Podcast Episode: Orgonomie und Reichs Wissenschaft
3. November 1957Anmerkungen zu Peter Bahnens Masterarbeit über Reich von 1986
7. September 2026Tote Welt, Wiederverzauberung und das Orgon
6. September 2026Als Kind hatte ich das deutliche Gefühl, daß die Luft „lebendig“ war. Es war ein seltsames Gefühl, in der Schule erfahren zu müssen, daß es sich dabei nur um Gas handelte, Stickstoff, Sauerstoff, Spurengase. Die Welt verwandelte sich in einen toten, langweiligen Ort. Und dann die Naturwissenschaftslehrer selbst: Sie hatten immer einen emotionslosen, gelangweilten, niedergeschlagenen Gesichtsausdruck, d.h. sie waren eine Verkörperung der toten Welt, die sie vermittelten. Der Biologieunterricht war kaum besser und ging bruchlos in den Sexualkundeunterricht über.
Das ist kein Plädoyer für eine „Wiederverzauberung der Welt“, sondern für einen grundsätzlich anderen Ansatz. Um was es geht, zeigt sich daran, daß in den Medien typischerweise einigermaßen gesunde Emotionen verspottet werden; alles, was die Gefühle anspricht, wird sofort lächerlich gemacht. Interessanterweise verspotten sie niemals verzerrte Gefühle, wie sie etwa bei CSD-Paraden zur Schau geführt werden. Dort wird die Welt wie kaum sonst „verzaubert“ – und gleichzeitig alles auf totes Fleisch reduziert.
Reich zufolge leiden „etwa 80% aller Frauen an vaginaler Anästhesie und Frigidität“ (Der Krebs, Fischer TB, S. 385). Nach gängigen Standards gelten immer noch 70% der Frauen als frigide. Zur Abhilfe wurde Millionen Frauen gesagt, das läge allein daran, daß die Männer nicht zu oralen und manuellen Manipulationen greifen, nicht einfühlsam und romantisch genug sind, etc. Worum es wirklich geht, nämlich das Problem der Genitalität und die Lebensenergie, bleibt draußen vor. Sie sind innerlich so tot, wie sie sich die Atmosphäre vorstellen!
Was das generelle Ausweichen vor dem Wesentlichen betrifft, muß ich an folgende weit zurückliegende Geschichte denken: Der 1992 New Age-Guru Vincent LaDuke („Sun Bear“) war ein Geschäftemacher, der vermeintlich indianische „Spiritualität“ in Form von Seminaren und irgendwelchen Gimmicks vermarktete. Ausgerechnet James DeMeo pries ihn in seiner Zeitschrift Pulse of the Planet No. 2, S. 35. Siehe dagegen dazu Roman Schweidlenka: Altes blüht aus den Ruinen, Wien 1989, S. 77.
Schwedlenka schreibt über die authentische indianische Spiritualität, z.B. der Hopis:
Die indianische Botschaft – nicht zu verwechseln mit den esoterischen Lehren der neuen Schamanen, die der spirituelle Supermarkt unserer Gegenwart zu einem großen Modetrend werden ließ – hat nichts Okkultes oder Spektakuläres: Sie besagt, daß die Erde ein lebendiger Organismus ist, der Mensch nur ein kleiner Teil desselben; Achtung und eine nicht ausbeuterische Haltung gegenüber dem gesamten natürlichen Universum, verbunden mit einem einfachen, vom Prinzip des Teilens geprägten Lebensstils sind das „Geheimnis“ für die richtigen Handlungen der Menschen. (ebd. S. 9)
Schweidlenka weiter:
Auch für den indianischen Geschäftemacher Sun Bear scheint die Radioaktivität im Gegensatz zu den durch den Uranabbau sterbenden Indianern ein Anlaß zur Heiterkeit zu sein. Bei einem Vortrag in der BRD erklärte er: „Vor zwei Jahren hatte ich ein Programm in Frankfurt und da passierte der Unfall von Tschernobyl. Die atomare Wolke kam, und für Frankfurt wurde Regen vorausgesagt. Da fing ich schnell zu beten an. Ich sagte: ‚Donnerwesen, schickt das bloß woanders hin!‘ Dann ging es in Wiesbaden herunter. Tut mir leid.“ Auf der vom Aviva Verlag vertriebenen Kassette, die diese Worte enthält, ist sodann das laute, schallende Gelächter Sun Bears und seiner Fans zu hören. „Vieles im New Age scheint die Menschen auf das Grab vorzubereiten“, schreibt die US-Zeitschrift The Merry Mount Messenger (Nr. 3/87). Damit trifft sie den Nagel auf den Kopf. Ich glaube zwar auch, daß wir uns trotz der atomaren Bedrohung eine lebensbejahende innere Einstellung bewahren und aufbauen sollten. Nur wird uns diese nicht vom Damoklesschwert des schleichenden nuklearen Todes befreien. Die auf der Positivneurose und dem Dogma „mein Bewußtsein schafft die Realität“ aufbauenden Verdummungsstrategien des Neuen Bewußtseins lenken von unserer letzen Chance auf ein Überleben ab: Der weltweiten Solidarität im kompromißlosen Widerstand gegen den atomaren Holocaust. (ebd. S. 137)
Um sich über die originale Spiritualität der Indianer ein Bild machen zu können jenseits solcher Leute wie Sun Bear verweist Schweidlenka auf das Buch: Alexander Buschenreiter: Mit der Erde – für das Leben – Der Hopi-Weg der Hoffnung (Freiburg im Breisgau, 1989).
Das erinnert mich an den alternativen Umweltgipfel in Rio 1992, der von „spirituellen Zeremonien“, Yoga-Sitzungen etc. geprägt war. Bei einer „Massenmeditation“ streckten alle im Auditorium ihren Rücken und schlossen die Augen, nur die Indios, auf die die Kamera gerichtet war, saßen hilflos da und wußten nicht, was denn überhaupt Sache ist. Sun Bear hätte sicherlich mitmeditiert und das als alte indianische Überlieferung verkauft.
Dabei liegt es mir fern „indigene Spiritualität“ zu idealisieren. In Afrika (aber auch in Teilen von Asien und sogar Südamerika) sind zusammen 230 000 000 Mädchen und Frauen beschnitten bzw. genitalverstümmelt! Das entspricht exakt der gesamten weiblichen Bevölkerung der EU! Nicht nur, daß insbesondere die schwerste und radikalste Genitalverstümmelung, die Infibulation („pharaonische Beschneidung“) praktisch tödlich weh tut (manche Mädchen sterben am Schmerzschock), sondern noch schmerzhafter ist danach die Geburt von Kindern. Und nach der Geburt muß alles wieder zugenäht werden. (Da kann man sich ja vorstellen, welches Verhältnis diese Frauen zu ihren Babys gewinnen!) Man kann sich gar keine schlimmere, grausigere Art vorstellen, einen Menschen zu foltern. Und selbst die Männer leiden, weil jeder Beischlaf für die Frau und damit auch für den Mann eine schmerzhafte Folterung ist. Und warum das ganze? Aus Todesangst vor der angeblich unstillbaren, alles zerstörenden weiblichen Sexualität (deshalb auch die Verschleierung). In Afrika breitet sich dieser Brauch durch die neuen Verkehrsverbindungen, Flüchtlingsströme, etc. auch auf Stämme aus, die ihn noch nicht kannten, denn niemand will als unbeschnitten = unrein gelten.
DAS BLAUE BUCH 2012-2016: 1. Orgonbiophysik, k. Der Medizin-Nobelpreis 2016 für Wilhelm Reich
5. September 2026Die beiden Seiten des orgonomischen Funktionalismus
4. September 2026Ich habe ein „operationalistisches“ Verhältnis zu Theorien, während sich mein Umfeld, an der vermeintlichen „Wirklichkeit“ orientiert, d.h. weitgehend orientierungslos ist. Nach dem Motto: „Wie konntest du wissen, daß das jetzt passiert?“ Für mich ist eine Theorie gut, wenn sie funktioniert, also richtige Voraussagen ermöglicht; wenn sie eine sinnvolle Ordnung schafft, mit der man die Wirklichkeit bewältigen kann; mit der man operieren kann wie beispielsweise mit einem Skalpell. Wenn ein mathematisches Modell Vorhersagen erlaubt, nutzt man es, selbst wenn man die „echte“ Realität dahinter nicht versteht. Darauf beruht die Quantenmechanik und im Grunde die gesamte Physik. Es ist naiv nach einer Theorie zu suchen, die sich mit der Wirklichkeit deckt. Eine solche Theorie ist genauso sinnlos wie ein Stadtplan, der die Stadt 1:1 in allen Einzelheiten widergibt. Diese würde es kurioserweise erschweren, wenn nicht unmöglich machen, deinen Standort in der Wirklichkeit zu lokaliseren! Um sich im Stirnerschen Sinne „die Welt anzueignen“ braucht es Werkzeuge und eines dieser Werkzeuge ist die Abstraktion. Praxis benötigt Theorie.
Das berechtigte Gegenargument lautet, daß, wenn eine Theorie nur funktionieren muß, dies der Willkür und dem Mißbrauch Tor und Tür. Die objektive Wahrheit muß der Leitfaden bleiben. Wie sich der annähern? Zunächst einmal benötigt Theorie der Praxis. Das war Reichs gesamter naturwissenschaftlicher Ansatz angefangen bei den allerersten Bionversuchen, die einfach im „theoriefreien“ Beobachten bestanden. Die Theoriebildung muß organisch und „automatisch“ aus dem langandauernden (!) Beobachten und dem wiederholten (!) Experimentieren erwachsen, sich alternativlos aufzwingen. Man nehme das atmosphärische Flimmern der Orgonenergie. Der Physiker wird instantan „Hitzewellen“ (unterschiedliche Lichtrefraktion durch unterschiedlich warme, sich ständig in Bewegung befindende Luftschichten) sagen und die Sache ist damit für ihn erledigt. Tatsächlich muß man mit offenen („theoriefreien“) Blick stunden-, tage-, wochenlang das atmosphärische Flimmern in freier Natur und unter verschiedensten Bedingungen beobachten, um die Sache erfassen zu können. Oder man nehme Einsteins Erklärung für den Temperaturgradienten zwischen Orgonenergie-Akkumulator und Umgebung: Konvektionsströme. Reichs Antwort waren Variationen des Versuchs unter den verschiedensten Bedingungen: aufwendige Induktion statt arbeitsökonomischer Deduktion.
Nachdem die Orgonomie durch Reich und mit kleineren Ergänzungen Elsworth F. Baker und Charles Konia weitgehend abgeschlossen ist, dreht sich dieses Verhältnis wieder um. Ein schönes Beispiel ist die soziopolitische Charakterologie. Ich brauche mich nicht zeitaufwendig auf die „gesellschaftpolitische Wirklichkeit“ einzulassen (die sowieso weitgehend durch einen medialen Filter zu mir gelangt, wenn ich nicht ständig auf „Expedition“ in Deutschland unterwegs sein will!), um zu wissen was vorgeht und wie bestimmte Ereignisse und Personen einzuordnen sind! Ich verweise auf den Anfang dieses Blogeintrags…
Man betrachte die steinzeitliche Höhlenmalerei in Europa. Mit zwei, drei spontan hingeworfenen Strichen („Theorie“) wird weit mehr über die energetische Essenz eines Pferdes ausgesagt als jedes „wirkliche“ Pferd („Praxis“) jemals vermitteln könnte!
Email (immanente Kritik) 2010
3. September 20261935: der Triumphzug des Mechano-Mystizismus gegen den Funktionalismus beginnt (Teil 2)
2. September 2026Bis etwa Mitte der 1930er Jahre stand Reich in kompletter Harmonie mit der damals gängigen Naturwissenschaft. Dann ereigneten sich zwei Dinge, die mehr miteinander zu tun haben, als es auf den ersten Blick der Fall zu sein scheint: das Zeitalter der Genetik und das „Atomzeitalter“ nahmen Form an und beherrschten schließlich den Diskurs. Dazu paßt Erwin Chargaffs bekanntes Diktum: „Die zwei größten Taten, und wahrscheinlich Missetaten, der Naturwissenschaft der Gegenwart waren die Atomspaltung und die Entdeckung von Eingriffsmöglichkeiten in die Vererbungsmechanismen“ (Chargaff: Unbegreifliches Geheimnis, Stuttgart 1981). Gleichzeitig mit diesem extremen Mechanizismus trat eine auf den ersten Blick gegenteilige „mystische“ Geistesrichtung in Erscheinung: das Lebendige wurde zur „Information“ und die Atome verflüchtigten sich in Symmetrien und – Information („Ideen“). Kein Platz mehr für so etwas wie eine „kosmische Lebensenergie“!
Reichs Auseinandersetzung mit „dem Atom“ spannt sich zwischen seinem Treffen mit Einstein Anfang der 1940er Jahre und seinem ORANUR-Experiment Anfang der 1950er Jahre. Er sah die Atom-Lobby in die Verschwörung gegen ihn bzw. das Lebendige involviert. Und was die Genetik betrifft, schrieb er in Christusmord: „Die Pharisäer (…) sind weder besser noch schlechter als die Genetiker (…), was ihre Haltung dem Leben gegenüber betrifft. Sie werden Christus töten, weil er den Leuten gesagt hat, wo sie das Leben finden können.“
Bis Mitte der 1930er Jahre hatten die Lebenswissenschaften, insbesondere die Medizin, der Physik den Weg gewiesen. In seinem Buch Die großen Physiker und ihre Entdeckungen (München 1984) zitiert Emilio Segrè aus der bedeutsamen Rede über „Die neuen Ziele der Experimentalphysik“ die Professor Orso Mario Corbino 1929 hielt:
Besser als eine einfache Überlagerung der Techniken wäre eine Verschmelzung der Mentalität eines Biologen mit der durch die neue Physik geschaffenen Denkweise in ein und demselben Hirn. Hermann von Helmholtz (…) gab (…) seinen Lehrstuhl für Physiologie auf, um (…) Physik zu lehren. Es war zum größten Nutzen der Wissenschaft. Heute liegen die Dinge genau umgekehrt. Die experimentelle Physik (…) hat (…) alle Werkzeuge an der Hand, anderen, weniger fortgeschrittenen Wissenschaften weiterzuhelfen.
Segré führt aus, daß in der Tat nicht wenige der führenden Gestalten in der neuen Disziplin Molekularbiologie in der Physik ausgebildet waren und ihre Laufbahn als Physiker begannen. Es konnte nicht ausbleiben, daß sie eine extrem mechanistische Denkungsart in die Lebensforschung trugen.
In dieser Hinsicht federführend war Max Delbrück, ein Schüler des Quantentheoretikers Max Born. Carl Friedrich von Weizsäcker zufolge wandte sich Delbrück der Biologie zu, von der Problemstellung der „Quantentheorie des Subjekts“ geleitet (Aufbau der Physik, München 1985). In seinem Buch Wahrheit und Wirklichkeit (Hamburg 1986) stellt Delbrück das Ergebnis seiner Bemühungen dar, indem er den Realismus und die kartesische Trennung von Geist und Materie kritisiert und meint, wissenschaftliche Aussagen seien letztlich sprachlich Konstruktionen.
Der Widerstand, der der Idee entgegengebracht wird, daß Bewußtsein und physikalische Phänomene als gleichberechtigt zu betrachten sind, entspricht der Sorge, die Wissenschaft könnte dann auch auf die menschliche Person übergreifen. (…) Vor allem diejenigen sprechen sich gegen eine derartige Entwicklung der Wissenschaft vom Menschen aus, die fürchten, es könnte offenbar werden, daß der Geist nichts anderes als eine Maschine sei. Doch haben wir schon gesehen, daß die Antithese von externer und interner Wirklichkeit nur eine Illusion ist. Es gibt nur eine Wirklichkeit.
Hier sieht man sehr schön wie subtil doch die Aufweichung des alten mechanistischen Weltbildes nur dazu führte, das Lebendige vollends zu mechanisieren, wo es früher zumindest noch eine separate Schutzstellung als „Geist“ (und damit, wie erwähnt, „Entelechie“, „Prana“ etc.) einnahm! Gleichzeitig wird der maschinenhafte Mechanizismus unangreifbar, weil man ja die Spaltung zwischen Geist und Materie überwunden habe.
Dazu muß man wissen, daß der Hauptbeitrag von Delbrücks Lehrer, Born in der Quantenmechanik in der Wahrscheinlichkeitsdeutung der Schrödingerschen Wellenfunktion bestand, „eine Deutung, die der Wahrscheinlichkeit eine primäre Rolle in der Physik zuschrieb und damit das Verhalten einzelner Teilchen weitgehend unbestimmt ließ, so daß sich eine akausale Beschreibung ergab“ (Franco Selleri: Die Debatte um die Quantentheorie, Braunschweig 1983). Born selber beschrieb diese Wendung vom statisch Toten zum fließenden Lebendigen in der Physik, als die Abwendung vom alten mechanistischen Weltbild, wie folgt: „Erkenntnis der Wahrheit ist das Ziel des Forschers. Aber nirgendwo findet er etwas Ruhendes, Dauerndes. Nicht alles läßt sich erforschen, noch weniger vorhersagen“ (Born: Physik im Wandel meiner Zeit, Braunschweig 1957). Nirgendwo findet sich Sicherheit und das Statische, – so daß Reichs Kritik am Absoluten in Äther, Gott und Teufel ins Leere läuft.
Der extremste Mechanizismus, der durch die Genetik das Leben selbst vernichtete – und durch „das Atom“ sogar den ganzen Planeten bedroht, schlägt in sein scheinbares Gegenteil um. So sagte in einem Bild der Wissenschaft-Interview Herwig Schopper, damals Generaldirektor von CERN, im September 1984:
Es sieht so aus, als ob die „First Principles“, die wir benutzen, um die Natur zu erklären, um zu verstehen, warum es in der Natur überhaupt eine Ordnung gibt, warum in der Natur kein Chaos herrscht, nicht letzte unzerstörbare Materieklötzchen wären, sondern Symmetrien. Wir entfernen uns damit von Demokrit, der den Begriff des Atoms für das letzte unteilbare Teilchen eingeführt hat. Wir bewegen uns auf Platon zu, der lehrte, das letzte Fundament der Realität seien abstrakte Dinge, „Ideen“.
Der Witz dabei ist, daß diese „abstrakten Dinge“, die Ideen, eben auch nur – Bauklötze sind… Die materiellen Bauklötze sind nur – Ideen… Die Wirklichkeit verflüchtigt sich, einfach weil man nicht in der Lage ist, funktionell zu denken.

1935: der Triumphzug des Mechano-Mystizismus gegen den Funktionalismus beginnt (Teil 1)
1. September 20261780, der Arzt Luigi Galvani erforschte die „tierische Elektrizität“. Froschschenkel zuckten durch elektrischen Strom und man malte sich entsprechend die Nervenfunktionen nach dem Muster der Elektrizität aus. Nach 1842 wurde es üblich, stattdessen von einer Form von Energie zu sprechen („psychische Energie“, „Nervenenergie“). In diesem Jahr entdeckte (bzw. veröffentlichte) der Arzt und Physiker Julius Robert Mayer das Gesetz von der Erhaltung der Energie. Für den Organismus bedeute dies, daß Nahrung in Wärme, Kraft und nicht zuletzt „Nervenenergie“ umgewandelt werde. Das ganze gewann an Kontur, als es 1850 dem Arzt und Physiker Hermann von Helmholtz gelang, die Nervenleitgeschwindigkeit zu bestimmen.
Aus dieser Vorgeschichte der „psychischen Energie“ bzw. „Libido“ Freuds und damit des Orgons Reichs sind zwei Richtungen hervorgegangen: jene, die das zweckhafte Verhalten des Lebendigen mit bestimmten Strukturen erklärt hat (mechanischer Materialismus) und jene, die umgekehrt die Strukturen auf die Funktion zurückgeführt hat (funktionalistischer Vitalismus).
Der Mechanismus in Biologie und Medizin, der etwa 1935 seinen unaufhaltsamen Siegeszug begann, erklärt Lebensphänomene mittels materieller Bausteine, insbesondere dem Alles-oder-Nichts-Prinzip der Neuronen (das spätestens 1912 der „Nervenenergie“ den Garaus machte) und dem „genetischen Code“ (dem Ende einer formgebenden „Lebensenergie“). Hier tritt jedoch das Problem des kausalen Rücklaufs bzw. nicht enden wollende Regresses auf: jede gegebene Struktur benötigt eine vorangehende Struktur, die sie erzeugt hat. Das endet stets im Deismus von anno dazumal, nur diesmal im pseudomechanistischen Gewande der Urzeugung und des Urknalls.
Im Vitalismus wird die Bewegung, die Kraft, die Energie als das Primäre angesehen und die materielle Struktur als Erstarrungsprodukte eines zugrundeliegenden „fließenden“ Prozesses. Er blieb jedoch merkwürdig vage und verlief sich stets in Mystizismus, bis Reich im Geiste Galvanis und Meyers Strukturen auf Funktion zurückgeführt hat, indem er im Geiste des Materialismus und durch konkrete Experimente nach und nach die Orgonenergie entdeckte und ihre Funktionsgesetze freilegte. Es mag logisch inkonsistent klingen, doch der Vorgang dieser Entdeckung erklärt erst die Entdeckung. Will sagen, die Orgonenergie ist etwas fundamental anderes als irgendwelche vitalistischen Konzepte wie „Entelechie“ oder „Prana“, die kaum mehr sind als ein anderes Wort für „Geist“ oder „Psyche“ und damit letztendlich etwas Mystisches, sondern sie ist etwas Konkretes, das sozusagen „für das Zucken der Froschschenkel“ verantwortlich ist.
Der NACHRICHTENBRIEF für bunte Vielfalt!
30. August 20261994 wies Hans Hass darauf hin, daß die Umweltproblematik zu einem entscheidenden Entwicklungsfaktor werden könnte: „Ein gemeinsamer Feind, eine alle betreffende Gefahr kann das Wunder zuwege bringen, daß sämtliche individuellen Interessen und Zwiste sich wie Rauch auflösen und so eine auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtete Einheit entsteht“ (Die Hyperzeller, S. 252).
Auch wenn Hass es selbst nicht ausspricht, kann man doch sagen, daß die Entwicklung der menschlichen Organisationen zwangsweise zu einem Weltstaat führen wird. Nichts anderes war die Funktion des Umweltgedöns seit Anfang der 1970er Jahre.
Meines Erachtens wäre das erst recht das definitive Ende des Lebens auf diesem Planeten, denn ein einzelner Fehler in der Zielsetzung dieses weltumspannenden Staates kann zum Untergang führen, ohne daß es auf diesem Planeten noch eine Alternative gäbe. Wie viele Zivilisationen, etwa in Mittel- und Südamerika, sind vor unserer Zeit spurlos verschwunden! Und trotzdem hat die Menschheit überlebt. Das wird nicht der Fall sein, wenn sich der Kantsche Traum vom „Weltfrieden“ jemals materialisierte.
Das Hauptproblem ist stets, daß man Probleme „global“ anpacken will, zu denen man den bioenergetischen Kontakt verloren hat. Die einzige gangbare Alternative ist die Arbeitsdemokratie: daß jeder einzelne so viel Verantwortung für sich und seine unmittelbare Umgebung übernimmt, wie nur irgend möglich, auf daß „höhere“ „Verantwortungsträger“ überflüssig werden. So funktioniert jeder Vogel- und Fischschwarm! Selbstregulation statt Fremdregulation. Überspitzt ausgedrückt: Das Problem ist nicht, daß es auf dieser Welt zu viel Bewaffnete gibt, sondern zu wenige! Alle, die irgendwelche abstrakten Platonischen Ideen, Kantschen Imperative vertreten und eine weltumspannende Ethik vertreten, die uns von einer Greta Thunfisch eingebleut werden soll, sind unsere Todfeinde.


















