Peters Lektüre von KINDER DER ZUKUNFT (Teil 4)

Ähnliches ließe sich über das Kapitel „Der Ursprung des menschlichen ‚Nein‘“ sagen, das Reich ebenfalls selbst herausgegeben hat, 1955 – in einer vollständig anderen Version („The Source of the Human ‚No’“, Orgonomic Medicine, 1(2), S. 101-105), als das was Higgins/Raphael uns hier kommentarlos präsentieren.

In dem von unserem fatalen Paar zu verantwortenden Buch fehlen in diesem Kapitel für die Orgonomie so wichtige Stellen wie die folgende, die wirklich jeder Student der Orgonomie kennen sollte, weil in der Orgonomie ständig darauf Bezug genommen wird:

Ich sprach über die ursprüngliche Schädigung, die dem Menschen widerfahren ist – Sie wissen, gleich bei Säuglingen. Darum geht es, diese Gleichgültigkeit. Niemand zeigt Interesse. Nichts kann ihr Interesse wecken. Das Protoplasma hat aufgehört zu funkeln. (meine Übersetzung)

Darum geht es bei dem Artikel! Wie kann man es wagen, einen der wichtigsten Artikel Reichs derartig zu kastrieren?! Ich glaube, ich spinne: was in dem Buch präsentiert wird ist nicht WILHELM REICHs Artikel „Der Ursprung des menschlichen ‚Nein‘“! Aaaarrrgggghhhhhhh!

Zum Schluß noch eine Bemerkung zum Übersetzen: Die Überschrift „Der Ursprung des menschlichen ‚Nein‘“ widerspricht dem Wesen der deutschen Sprache. Ich hätte übersetzt: „Das ‚Nein‘ des Menschen und sein Ursprung“. Oder nehmen wir beispielsweise Morton Herskowitz‘ Buch Emotional Armoring, das doch tatsächlich mit Emotionale Panzerung übersetzt wurde. Ist deine Panzerung auch emotional? Korrekt wäre m.E. „Die Panzerung der Emotionen“ oder besser „Gepanzerte Emotionen“. Englisch und Deutsch haben grundsätzlich unterschiedliche Strukturen. Beispielsweise ist es manchmal für einen Germanen die reine Tortur Baker und Konia zu lesen, geschweige denn übersetzen zu wollen, da die beiden vollkommen im anglosächsischen Sprachraum aufgehen – und sich beim durch die durch und durch logische deutsche Sprache gestählten Teutonen Knoten in den Hirnwindungen bilden. Es gibt kaum etwas Schwierigeres als das Übersetzen englischer Texte ins Deutsche! Daß ausgerechnet das schluderige Englisch das hochpräzise und jeder anderen Sprache überlegene Deutsche als internationale Sprache der Wissenschaft abgelöst hat…

Ja ja, die Übersetzerei. Reichs Übersetzer Theodore P. Wolfe hatte am Anfang das Problem, daß es im Englischen das Wort „energetisch“ einfach nicht gab, also übersetzte er „economic“ (sic!). Baker und Mathews haben später sogar „energic“ (sic!) gewählt. Ich würde mich nicht wundern, wenn Reich derjenige war, der das Wort „energetic“ in den englischen Sprachraum eingeführt hat! Baker sprach immer vom „emotional plague character“, anstelle von Reichs „pestilent character“. Reichs Version ist im Amerikanischen einfach nur daneben. In der deutschen Übersetzung von Bakers Der Mensch in der Falle heißt es für „emotional plague character“ unglaublicherweise „Charakter der emotionalen Pest“. Eine korrekte Übersetzung ist natürlich „pestilenter Charakter“. Ich übersetze „emotionell pestkranker Charakter“.

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3 Antworten to “Peters Lektüre von KINDER DER ZUKUNFT (Teil 4)”

  1. claus Says:

    „Sie wissen, gleich bei Säuglingen. Darum geht es, diese Gleichgültigkeit. Niemand zeigt Interesse.“
    Danke, ich kannte das Zitat; aber, tatsächlich, es bringt ja wirklich die Misere zum Ausdruck.

  2. O. Says:

    Bezogen auf „energetisch“ – angenähert an seinen Begriff des orgonomisch – hatte Reich einen Sprachfehler sowohl im Deutschen als auch im Englischen generiert. Die Bedeutung ist bestenfalls „energisch“ und damit war die logische Übersetzung (energic) Reichs falscher Verwendung am nächsten. Zum Totlachen, dass Generationen von Körpertherapeuten nichts je aufgefallen war. Sie stammelten ständig unsinniges Zeug: „energetisch hier und da“ – wie es schwachsinnige Esoteriker tun, ohne einen Begriff von Energie je zum Fassen zu bekommen.
    Reich hatte sich ja mit der „Sexualökonomie“, dem Haushalt sexueller Energien, beschäftigt, daher wäre auch „(sex-)economic“ nicht ganz so abwegig gewesen. Mit „orgonotic“ umging Reich das Problem elegant. Die Rückübersetzung zum „orgonomisch“ führte wieder zur Irreführung, weil orgnomisch sich auf die Fachrichtung Orgonomie bezog, also kein „energisch“ abbildet. Heute sprechen Leute von „Orgonomen“ – gemeint wären Orgonomtherapeuten (Achtung Neusprach!). Schlimmer geht immer, wie die Wortschöpfung „Orgonomisten“ zeigt, wo Energetiker gemeint wären.
    Da es nun mal keinen führenden Fachmann in Sachen Orgonomy gibt, wird man sich nicht mehr auf die notwendige Präzision der Sprache einigen können.

    Auch der Begriff der „emotionellen Pest“ – „emotional plague“ – würde ich keinen „Charakter“ – im Sinne Reichs Charakterstruktur – andichten wollen. Die Pestreaktion kann jeden Charakter betreffen, sie ist ein Überbegriff. Und weiter lässt sich auch nicht, wie Baker irrt, eine politische Charakterologie ableiten. Kein Psychologe geht da mit; ein „Orgonomist“ vielleicht.

    Fazit: Orgonomistisch (Achtung Neusprach!) gesehen ist eine Orgonom (nach Reich definiert) zu klein, um eine komplexe Struktur wie den „Orgonom“ zu bilden. Es ist auch nicht „orgonomisch funktionell identisch“, sonst wäre Reich – unter Garantie – schon drauf gekommen.

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