Archive for the ‘Psychologie’ Category

Ein dritter Blick auf Reichs Triebtheorie (Teil 1)

18. Februar 2019

Im Editorial ihrer Zeitschrift Offshoots of Orgonomy No. 13 hat Lois Wyvell etwas geschrieben, was auf den zweiten Blick wenig Sinn macht, auf den sozusagen „dritten Blick“ jedoch schon: „Freud stellte die Hypothese auf, daß die tierischen Instinkte des Menschen antisozial sind und für das gesellschaftliche Leben unterdrückt und kontrolliert werden müssen, während Reich unsere Instinkte als weder gut noch böse an sich betrachtete, sondern so, daß, solange sie nicht frustriert werden, nur Gutes von ihnen ausgeht.“

Aus „guten“ primären Trieben werden durch Frustration „böse“ sekundäre Triebe, folglich sind die Triebe an sich gut und der Gegensatz zwischen Freud („Triebe an sich böse“) und Reich („Triebe an sich gut“), den Wyvell in Abrede stellt, ist gegeben.

Ein Schuh wird erst draus, wenn man von dem ausgeht, was wirklich spezifisch für Reich ist: die Orgasmustheorie. Es ist die übermäßige energetische Besetzung, die Triebe pathologisch macht. Entsprechend gibt es, Elsworth F. Baker zufolge, keine neurotische Äußerung, keine Perversion, wie abartig, widerlich und antisozial sie auch immer sein mag, die nicht eine „bloße“ Übertreibung primärer, natürlicher Triebregungen ist.

Die Frage, ob Triebe „gut“ oder „böse“ sind, ist eine moraltheologische, also irrationale Frage. Die Orgasmustheorie ist hingegen gleichbedeutend mit einer WISSENSCHAFTLICHEN Sichtweise.

Anmerkungen zum Thema „Emotion“

31. Januar 2019

„Angst ist in Wirklichkeit eine Kontraktion, die gegen die Ausdehnung gerichtet ist. Kontraktion allein, z.B. gegen Kälte, ruft keine Angst hervor“ (Elsworth F. Baker: Der Mensch in der Falle, S. 45). Bei der Schrumpfungsbiopathie hat man keine Angst, obwohl sich der Körper kontrahiert.

Bei der Expansion sollte man zwei Dinge auseinanderhalten, nämlich Liebe und Wut. Demnach ist nämlich nicht jede Expansion mit „lustvoller Entspannung“ oder gar „Auflockerung der muskulären Panzerung“ verbunden. Bei Wut ist wohl eher das Gegenteil gegeben, trotzdem sie eine Expansion ist. Andererseits löst sich bei Kontraktion, etwa bei tiefer Traurigkeit, die Panzerung auf.

Bei der Lust haben wir es mit einer Expansion zu tun, die frei zur Haut fließt, bei der Wut mit einer Expansion, die in die Muskulatur geht. Sehnsucht ist eine Emotion, bei der die Energie in die Brust, zum Mund und zum Genital hin expandiert. Bei Traurigkeit zieht sich die Energie einfach wieder zurück, während bei der Angst sie es gegen die Expansion macht und es zum inneren Stau kommt („Stauungsangst“).

Was ist mit „Lustangst“? Betrachten wir zunächst die Orgasmusformel: Spannung – Ladung – Entladung – Entspannung. Das Phönomen der „kalten Erektion“ schließt aus, daß der Flüssigkeitsstrom zur Peripherie eine sekundäre Folge der energetischen Ladungsverschiebung ist („Ladung – Spannung“). Wie Walter Hoppe in seinem Buch über Wilhelm Reich schrieb, muß man zentrale Erregung und periphere Aufladung auseinanderhalten, weshalb es „Spannung – Ladung“ ist (S. 226). Wenn man dies bedenkt, schließen sich Angst und sexuelle Lust durchaus nicht aus. Die anfänglichen Gefühle im Solar Plexus (zentrale Erregung) sind ja identisch. Generell sind „das Gefühl der Erwartungslust und das der Erwartungsangst miteinander verwoben“ (Die Funktion des Orgasmus). Das erklärt beispielsweise die Lust an Horrorfilmen. „Auch beim Schaukeln, im rasch abwärts fahrenden Lift (…) verspürt man am Herzen und am Genitale Empfindungen, die angst- und lustbetont zugleich sind“ (ebd.). Das erklärt die Lust an der „Todesangst“ auf der Kirmes.

Peter im Netz (Teil 2): Fickt sich Peter selbst ins Knie?

17. Dezember 2018

Ist es nicht selbstschädigend alles zu vermengen? Warum einen Linksliberalen mit rechter Politik verprellen, wenn der wertvolle Beiträge meinetwegen zur orgonomischen Astronomie leisten könnte? Warum immer diese Anspielungen auf das Christentum, was Leute abschrecken könnte, die gegen so etwas allergisch sind? Allein schon was ich Buddhisten antue! Warum wirklich jeden Reichianer davontreiben, der kein Fan von Elsworth F. Baker, Paul Mathews und Charles Konia ist?

Dazu ist zweierlei zu sagen. Erstens ist dieser Blog kein Geschäft. Das Unangenehme am Kapitalismus ist nicht etwa, daß man hart und rücksichtslos sein muß, sondern vielmehr daß man jedermanns Freund sein muß. Geschäftspartner, Kunden, Beamte, relevante Politiker – allen muß man ständig Honig um den Bart schmieren. Doch ich will niemandem etwas verkaufen, bin von niemandem abhängig und genieße es, mich deshalb hier nicht verbiegen zu müssen! Außerdem schafft man sich keine Freunde, man findet sie!

Zweitens liegt das besagte „unglückliche Vermengen“ im Wesen der Orgonomie. Der Charakter formt alles, insbesondere aber die drei zentralen Tabubereiche: Sex, Politik und Religion. Der Meister des Small Talk segelt elegant an diesen drei Untiefen vorbei, an denen das Gespräch zu stranden droht. Eine orgonomische Seite, die aber am Wesentlichen vorbeigeht, statt penetrant drauf zuzusteuern, wäre eine vollständige Absurdität.

Reich ist mit schlafwandlerischer Sicherheit in die drei Fettnäpfchen getreten und hat schließlich in ihnen getanzt, als er nacheinander Die Funktion des Orgasmus (Sex), Die Massenpsychologie des Faschismus (Politik) und sein Buch über die Schöpfung, Die Bione (Religion), schrieb. Wenn du als Leser nicht von einem Herzinfarkt in den anderen taumelst, ist es keine Orgonomie, sondern bloß schwules Gesülze. Gott wird die Lauwarmen angewidert ausspucken! Entweder brennst du orgonotisch oder du bist bereits am Verwesen, ohne selbst davon zu wissen. Ein übelriechender Furz (ein Gespenst), kein Mensch!

Peter im Netz (Teil 1): Peter will keine Schwäche zeigen!

16. Dezember 2018

Seit Beginn dieses Blogs waren die Leserkommentare stets mein Hauptproblem, wenn nicht sogar das einzige Problem. Zunächst einmal zeigen die Klickzahlen, sozusagen „die Auflage“, wenig. Daß ich wirklich gelesen werde, wird erst durch Leserkommentare evident. Begegnet man einem Blog ohne Kommentare, kann man ihn getrost vergessen, denn er existiert in Wirklichkeit gar nicht.

Ein zweites Element der Stärke ist ein offenes Forum. Ein Blog, in dem nur genehme und (vermeintlich) „konstruktive“ Beiträge zugelassen werden, zeugt von mangelnder Souveränität. Außerdem verliert er schnell an Lesern, da am Ende nur mediokere Speichellecker übrigbleiben. Ich denke da etwa an das Schicksal des einst großen und einflußreichen Blogs „Little Green Footballs“. Der Macher wollte sich offensichtlich eine Wohlfühlzone schaffen, nur um schließlich in Isolation und Frust zu enden. Zensur mündet immer in einem Desaster für den Zensoren, da er sich selbst isoliert und sich der lebenserhaltenden Korrektive beraubt. Man denke nur an das Schicksal von Hitler oder das von Honecker!

Ich fühle mich aber auch schwach, wenn ich wirklich jeden Mist durchlasse, insbesondere die Spielchen von pestilenten Charakteren: „Peter, wie kannst du das zulassen!“ Ich kann dazu nur auf das erste und zweite Problem verweisen: ich BRAUCHE Leserbriefe und ich kann und will „gegnerische“ Stimmen nicht unterbinden. Außerdem stellte sich der Sachverhalt ja anfangs nicht so klar und eindeutig dar… Das ist halt die Pest: sie paralysiert einen, da sämtliche Handlungsoptionen ihr gegenüber extrem unattraktiv sind. Schließt man Modju aus, fühlt man sich scheiße, läßt man ihn da, aber erst recht!

Es bleibt natürlich stets die verführerische Option alles strengstens zu moderieren „und zum Wohle der Orgonomie“ nur noch „Konstruktives“ durchzulassen, aber das wäre genauso selbstmörderisch wie Modju ein Forum zu bieten. In einer Hinsicht habe ich mir ohnehin von Anfang an den Luxus gegönnt, absolut erbarmungslos zu sein, ohne jedwedes Wenn und Aber: „Reichianische“ Körperpsychotherapie.

Frivole Wasserspiele in den Alpen!

3. Dezember 2018

Auf Amazon findet sich ein interessanter Verriß von Charles Konias Buch The Emotional Plague. Wie könne Konias Behauptung stimmen, daß der Panzer die sekundären Triebe erzeugt und gleichzeitig vor ihnen schützt?! Dieser Einwand mag auf den ersten Blick logisch klingen, tatsächlich ist es aber eine Pseudologik, ein pseudointellektuelles Spielen mit Worten, das von der Realität vollkommen losgelöst ist.

Man nehme einen kleinen Gebirgsbach. Man kann sich in ihn hineinstellen, „herumplantschen“, etc. Er ist vollkommen harmlos. Wenn ich ihn aber aufstaue, steigt der Druck gefährlich an, so daß ich den Damm immer weiter festigen muß, bis ich schließlich eine gigantische Staumauer errichtet habe, die den verheerenden Wasserdruck erst erzeugt hat und ständig aufrechterhält, gleichzeitig aber auch vor ihm schützt,

Mit dem gleichen Bild kann man einen weiteren typischen Einwand gegen die Orgonomie widerlegen: Wie kann die regelmäßige Abfuhr von Energie im Orgasmus dafür sorgen, daß der Körper ein hohes Energieniveau aufrechterhält? Es gibt tatsächlich einen „Reichianischen“ Therapeuten, der das vertritt: Coitus reservatus, weil er die nichtabbgeführte Energie für seine (vor allem auch spirituelle) „Arbeit“ benötige! Wieder diese Pseudologik, die der Abwehr dient. Ist dafür gesorgt, daß bei einem Staudamm (der nun nicht mehr für die Panzerung, sondern einfach für den Organismus steht) überschüssiges Wasser problemlos abgelassen werden kann, brauche ich mir über den Zufluß des Wassers aus dem Gebirge keine Sorgen machen und kann dementsprechend den Wasserspiegel im Staubecken optimal hochhalten. Ohne dieses Ventil, muß ich die Wasserzufuhr tendenziell bremsen, um einen Dammbruch zu verhindern. Entsprechend sorgt die regelmäßige Energieabfuhr im Orgasmus dafür, daß der Organismus sozusagen ohne Sorge „voll aufdrehen“ kann.

Auf der einen Seite haben wir es mit dem mechano-mystischen Denken zu tun, einem abstrakten Denken, das durch rigide sich ausschließende Gegensätze geprägt ist. Dieses Denken dient stets der Abwehr: „hier ich, dort der Feind, dazwischen eine Schutzmauer (der Panzer)“. Auf der anderen Seite haben wir es mit dem dialektischen bzw. funktionellen (ungepanzerten) Denken zu tun, bei der Gegensätze in einem dritten Faktor aufgehoben werden:

symbol

Peter im Reich der nichtlokalen gleichzeitigen Wirkung (Teil 1)

20. November 2018

Neulich Peter in einer kleinen, aber heftigen Krise notfallmäßig im Krankenhaus. Ein schwerverwundetes Tier, das sich zwei Tage mit geschlossenen Augen unter der Bettdecke verkrochen hat und durch seine inneren Welten streifte. Die beiden Zimmernachbarn erzählten sich vom wunderschönen Garten im Innenhof des Krankenhauses. Das gemahnte mich an die grünen Kupferdächer des altertümlichen Gemäuers und schon hatte sich instantan vor mein geistiges Auge in 3D und Farbe eine unfaßbar differenzierte passende „Fassade“ gebildet: eine Mischung aus Jugendstil, Mayatempel und indischem Tempel, mit feinst ziselierten Gravuren, ultraverwickelten Reliefs, allem möglichen. Und das ganze nicht etwa nach und nach von mir imaginiert, sondern es war da, es war vor mir, mit Schattenwurf in die feinsten Verästelungen hinein, feinsten Farbnuancen. Ich konnte beliebig nahe heran zoomen oder das Gesamtbild betrachten und immer mehr entdecken.

Diese „Fassade“ bzw. dieses „Dach“ (oder was immer es auch war) war, wie gesagt, nicht von mir nach und nach erzeugt worden, sondern es war (obwohl natürlich vollständig imaginär) da, wie die Landschaft da ist, wenn ich jetzt aus dem Fenster schaue. Das hat etwas mit ERSTRAHLUNG und ANZIEHUNG zu tun und gehört zum nichtlokalen (also nichts mit Bewegung zu tun habenden) Funktionsbereich der GLEICHZEITIG VORLIEGENDEN WIRKUNG: in zwei beliebig weit voneinander befindlichen Bereichen passiert gleichzeitig etwas (ERSTRAHLUNG), das aufeinander bezogen ist (ANZIEHUNG). Das wird sehr schön an der besten Illustration von Frank Zappas bestem Musikstück illustriert:

Orson Welles

18. November 2018

Orson Welles war zweifellos ein sehr großer Schauspieler. Bemerkenswert ist seine Theorie von der Kunst des Schauspielerns. Welles‘ zufolge setzt man nicht etwas auf, keine Charaktermaske, sondern man nimmt ganz im Gegenteil Masken ab und offenbart Aspekte seiner selbst, die sonst verborgen bleiben. In diesem Sinne ist gute Schauspielerei keine Lüge! Hier ein Beispiel seiner Schauspielkunst aus der Dean Martin Show in den 1960er Jahren – als so etwas noch möglich war, da die Kultur des Westens noch nicht vom linken Gesindel zerstört worden war:

Hier stellt Welles Falstaff dar, eine der wenigen durch und durch guten Figuren der Weltliteratur, ein ungepanzerter Mensch – etwas, was ich weitgehend auch Welles selbst zugestehe! (Ich verweise auf seine Darstellung von Falstaff in seinem gleichnamigen Film.)

Welles‘ selbst bewunderte die Schauspielkunst von James Cagney, den er für den besten Filmschauspieler aller Zeiten hielt. Das bemerkenswerte an Cagneys Leinwandpräsenz war, daß er sich nicht eine Sekunde „wie ein normaler Mensch“ vor der Kamera verhielt. Es war alles gespielt und hoch stilisiert. Es war schlichtweg Kunst. Es war in jeder Sekunde stimmig und genau das, was notwendig war, um die Essenz des Dargestellten zu vermitteln. Es ist sinnlos den Alltag abzufilmen, es ist sogar in bestimmter Hinsicht eine Lüge, denn er gewinnt nur Bedeutung durch den Subtext, das LEBEN, das wir leben. Der Schauspieler muß einen Weg finden, diese Bedeutungstiefe durch seine „künstliche“ Mimik und Gestik zu vermitteln. Wenn Cagney etwa einen Kellner spielt, ist seine Darstellung wahrhaftiger, als das, was man erhält, wenn man einen echten Kellner mit versteckter Kamera filmt. (Was „echt“ und „unecht“ betrifft verweise ich auf Welles‘ Film F – For Fake!)

Welles hätte seine Seele gegeben, hätte er etwa den „Paten“ spielen dürfen. Gemeinhin wird Marlon Brando für seine Leistung in diesem Film angebetet. Ich frage mich aber, ob seine Schauspielkunst, bei der er ganz in seine Rolle aufging, wirklich das Optimum war. Er spielte schließlich einen MÖRDER, der eine Autoritätsperson für Dutzende andere Mörder darstellen mußte, die nur überleben konnte, wenn sie Angst bei Leuten hervorrief, die sich ansonsten vor nichts fürchten. Bei Brando ist „Don Corleone“ nur ein guter Onkel, während bei Welles‘ hypothetischer Darstellung das BÖSE und der schiere Terror durchgeschienen hätte, also das, worum es überhaupt geht. (Ich verweise auf Welles‘ schier unerträglich bedrückende Verkörperung des Bösen in Hauch des Bösen.)

Welles war ein Wunderkind gewesen. Er hat oft den Witz gemacht, daß es seit seinem 25. Lebensjahr für ihn abwärts ging, was den Ruhm betraf. In einem absurd frühen Alter war er ein persönlicher Freund von Präsident Roosevelt gewesen und im Nachkriegseuropa hatte er engen persönlichen Umgang mit Politikern, beispielsweise Churchill. Vor diesem Hintergrund verwahrte er sich gegen die billige, wohlfeile Rede von den Politkern als Schurken. Es seien keine Schurken, sondern SCHAUSPIELER, die auf ihre Weise das Leben und Streben einer Nation verkörpern. Ihr Auftreten in der Öffentlichkeit ist genausowenig „unecht“, wie das von James Cagney vor der Kamera.

Aber auch zweifellose Bösewichter wie Hitler und Merkel konnten ihre Länder nur deshalb ins Unglück stürzen, weil ihre Charakterstruktur perfekt mit der durchschnittlichen Charakterstruktur der Massen harmonierte. Siehe dazu Reichs Die Massenpsychologie des Faschismus.

Was Welles und Reich betrifft, gibt es m.W. nur eine einzige Verbindung und zwar, absurderweise, über Ernest Bornemann: https://books.google.de/books?id=RYzVCgAAQBAJ&pg=PT31&dq=orson+welles+reich+borneman&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjR5Mrkr87eAhXswIsKHTZFD9gQ6AEILzAB (vgl. hier).

Über Perspektive

30. Oktober 2018

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia über die Kontaktlosigkeit der Linken:

Über Perspektive

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie (Teil 21)

19. Oktober 2018

Klaus Heimann (Philipps-Universität Marburg/Lahn 1977, gepostet mit der freundlichen Genehmigung des Autors)

ANHANG: Eigene Erfahrungen mit dem Orgon-Akkumulator

Seit Ende Januar 1977 benutze ich regelmäßig einen 4-schichtigen Orgon-Akkumulator zur Körperganzbestrahlung. Ich will über meine Eindrücke und Beobachtungen im folgenden kurz berichten. Ich möchte darauf hinweisen, daß die subjektiven Empfindungen sowie die objektiven Werte, z.B. die Veränderung der Körpertemperatur, bei Benutzung des Orgon-Akkumulators stark vom Individuum und dessen bioenergetischer Konstitution abhängen. Wenn also jemand selbst schon einige Male in einem Orgon-Akkumulator gesessen hat ohne meine hier geschilderten Erfahrungen bestätigen zu können, so widerlegt dies nicht die durch die Akkumulation der kosmischen Orgonenergie hervorgerufenen subjektiven Empfindungen, die als durch Suggestion bewirkt erscheinen könnten Der Kritiker, der selbst ohne positive Ergebnisse einen Akkumulator erprobt hat, wird sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, er habe die Flinte zu früh ins Korn geworfen. Reich weist mehrfach darauf hin, daß nur regelmäßige Benutzung über mehrere Monate hinweg zu einem kompetenten Urteil über den Orgon-Akkumulator befähigt.

Ein typisches Empfinden während der Akkumulator Bestrahlung ist das Auftreten eines Wärmegefühls, das einem Strömen von Wärme im eigenen Organismus entspricht Dieses Wärmeempfinden führe ich nicht auf die Temperatur im Akkumulatorinnern zurück. Messungen haben gezeigt, daß die Innenraumtemperatur nach einer halbstündigen Aufenthaltsdauer im Akkumulator im Durchschnitt ca. 25°C beträgt. Begibt man sich aber in einen auf die gleiche Temperatur aufgeheizten Raum, so entspricht das Wärmeempfinden keineswegs dem Wärmeempfinden im Orgon-Akkumulator, das sich verstärkt durch ein inneres Strömen kennzeichnet. Nach einigen Sitzungen, die im Mittel ca. eine halbe Stunde betrugen, spürte ich ein leichtes Kribbeln vor allem in den Händen und Armen, das sich bei Annäherung an die Akkumulatorwand verstärkte. Ebenso verstärkte sich gelegentlich auftretender Druck im Kopf, der aber nicht als Schmerz empfunden wurde, bei Annäherung an die Metallwand. Das Kribbeln, das ich zunächst an Händen und Armen verspürte, trat im Laufe der Zeit auch an den Beinen auf und erfaßte schließlich den ganzen Körper. Bemerkenswert ist, daß das Kribbeln pulsierend auftritt und wellenförmig den Organismus zu erfassen scheint. Gelegentlich kam es zu heftigen Schweißausbrüchen, ohne daß ich mich bewegt hätte oder die Innentemperatur den Schweißausbruch erklären könnte. Normalerweise kommt es nur zu geringer Schweißbildung, und das Gefühl zu schwitzen ist nicht vorhanden. Oft tritt im Akkumulator ein Wohl- oder Lustgefühl auf. Regelmäßig habe ich den Eindruck, „irgendwie“ aufgeladen zu werden. Ich fühle mich nach der Bestrahlung meist erfrischt. Seit Benutzung des Akkumulators habe ich das Gefühl, meine Träume intensiver als früher zu erleben.

Am Tag nach der sechsten Bestrahlung im Orgon-Akkumulator war mir schlecht, ich war (ohne vorherigen Alkoholgenuß) von starker Übelkeit und Kopfschmerz befallen. Ich dachte, meinen Zustand durch Orgonbestrahlung verbessern zu können. Aber das genaue Gegenteil war der Fall: mir wurde im Orgon-Akkumulator noch elender. Ich vermute, daß es sich hierbei um einen sogenannten anorgonotischen Zustand handelte, als Reaktion auf die Bestrahlung im Akkumulator und der damit verbundenen Orgonenergieaufladung. Mein Körper schien sich gegen den verstärkten Energiefluß zu wehren, sich zurückzuziehen. Interessant ist die Beobachtung, daß die Körpertemperatur bis zur sechsten Sitzung zweimal unverändert blieb, zweimal leicht gestiegen war und zweimal sogar abgenommen hatte. Während der sechsten Sitzung war meine Körpertemperatur zum ersten Mal um 0,5°C gestiegen, was nach orgonomischer Auffassung auf eine starke orgonotische Erregung der Körperzellen zurückzuführen ist. Im Anschluß an diese erstmalig objektiv meßbare Erregung trat der anorgonotische Zustand auf. Mein Befinden besserte sich schon nach einem Tage wieder und ich benutzte den Akkumulator weiter. Von nun an trat regelmäßig eine Erhöhung der Körpertemperatur auf, die je nach Wetter und Tageszeit der Akkumulatorbenutzung zwischen 0,1°C und 0,8°C schwankte. Die erhöhte Temperatur war bereits 15 Minuten nach Beginn der Bestrahlung feststellbar. Fünfzehn bis 30 Minuten nach der Bestrahlung hatte der Körper wieder dieselbe Temperatur wie vorher! Ich brach die Messungen der Körpertemperatur ab, als sich 20 Tage lang regelmäßig eine Erhöhung einstellte, da ich es als lästig empfand, ständig mit dem Fieberthermometer im Akkumulator zu sitzen. Ein Freund, der ebenfalls regelmäßig den Akkumulator benutzte, machte ähnliche Beobachtungen Auch er hatte nach ca. 9 Sitzungen einen (vermutlich) anorgonotischen Anfall, und bei ihm stellte sich auch von nun an eine regelmäßige Erhöhung der Körpertemperatur ein. Personen, die nur sporadisch den Orgon-Akkumulator benutzen, zeigten in der überwiegenden Mehrzahl keine Veränderungen in der Körpertemperatur. Es scheint, als müsse sich ein geschwächter Organismus erst mit Orgonenergie vollsaugen, bevor es zur vollen Erstrahlung kommt, die sich dann in einer Erhöhung der Körpertemperatur äußert.

Die meisten, die den Akkumulator ein oder mehrmals benutzten, bestätigten den Eindruck des Wärmeströmens, einige bestätigten auch das Prickeln in den Händen oder auch an anderen Körperteilen. Ich habe den Eindruck, daß viele Leute, die sich anfangs für den Orgon-Akkumulator interessierten, eine Scheu haben, den Akkumulator regelmäßig zu benutzen. Ich vermute, das liegt an der unbewußten Vorahnung (die eventuell von einer Kontraktion des Körperplasmas infolge einmaliger Orgonbestrahlung begleitet wird), daß die konsequente Auseinandersetzung mit der Orgonenergie unweigerlich zu einer intensiven Beschäftigung mit dem eigenen Selbst, mit den eigenen Panzerungen und Ängsten, die man lieber verdrängen möchte, führt, was für neurotische Individuum durchaus schmerzlich und bitter sein kann, und daher von so vielen Individuen gemieden wird, um das neurotische Gleichgewicht nicht zu verlieren Die Auseinandersetzung mit dem Orgon-Akkumulator scheint die weit verbreitete Lustangst des Neurotikers zu aktivieren und stößt daher auf irrationale Ablehnung.

Ich nehme an, daß die Benutzung des Orgon-Akkumulators dazu beitrug, daß ich eine gewisse Sensibilität für Verspannungen der Muskulatur entwickelte. So merke ich deutlich, daß sich bei mir des öfteren im Nacken Verspannungen bilden; manchmal herrscht ein starken Druck in der Nackengegend, so als wenn Energie eingeschlossen wäre und eine innere Spannung hervorriefe. Diese Empfinden geht bei mir einher mit dem Gefühl, der Energiefluß sei gerade in der Nackengegend unterbrochen. Derartige Gefühle kannte ich vor Benutzung des Orgon-Akkumulators nicht.

Über die Heilwirkungen der im Orgon-Akkumulator konzentrierten Energie kann ich nicht viele Aussagen treffen, da ich selbst nicht an organischen Krankheiten leide. Experimente mit kranken Personen habe ich auf Grund mangelnder medizinischer Ausbildung selbstverständlich unterlassen. Werden körperliche Leiden mit dem Akkumulator zu heilen versucht, sollte man stets einen erfahrenen Arzt zur Kontrolle heranziehen möglichst auch jemanden, der über umfangreiche Kenntnisse in der Orgonomie verfügt.

Folgende Erfahrungen über Heilwirkungen halte ich für mitteilenswert:

  • Eine seit einigen Jahren alle ein bis zwei Jahre einmal auftretende Mandelentzündung stellte sich nach ca. 6 Wochen Akkumulatorbenutzung wieder ein. Mehrere Personen aus meiner Umgebung waren an einer Mandelentzündung erkrankt. Nach zwei Tagen war ich bereits wieder beschwerdefrei. Seitdem (März 1977) bin ich bis heute (September 1977) frei von Infektionen jeder Art. Erkältungen kommen meist nicht voll zum Ausbruch. In der Frage nach prophylaktischer Wirkung ist Beobachtung über einen längeren Zeitraum auf jeden Fall erforderlich.
  • Leichte Verbrennungen hinterließen nach Bestrahlungen nicht wie eigentlich erwartet die sonst üblichen Brandblasen, sondern hörten bald auf zu schmerzen und es bleiben keine äußerlichen Merkmale. Mit schwereren Verbrennungen habe ich keine Erfahrungen.
  • Wiederholt konnte ich Kopfschmerzen, die infolge von Überanstrengung (z.B. nach einer mehrstündigen Autofahrt bei gleißendem Sonnenlicht) auftraten, binnen weniger Minuten beheben.

Bei der Beobachtung der Lichtphänomene bin ich mir zu unsicher, als daß ich sichere Behauptungen aufstellen könnte. Hierzu stehen noch gezielte Versuche aus. Temperaturmessungen von Außenluft und Akkumulator-Innerem habe ich aus finanziellen Gründen nicht mit geeichten Thermometern durchführen können. Messungen mit ungeeichten Thermometern, die allerdings in gleicher Umgebung gleiche Temperaturen anzeigten, schienen die Reichschen Ergebnisse zu bestätigen. Ebenfalls aus finanziellen Gründen unterblieb die Messung mit dem Geiger-Müller-Zähler und mit Elektroskop.

Wie ticken „Reichianer“ soziopolitisch?

5. Oktober 2018

Wenn man die Linksreichianer verstehen will, sollte man folgendes (orgonometrisch schlichtweg falsches!) Diagramm betrachten, daß ihre Haltung (nicht etwa ihre Charakterstruktur!) perfekt beschreibt. Ihren irrationalen Linksliberalismus, den Reich insbesondere in Christusmord so hart gegeißelt hat, betrachten sie in ihrer kontaktlosen Verwirrtheit als Ausdruck höchster Rationalität. Mit denjenigen, die Reich, ob als Kommunist oder als Eisenhower-Anhänger, zeitlebens gehaßt und verachtet hat, die teddybär-werfenden Liberalen, identifiziert sich der „Reichianer“.

Die Ableitung und Diskussion dieses und ähnlicher Diagramme in David Boadellas Aufsatz „Social structure and character structure“ (Energy and Character, Vol. 2, No. 2, May 1971, S. 34-45) zeigt, daß Boadella nicht funktionell und bioenergetisch, sondern formalistisch und politisch denkt. Entsprechend geht es zunächst gar nicht auf die entsprechende funktionelle und bioenergetische Ableitung politischen Verhaltens des Liberalen (= verlogene oberflächliche Charakterschicht) und des Faschisten (= sadistische mittlere Charakterschicht), wie sie Reich 1942 im Vorwort zur Massenpsychologie des Faschismus präsentiert hat, ein, sondern handelt sie am Ende des Aufsatzes als eine Art Anhang kurz ab. Abschließende Sätze in Boadellas Text, in denen das Wort „liberal“ gar nicht vorkommt, – denn wenn es erwähnt worden wäre, wäre dieser ganze aufgeblasene, aber nichtsdestotrotz hohle Artikel zerplatzt.

Das obige Diagramm ist direkter Ausdruck der Charakterstruktur Boadellas und weniger einer wissenschaftlichen Aussage. Als primäre Impulse sehen wir „libertäre und arbeitsdemokratische Tendenzen“. Sie seien in der gepanzerten Gesellschaft genauso Angriffen ausgesetzt wie liberale Tendenzen auch, nur intensiver. Mit anderen Worten will Boadella tatsächlich nur eins: seine eigenen rebellischen („anarchistischen“) neurotischen Strebungen als ultimative Gesundheit darstellen im Gegensatz zu den bürokratischen Sozialisten der Labour Party und den Kommunisten auf der einen und den genauso kranken konservativen Tories und imaginären „Nazis“ auf der anderen Seite. Beide Seiten würden gleicherweise die Liberalen angreifen, die das an Rationalität vertreten, was in einer gepanzerten Gesellschaft möglich ist. Der schwarze Balken im Diagramm symbolisiere, wie die „natürlichen kooperativen Tendenzen“ der Menschen blockiert werden und entsprechend aus Arbeitsdemokraten bloße Liberale werden – die dergestalt der Gesundheit noch am nächsten stehen würden. Hier haben wird die Rechtfertigung für Boadellas windelweichen Liberalismus, wie er in Energy and Character zum Ausdruck kommt.