Da das Kaufhaus neulich abgerissen wurde, sehe ich erstmals das Haus in der Gasse in seiner vollen Pracht. Ein Unikum: verzierte Fassade und auf den vorstehenden Fenstern des Dachgeschosses jeweils ein kleiner „Kirchturm“. Wilhelminische Pracht zwischen der Todschlagsarchitektur, wie sie seit Kriegende üblich ist. „Bauhaus“: die Funktion des Gebäudes und die Zwänge einer effizienten Bauindustrie bestimmt die äußere Form. So wurden von jeher Werkzeuge und Maschinen gebaut. So würden auch unsere Körper aussehen, wenn die natürliche Auslese alles bestimmte. Scheusale der effizienten Energiegewinnung, Informationsverarbeitung und Reproduktion. Stattdessen wird jedes einzelne Organ unseres Körpers von der Orgonomform bestimmt. Wir selbst sind sozusagen „Wilhelminisch“. Bis vor kurzem gab die Architektur noch das Körpergefühl und die „kosmische Verbundenheit“ des Menschen wider (etwa im Goldenen Schnitt). Sie war organisch gewachsen von der Antike, Romanik und Gotik, über die Renaissance zum Barock, zum Klassizismus, zur Neogotik, etc. Die Architektur seit spätestens Mitte des letzten Jahrhunderts hat diese Lebenslinie brutal durchtrennt und uns in eine Wüste versetzt, in der wir buchstäblich nicht leben können.
Schlagwörter: Antike, Architektur, Barock, Bauhaus, Goldener Schnitt, Gotik, Hausfassaden, Klassizismus, Renaissance, Romanik, Wilhelminismus, zur Neogotik
20. Dezember 2016 um 05:33 |
Vor fünfzig Jahren erschien „Die gemordete Stadt“
Das Standardwerk zu den Sünden der Stadtplanung, „Die gemordete Stadt“ von Wolf Jobst Siedler, hat nichts von Aktualität verloren.
https://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/gallery125750625/Vor-fuenfzig-Jahren-erschien-Die-gemordete-Stadt.html
20. Dezember 2016 um 10:09 |
‚Bauhaus‘ ist als altgewordenes kulturhistorisches Phänomen zu begreifen: Der rechte Winkel, das flache Dach und all die bekannten Attitüden sind im Grunde eine Art Ornament, mehr oder wenig nicht mit ‚Funktion‘ („form follows function“ und dergleichen Modesprüche jener Zeit) zu begründen, sondern eine sich ‚progressiv‘ gebende Ästhetik (für die übrigens auch Reich etwas übrig hatte).
Gegenwärtig greifen die hippen Hornbrilllinken eben auf diese Ästhetik zurück, wenn sie sich ‚Bauhausvillen‘ an Stadträndern bauen:
http://www.studio-b2.de/projekte/wohngebaeude/bauhausvilla-holm-sepp/
20. Dezember 2016 um 10:32 |
Bauhaus gibt es in Deutschland zu gut wie gar nicht, die entscheidenden Personen sind u.a. nach Israel ausgewandert, dort passt die Architektur ins organische Bild.
20. Dezember 2016 um 10:32 |
https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fe_Stadt_(Tel_Aviv)
20. Dezember 2016 um 18:52 |
Komm mal nach Berlin, wir haben da selbst eine Weiße Stadt.
http://www.reinickendorf.de/Die_Wei%C3%9Fe_Stadt_-_UNESCO-Kulturerbe.html
24. Dezember 2016 um 23:51 |
und du merkst nicht, dass die Fenster kleiner sind. Anticalvinismus
25. Dezember 2016 um 07:59 |
dafür waren die Klobürsten aber größer. Antigregorianismus
20. Dezember 2016 um 23:28 |
Selbstverständlich waren Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Belgien, Holland und die Schweiz der Ursprung der Moderne in der Architektur (in den USA auch Wright) – das muss man hier ja nicht vertiefen. ‚Bauhaus‘ im weiteren Sinne wurde eben über Emigranten in den 30ern und 40ern nach Israel exportiert. In Berlin gibt es die ‚Weiße Stadt‘, Tauts Siedlungen, die Siemensstadt, in Magdeburg Taut-Siedlungen, in Celle Siedlungen von Haesler, in Frankfurt von May, … Und heute ist es unheimlich schick, das nachzumachen: ‚Bauhausvillen‘ am Stadtrand für Intellektuelle und so; im Grunde ein Historismus. Tatsächlich eher ein schickes Outfit als besonders ‚rational‘. Es gab sicher u.a. gute Grundrisslösungen, z.B. was Sonnenlichtnutzung betrifft. Doch keineswegs ergeben sich rechter Winkel und Flachdach, wie oft behauptet wird, ‚logisch‘ aus ‚dem Zweck‘.
30. Dezember 2016 um 15:52 |
Hmm…gibt es eigentliche eine Art „orgonomischer Architektur“ bzw. eine Näherung davon? Und gibt es Beispiele für?
30. Dezember 2016 um 20:53 |
Architektur war immer Ausdruck der Machtverhätnisse und der gesellschatflichen Ideologie. Etwa im Nationalsozialismus: im Zentrum (Hauptstadt Germania) brutale pseudo-klassische Machtdemonstration jenseits jeden humanen (= klasischen Maßes), an der Peripherie eine pseudovolkstümliche Schwarzwaldromantik. Dazwischen austauschbare Architektur wie es sie in den 1930er Jahren weltweit gab.
Eine „orgonomische“ Architektur ist schlechtweg eine Architektur wie sie organisch gewachsen ist. Sie findet sich überall da, wo es eine lebendige Tradition gibt. Eine Architektur, die unmittelbar aus der Arbeitsdemokratie gewachsen ist. Entsprechend atmet man in intakten alten Bebauungsgebieten förmlich auf.