Peter auf dem Weg zur Orgonomie (Teil 2)

Man hört etwas und denkt, die eigne Seele singt. Bei Schopenhauer war es Rossini, bei Herman Hesse war es Mozart, bei Reich war es Beethoven „und bei mir“… zufällig habe ich 1973 oder 74 auf NDR 3 ein obskures Stück eines in den 1920er Jahren berühmten, mittlerweile aber vollkommen vergessenen Komponisten der modernen Klassik gehört: „Musik zum Gedächtnis der Einsamen“ (1952) von Philipp Jarnach:

Es ist der gleiche Geist, der auch Bartoks „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“ durchwirkt – die ich abgöttisch verehre. Musik für Menschen, die in einer Umgebung und in einer Familie aufgewachsen sind, die durch zwei Weltkriege zerrissen und die ins kalte Weltall hinausgeschleudert wurden.

Das heutige Bild von 1973: https://nasselstein.blogspot.com/2021/04/hinterhof-73.html

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18 Antworten to “Peter auf dem Weg zur Orgonomie (Teil 2)”

  1. Frank Says:

    Bräuchten die „zerissenen und geschleuderten“ Menschen nicht gerade ein Klavierkonzert von Schumann? Ich verstehe, das ist nicht möglich für sie.
    Kriege und Grausamkeiten gab es immer – oder waren die beiden erwähnten so viel schlimmer (z.B. weil so viele betroffen)?

    • Peter Nasselstein Says:

      Kategorienfehler: die moderne Klassik war Ausdruck des Umbruchs, die Klassik Flucht vor diesem Umbruch. Reich hat die moderne Musik gehaßt und ist ganz in der Wiener Klassik aufgegangen.

      In beiden Weltkriegen ging es explizit um die Vernichtung des deutschen Volkes: im Ersten durch die Hungerblockade, im Zweiten die systematische Vernichtung der Arbeiterquartiere. Für die englische Oberklasse waren diese Leute nur Ungeziefer, etwa wie die Begalen in Indien.

      • Frank Says:

        Interessant, danke. Wo findet man etwas dazu, dass der Bombenterror die Arbeiterquartiere zerstören wollte, habe ich noch nie gehört, könnte passen, wenn man an einen Wirtschaftskrieg denkt.

        • Peter Nasselstein Says:

          Otto Rudolf von Laun, einer der drei Männer, die Ende April 1945 die Kapitulation Hamburgs und damit die Rettung der Hansestadt vor ihrer totalen Zerstörung einfädelten, schrieb in seinen Erinnerungen: „Das Bemerkenswerte an diesen Luftangriffen auf Hamburg war übrigens – im Gegensatz zu Angriffen auf andere Städte – die Absicht, die angeblich Churchill gehabt haben soll: die Arbeiterviertel durch starke Angriffe in Brand zu setzen, damit möglichst viele Menschen umkamen.“

          Wohnungsbestand vor und nach dem KriegDie englische Kriegsführung habe auf einen Arbeiteraufstand gehofft, der zum Rückgang der Kriegsführung führen sollte. „Man hat also ganz bewusst reine Zivilprojekte angegriffen, …, nämlich Arbeiter-Wohnviertel.“ Die Zahl der Opfer war verheerend. „Auf den Straßen lagen damals nach den Angriffen Tausende von Leichen, Zivilisten, auf einer Länge von 1,20 Meter bis 1,50 zusammengeschrumpft durch die entsetzliche Hitze, in der sie verkohlt waren“, schrieb von Laun.

          Fliehen konnten die Menschen nicht. „Die englische Luftwaffe hatte nämlich hauptsächlich mit Brandbomben angegriffen, die kreisförmig abgeworfen wurden, so dass sich der Brand konzentrisch von außen nach innen fraß. Die in einem solchen Brandzirkel gefangenen Menschen konnten nicht mehr heraus.“

          Wie oben schon geschrieben, ging vor allem Hamburgs Osten unter. „Es sind dieses die Stadt- und Ortsteile Barmbek, Uhlenhorst, Eilbek, Hamm, Hammerbrook, Horn, Wandsbek, Borgfelde, Hohenfelde, St. Georg“, schrieb Dähn. Schwer zerstört wurden zudem Teile der Innenstadt, Eimsbüttel, St. Pauli, Eppendorf, Altona, Harburg und der Hafen. Blankenese sei nicht getroffen worden, ergänzt von Laun. „Dort fielen nur die RAF-Flugblätter: ‚Blankenese wollen wir schonen, dort wollen wir später wohnen!‘“

          http://www.hamburgsstundenull.de/Archive/28

          • Frank Says:

            Danke. Dann bleibt die Frage nach den anderen Angriffen, ob es dort nicht doch auch ähnlich war (warum auch nur Hamburg), im Gegensatz zu dieser Aussage: „im Gegensatz zu Angriffen auf andere Städte“.

          • O. Says:

            Die Strategie – der Aufstand der Toten (Arbeiter) – ging dann ja richtig auf. … Oder anders ausgedrückt, wenn man militärisch nix drauf hat, bombt man einfach die Wehrlosen weg, so würde ich es sehen.

      • Frank Says:

        Ich würde das nicht als „Flucht“ bezeichnen, vielleicht als „Zuflucht“. Der gesunde Mensch sucht, gerade in schwierigen Zeiten, und braucht das Harmonische. Vielleicht muß sich beides nicht ausschließen. Für Reich und mich wohl schon … 😉

  2. Frank Says:

    Nicht direkt zum Thema (aber das Stichwort „Kriege“):
    Sicher ist hier im Forum der Unterschied zwischen Schimpansen und Bonobos bekannt? Rüttelt an der Saharasia-Theorie. Gerade gibt es gute Filme über den Kongo in der Mediathek.

    • Peter Nasselstein Says:

      Nazischimpansen gegen Jesusbonobos

      • Frank Says:

        Danke, interessant. Es gibt aber keine Bezugnahme auf die Saharasia-Theorie. Die beiden Affenarten leben in identischer Umgebung! Das Video 47 habe ich mir dazu nicht angeschaut.

    • Robert (Berlin) Says:

      Genetisch ist der Unterschied von Mann und Frau etwa so groß wie von Mensch und Schimpanse

      • Frank Says:

        Interessanter Hinweis, danke.
        Wie im menschlichen Leben, in der letzten Zeit ist mir ein Licht aufgegangen: Es gibt die Eigenschaft „echte, tiefe Hilfsbereitschaft“. Diese besitzen nur wenige Menschen, Der große Rest geht selbstfixiert und egoistisch durch die Welt. Kaum ein genetischer Unterschied, und doch großer Unterschied im Sozialverhalten.
        Anstatt Saharasia-Theorie also doch „nur“ genetische (charakterliche) Andersart? Dann Gute Nacht, Europa, die Zuwanderer werden sich also niemals ändern. Ist sowieso mein Gefühl.

      • Robert (Berlin) Says:

        Frank, ich würde den genetischen Unterschied nicht gleich dazu interpretieren, dass wir Menschen größtenteils Egoisten sind. Unsere Hilfsbereitschaft beschränkt sich eben meist auf unsere nächsten Verwandten.
        Saharasia-Theorie und genetische Prägung schließen sich nicht aus. Klar, wir sind, wie übrigens unsere politischen Ansichten, genetisch geprägt, aber Saharasia ist ja nicht genetisch bedingt, weil die selben Völker vorher, vor der Verwüstung, friedliche Völker waren.

        • Peter Nasselstein Says:

          Und wir selbst sind sind Nachfahren der denkbar schlimmsten „Saharasianer“: erst wurden, aus dem Mitttleren Osten kommend, die Ureinwohner restlos verdrängt (vielleicht sind die Basken die allerletzte Sprachinsel) und dann kamen aus den Steppen Asiens die „Arier“ und haben sogut wie alles plattgemacht, so daß wir nicht mal mehr wissen, welche Sprache vor ihnen in Europa gesprochen wurde.

          • Robert (Berlin) Says:

            Genetisch entsprechen die Sarden noch am ehesten den Ureuropäern

            • Peter Nasselstein Says:

              Naja, der von den „Ariern“ verdrängten Bevölkerung, die ursprünglich aus dem Nahen Osten kam. Ich glaube, genetisch sind die Litauen, Lettland, die Ecke, den ursprünglichen Jägern und Sammlern noch am nächsten.

            • Robert (Berlin) Says:

              @Peter
              „Doch diese Ur-Europäer blieben nicht die einzigen Einwanderer. Seit einigen Jahren weiß man, dass vor etwa 9000 Jahren eine Gruppe äußerst wichtiger Migranten aus dem Nahen Osten kam: die ersten Ackerbauern und Viehzüchter.
              […]
              Auf Sardinien …. Die Insel ist ungewöhnlich einheitlich: Zu 90 Prozent haben die Sarden noch heute die Gene der ersten Bauern.

              „Vermutlich gab es nach der Besiedlung aus dem Nahen Osten kaum noch Migrationen nach Sardinien“, sagt Krause. Genetisch sehen die Sarden heute also noch fast genauso aus wie die Ackerbauern, die vor 7000 Jahren nach Deutschland kamen. Auch Ötzi, der vor 5400 Jahren in Südtirol lebte, hat zu mehr als 95 Prozent das Erbgut der ersten Bauern. Wie sie aussahen, verraten bestimmte Gene. „Sie hatten relativ helle Haut und braune Augen. Die ur-europäischen Jäger und Sammler dagegen hatten blaue Augen und eher dunkle Haut“, erläutert Krause.“

              Da habe ich wohl beide Gruppen verwechselt.

              https://www.berliner-zeitung.de/zukunft-technologie/nature-studie-die-europaeer-haben-dreierlei-vorfahren-li.74066

  3. Peter Nasselstein Says:

    Zum Thema Sarden und so siehe mein Video:

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