Archive for the ‘Sozialpsychologie’ Category

Der gesellschaftliche Wechsel zur hirnzentrierten Triebabwehr

14. Februar 2019

Früher gab es simple Regeln, die das Zusammenleben einfach machten, etwa, was das Grüßen betraf. Der Jüngere grüßte den Älteren, der Mann die Frau, etc. Das zwischenmenschliche Leben lief quasi „automatisch“ ab, ohne daß man sich groß Gedanken machen mußte, was „angebracht“ sei. Heute, wo alle Regeln weggebrochen sind und die Menschen vorgeblich „authentischer“ agieren, muß ständig überlegt werden, was und wie es zu tun sei. „Die Regeln des Zusammenlebens in der multikulturellen Gesellschaft müssen ständig von neuem ausgehandelt werden.“ Statt aus dem Bauch heraus zu agieren, etwa so wie man ohne zu überlegen Auto fährt, verlagern die Menschen immer mehr Energie ins Gehirn und sind ständig am Kalkulieren, Überlegen und Grübeln.

Und es wird immer extremer. Beispielsweise muß man sich nunmehr wohlüberlegen, ob man jemanden als „Herr Soundso“ oder „Frau Soundso“ anredet. In den USA kann dich ein Fehler in der Anrede irgendeines geschlechtslosen Etwas ins Gefängnis bringen! Normales Flirtverhalten kann dich ruinieren: MeToo! Mir nichts, dir nichts kannst du wegen einer harmlosen Bemerkung als „Rassist“ oder „Homophob“ dastehen, was mit deinem gesellschaftlichen Tod einhergeht. Man darf nichts mehr fühlen oder zumindest das Gefühlte nicht mehr laut aussprechen. Alles muß BEDACHT werden. Was bleibt ist eine Gesellschaft von intellektuell abgewehrten (= linksliberalen) Zombies.

Aber zurück zum Grüßen: Früher schufen Freundlichkeiten eine Atmosphäre, in der nicht alles intellektuell kalkuliert, sondern auf das emotionale Wohlbefinden ausgerichtet war. Warum soll der Jugendliche aus der Nachbarschaft einen alten Zausel wie mich grüßen? Zeitverschwendung! Das sich alle miteinander besser fühlen, wenn alles von „funktionslosen“ Höflichkeiten durchzogen ist, ist dieser intellektualistisch-materialistischen Geistesart vollkommen fremd. Sie wird verkörpert durch die grauenerregende kalte Architektur der Städte, aus denen das „sinnlose“ Ornament verschwunden ist. Die Seele stirbt ab und Maschinenmenschen bevölkern die Stadt.

Wegen der Verlagerung des „Lebens“ ins Gehirn müssen etwa in der IT-Branche Frauenquoten eingerichtet werden, da für die neuen Faschisten der Mensch erst in intellektuellen „Führungspositionen“ anfängt. Deshalb schockiert es sie auch so über alle Maßen, wenn man darauf hinweist, daß Neger einen niedrigeren IQ haben als Weiße oder gar Ostasiaten.

Wenn aus „Antirassismus“ Rassismus wird

6. Februar 2019

Alle Menschen werden über einen Kamm geschert. Es gibt keine Geschlechtsunterschiede mehr und erst recht keine rassischen. Ergebnis dieser Verdrängung der Realität ist jedoch nicht mehr Glück, sondern mehr Frustration. Es ist der helle Wahnsinn Frauen im Krieg an die Front zu schicken, da sie körperlich weniger leistungsfähig sind und weil sie nicht solche gefühlskalten stumpfen Seelenkrüppel sind wie Männer. Es ist unfair einen Chinesen gegen einen Schwarzen sprinten zu lassen oder einen Schwarzen gegen einen Chinesen in der Mathematikolympiade antreten zu lassen. Abweichungen gibt es immer, aber die Statistik ist eindeutig.

Die neue schwarze TATORT-Kommissarin im Interview der Zeitschrift der Deutschen Bahn, mobil (2/2019):

Ich habe diesen runden Hintern, der, wie ich jetzt weiß, ein normaler afrikanischer Hintern ist. Damals [als Kind] wurde mir gesagt, ich hätte eine Fehlstellung. Ich mußte zum Sonderturnen. Beim Ballett sollte ich den Hintern einziehen, aber ich konnte das natürlich nicht und habe mich nur schief gehalten. Ich dachte immer, mit mir würde etwas nicht stimmen.

Alle sind sich einig, wie unsensibel und geradezu „rassistisch“ Frau Kasumba damals behandelt wurde. Man hat sie mit „weißen“ Augen betrachtet. Der „afrikanische Hintern“ verweist auf einen genetisch bedingten grundlegend anderen Hormonhaushalt als etwa bei einer Chinesin. Damit ist aber so gut wie alles anders! Das reicht vom unterschiedlichen Vitamin-D-Haushalt bei Weißen und Schwarzen bis hin zur leidigen Frage nach der unterschiedlichen durchschnittlichen Intelligenz der Rassen. Beim letzteren Punkt rasten alle aus, aber wenn etwa behauptet wird, daß Schwarze „Soul“ haben, der Weißen abgeht, wird überall wohlwollend genickt, so als ob diese Aussage nicht ebenfalls „rassistisch“ ist.

Wenn wir friedlich zusammenleben wollen, dann wird das nicht funktionieren, indem wir alle Unterschiede leugnen. Es ist nicht menschlich, sondern eine unmenschliche Quälerei alle Menschen über den gleichen Kamm zu scheren. Außerdem sendet es verheerende Signale, da sich die jeweils unterlegenen Gruppen ihr chronisches Scheitern nur mit Hilfe irrer Verschwörungstheorien erklären können. Dieser Irrsinn wird potenziert, wenn tatsächlich „Verschwörungen“ hinzutreten. Man denke nur daran, daß in den USA Asiaten systematisch davon abgehalten werden, an den Eliteuniversitäten zu studieren, weil sie sonst alle anderen Rassen hoffnungslos verdrängen würden. Oder etwa die Schwarzen in den USA: ihnen wird von Kindesbeinen von den Medienkonzernen eine Kultur aufgedrängt („Gangsterrap“), die sie fast zwangsläufig in die Mühlen einer Justiz treibt, deren Gesetze („der Krieg gegen die Drogen“) auf geradezu diabolische Weise so gestrickt sind, daß buchstäblich Millionen von Schwarzen in den Knast wandern.

Das Unrecht und das Leid sind unermeßlich, weil die gepanzerten Menschen nicht die lebendige Realität wahrnehmen, sondern Schimären. Der Rassist sieht einen „Ni….“, der vermeintliche „Antirassist“ sieht einen Weißen, mit einer sehr dunklen Hauttönung (so als wenn das nicht ebenfalls eine abgrundtiefe Beleidigung wäre!). Niemand sieht den lebendigen Menschen und alle haben eine Todesangst davor, die Dinge sich frei und organisch entwickeln zu lassen.

David Holbrook, M.D.: ARBEITSDEMOKRATIE

2. Februar 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Arbeitsdemokratie

 

Mehrwert und Zins

29. Januar 2019

In den 1950er Jahren war es so, daß in den USA der typische Facharbeiter („Proletarier“) ein Eigenheim besaß und in Aktien investierte. In Deutschland rutscht heute ein Facharbeiter mit seinem Einkommen in die Spitzensteuerklasse. Marxisten hat so etwas nie irritiert, denn der Kern des Marxismus ist nicht materialistisch-ökonomischer Art, sondern es geht um Moral. Der Kapitalist schöpft den „Mehrwert“ ab und das ist ungerecht. Punkt. Daß auch der Unternehmer einen Mehrwert schafft (schlicht und ergreifend, weil er etwas „unternimmt“) und daß das ganze ein Spiel um Macht ist (wie jede Tarifverhandlung zeigt), quittieren Marxisten mit einem verächtlichen Lächeln, da dies ja nur eine oberflächliche Betrachtungsweise sei.

Genau die gleiche Gedankenstruktur findet sich bei den Zinskritikern. Zinsen seien ungerecht, weil der Gläubiger ja nichts leistet. Aber soll ich dir etwa ohne jede Gegenleistung einen Kredit geben?! Es ist genau wie beim Mehrwert: Als Kapitalgeber („Kapitalist“) verzichte ich nicht nur über geraume Zeit auf die Verfügungsgewalt über mein Geld, sondern ich leiste sehr wohl etwas, denn ich bewerte die Erfolgschancen der Unternehmungen, für die du mein Geld haben willst und verhindere gegebenenfalls, daß du dich ruinierst. Und was den Zinssatz betrifft, ist das Verhandlungssache, also wieder ein Spiel um Macht.

Es geht hier jeweils um menschlichen Kontakt und ein Netz gegenseitiger Kontrolle, durch die das Optimum aus der menschlichen Arbeitsfunktion herausgeholt wird. Es geht schlichtweg um LEBEN. Etwas, was Marxisten und „Zinskritiker“ von ihrer Struktur her nicht ertragen können. Von daher auch ihr messianischer Eifer und ihre Verachtung.

DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS in drei Teilen (Teil 3)

26. Januar 2019

Teil 3 der Massenpsychologie des Faschismus handelt von der Überwindung der beiden Totalitarismen. Etwa anhand der Herstellung und der Verwendung von Mikroskopen wird einem das objektiv notwendige Ineinandergreifen der verschiedenen Arbeitsebenen und Arbeitsschritte deutlich vor Augen geführt und wie überflüssig und störend hier jede Ideologie ist. Das Eingreifen irgendwelcher Apparatschiks, die nichts mit den Arbeitsvorgängen verbindet, die Behinderung bis hin zur Unterbrechung des Arbeitsprozesses durch nationalistische und rassistische Wahnideen, etc.

Was uns dieses Werk heute zu sagen hat, ist offensichtlich. Ist doch die Asylkrise von Ideologie geprägt, ist ständig von „Demokratie“ die Rede, wenn es um die Durchsetzung von Politiken geht, die dem „Demos“, dem Volk massiv schaden. Und schließlich werden die Menschen von Kindesbeinen an derartig verbogen, daß sie nicht mehr ihre eigenen Interessen sehen und für ihre eigenen Interessen einstehen können. Und das alles im Namen der „moralischen Reinheit“, was uns zu Teil 1 zurückführt.

Die Sozialrevolutionäre Bewegung aus der Reich (der „Marxist“) herausgewachsen ist und ohne die dieses Buch schlichtweg undenkbar wäre, kann man auch als einen Aufstand der Arbeitssphäre gegen eine Schicht von nichtarbeitenden Nichtsnutzen und Parasiten betrachten: „Adel“, Rentiers, die Nomenklatura. Eine Schicht, die gerade Deutschland in den Untergang reitet.

DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS in drei Teilen (Teil 2)

25. Januar 2019

Teil 2 der Massenpsychologie des Faschismus handelt von der Einführung der „Sowjetdemokratie“ durch Stalin – und das in einer angeblichen „Räterepublik“, wo alle Macht von den arbeitenden Massen ausgeht. Reich ging die ganze Verlogenheit des kommunistischen Projekts auf. Er kritisiert hier sozusagen die erste „Perestroika“, Stalin als „Gorbatschow“!

Gorbatschow war als sowjetischer Parteiführer in erster Linie Leninist, d.h. zur Machterhaltung war es für ihn geradezu Routine überkommenen ideologischen Ballast über Bord zu werfen. Es geht einzig und allein um den Machterhalt der Partei – selbst zum Preis der „Demokratisierung“, da sind Tradition und Ideologie egal. Hat doch schon Lenin den Sankt Marx einen guten Mann seinlassen und die „Neue ökonomische Politik“ ausgerufen.

Als ich damals zum ersten Mal vom neuen Generalsekretär Gorbatschow hörte, mußte ich unwillkürlich an Stalin denken. Man macht sich im allgemeinen ein viel zu finsteres Bild von Stalin. Nicht, daß er kein Modju war, sondern weil er ein Modju war, ist er am Anfang bis zu Lenins Tod, sehr jovial, menschlich und sympathisch aufgetreten und hat sich dergestalt wohltuend vom Heißsporn Trotzki abgehoben, an den das Grauen des Roten Terrors haftete und der als hochmütig und fanatisch galt. Die Leute, die Stalin unterstützt haben, hatten eine Todesangst vor einer persönlichen Machtstellung Trotzkis. Also genau vor dem, was dann mit Stalin eingetreten ist.

Bei Gorbatschow hatten wir genau das gleiche: ein energischer junger Mann, der aber trotzdem jovial und vertrauenerweckend auftrat, als Reformer, jemand der sich in die kollektive Führung einreihte, etc. Aber dann ganz plötzlich trat genau das gleiche wie bei Stalin auf: während Stalin seine persönliche Diktatur aufbaute, führte Gorbatschow das Präsidialsystem ein, trat als großer Superstar auf. Plötzlich hatte er es nicht mehr nötig den Vorsitzenden des Obersten Sowjets um das Wort zu bitten, sondern quasselte frei drauf los und machte aus Gromyko eine Witzfigur, ähnlich wie Stalin aus Kalinin eine Witzfigur gemacht hatte. Seit Stalin war Gorbatschow wieder der erste Sowjetführer, der vollkommen neue ideologische Direktiven erteilte – und er war seit Stalin wieder der erste Sowjetführer, der von westlichen Intellektuellen als Christusersatz angebetet wurde.

Gorbatschow war ein Produkt Andropows, der schon mit „Gorbatschows“ Politik schwanger ging, als niemand Gorbatschow kannte. Der KGB-Chef Andropow hatte sich über KGB-Kanäle wie Spiegel und Stern (schon damals dünnschissige Schmierblätter!) als „Liberalen“, als feinfühligen Intellektuellen präsentieren lassen, der sich für Jazz interessiert. Er wollte der SU ein neues Image verpassen, um die Wirtschaft des Westens besser anzapfen zu können und dem Kommunismus seine idealistische Dynamik zurückzugeben. Gleichzeitig wollte er das Land von innen auflockern, um die Stagnation zu überwinden. Und der Westen ist so dumm und fällt darauf rein. Ergebnis: Gorbatschow diktiert die Verteidigungspolitik des Westens, der Westen saniert den maroden Osten, der sich gleichzeitig groteskerweise als frischer Quell „neuen Denkens“ präsentieren kann. Ich erinnere an die verbrecherische „Friedensbewegung“ und die Wiedervereinigung – die uns Merkel und die DDR 2.0 geschenkt hat.

Typisch für den Kommunismus waren nicht die Panzer in Budapest, Prag und Peking, wo jeweils „Demokratiebewegungen“ blutig niedergeschlagen wurden, sondern vielmehr Leute wie Andropow und Gorbatschow, die an das vermeintlich „Gute im Menschen“, an die soziale Fassade appellieren, um dann erstrecht das Lebendige um so besser töten zu können. Typisch ist die sogenannte „Friedensbewegung’“, die, unter dem Banner des Guten, alles Natürliche zu unterdrücken trachtet, alle Bewegung. Ich denke nur an die widerwärtige Propaganda gegen das „Kriegsspielzeug“ oder das kastrierte Gehabe so mancher Friedensschwuchteln. Das ist Kommunismus – die Zerstörung des Friedens durch „Frieden“, die Unterdrückung des Volkes durch eine „Volksarmee“, die Errichtung der Tyrannei durch die „Volksdemokratie“ (die Machtstellung, die Gorbatschow zeitweise „demokratisch“ errang), die Erhaltung eines mittelalterlichen Systems (Sozialismus) und seiner Theorie (Marxismus) durch „neues Denken“.

Der Ex-DDR-RGW-Funktionär Hermann von Berg stellte damals in seinem Buch Die Antiökonomie des Sozialismus (Würzburg: Creator-Verlag, 1989) dar, daß Gorbatschows Neues Denken, was die Wirtschaft betrifft, uraltes Denken ist. Schon Stalin hat versucht, die sozialistische Wirtschaft auf Gorbatschowsche Weise zu reformieren. Breschnew war auch schon ein „Gorbatschow“! Und alles ist gescheitert, genauso wie Gorbatschow kurz darauf gescheitert ist mit seiner „sozialistischen Marktwirtschaft“. Gorbatschow hat sich verzockt, ähnlich wie es zuvor Stalin mit dem Hitler-Stalin-Pakt passiert war.

Was Rotchina betrifft hat der Kommunismus zu einer apokalyptischen moralischen Krise geführt, einen Alptraum:

DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS in drei Teilen (Teil 1)

24. Januar 2019

Reichs Buch Die Massenpsychologie des Faschismus setzt sich aus drei Teilen zusammen. Eine Einteilung, die durch die dilettantische Herausgeberschaft durch Mary Boyd Higgins mittels einer neuen Kapiteleinteilung zerstört wurde. Im Original von 1946 heben sich klar voneinander ab:

  1. Der modifizierte und ergänzte Text der Originalausgabe von 1933 (Kapitel 1 bis 8)
  2. Reichs Schrift aus dem Jahre 1935 „Masse und Staat“, ebenfalls modifiziert und ergänzt (Kapitel 9)
  3. Und schließlich Kapitel 10 über die Arbeitsdemokratie.

Teil 1 handelt vom schwarzen Faschismus – oder doch eher von dessen Ursprüngen in der sexualfeindlichen, autoritären christlichen Kultur. Alles dreht sich um die Ehre, weil man genau die verloren hat durch das nach oben Buckeln und nach unten Treten; durch eine verkorkste Sexualität, die einen kriecherisch und falsch macht. Eigenschaften, die man auf andere Gruppen projiziert. Bei den Nazis waren es die Juden. Heute sind es – die „Nazis“. Die NSDAP wurde ausschließlich durch den allen Mitgliedern gemeinsamen Antisemitismus vereint. Bei den sexuell verkorksten Mitgliedern der SPD (und den restlichen sozialdemokratisierten Systemparteien) ist es heute der „Kampf gegen rechts“. Sogar die Vernichtungsphantasien entsprechen sich: „Nazis raus!“ Das folgende Video sagt zu dem alles, was zu sagen ist:

Den zweiten Teil werde ich ausführlicher behandeln, weil er am wenigsten aktuell erscheint und, wenn ich das richtig sehe, kaum je beachtet wird.

Die Rote Fahne, Wien, 3. Februar 1932: MANN UND FRAU IN DER PROLETARISCHEN FAMILIE von Wilhelm Reich

22. Januar 2019

Wir müssen offen und ehrlich aussprechen was ist: Die Klassenbewußtheit der Mehrheit der Arbeiter reicht bis zur Tür des Hauses. Innerhalb der öden vier Wände, in der unmittelbaren Nähe des materiellen und sexuellen Elends, vergißt man leicht die Parolen, die auf den Fahnen der Revolution stehen. Die proletarischen Männer halten die Versklavung ihrer Frauen in geistiger und sexueller Hinsicht aufrecht. Es hat keinen Sinn, hier anzuschuldigen und zu verurteilen.

Aber es muß scharf und klar festgestellt werden, daß das übliche Verhalten von Mann und Frau in der proletarischen Familie die Konterrevolution im eigenen proletarischen Hause bedeutet. Wer trägt die Schuld? Das eheliche und familiäre Elend ist in der furchtbaren Lage der Arbeiterfamilie begründet. Die Arbeiterfrau ist nicht in der Lage, sich anständig und für den Mann sexuell anziehend zu kleiden; wenn sie im Fabriksbetrieb steht, leistet sie nicht nur Mehrwert für den Kapitalisten in der Fabrik, sondern auch zu Hause, denn sie muß überdies unbezahlt die ganze Hausarbeit verrichten.

Abgehärmt und körperlich verödet kann sie dem Mann nicht das bieten, was er nach anstrengender Arbeit zu Hause ersehnt. Der Mann wieder, verärgert von seiner Fabrikarbeit oder zermürbt durch jahrelange Arbeitslosigkeit, ist gereizt, brutal, wird leicht zum Trinker, das Daheim macht ihn nur noch mehr böse, und der geringste Anlaß führt zu dem jeden Bewohner einer Mietskaserne gewohnten „Familienleben“ des Arbeiters.

Hier hat die Trunksucht, hier hat das Verbrechen, hier haben die Gattenmorde ihre soziale Wurzel. Dazu kommt, daß der Arbeiter und die Arbeiterin, von der bürgerlichen Moral durchsetzt, sexuelle Besitzansprüche gegenseitig erheben, auch dann, wenn sie aneinander kein sexuelles Interesse mehr haben. In den Sexualberatungsstellen sieht man die lange Prozession der zerbrochenen Leben voller Jammer, Grausamkeit und ohne Ausweg, wie es auf den ersten Blick scheint. Gewiß keinen unmittelbaren für viele Einzelschicksale, Opfer der kapitalistischen Wirtschafts- und Sexualordnung.

Aber es gibt einen Ausweg: Die Arbeit jedes Einzelnen für die Änderung dieser Ordnung, für den Sturz des Kapitalismus. Es gibt Arbeiter, die die Parole der Gleichberechtigung der Frau schon jetzt ernst nehmen, die sich und die Frau politisch interessieren, die nachzudenken und miteinander zu verstehen anfangen, warum das alles so ist, warum sie einander zerquälen; statt einander zu beschuldigen und zu beschimpfen, lernen sie, den aufgespeicherten Haß gegen die herrschende Klasse zu richten, und sie werden Klassen- und Kampfgenossen.

Heute gelingt es nur wenigen, morgen wird es vielen gelingen, wenn wir uns nur mehr darum kümmern werden, wenn wir die Klassenbewußtheit auch in dieses geheimste Nest, das sich das Bürgertum im Proletariat gebaut hat, tragen werden. Es gilt, nicht nur von Kameradschaft zwischen Mann und Frau zu sprechen, sondern insbesondere auch die sexuellen Schwierigkeiten der proletarischen Ehe verstehen zu lernen, sich frei zu machen von der bürgerlichen Moral, soweit es die genossene „Erziehung“ erlaubt, und kampfentschlossen eine Atmosphäre bei den Unterdrückten zu schaffen, die ihnen ein Aufatmen ermöglicht.

Wir müssen die proletarische Ehefrage ebenso politisieren wie den proletarischen Gewerkschaftskampf, denn das Eheelend hat schon manchen Arbeiter seiner Gewerkschafts- und Parteiarbeit abspenstig gemacht, indem es ihm seine besten Kräfte raubte. Dann wird die Frau nicht keifen, wenn der Mann mal mit einer anderen poussiert oder in die Versammlung geht, und der Mann wird nicht so fest glauben, daß der Körper der Frau sein Eigentum ist. Dann wird er die Frau in Versammlungen mitnehmen und sie politisch interessieren. Dann erst kann die Grundlage dafür geschaffen werden, daß Mann und Frau, statt einander die Haare auszuraufen, ihre Wut gegen die herrschende Klasse richten können in gemeinsamer politischer Arbeit, zu der sie alle Kräfte brauchen. Aber täuschen wir uns nicht: Den großen Kehraus auch auf diesem Gebiet wird erst die soziale Revolution besorgen, die der Frau ihre vollen Rechte auf Geist und Körper wiedergeben wird.

Die Wirkungsweise der emotionalen Pest (Teil 7)

21. Januar 2019

von Paul Mathews, M.A.

Nun schließt sich der Kreis zur ursprünglichen Frage, wie wir mit der emotionalen Pest umgehen sollen, denn es gibt keine wichtigere Frage in unserer Existenz. Es ist keine leicht zu beantwortende Frage, denn die Pest ist so allgegenwärtig, so gut organisiert, im Außen und innerhalb der Charakterstrukturen der gepanzerten Kleinen Männer, dass bloße vorschriftsartige Rezepte mikroskopisch klein wirken. Die dem Menschen gestellte Aufgabe ist in der Tat gigantisch, wie Reich sagte, und die Flucht in Illusionen ist damit nachvollziehbar, aber sie muss um jeden Preis vermieden werden. Immer müssen wir am Anfang beginnen und mit der Hoffnung und sogar dem Glauben arbeiten, dass die gutartige Natur der uranfänglichen kosmischen Orgonenergie ultimativ triumphieren wird. Im unmittelbaren und praktischen Sinne, um die Dinge voranzubringen und eine endgültige Katastrophe zu verhindern, täten wir gut daran, einigen von Reichs Vorschlägen zu folgen, wie sie hier paraphrasiert werden:

  1. Enthülle die Mechanismen der emotionalen Pest – wie es diese Abhandlung versucht – und sequestriere sie, wo immer es möglich ist. Sei standhaft und mutig.
  2. Sei immer selbstkritisch, inwiefern wir selbst die emotionale Pest unterstützen und begünstigen, sei es aktiv oder durch Duldung.
  3. Lerne Ehrlichkeit und Anstand von raffinierter und durchtriebener Listigkeit zu unterscheiden.
  4. Schütze Kinder wann und wo immer du es rational kannst vor sexuellen Schuldgefühlen auf der einen und zügellosen Entstellungen auf der anderen Seite.
  5. Helfe auf rationale Weise andere von ihrem sexuellen Schuld- und Angstgefühl zu befreien, aber bekämpfe die Pornografie und fördere keine Perversion.
  6. Lerne mit Gegenwahrheiten umzugehen, denn die Pest benutzt allzu oft die Wahrheit, um das Gegenteil zu erreichen. Reich sagte: „Es gibt entscheidende GEGENWAHRHEITEN, die gegen ein Eindringen der Wahrheit geschützt werden müssen“ (3, S. 201)x. Der Freiheitskrämer ist der Erzvertreter des entsprechenden Missbrauchs der Wahrheit. Er ist es, der fruchtlose „Revolutionen“, Drogenkulturen, unnötige Kriege oder Verlust an Menschenleben, Selbstmorde, Anarchie und Chaos usw. hervorbringt. Er ist es, der ein freieres und besseres Land für seine unausgereiften rot-faschistischen „Ideale“ und Pest-Motive verraten und verkaufen würde. Um Reich weiter zu zitieren:

    Je besser die Gegenwahrheit verstanden wird, auf umso sichererem und soliderem Boden steht die Wahrheit. Und um die Gegenwahrheit zu finden, muss man oft den „Advocatus Diaboli“ spielen, sich mit dem Feind identifizieren und wie ein Schuft empfinden. . . . Die Gegenwahrheit ist manchmal grausamer als es je irgendeine Wahrheit sein könnte; sie ist jedoch gleichzeitig produktiver, wenn es um die letztendliche Verwirklichung der Wahrheit geht (3, S. 203)y.

  7. Reich hat erklärt, dass die emotionale Pest „den Polizeiknüppel notwendig macht. . . sie [aber] niemals mit dem Polizeiknüppel bewältigt werden [wird]“ (1, S. 249) z. Was möglicherweise sie schließlich meistern wird, ist eine zukünftige neue Generation genital gesunder Kinder, die in der Lage sind, rational und erfüllend zu lieben und zu funktionieren. Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um auf dieses Ziel hinzuarbeiten, mit all der Verantwortung und Liebe, die wir aufbringen können. Wie Reich so stichhaltig ausführte:

    Der Pädagoge der Zukunft wird systematisch (nicht mechanisch) das tun, was jeder gute und aufrichtige Pädagoge heute tut: Er wird das lebendige Leben im Kind spüren, er wird seine besonderen Qualitäten erkennen und deren Entfaltung zur vollkommenen Blüte fördern. Solange die gesellschaftliche Anstrengung sich in so überwältigendem Maße gegen diese dem Menschen angeborene Fähigkeit zum lebendigen Ausdruck der Gefühle richtet, wie sie es gegenwärtig tut, steht der wahre Pädagoge vor einer doppelten Aufgabe: Er muss den natürlichen Ausdruck der Gefühle, die sich ja bei jedem Kind anders äußern, erkennen können, und er muss lernen, mit dem engeren und weiteren sozialen Umfeld fertigzuwerden, das sich diesen Zeichen des Lebendigseins in den Weg stellt. . . . Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass die Entwicklung langsam und schmerzhaft sein wird und dass sie uns viel abverlangt. Die emotionale Pest wird viele Opfer fordernα.

 

Anmerkungen des Übersetzers

x Christusmord, Zweitausendeins, S. 337.

y Christusmord, Zweitausendeins, S. 339f.

z Charakteranalyse, Kiepenheuer & Witsch 1989, S. 331.

α The Murder of Christ, Farrar, Straus and Giroux, Sixth printing, 1971, S. 8.
Christusmord, Zweitausendeins, S. 27.

 

Literatur

1. Reich, W.: Character Analysis. New York: Orgone Institute Press, 1949
Paperback edition, Noonday Press, New York

3. Reich, W.: The Murder of Christ. Orgone Institute Press, 1953

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 9 (1975), Nr. 2, S. 206-218.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Die Wirkungsweise der emotionalen Pest (Teil 6)

19. Januar 2019

von Paul Mathews, M.A.

Nicht unähnlich dieser Errungenschaften und Taktiken der rot-faschistischen Pest sind die neuen (dennoch alten) Taktiken, die im Angriff auf Reich, der Orgonomie, das American College of Orgonomy und auf die Genitalität zur Anwendung kamen. Dies sind Taktiken, die wir in früheren Artikeln angedeutet und von denen wir gewarnt haben, sowohl zu Reichs Lebzeiten als auch heutzutage. In letzter Zeit sind sie jedoch voll entfaltet in den Vordergrund gerückt. Die darin verwickelten Taktiker offenbaren sich selbst auf verschiedene Art und Weise:

  1. Sie umgehen oder reduzieren die Bedeutung der Genitalität und der orgastischen Potenz.
  2. Sie wenden sich gegen den starken Antikommunismus Reichs und zerstören sein Konzept der „Freiheitshausierer“, seine Kritik an Liberalen und Linken und seine funktionelle Unterstützung bestimmter konservativer Kräfte und Programme.
  3. Sie sind empfindlich und kritisch gegenüber seinem Konzept der emotionalen Pest; insbesondere dem von Modju.
  4. Sie haben eine antikapitalistische, anti-amerikanische Ausrichtung.
  5. Sie halten Reich zumindest teilweise für verrückt, besonders während seiner letzten, der sogenannten Oranur-Periode.
  6. Sie sind entweder Proselytenmacher oder Eklektiker oder beides; und blind gegenüber der dem Eklektizismus innewohnenden Umgehung der Wahrheit.
  7. Sie sind häufig in einer marxistischen soziopolitischen Voreingenommenheit gefangen und verleihen Reichs funktionellem Konzept der Arbeitsdemokratie eine marxistisch-sozialistische Tendenz.
  8. Sie neigen dazu, ungeduldig oder verächtlich gegenüber Reichs Idee zu sein, dass gesunde „Kinder der Zukunft“ der Weg in eine bessere Welt sind; stattdessen entscheiden sie sich für gesellschaftspolitischen Aktionismus, der besonders kritisch gegenüber den USA ist.
  9. Sie geben häufig vor, gegenüber der Orgonomie freundlich gesinnt zu sein, und glauben sogar subjektiv, dass sie es sind, werden aber sehr wütend und höhnisch, wenn ihre Motive in Frage gestellt werden.
  10. Einige behaupten sogar, Reichs Orgasmus-Theorie und andere wichtige Erkenntnisse akzeptiert zu haben, um als „fair“ und „maßgeblich“ angesehen zu werden. Von diesem Standpunkt aus erhält ihre ultimative destruktive Kritik an orgonomischer Arbeit und Arbeitern eine zusätzliche Wirksamkeit.

Die Essenz ihrer Techniken stellt sich wie folgt dar:

  1. Das Schreiben von Büchern und Artikeln (in nicht-orgonomischen Zeitschriften), die ihnen die illusionäre Aura geben, eine „reichianische Autorität“ zu sein, ohne die Arbeit geleistet oder die strengen Qualifikationen erfüllt zu haben.
  2. Organisation und Teilnahme an verschiedenen Symposien und Treffen, die nicht autorisiert sind, sich scheinbar mit Reichs Werk befassen, aber so verzerrt oder ungenau sind, dass sie einen enormen Bärendienst leisten.14 Sie sind wahllos in Bezug auf Teilnehmer und Publikum.
  3. Die Verunglimpfung und Diffamierung von authentischen orgonomischen Arbeitern, um ihre eigene illusorische Autorität zu erhöhen und desto besser die Orgonomie zu zerstören.
  4. Das Missverstehen und der Missbrauch bestimmter funktionell bedeutender Zitate von Reich, wie sein Misstrauen gegenüber Organisationen, um ein schlechtes Licht auf orgonomische Arbeiter oder das American College of Orgonomy zu werfen. Die Gegenwahrheit wird, wie bei allen anderen Verzerrungen, ignoriert; d.h., die Gründung des American College of Orgonomy war der Wunsch Reichs, und rationale, arbeitsdemokratische Organisationen sind möglich und wünschenswert. Dennoch werden dieselben Kritiker ihre eigenen unqualifizierten und nicht autorisierten Organisationen bilden. Die Kritik an der authentischen Gruppe soll den Eindruck erwecken, dass es keine gültigen Organisationen und Autoritäten gibt, was ihnen die Freiheit gibt, ihre Gültigkeit und Autorität in Zukunft zu deklarieren und noch mehr Chaos hinsichtlich der Orgonomie zu verursachen.
  5. Man kann mit einer Unmenge von nicht autorisierten „Reich“-Zeitschriften rechnen, die vermutlich dazu bestimmt sind „alle Fraktionen zu vereinigen“, die aber tatsächlich die Substanz der Orgonomie zu zerstören trachten. Sie sind und werden eklektisch sein, mystisch, verzerrt und ungenau. Sie werden Prioritäten für sich beanspruchen, die nicht ihre eigenen sind und für Befunde werben, die nicht stichhaltig sind. Die Elemente von Macht, Ungeduld und Narzissmus werden in ihrer Arbeit offensichtlich sein. Es ist selbstredend wichtig, eine abwertende Verwendung des Begriffs „emotionale Pest“ zu vermeiden, aber wenn der Beweis für Pest so klar ist, das Eindeutigkeit vorliegt, ist es ebenso wichtig, die Motive des gegenwärtigen „no-see-em“w zu entlarven und zu verurteilen. Wir müssen ihnen und der Welt zeigen, dass wir „sie sehen“. Was hinter ihrem Verhalten steckt, ist bösartiger Hass auf Reich und die Orgonomie, weil er ihnen das „Gelobte Land“ gezeigt hat, das sie nicht durchqueren konnten.

 

Anmerkungen des Übersetzers

w Ein feststehender Begriff bei Reich („Modju at Work in Journalism“, Orgone Energy Bulletin, 5, 85-89, 1953). Modju ist wie die „no-see-em“ – in Maine ein Wort für kleine, unsichtbar bleibende Moskitos – „niemand sieht sie“. [Anmerkung PN]

Fußnoten

14 Vgl. die Kritik des Esalen-Symposiums von Dr. Arkady Kheffe in dieser Ausgabe.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 9 (1975), Nr. 2, S. 206-218.
Übersetzt von Robert (Berlin)