Lebenshilfe im NACHRICHTENBRIEF (Teil 4)

Eine der Grundfragen der Orgonomie ist, warum bereits ungepanzerte Babys (!), dann Kinder, Jugendliche und schließlich reife und intellektuell integere Erwachsene lieber auf das orgastische Glück verzichten als den schmerzhaften Kampf für das eigene Lebensglück aufzunehmen. Reich hat dazu gesagt:

Kinder schrecken, sosehr sie ihre vegetative Lebendigkeit und Freiheit ersehnen, selbst davor zurück und begeben sich freiwillig ins Joch der Unterdrückung ihrer Regungen, wenn sie eine entsprechende Umgebung finden, in der sie ihre frische Lebendigkeit relativ konfliktlos ausleben können. Es ist einer der großen Geheimnisse der Massenpsychologie, daß der Durchschnittsmensch, das Durchschnittskind, der durchschnittliche Jugendliche weit lieber die Resignation auf Glück auf sich nehmen, wenn der Kampf um Lebensfreude allzuviel Schmerzen verursacht. Eine Propaganda des Glücks ohne Verständnis und Herstellung der psychischen und sozialen Voraussetzungen eines lebendigen Lebens bliebe somit ödes Gerede. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 271)

Es ist die Angst vor dem kurzen heftigen Schmerz, der uns in ein Leben voller kleinerer Schmerzen treibt. Wir leiden beispielsweise an der Einsamkeit, die uns eine Ewigkeit kleiner Schmerzen bereitet aus katastrophisierender Angst vor einer bedeutungslosen Zurückweisung, die in unserer Phantasie über alle Maßen schmerzen wird. Diese Angst hält uns in unserem Panzer gefangen. Es ist, ganz banal, die durchaus natürliche und rationale Angst vor Schmerz.

Was tun? Gegen Angst (Kontraktion) hilft nur Lust (Expansion)! Ganz banal muß man die (ohnehin meist vollkommen unbegründete!) Angst vor dem zukünftigen Schmerz vertreiben, indem man an die zukünftige Lust denkt.

Die Angst vor heftigen Schmerzen ist der Grund, warum die Menschen vor der Orgonomie fliehen und warum „Orgonomen“ nie die volle Dosis Orgonomie nehmen, sondern sich lieber verwässerten „Reichianismen“ zuwenden. Die diversen angeblich „esoterischen“ Schulen gründen auf das gleiche Zurückschrecken vor dem Schmerz, aber sie bewahren vor der Resignation und dem dauernden kleinen Schmerz, und geben so die Illusion, den Kampf wirklich aufgenommen und bestanden zu haben. Deshalb ist der Mystizismus die größte Gefährdung der Orgonomie, denn er verspricht Lebensglück ohne Anstrengung und ohne Schmerz, d.h. ohne Orgasmusangst, d.h. ohne die Angst von der eigenen Lebensenergie zersprengt zu werden, so wie das Küken die unnachgiebige Eierschale zersprengt.

Der berühmte Finanzexperte Marc Faber führt die gegenwärtige trotzlose Wirtschaftspolitik auf den gleichen Mechanismus zurück, mit dem sich die Orgontherapeuten tagtäglich bei ihren Patienten herumplagen müssen:

Die USA benötigten einige Schmerzen, sagt er, treffend vorexerziert durch die Sparmaßnahmen in der Eurozone, die mit gemischten Erfolg die klaffenden Haushaltsdefizite einzudämmen versuchen. „Das wird Schmerzen verursachen und es werden sehr erhebliche Schmerzen sein. Die Frage ist“, so Faber, „ob wir jetzt geringere Schmerzen durch Sparmaßnahmen auf uns nehmen oder stattdessen einen völligen Zusammenbruch der Gesellschaft in fünf bis zehn Jahren riskieren“, und er fügt hinzu, daß es einen Mangel an politischem Willen gäbe, um den US-Haushalt in den Griff zu bekommen. Faber weiter: „In einer Demokratie, werden sie den Schmerz nicht auf sich nehmen, sie werden die Probleme vor sich herschieben, so daß sie immer größer und größer werden.“ (…) „In der westlichen Welt, einschließlich Japan, ist das Problem“, so Faber, „daß wir zu viel Schulden haben und daß die Schulden jetzt irgendwo und irgendwie zurückgezahlt werden müssen oder es wird das Wirtschaftswachstum verlangsamen.“ „Ich denke, wir lebten von 1980 bis 2007 über unsere Verhältnisse und jetzt ist es Zeit die Rechnung zu begleichen.“

Die Menschen werden die notwendigen und unabwendbaren Austeritätsmaßnahmen (deren einzige Alternative der vollkommene Kollaps der Wirtschaft und damit sämtlicher sozialer Absicherungen ist!) nur auf sich nehmen, wenn es eine politische Führung gibt, die eine bessere Zukunft (Lust) glaubhaft macht. Dies wird durch die Emotionelle Pest hintertrieben, die aktuell immer neue „soziale Ungerechtigkeiten“ aufdeckt und gleichzeitig alle Zukunftshoffnungen in einem nicht enden wollenden Schwall aus Sarkasmus erstickt.

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9 Antworten to “Lebenshilfe im NACHRICHTENBRIEF (Teil 4)”

  1. Peter Says:

    Normalerweise kommentier ich nicht wenn wieder Quatsch geschrieben wird, aber das hier top es wirklich. Warum genau sollten die Määänschen die Austeritätsmaßnahmen auf sich nehmen für Probleme die sie nicht verursacht haben? Sie haben doch nicht mal das wirkliche Problem erkannt und die Problemfindung wird dann mit der üblichen Keule „emotionale Pest“ geknüppelt. Widerlich!
    Diese Maßnahmen zögern das unvermeidliche nur heraus und ändern an der Ursache nichts sondern verstärken das Problem nur noch.
    Siehe z.B.
    http://tandemvipera.blogspot.de/2011/07/die-bedeutung-des-kapitalkoeffizienten.html

    • David Says:

      Grundsätzlich handelt es sich in Griechenland / Spanien etc. um Schulden, die gar nicht vom Volk, sondern von den Privilegierten gemacht wurden; also um so genannte „Odious Debt“.

      Aber man kann den besagten Priviliegierten, korrupten Bankern, Politikern etc., das nicht wieder wegnehmen, weil ja das verschwendete Kapital weitgehend konsumptiv verwendet wurde, wie z.B. Reisen, Drogen, Huren, Alkohol etc.

      Allenfalls die eine oder andere Villa etwa an der Cote d’Azur könnte man vielleicht noch versteigern und dem Volk das Geld zurück geben. Aber das meiste ist, wie ich glaube, weg.

      Situation der USA? Die kann ich, glaube ich, schon gar nicht einschätzen.

    • Peter Nasselstein Says:

      Letztlich wurde überall mit der gleichen Methode Politik betrieben: Die Regierungen machten Schulden, um die Wähler mittels immer neuer sozialer Wohltaten zu bestechen und damit den eigenen Machterhalt abzusichern. Völlig zu Recht hat der tschechische Außenminister Karl Schwarzenberg diesen Zusammenhang als den »moralischen Urgrund der Krise« benannt, die Europa seit Jahren erschüttert. Die Politiker gehen dabei eine unheilvolle Allianz mit Jessica und Kevin ein.

      mehr über Jessica und Kevin hier:

      http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/willkommen_in_der_prolokratie/

  2. Denis Roller Says:

    Da stecken Sätze drin, die meine selbstbetrügerischen Charakterstrukturen bis aufs äußerste der Panik demaskieren und „gefährden“. Doch es geht genau darum, immer mehr Angst zu ertragen und ihr rational zu begegnen. Puh… In der Theorie stimme ich natürlich voll und ganz zu, in der Praxis dosiere ich diese Aspekte allerdings immer noch sehr behutsam, um nachts wenigstens noch einigermaßen schlafen zu können. 🙂 Sehr guter Artikel, fokussiert den schmerzhaften Blick auf den Ausgang meiner eingefahrenen Strukturen der vielen, kleinen Schmerzen. Oftmals reicht nur ein heftiger Biss in den sauren Apfel um sie alle zu löschen. Noch schaffe ich es nicht immer. Aber immer öfter. Übung macht den Meister.

  3. O. Says:

    „Es ist einer der großen Geheimnisse der Massenpsychologie, daß der Durchschnittsmensch, das Durchschnittskind, der durchschnittliche Jugendliche weit lieber die Resignation auf Glück auf sich nehmen, wenn der Kampf um Lebensfreude allzuviel Schmerzen verursacht.“ (s.o. WR Fkt. des O.)

    Dies isoliert betrachtet erscheint doch sehr naiv. Es scheint als habe Reich alles vergessen, was er zuvor fand. Wenn man ihn nicht schon für verrückt erklärt hätte, könnte man ihm eine kognitive Störung nachsagen oder ihn anschreien, er solle mal seine früheren Schriften lesen, ob er diese denn nicht begriffen hätte!

    In der Charakteranlyse machte er bereits die Mechanismen der Charakterbildung deutlich, wenn auch schematisch. Diese Mechanismus beginnt mit der Geburt (meinetwegen noch früher) und wiederholt sich jeden Tag, in jeder Stunde … wie oft? Die Angst, die durch Versagung entsteht, läßt die Charakterpanzerung unter energetischen Schmerzen ständig wiederholen. Ein Trommelfeuer eines permanentes Kampfes, ein nicht endender Krieg.

    Und nun kommt Reich wie oben daher und wundert sich über die Unfähigkeit des Menschen, mal eben der Angst (welcher genau?) etwas Lust entgegen zu stellen.

    So könne doch der Mann mal eben eine schöne Frau ansprechen und dann mit ihr Lust erleben und die Angst wäre besiegt. Ja, theoretische richtig, sie wäre dann besiegt (im Idealfall). Aber geht er (ich oder du) mal eben rüber und spricht sie an, wenn er von ihr so begeistert ist? Nein, er fällt in einer Schockstarre, weil er sie so toll findet, dass er damit nicht umgehen kann, für seine eigene Liebe einzustehen. Geht die Frau auf ihn zu, wenn sie ihn toll findet? Wohl auch nicht, weil bei ihr dasselbe abläuft.

    Ebenso können faschistische Führer bestens darauf vertrauen, dass ihnen niemand ein Haar krümmen wird, dass man sie anständig der Justiz übergibt und wartet, dass sie ihn frei sprechen. Die Massen (Durchschnittsmenschen) sind unfähig, gelähmt und kommen nie in ihre aggressive Kraft (die aus dem Kern kommt).

    ______________________________

    Jetzt sich zu wundern, warum der Mensch im orgonomischen Blasenmodell, denn nicht reagiere und ihm ein wenig Feigheit zu unterstellen oder Uneinsichtigkeit in die Erfordernisse der Gesellschaft, den Gürtel enger zu schnallen, das bissel „Magersucht“ bringe ja keinen um, dies mit der emotionellen Pest zu begründen, einer antiauthoritären Gesellschaft oder „Charakter“, benutz Reichs Theorie, um ihn noch unfähiger zu machen und sein Elend zu erdulden, wie einen Zwangsarbeiter.
    Diejenigen, die den Mist gemacht haben, kommen ungescholten weg. Warum?

  4. O. Says:

    Um zu wissen, wie eine Charakterpanzerung entsteht, hat er das Projekt „Kinder der Zukunft“ ins leben gerufen. Auch das hatte nur einen „experimentellen Laborcharakter“ und schaffte nur ein paar Teilkenntnisse und Annahmen.
    Der Mensch als „Blase“ ist nur ein Modell – eine Analogie, von der nicht eine These abgeleitet werden darf, wir lassen unsere Patienten mal eben „pulsieren“ und dann ist er geheilt von allem, was ihm je begegnet ist.
    Die „Funktion des Orgasmus“ ist ein Theoriemodell, dass Reich ganz praktisch, therapeutisch nutzen wollte, ein Kernproblem, um den alles andere kreise. Aber es geht nicht darum die Kurve einmal idealtypisch in der Therapie zu erleben und dann loschen wir alle Probleme der letzten 20 – 30 Jahre aus. Wir haben hier einen Hauptkonflikt gefunden, wie wir nun damit in der Therapie umgehen können, ist damit noch gar nicht herausgefunden.
    Reich hat seine Versuche ins Körpertherapeutische unternommen. Ob sie aber der „Königsweg“ sind, muss sich erst herausstellen. Reich hat nicht die letzten Lösungen gefunden, sondern vielmehr richtige Fragen gestellt, an denen wir weiterarbeiten sollten.

    Stattdessen werden seine Fragen genommen und als „Wahrheiten“ hingestellt, dessen Lösung doch schon klar sei: wo ist das Lehrbuch seiner Therapie? Die Charakteranalyse hat er später „widerrufen“ als nettes Beiwerk zur Psychoanalyse. Die Funktion des Orgasmus hat er detaillierter beschrieben, um wenigstens diesen zentralen Punkt klarzustellen, worauf es ankommt.
    Daraus wurde dann interpretiert, dass man sich nur stark aufladen müsse, ein paar Blockaden löse, um einer orbitante, explosive Entladung hervorzurufen, die alle anderen Blockaden breche oder „löse“.
    Jetzt erzähle man mal einem depressiven Menschen – ohne große Lustgefühle – er solle sich aufladen (womöglich mit bioenergetischen Übungen), nicht so regressiv rumhängen, dann treibt man ihn wohl eher in Richtung Suizid.

    Reich wollte verständlich schreiben und hat simplifiziert, um komplexe Zusammenhänge zu verdeutlichen. Nehmen wir diese Sätze als Glaubenssätze (der Orgonomie) statt zur Orientierung, werden wir uns wohl in Fehler verrennen.

    • O. Says:

      Beispiel für einen „Fehlschluss“: Jemand ist an Krebs erkrankt, dann meint man „Aha, ich muss den ORAC benutzen, gehe zum bekanntesten deutschen ORAC Hersteller, kaufe so ein „Bilblismodell“, stelle es im Wohnzimmer auf und werde wieder geheilt.“ Gesagt, gekauft, jetzt steth er da und ich weiß gar nicht, wie oft und wie lange und bei welchem Wetter „muss“ ich da jetzt rein. Woran merke ich, dass er hilft? Soll ich nun darin meditieren? Welche Heilmeditation nehme ich da? Also rufe ich den Hersteller an und ordere noch seine Meditations-CDs plus eine Orgondecke, um auf Nummer sicher zu gehen plus ein paar Quarze, die sollen ja auch noch „super“ sein. Dann mache ich einen Termin bei dem berühmten Arzt des Wilhelm Reich Institutes, da er ja sooo viel mit Krebspatienten gearbeitet hat, sagt man so. Beim Anruf erfahre ich, dass er ja wohl schon tot ist, gibt es da nicht einen Nachfolger? Also schnell dorthin. Die Diagnose ist schnell klar: Krebs. Behandlung: tägliche ORAC-Sitzungen und wöchentliche Einzelstunden für 120 €/ Std. privat gezahlt. Geboten wird die „Pulsationsarbeit“, wer hat es erfunden? Nein nicht Ricula, sondern der Verstorbene „Orgontherapeut“, der sein ganzes Leben dem Werk von Wilhelm Reich verschrieben hat, sagt man.
      Das Ende der Geschichte würde auch klar sein: Auf dem Totenschein wird stehen „Tod durch Krebs“.

      Dieses fiktive Beispiel zeigt ein paar Probleme. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig, wo bei eine gewisse Inspiration nicht ganz ausgeblieben ist. Man wird nie feststellen können, ob der Einsatz des ORAC richtig (gehandhabt) war oder ob die ORAC-Behandlung und begleitende „Orgontherapie“ irgend einen positiven Effekt auf die Erkrankung gehabt hatte. Auch die möglichen negativen Einwirkungen bleiben spekulativ.
      Auf jeden Fall hat man nach bestem Gewissen Reichs Erfindungen ernst genommen und einen Versuch zur Behandlung gestartet. Ergebnis offen.

  5. Das Gandalf-Syndrom « Nachrichtenbrief Says:

    […] ist befreit von Sexualität und Rivalenkämpfen. Die bioenergetische Dynamik habe ich bereits an anderer Stelle […]

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