Lesebegleitungen zu den späten Schriften Wilhelm Reichs

3. November 1957

Peter Nasselstein: Lesebegleitungen zu den späten Schriften Wilhelm Reichs (S. 198)

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ÜBERLAGERUNG UND TEILUNG IN GALAKTISCHEN SYSTEMEN: Einleitung (Teil 4)

6. Mai 2021
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ÜBERLAGERUNG UND TEILUNG IN GALAKTISCHEN SYSTEMEN: Einleitung (Teil 4)

Das Aufkommen des Psychopathen (Teil 10)

5. Mai 2021

von Dr. med. Dr. phil. Barbara G. Koopman

Der Ghetto-Triebhafte

Obwohl Reichs Fälle extrem und grotesk sind, hilft uns seine Formulierung des Triebhaften, die strukturellen Veränderungen zu verstehen, die sich in unseren jungen Menschen von heute abspielen. Wie oben erwähnt, glaube ich, dass der Trend zur Psychopathie weitgehend auf die urbane Studentenschaft und das Ghetto beschränkt ist. Es ist hauptsächlich die erste Gruppe, die ihre ätiologischen Wurzeln in der fehlgeleiteten sexuellen Revolution hat. Die letztere (Ghetto-)Gruppe ist entwicklungsgeschichtlich an die sozioökonomischen Bedingungen gebunden (wie auch Reichs Triebhaften), plus einige ethnische Faktoren, die einzigartig für ihre zeitgenössische Kultur sind. Die folgende Beschreibung ist größtenteils der Studie von Minuchinc (4) und meinen eigenen Beobachtungen in einer psychiatrischen Klinik im Stadtteil Brownsvilled in Brooklyn, New York, entnommen, an der ich einige Jahre lang tätig war.

Wie wird ein Ghettokind zu einem triebhaften Kind? Ein wesentlicher Faktor ist ein extrem instabiles häusliches Umfeld. Das Kind lebt in einem „Kaleidoskop von sich bewegenden und wechselnden Reizen“. Es darf nicht zweimal im selben Bett schlafen. Die Mahlzeiten sind selten zu einer bestimmten Stunde und können an einem Tag ein Festmahl und am nächsten ein Hungermahl sein. Es gibt mehrere, unberechenbare Bezugspersonen, die ihm ebenfalls ein Fest- oder Hungermahl an Anregungen geben – an einem Tag wird es mit Aufmerksamkeit überschüttet, am folgendem ist es völlig vernachlässigt und unbeaufsichtigt. Ein ständiger Strom von Geliebten der Mutter lässt kaum ein geeignetes Modell zur Identifikation übrig. Die Objektbeständigkeit fehlt folglich fast völlig. In einem solchen wechselnden Bezugsrahmen entwickelt das Kind nie eine Fähigkeit zu sinnvollen Objektbeziehungen. Wir sehen diesen Mangel ständig bei den Triebhaften.

Ein weiteres hervorstechendes Merkmal der Kindererziehung ist die Inkonsistenz der Eltern. Die Elternfiguren fungieren als eine Art „Verkehrspolizei“ und ihre Anweisungen an das Kind richten sich nach ihrer momentanen Stimmung. Sind sie gut gelaunt, lautet das Signal „Los!“, bei schlechter Laune „Stopp!“ – Reaktionen, die in keinen Bezug zum Thema oder zu richtig und falsch stehen. Es bedeutet auch, dass die dirigierende Macht für das Kind immer extern ist; er hat nie eine Chance, seine Triebkontrolle zu verinnerlichen oder zu beherrschen. Die Triebentladung gestaltet sich motorisch und umfassend und geht Hand in Hand mit einer schlechten Aufmerksamkeitsspanne einher. In der Schule können diese Kinder nicht aufmerksam bleiben oder zwei Minuten lang still auf ihrem Stuhl sitzen. Die Ich-Struktur ist zu primitiv, um Introspektion, Selbstkritik oder die Fähigkeit zur Empathie mit anderen Menschen zu ermöglichen. Sie sind sehr narzisstisch und leben hauptsächlich in ihren sekundären Trieben.

Auch das Selbstwertgefühl ist minimal, da ihre Individualität nie gewürdigt wurde. Ein Kind wird mit dem Namen eines anderen Kindes gerufen oder alle Kinder werden von der Mutter mit einem abwertenden Begriff in einen Topf geworfen. Eine Privatsphäre im Schlafzimmer und im Bad ist nicht vorhanden. Kulturelle Muster begünstigen eine strafende Frauenherrschaft, wo die Mutterfigur die Hauptverantwortung für das Überleben der Familie trägt. Der Mann, der von einer strengen Matriarchin, die seiner Frau gleicht, aufgezogen wurde, rächt sich üblicherweise durch böswilliges Verlassen. Die männlichen Kinder erfahren in der Regel eine strenge und kastrierende Erziehung, die wenig dazu beiträgt, sie für die Vaterschaft, die Verantwortung als Erwachsener oder das Selbstwertgefühl als Mann zu qualifizieren. Die Mädchen neigen dazu, der Härte der Mutter nachzueifern und können Hausdrachen für ihre eigenen Partner werden.

Anmerkungen des Übersetzers

c https://de.wikipedia.org/wiki/Salvador_Minuchin

d Eines der ärmsten Stadtbezirke von New York

Literatur

4. Minuchin, S., et al.: Families of the Slums. New York and London: Basic Books, 1967

[Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 7 (1973), Nr. 1, S. 40-58.
Übersetzt von Robert Hase]

ÜBERLAGERUNG UND TEILUNG IN GALAKTISCHEN SYSTEMEN: Einleitung (Teil 3)

4. Mai 2021
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ÜBERLAGERUNG UND TEILUNG IN GALAKTISCHEN SYSTEMEN: Einleitung (Teil 3)

Das Aufkommen des Psychopathen (Teil 9)

3. Mai 2021

von Dr. med. Dr. phil. Barbara G. Koopman

Die Über-Ich-Bildung steht in einer engen Beziehung zur Ambivalenz. Es sei daran erinnert, dass jede Frustration eines libidinösen Triebes eine Aufspaltung des Triebes in die gegensätzlichen Komponenten der Ambivalenz bewirkt. Je härter die Umstände der Frustration, desto größer die Ambivalenz, der Hass und die Schuldgefühle und desto strafender das Über-Ich. Zu der Zeit, als Reich die Monographie schrieb (1925), wurde die Über-Ich-Bildung als normaler und notwendiger Teil der psychischen Entwicklung angesehen – und als Bollwerk gegen die ungezügelte Entladung von Triebregungen (die Vorstellung vom Kind als wilder Bestie). Nur ein Über-Ich, das zu strafend ist, wurde als pathologisch angesehen. Obwohl die Über-Ich-Bildung ihre Wurzeln in den frühesten Stadien der Objektbesetzung und der Triebverleugnung hat, beginnt sie tatsächlich etwa im Alter von 4 Jahren und ist im Alter von 9 oder 10 Jahren verinnerlicht. Sie wird hauptsächlich als Abwehr gegen den Inzestwunsch des Ödipuskomplexes hervorgerufen und basiert immer auf sekundären (sadistischen) Trieben. Sie funktioniert weitgehend auf einer unbewussten Ebene (im Gegensatz zum „Gewissen“, welches im Bewusstsein existiert).

Reich fand später heraus, dass die Über-Ich-Bildung funktionell identisch mit der Panzerung war – die elterlichen Einstellungen werden also nicht nur psychisch, sondern auch somatisch inkorporiert. Gewissermaßen „kleiden“ wir uns mit unseren Eltern – insbesondere mit ihren negativen Aspekten. Obwohl man sich im Prozess der Über-Ich-Bildung mit beiden Elternteilen identifiziert, ist die Hauptidentifikation gewöhnlich mit dem Aggressor (d.h. dem strengeren, restriktiveren Elternteil). Die Identifikation mit den positiven Aspekten der Elternfiguren erfolgt natürlich ebenfalls, führt jedoch zu keiner Panzerung.

Beim Triebhaften ist die Über-Ich-Entwicklung deutlich defekt – im Gegensatz zu der des Neurotikers, die gut ausgearbeitet ist. Energetisch gesehen geht dies auf Reichs Beobachtung zurück, dass ein einmal voll entwickelter Trieb nicht mehr vollständig unterdrückt werden kann. Außerdem neigt das unwirksame Über-Ich dazu, die widersprüchlichen, inkonsistenten Aspekte der Erzieher anzunehmen. Reich postulierte, dass die Triebhaften unter dem Druck ihres unwiderstehlichen Drangs nach Triebbefriedigung „das ganze Über-Ich isolieren“ können, das dadurch seine abschreckende Wirkung verliert. Schuldgefühle sind bei diesem Charaktertypus immer vorhanden, wie bei allen ambivalenten Typen, aber sie werden auf unbedeutende Sachverhalte verlagert, anstatt an das entsprechende Objekt gebunden zu sein.

Ein weiteres Kennzeichen des Triebhaften ist die psychosexuelle Verwirrung. Auch der Neurotiker leidet – jedoch in geringerem Maße – darunter, da alle Charaktertypen außer dem Hysteriker und dem genitalen Charakter die stärkere Identifikation mit dem Elternteil des anderen Geschlechts haben. In der Monographie von 1925 vertrat Reich die Ansicht, dass der Triebhafte nicht nach einem libidinösen Fixierungspunkt klassifiziert werden könne, analog etwa zur Fixierung des Zwanghaften in der analen Phase. Vielmehr sah er ihn als eine chaotische Melange aller prägenitalen Impulse, „wie ein Elefant im Porzellanladen der libidinösen Entwicklung“. In einer neueren Studie über Charaktertypen von Dr. Elsworth Baker wird der Psychopath als ein sehr schlecht integrierter Phalliker gesehen. Wie dem auch sei, es besteht kein Zweifel, dass dieser Typus viele prägenitale Züge, eine schlechte Ichfestigkeit und ein hohes Maß an Narzissmus aufweist. Die psychosexuelle Verwirrung ist also eine logische Folge der sehr unreifen Ich-Struktur. Offene Homosexualität ist bei diesem Typus keine Seltenheit.

[Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 7 (1973), Nr. 1, S. 40-58.
Übersetzt von Robert Hase]

nachrichtenbrief203

2. Mai 2021

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 42)

1. Mai 2021

Es zeichnet sich immer mehr ab, daß Libertäre einen fatalen Fehler begangen haben, als sie vorbehaltlos die freie Wirtschaft unterstützt und gegen den Staat verteidigt haben, inklusive der Großbanken und vor allem Unternehmungen wie Amazon oder Tesla. Es zeichnet sich nämlich immer mehr ab, daß diese Konzerne unsere Freiheiten noch mehr, auf perfidere und vor allem auf effektivere Weise einschränken, als es der Staat je getan hat. Als Beispiel nähme man nur die illegalen Zensurmaßnahmen in den sozialen Medien. Es ist ungeheuerlich, denn mit unseren Beiträgen generieren wir letztendlich genau jene Klickzahlen, die Werbekunden für diese Unternehmungen anlocken – und als dank werden wir wie Untertanen behandelt. Man denke auch auf die Beeinflussung unseres Konsumverhaltens und willkürliche Sanktionen, denen wir jederzeit ausgesetzt werden können, ohne rechtlichen Schutz. Bankkonten können im Rahmen der „Vertragsfreiheit“ gekündigt werden, das „Hausrecht“ kann zur Geltung gebracht werden, man kann bloßgestellt und praktisch für vogelfrei erklärt werden, etc.

Und das trifft ausschließlich Leute, die sich dem Globalisierungsprojekt, dem Gendermainstreaming, der systematischen Zerstörung des Christentums, etc. entgegenstellen, also „Rechten“. Und diese Handlungsweise kann man nur bedingt mit ökonomischen Interessen erklären, denn beispielsweise Hollywood und all das „Merchandising“ das damit verbunden ist, verliert sehenden Auges Jahr für Jahr Milliardenbeträge, weil man konsequent am Massengeschmack vorbeiproduziert und stattdessen mit stupider Konsequenz die Zielvorgaben der Political Correctness erfüllt. Statt um Profit geht es um Volkserziehung, selbst wenn das Volk mit den Füßen abstimmt und den Kinosälen fernbleibt.

Die Fehlkalkulation der Libertären beruht darauf, daß sie den zentralen, den alles entscheidenden Faktor übersehen haben, nämlich die soziopolitische Charakterologie. Erstens lag von Anfang an eine verborgene Harmonie zwischen den Kommunisten und anderen Kräften der extremen Linken und den Großkapitalisten vor, einfach weil beide vom gleichen Haß auf das Lebendige in Gestalt des Autonomen und „Kleinstrukturierten“ geprägt sind: den Selbständigen bis hin zu mittelständischen Unternehmen. Es ist die Harmonie zwischen den beiden Seiten der Emotionellen Pest, die formal Gegensätze sein müssen, aber in ihrem Lebenshaß Gemeinsamkeiten, eine gemeinsame Handlungsbasis finden. Zweitens gelangen im Gegensatz zu früher immer mehr Linksextreme in hohe und höchste Positionen innerhalb der Wirtschaft, einfach weil das digitale Zeitalter zu ihrer linken Charakterstruktur paßt. Das erkläre ich im folgenden Video:

https://youtu.be/KhMAZBpr7cc

Das Aufkommen des Psychopathen (Teil 8)

30. April 2021

von Dr. med. Dr. phil. Barbara G. Koopman

Energetisch gesehen kann eine solche Triebhaftigkeit, wenn ihr freier Lauf gewährt wurde, nicht mehr vollständig eingedämmt werden. Schwere Defekte in der Ich-Entwicklung sind die Folge. Und wir wissen aus Reichs späteren Arbeiten, dass die ungezügelte Entladung sekundärer Triebe ökonomisch gesehen mehr Spannung erzeugt als sie löst. Daher das unerträgliche innere Bombardement und das unaufhörliche Ausagieren. Wie Reich später feststellte, stellt die amorphe Charakterstruktur des Triebhaften das genaue Gegenteil von Panzerung dar. Die Triebe, insbesondere die sadistischen, werden nicht durch Reaktionsbildung gehalten, sondern als Abwehr gegen die Triebe selbst und die imaginäre Gefahr, die von den Trieben ausgeht, verwendet.

Der Triebhafte ist durch Extreme und Exzesse gekennzeichnet. Die Symptome sind grotesk, wobei im Verhalten unverhüllte, primitive Triebe zum Ausdruck kommen. Ein solches Verhalten wird von dem Patienten nicht als Krankheit angesehen, außer in seltenen Momenten der Einsicht. Er ist oft sehr lebhaft und bizarr in seiner Art, sich mit der Außenwelt auseinander zu setzen. Unverhohlene Perversionen, insbesondere sadomasochistische, sind häufig. Der Inzestwunsch ist meist bewusst.

Ein hoher Grad an Ambivalenz ist nach Reich der Regelfall und weist folgende Merkmale auf: stetiger Hass auf und Angst vor den Bezugspersonen; uneingeschränkte Triebhaftigkeit, gelegentlich verstärkt durch Unnachgiebigkeit; ungestillte Sehnsucht nach Liebe, dem Hass in gleicher Intensität entgegensteht; eine ausgeprägte Liebesunfähigkeit. Im Gegensatz zu Zwangshaften verlagern diese Patienten ihre Ambivalenz nicht auf Ersatzobjekte, sondern behalten das ursprüngliche Objekt im vollen Bewusstsein.

Um den Triebhaften besser begreifen zu können, hat Reich das Über-Ich eingehend studiert. Im analytischen Sinne ist das Über-Ich die Inkorporation der moralischen Vorschriften (normalerweise der Verbote) der Eltern. Seine Hauptfunktionen haben mit der Billigung oder Missbilligung von Handlungen auf der Grundlage der eigenen Vorstellung von richtig oder falsch, mit Selbstkritik, Selbstbestrafung, Sühne und Reue sowie Selbstbestätigung für gutes Verhalten zu tun (3). (Die populäre Vorstellung von der Stimme des Gewissens ist eine stark vereinfachte Version davon.) Sie entwickelt sich durch einen Prozess der Identifikation, der seine Vorläufer in der frühesten Phase der Bildung von Objektbeziehungen hat. In diesem Stadium wird der Prozess als Inkorporation bezeichnet und das Modell ist eines der oralen Aufnahme. Dies muss sich im Rahmen einer guten Bemutterung entfalten, wenn sich das Individuum auf gesunde Weise entwickeln soll. Reich war der Meinung, dass diese frühesten Identifikationen von wesentlicher Bedeutung dafür sind, wie das Kind den Ödipuskonflikt und spätere Wechselfälle des Lebens verarbeitet.

Literatur

3. Brenner, C.: An Elementary Text-book of Psychoanalysis. Garden City, N.Y.: Doubleday Anchor, 1957

[Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 7 (1973), Nr. 1, S. 40-58.
Übersetzt von Robert Hase]

ÜBERLAGERUNG UND TEILUNG IN GALAKTISCHEN SYSTEMEN: Einleitung (Teil 2)

29. April 2021
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ÜBERLAGERUNG UND TEILUNG IN GALAKTISCHEN SYSTEMEN: Einleitung (Teil 2)

Das Aufkommen des Psychopathen (Teil 7)

28. April 2021

von Dr. med. Dr. phil. Barbara G. Koopman

In Der triebhafte Charakter untersuchte Reich die Genese dieser Störung sehr detailliert anhand von Fallgeschichten seiner klinischen Patienten. Zu dieser Zeit (1925) bewegte er sich noch innerhalb des psychoanalytischen Rahmens (wenngleich in der Monographie bereits Andeutungen seiner Abkehr erkennbar sind). So sind, erklärt der junge Reich, Triebunterdrückung und Sublimierung die Eckpfeiler der Kultur. Das infantile Lust-Ich muss eine Versagung erfahren, damit Reifung stattfinden kann. Damit einher geht die Etablierung der Realitätsprüfung und die Bildung von Objektbeziehungen. Aber jede Versagung führt zu einer Aufspaltung der libidinösen Energie. Einem Säugling die Brust anzubieten und sie ihm dann wieder zu entziehen stellt zum Beispiel die Dualität von Triebbefriedigung und Triebverweigerung dar – das früheste Modell für Ambivalenz. (Zu dieser Zeit wurde allgemein angenommen, dass ohne Ambivalenz keine psychische Entwicklung stattfinden könne.) Reich schlug vier mögliche Verläufe der Ambivalenz vor, wobei alle bis auf den ersten zu einem pathologischen Ergebnis führen:

1. Bei einer liebevollen Bezugsperson erfährt der Säugling partielle Triebbefriedigung und partielle Versagung und entwickelt dadurch allmählich eine gewisse Fähigkeit zur Verdrängung. Das Kind kann die Versagung aufgrund seiner Liebe zur Bezugsperson tolerieren; die partielle Verdrängung lässt anschließend Raum für die Ersatzbefriedigung des Triebes.

2. Das Kind erfährt gleich zu Beginn eine vollständige (und nicht nur allmähliche) Triebfrustration, z.B. durch harte Entwöhnung oder totale Einschränkung der Masturbation. Dies führt zu einer totalen Verdrängung, wobei die Ambivalenz den Hass bevorzugt. Die Fähigkeit zur Liebe ist stark beeinträchtigt und es entsteht ein zwanghafter Charakter.

3. Im frühesten Stadium besteht eine völlige Abwesenheit von Triebfrustration. Das Kind wächst z.B. ohne Aufsicht und mit uneingeschränkter Triebbetätigung auf, nur um später im Leben in einen schweren Konflikt mit der Umwelt zu geraten. Vor einem solchen Hintergrund entstehen die kriminellen Typen.

4. Einer ausgiebigen frühen, uneingeschränkten Triebbefriedigung steht eine plötzliche, verspätete Triebfrustration brutaler, traumatischer Natur gegenüber. Daraus entsteht der Triebhafte, der in der Regel eine Vorgeschichte von unbeständiger Erziehung besitzt und früh der Sexualität von Erwachsenen ausgesetzt ist.

Beim Triebhaften wird die Sexualität in einem abnorm frühen Stadium stimuliert und ausgelebt. Dies ist nicht zu verwechseln mit dem Selbstregulationsansatz, der den Ausdruck der kindlichen Sexualität auf einem altersgemäßen (und energetisch angemessenen) Niveau zulässt. Aus den Fallgeschichten wird ersichtlich, dass Reichs triebhafte Patienten ein pornografisches sexuelles Umfeld erlebten, in dem die Betreuer oder Außenstehende Überstimulation offerierten und sexuellen Missbrauch, einschließlich Inzest, ausübten. Sie waren folglich sexuell sehr überladen und überstimuliert. Von gesunder Genitalität konnte hier aber keine Rede sein, sondern eher von einer Eruption prägenitaler Triebe und polymorph-perverser Neigungen.

[Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 7 (1973), Nr. 1, S. 40-58.
Übersetzt von Robert Hase]

ÜBERLAGERUNG UND TEILUNG IN GALAKTISCHEN SYSTEMEN: Einleitung (Teil 1)

27. April 2021

ÜBERLAGERUNG UND TEILUNG IN GALAKTISCHEN SYSTEMEN: Einleitung (Teil 1)