Orgonmusik

Bei Angst pressen Tiere verzerrte und dissonante Töne aus ihrer Lunge. Wir reagieren erregt und irritiert, wenn wir entsprechende Musik hören.

Auf dieser Weise übte beispielsweise die Musik von Jimi Hendrix seine Wirkung aus. Hier seine kreischende ORANUR-Hymne Purple Haze („violetter Dunst“):

Musik ist unmittelbarer Ausdruck des Erregungs- und Bewegungszustandes unserer organismischen Orgonenergie bzw. kann diese entsprechend beeinflussen.

Reich hat dazu geschrieben:

(…) Jeder musikalische Mensch kennt den Emotionszustand, den große Musik hervorruft. (…) Die Musik ist wortlos und will es bleiben. Sie ist trotzdem ein Bewegungsausdruck des Lebendigen und ruft im Hörer „Ausdruck“ oder „Bewegtheit“ hervor.

Man pflegt die Wortlosigkeit der Musik entweder als Zeichen von mystischer Geistigkeit oder aber als allertiefsten, in Worten nicht faßbaren Gefühlsausdruck zu bezeichnen. Der naturwissenschaftliche Standpunkt bekennt sich zur Deutung, daß der musikalische Ausdruck mit letzten Tiefen des Lebendigen zusammenhängt. Was man als „Geistigkeit“ großer Musik betrachtet, wäre demnach nur eine Umschreibung der einfachen Tatsache, daß Gefühlsernst identisch ist mit Kontakt mit Lebendigem jenseits der Sprachgrenze.

(…) Der Künstler selbst spricht zu uns zweifellos in der Form wortloser Ausdrucksbewegungen aus der Tiefe der Lebensfunktion; aber er könnte das, was er musikalisch (…) ausdrückt, selbst ebensowenig in Wort fassen wie wir. (…) Er bestätigt dadurch die orgonphysikalische Behauptung, daß das Lebendige über eine eigene Ausdruckssprache vor, jenseits und unabhängig von aller Wortsprache verfügt. (…) (Charakteranalyse, KiWi, S. 475f)

Ich verweise nur auf John Diamonds Erkenntnisse über Lebensenergie in der Musik. Es gäbe in der klassischen Musik bestimmte Komponisten (etwa Beethoven, Bach und Mozart), die mehr als andere direkt von „göttlicher Inspiration“ beflügelt wurden. Die Musik dieser Komponisten hat eine besonders energiestärkende Wirkung. Voraussetzung: Ihre Musik wird von Interpreten gespielt, die sich in den Dienst dieser göttlichen Inspiration stellen und nicht verkrampft oder aus egoistischem Interesse spielen, etwa um Starstatus zu erlangen.

Der Schweizer Pianist Edwin Fischer (1886-1960)

war nicht nur eine Instanz auf dem Klavier, sondern auch ein legendärer Therapeut für Verkrampfte, ein Trainer für Übernervöse. Seine Unterweisungen begannen immer mit einer seltsamen Übung: Er lehrte seine Schüler das Ausatmen. Einatmen, wußte Fischer, könne schließlich jeder. Jeden Morgen solle man sich der Etüde widmen, den Druck aus dem Körper zu leiten; danach funktioniere jedes Klavierspiel besser.

Fischer ging es noch um den Atem der Musik und Werktreue. Was heutzutage an „klassischer Musik“ angeboten wird, ist austauschbare Bombast-Scheiße a la Karajan. Vielleicht technisch perfekt und mit Wahnsinnsgeschwindigkeit atemlos abgespielt, aber ohne Seele, „ohne Atem“. Alle diese „Künstler“ klingen heutzutage gleich, sind austauschbar, als würden Roboter die Noten abspielen. Es ist undenkbar, daß sich einer der heutigen peinlichen „Klassikstars“ verspielt und das dann auch noch, wie Fischer es getan hat, veröffentlicht, – aber trotzdem ist das, was heutzutage produziert wird, wertloser Müll. Fischer hatte einen intuitiven Zugang zur Orgonenergie und konnte sie aus den Noten eines Bach, Mozart oder Beethoven wieder zum Erklingen bringen. Das ist die erwähnte Werktreue! Was man heute hört, ist ein ORANUR-Massaker an den unsterblichen Genies.

Der orgonomisch orientierte Pianist Thomas Lorango (1959-1992) führte vor 30 Jahren aus, wie er von der Musiklehrerin Karen Tuttle (1920-2010) darauf hingewiesen wurde, daß er beim Klavierspielen seine Energie „abschneide“, indem er sich vor jedem Anschlag verkrampfe. Seine anderen Lehrer hatten ihm schon gesagt, daß er mehr fühle, als er wirklich zum Ausdruck bringe. Tuttle gab ihm Reichs Die Funktion des Orgasmus zu lesen und er begann zu verstehen, was seine angespannte Muskulatur mit dem Ausdruck, dem freien Fluß der Energie zu tun hatte. Schließlich unterzog er sich einer Orgontherapie.

Leider würden jedoch die meisten Musiklehrer die Zusammenhänge, die Lorango zu erfassen begann, nicht wahrhaben und stattdessen Methodik und Technik lehren, wobei sie „Ausdruck“ als einen bloßen Teil von Methodik und Technik betrachten. Heute seien klassische Musikkonzerte teilweise unerträglich langweilig, da sich alles nur um Technik und Virtuosentum drehe, tiefere Gefühle (statt bloßer „Überwältigung“) nicht angesprochen werden. Es sei kein Vergleich mehr zu den wunderbaren Aufnahmen aus den 1930er Jahren.

Auf Filmaufnahmen würde man auch sehen, daß damals die klassischen Musiker ganz anders wirkten als die Musikathleten heute. Ihre Köpfe, Hälse und Schultern waren damals viel lockerer, als man es bei zeitgenössischen Musikern sähe. Ihr Spiel hatte einen natürlicheren Puls.

Ich habe es in den alten Filmen gesehen, die zeigen, wie Furtwängler dirigiert. Er dirigiert aus einem Zustand der Entspannung heraus und atmet in seinem Musizieren, im Gegensatz zu den heutigen Dirigenten, von denen viele angestrengt und krampfhaft aus einem Zustand hoher Anspannung heraus dirigieren.

Er, Lugano, habe mit Courtney F. Baker darüber gesprochen, der sicher sei, daß die Veränderung der atmosphärischen Orgonenergie in den letzten Jahrzehnten (ORANUR) auch in der Entwicklung der Kunst zum Ausdruck käme („Armor and Music“, Offshoots of Orgonomy, No. 7, Autumn 1983, S. 38f; „Why Classical Music Has Become a Bore“, Offshoots of Orgonomy, No. 11, Autumn 1985, S. 33f).

Beethoven war Reichs Lieblingskomponist. Alexander Lowen hat 1951/52 über dessen Symphonien einen Artikel geschrieben, der mit folgendem Absatz endet:

Es gibt viele Gemeinsamkeiten, was die Persönlichkeiten von Reich und Beethoven betrifft. Beide betrachteten sich selbst als große Männer, die über der Masse der kleinen Menschen standen. Jeder arbeitete mit kosmischen Gefühlen, Beethoven in der Musik, Reich in der Wissenschaft. Ich glaube, es wurde deutlich, daß sie mit identischen Prinzipien arbeiteten, die die natürlichen Erregungsvorgänge beherrschen. Reich identifizierte sich mit Beethoven. Er stimmte mir zu, als ich ihn 1952 während meines Besuches auf Orgonon auf seine Ähnlichkeit mit Beethoven hinwies. Reich sagte: „Wir haben den gleichen Blick vom Berggipfel auf die Welt unten.“ Es bleibt zu hoffen, daß die Menschheit eines Tages Reichs Beiträge genauso anerkennen wird, wie sie es bei Beethoven getan hat. („Beethoven. Music and the Cosmos“, The Creative Process, 4(1), Sept. 1964, S. 31-54)

Als ich 17 oder 18 war, lag in mal für ein paar Tage im Bett, um einen Infekt auszukurieren. Während dieser Zeit hörte ich täglich stundenlang Kammermusik von Beethoven. Es ist eines der intensivsten spirituellen Erlebnisse meines Lebens. Es ist wirklich ein Privileg, mit dem Geist eines so großen Mannes in eins fließen zu dürfen.

Der Musikologe Jack Diether, der Reich 1946 kennenlernte, hat auf Anregung des Orgonomen Paul Mathews, der ein begeisterter Hörer der Symphonien Bruckners und Mahlers war, den Artikel „Gustav Mahler and Orgonomy“ verfaßt (The Journal of Orgonomy, 8(2), November 1974, S. 216-224).

Mahlers Musik sei von einer ungeheuren inneren Spannung erfüllt, die manche besonders gepanzerte Menschen einfach nicht ertragen können. Diether zitiert in diesem Zusammenhang Mathews:

Die dämonische Natur Mahlers beruhte auf dem Kampf zwischen seiner Panzerung und der enorm kontaktvollen Orgonenergie, welche die großen Löcher in seinem Panzer durchdrang. Seine Musik ist geprägt von der Mischung aus Todesangst – d.h. Orgasmusangst – und der himmlischen Freude, die den Menschen beim letztendlichen Durchbrechen seines Panzers erwartet.

Ganz dasselbe ließe sich über Bruckner sagen.

Mein Lieblingskomponist, neben Mozart, ist Bela Bartok. Bartoks geniales Stück „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“ ist das Stück, das man dem Drama des 20. Jahrhunderts unterlegen könnte. Es ist die Vertonung jener inneren Spannung, die das letzte Jahrhundert buchstäblich zerrissen hat.

Noch etwas ist absolut bemerkenswert an Bartok: wie kein anderer ist er in der Volksmusik verankert – und zwar in der ursprünglichen Volksmusik, die er als Musikethnograph selbst dokumentiert hat. Diese Elemente scheinen in „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“ durch, das gleichzeitig von einer extrem komplexen Harmonik und nicht zuletzt vom Goldenen Schnitt und der Fibonacci-Reihe bestimmt ist. Wirklich in jeder denkbaren Beziehung „kosmische Musik“.

Zum Schluß klassische indische Musik, die der klassischen Musik des Westens in nichts nachsteht. Sie hat sogar den Vorteil, daß sie, in einem sehr strengen Rahmen (ein falscher Ton und das Stück ist irreparabel zerstört!), zu mehr als 90 Prozent auf Improvisation beruht, d.h. Interpret und Komponist identisch sind.

„Raga Basant Bahar“ wird von Lalmani Misra auf der Vichitra Vina gespielt. Dieser Raga verschmilzt mit der starken Hitze des frühen indischen Frühlings, von dem es heißt, daß alle Wesen durch die allumfassende Schöpferkraft, die die Umwälzung der Jahreszeiten hervorbringt, zu sprießen beginnen. In seiner Wiedergabe von Basant Bahar preist Lalmani Misra auf unnachahmliche Weise dieses prächtige Blühen der Natur:

Das ist der Klang der kosmischen Orgonenergie jenseits der Panzerung des Menschen. Namaste!

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2 Antworten to “Orgonmusik”

  1. Manuel Says:

    Es gibt auch heute wunderbare, tief empfundene Interpretationen klassischer (barocker) Musik:

    • Peter Nasselstein Says:

      Ich habe den Verdacht, daß Barockmusik sich zur Zeit des Barock ganz anders angehört hat als heute: erstens mit allen möglichen Verzierungen der Noten, die auf dem Blatt stehen, und vor allem weitaus beschwingter und rhythmischer als das heutige Barockgedudel. Hinzu kam die Kunst der Improvisation. Mit der „klassischen“ Musik ist diese Tradition dann abgebrochen.

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