Die Wirkungsweise der emotionalen Pest (Teil 6)

von Paul Mathews, M.A.

Nicht unähnlich dieser Errungenschaften und Taktiken der rot-faschistischen Pest sind die neuen (dennoch alten) Taktiken, die im Angriff auf Reich, der Orgonomie, das American College of Orgonomy und auf die Genitalität zur Anwendung kamen. Dies sind Taktiken, die wir in früheren Artikeln angedeutet und von denen wir gewarnt haben, sowohl zu Reichs Lebzeiten als auch heutzutage. In letzter Zeit sind sie jedoch voll entfaltet in den Vordergrund gerückt. Die darin verwickelten Taktiker offenbaren sich selbst auf verschiedene Art und Weise:

  1. Sie umgehen oder reduzieren die Bedeutung der Genitalität und der orgastischen Potenz.
  2. Sie wenden sich gegen den starken Antikommunismus Reichs und zerstören sein Konzept der „Freiheitshausierer“, seine Kritik an Liberalen und Linken und seine funktionelle Unterstützung bestimmter konservativer Kräfte und Programme.
  3. Sie sind empfindlich und kritisch gegenüber seinem Konzept der emotionalen Pest; insbesondere dem von Modju.
  4. Sie haben eine antikapitalistische, anti-amerikanische Ausrichtung.
  5. Sie halten Reich zumindest teilweise für verrückt, besonders während seiner letzten, der sogenannten Oranur-Periode.
  6. Sie sind entweder Proselytenmacher oder Eklektiker oder beides; und blind gegenüber der dem Eklektizismus innewohnenden Umgehung der Wahrheit.
  7. Sie sind häufig in einer marxistischen soziopolitischen Voreingenommenheit gefangen und verleihen Reichs funktionellem Konzept der Arbeitsdemokratie eine marxistisch-sozialistische Tendenz.
  8. Sie neigen dazu, ungeduldig oder verächtlich gegenüber Reichs Idee zu sein, dass gesunde „Kinder der Zukunft“ der Weg in eine bessere Welt sind; stattdessen entscheiden sie sich für gesellschaftspolitischen Aktionismus, der besonders kritisch gegenüber den USA ist.
  9. Sie geben häufig vor, gegenüber der Orgonomie freundlich gesinnt zu sein, und glauben sogar subjektiv, dass sie es sind, werden aber sehr wütend und höhnisch, wenn ihre Motive in Frage gestellt werden.
  10. Einige behaupten sogar, Reichs Orgasmus-Theorie und andere wichtige Erkenntnisse akzeptiert zu haben, um als „fair“ und „maßgeblich“ angesehen zu werden. Von diesem Standpunkt aus erhält ihre ultimative destruktive Kritik an orgonomischer Arbeit und Arbeitern eine zusätzliche Wirksamkeit.

Die Essenz ihrer Techniken stellt sich wie folgt dar:

  1. Das Schreiben von Büchern und Artikeln (in nicht-orgonomischen Zeitschriften), die ihnen die illusionäre Aura geben, eine „reichianische Autorität“ zu sein, ohne die Arbeit geleistet oder die strengen Qualifikationen erfüllt zu haben.
  2. Organisation und Teilnahme an verschiedenen Symposien und Treffen, die nicht autorisiert sind, sich scheinbar mit Reichs Werk befassen, aber so verzerrt oder ungenau sind, dass sie einen enormen Bärendienst leisten.14 Sie sind wahllos in Bezug auf Teilnehmer und Publikum.
  3. Die Verunglimpfung und Diffamierung von authentischen orgonomischen Arbeitern, um ihre eigene illusorische Autorität zu erhöhen und desto besser die Orgonomie zu zerstören.
  4. Das Missverstehen und der Missbrauch bestimmter funktionell bedeutender Zitate von Reich, wie sein Misstrauen gegenüber Organisationen, um ein schlechtes Licht auf orgonomische Arbeiter oder das American College of Orgonomy zu werfen. Die Gegenwahrheit wird, wie bei allen anderen Verzerrungen, ignoriert; d.h., die Gründung des American College of Orgonomy war der Wunsch Reichs, und rationale, arbeitsdemokratische Organisationen sind möglich und wünschenswert. Dennoch werden dieselben Kritiker ihre eigenen unqualifizierten und nicht autorisierten Organisationen bilden. Die Kritik an der authentischen Gruppe soll den Eindruck erwecken, dass es keine gültigen Organisationen und Autoritäten gibt, was ihnen die Freiheit gibt, ihre Gültigkeit und Autorität in Zukunft zu deklarieren und noch mehr Chaos hinsichtlich der Orgonomie zu verursachen.
  5. Man kann mit einer Unmenge von nicht autorisierten „Reich“-Zeitschriften rechnen, die vermutlich dazu bestimmt sind „alle Fraktionen zu vereinigen“, die aber tatsächlich die Substanz der Orgonomie zu zerstören trachten. Sie sind und werden eklektisch sein, mystisch, verzerrt und ungenau. Sie werden Prioritäten für sich beanspruchen, die nicht ihre eigenen sind und für Befunde werben, die nicht stichhaltig sind. Die Elemente von Macht, Ungeduld und Narzissmus werden in ihrer Arbeit offensichtlich sein. Es ist selbstredend wichtig, eine abwertende Verwendung des Begriffs „emotionale Pest“ zu vermeiden, aber wenn der Beweis für Pest so klar ist, das Eindeutigkeit vorliegt, ist es ebenso wichtig, die Motive des gegenwärtigen „no-see-em“w zu entlarven und zu verurteilen. Wir müssen ihnen und der Welt zeigen, dass wir „sie sehen“. Was hinter ihrem Verhalten steckt, ist bösartiger Hass auf Reich und die Orgonomie, weil er ihnen das „Gelobte Land“ gezeigt hat, das sie nicht durchqueren konnten.

 

Anmerkungen des Übersetzers

w Ein feststehender Begriff bei Reich („Modju at Work in Journalism“, Orgone Energy Bulletin, 5, 85-89, 1953). Modju ist wie die „no-see-em“ – in Maine ein Wort für kleine, unsichtbar bleibende Moskitos – „niemand sieht sie“. [Anmerkung PN]

Fußnoten

14 Vgl. die Kritik des Esalen-Symposiums von Dr. Arkady Kheffe in dieser Ausgabe.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 9 (1975), Nr. 2, S. 206-218.
Übersetzt von Robert (Berlin)

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3 Antworten to “Die Wirkungsweise der emotionalen Pest (Teil 6)”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Erstaunlich, dass alles bis heute zutrifft und sich nichts verändert, nein, eher verschlimmert hat.
    Dazu zählt auch der unzählbare Müll des Orgonit-Unsinns und anderer Geschäftemacher.

  2. Robert (Berlin) Says:

    Zu Fußnote 14:
    Arkady Kheffe (Pseudonym von Michael R. Glass, M.D.): The Esalen Tapes: A Review (S. 230-237).

    https://de.wikipedia.org/wiki/Esalen-Institut
    Wo auch Lowen und Perls auftraten.

  3. Robert (Berlin) Says:

    Zu Fußnote w:
    „No-See-ums: das spricht sich ’noZiehEmms‘ und ist der Ausdruck für eine spezielle Art mikrokleiner Sandfliegen. Mit Sand hat das aber nichts zu tun, da sie in warm-feuchtem Klima überall auftreten können.
    Sie heissen so, weil man sie kaum ’sehen‘ kann. Die kleinen Kerle beissen und man hat mini-kleine angeschwollene Stellen, meistens am Bein, die tagelang jucken – viele beschreiben dies als stärkeres Jucken als bei Mosquito-Stichen, vor allem länger anhaltent.
    Deswegen, wenn Sie einen gemütlichen Abend mit Feunden draussen verbringen, das Wetter wunderbar warm, vielleicht feucht ist, kein Windchen weht, dann schützen Sie sich besser – es lohnt sich für den nächsten Tag.“

    http://www.magazinusa.com/us/info/show.aspx?unit=travelinfo&doc=93

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