Podcast Episode: Orgonomie und Erinnerungskultur
3. November 1957Einige Gedanken zur Rolle der Diagnose in der Orgontherapie (Teil 3)
7. Oktober 2026Man darf die Charakterdiagnose der Orgonomen nicht mit irgendeiner anderen Diagnose und Kategorisierung gleichsetzen, denn der Orgonom sieht die neurotische Struktur als Unterbrechung der natürlichen gesunden Bewegung, d.h. als Störung der genitalen Charakterstruktur an. Diese Einteilung ist also erstens nicht willkürlich (da sie auf der Untersuchung der Panzerungssegmente beruht) und führt zweitens schnurstraks zur genitalen Struktur. Wer behauptet, daß es z.B. keinen festumrissenen analen Charakter gibt, sagt damit, ob er will oder nicht, daß es auch keinen genitalen Charakter gibt, damit ist die Orgasmustheorie hinfällig, die Orgonenergie (wenn sie etwas anderes sein soll als irgendein mechano-mystisches Lebensenergiekonzept) und überhaupt alles!
Die Psychoanalyse war ein wildes Herumgedeute, das den Patienten nur noch kränker gemacht hat (etwa Freuds Wolfsmann und der Rattenmann). Dann ist Reich gekommen und hat aufgeräumt. Man lese nur mal auf S. 55 der Charakteranalyse (KiWi) über die vier Fehler, die Reich zufolge Psychoanalytiker vor ihm machten:
1. Zu frühe Deutung des Sinnes der Symptome und anderer Äußerungen des zutiefst Unbewußten, besonders der Symbole. Der Patient bemächtigte sich im Dienste seiner geheimgebliebenen Widerstände der Analyse, und zu spät bemerkt man, daß er sich, völlig unangetastet, im Kreis dreht.
2. Deutungen des Materials in der Reihenfolge, in der es sich klar geboten hat, ohne daß Rücksicht auf den Aufbau der Neurose und die Schichtung des Materials genommen wurde. Der Fehler beruht darin, daß man nur deshalb deutet, weil das Material klar zutage trat (unsystematische Sinndeutung).
3. Aber nicht nur, daß man überallhin deutend folgte, brachte die Analyse in Unordnung, sondern auch, daß dies geschah, ehe die kardinalen Widerstände bearbeitet wurden. Die Sinndeutung ging der Widerstandsdeutung voraus. Die Situation wurde noch mehr verwickelt dadurch, daß die Widerstände sich sehr bald mit der Beziehung zum Arzt verknüpften und die unsystematischen Widerstandsdeutungen auch die Übertragungssituation komplizierten.
4. Die Deutung der Übertragungswiderstände war nicht nur unsystematisch, sondern auch inkonsequent, das heißt, es wurde zu wenig darauf geachtet, daß der Patient die Tendenz hat, seine Widerstände wieder zu verbergen, bzw. durch unfruchtbare Leistungen oder akute Reaktionsbildungen zu maskieren. Die latenten Übertragungswiderstände wurden meist übersehen, oder man fürchtete, sie zur Entfaltung zu bringen und ihnen konsequent nachzugeben, wenn sie sich – in welcher Form immer – verbargen.
Mit einer leicht veränderten Begrifflichkeit trifft diese Kritik noch immer die angebliche „Orgontherapie“, wie sie „Reichianer“ betreiben. Es ist geradezu grotesk, daß wir heute mit den „Reichianern“ immer noch das gleiche Problem haben, aber das kann man kaum Reich selbst anlasten, da er einzig und allein Elsworth F. Baker und damit das American College of Orgonomy autorisiert hat, andere auszubilden. Außerhalb dieser Tradition gibt es keine Orgontherapie!
Das Grundproblem der Orgontherapie ist imgrunde ganz einfach. Nehmen wir mal eine fiktive Hysterikerin! Die fährt mit ihren Jahresersparnissen nach Amerika, um ihre Sehnsucht nach dem Vater in 20 Stunden aufzuarbeiten. Richtig wäre es gewesen, ganz trocken, ohne jeden unmittelbaren Effekt, 150 Stunden sachte und vollkommen uninvasiv das okulare Segment zu öffnen und dabei „nebenbei“ die hysterische Flucht zu thematisieren, wenn sich das Thema von allein ergibt. Nur das hätte ihr helfen können. Aber wie hätte sie reagiert? „Das bringt doch nichts! Ich fahre extra nach Amerika, aber das einzige, was ich da tat, war die Augen zu drehen und rumzuquatschen, wobei alles von mir ausging und der Orgonom nur im Telegrammstil redete! Das ist doch ein schlechter Witz!“ Stattdessen hatte die Hysterikerin mit dem Orgonomen eine bewegende Seelenaffäre, viel körpertherapeutische Zuwendung und alle Segmente wurden berücksichtigt. Sie war begeistert. Nur hatte das nichts mit Orgontherapie zu tun. Es war ein aufregender „bioenergetischer“ Abenteuerurlaub.
Meines Erachtens ist auch folgendes wichtig, was Dr. Schwartzman einem seiner Patienten gegenüber zum Ausdruck gebracht hat: „Glauben Sie ja nicht, daß ich auch nur einen Gedanken an sie verschwende, wenn ich wieder zuhause bin!“ Während die Psychoanalyse auf der infantilen Illusion aufbaut („Übertragung“), versucht die richtige Orgontherapie alles, den Patienten in der Wirklichkeit des Hier und Jetzt zu halten bzw. dorthin, d.h. ins Hier und Jetzt, zurückzubringen.
Und als dritter Punkt: dem Patienten niemals und unter keinen Umständen die eigene Sichtweise aufzwingen, wie es in der Psychoanalyse gang und gäbe ist. Wenn für ihn ein Flugzeug kein Phallussymbol ist, es ihm nicht einbleuen. Wenn er mit der falschen Frau verheiratet ist, ihn mit den eigenen Gefühlen in Kontakt bringen, aber doch nicht ihn gegen diese falsche Frau beeinflussen. Vielleicht hat der Patient ja auch recht!
Um die drei Punkte auf einen Nenner zu bringen: die falsche „Orgontherapie“ macht den Patienten immer infantiler (narzißtischer, „freakiger“, un-selbst-kontrollierter, unrealistischer, unselbständiger, etc.), während die richtige Orgontherapie ihn immer erwachsener macht.
Natürlich kann es auch bei einer richtigen, perfekten Orgontherapie zu Krisen kommen, aber die sind immer begrenzt und kontrolliert: der Arzt weiß, was in der Zukunft passieren wird. Es ist wie bei einer uralten dicken Furunkel am Bein. Der richtige Arzt schneidet sie auf, läßt sie auseitern und ausbluten, wobei sich zeitweise die Entzündung enorm verschlechtert, aber das ist schnell überwunden und das Bein heilt aus. Das Beispiel jetzt auf den Körpertherapeuten übertragen: der knibbelt, knubbzt, rubbelt und drückt an der Furunkel rum, der Eiter wird buchstäblich in den Knochen gedrückt, der sich entzündet – bis zur Beinamputation. Es ist ganz einfach: entweder weiß man, was man tut, oder man weiß es nicht.
Einige Gedanken zur Rolle der Diagnose in der Orgontherapie (Teil 2)
6. Oktober 2026Eine der schlagendsten Einwände gegen die von Elsworth F. Baker in Der Mensch in der Falle dargelegten psychiatrischen Nosologie betrifft die anale Schizophrenie. Baker zufolge würde der anale Zwangscharakter überproportional häufig eine katatone Schizophrenie entwickeln. Doch, so der Einwand, gäbe es weder epidemiologisch einen Hinweis darauf, daß Leute, die die Kriterien für die ICD-10-Diagnose „anankastische Persönlichkeitsstörung“ („Zwangspersönlichkeit“) erfüllen, häufiger eine Krankheit kriegen, die die ICD-10-Kriterien für „katatone Schizophrenie“ erfüllt, noch darauf, daß von den Leuten, die die Kriterien für die ICD-10-Diagnose „katatone Schizophrenie“ erfüllen, überproportional viele prämorbid die Kriterien für die ICD-10-Diagnose „anankastische Persönlichkeitsstörung“ erfüllt hätten. Eine zwanghafte Persönlichkeit zu haben, könne nicht als Vulnerabilitätsmarker für die Entwicklung einer katatonen Schizophrenie gelten. Bakers Annahme würde also von den epidemiologischen Fakten nicht gestützt und sei deshalb kaum mehr als eine vor-wissenschaftliche Spekulation aufgrund vorsintflutlicher psychoanalytischer Spekulationen.
Von orgonomischer Warte kann man anfügen, daß, während heutzutage von den Orgontherapeuten kaum je Zwangscharaktere diagnostiziert werden, die Diagnose katatoner schizophrener Charakter zu den häufigsten orgonomischen Diagnosen überhaupt gehört. Das stellt zweifellos einen gewissen Widerspruch dar! Umgekehrt werden von der mit den ICD-10-Kriterien arbeitenden Psychiatern häufig Zwangsstörungen und anankastische Persönlichkeitsstörungen („Zwangspersönlichkeiten“) diagnostiziert, aber eher selten Katatonien. Bemerkenswert ist auch, daß rein klinisch Orgontherapeuten (die durchweg auch als klassische Psychiater ausgebildet sind und einen entsprechenden Facharzttitel besitzen!) feststellen, daß katatone Schizophrene nach Auflösung der Augenpanzerung, wie von Baker vorhergesehen, automatisch zu Zwangscharakteren werden, die dann als solche weiterbehandelt werden können.
Irgendwas paßt hier offensichtlich ganz und gar nicht zusammen! Mit Sicherheit hat die „anankastische Persönlichkeitsstörung“ (also Persönlichkeitsstrukturen, die durch Kontrollzwang, Regeln, Geiz und Starrheit etc. geprägt sind) wenig bis nichts mit dem Zwangscharakter zu tun. Zwangscharaktere sind durch ihre Rigidität und „Maschinenhaftigkeit“ definiert, nicht durch eine Liste von Symptomen, die man, ja, „zwangsneurotisch“ abhaken könnte. Außerdem zeigen sie einen auffälligen Hang zu verstärkter okularer Panzerung, was manchmal die Abgrenzung zum katatonen schizophrenen Charakter problematisch macht.
Baker würde darauf hinweisen, daß Zwangshandlungen nicht sonderlich mit dem Zwangscharakter korreliert sind (die Bezeichnung ist mehr historisch als deskriptiv bestimmt!), sondern daß derartige Symptome bei allen möglichen Charaktertypen auftreten, besonders aber beim diametralen Gegenteil des Zwangscharakters, also dem hysterischen Charakter. Charakterdiagnosen beruhen auf der alles bestimmenden Hauptabwehr, nicht irgendwelchen Symptomen! Es geht um das Sein, nicht um das Verhalten!
Im übrigen finden sich auch in der gängigen Psychiatrie unter den Vulnerabilitätsmarkern für die Entwicklung einer katatonen Schizophrenie Trotz, Angst vor Kontrollverlust (Aktivitätshemmung), vor allem aber Zweifel und Ambivalenz: halt Zwangscharaktere.
Es ist unmöglich, eine Entität (etwa den Zwangscharakter) aus der orgonomischen Nosologie zu nehmen, die etwas beschreibt, was die gängige Psychiatrie gar nicht kennt, nämlich die Charakterstruktur – und diese Entität dann mit der mechanischen Entsprechung aus der ICD-10 (also die „anankastische Persönlichkeitsstörung“) zu vergleichen. Das geht nur, wenn man es mit der funktionellen Entsprechung macht.
Das ist genauso, als wenn ich behaupten würde, daß sich die Lungen der Säugetiere aus den entsprechenden Organen der Fische entwickelt hätten. Darauf antwortet dann der Skeptiker, daß sich aus den Kiemen der Fische irgendwelche inneren Ohrknochen der Säugetiere entwickelt haben, aber eben nicht die Lungen. Mit dieser „Widerlegung“ träfe man mich aber in keinster Weise, denn die Schwimmblase der Fische wurde im Rahmen eines für die Evolution typischen Funktionswechsels zur Lunge der Säugetiere. Man darf nur vergleichen, was wirklich zusammenpaßt.
Es ist die Frage, ob man die Charaktereinteilung mit der ICD-10 vermischt und dergestalt ein heilloses Durcheinander erzeugt oder ob man, wie der medizinische Orgonom Peter A. Crist es getan hat, die ICD-10 jener orgonotischen Funktion zuordnet, zu der sie funktionell gehört: die „symptomatische“ Persönlichkeits-Fassade gemäß dem orgonomischen Dreischichtenmodell aus Kern (Natur), mittlerer Schicht (Charakter) und Fassade (Persönlichkeit).
Ein analoges Problem aus der internistischen Medizin ist die Frage, ob man etwa Reichs orgonenergetische Erklärung der Immunabwehr („B-Reaktion vs. T-Reaktion“) angesichts der neuen mikrobiologischen Erkenntnisse als überholt verwirft oder ganz im Gegenteil, wie es der medizinische Orgonom Charles Konia getan hat, die Immunabwehr („Erkennen und Ausschalten des Fremden“) mit Hilfe der Orgonometrie auf primordiale Funktionen zurückführt und dazu die neusten mikrobiologischen Erkenntnisse heranzieht.
Zum Schluß möchte ich ein weiteres Problem mit der katatonen Schizophrenie anführen. Wenn ein Orgontherapeut von einem „katatonen schizophrenen Charakter“ spricht, meint er einen Menschen, der aufgrund einer frühen Entwicklungsstörung (Reich meinte die ersten 10 Tage) eine außergewöhnlich starke Augenpanzerung davongetragen hat und dann beispielsweise aufgrund einer strikten Reinlichkeitserziehung eine (okular überlagerte!) zwanghafte Charakterstruktur entwickelt hat. Resultat dieser Kombination ist der katatone schizophrene Charakter. Reich zufolge ist die frühe okulare Panzerung durch die Spaltung zwischen bioenergetischer Erregung und der psychischen Wahrnehmung geprägt. Konia hat diesen Ansatz weiterentwickelt, indem er zwischen einer „Erregungsschizophrenie“ und einer „Wahrnehmungsschizophrenie“ unterscheidet. Die letztere entspricht weitgehend dem, was Psychiater als „Psychosen“ behandeln. Schizophrene, die unter ersterem leiden, brauchen in ihrem gesamten Leben jedoch keine einzige psychotische Episode durchmachen, sind aber trotzdem schizophrene Charaktere. Im ICD-10-System fallen sie unter den Tisch, was für ihre Psychotherapie, insbesondere aber eine etwaige pseudo-orgonomische „Reichianische“ Therapie, absolut verheerende Folgen zeitigen kann!
Einige Gedanken zur Rolle der Diagnose in der Orgontherapie (Teil 1)
5. Oktober 2026Beruht die orgonomische Charakterologie auf der Untersuchung der puritanischen Oberschicht in Wien, Berlin und London Anfang des letzten Jahrhunderts? Erstens haben Freud, Abraham und Jones nur Charakterzüge untersucht, doch nie eine systematische Charakterologie aufgestellt, das ist einzig und allein Reichs Leistung. Und zweitens hat Reich diese Charakterologie ganz im Gegenteil im großstädtischen Lumpenproletariat gewonnen, dessen Leben in psychischer Hinsicht verblüffend modern wirkt und deshalb Reich eine ich-psychologische Betrachtungsweise aufgezwungen hat. Die Charakteranalyse ist organisch aus der Schrift über den Triebhaften Charakter hervorgegangen.
Die „ich-psychologische“ Praxis der Orgontherapie verlangt, daß man von oben nach unten, vom Okularen zum Pelvikalen vorgeht – also vom Kopf („Ich“) aus. Ohne dieses Vorgehen, also im schlimmsten Fall vom Becken auszugehen, wie es viele „Reichianische“ quacksalberische Verbrecher tatsächlich tun, kann nur eine „chaotische Situation“ hervorrufen und den Patienten weiter in den neurotischen Sumpf stoßen.
Das bedeutet nicht, daß man schematisch vorgeht, sondern ganzheitlich. Konkret bedeutet dies eine korrekte charakteranalytische Diagnose, die dazu führt, das Schema („von oben nach unten“) den individuellen Gegengebenheit anzupassen. Wenn man den Patienten charakteranalytisch untersucht, dann wird man zwangsläufig zu einer Diagnose kommen – denn was sollte „Charakteranalyse“ sonst sein, als eben die Analyse des Charakters, wodurch die Diagnose von selbst gegeben ist. Das gleiche gilt für eine biophysische Untersuchung („Wie ist die Muskelpanzerung verteilt?“), die zwangsläufig zu einer Diagnose führt – denn was sonst sollte denn eine biopsychiatrische Untersuchung anderes sein, als eben die Analyse des Panzerungsmusters, wodurch die Diagnose von selbst gegeben ist. Ich habe da ganz konkret meine ersten Therapiestunden bei Dr. Schwartzman vor Augen, wie er sich zunächst mit mir Unterhalten hat und dann meinen ganzen Körper „angegrabscht“ hat. Ich kann mir nicht mal theoretisch vorstellen, wie denn das Handwerk des Orgonomen anders aussehen sollte!
Du hast fünf Patienten, Herrn Schmidt, Herrn Lehmann, Frau Martens, Herrn Müller und Frau Peters, die alle unter einem Zählzwang leiden und auch sonst einen ziemlich gleichen Eindruck vermitteln (alle sind depressiv, niedergeschlagen, antriebslos und klagen über eine innere Leere). Klassisch psychiatrisch fallen alle unter die gleiche Kategorie, entsprechend würden sie gleich behandelt werden. Der Orgonom jedoch würde diese Störung (den Zählzwang) an sich gar nicht groß beachten, sondern nur vor dem Hintergrund des Charakters sehen und entsprechend jeweils vollkommen anders behandeln: Herr Schmidt ist ein klassischer Zwangscharakter und deshalb sein Symptom integraler Bestandteil seines Charakters. Bei Herrn Lehmann jedoch ist der Zählzwang zwar ebenfalls ein Zwangssymptom, aber da Herr Lehmann ein katatoner Schizophrener, also kein analer, sondern ein okularer Charakter ist, muß die Behandlung weit mehr auf die okulare Kontaktlosigkeit eingehen, als bei Herrn Schmidt. Frau Martens, ein paranoid schizophrener Charakter, hingegen ist wohl auch ein okularer Charakter, aber bei ihr hat der Zählzwang eine ganze andere Funktion, d.h. es ist überhaupt keine (okular verzerrte) anale Symptomatik, sondern ein psychotisches Ritual, um böse Geister abzuhalten, obwohl sie ansonsten gar nicht psychotisch auffällig ist – sie wird aber psychotisch auffällig werden, wenn man den Zählzwang beseitigt, ohne den charakterlichen Hintergrund zu sehen. Herr Müller ist weder anal, noch okular belastet, sondern ein chronisch depressiver Charakter, der sich mit dem Zählen in Gang halten muß, sonst würde er vollends kollabieren. Und Frau Peters schließlich ist überhaupt nicht prägenital belastet, der Zählzwang ist einfach nur ein hysterisches Symptom, das die Funktion hat, die Männer von ihr fernzuhalten.
Eine Behandlung, die diese fünf vollkommen unterschiedlichen charakterologischen Reaktionsbasen des einen Symptoms nicht sieht, wird im besten Fall gar nichts erreichen, im allgemeinen aber desaströse Konsequenzen für den Patienten nach sich ziehen. Herr Schmidt mag seinen Zählzwang verlieren, aber als Konsequenz der Behandlung wird sein Zwangscharakter nur noch weiter verhärtet und Herr Schmidt vollends zu einer (dann wohlfunktionierenden) Maschine werden. Herr Lehmann wird wohl sein Symptom verlieren, aber dafür in einen nihilistischen Wahn verfallen und sich in sechs Jahren eine Kugel durch den Kopf jagen. Frau Martens wird nach der verhaltenstherapeutischen Beseitigung ihres Zählzwangs vom Psychiater auf Psychopharmaka gesetzt, weil sie zunehmend wunderlicher wird und Andeutungen macht, inkarnierte Dämonen müsse man erstechen. Herr Müller wird förmlich eingehen und schon bald an Krebs verstorben sein, nachdem sein Zählzwang erfolgreich behandelt worden war. Und Frau Peters wird nach erfolgreicher Behandlung einem Sexualmord zum Opfer fallen. – Und ihre Therapeuten werden jeweils wissenschaftlich nachweisen, daß ihre Therapien erfolgreich waren, denn der störende Zählzwang wurde ja jeweils beseitigt und entsprechend wäre es den Patienten auch besser gegangen.
Wenn man auf eine Diagnose verzichtet, könnte man sagen: orgonenergetisch ist Zwangszählen funktionell identisch mit einem vom restlichen Körper energetisch isolierten Gehirn, folglich muß das okulare und orale Segment aktiviert und ein energetischer Ausgleich hervorgerufen werden, indem der Hals, dann die Brust, das Zwerchfell usw. von Panzerung befreit bis die energetische Grundlage des Symptoms und der dem Symptom zugrundeliegenden soeben beschrieben Panzerungsstruktur durch die Herstellung der orgastischen Potenz beseitigt ist. Theoretisch mag, daß alles ja orgonomisch korrekt sein, doch praktisch wird der Pseudo-Orgonom Herrn Schmidt nicht im geringsten beeinflussen können (worauf er sagen wird, daß man einen krummgewachsenen Baum nicht mehr grade richten kann), aus Herrn Lehmann wird ein „orgonomischer“ Kultist werden, der jedem erzählt, er sei orgastisch potent (in Wirklichkeit bleibt er aber ein kontaktloser Katatoner), Frau Martens wird in die Anstalt eingeliefert und durch Psychopharmaka sich irreparable Gesundheitsschäden zuziehen (der Pseudo-Orgonom wird daraufhin den „Kleinen Mann“ anklagen, der die Größe und Klarsicht des Schizophrenen nicht ertragen könne und ihn deshalb kreuzige), bei Herrn Müller wird der Pseudo-Orgonom, der mal etwas charakteranalytisch arbeiten will, die dem Zählzwang angeblich zugrundeliegende Aggression hervorkitzeln wollen, woraufhin sich sein Patient suizidiert und Frau Peters wird nach zwei Sitzungen nicht mehr zum Pseudo-Orgonomen gehen und sich einen Rechtsanwalt suchen, weil sie sich sexuell attackiert fühlt.
DAS BLAUE BUCH 2012-2016: 3. Medizinische Orgonomie, e. Transsexualität / f. Mit Schlips und Gürtel / g. Fassade und Kern
4. Oktober 2026Martin Walsers Unbehagen in der Erinnerungskultur
3. Oktober 2026Bedenkenswert ist der Brief eines gewissen Jochen Weber an Martin Walser über dessen Rede am 11. Oktober 1998 in der Paulskirche. Im Verlauf der eigenen Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit sei ihm, Weber, aufgefallen,
wie im deutschen Fernsehen gewissenlos und gefühlskalt in zunehmendem Maße immer wieder Bildmaterial über die NS-Greuel eingesetzt wurde, um irgendein politisches Anliegen zu untermauern. Die Würde der präsentierten Toten hatte keinerlei Bedeutung. Gewisse Fernsehbeiträge ähnelten immer mehr, in Aufbau und Stil, der Goebbelschen Propaganda. Die vielen Leidenden und die massenhaften Toten wurden als Manövriermasse mißbraucht. Inzwischen entlarvt allein schon der Hinweis auf Auschwitz das unredliche Argument. (Frank Schirrmacher (Hrsg.): Die Walser-Bubis-Debatte, Frankfurt 1999, S. 171).
Die damalige Debatte ist wichtig, weil es um Schuld, Schuldgefühle, schlichtweg das „Über-Ich“ d.h. um PANZERUNG ging. Sie ist der eine Wendepunkt in der Auseinandersetzung Deutschlands mit seiner „historischen Schuld“, denn es war der erste „Befreiungsschlag“ gegen einen alles beherrschenden Alpdruck, d.h. der von Walser erwähnten „Moralkeule Auschwitz“. Einer Moralisierei, die sich prinzipiell der gleichen hysterischen, jede rationale Abwägung hintertreibenden Rhethorik befleißigte, wie es vorher Goebbels getan hatte. Linke behaupten charakteristischerweise, Walsers sei der „Dammbruch“ gewesen, der den Weg zum „Schlußstrich“ geöffnet hätte, also das Ende der emotionalen Erpressung des deutschen Volkes. Resultat: unsere Unterdrücker zogen die Schrauben der Folterbank weiter an.
In seiner Verteidigung griff Walser auf die durch Bernd A. Laska zugänglich gemachten Thesen LaMettries über die verheerende Rolle des Schuldgefühls bei der Unterdrückung des lebendigen Lebens zurück. 2004 wurde LaMettrie (und gewisserweise auch Laska) zum Helden von Walsers Roman Der Augenblick der Liebe. Schuldgefühle, die erwähnte „Moralkeule“, seien ein korosives Gift für Seele und Körper. Das aufoktroyierte schlechte Gewissen erzeuge innere Blockaden, Wut und Haß und entsprechend genau jene Gefühlskälte, die es doch bekämpfen soll. Was erwartet man eigentlich, wenn man Menschen Jahrzehnte in einer schuldbeladenen „Erinnerungskultur“ emotional erstickt? Was soll das Ergebnis dieser schwarzen (wohl eher roten) Pädagogik sein?
Es paßt ins Bild, daß Walsers Kritiker nicht etwa angesichts des durch Walser vermittelten aufklärerischen Impulses innehielten, sondern sie ganz im Gegenteil reflexhaft den Schuldkult weiterforcierten und „hysterisierten“. Niemals wurde so heftig gegen Hitler gekämpft wie in den letzten zwei Jahrzehnten, nie waren die Hetzreden schriller, nie wurde der erwähnte „Damm“ (!) höher aufgeschüttet!
Und das alles auf eine Art, die wirklich immer mehr an Goebbels erinnert. Man merkt, daß den wie Priester eines Kults auftretenden Propagandisten der „Erinnerungskultur“ die tatsächliche Erinnerung an die jüdischen Opfer der Emotionellen Pest egal ist – daß ihnen die Opfer gleichgültig sind. Sie sind vielmehr willkommenes Material, um auf pestilente Weise jede Regung von Gesundheit, Lebensfreude, „Identitätsfreude“ im deutschen Volkskörper zu ersticken, indem eine Art Dauerstreß unter der „Moralkeule“ erzeugt wird. Unter diesem Schirm und auf dem Rücken von sechs Millionen grausam ermordeter Juden machen die Blockparteien der Emotionellen Pest ihre Politik! Das Verrecken der Juden hatte einen Sinn: ihr Opfer verhindert die AfD – und erhält den Funktionären der Altparteien ihre gepanzerten Dienstlimousinen nebst Fahrern, fürstlichen Pensionen, Zugang zu… Sie mußten sogar für die ideologische Unterfütterung des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der SPD und der Grünen auf Serbien herhalten. Wie moralisch verkommen und schlichtweg bösartig kann man eigentlich sein?
DAS BLAUE BUCH 2012-2016: 3. Medizinische Orgonomie, c. Gedächtnis / d. Die Ausdruckssprache des Lebendigen und die Linguistik
2. Oktober 2026100 Jahre Orgonomie und Kommunismus
1. Oktober 2026Die orgonomische Theorie, wie Reich sie 1933 formulierte, besagt, daß der Nationalsozialismus eine sekundäre Reaktion auf den Bolschewismus war: „das Aufbäumen einer sexuell ebenso wie wirtschaftlich todkranken Gesellschaft gegen die schmerzhaften, aber entschiedenen Tendenzen des Bolschewismus zur sexuellen, ebenso wie ökonomischen Freiheit“ (Massenpsychologie des Faschismus, 1933, S. 94). Das würde heute jeder Linke unterschreiben und im Kampf gegen die AfD entsprechend anpassen, was LGBTQAI+ betrifft und unsere sozialen Sicherungssysteme – für den Nahen Osten, Afrika und die Kokaine.
Später, nachdem Reich den wahren Charakter des Kommunismus durchschaut hatte, hat die Orgonomie dies um den Punkt ergänzt, daß der Nationalsozialismus ein ebenso verzweifelter wie pestilenter Versuch war, mit der zerstörerischen Rebellion der linken Freiheitskrämer fertigzuwerden (Charles Konia: „Cancer and Communism (Part II)“, The Journal of Orgonomy, Nov. 1996). Daß also primär die Linke schuldig geworden ist, weil sie unverantwortlich und kontaktlos, wie es ihrem Wesen entspricht, eine „Reaktion“ angestoßen hat (für deren Eigendynamik sie natürlich nicht mehr verantwortlich gemacht werden kann).
—
Nutzen wir den etwas kurzgeratenen Blogeintrag für Kunst im Netz: Bild 22
Email [Philosophie] 2010
30. September 2026Arbeitsdemokratie und Wille zur Macht
29. September 2026In Betrieben, Behörden, Kliniken etc. bestimmen nicht die Gesetze der angeblich „natürlichen Arbeitsdemokratie“, sondern die natürlichen Gesetze einer Primatenhorde, in der die nach vorne kommen, die sich am lautesten auf den Brustkorb trommeln und dem Chef am effektivsten in den Arsch kriechen. Wie Primatenforscher zeigen, sind das alles ganz natürliche Verhaltensweisen für die Tiergruppe, zu der auch wir gehören. Auf eine verwickelte Weise ist dieses „natürliche“ Verhalten jedoch ein denkbar unnatürliches, saharia-sisches Verhalten!
Die Bonobos leben eine Affengesellschaft vor, in der diese „natürlichen Anlagen“ energetisch einfach nicht besetzt sind, weil die Gesellschaft durch die ständige genitale Entladung bestimmt wird. Genauso vernünftig sollte auch die menschliche Gesellschaft funktionieren. Daß sie es nicht tut, ist dem saharasia-sischen Einfluß zu schulden.
Meines Erachtens gibt es zwischen Genitalität und Primaten-Machismo einen graduellen Übergang, je nach der Situation. Reich, der „weiche“ Ungepanzerte auf der einen und Reich, der „harte“ „Hecht im Karpfenteich“ und Frauentyp auf der anderen Seite ist dafür das beste Beispiel. Das ist eine Frage der variablen energetischen Ladung.
Was den Erfolg im Leben betrifft gibt es drei Gruppen von Menschen: die pestilenten Arschlöcher, die sich durchsetzen; die kleinen arbeitssamen Männer, die viel leisten, aber trotzdem übersehen werden; und schließlich jene anständigen Menschen, die ebenfalls arbeitssam und ehrlich sind, aber die auch von einem Charisma umgeben sind und entsprechend Erfolg haben. Die pestilenten Psychopathen haben ein ähnliches Charisma, weil sie innerlich tot sind und deshalb Angst, Scham und Schuld kaum kennen. Im Zweifelsfall folgen die Massen ihnen (den Barabassen) und nicht den genitalen Charakteren (Christussen).
Es ist deshalb nur natürlich, daß jene Männer und Frauen die „blenden“ auf deiner Arbeitsstätte und überhaupt in deinem Leben Erfolg haben bzw. hatten. Das ist ein orgonotisches Phänomen. Sie projizieren Lebensdynamik ohne Orgasmusangst zu provozieren; sie fallen auf, werden bevorzugt und haben Erfolg ohne die Panzerung zu gefährden. Kommt es zur Erstrahlung, werden vor allem die sekundären Triebe hervorgekitzelt. Man denke nur an das Dritte Reich oder an den deutschen „Reichianismus“ der letzten Jahrzehnte und dessen groteske Blüten!
Hinter den pestilenten Blendern steckt trotz ihren typischerweise kurzzeitigen Erfolg keinerlei Substanz. Alexander Lowen ist dafür ein gutes Beispiel: von Anfang an wollte er „erstrahlen“, wurde dabei sogar von Reich unterstützt („Ja, ich werde Sie berühmt machen!“) und Lowen hat es auch spektakulär geschafft, aber es steckt nichts, aber auch rein gar nichts dahinter. Ich denke auch an einen deutschen Pseudo-Orgontherapeuten, der mit einem Projekt nach dem anderen reüssierte, um sich dann schließlich zu Tode zu saufen.
Das bringt mich zum Willen zur Macht: Alles ist Willen zur Macht. Das fängt beim Schulhof-Macho an und hört beim therapeutischen Superstar Lowen und Adolf Hitler auf. Aber das ist alles nur Kinderkram, da sich wirkliche Macht an der Zeitdauer zeigt, in der sie wirksam ist. Nietzsche selbst ist dafür das allerbeste Beispiel. Zu Lebzeiten war er, was den Willen zur Macht betrifft, eine Witzblattfigur und eine peinliche Erscheinung. Aber langfristig war sein Einfluß einfach ungeheuerlich: das fängt mit der Psychoanalyse an und hört beim russischen Marxismus und indischen Islam, auf die er merkwürdiger Weise einen großen Einfluß hatte, auf. Woran liegt dieser Erfolg: einfach daran, daß er sich frech in den Vordergrund drängt. Leute, die an Gott glauben, kann man mit Nietzsches Hilfe abkanzeln, aber auch Atheisten: Alles und jedes wird von Nietzsche fertiggemacht und was bleibt ist Nietzsche selbst. Genauso bei Reich, der niemanden neben sich geduldet hat – und auch postmortem niemanden neben sich duldet. Schon gar nicht irgendwelche pestilenten Nullen!
Ein Mensch wie Lowen, oder z.B. Erich Fromm, hat Erfolg, weil er sich mangels Substanz und Eigenständigkeit bei allen einschleimt, aber dieser Erfolg verflüchtigt sich schnell und nichts bleibt. Menschen wie Nietzsche oder Reich haben vergleichsweise wenig Erfolg, aber sie bleiben über ihren Tod hinaus im Geschäft und wachsen schließlich sogar post mortem. Das ist wahrer Wille zur Macht, weil er im Einklang mit dem Lebendigen schlechthin steht.
Dazu kommt etwas, daß auf den ersten Blick geradezu das Gegenteil von „Wille zur Macht“ ist: die GERECHTIGKEIT. Es geht nicht darum irgendeine Phantasiewelt zusammenzubrüten und dann der Welt zu präsentieren. Wirklicher Wille zur Macht zeigt sich daran, der Wirklichkeit gerecht zu werden, wirklich mutig den Fakten zu folgen, wohin sie auch immer führen mögen. Zum Beispiel hat Reich sich immer durch die Klinik und Experimente leiten lassen, auch wenn sie seinen persönlichen Überzeugungen ins Gesicht schlugen. Das ORANUR-Experiment, das einen Großteil seiner vorhergehenden Theorien schlechtweg falsifizierte, ist dafür das beste Beispiel. Wirklicher Wille zur Macht ist also das Gegenteil von selbstherrlicher Willkür, die ein Zeichen von Schwäche ist, wie jeder Psychotiker, der den Napoleon spielt, beweist.
Ähnliches läßt sich zum zwischenmenschlichen Verhalten sagen: wirklicher Wille zur Macht zeigt sich nicht in der Kleinheit des miesen kleinen Dränglers, der überall nach seinem persönlichen Vorteil sucht und überall vordrängelt, sondern er zeigt sich in der Großzügigkeit des Mächtigen, der aus seiner Überfülle gibt. Das bedeutet aber noch lange nicht, daß der Mächtige ein Idiot ist, mit dem man alles machen kann und der sich alles gefallen läßt. Ganz im Gegenteil geht es ja darum, die Welt objektiv und unverzerrt zu betrachten: mit einem ungepanzerten okularen Segment – mit Perspektive, einer souveränen Perspektive.
Reich ist stets sicher seinen Weg gegangen, auch wenn am Anfang wenig objektives Material vorhanden war, auf das er zurückgreifen konnte. Ich denke z.B. daran, wie er bei den elektrodermalen Experimenten „souverän“ über Einwände der Fachleute von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft hinweggegangen ist und stattdessen seiner Intuition vertraut hat. Reich war sich einfach seiner Gefühle und ihrer Objektivität sicher und hat entsprechend selbstbewußt und „rücksichtslos“ sein von Freud ihm unterstelltes „Steckenpferd“ geritten. Leider hat ihn dieses Selbstvertrauen auch manchmal hoffnungslos in die Irre geführt, z.B. was kontaktelektrische Erscheinungen oder geheime angebliche Unterstützer bzw. Feinde betraf.


















