In den ursprünglichen Gesellschaften hat es Tauschhandel allenfalls zwischen aneinander vorbeiziehenden Horden gegeben, die ansonsten kein Verhältnis zueinander hatten. Es ist eine instantane Interaktion von Geben und Nehmen ohne jene bioenergetische Spannung, die über sehr lange Zeit aufrechterhalten wird und die typisch für die wirtschaftlichen Interaktionen innerhalb des Stammes (und zwischen befreundeten Stämmen) ist, wo es um gegenseitige Verpflichtungen geht.
Kurioserweise werden diese Verhältnisse, bei denen es um langfristige Beziehungen geht, im Kapitalismus wiederhergestellt, wo eben nicht der Tauschhandel im Mittelpunkt steht, sondern sich alles um Kreditvergabe und -aufnahme dreht. Klassischen Tauschhandel gab es allenfalls während des Kalten Krieges, etwa mit der „DDR“ oder innerhalb der „DDR“ zwischen Betrieben am Plan vorbei, d.h. überall dort, wo die Arbeitsdemokratie zusammengebrochen war.
Arbeitsdemokratie ist Kredit, d.h. ein Netz wechselseitiger Abhängigkeiten und Verpflichtungen, und sie ist deshalb vom Geld nicht zu trennen, weshalb auch beispielsweise das anstehende digitale Zentralbankgeld von zentraler Bedeutung für die Orgonomie ist.
Für die Formulierung einer orgonomischen Theorie des Geldes kristallisierten sich mir zwei Alternativen heraus. Zunächst die Theorie von Johann Philipp Freiherr von Bethmann, von dem ich zu dessen Hochzeiten alle Bücher las:
- Die Zinskatastrophe. Das Buch zur Krise, Frankfurt 1982
- Der verratene Kapitalismus. Die Ursachen der Krise, Frankfurt 1984
- Auf Inflation folgt Deflation. Unerhörte Warnungen, Frankfurt 1986
- Die Deflationsspirale, Frankfurt 1986
- Das Kartenhaus unseres Wohlstandes. Warum der Kapitalismus nicht triumphieren kann, Düsseldorf 1991
Schließlich wandte ich mich jedoch der in vieler Hinsicht diametralen Gegenposition von Murray N. Rothbard zu:
- Das Schein-Geld-System. Wie der Staat unser Geld zerstört, Gräfelfing: Resch Verlag, 2000, dessen erste Auflage 1963 in den USA unter dem Titel What has the Government done to our money? erschienen ist.
In Deutschland wurde diese Sichtweise beispielsweise von dem christlich orientierten Unternehmer und Autor Roland Baader vertreten.
Zunächst einmal der Punkt, in dem sich beide Wirtschaftstheoretiker einig sind:
Merkwürdigerweise gibt es in durchweg allen kapitalistischen Wirtschaften einen bestimmten Bereich, der vollkommen von planwirtschaftlichen Prinzipien bestimmt wird, ohne daß auch nur ein Funken marktwirtschaftlichen Problembewußtseins vorhanden ist: im Bereich der „Notenbanken“.
Der Privatbankier und Autor v. Bethmann hat dieses „realsozialistische“ Geschwür, das den Kern unserer kapitalistischen Ordnung aushöhlt, dingfest gemacht: die „Geldmengensteuerung“, wie sie die amerikanische FED, die EZB und andere Zentralbanken betreiben.
v. Bethmann zeiht ihnen des „Verrats am Kapitalismus“. Ihre Geldmengensteuerung sei vergleichbar mit der sozialistischen Bewirtschaftung und müsse eines Tages genauso zum Zusammenbruch des „Realkapitalismus“ führen, wie vorher der Realsozialismus am Plan krepiert ist. Die „Geldproduktion“ regulieren zu wollen, ist gleichbedeutend mit dem Ansinnen, die Produktion „bewirtschaften“ zu wollen. „Geldmengenpolitik“ ist eine genaue Entsprechung der einstigen planwirtschaftlichen Regulierung des Produktionsprozesses im Realsozialismus. Und trotzdem geschieht dies nicht nur national, sondern sogar weltweit mit Hilfe von Institutionen wie der Weltbank und dem Internationalen Währungsfond. Doch ist beides, Güterproduktion und „Geldproduktion“ einzig eine Angelegenheit von Privatleuten, eine Funktion des privatwirtschaftlichen arbeitsdemokratischen Austausches.
Nach der gängigen Theorie ist es Aufgabe der Zentralbanken Geld zu „schöpfen“ und je nach Wirtschaftslage mit Hilfe ihrer konjunkturpolitischen Mittel, also vor allem dem Leitzins, mittels der Geschäftsbanken in die Wirtschaft fließen zu lassen, bzw. der Wirtschaft überschüssiges Geld wieder zu entziehen. Ein hydraulisches System, mit den Gremien der Zentralbanken an den Schalthebeln.
Nach v. Bethmann ist die Produktion und Vernichtung von Geld jedoch ein autonomer Prozeß, der zwischen zwei freien Wirtschaftsteilnehmern selbstbestimmt abläuft. Geld wird automatisch produziert, wenn Schulden gemacht werden. Entsprechend wird Geld vernichtet, wenn Schulden beglichen werden. Geld ist nichts anderes als die Abstraktion konkreter Forderungen eines Gläubigers gegenüber einem Schuldner, die an irgendeinen beliebigen Dritten abtrettbar sind.
Imgrunde ist jede Art von Kreditaufnahme eine Geldschöpfung. Dazu gehört auch jeder Gang in den Supermarkt, weil Kaufen und Bezahlen zwei vollkommen unterschiedliche Dinge sind: von dem Augenblick, wo ich das Produkt an mich nehme bis zu jenem, wo ich es bezahle, habe ich praktisch einen Kredit aufgenommen. Wenn ich bezahle, begleiche ich diesen Kredit und vernichte damit das „geschöpfte“ Geld wieder, indem ich meine Schuld tilge.
Man kann, auch wenn es widersinnig klingt, sagen, daß Geld beim Kaufen entsteht. Oder anders ausgedrückt: Nachfrage entsteht nicht, wenn Geld vorhanden ist, sondern Geld entsteht durch Nachfrage, da Kaufbereitschaft dasselbe ist wie Verschuldungsbereitschaft. Neues Geld entsteht mit jeder neuen Geldforderung, d.h. Geldschöpfung ist nichts anderes als Kreditschöpfung.
Da also jede Forderung potentiell Geld ist, ist seine Menge weder bestimmbar noch begrenzbar. Geldneuschöpfung ist ein autonomer, mengenmäßig prinzipiell unkontrollierbarer Vorgang.
Das Grundproblem einer derartigen Geldtheorie ist, daß hier das Geld sozusagen in der Luft hängt – und dadurch inflexibel wird. Wie der Orgonom Robert Harman in seinem Aufsatz „Practical Functional Economics“ ausführt, ist es ohne einen internationalen Goldstandard für ein Land praktisch unmöglich die eigene Währung abzuwerten, ohne auf verheerende Weise in den Kapitalmarkt einzugreifen. Als Beispiel dafür führt er China an. Harman selbst ist aufgrund seiner 35 Jahre zurückgehenden Beschäftigung mit der ökonomischen Theorie zu dem Schluß gekommen, daß, was die Funktionsweise des Geldsystems betrifft, Gold ohne (aus Krediten hervorgegangenes) Papiergeld kein „Gold“ ist und daß umgekehrt das Papiergeld ohne dieses Gold kaum mehr ist als ein Fetzen Papier (Journal of Orgonomy, Vol. 44, No. 1, S. 60).
Beiden Seiten, hier durch Rothbard und durch v. Bethmann vertreten, geht es darum, den Kapitalismus zu retten bzw. erst möglich zu machen. Die eine (die mechanistische) Seite behandelt dabei das Geld wie eine „Substanz“, die durch die Venen des Wirtschaftorganismus fließt, und verkennt, daß sich das Geld ständig verändert und es potentiell unendlich viele Arten von „Geld“ gibt („Geldmenge M1, M2, M3“). Die andere (die mystische) Seite verkennt, daß Geld ohne substantielle Basis undenkbar ist: es konnte sich nur auf der Grundlage des Austausches von Edelmetallen entwickeln und kann nur auf dieser „materiellen Grundlage“ angemessen funktionieren. (Bitcoin, obwohl „immateriell“, ist fix und nicht manipulierbar und ist von daher eine Entsprechung zu Gold!)

Schlagwörter: Ökonomie, EZB, FED, Geld, Geldschöpfung, Geldtheoriem, Goldstandard, Johann Philipp Freiherr von Bethmann, Kapitalismus, Kreditaufnahme, Murray N. Rothbard, Notenbanken, Papiergeld, Planwirtschaft, Roland Baader, Zentralbanken
26. Februar 2012 um 13:57 |
Die vergessene Krise: USA 1920-1921
http://ausserdem.info/2012/Die-vergessene-Krise-USA-1920-1921
„Die amerikanische Zentralbank und der Staat taten 1920 beide nichts gegen die Krise: Keine Konjunkturpakete, keine Staatsgarantien, keine neuen Steuern gegen „Spekulanten“ und andere Sündenböcke, keine Rettungspakete und vor allem keine Zinssenkungen. (Im Gegenteil: Die Zentralbank hob die Leitzinsen sogar an. )
Was ist passiert? Nun, es gab eine kurze und harte Krise mit 11,7% Arbeitslosigkeit 1920, doch diese sank schnell auf 6,7% (1921) und dann weiter auf 2,4% (1922). (Man muss auch dazu sagen, dass es damals keine „Schulungen“ zur Schönung der Arbeitslosenstatistiken und wesentlich weniger Teilzeitarbeit gab. 11,7% waren damals Krisenwerte, sind aber in vielen „sozialen Marktwirtschaften“ eigentlich schon normal geworden. )
Anhand dieses Beispiels sieht man wie schnell sich die Marktwirtschaft von staatlichen Eingriffen (in diesem Fall der erste Weltkrieg) erholen kann, wenn sie bloß die Politiker in Ruhe lassen.“
26. Februar 2012 um 15:43 |
Allgemeiner: Austausch von Dingen, die einen Wert auch als Ware haben. Man denke an die „Zigarettenwährung“ nach dem Zweiten Weltkrieg.
Gold und Silber sind in besonderem Maße geeignet.
Man könnte spekulieren, dass in der Jungsteinzeit gerade die Frauen damit anfingen, Gold (und Edelsteine), also Schmuckstücke zu tauschen, und dass irgendwann zum ersten Mal Schmuck gegen etwas anderes getauscht – und somit das Geld erfunden wurde.
Heute erscheint mir die Geld-Welt mit ihren Banken-Türmen, den krawatten-tragenden von mehreren Bildschirmen und Telefonhörern umgebenen Brokern an den Börsen – und den viel mit dem Düsenflugzeug reisenden Bankern – als eine recht patriarchalische Angelegenheit; jedoch glaube ich, dass es ursprünglich nicht so war.
27. Februar 2012 um 00:58 |
Hier über den erwähnten Roland Baader:
http://www.pi-news.net/2012/02/roland-baaders-letztes-interview/
2. September 2014 um 20:16 |
Papiergeld ist auch ein historisch gewachsenes Geld.
http://www.zeit.de/2014/18/finanzmarkt-ezb-schuldenpapiere?commentstart=25#cid-3273306
http://www.zeit.de/2014/18/finanzmarkt-ezb-schuldenpapiere?commentstart=25#cid-3273308
2. September 2014 um 20:53 |
… mit Goldstandard unmöglich abzuwerten oder ohne Goldstandard abzuwerten??
China?
Angenommen, der Renminbi hätte – per Definitionem – ein festgelegtes Verhältnis zum Gold – beispielsweise 1 Unze = 10.000,- Renminbi.
Wie kann dann China abwerten?
Oder ist mit „internationaler“ Goldstandard“ sowas gemeint wie Bretton Woods?
Eine Währung – genau eine – ist fest mit dem Gold verbunden.
Alle anderen können je nach Wirtschaftskraft auf- bzw. abwerten?
Also zum Beispiel: Verhältnis Renminbi / Gold fest; jetzt kann USA abwerten wodurch Exporte der USA nach China erleichtert werden?
Ist das so gemeint? Und ist das gut? Und stimmt das so überhaupt?
4. September 2014 um 07:52 |
An anderer Stelle:
http://davidmoerike.de/2014/09/erhaltende-ursache
hatte ich auf „erhaltende Ursachen“ hingewiesen, die unter Umständen die tieferen sind.
Solche erhaltenden Maßnahmen bzw. Ursachen werden auch bei Dingen gesehen, die man als Ausbeutungs- und Herrschafts-Systeme bezeichnet.
http://www.sueddeutsche.de/politik/neoliberales-herrschaftssystem-warum-heute-keine-revolution-moeglich-ist-1.2110256
Dieser Artikel – der Autor ist ein Südkoreaner – verdient nähere Betrachtung.
Ähnlich wie Chile wurde auch Südkorea zu Reformen geprügelt, die denen der „Chicago Boys“ ähnlich sind.
Nach einigen einleitenden Sätzen und Fragen heißt es – Zitat:
Wer ein neues Herrschaftssystem installieren will, muss Widerstand beseitigen. Das gilt auch für das neoliberale Herrschaftssystem. Zur Einsetzung eines neuen Herrschaftssystems ist eine setzende Macht notwendig, die oft mit Gewalt einhergeht.
Aber diese setzende Macht ist nicht identisch mit der das System nach innen hin stabilisierenden Macht. Es ist bekannt, dass Margaret Thatcher als Vorkämpferin des Neoliberalismus die Gewerkschaften als „Feind im Inneren“ behandelte und sie gewaltsam bekämpfte.
Gewaltsamer Eingriff zur Durchsetzung der neoliberalen Agenda ist jedoch nicht jene systemerhaltende Macht.
Zitat Ende, Hervorhebung von mir.
Es wird also neben der „setzenden“ Macht – hier: Thatcher – eine „systemerhaltende“ Macht postuliert.
Zitat Fortsetzung:
Das neoliberale Herrschaftssystem ist ganz anders strukturiert.
Hier ist die systemerhaltende Macht nicht mehr repressiv, sondern seduktiv, das heißt, verführend. Sie ist nicht mehr so sichtbar wie in dem disziplinarischen Regime.
Es gibt kein konkretes Gegenüber mehr, keinen Feind, der die Freiheit unterdrückt und gegen den ein Widerstand möglich wäre.
Zitat Ende, Hervorhebung von mir.
Dies sagt er, nachdem er auf den Feind bzw. das Gegenüber, nämlich der herkömmliche Fabrikbesitzer oder Kapitalist, hingewiesen hat.
Die erhaltende Macht ist sedukriv, also sozusagen sehr sexualökonomisch.
Betreffend das immer härter werdende jeder gegen jeden schreibt er – Zitat Fortsetzung:
Jeder ist Herr und Knecht in einer Person. Auch der Klassenkampf verwandelt sich in einen inneren Kampf mit sich selbst.
Wer heute scheitert, beschuldigt sich selbst und schämt sich. Man problematisiert sich selbst statt der Gesellschaft.
Zitat Ende, Hervorhebung von mir.
Dies erinnert sehr an das, was manchmal über die Alkohol-Abhängigen im Gegensatz zu den Drogen-Abhängigen gesagt wird: sie hacken auf sich selber herum, machen alles mit sich selber ab.
Nach Erläuterung wie die Staatsmacht – ähnlich wie in Großbritannien, in Südkorea aber infolge des Diktats des IMF – die „setzende“ Macht war – die neue Ordnung durchprügelte, heißt es weiter – Zitat:
Heute gibt es in Südkorea kaum Widerstände. Es herrscht dagegen ein großer Konformismus und Konsens mit Depression und Burn-out. Südkorea hat heute weltweit die höchste Suizidrate.
Man wendet Gewalt gegen sich selbst an, statt die Gesellschaft verändern zu wollen.
Die Aggression nach außen, die eine Revolution zur Folge hätte, weicht einer Selbstaggression.
Heute konkurriert jeder mit jedem, auch innerhalb eines Unternehmens. Diese absolute Konkurrenz erhöht zwar die Produktivität enorm, aber sie zerstört Solidarität und Gemeinsinn.
Aus erschöpften, depressiven, vereinzelten Individuen lässt sich keine Revolutionsmasse formen.
… findet nicht einmal die berühmte „Entfremdung“ von der Arbeit statt. Heute stürzen wir uns mit Euphorie in die Arbeit bis zum Burn-out.
Die erste Stufe des Burn-out-Syndroms ist eben die Euphorie. Burn-out und Revolution schließen sich aus.
… Die Ideologie der Community oder der kollaborativen Commons führt zur Totalkapitalisierung der Gemeinschaft. Es ist keine zweckfreie Freundlichkeit mehr möglich.
In einer Gesellschaft wechselseitiger Bewertung wird auch die Freundlichkeit kommerzialisiert.
Man wird freundlich, um bessere Bewertungen zu erhalten. Auch mitten in der kollaborativen Ökonomie herrscht die harte Logik des Kapitalismus.
Zitat Ende, Hervorhebung von mir.
Es ist keine zweckfreie Freundlichkeit mehr möglich.
Und wie ist das in einer Ur-Gesellschaft wie etwa bei den Trobriandern oder den von mir öfter erwähnten Piraha-Indios??
Da muss ich – wie ich glaube – noch mehr, um von anderen etwas zu erhalten, freundlich sein. Bin ich also vereinsamt und griesgrämig oder voll mit innerlich kochendem Ärger und kann mich nicht so verstellen, wie ich möchte, werde ich in einem solchen Volk Konsequenzen tragen.
Sofortige und harte Konsequenzen.
so sehe ich das.
Dies ist, falls es wahr ist, für jeden linksliberalen Charakter äußerst unangenehm.
Und das „Sich-verstellen“ ist noch viel schwieriger als in der jetzigen, dem linksliberalen Charakter zuzuschreibenden Jeder-gegen-Jeden-Kultur.
Es funktioniert praktisch nicht.
Überleben kann also nicht, wer sein Vereinzelt- und Depressiv- Sein, seinen Ärger und seine Verachtung versteckt, sondern nur wer diese Zustände loslässt.
Anders funktioniert es nicht.
4. September 2014 um 08:02 |
Offtopic: Sachsen-Wahl 2014
Auch in Sachsen gibt es – anders als in den letzten Wochen und Monaten der DDR – kaum Widerstände. Man geht nicht mal zum Wählen, was ja einfacher ist als eine richtige Revolution.
Zweite Wahlsieger sind CDU und AfD. Größte Gruppe aber sind die Nichtwähler.
Offenbar macht jeder alles mit sich selber ab.
Nicht einmal die Kirchen können so viel bewirken wie noch in der Wendezeit.
4. September 2014 um 20:54 |
OffTopic: Hamsterrad!
Viel besser als in Südkorea geht es manchen Leuten auch hier in Deutschland nicht!
Da ist jemand, der ein großes Möbelstück – nach Versteigerung über ebay – bei mir abholen soll. Ich bin terminlich ganz strikt innerhalb der nächsten anderthalb Wochen, denn danach bin ich nicht mehr in Ba-Wü im „Ländle“! In der Frühe hatte der mit mir telefonisch ausgemacht, es jetzt zu holen.
Befehl vom Chef, noch heute nacht für vierzehn Tage auf Montage zu fahren.
Zum Glück ist dieser Mensch nicht so vereinsamt, sondern besser vernetzt, als viele Südkoreaner und auch Deutsche in der harten Jeder-gegen-Jeden (Un-)kultur: ein Kollege von ihm wird das abholen.
Der eine mag in jener in o.a. Zeitungsartikel beschriebenen „Euphorie“-Phase des Burnouts sein, der andere vielleicht schon in dem „sie können ja gehen, wenn Ihnen meine Bedingungen nicht passen“ Zustand.
Im Burnout sind selbstverständlich neben der Härte des Arbeitsmarktes auch charakter-neurotische Faktoren beteiligt.
Dennoch bedarf es in Deutschland, damit der Massen-Burnout nicht für immer vorhanden ist – denn die Zeche zahlt die Deutsche Rentenversicherung und somit die Solidargemeienschaft, unter anderem durch Erwerbsunfähigkeitsrenten und vielleicht auch vermehrte Sucht-Reha-Aufenthalte – eines Arbeitsmarktes, in welchem wieder so viel Selbstregulierung ist, dass die Menschen sich nicht mehr alles bieten lassen müssen, sondern auch mal eine Chance haben, sich zu solidarisieren und nein zu sagen!
Und hier bin ich – wie ich glaube – auf einmal nicht mehr OffTopic. Jetzt bin ich in Themen wie Geld und Arbeit drin!
Da wurde – im „arprin“-Blog als Antwort auf eine Frage betreffend Öffnung des Arbeitsmarktes – folgendes gesagt:
http://arprin.wordpress.com/2014/08/23/grundeinkommen-statt-sozialhilfe#comment-7814
Zitat:
Ganz einfach: Die Arbeitsverbote (z.B. durch Mindestlohn oder Lizenzen, Zertifikate als Eintrittsbarriere) und die strengen Regulierungen (z.B. Kündigungsschutz) sollten ebenso aufgehoben werden wie …
Zitat Ende, Hervorhebung von mir.
Mindestlohn: in der Schweiz scheint sich der sehr hohe Mindestlohn von 22,- Franken eher beschäftigungs-fördernd auszuwirken weil die Menschen die diesen Lohn verdienen nicht so strikt sparen müssten und daher selber wieder beschäftigungswirksam seien – so wird behauptet. Aber:
Lizenzen, Zertifikate:
hier sind offenbar die vielen Studien- und Ausbildungsabschlüsse gemeint, in Verbindung mit dem Umstand, dass dabei die formale Bildung gegenüber dem was er / sie tatsächlich kann, so stark überbewertet wird. Letzteres infolge Bequemlichkeit und linksliberalem Einfluss.
Aber es ist auch ein ganz konretes, hartes „rent-seeking“ mit drin.
Weitere – auch sexualökonomisch bedeutsame – Nebenwirkung: Geschlechtsreife mit zwölf, Berufsreife mit vierundzwanzig. Aber letzteres betrifft nicht alle jungen Menschen so extrem.
4. September 2014 um 23:59 |
Was ist denn mit der „“Euphorie”-Phase des Burnouts “ gemeint? Wann soll die denn sein?
5. September 2014 um 00:15 |
Die „Euphorie“ soll sich einstellen, wenn man statt seinen Job noch zwei weitere machen darf, von den Kollegen , die krank geworden sind oder entlassen wurden. Je mehr Stress und Aktivität um so mehr Adrenalin wird ausgeschüttet, was eine vermeintlich euphorische Stimmung auslösen soll mit der Selbstüberschätzung, „Ich bin der Beste, weil mien Chef Stolz auf mich ist“ (dass ich so ein Idiot bin und für 3 arbeite). Vielleicht wäre es hilfreicher es die „Idiotenphase“ zu nennen. – Der Beginn der Entlassung nach dem Burn-out wurde hiermit eingeleitet und wenn man feritg ist, unterschreibt man auch gerne den Auflösungsvertrag ohne eine Abfindung nach 20 – 30 Arbeitsjahren in der Firma, da die Kraft fehlt sich noch zu wehren gegen das eintretende Bossing und organisierte Mobbing, oft auch QM (Mitarbeiterbeurteilung und -Gespräche) genannt. Ein jüngere und billigere Arbeitnehmer übernimmt den Job mit befristetem Vertrag dann gerne bis er in 2 Jahren wegen Burn-out for Youngsters ausfällt und ausgetauscht wird …
4. September 2014 um 21:05 |
Unter bestimmten Bedingungen – welche Bedingungen sind das? – neigen die Menschentiere dazu, sich zu ent-solidarisieren.
Verschiedene unterpriviligierte Gruppen kämpfen gegeneinander anstatt zusammen, beispielsweise in Amerika arme Weiße (wasp) gegen Neger und umgekehrt – die (jeweils) anderen – so sagen die Menschen – anderen sind besser organisiert als wir, nehmen uns die wenigen Arbeitsplätze weg!
Und beide hacken dann noch so gut sie können auf den wenigen Indianern herum, die es in der Stadt noch gibt.
Welche Bedingungen führen dazu, dass sich die Menschen – in einem in Amerika vor hundert Jahren noch völlig unbekannten Ausmaß – ent-solidarisieren?
4. September 2014 um 21:18 |
Zu einer von Kriminalität bestimmten, ent-solidarisierten Kultur und Bevölkerung passt auch folgendes:
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014-08/polizei-schiessen-offensive-waffenhaltung
8. September 2014 um 19:21 |
Im hier verlinkten Artikel wird gesagt, dass die OECD vor einer möglichen Deflation infolge des Niedriglohnsektors warnt.
Offtopic: ganz am Rande wird erwähnt, dass im Vergleich zu Bürgern anderer westeuropäischer Länder die Deutschen „stressige“ Arbeitsbedingungen hätten.
„Stressige Arbeitsbedingungen“ – falls es wirklich etwa in England nicht so ist:
was genau machen die besser?
10. September 2014 um 08:19 |
Möchte noch mal klarstellen: der Artikel behauptet, stressige Arbeitsbedingungen sind ein Problem Deutschlands, die Probleme mit Arbeitslosigkeit und Lohndumping betreffen die gesamte Eurozone, vor allem die südlichen Länder.
8. September 2014 um 19:25 |
https://twitter.com/JennyGER/status/507950687016456192
10. September 2014 um 21:02 |
OffTopic: in Geld gesehen haben viele Gegenstände und auch Arbeitsleistungen inzwischen einen negativen Wert:
http://davidmoerike.de/2014/09/negativer-arbeitslohn
8. November 2014 um 08:25 |
Genau. Immer drauf. Mit maximalem Druck am Tag 12 bis 14 Stunden durchpowern.
Vorab: positive Effekte könnten sich bei vielen Firmen und die dort Beschäftigten – zum Teil Fernpendler! dadurch ergeben, dass – vielfach – so die Viertage-Woche ermöglicht ist – die Erholungsphase, nämlich das Wochenende im trauten Heim, welches in Nordwestdeutschland oder auch in den östlichen Bundesländern liegen könnte, wird dadurch einen Tag länger. Aber sonst ist das nicht so begeisternd.
Mit maximalem Druck am Tag 12 bis 14 Stunden durchpowern.
OffTopic: Schlafmangel
Zitat:
Wenn ich sie aber frage, ob sie sich kurz hinlegen, wenn sie müde sind, sagen sie: “Nein, natürlich nicht!” Kaum etwas wird hierzulande so missachtet wie das Schlafbedürfnis.
Zitat Ende.
Warum sind Schlafphasen, die tagsüber stattfinden, den Deutschen so gegen den Strich?
Ist es im Widerspruch zu der ganz scharfen Trennung zwischen Arbeits- und Privatsphäre, die mann / frau haben will?
8. November 2014 um 11:14 |
http://davidmoerike.de/2014/11/aufwaertstrend-der-arbeitslosenquote-auch-nach-1990-vollkommen-intakt
habe ich gerade veröffentlicht.