männer sich in übler Rede selbst post mortem noch rächen wollen. Möglicherweise geht es gar nicht um den ORAC oder das Orgon, welches für die meisten ien Abstraktum bleibt, sondern um ihre eigenen geringe Anerkennung, die sie in ihrem Leben erhalten haben, speziell von Frauen und sich selbst als nicht liebenswert betrachten. Adler hätte dies in seinen Großgruppen themaisieren können. Das dahinterliegende Problem wäre dann wieder auch das der Sexualität geworden, ein Thema, das vorraussetzt, dass man welchen haben kann. Doch ohne ein Selbstwertgefühl wird man sich dem eigenen Gefühl, keine Chance gegenüber dem anderen Geschlecht zu haben, nicht stellen können.
Das Problem homosexueller Psychoanalytiker, die sich dann in die „verschmähte Mädchenrolle“ einordnen und ihren Hass ausagieren, will ich hier nicht ansprechen, dies hat sicherlich zur Zuspitzung der Problematik geführt.
Betrachtet man die Rolle der Frau innerhalb der Orgonomie, so spielen (von der Museumsleiterin ein mal abgesehen), die Frauen eine unterstützende und sich unterordnende Rolle. Nun das wäre mal auch für Kritiker ein interessantes Thema gewesen, aber offensichtlich sind sie immer nur an der Abarbeitung ihres Minderwertigkeitsgefühls orientiert, ohne dies auflösen zu können. Turner könnte sich mal fragen, wie männlich kommt er in seinem Reichroman rüber? Welche Frau wird so etwas lesen wollen? Frauen würden wohl eher etwas über die Psychologie oder Körpertherapie erfahren wollen, jedoch nicht „Eh, seht her, der Mann war ein Frauenliebling und schizophren! Nur damit alle, die nichts über ihn wissen, das nun endlich mal wissen.“ – So bleibt ein Autor doch single und kann mit seinem „orgasmotron“ spielen oder auf einen „Spontanorgasmus“ warten, der irgendwann dann tatsächlich doch eintritt – ohne einen auslösenden Reiz oder erkennbaren Anlass. Das kann dann auch beim Anblick der BILD-Zeitung passieren.
Darauf Peter: Barbara Koopman, Louisa Lance, Conny Huthsteiner, Irmgard Bertelsen, etc.
Peter: Barbara Koopman (einst zweite Frau des ACO, heute unabhängig), Louisa Lance (erst ACO, dann IOS, heute unabhängig), Conny Huthsteiner (IOS), Irmgard Bertelsen (erst ACO, dann IOS), etc.
Jonas: Sind all diese Damen in den USA ansässig, oder auch in Europa? Meines Wissens gibt es zwei Orgonominnen in Griechenland, und ansonsten noch Frau Fuckert in Waldbrunn. Würde mich interessieren, ob es noch mehr in Europa/Deutschland gibt.
Peter: Alles Ami-Frauen. Ansonsten weiß ich von keinen weiteren Therapeutinnen, nur das welche in Ausbildung sind. Das weiß ich aber nichts genaueres. Vor dem Facharzttitel halten Ärzte ihr Reich-Interesse eh geheim!
O.: Nun mir fällt eine andere Frage ein: Wie alt sind die Damen? Ist eine noch unter 40? Ich denke mal, dass es zu wenig Nachwuchs gibt. Und als 30-Jähriger zu einer 60-Jährigen Therapeutin zu gehen, passt auch nur schlecht.
- weiter: Bitte keine Gerüchte in die Welt setzen: Fr. Dr. Buhl und Fr. Dr. Fuckert mögen Medizinerinnen sein, sie sind nicht vom ACO therapiert oder ausgebildet worden. Die Zertifikate möchte ich dann aber sehen. Eva Reich hat nie von einer Ausbildung bei ihrem Vater gesprochen, wir sind ja hier nicht in der Psychoanalyse bei den Freuds, wo der Vater die Tochter analysiert.
Barbara Koopman gehörte zum ACO. (s. JO) spielt aber keine führende Rolle, sondern bleibt „brav“ untergeordnet. (Baker, Blasband)
Eine „Schülerin“ von H. ist eben auch untergeordnete Schülerin will ich mal behaupten ohne zu wissen, wer sie ist. Von den anderen Damen habe ich auch noch nichts gehört, von daher scheinen sie in keinen führenden Positionen zu sein.
Es gab auch andere Ärtzinnen, aber das Studium macht sie meiner Ansicht nach nicht zu „führenden“ Persönlichkeiten, sondern lassen sie auch nicht aus der untergeordneten Rolle gegenüber Männern hervorstechen, insbesondere gegenüber ihren eigenen Partnern.
Robert: „Das Problem homosexueller Psychoanalytiker, die sich dann in die „verschmähte Mädchenrolle“ einordnen und ihren Hass ausagieren, will ich hier nicht ansprechen, dies hat sicherlich zur Zuspitzung der Problematik geführt.“
Es ist sowieso ein Wahnsinn, Perverse als Therapeuten auszubilden.
O.: Wenn es damals schon eine Ausbildung gegeben hätte, da gab es die Lehranalyse und fertig war der Therapeut.
Robert zu Rattner: Ich habe in den Siebzigern eine Menge Rattneranhänger kennengelernt, meist waren es Dipl-Psychologen/Innen oder LehrerInnen. Es war eine ganz normale Strömung zu der Zeit und sicherlich noch keine Sekte oder Guru-Fangemeinde.
Rattner ist zu verdanken, dass er viele Menschen mit der Tiefenpsychologie bekannt machte, die zu der Zeit noch weit unbekannt war oder falsch dargestellt.
Heutzutage wird die Tiefenpsychologie als eine minderwertige oder veraltete Strömung in der Psychologie angesehen und durch Pharmaka oder Kognitive Psychologie ersetzt (alles läuft nur im Gehirn!).
Einer seiner Anhänger meinte zu mir, es gäbe kar keine Libido, worauf ich fragte, und was ist mit dem Sexualtrieb?
O.: Tiefenpsychologie scheint nach neuerer Rechtslage zum berufsrechtlichen Verbot für Diplom Psychologen, die Psychotherapie ausüben zu können, einseitig als „Psychoanalyse“ definiert zu sein.
Dies ist historisch völlig falsch. Tiefenpsychologie ist ein Oberbegriff unterschiedlichster psychologischer und philosophischer Theorien, zu denen später auch die Psychoanalyse von Freud zählte. DAmit nicht nur die Psychoanalyse (PA) als Richtlinienverfahren anerkannt wurde, sondern auch Adlers Indiviualpsychologie und Jungs Analytische Psychologie wird die „Tiefenpsychologie“ erlaubt, die von Eugen Bleuler wieder popularisiert wurde. Mesmer und Reich würden hier genauso reinpassen, weswegen diese Therapien auch von der Kasse zugelassen wären. Da die Lobby um Prof. Grawe aber definiert, was wissenschaftlich fundiert sei, gelten nur Verhaltenstherapie (VT) und nochmals VT und mit geschlossenen Augen und Schmerz verzerrtem Gesicht auch PA.
Tiefenpsychologie ist schon sehr alt über 200 Jahre. Man kann argumentieren, das die PA keine Wirkung besäße. Dann sollte man auch erwähnen dürfen, das VT keine Therapie ist, sondern eine Verhaltensmodulation.
Faktisch gibt es in der BRD keine Psychotherapie mehr und der Ausspruch eines Prof. Eysenk wird Realität: Psychotherapie wirkt nicht. Daher kann man getrost alle Kosten für Psychotherapie einsparen, da Deutsche im Gegensatz zum Ausland keine Psyche (oder auch Seele genannt) haben. Es ist eben alles irgendwie somatisch und gehirnphysiologisch erklärbar und mit Medikamenten zu behandeln.
Die dt. Psychotherapie besteht modern aus drei Phasen: Aufnahmegespräch – Placebo – Entlassungsgespräch.
Wobei ein Placebo wissenschaftlich erwiesen mindestens genauso, wenn nicht wirksamer als ein Medikament ist.
Demnach besteht die dt. Orgontherapie modern auch aus drei Phasen:
Aufnahmegespräch – ORAC – Entlassungsgespräch.
Die Therapiedauer würde dann ca. 2 Stunden betragen.
Nun, es gibt natürlich auch die klassische Variante der Orgontherapie, die noch mehrere Jahre für die Therapie benötigt, aber so etwas wäre in Deutschland ja nicht nötig, da man die Blackbox der Psyche nicht unnötig überschätzen sollte.
Selbst Reich redete ja gegen Ende seiner therapeutischen Entwicklung nicht mehr von „Psycho-„, sondern Biotherapie zur Behandlung der Biopathie, statt Psychopathie.
Nun sicher wird diese moderne Sicht der „Psychotherapie“ nicht jedem gleich gefallen, aber man wird sich an alles gewöhnen können. Das Diplom wurde auch an den meisten Universitäten abgeschafft und durch Bachelor und Master ersetzt.
O.: Zu mir ist nie etwas durchgedrungen, vielleicht habe ich auch erfolgreich nicht mehr zugehört. Und was über einen selbst geredet wird, soll man ja eigentlich nicht erfahren. Ich würde auch auf Gerüchte nichts geben, sondern eine Person selbst kennenlernen wollen. Respekt bekommt eine Person, wenn sie authentisch ist in meinen Augen, ohne sich mit falschen Titeln aufzublasen und mir ist der Status eines Menschen völlig egal.
Im Gegenteil kann ich diese „ich bin Orgonom“ Haltung, weil ich eine Ausbildung gemacht habe (was meist nicht stimmt), nicht leiden. Das ist klarer Etikettenschwindel, weil es diesen Titel überhaupt nicht gibt. Bei Reich kann man nachlesen, was ein Orgonom ist. Da könnte die auch sagen „ich bin ein Bion, ausgebildet unter dem Mikroskop“.
Ferner gibt es auch keinen, der sich rühmen könnte die Orgonomie zu vertreten, außer Herr Nasselstein, der seit vielen Jahren sich hierum bemüht und dies nur auf theoretischer und inhaltlicher Weise macht. Auch Herr Dr. Müschenich hat nicht den Ansrpuch erhoben, die Orgonomie zu vertreten. Die Wilhelm Reich Institutionen usw. in Deutschland sind esoterische Fakes! Sie sind inhaltlich eine Schande für Wilhelm Reich und von ihm nicht authorisiert worden. Sie folgen auch nicht den Grundsätzen von ihm. Jeder Mensch ungeachtet seines Berufes hat das gleiche Recht sich dieser Titel zu bedienen, nur haben diese mehr Anstand, dies nicht zu benutzen, als die, die es tun.
David: In dieser Gesellschaft kann man, Baker zufolge, eh nur mit Einschränkung ein genitaler Charakter sein, nur ein „funktioneller genitaler Charakter“, d.h. man würde nur unter denkbar guten Bedingungen wie ein mustergültiger genitaler Charakter funktionieren – wenn Schwierigkeiten auftreten, fiele man früher oder später in seine alten neurotischen Verhaltensmuster zurück.
Das mit dem Rückfall wird wohl tatsächlich so sein – ich muss auch daran denken, wie berichtet wurde, dass während des Oranur-Experiments Rückfälle körperlicher Erkrankungen – an der biologisch schwächsten Stelle – aufgetreten sind.
O.: Baker bleibt mir zu allgemein: Ich kann dann sagen, ja – er hat da Recht (Irgendwo und irgendwie).
1. Das Erreichen des Genitalen Charakters ist ein Abstraktum, ein Ideal, dass keiner erreichen kann.
2. „Unter denkbaren guten Bedingungen …“, Wo soll es so etwas geben? Wieder ein Abstraktum und Ideal.
3. Ein „fertig therapierter“ Mensch wird nicht in die alten neurotischen Muster zurückfallen, da er sich schon strukturell weiterentwickelt hat, sonst wäre die Therapie wirkungslos gewesen.
4. Der therapierte Mensch muss zurück in die Familie …(aber nicht unbedingt) und in die Gesellschaft und wird dieselben Bedingungen vorfinden, die ihn geprägt und krank gemacht haben. Günstigerweise hat er den Arbeitplatz gewechselt und sich einen besseren besorgt oder einen für ihn günstigeren Weg eingschlagen. Dennoch wird er sich wieder verhärten müssen und seine Panzerung aufbauen und auch als Erwachsener ist er nicht viel kompetenter als er es als kompetenter Säugling war. Eva Reich hat immer gewarnt vor einer Auflösung der Blockaden (Panzerung) bei Säuglingen und Kindern, da sie in die gleiche Umwelt zu ihren neurotischen Eltern zurückkehren und sich nur stärker panzern müssen, um zu überleben. Tendenziell trifft das auch jeden therapierten Klienten. Es muss also auch nach der Therapie eine jahrelange Nachsorge geben, darüber wurde noch nicht nachgedacht!
Das Oranurexperiment war ein Schock und traf unvorbereitet. Oranur auch im kleinen wird den Körper immer treffen – und die Therapie oder ein Erreichen des Genitalen Charakters würde nichts nutzen, wie es auch vor Gift nichts nützt. Es aktiviert alte Wunden und Schwächen, trifft an den schwächsten Stellen zuerst.
Diese Einflüsse haben wir heute dauerhaft. Die Frage wie wir uns davor schützen können, wird zu wenig gestellt und beachtet. Die überkommene Vorstellung, dass man durch Körpertherapie „härter“ wird und nicht mehr so sensibel gegen Oranureinflüsse, dürfte dem therapeutischen Ziel widersprechen.
Baker meinte wohl: Ein Mensch kann auch (Jahre) nach einer Therapie bei einer Krise – meist geht es um das Thema Liebe (Entzug und Zurückweisung) – wieder in dem für ihn typischen Muster reagieren. Er durchlebt dann, genau wie in der Therapie sein Drama neu und intensiv. Es ist zu hoffen, dass er hier wieder alleine rausfindet oder sich Hilfe holt. Dies ist ein normaler Vorgang, eine Therapie gibt nicht die Garantie, das man nicht mehr im Leben leiden muss. Der Mensch stellt sich wieder seinen Problemen neu und kann sie hoffentlich besser lösen.
Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 4. Sexualökonomie, e. Sexualökonomie und Ökonomie
31. Juli 2026Der unmöglich zu schreibende Blogeintrag über Orgontherapie
30. Juli 2026Ich wollte diesen Blogeintrag schon des längeren schreiben, habe aber immer wieder gezögert, weil ich aus naheliegenden Gründe Namen weder nennen kann noch will. Das öffnet natürlich Fehlidentifikationen und Gerüchten Tür und Tor… Wie man’s macht, macht man es verkehrt! Es geht im folgenden um geschlechts- und nationslose Orgontherapeuten, alphabetisch aneinandergereiht. Dabei handelt es sich explizit nicht um irgendwelche „Reichianischen Therapeuten“ oder selbsternannte „Orgontherapeuten“, sondern tatsächlich um Ärzte, die von Reich oder seinen direkten Schülern ausgebildet und explizit als Orgontherapeuten autorisiert worden sind.
Da wäre erstmal A, der seine Patienten unterschiedslos nach dem Schema F behandelte: atmen und ausagieren lassen. Als nach As Tod B und C dessen Patienten übernahmen, waren sie einfach nur entsetzt. Von Charakteranalyse oder der naheliegenden Einsicht, daß das Ausagieren (wildes rumstrampeln) ein Weglaufen vor tieferen Gefühlen sein kann und deshalb in diesem Fall das diametrale Gegenteil einer Orgontherapie darstellt, konnte keine Rede sein. A war alles mögliche gewesen, aber definitiv kein Orgontherapeut!
Nach dem Tod von B übernahm D dessen Patienten und stellte mit einiger Verwunderung fest, daß B an sich das gleiche getan hatte wie zuvor A. Zwar auf einem weitaus höherem Niveau, aber der Effekt war derselbe: die Patienten wurden an die Therapie gebunden, weil sie sich besser fühlten, etwa so wie man sich nach irgendwelchen „fernöstlichen Praktiken“ besser fühlt. Sie kamen gerne zur Therapie, aber von einer charakterlichen Umstrukturierung („Entpanzerung“) konnte teilweise jahrzehntelang kaum die Rede sein. Bei C hatte E die Patienten übernommen und stellte bei manchen eine falsche Charakterdiagnose fest, so daß die Therapie bei C ihnen eher geschadet als geholfen hatte.
Schließlich wäre noch F zu nennen, der nach Jahrzehnten der Orgontherapie-Praxis etwas verwundert feststellte, daß er am Ende der jeweiligen Therapie, also beim Öffnen des Beckens, praktisch nie auf die dramatische „Endverschlechterung“ gestoßen war, von der Reich und Baker gesprochen hatten, und bei kaum einem seiner Patienten war der Orgasmusreflex aufgetreten. Da fragt man sich, ob er je wirklich Orgontherapeut gewesen war oder nicht einfach nur ein netter „bioenergetisch orientierter“ Psychiater, der seine Patienten „heilte“, indem er sowas wie ein „Ersatzelter“ war, bei dem sie die Patienten puddelwohl fühlten. Von Fs Schülern schweigen wir lieber und erst recht von G, der jeden zum „Orgontherapeuten“ ausbildete, der nicht rechtzeitig auf einen Baum klettern konnte…
Ich hätte beinahe geschrieben: Wenn ich das Wort „Orgontherapie“ höre, entsichere ich meine Pistole… Das wäre nicht mal übertrieben, denn ich könnte Horrorgeschichten erzählen bzw. besser nicht… Ich wurde immer wieder gefragt, warum ich so „fanatisch“ und absolut kompromißlos das American College of Orgonomy unterstütze. Die Antwort ist einfach: ohne Elsworth F. Baker und Charles Konia würde es auf diesem Planeten keine Orgontherapie mehr geben! Ja, die Voraussetzungen (Ausbildung zum Arzt, dann Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und danach noch zusätzlich Ausbildung zum medizinischen Orgonom) ist geradezu unmenschlich aufwendig, die lebenslange Supervision außergewöhnlich, aber leider absolut notwendig.
Bernd A. Laskas LSR-Projekt und Wilhelm Reichs Charakteranalyse
29. Juli 2026In den 1970er Jahren hat Laska die Wilhelm Reich Blätter herausgegeben. Auffällig war, wieviel Raum er Reich-Kritikern gab bzw. diese nicht als mediokre Ignoranten und „pestilente Charaktere“ vom Tisch fegte. Sie hatten uns offenbar etwas zu sagen! Vielleicht mehr als all die Reich-Fans…
Es ist ja nicht nur das Ausweichen vor dem Wesentlichen, sondern etwas, worauf Laska, angefangen mit der Analyse der diversen Kritiken an Reich, insbesondere abgehoben hat: daß dieses Ausweichen eine absolut geniale unbewußte Intelligenz zeigt. Mit traumwandlerischer Sicherheit verweist die Abwehr auf den Knackpunkt des Abgewehrten. Darauf beruht das LSR-Projekt: der Feind erledigt meine Arbeit. Der Feind ist unsere eigene Frage als Gestalt. Der Feind offenbart uns unsere Wahrheit, unsere Identität, führt uns zu unserem Triumph über den Feind. Er will von uns aus der Lüge erlöst, ähnlich wie der Masochist aus seiner prekären Lage befreit werden. Charakteranalyse!
Bei so kurzen Blogeinträgen verlohnt etwas Kunst im digitalen Raum: Bild 20
Peter liest die Übersetzung REICH ÜBER FREUD (Teil 3)
27. Juli 2026Mittlerweile kenne ich keine Edition von Reichs Werken (abgesehen von Christian Fernandes‘ Neuausgabe von Christusmord), die nicht ein bedrückender Alptraum wäre. Eine klare Manifestation der Emotionellen Pest, die wenn nicht bewußt, dann unbewußt alles tut, um gegen die Genitalität, d.h. Wilhelm Reich vorzugehen! Offenbar wirkt in dieser universellen Sabotage ein tiefsitzender Widerstand gegen Reich, ein tiefsitzendes „Nein!“.
Die ganze editorische Problematik sieht man allein schon an dem Artikel „The Source of the Human ‚No‘“, den Reich 1955 in Elsworth F. Bakers Zeitschrift Medical Orgonomy veröffentlichte. Es handelt sich dabei um einen Ausschnitt des Eissler-Interviews. Als Higgins das 1982 in dem zusammengeklaubten Buch Children of the Future erneut veröffentlichte, war das merkwürdigerweise eine andere Version…
Warum haben Higgins und Raphael die Stelle mit dem „Gesellschaftsjesus“ („Society Jesus“) unterschlagen? (Higgins/Raphael, S. 60; Psychosozial, S. 73).
Manchmal ist die Übersetzung merkwürdig ungelenk. Beispielsweise wird aus: „In other words, if your destructiveness is just inhibited and you turn it against yourself and eat yourself up inside, then I agree with you fully“ (Higgins/Raphael, S. 72) – das folgende: „Wenn die Destruktivität gehemmt ist, und man sie gegen sich selbst wendet, weil man sich innerlich auffrißt, gewissermaßen – um es in einfachen Worten zu sagen –, dann stimme ich Ihnen vollkommen zu, ja“ (Psychosozial, S. 82). Das „Ihnen“ leitet fehl, da es aus Eissler einen Todestriebtheoretiker macht, was definitiv nicht gemeint ist. Warum „Ihnen“ nicht einfach streichen? Das vermeintlich so schlechte „Übersetzerkollektiv“: „wenn der Destruktionstrieb nur gehemmt ist, und er sich gegen die eigene Person richtet, man sich selber innerlich auffrißt, dann stimme ich mit ihnen vollkommen überein“ (Raubdruck, S. 47).
Über Karen Horney und ihre Theorie sagt Reich: „But without sex, without libido, without any bio-energy, without anything. She did a good job in taking many things“ (Higgins/Raphael, S. 74). Daraus wird im Deutschen das diametrale Gegenteil: aus einer pestilenten Diebin wird eine gute Arbeiterin! „Aber ohne Sex, ohne Libido, ohne jegliche Bioenergie, ohne all das. Sie hat eine gute Arbeit geleistet, um vieles zu erfassen“ (Psychosozial, S. 84). Im Original beklagt sich Reich darüber, sieht aber ein, daß das eh sinnlos ist. Folgt man der im Psychosozial Verlag erschienenen neuen deutschen Übersetzung wäre diese, seine Beschwerde sinnlos, da sie ja viel erfaßt und dabei gute Arbeit geleistet hat! Richtig wäre: „Aber ohne Sex, ohne Libido, ohne jede Bioenergie, ohne alles. Sie hat es verstanden, sich viele Sachen anzueignen“ (Raubdruck, S. 49).
Wie sehr Higgins und Raphael Reich verstümmelt haben, sieht man an diesem Beispiel:
You see, you couldn’t get at the mental-hygiene problem with ideas such as the oedipus complex. You couldn’t get at it. It didn’t make sense. What made sense was the frustration, the genital frustration of the population. Adolescents get frustrated. There is misery in marriage. Why is it so? How does it work? What can we do about it? And, here, you hit upon the social problem – the institution of marriage, laws, Catholic dogma, birth control, and all kinds of social stuff. Here we see sociology out in the open. (Higgins/Raphael, S. 79)
Hier, was die deutschen Übersetzer aus dem Transkript übersetzten:
R.: (…) Sehen Sie, man konnte an das Problem der mentalen Hygiene nicht mit Ideen wie dem Ödipuskomplex herangehen, verstehen Sie? So konnte man nicht herangehen Es machte keinen Sinn und führte zu nichts. Was Sinn macht bezüglich der mentalen Hygiene ist zuallererst die Frustration, die genitale Frustration der Bevölkerung im allgemeinen zu betrachten. Ist das klar?
E.: Ja.
R.: Es ist glasklar. Jugendliche sind generell frustriert Es gibt ein Elend in der Ehe. Wie entsteht das, wie funktioniert das, und vor allem, was kann man dagegen tun? Und hier trifft man sofort auf das soziale Problem, und auf das der Institution Ehe, des Gesetzes, der Gesetze sowie auf andere soziale Themen, auf das katholische Dogma, die Empfängnisverhütung auf direktem Weg, unmittelbar. Sofort. Und so weiter. Hier liegt die Soziologie offen vor uns. (Psychosozial, S. 87)
Englisch: „The admission of lay analysts into natural scientific psychoanalysis was a very great mistake” (Higgins/Raphael, S. 87). Deutsch: “Die Zulassung von Laienmedizinern zur naturwissenschaftlichen Psychoanalyse war ein sehr großer Fehler“ (Psychosozial, S. 94). Woher, um alles in der Welt, kommt das absurde Wort „Laienmediziner“?! Von Reich? Warum nicht schlicht: „Die Aufnahme der Laienanalytiker in die naturwissenschaftliche Psychoanalyse war ein großer Fehler“ (Raubdruck, S. 57).
Und: Wo ist die „Nachschrift“ Reichs an Eissler, die sich bei Higgins/Raphael und im Raubdruck findet, in der Reich nochmals auf den Inhalt des Gesprächs eingeht und Korrekturen anbringt, die sich aus seiner Lektüre der Freud-Biographie von Ernst Jones ergaben? Die Korrekturen betrafen Freuds Jüdischheit, seine vermeintliche genitale Gesundheit und die Libido als tatsächliche physische Energie.
Peter liest die Übersetzung REICH ÜBER FREUD (Teil 2)
26. Juli 2026Hier ein weiteres Beispiel, dafür, wie die beiden Editionen voneinander abweichen: „It drove me into the world outside, into sociology. From now onward, the great question was: ‘Where does that misery come from?’ And, here, the trouble began. While Freud developed his death-instinct theory…” (Higgins/Raphael, S. 42). Deutsch: „…in die Welt hinaus, d.h. in die Soziologie. Dort fing es an. In der Welt da draußen. ‚Woher kommt dieses Leid?* Während Freud seine Todestheorie entwickelte…“ (Psychosozial, S. 60f). In der Fußnote heißt es: „* Hier ist im Orinaltext eine handschriftliche unleserliche Anmerkung [Anm. d. Übers.].“ Haben Raphael und Higgins sie entziffert? Warum haben die Übersetzer das nicht übernommen? Frust!
Beispielseise finden sich auf S. 61f der deutschen Übersetzung Sätze, die ich das erste Mal in meinem Leben lese, was nichts anderes bedeutet, als daß Higgins und Raphael eine zusammengestrichene Version des Interviews veröffentlich haben (Higgins/Raphael, S. 43f). Und zwar Passagen, die zentral sind, um die Auseinandersetzung zwischen Reich und Freud zu verstehen. Oder man nehme in Bezug auf C.G. Jung: „He really meant the energy in the universe, a universal libido“ (Higgins/Raphael, S. 88). In der deutschen Ausgabe lerne ich erst jetzt, daß Reich das deutsche Wort „All-Libido des Weltalls“ verwendete (Psychosozial, S. 95), etwas was Raphael und Higgins einfach unterschlugen. Das ist unterhalb jedes akademischen Niveaus! Oder Reich erwähnt in der deutschen Ausgabe, er habe sein Bild vom „Reh auf dem Feld“, während sich die Feinde des Lebens im Gebüsch verstecken, schon einmal gebrauch, vielleicht „irgendwann im Jahre 1930“ (Psychosozial, S. 105). Das ist wichtig, weil es über zwanzig Jahre beispielsweise in Christusmord wiederuftaucht. Davon kein Sterbenswort bei Higgins und Raphael (Higgins/Raphael, S. 101).
Ich muß bei sowas immer daran denken, was Higgins in ihrem Vorwort zu Reichs Ausgewählte Schriften (S. 10) aus dessen Testament ausdrücklich zitiert hat: „daß unter keinen Umständen und unter keinem Vorwand irgendein Dokument, Manuskript oder Tagebuch (…) geändert, gekürzt, zerstört, ergänzt oder sonstwie verfälscht wird“. Auf S. 111 der Higgins-Edition fehlt ein ganzer Absatz – ohne jedwede editorische Anmerkung (siehe Psychosozial, S. 114)! Und ich habe das ganze nur stichprobenmäßig geprüft. Es ist schlichtweg UNGLAUBLICH, was das Horrorteam Higgins/Raphael sich da geleistet haben. EINE ABSOLUTE FRECHHEIT!!
Und dann sind da Rätsel wie: „I wasn’t promiscuous. I did not do immoral things. In general, it was always clean and clear“ (Higgins/Raphael, S. 111). „Ich war nicht promiskuitiv. Ich tat nichts Unmoralisches. Natürlich geschahen Dinge, die nicht ganz so menschlich waren, aber im Allgemeinen war alles immer sehr sauber und klar“ (Psychosozial, S. 114). Man sieht: Higgins und Raphael haben den Text verstümmelt, gleichzeitig fragt man sich aber, ob man der deutschen Übersetzung trauen kann! Es geschahen Dinge, die „nicht ganz so menschlich waren“? Hä?!
Oder Higgins/Raphael, S. 113-115 – mit Ergänzungen aus der Psychosozial-Edition, S. 116-118 (hier fett gedruckt):
When I worked in the socialist and the communist groups in Vienna from 1927 to 1930, the analysts said that I was a communist. It was a handy tool for my enemies, you know. I wasn’t a communist. I wasn’t a Marxist. I understood Marx, but I saw that Marxism, as I proved in my writings, was insufficient to handle the problems. Das hat stark mit Freud zu tun. Ich habe dies sehr oft und tiefgehend mit Freud in den Jahren 1927 bis 1928 besprochen. Gleich nach dem Aufstand in Österreich, am 15. Und 16. Juli. Damals entschied ich, etwas in der sozialen Szene [„soziale Szene“?!, PN] zu tun. Zuerst gab es Freud und Federn. – haben [sic!] Sie die Papiere, die Dokumente, die Briefe von 1933 gesehen, in denen Federn mich bittet, in Österreich nicht mehr vorzutragen? Haben Sie sie gesehen?
Dr. E.: Ich erinnere mich an sie.
But the analysts were already afraid of the „social consequences.“ If I had known where it would lead, I would have been afraid, too. But I didn’t, you see. I was determined to go right after the problem. There was the marriage situation. Infantile genitality. The puberty, the adolescent situation. These are the crucial points of mental hygiene. I am still at it. But, this time, on a much deeper level, much deeper. I don’t work on the psychological level anymore. It is biology, today, die Biologie der Menschheit.
Now, about the communists: I was never a communist in the usual sense. I was never a political communist. I would like to have that fully on record. Never. Oh, yes, I worked in the organization. I worked with them. I believed that capitalism was bad, but I don’t believe, today, that the misery stems from capitalism. The misery is older than capitalism. Aber ich war niemals Kommunist – ich war niemals ein politischer Kommunist. I tried hard to get psychology, especially psychoanalytic psychology, into sociology. And I succeeded. I don’t say that I did it all, of course. Bernfeld began it about 1925, but he dropped it. I continued in 1927. Haben Sie Fragen?
Dr. E.: Nein.
Dr. R.: Und ich war niemals Mitglied der Kommunistischen Partei. In Austria, I worked with the communists, but I was in the Arbeiter Hilfe. Erinnern Sie sich?
Dr. E.: Ja.
In Germany, I belonged to the socialist physicians under Simmel. I worked with the communist faction because of the new laws in Russia—the sexual laws. Freud was all for it. Today, everybody is for it except the Russians, who dropped it long ago. Und wie es damals im sowjetischen Rußland war, ist es heute in den USA eine Tatsache. Ist das klar? Nicht alles wurde rückgängig gemacht, aber das meiste. Somehow, the world has split up. You see, there was this tendency in the late twenties to unite psychology and Marxism, or psychoanalysis and Marxism. Erinnern Sie sich daran? Das war Ende der 20er Jahre.
Peter liest die Übersetzung REICH ÜBER FREUD (Teil 1)
25. Juli 2026Reichs Interview mit Eissler dreht sich (jedenfalls aus REICHs Perspektive) einzig und allein um die Genitalität. Das Thema Freud ist nur ein Anlaß, um „on the record“ zu gehen. Reich beschreibt, wie beeindruckt er 1919 in dieser Hinsicht von Freud war: „He couldn’t possibly have been [genitaly] disturbed“ (Higgins/Raphael, S. 17). Was machen 2026 die Übersetzer der deutschen Ausgabe daraus? Das GEGENTEIL, ein neurotisches Wrack: „…und daß er [also Freud] unter keinen Umständen beunruhigt werden konnte“ (Psychosozial, S. 42). In der ach so schlechten Übersetzung des „Übersetzungskollektivs“ von 1969 heißt es richtig: „Er konnte unmöglich gestört sein“ (Raubdruck, S. 11).
Rätsel gibt folgender Satz auf, in dem Reich die zweite Silbe von „Modju“ erklärt: „Und DJU (ich meine selbstverständlich nicht das Jüdische) ist Djugashvili“ (Psychosozial, S. 43). Was soll das bedeuten? In der amerikanischen Ausgabe von Reich Speaks of Freud, ein ranziger „Schweizer Käse“, fehlt die Stelle in den Klammern. Meinte Reich: „Natürlich nicht die Anrede ‚Du‘, wie wir sie im Jiddischen verwenden!“? Der Leser muß Reich doch, ohne eine solche Erklärung, für beknackt und verwirrt halten!
Eine Seite weiter eine andere auffällige Stelle. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob hier überhaupt ein Fehler vorliegt bzw. wer ihn gemacht hat, denn die deutsche Version dieses Absatzes ist deutlich länger als das amerikanische Original. Dort fehlen ganze Sätze! Higgins und Raphael waren dafür bekannt, selbstherrlich die Reichschen Texte zu redigieren… Anyway, die Übersetzer hatten das von Reich persönlich beglaubigte Originaltranskript vor sich. Im Amerikanischen sagt Reich in Bezug auf Krebs: „you just give up, you resign – and, then, you shrink“ (Higgins/Raphael, S. 20). Im Deutschen heißt es, “daß man schrumpft, aufgibt, man anfängt, hinzufallen, wenn man resigniert, wenn man in Resignation verfällt” (Psychosozial, S. 44). Spielt Reich auf die Fallangst aufgrund von Anorgonie an oder ist „hinzufallen“ ein Übersetzungsfehler?
Die ganze Problematik der Editionen des Eissler-Interviews zeigt sich in folgendem Absatz:
It is quite clear that people seduce you if you are a leader, if you have something to give. They seduce you by admiration so that you will give them as much as possible, and they can then thrive on you. Freud didn’t know that. He tended to identify with the leader. But there is no doubt that he should have stayed alone, completely alone. I know what I’m talking about. I’ve had quite a few experiences myself with this seductive admiration. I have had to destroy one organization after another in order to remain free. You get my point? Any questions now? (Higgins/Raphael, S. 34f)
Die Übersetzung des Originaltranskripts:
Das ist doch klar. Die Leute verführen einen, wenn man ein Führer ist, wenn man etwas zu geben hat. Sie verführen einen durch ihre Bewunderung, damit man ihnen so viel wie möglich gibt, und sie von einem profitieren können. Und Freud wußte das nicht. Er neigte dazu, sich mit dem „Führer“* zu identifizieren, mit dem Anführer in der Masse, auf dem Gebiet der Ich-Psychologie und der Massenpsychologie. Aber er hat sich dann überlegen gefühlt (?) Daran besteht kein Zweifel. Er hätte allein bleiben sollen, ganz allein, ja. Ganz allein. Ich weiß, wovon ich spreche, wissen Sie warum? Ich habe auch einige solcher Erfahrungen gemacht. Ich mußte eine Organisation nach der anderen zerstören, um frei zu bleiben und nicht gezwungen zu sein, klein beizugeben. Verstehen Sie, was ich meine? Ja. Haben Sie Fragen?
[* Im Originaltext auf Deutsch. „Führer“ ist ein Begriff aus dem Buch Christusmord. Menschen, die die eigene Lebendigkeit nicht zulassen können, projizieren diese auf eine charismatische Person. Diese wird zum Hoffnungsträger und gleichzeitig zum Sündenbock, auf den die Aggression entladen wird (Anm. d. Übers.).] (Psychosozial, S. 54f)
Warum haben Higgins und Raphael den Text so verstümmelt. Warum kein Hinweis darauf, daß Reich an einer Stelle nicht „leader“, sondern explizit „Führer“ gesagt hat? Und ist in der deutschen Ausgabe, der Verweis auf Christusmord wirklich weiterführend? Und wie soll ich das Fragezeichen zwischen den Klammern interpretieren? Philologie und gar Wissenschaft… Seufz!
Gnosis
23. Juli 2026Die Grundaussage der Gnosis ist, daß mit „der Welt“, „der Natur“, „der Schöpfung“ etwas grundlegend nicht stimmt, d.h. daß der herrschsüchtige Demiurg böse, zumindest aber verblendet ist und deshalb verhindern will, daß wir die Früchte vom Baum der Erkenntnis pflücken – und infolge seine Plantage verlassen.
Reich und Laska (bzw. mit ihm neben Reich auch LaMettrie und Stirner) wurden wiederholt der Gnosis zugeordnet, was zunächst einmal deshalb abwegig ist, da die Orgonomie und LSR auf der Überzeugung beruhen, daß „mit der Natur alles seine richtig Bewandtnis hat“ und erst die Eingriffe durch den Menschen alles durcheinanderbringen. Man lese Reichs Äther, Gott und Teufel, betrachte LaMettries auf Selbststeuerung setzenden, wenn man so will, „vitalistischen Materialismus“, Stirners pädagogischen Ansatz (die Natur des Kindes sich ungehindert entfalten lassen) und Laskas Verachtung für alle Geisteswissenschaften („Unrat!“). Mit der Natur ist alles OK. Secundum Naturam!
Woher dann überhaupt die erwähnte Zuordnung zur Gnosis? Zunächst einmal ist offensichtlich nicht „alles in Ordnung“, wenn „die Natur“ durch den menschlichen Irrationalismus dermaßen dominiert werden kann! Reich konnte diesen „Einbruch der naturfeindlichen Moral“ nicht wirklich erklären, bis er im ORANUR-Experiment und der daran anschließenden Entdeckung des DORs, feststellte, daß eben nicht alles mit der Natur in Ordnung ist. Die naturwidrige Panzerung ist identisch mit dem DOR in der Natur und es gilt, dieses DOR zu sequestrieren.
Ist das nicht Gnosis mit dem ihr inhärenten Dualismus? Reich ist bei seiner Forschung unverhofft über bisher unbekannte Funktionen gestolpert und hat entsprechend ein paar seiner älteren Formulierungen relativiert oder eher dies dem Leser selbst überlassen. Man kann da das eine oder andere „gnostisch“ interpretieren, aber macht das Reich zu einem Gnostiker?
Natürlich ging es „L + S + R“ um die Befreiung des „authentischen Ich“ vom „Über-Ich“, das man mit „Gottes Stimme in uns“ und damit mit dem unterdrückerischen Demiurgen gleichsetzen könnte, aber das ist eine bloße Gnosis-Metapher kein Gnosis-Konstrukt. Will sagen: es ist nur ein Bild wie „Meine Gedanken schwingen sich auf wie ein Adler!“, was nicht bedeutet, daß meine Gedanken sich jemals als „Adler“, äh, „materialisieren“ werden. Genauso hat LSR über eine bloße Metapher hinaus substantiell nichts mit Gnosis zu tun.
Das sieht man allein schon daran, daß Gnosis vor allem Ritual ist: mittels Astrologie, Alchimie, Sexualmagie, Evokationen, Meditation, Yoga, etc. versucht der Adept sich von dieser Welt zu reinigen und sich dem fremden Gott, Luzifer, zu öffnen. Das funktioniert nur, weil er davon ausgeht, daß die materielle Welt imgrunde Geist ist und sich alles letztendlich dem Geist unterwerfen müsse. Deine Gedanken können sich entsprechend buchstäblich wie ein Adler erheben! Die Vorstellung ist also keine bloße Metapher mehr, sondern ein Konstrukt, das Realität werden kann.
Für Reich bzw. allgemein für die Orgontherapie ist dieser Kern der Gnosis, der „rituelle Weg“ und die Denunzierung der materiellen Welt als bloße Illusion, das diametrale Gegenteil der Wahrheit nämlich Spuk, Verblendung, Negierung der Selbstregulation, Sexualverneinung, Lebenshaß, Abpanzerung und DOR.
Vielleicht etwas schief formuliert, aber doch auf den Punkt gebracht: der gnostische Adept ist wie ein leeres Glas, das gefüllt werden muß, nach Reich hingegen muß das volle Glas geleert werden.


















