Trimondi: Hitler, Buddha, Krishna

3. November 1957

Peter Nasselstein: Hitler, Buddha, Krishna (S. 177)

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Christian Fernandes

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NIE WIEDER FASCHISMUS, NIE WIEDER KRIEG!

Orgonomische Facebook-Seiten seit der Trump-Wahl (Teil 1)

27. Februar 2026

Das folgende stammt von Ende 2016, ist also fast 10 Jahre alt, aber trifft die heutige Situation eher noch besser als damals. Das Trump Derangement Syndrome der „Links-Orgonomen“ sprengt, insbesondere jetzt wegen den rotfaschistischen Machinationen um den ICE-Einsatz in Minnesota, wirklich alle Grenzen der Soziopathie. Sie wähnen sich tatsächlich im Kampf gegen Hitler höchstpersönlich. Das Wilhelm Reich Museum hat mittlerweile eine woke bunte Symbolik inkorporiert, promotet auf den Konferenzen irgendwelche Reichianischen „Therapeuten“ und durchgeknallte südamerikanische Kommunisten, vertreibt Cannabis, das auf Orgonon gezüchtet wird und behördlich garantiert hochpotent sei… Aber schauen wir zurück auf das Jahr 2016:

Grier Sellers (Institute for Orgonomic Science) will angesichts des Trump-Siegs nach Kanada oder Neuseeland auswandern. [PN: Typischerweise wollen diese ach so antirassistischen Progressiven stets in homogen WEISSE Länder auswandern, während sie selbst gar nicht genug von braunen illegalen Einwanderern aus dem Süden haben können… Und was ist ihr gesellschaftliches Ideal? SKANDINAVIEN!]

Conny Huthsteiner (Orgontherapeutin, Institute for Orgonomic Science) hatte nach der Wahl einen Gast, der wütend darüber ist, daß die Leute in den Straßen demonstrieren. Obama und Clinton seien, so der Gast, dafür verantwortlich. Trump selbst sagte das „Berufsdemonstranten“ von der Presse manipuliert seien. Huthsteiner hat keinerlei Verständnis für diese immense Blindheit ihres Gastes und für Leute, die Trump rechtgeben: man müsse, so Huthsteiner, sich gegen Trump wehren und dessen Präsidentschaft verhindern! [PN: Kommunisten! Rote Faschisten – die sich mit dem Namen „Reich“ schmücken!]

Jim Strick (Wilhelm Reich Infant Trust) und Grier Sellers verlinken eine Petition, daß die Wahlmänner Hillary zum Präsidenten ernennen sollen, im Namen des nationalen Interesses und der Mehrheit der Wähler. [PN: echte Demokraten!]

Stephan Simonian (Orgontherapeut, Institute for Orgonomic Science) zeigt ein Video, in dem Hillary-Anhänger einen Trump-Anhänger aus seinem Wagen zerren und brutal zusammenschlagen. [Simonian ist Bernie Sanders-Anhänger und ein Beispiel dafür, daß nicht alle Linken pestilente Charaktere sein müssen!]

James DeMeo über die Braunhemden der demokratischen Partei, die durch die Straßen ziehen und Trump-Anhänger zusammenschlagen. [PN: DeMeo ist einer der ganz wenigen „orgonomischen“ Nicht-Linken außerhalb des American College of Orgonomy.]

Conny Huthsteiner ist restlos fertig mit den Nerven: sie hat einen Artikel gelesen, wie Trump ein 13jähriges Mädchen vergewaltigt hat. [PN: Behauptungen, die ohne jede Substanz sind. Die gleichen Leute sind vollkommen blind gegenüber den Wikileaks-Enthüllungen, etwa über die für Ermittler eindeutig pädophile Geheimsprache in den Emails von Hillarys Wahlleiter Podesta.]

Grier Sellers verlinkt einen Bericht über ein Gesetz, wie man Trump doch noch stoppen könne. Grier Sellers: das ist einen Versuch wert!

Conny Huthsteiner verlinkt einen Dokumentarfilm, der zeigt, wie das Kapitalistenschwein Trump rücksichtslos alles niedergewalzt hat.

In einem Kommentar schreibt Conny Huthsteiner, Trump scheine ein wütender Mann zu sein, der droht Leute zu verklagen, sie einzusperren, sich zu rächen. Sie habe immer gehofft solange zu überleben, bis sie den Großen Weltfrieden erleben könne. [PN: Die „Religiosität“ der Linken – die „Erlösung“ im Diesseits…]

Conny Huthsteiner verlinkt einen Beitrag, wonach Trump nur von einem Viertel der Bevölkerung gewählt wurde. Man solle das nie vergessen! [PN: so als wenn das bei Hillary anders gewesen wäre…]

Eine neue Landkarte, mit der liberalen Westküste der USA und dem liberalen Nordosten als Teile Kanadas. Conny Huthsteiner gefällt die Karte: „das könnte klappen“. Grier Sellers kommentiert: man solle Texas und die anderen Staaten des Südens an Mexico zurückgeben. [PN: Linke: immer auf der Seite der Gegner des Vaterlandes, charakter-strukturelle Verräter. Solchen Leuten die Orgonomie zu überlassen…]

Conny Huthsteiner verlinkt einen Zeitungskommentar, man solle Trump keine Chance geben, die er nicht verdient hat.

Renata Reich Moise [die Tochter von Eva Reich] verlinkt einen Artikel, daß Seattle „Gay Conversion Therapy“ verboten hat. Moise fordert das gleiche für Maine. [PN: Man könnte, wenn man böswillig ist, auch die Orgontherapie als „Gay Conversion Therapy“ betrachten…]

Stephan Simonian verlinkt einen Bericht, wo Bernie Sanders seine Anhänger aufruft, mit der Gewalt aufzuhören. Simonian: „YES“. [PN: Wie gesagt: Linkssein geht nicht in jedem Fall mit Emotioneller Pest einher!]

Grier Sellers verlinkt das Video eines Gebets, in dem für Trump gebetet wird. Hand auf ihn gelegt wird, um den Heiligen Geist auf ihn zu lenken. Sellers Kommentar: „Disgusting!“ [PN: ich bin mir sicher, daß er jedes nicht-christliche Ritual nicht als „widerlich“ betrachten würde!]

Jim Strick verlinkt einen Beitrag, wo es darum geht, die Autokratie einer Trump-Präsidentschaft zu überleben. Das dazugehörige Banner: Love Trumps Hate. [PN: diese Leute platzen fast vor Haß, tragen aber Liebesbanner. Nun, das ist Emotionelle Pest. Genau das!]

Stephan Simonian verlinkt einen Bericht über Unterstützer von Bernie Sanders, die die demokratische Partei übernehmen wollen. [PN: die Demokraten in den USA werden zusehends zu einer offen sozialistischen Partei, was in der anti-autoritären Gesellschaft gleichbedeutend mit ROTEM FASCHISMUS ist.]

Renata Reich Moise verlinkt einen Bericht über einen ehemaligen Indianerhäuptling in Maine, der rassistisch bedroht wird. Einer von vielen Fällen seit der Wahl. [PN: die USA vor dem Einbruch des Nationalsozialismus! Um zu sehen, daß die wirkliche Gefahr von links kommt, muß man funktionell denken können statt platt moralistisch!]

Grier Sellers verlinkt, daß Trump auf ein Gehalt als Präsident verzichtet. Sellers Kommentar: er könne das Gehalt doch zumindest an seine „vielen Opfer“ spenden! [PN: die Boshaftigkeit des Kleinen Mannes!]

DeMeo berichtet, daß der Kommunist und islamische Terror-Unterstützer Keith Ellison, Mitglied des Repräsentantenhauses, wohl neuer Vorsitzender der Demokraten werden wird.

Der Trump-Hasser Peter Robbins [orgonomischer UFO-Forscher] verlinkt einen humoristischen Bericht: die Pakistaner behaupten, Trump wäre in Pakistan geboren worden. [PN: jetzt soll Trump mal merken, was Obama von Rassisten wie ihm widerfahren ist. Witzig, aber – wir wissen wirklich alles über Trump, doch praktisch nichts über Obama. Aber einen „UFO-Forscher“ interessiert das nicht weiter…]

Renata Reich Moise berichtet von einem Vorfall, wo eine Frau in Maine Propaganda-Material des Klu Klux Klan mit einer Plastiktüte voller Steine auf ihrer Auffahrt gefunden hat…

Jim Strick reitet eines seiner Steckenpferde: die globale Erwärmung. Er verlinkt Scientific American, daß Trump einen Klimaskeptiker (sic!) die Umweltbehörde EPA wird leiten lassen.

James DeMeo über das Vorgehen im Vereinigten Königreich gegen konservative und libertäre Netzseiten: George Orwell läßt grüßen.

Stephan Simonian verlinkt ein Video von Julian Assange, wie die Demokraten Bernie Sanders betrogen haben.

Zu einem Bericht der New York Times, der vom Aufstand der „Zivilgesellschaft“ gegen Trump handelt, meint Philip Bennet (Gesellschaftswissenschaftler, Institute for Orgonomic Science), daß Trump in einem Jahr ohnehin zurücktreten müsse, „impeachment“. In einem Kommentar dazu hat Renata Reich Moise die Idee, daß Millionen von Frauen ihm bzw. Vizepräsidenten Pence ihre gebrauchten Tampons zuschicken und andere „Guerrilla-Taktiken“ anwenden. [PN: kein Kommentar!]

Grier Sellers verlinkt einen Bericht aus dem linksradikalen Daily Kos über die Reaktion der Deutschen auf Trump: sie hätten bereits alles 1933 durchgemacht und jetzt die USA…

Philip Bennett ist begeistert von Stephen Colbert, einem ultraliberalen Fernseh-Komiker, der vor der Wahl Trump als Nazi zeichnete und jetzt wieder: der große Diktator als Präsident der USA.

– So, willkommen zurück im Jahr 2026 – und wechseln wir gleich zurück ins Jahr 2023, denn soeben wurde ich auf folgenden Podcast irgendwelcher brasilianischer „Reich-Therapeuten“ aufmerksam gemacht, in dem Bennett aus dem Nähkästchen plaudert: https://creators.spotify.com/pod/profile/felipe-salgado1/episodes/Episdio-65—Entrevista-com-Philip-W–Bennett-english-version-e1j2spo

Von besonderem Interesse sind seine Ausführungen über Jim DeMeo. Was einige chronologische Aspekte betrifft, habe ich zwar andere Erinnerungen, aber wichtig ist eh nur die Tendenz. Hier meine Transkription der betreffenden Stelle – ich denke ich höre die kommunistische Pharmahure Mildred Brady! Tatsächlich höre ich CNN und andere Propaganda-Fernsehsender, die sich die Pharmaindustrie hält, und den ganzen pseudoprogressiven Müll, der früher von „Moskau“ ausging und heute autonom in Amerika operiert. Reich, DeMeo und andere hatten das erfaßt.

Bennett: [nachdem er die verschiedenen orgonomischen Organisationen erwähnt hat] Darüber hinaus gibt es Einzelpersonen, die aus irgendeinem Grund begannen, ihr eigenes Ding zu machen. Einer davon ist James DeMeo, der, wie Sie wissen, gerade gestorben ist. Jim interessierte sich sehr für die Arbeit mit dem Cloudbuster und er ging an die Universität in Kansas, erwarb einen Master-Abschluß und ich habe seine Master-Dissertation gelesen und ich glaube, er hat erfolgreich die Auswirkungen auf die Umwelt mit dem Cloudbuster gezeigt und er hat einen Abschluß gemacht, er hat seinen Master-Abschluss, er hat seinen Doktor gemacht, aber nicht in Meteorologie, sondern in etwas anderem. Als ich ihn das erste Mal in den frühen 1980er Jahren traf, lebte er in Florida, Miami, und er schien ein netter Kerl zu sein, aber sehr schnell wurde mir klar, daß er ein echter Rechtsaußen war, und ich spreche von einem wirklichen Rechtsaußen [Interessanterweise habe ich DeMeo damals als eher linksextrem empfunden, PN] und dann kamen die 2000er Jahre und er wurde bösartig anti-islamisch und Sie haben seine Facebook-Seite gesehen. Ich meine, er ist ein Trumpist der schlimmsten Sorte. Er leugnete HIV, die Realität von HIV, er leugnete den Klimawandel, er glaubte nicht, daß es einen Klimawandel gibt, er leugnete Covid, wissen Sie, und ich denke, er war wirklich eine Gefahr, er war wie einer im öffentlichen Gesundheitswesen…

Interviewer: … er wurde in der Tat zu einer Bedrohung.

Bennett: Ja. Genau, also ich war zuletzt mit ihm zusammen, ich glaube, es war auf der Rom-Konferenz (…) und sein Antikommunismus war wie „Grrrrrrrrr!!!“ und ich erinnere mich, daß ich mich mit ihm traf und sagte, schau, und ich hatte ein paar Drinks, ging zu ihm hinüber und sagte: Das ist dumm. Wir sind hier auf der gleichen Seite, wir wollen Reichs Arbeit unterstützen, lassen wir das ganze, laß uns Freunde sein. Das war in etwa das, was ich sagte, und sehr bald darauf griff er mich öffentlich als Kommunisten an. Er nannte mich einen Kommunisten, weil ich eine fortschrittlichere politische Position vertrat, und so hatte ich nichts mehr mit ihm zu tun. In gedruckter Form nannte er mich einen Kommunisten und tat andere Dinge, die sehr, sehr unangemessen und nicht hilfreich waren, um Reichs Ideen voranzubringen. Und es wurde für mich zu einem echten Problem, daß, wenn man unter „Orgonomie“ nachschaute, einige der ersten Dinge, die man sehen würde, Jim DeMeo waren, weil er eine Menge Material herausbrachte. Das war ein echtes Problem für mich, das öffentliche Gesicht der Orgonomie war Jim DeMeo. Das sollte nicht das öffentliche Gesicht sein, aber es wurde das öffentliche Gesicht. Jetzt ist er weg. Ich habe keine negativen Wünsche für ihn. Es tut mir leid, daß er gestorben ist. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, daß er an Krebs gestorben ist. Er starb an Dickdarmkrebs. Und daß er an Krebs gestorben ist, was soll man davon halten? Ich weiß es nicht. Ich meine, aus Reichs Sicht bedeutet Krebs Resignation, und Reich hat natürlich eine ganze Theorie über Krebs. Er ist also weg. (…) Ich fand gut, was das Museum auf seine Facebook-Seite gestellt hat. Es beschränkte sich auf das wissenschaftliche Zeug und erwähnte nicht seine verrückten Trump-Ideen. Es wurde gezeigt, was er geleistet hat, und das war in Ordnung.

Dazu muß man wissen, daß dieser Eintrag auf der offiziellen Seite des Wilhelm Reich Museums, ein „Obituary“, sofort gelöscht wurde, nachdem Bennetts Ehefrau Wendy Kohli in einem Kommentar sich bitter darüber beschwerte, daß an dieser Stelle ein Nachruf über dieses Rassisten, Islam-Hasser und Reaktionär erscheinen könne.

Zu seiner Zeit hat Reich hundertprozentig zu dem Trump seiner Zeit gestanden, Eisenhower; war gegen die Polio-Impfung und, ja, fanatischer Antikommunist. Und, ja, wir sind Trumpianer u.a. wegen Trumps Rede vor der UN am 23.09.2025, als er schwere Vorwürfe gegen die Migrationspolitik der Biden-Administration vorbrachte. Die Politik der „offenen Grenzen“ unter Biden war für 300 000 Kinder verantwortlich, die ins Land geschmuggelt wurden und dann einfach verschwanden: ausgebeutet, mißbraucht, ausgeschlachtet, zu Tode gefoltert. Jedes System, das zu solch massivem Kinderschmuggel führe, sei, so Trump, „von Natur aus böse“. Die „globalistische Migrationsagenda“ sei für das Grauen verantwortlich. Seit Trumps Veröffentlichung der Epstein-Akten wird immer deutlicher, daß das alles keine bloßen Verschwörungstheorien sind, aber unsere „orgonomischen“ Helden regen sich über ICE auf und in (gefühlt) jedem zweiten ihrer Facebook-Posts weisen sie darauf hin, daß doch Trump in den Epstein-Akten stünde… Und natürlich machten sie sich a la Superhirn Baerbock, die bei der Rede über Trump thronte, über dessen Rede lustig.

Email (Das Wesentliche bei Reich) 2003

26. Februar 2026

Email (Das Wesentliche bei Reich) 2003

Wilhelm Reich, Physiker: 3. Der physikalische Laie Wilhelm Reich, e. Wissenschaft und „Wissenschaft“

25. Februar 2026

Wilhelm Reich, Physiker: 3. Der physikalische Laie Wilhelm Reich, e. Wissemschaft und „Wissenschaft“

Orgontherapie 2026 (Teil 5)

24. Februar 2026

Ich habe mit mehreren Orgontherapeuten und „Orgonpatienten“ darüber gesprochen: Orgontherapie über eine Videokamera ist möglich. Damit fällt (mal abgesehen von den Finanzen!) jedwede Ausrede weg, sich keiner Orgontherapie lege artis zu unterziehen.

Panzerung kann man durchaus mit einer Art „Amputation“ vergleichen: wir haben ganze Bereiche unseres Körpers abgespalten, entsprechend erstarrt und zerstückelt ist unser Innenleben. Das spiegelt sich zweifellos auch in der neuronalen Struktur unseres Gehirns wider. Wir sind, mechanistisch ausgedrückt, sozusagen hoffnungslos „falsch verdrahtet“.

Neurologen aus den USA berichten jedoch über den Fall eines 56jährigen Mannes, dem vor 35 Jahren die rechte Hand amputiert worden war. Während dieser dreieinhalb Jahrzehnte wurde die betreffende Hirnregion anderweitig genutzt, doch offenbar kann sich dieses Areal nach der Transplantation einer neuen Hand seiner alten Funktion erinnern und von neuem beispielsweise dem Tastsinn dienen.

Schon allein die Erkenntnis, daß das Gehirn die Umstrukturierung während all der Zeit ohne Hand wieder rückgängig zu machen scheint, ist bemerkenswert, erklärt [Scott Frey von der Universität von Oregon in Eugene]. Für noch erstaunlicher hält er indes die Tatsache, daß dieser Vorgang eintritt, obwohl das Gehirn des Patienten zum Unfallzeitpunkt schon vollentwickelt war. Die Ergebnisse seien somit sehr bedeutsam für das Verständnis der Flexibilität des Gehirns bei Erwachsenen und in der Neurorehabilitation.

Das menschliche Protoplasma erstarrt nicht unwiderruflich, sondern bleibt bis ins hohe Alter erstaunlich flexibel und anpassungsfähig. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, daß wir bis zum Zeitpunkt unseres Todes die Möglichkeit haben, uns mit Hilfe der Orgontherapie zu verändern und zu erneuern: wir sind durch die Panzerung nicht unwiderruflich verstümmelt.

Eine Fallstudie der Johns Hopkins University (Daniel Dilks et al.) über einen Patienten, der infolge eines Schlaganfalls teilweise erblindet war, deutet darauf hin, daß das Gehirn von Erwachsenen genauso formbar ist, d.h. neue Nervenbahnen bilden kann, wie das von Kindern.

Der Schlaganfall hatte einige Nervenbahnen geschädigt, die die Information von den Augen zum visuellen Cortex im hinteren Teil des Gehirns übertragen. Als Folge war im oberen linken Teil des Gesichtsfeldes ein blinder Fleck entstanden. Tests zeigten jedoch, daß der vom Auge abgeschnittene Teil des visuellen Cortex auf Bildinformationen anspricht, die vom unteren linken Gesichtsfeld kommen. Etwas, was bei Erwachsenen nach der gängigen Theorie gar nicht auftreten kann, weil alles sozusagen bereits fest und unveränderbar „verschaltet“ ist. Schon vorher hatten Forscher berichtet, daß bei „erwachsenen“ Mäusen Neuronen im Gehirn nachwachsen können.

Diese Forschungsergebnisse deuten erneut darauf hin, daß die orgontherapeutische „Umstrukturierung“ des Charakters mit dem Ziel einen neurotischen, d.h. „unveränderbar verschalteten“, Charakter in einen lebendigen, einen genitalen Charakter umzuwandeln, eine reale Möglichkeit ist. Es besteht keinerlei Grund für einen therapeutischen Nihilismus, der sich teilweise auf Reich beruft („Krumm gewachsene Bäume kann man nicht wieder geraderichten!“), der aber nichts anderes ist als Ausdruck von Lebensfeindlichkeit. Wer nicht an die eigene Veränderung glaubt, soll von den „Kindern der Zukunft“ gefälligst schweigen!

Wilhelm Reich, Physiker: 3. Der physikalische Laie Wilhelm Reich, d. Experiment und Theoriebildung

23. Februar 2026

Wilhelm Reich, Physiker: 3. Der physikalische Laie Wilhelm Reich, d. Experiment und Theoriebildung

Reichs phänomenologische Naturwissenschaft (Teil 8)

22. Februar 2026

Bernd A. Laska war primär Reichianer und als solcher hat er sich so gut wie gar nicht für „Deutungen“ interessiert. Ich erinnere im Vergleich an das Vorgehen des Aufklärers des 20. Jahrhunderts: Freud, der seine Patienten mit wohlfeilen Deutungen bombardiert hat, was wohl anfangs dramatische Ergebnisse zeitigte, aber schnell, als die Psychoanalyse zum „Kulturgut“ wurde, zu Allgemeinplätzen wurde, die mit jeder neuen Patientengeneration immer mehr verpufften. Der therapeutische Erfolg war gleich null, d.h. am Charakter der Patienten änderte sich nichts, der Status quo wurde bewahrt und zur Aufklärung wurde nichts beigetragen, sondern ganz im Gegenteil. Entsprechend hätte Bernd A. Laska über das Über-Ich, das Eigene, Selbstermächtigung, „Metaatheismus“ etc. als „LSR-Weiser“ deduktiv schwadronieren können. Eine Karikatur vom „Kerngehalt des LSR-Projekts“ wäre eine weitere Facette im Scheinpluralismus unserer Demokratie geworden. Stattdessen hat Laska, sich explizit an Reich anlehnend, nicht „Freudsche Psychoanalyse“, sondern induktive „Reichsche Charakteranalyse“ betrieben, d.h. ist vom konkreten Verhalten ausgegangen und hat dieses Verhalten einfach nur gespiegelt: wie sich die Leute bis heute zu LaMettrie, Stirner, Reich und ihrem jeweiligen Werk verhalten haben und noch immer verhalten in immer neuen Panzerschichten (Primär-, Sekundär-, Tertiärverdrängung).

Ein Patient, dessen Mutter gerade gestorben ist, kommt zum Psychoanalytiker: während Freud die Gelegenheit nutzt, um den Ödipuskomplex anzugehen, fragt Reich: „Sie erzählen mir, ihre Mutter sei gestern gestorben. Warum lächeln sie dabei?“ Der Patient Freuds flüchtet in seinen Kopf, d.h. er „intellektualisiert“, und Resultat sind die blasierten „weisen“ Leute, die typischerweise Produkt einer Psychoanalyse sind, während der Patient Reichs mit seinen Gefühlen in Kontakt kommt und zwar von den oberflächlichen zu immer tieferen. Wie in der Charakteranalyse Reichs steht auch bei Laska am Ende das, was er hätte predigen können, was aber verpufft wäre, wenn er es „verkündet“ hätte.

Bei den beiden Ärzten LaMettrie und Reich steht am Ende derjenige, der ungehemmt Wollust empfinden kann. Bei den beiden „Paraphilosophen“ Stirner und Laska ist es der, der sich jenseits der bloßen Begriffe und Deutungen seiner Eigenheit und Einzigkeit bewußt wird. Daß beide Ansätze, also Laskasche „Paraphilosophie“ und Reichsche „Biophysiologie“ identisch sind, sollte evident sein.

Das Problem der Hemmung bzw. Panzerung“ geht jedoch weitaus tiefer, denn vor Überwindung der Hemmung, steht die Meisterung dessen, was Reich als „Emotionelle Pest“ bezeichnet hat. Sie ist vielleicht Reichs wichtigste Entdeckung. Was ist die „Emotionelle Pest“? Zunächst widerlegt Reich in einem Kapitel der Charakteranalyse Freuds Todestriebtheorie. Der Masochist strebt nicht etwa Unlust an, sondern er hat Angst vor zu heftiger Lust. Einer Lust, die ihn zerreißen würde und die darüber hinaus mit einem unüberwindlichen Schuldgefühl behaftet ist. Der Masochist sucht nach einem gangbaren Kompromiß: lauter kleinere Lusterlebnisse und er provoziert die Umwelt so, daß sie ihm diese „kompromißlerischen“ Lusterlebnisse verschafft, ohne daß man ihn selbst dafür verantwortlich machen könnte. Er windet sich lustvoll unter der Peitsche der Domina, ist aber stinksauer, wenn sie wirklich richtig zuschlägt. Von „Todestrieb“, an den Freud naiver Weise glaubte, kann also gar nicht die Rede sein.

Anders ist es mit der Emotionellen Pest bestellt, die Reich im Anschluß beschreibt: sie ist gewisserweise tatsächlich ein „Todestrieb“. An der Emotionellen Pest erkrankte Menschen finden, ähnlich wie der Masochist, keine Befriedigung im Leben, tun daraufhin aber etwas, was der normale Neurotiker, darunter auch der Masochist, der einfach nur leidet, nicht tut: sie versuchen generell den „Lebensimpuls“ aus ihrer Umwelt zu löschen, um buchstäblich ihre Ruhe zu haben. Die „Tiefenperson“ wird ermordet und es bleibt der Roboter – nichts anderes macht die mechanistische Naturwissenschaft theoretisch und praktisch!

Die Emotionelle Pest, Reichs größte Entdeckung, ist gleichzeitig seine bei weitem problematischste, denn wie leicht ist es, wirklich jede beliebige Person und jedes beliebige Verhalten mit dem Diktum „Emotionelle Pest“ zu erschlagen! Laska war hier eindeutig ein Opfer. Er hat keine eigene Orgontherapie durchlaufen, sich nicht an Orgonomen orientiert, hat den orgonomischen Dissidenten Alexander Lowen zu Wort kommen lassen, offene Angriffe auf Reich zugelassen etc.: „Emotionelle Pest“! Nicht durchgehend aber sporadisch und mit einem schon anhaltenden untergründigen Ressentiment gehörte auch ich zu diesen Anklägern.

Unlösbar damit verwoben war die Frage nach der Entdeckung des Orgons. Beispielsweise lies Laska es zu, daß in seiner Zeitschrift ein maoistischer Physiklehrer, der offen der „Viererbande“ nachtrauerte (sie seien Opfer der „Emotionellen Pest“ gewesen), das Orgon zerpflückte. Offenbar beeindruckte das Laska so sehr, daß er sich fast vollständig von dem Thema zurückzog: orgone forgone. Mein Ressentiment wuchs parallel zu Laskas zunehmender Distanz zur Orgonomie.

Reichs phänomenologische Naturwissenschaft (Teil 7)

21. Februar 2026

Reich war kein Philosoph, er war Naturwissenschaftler. Was ihn ausmacht ist 1. die Entdeckung des Orgons und 2. des Mechanismus, mit dem sich die Menschen gegen das Orgon „abpanzern“.

Was bei Max Stirner der „Panzerung“ entspricht, ist, wie bereits zitiert, offensichtlich: die Besessenheit mit dem „leeren, leblosen Begriff“, „wogegen die Eigenen das stämmige lebenvolle Einzelne vom Wust der Allgemeinheiten zu entlasten trachten“ (Stirner: Der Einzige und sein Eigentum, reclam, S. 254, Hervorhebung von PN).

Reich hat gegen die willkürlichen, faktenfreien Begriffe, aus denen deduktiv zu erschließen ist, beispielsweise wie Kinder zu erziehen sind, das induktiv nachweisbare „lebenvolle“ Orgon gestellt. Diese „objektive Autorität“ des Orgons steht nicht im Gegensatz zur persönlichen „Eigenheit“, von der Stirner sprach, sondern ist sozusagen deren Substanz – die schlichtweg vorhandene Natur des Menschen, sein Kern. Das Orgon ist also keine externe Autorität, kein Über-Ich, sondern dessen Gegenteil: die Bedingung der Eigenheit. In diesem Sinne hat Naturwissenschaft die Funktion uns sozusagen zu erden.

Der Eigene bzw. der Einzige ist der Konkrete, Greifbare schlechthin. Genauso betrachtete Reich das Orgon: als das Konkrete, Greifbare schlechthin, das unmittelbar im freien Atmen, wenn man ganz man selbst ist, erfahren wird. In Reichs Orgontherapie gibt es nur ein „Gebot“: Atme!! Was nichts anderes ist als: laß dich gehen und sei das autonom funktionierende Lebensprinzip selbst.

Daß sich die Menschen dieser Identität von „Ich“ und „Pneuma“ nicht gewahr sind, ist für das mechanistische Weltbild verantwortlich, das Ahnen dieser Identität für das „spirituelle“ Weltbild.

Wie Reich 1941 schrieb, konnte der Mensch, der von jeher das Orgon in sich spürte, sich nur als Objekt und Werkzeug dieser Macht empfinden, – der er sich gerne unterwarf, da sie ihm orgastische Erfüllung verhieß. Dies erkläre, warum sich der Mensch so gerne und widerstandslos irrationalen, d.h. religiösen Gefühlen hingibt. Erst er, Reich, sei weitergegangen und habe diese Energie, die bisher als unerkennbarer Gott mystifiziert wurde, durch Induktion zugänglich und handhabbar gemacht. Erst er, Reich, habe die Angst vor dem Numinosen, dem Tabu, dem Heiligen überwunden (Die Funktion des Orgasmus, 1942). Orgon ist Aufklärung!

Das Orgon entspricht dem, was für Stirner Gott ist: der, der unnennbar und vollkommen autonom ist; der, der alles aus dem „Nichts“ erschaffen hat: der Einzige, den kein Begriff jemals erfassen kann, weil er autonom ist (Der Einzige und sein Eigentum, S. 412). „Gott“ verkörpert genau das, was Stirner für sich selbst, sein Ich in Anspruch nimmt, nämlich der Einzige zu sein. Verwirrenderweise ist aber auch die Panzerung „Gott“: der „Gott“ im Sinne eines Usurpators, Freuds „Über-Ich“, „Gott Vater“; das, was Stirner als „innere Hierarchien“ bezeichnet hat – die verinnerlichten Autoritäten, die den Eigner enteignen. Hier wieder Orgon gegen Panzerung.

Wenn Reich auf einen Philosophen zurückgeht, dann ist es Hegel, den er, so bin ich mir sicher, nie gelesen hat. Marx und Engels (insbesondere aber auch Lenin) hat er jedoch in extenso studiert und so die materialistisch gewendete Hegelsche Dialektik in Gestalt des Dialektischen Materialismus übernommen und zur Grundlage seiner Forschungsarbeit erkoren. Dialektik sieht die Einheit im Gegensatz und den Gegensatz in der Einheit, was nichts anderes bedeutet, als daß sich der Geist bzw. bei Engels die Natur spontan aus sich selbst entfaltet. Das ist jene „schöpferische Spontanität“, die Stirner für seinen Einzigen reklamierte.

Reich war, wie gesagt, kein Philosoph, hat also nicht über Umwege Hegels „absoluten Geist“ in sein Orgon uminterpretiert, vielmehr hat er zweierlei getan:

Erstens hat er im Dialektischen Materialismus bzw. in seinem orgonomischen Funktionalismus so gedacht und geforscht, wie die Natur funktioniert, nämlich nicht starr mechanisch auf Grund äußerer Zwänge, sondern spontan „flüssig“ aus ihrer eigenen Widersprüchlichkeit heraus.

Und zweitens war er weder ideologisch noch körperlich gepanzert, d.h. er war über-ich-frei, indem er weder der etablierten Wissenschaft gefolgt ist, noch verinnerlichte gesellschaftliche Normen auf sich wirken ließ. Beides wirkt sich körperlich und geistig so aus, daß man mit dem Lebendigen nicht mitschwingen kann. Sein Weg begann, ähnlich wie bei LaMettrie, mit einer radikalen Ablehnung jedweder sexuellen oder sagen wir lieber genitalen Hemmung. Ohne Panzerung tritt das zutage, was Reich als „Menschentier“ bezeichnete und Friedrich Kraus als „Tiefenperson“.

Reichs phänomenologische Naturwissenschaft (Teil 6)

20. Februar 2026

Reich hat Max Stirner nur in einem nicht veröffentlichten Aufsatz, seinem ersten überhaupt (über Ibsens Peer Gynt), und zweimal in seinen Tagebüchern erwähnt, jeweils im weiteren Zusammenhang mit Nietzsche bzw. Marx. Wirklich entscheidend ist eine späte Erwähnung in seinem Werk Christusmord von 1953, wo Stirners Name scheinbar deplaziert in der Bibliographie fällt.

Bei genauerer Lektüre des Neuen Testaments und von Stirners Einzigem fällt die tiefgründige Übereinstimmung ins Auge. Es geht um das Phänomen der „Besessenheit“. Die Evangelien handeln, abgesehen von der Kreuzigung, nur um ein einziges Thema: Jesu Zweifrontenkrieg gegen „Dämonen“, also dem, was Reich „sekundäre Triebe“ nannte und Stirner als Besessenheit mit einseitigen Trieben bezeichnete, denen alle anderen geopfert werden (Stirner: Der Einzige und sein Eigentum, reclam, S. 18) – und zweitens gegen das „Gesetz“, das diese Triebhaftigkeit einschränken soll, sie aber tatsächlich erst erzeugt. Es dreht sich bei Jesus alles um das, was Bernd A. Laska und im Anschluß an ihn Christian Fernandes als „Jahrtausendentdeckung“ bezeichnet haben.

Nach katholischer Lehre sind Dämonen gefallene Engel – Gott Vater, das „Über-Ich“ schränkt die Triebe ein und erzeugt so die dämonische Triebhaftigkeit. Engel und Dämonen sind körperlose Wesen, sozusagen bloße Begriffe. Und das menschliche Dilemma entstammt, so Stirner, der „Sehnsucht der Idee nach ihrer Leiblichkeit“ (ebd., S. 410). Die Menschen sind von einseitigen, tyrannisch gewordenen Teiltrieben und von toten Begriffen besessen. Aufklärung bedeutet es, diesen Prozeß zu entzaubern, bewußt zu machen und ihn dergestalt seiner Grundlagen zu berauben.

Ursprünglich war Satan nur der Ankläger am Hofe Gottes, der strenger und „gottesfürchtiger“ war als Gott selbst. Satan ist das ultimative „Über-Ich“ und damit der Erzfeind des Menschen, denn in seinen Augen sind wir alle wertlos und abscheulich. Später wurde er zum Feind Gottes, vor allem dort, wo er den Gottmenschen Jesus Christus in Versuchung führt und zu beweisen versucht, daß sogar Christus selbst ein verderbtes Stück Scheiße ist wie jeder andere Mensch auch. Über-Ich und Panzerung sind funktionell identisch, d.h. Satan IST Panzerung. Und Satan war einst oder besser gesagt, ursprünglich der höchste Ausdruck der Gerechtigkeit Gottes… Siehe Mephisto in Goethes Faust: er, d.h. Satan selbst ist der moralischste aller Figuren in diesem Drama: weil alles und jedes nicht seinen hohen Ansprüchen genügt, will er das ganze Universum zerstören. Er ist der Geist der Rache und des Ressentiments.

Was meinen wir, wenn wir von „Christus“ und „Dämonen“ sprechen? Christus ist die Personifizierung des freien, ungehinderten Lebensimpulses. Er ist gekennzeichnet durch grundlegende Güte und Anstand, die immer dann zum Vorschein kommen, wenn der harte Überlebenskampf einem ungehemmten und entspannten Funktionieren weicht. Zum Beispiel jagen und töten Wölfe und Löwen, wenn sie hungrig sind, alles auf die brutalste und gnadenloseste Weise. Wenn sie sich aber in menschlicher Obhut befinden und gut gefüttert werden, sind sie die liebevollsten Gefährten und kuscheln mit Schafen. Es gibt eine Grundtendenz im Lebendigen, nett und sanft und fürsorglich zu sein. Christus ist nicht nur ein Symbol für diesen Funktionsbereich, sondern seine eigentliche Verkörperung.

Dämonen sind nicht einfach Symbole für sekundäre Triebe. Nach dem christlichen Glauben sind sie gefallene Engel und damit von Natur aus Geister. Sie wollen etwas, was sie aufgrund ihrer Natur niemals erreichen können: wirklich lebendig sein, d.h. einen Körper aus Fleisch und Blut besitzen. Deshalb sagen sie uns aus ihrer Verbitterung und Eifersucht heraus, daß wir Menschen nur „Behälter“ sind und daß unser „Geist“ unser wahres Selbst sei. Das ist in der Tat die grundlegende „satanische“ Doktrin! Aus ihrer Eifersucht heraus bringen sie dich also dazu, deine Haare mit Signalfarben zu färben, deinen Körper zu verstümmeln, den Tempel deiner Seele zu tätowieren (zu verunstalten) und zu verstümmeln, dein Geschlecht zu ändern, sogar deine Genitalien abzuschneiden, Drogen zu nehmen und Selbstmord zu begehen. Sie ergreifen Besitz von dir und übernehmen die Kontrolle, weil sie unbedingt einen Körper ihr eigen nennen wollen. Aber alles, was sie damit tun können, ist, ihn zu mißbrauchen und Christus zu verunglimpfen, zu verhöhnen und zu töten, d.h. Gott, der Fleisch und Blut wurde, – etwas, daß sie nicht vermögen.

Reichs phänomenologische Naturwissenschaft (Teil 5)

19. Februar 2026

Der Staat beruht darauf, daß jeder seinen eigenen Polizisten in sich trägt, sein Über-Ich. Doch führen Max Stirners Beispiele für den über-ich-freien „Verein“, wie Spielgemeinschaften von Kindern und auch Bernd A. Laskas Beispiel Liebesbeziehungen von Erwachsenen (Laska: Der sexuelle „Verein“ Prototyp des Stirner’schen „Vereins“, 2002), kaum weiter. Interessanter ist da Stirners Vorschlag der praktisch identisch ist mit Reichs anfänglichen Entwürfen einer „natürlichen Arbeitsdemokratie“, die geradezu „rätekommunistische“ Züge trugen. Stirners Alternative zu den überkommenen Gilden und den damals neuen kapitalistischen Unternehmungen ist, daß sich die Betroffenen beispielsweise über das Brotbacken verständigen und eine öffentliche Bäckerei einrichten. Das Backen sei dann „Sache der Vereinten“ (Der Einzige und sein Eigentum, reclam, S. 306). Dieses Beispiel führt deshalb weiter, weil das Brotbacken „naturgegebene“ Regeln aufzwingt, für die der Besessene taub ist.

Stirner hat sich ja selbst praktisch in die „Milchwirtschaft“ eingebracht, eine an sich hervorragende Idee, die sicherlich auch schließlich mit Erfolg gekrönt worden wäre, hätte er gebührend berücksichtigt, daß damals Frischmilch eine extrem verderbliche Ware war, die keinerlei Anlaufschwierigkeiten einer solchen Unternehmung toleriert. Seine Unternehmung war eine Kopfgeburt und deshalb nicht wirklich arbeitsdemokratisch, d.h. „natürlich gewachsen“.

Bei der „Charakteranalyse“ haben wir gesehen, daß die Wahrheit bzw. die „richtige Deutung“ den Menschen nicht aufgedrängt werden darf. Reich nannte das Aufdrängen von zu tiefen Wahrheiten bei Menschen, die strukturell dazu nicht bereit sind, „Wahrheitskrämerei“. Sie führt nicht zur Wahrheit, sondern endet im Chaos und führt zur Lüge. Genauso gibt es, Reich zufolge, auch eine „Freiheitskrämerei“. Es war praktisch zwangläufig, daß die Marxsche „freie Assoziation der Produzenten“ im Gulag mündete. Menschen, die dazu strukturell nicht bereit sind, geraten in einen Freiheitstaumel und das Ergebnis ist wieder Chaos und letztendlich Unfreiheit, um dieses Chaos zu bändigen. Willkürliche, „unnatürliche“ Befreiung führt zwangsläufig in die Unfreiheit.

Stirner kommt diesem Gedanken nahe, wenn er schreibt, daß an die Stelle der Revolution die Empörung treten müsse. Für ihn haben die Unterdrückten keinerlei Recht auf Freiheit – „weil sie die Freiheit nicht haben, haben sie eben das Recht dazu nicht“. Sie wüßten die Freiheit nicht zu nutzen, wenn man sie ihnen geben würde – und deshalb sind sie nicht schon längst frei (ebd., S. 207).

Dies ist exakt der gleiche Gedanke, der auch hinter Reichs Kampf gegen die verantwortungslose „Freiheitskrämerei“ steht. Beide Männer hatten die gleiche Lösung für das menschliche Dilemma: die Kinder von Anfang an so zu erziehen, daß sie ihre natürliche Freiheitsfähigkeit beibehalten.

Die alles entscheidende Lücke bei Stirner ist jedoch der Mangel an Körperlichkeit allgemein und am Sexuellen im allgemeinen. Ein Stirnerianer könnte „Pride“ sein, ein LaMettrieaner oder Reichianer nie und nimmer.

Natürliche Wollust, das was Reich als „orgastische Potenz“ bezeichnete, führt zur Tugend und umgekehrt führt die wohlverstandene Tugend zur Wollust.

Reichs phänomenologische Naturwissenschaft (Teil 4)

18. Februar 2026

Man könnte demnach einwenden, daß Goethe, Husserl und schließlich Reich das genaue Gegenteil des denkbar radikalen „Nominalismus“ Max Stirners verkörpern, bei dem es um den Gegensatz zwischen dem „lebenvollen Einzelnen“ und dem „leeren, leblosen Begriff“ geht (Stirner: Der Einzige und sein Eigentum, reclam, S. 254).

Hat nicht Reich die „orgastische Potenz“ bzw. die „Genitalität“, das „Orgon“ bzw. „die kosmische Lebensenergie“ und die Hegelsche Dialektik bzw. den Dialektischen Materialismus in Gestalt des „orgonomischen Funktionalismus“ mit seinen „kosmischen Formgesetzen“ als „Allgemeinheiten“ hingestellt! Allein schon seine Definition einer allgemeingültigen „Gesundheit“!

Es geht aber genau darum, daß es bei den Allgemeinheiten gar nicht um ein philosophische Problem geht, sondern um den einen Faktor: das, was Laska, etwas hilflos als „irrationales Über-Ich“ bezeichnet hat. Jeder Physiker weiß, daß die Welt nach „Platonistischen“ Gesetzen, sozusagen dem „rationalen Über-Ich“, funktioniert und jeder gegenständliche bildende Künstler weiß, daß er vor der Wirklichkeit nicht kapitulieren muß, denn alles läßt sich quasi kubistisch auf wenige Formen reduzieren, die dann nur „ausgemalt“ werden müssen.

Stirners „Nominalismus“ kann uns gleichgültig sein. Laska führt aus, daß Freud für die bunte absolut unerschöpfliche Erscheinungswelt der Neurosen stand, sozusagen für „Diversität“, während Reich quasi „Platonistisch“ der einförmigen Gesundheit das Wort redete (Laska: Status der Reich’schen Theorie. C. Freuds „Kommentar“ zu Reich. Wilhelm Reich Blätter 3/80:114-163, 1980).

  • Freud: „Nur das Zusammen- und Gegeneinanderwirken beider Urtriebe Eros und Todestrieb erklärt die Buntheit der Lebenserscheinungen.“
  • Reich: „Die sogenannte individuelle Differenzierung der Menschen ist heute im wesentlichen ein Ausdruck überwuchernder neurotischer Verhaltungsweisen.“

Als guter Demokrat preist Freud hier die Panzerung (sich wechselseitig blockierende und verstärkende Triebe), während Reichs Haltung an Schneeflocken denken läßt, die allesamt einförmig sechseckig sind – und doch gibt es keine zwei Schneeflocken, die identisch sind. Hegels Identität von Identität und Nichtidentität bzw. Reichs gleichzeitige Einheit und Gegensätzlichkeit.

Das Problem bei Stirner ist, daß diejenigen, die wegen ihrer Degeneration gesellschaftlich ausgestoßen sind, sich als „Eigner ihrer selbst“ gerieren, und wirklich alles, was sie als Zumutung empfinden, als „Fremdbestimmung“ denunzieren können. Dieses Problem hat Reich einfach durch die simple Überlegung gelöst, daß du nicht wirklich du selbst bist, wenn lebenswichtige Reflexe bei dir nicht auslösbar sind. Das fängt beim Gewebeturgor an, geht über die Auslösung des Brechreizes bis hin zum Reich‘schen Orgasmusreflex, der dich unmittelbar mit kosmischen Funktionen verbindet (siehe Die kosmische Überlagerung).

Hier sind wir wieder beim Problem des radikalen Nominalismus Stirners (die Hypostasierung des Individuellen): man kann Stirner dergestalt radikal interpretieren, aber dabei kommt dann doch stets ein lauwarmer Extremliberalismus heraus. Wirklich radikal ist es aber, Stirner im Sinne Laskas zu lesen. Es geht hier nicht um alte scholastische Scheinprobleme, sondern um die Liquidierung des verinnerlichten Fremden: das erst durch dessen Auflösung zum Selbst wird. Dann tritt der „Naturbursche“ Stirners, das „Menschentier“ Reichs, zutage und mit ihnen Naturgesetzlichkeiten, die nur das Wort mit menschlichen „Gesetzen“ gemein haben. Stirner spricht vom „Natursohn“, will die Ernüchterung (Stirner, S. 181), d.h. zu den „eigenen Gefühlen“ kommen (ebd., S. 70), die der „menschlichen Natur“ (ebd., S. 372), der Stimme des Fleisches entsprechen (ebd., S. 68).

Solche Überlegungen bringen mich zu einem Bekenntnis zum Naturrecht, wohl wissend, daß 99,9 Prozent aller, die etwas Fundiertes über Stirner sagen können, Stirner als geradezu den Gegner des Naturrechts hinstellen. Philosophisch und philologisch zu recht.

Mit Stirner antworte ich: daß „Gott, Gewissen, Pflichten, Gesetze usw.“ bloße Flausen sind, „mit denen man Euch Kopf und Herz vollgepfropft und Euch verrückt gemacht [hat]“. Während „die Naturstimme“ eben, so Stirner, keine teuflische Verführerin ist, sondern umgekehrt vielmehr Gottes- und Gewissensstimme „Teufelswerk“ sind: „das Unkraut der Selbstverachtung und Gottesverehrung (…), [welche] die jungen Herzen verschlämmen und die jungen Köpfe verdummen“ (ebd., S. 179).

Diese „Naturstimme“ ist mir besonders wichtig angesichts der oben beschriebenen mechanistischen Weltanschauung, die heute in KI und Robotik kulminiert. Reich hat sich in Massenpsychologie des Faschismus breit darüber ausgelassen, daß der Mensch sich abpanzerte, also das Über-Ich triumphierte, als er sich mit dem identifizierte, was sein bloßes Werkzeug ist: die Maschine. Der Mensch versuchte das Lebendige mit Hilfe des Modells einer Maschine zu erklären und wurde dabei selbst maschinell: ein Teufelskreis.