Posts Tagged ‘Angst’

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 61

5. Mai 2020

orgonometrieteil12

61. Möge das Orgon mit dir sein!

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Paul Mathews: Ideologie und das Nichtglaubenwollen (Teil 2)

20. April 2020

von Paul Mathews, M.A.

 

Freud beschrieb spezifische Verhaltensweisen, die aus der Libidostauung resultierten und nannte sie „neurotische Charakterzüge“. Diese waren auf zwei Faktoren zurückzuführen: entweder auf die Entwicklung im Kindesalter und den Ausbruch des ödipalen Konflikts, den er als Psychoneurose bezeichnete; oder aber auf die Umstände, eine vorübergehende Periode sexueller Abstinenz, die zu einer Libidostauung führte, die er als Aktualneurose bezeichnete. Aus ersterem entwickelten sich durch Fixierungen und Sublimierungen die Charakterzüge der verschiedenen Entwicklungsstufen (oral, anal, phallisch und genital), aus letzterem entwickelte sich eine spezifische psychische und somatische Symptomatik, wie Angst, Neurasthenie, etc. (2). Diese waren, nach Freud, auf chemische Substanzen zurückzuführen, die sich infolge der nicht entladenen sexuellen Spannung im Blut ablagerten.

Reichs Entdeckung und Entwicklung der Charakteranalyse als Mittel zum Abbau der Widerstände gegen die Analyse (3) und seine Aufklärung der Funktion des Orgasmus als Regulierung der sexuellen Lebensenergie klärten die Verwirrungen und Widersprüche in Freuds ursprünglichen Konzepten. Zunächst zeigte Reich, dass die so genannten neurotischen Charaktereigenschaften nur kleine Gipfel auf der Gebirgskette der Charakterstruktur waren, die sich zusammenschlossen zu einem Abwehrgeflecht gegen den Schrecken des Zusammenbruchs und des Unheils beim Einzelorganismus. Zweitens zeigte er, dass nur durch eine vollständige orgastische Entladung das energetische Gleichgewicht eines Organismus aufrechterhalten werden kann, wodurch das Individuum von neurotischen und anderen biopathischen Manifestationen befreit wird. Letzteres implizierte natürlich eine im Wesentlichen ungepanzerte Struktur, entweder von Kindheit an und durch die Entwicklung oder durch therapeutische Umstrukturierung. Der menschliche Charakter verkörperte daher die Art und Weise, wie sich ein Mensch in jeder Art seines Ausdrucks auf die Außenwelt bezog, persönlich und sozial, um sich gegen die Katastrophe eines Zusammenbruchs seiner Panzerung zu verteidigen. Reich benutzte die Begriffe „Katastrophe“ und „Unheil“ absichtlich und häufig, um die Größe der Bedeutung dieser Arten der Abwehr hervorzuheben. Entsprechend dieser Beschreibung stellte Reich fest: „Die soziale Existenz des menschlichen Tieres ist nur ein kleiner Gipfel auf dem gigantischen Berg seiner biologischen Existenz“ (4).

Reichs gesellschaftliche Erkenntnisse standen im Einklang mit seinen medizinischen und wissenschaftlichen Entdeckungen. Als Psychoanalytiker sah er die sozialen Verhältnisse als Ätiologie der sexuellen Unterdrückung, die zu Neurosen führte, und er wurde zu einer ökonomisch-marxistischen Orientierung hingezogen. Mit seiner Entdeckung der Charakterpanzerung und ihrer funktionellen Identität mit der biologischen Panzerung behielt er noch immer eine marxistische Position bei, wobei er das Profitstreben, z.B. die Heiratsgabe in der primitiven Gesellschaft, als Verursacher für die sexuelle Unterdrückung und Panzerung nahelegte (5). Mit weiteren Entdeckungen, des Orgons und des Phänomens der kosmischen Überlagerung als Prototyp der gesamten Schöpfung in der Natur, erweiterte sich Reichs Vision jedoch. Neben diese wissenschaftlichen Entdeckungen trat seine große Desillusionierung über den Kommunismus und den Sozialismus, seine Einsicht nicht nur in deren faschistische Brutalität und totalitäre Struktur, sondern auch in deren völlige Unzulänglichkeit und ihr Versagen als Modell für eine bessere Gesellschaft, sei es wirtschaftlich oder anderweitig. Daher sein Verzicht auf Marxismus, Kommunismus und Sozialismus und die Revision seiner Bücher zugunsten des orgonomischen Funktionalismus. Und an A.S. Neill schrieb er:

Die Zukunft wird die Vergangenheit hinwegfegen. Nichts wird mehr übrigbleiben von den alten Konzepten. Kein Sozialismus, kein Kommunismus, kein Liberalismus, nichts, einfach etwas ganz anderes, das ist alles. Und jedes Neugeborene bringt es mit sich. Was Du jetzt durchmachst, ist der Zusammenbruch alter Illusionen über den Menschen, den Kleinen Mann, der jetzt nach oben drängt. Ich habe diesen Prozeß seit Jahren mit Entsetzen verfolgt und versucht, mir einige Illusionen zu erhalten – vergeblich. Vor unseren Augen ereignet sich die größte Revolution der Menschheit. (6)b

 

Anmerkungen des Übersetzers

b Wilhelm Reich: Record of a friendship, London 1982, S. 312.
Zeugnisse einer Freundschaft, Kiepenheuer&Witsch, 1986, S. 443.

 

Literatur

2. Freud, S.: The Complete Introductory Lectures on Psychoanalysis. New York: W. W. Norton & Co., Inc., 1966.
3. Reich, W.: Character Analysis. New York: Orgone Institute Press, 1949.
4. Reich, W.: „Bibliography on Orgonomy – Prefatory Note“, Orgone Energy Bulletin, 5(3, 4):1953.
5. Reich, W.: The Invasion of Compulsory Sex-Morality. New York: Farrar, Straus & Giroux, 1971.
6. Placzek, B. R., Ed.: Record of a Friendship: The Correspondence of Wilhelm Reich and A. S. Neill. New York: Farrar, Straus & Giroux, 1981, S. 311-12.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 21 (1987), Nr. 1, S. 68-83.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Paul Mathews: Ideologie und das Nichtglaubenwollen* (Teil 1)

18. April 2020

von Paul Mathews, M.A.**

 

Das alte Sprichwort „Verwirre mich nicht mit den Tatsachen“ hat eine viel tiefere funktionelle Bedeutung als allgemein verstanden wird. Die Geschichte dieses Planeten ist reich an Beispielen für die tragischen Folgen des Nichtglaubenwollens, das in der Abwehrfunktion des menschlichen Charakters verwurzelt ist. Reiche sind gefallen und unzählige Menschenleben geopfert worden. Große Männer wurden verfolgt, auf dem Scheiterhaufen verbrannt und auf andere Weise zerstört, um das charakterliche Gleichgewicht zu halten. Wir müssen uns nur an die Inquisition, Salem, Hitler und den Holocaust sowie an die gegenwärtigen Holocausts der kommunistischen Welt und des islamischen Fundamentalismus erinnern, um zu erkennen, wie mächtig das Bedürfnis ist, die Sehnsucht nach dem Leben und die Suche nach der Wahrheit zu zerschlagen.

Reich nannte dieses Bedürfnis emotionelle Pest und beschrieb es als „strukturellen Zwang“. So wie die individuelle und organisierte emotionelle Pest das Bedürfnis hatte, die von ihr verfolgten und zerstörten Wirklichkeiten zu verleugnen, so kehrten sich die Menschenmassen selbst ab und weigerten sich, die Natur des Bösen zu sehen, mit dem sie konfrontiert wurde. Darüber hinaus beschwichtigten sie häufig die Pest und identifizierten sich insgeheim mit ihr – oft wendeten sie sich eher gegen das Opfer als gegen den Täter. Um Reich zu zitieren: „Und der Träger der Pest wird von den Prinzipien eines falsch interpretierten Liberalismus unterstützt, dessen Vertreter eine unbewusste Sympathie mit der Pest oder Angst vor ihr haben“ (1)a. Hier hätten wir im zwanzigsten Jahrhundert unsere monumentalen Beispiele von Hitler und die Nazis, gegenwärtig die Kommunisten, ganz zu schweigen von den vielen untergeordneten terroristischen Gruppen und Nationen, die von der rot-faschistischen organisierten emotionellen Pest unterstützt werden. Mit anderen Worten, die lebensnegativen Kräfte, von denen die emotionelle Pest die Apotheose ist, neigen dazu, sich wechselseitig zu steigern in ihrer Abwehr gegen das, was sie nicht tolerieren können – selbst wenn das ihren eigenen Interessen zuwiderläuft.

Gibt es mehr Beispiele für die strukturellen Zwänge der emotionellen Pest?

  1. Das unnatürliche Einschränken von Säuglingen und Kindern.
  2. Zerstörung gesunder jugendlicher Liebe und Sexualität durch Mystik, Unterdrückung, Angst, Pornographie, Drogen oder Zügellosigkeit.
  3. Mechanistische, strafende oder disziplinlose Bildungssysteme oder -verfahren.
  4. Rassismus oder Gegen-Rassismus.
  5. Missbrauch des gesunden Konzepts einer freien Wirtschaft zu Macht– und Ausbeutungszwecken („Raubtierkapitalismus“).
  6. Der Missbrauch der Konzepte des natürlichen Mitgefühls und liebender Gesellschaftlichkeit für die Auferlegung totalitärer Macht und Kontrolle (Kommunismus) oder für die Einschränkung natürlicher Aggression, Konkurrenz und kreativer Produktivität (Sozialismus).
  7. Organisierte Kriminalität.
  8. Organisierte Anti-Kreativität (etwa Bürokratie).
  9. Das Eintreten für und das Unterstützen der pestilenten Weltfeinde gegen die gesündere oder lediglich neurotische Welt (Amerika und der Westen sind immer im Unrecht).
  10. Umweltzerstörung.

Was ist der Sinn all dessen und was müssen wir verstehen, wenn wir jemals den letztendlich tödlichen Auswirkungen dieses „Nichtglaubenwollens“ entgegentreten wollen? Lassen Sie uns zunächst überprüfen, was unter Charakter und Charakterabwehr zu verstehen ist, damit wir ihre Rolle und ihre Wirkung auf das soziale Funktionieren besser einschätzen können.

 

Anmerkungen

* Posthum veröffentlicht, ist dies eine Abschrift des Vortrags von Prof. Mathews auf der Konferenz New Work in Orgonomy, die vom 13. bis 15. Juni 1986 in New York stattfand.

** Ehemals außerordentlicher Professor für Sozialpsychologie an der New York University. Orgonomischer Berater. Mitglied des American College of Orgonomy. [Anm. d. Übers.: 1924-1986]

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Christusmord, Verlag Ullstein, 1983, S. 330.
The Murder of Christ, Farrar, Straus and Giroux, Sixth Printing, 1971, S. 186.
The Murder of Christ, Orgone Institute Press, 1953, S. 186.

 

Literatur

1. Reich, W.: The Murder of Christ. Rangeley, Maine: Orgone Institute Press, 1953.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 21 (1987), Nr. 1, S. 68-83.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Der bioenergetische Dreisatz der Corona-Krise

5. April 2020

Die einen folgen der quasi regierungsamtlichen „somatischen“ Theorie, daß wir es mit einer echten Pandemie zu tun haben und alles getan werden muß, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, bis ein geeigneter Impfstoff entwickelt worden ist. Die quasi „oppositionelle“ Theorie ist eine „psychologische“: es handle sich um eine reine Massenhysterie, gar Massenpsychose angesichts eines ganz gewöhnlichen Grippevirus. (Die Frage, ob diese Massenhysterie intentional gesteuert ist und spontan entstanden ist, lassen wir mal draußen vor!)

In diesem, sozusagen „psycho-somatischen“ Rahmen kann es keine orgonomische („bioenergetische“) Antwort geben. Der eine Orgonom kann zur „Virusseite“ tendieren, der anderen zur Seite der „Hysterie“ je nach Informationsstand. Schließlich streiten sich selbst Virologen und Epidemiologen untereinander. Was also wäre die spezifisch orgonomische Antwort auf die gegenwärtige Corona-Krise?

Beim funktionellen Denken geht es stets darum, was das Endresultat eines Vorgangs ist. Das ist wiederum funktionell identisch mit der bioenergetischen Auswirkung. Beispielsweise ist es letztendlich egal, worauf die gegenwärtige Einschränkung unseres Lebens beruht, d.h. ob die Bedrohung real ist oder alle gaga geworden sind. Was erfolgt ist, ist eine bioenergetische Kontraktion des gesellschaftlichen Organismus. Es ist wichtig, wie wir mit dieser umgehen und wie wir wieder aus ihr herauskommen.

Hier beginnt die Expertise der Orgonomie, denn nur sie hat den Blick dafür, was wirklich vor sich geht. Nur sie weiß, daß überhaupt eine Kontraktion vorliegt, hinter den Kontaktverboten und der generellen Einschränkung aller ökonomischen und Freizeitaktivitäten etwas Bioenergetisches vor sich geht – und was dabei „bioenergetisch“ eigentlich bedeutet.

Da wäre Beispielsweise die Emotion, die (neben der Emotion Trauer) mit Kontraktion assoziiert ist: die Angst. Dr. Peter Crist weist etwa darauf hin, daß in der gegenwärtigen Situation Politiker dazu neigen könnten, „etwas zu tun“ und dabei gar nicht sachlich motiviert sind, sondern tatsächlich schlichtweg ihre EIGENE Angst unter Kontrolle bringen wollen. (Man höre seine Ausführungen hier.)

Nicht zuletzt wird diese generelle bioenergetische Kontraktion gravierende Auswirkungen auf das Soma und die Psyche aller Menschen in diesem Land haben. Die Menschen werden krankheitsanfälliger werden und psychisch (d.h. emotional) deskompensieren, allein schon weil der Ersatzkontakt wegfällt, der für viele Menschen ihre vermeintliche „Arbeit“ und ihre obskuren Freizeitaktivitäten darstellen. Es ist selbstredend, daß damit auch eine große Chance gegeben ist, nämlich die, daß sich die einzelnen Menschen und vielleicht auch die gesamte Gesellschaft neu justiert in Richtung eines genuineren Kontakts.

David Holbrook, M.D.: ÜBER DAS DRÄNGEN

4. April 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Über das Drängen

 

Nationen sind bio-soziale Systeme

22. März 2020


Die Bioenergetik der Coronavirus-Krise.

Nationen sind bio-soziale Systeme

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Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 56

29. Februar 2020

orgonometrieteil12

56. Das autonome Nervensystem

David Holbrook, M.D.: ORGONOTISCHE FUNKTIONEN IN DER KLINISCHEN SITUATION. DIE BIOENERGETISCHE EINHEIT VON PSYCHE UND SOMA (Teil 5)

19. Februar 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Orgonotische Funktionen in der klinischen Situation. Die bioenergetische Einheit von Psyche und Soma

 

Orgonomie und Christentum: Die Abfolge Heidentum – Christentum – Neoheidentum – Orgonomie (Teil 1)

5. Januar 2020

Alle heidnische Spiritualität baut auf der Vorstellung von einer dreischichtigen Seele auf: das Alltags-Ich, das zusammen mit dem Körper stirbt, das emotionale bzw. „leidenschaftliche“ Ich, das nach Ehre, dem Status als Kriegsheld, nach „ewiger Liebe“ und ähnlichem strebt und sich nach dem Tod in „Walhalla“ oder irgendwelchen „Paradiesen“ widerfindet, und schließlich das spirituelle Ich, das eins wird mit dem Logos.

Inwieweit diese Vorstellungen auf konkretes bioenergetisches Erleben zurückzuführen sind, erschließt sich uns durch einen Blick in die Charakteranalyse, in der Reich die Unterbrechung der „plasmatischen Bewegungen“ eines Wurms und die daran anschließende Frage bespricht:

Wir würden genauso handeln wie der Wurm, wenn uns jemand mit einer großen Zange am Rumpf festklemmte. (…) Diese funktionelle Identität zwischen Mensch und Wurm ist es, die uns befähigt, von der Ausdrucksbewegung des sich krümmenden Wurms im korrekten, objektiv wahren Sinne „beeindruckt“ zu werden. (…) Aber wir empfinden den Schmerz des Wurms und sein Neinschreien nicht unmittelbar, sondern wir nehmen nur einen Bewegungsausdruck wahr, der unter allem Umständen identisch wäre mit dem Bewegungsausdruck unseres eigenen Plasmasystems in der gleichen schmerzhaften Situation. Daraus folgt: Wir begreifen die Ausdrucksbewegungen und den Bewegungsausdruck eines anderen lebenden Organismus aufgrund der Identität unserer eigenen Emotionen mit denen alles Lebendigen. Wir begreifen die Sprache der Lebendigen unmittelbar aufgrund der funktionellen Identität der biologischen Emotionen. (KiWi, S. 501f, Hervorhebungen im Original)

Hier geht es nur um Bewegung (Motion) und Bewegtsein (E-Emotion), d.h. es geht nur um die Funktion „relative Bewegung“. Deutlich wird auch, daß grundsätzlich alle Emotionen identisch sind. Die Emotion des Wurms ist dasselbe wie mein Gefühl – sonst könnte ich den Wurm oder ein anderes Lebewesen nicht verstehen. Alle Emotionen sind gleich oder vielmehr alle Lust, Angst, Wut, Sehnsucht und Trauer ist jeweils gleich. Die Sehnsucht des Eichhörnchens ist identisch mit meiner Sehnsucht, einfach weil alle Sehnsucht das „Ausgreifen“ der organismischen Orgonenergie ist und alle bioenergetischen Prozesse identisch sind.

Nun zur Sensation (z.B. die Schmerzempfindung des Wurms, die Reich erwähnt) und zum Bereich der Funktion „ko-existierenden Wirkung“. Es ist nicht von vornherein von der Hand zu weisen, daß es nur einen Schmerz auf dieser Welt gibt. Ich erinnere nur an die Sprache! Wir können nur kommunizieren, weil die Wörter für uns die gleiche Bedeutung haben. Dies wird von den Mystikern die „spirituelle Welt“ genannt, eine Welt, die allen „Geistwesen“ gemeinsam ist. Vielleicht entspricht das ihrer verzerrten Wahrnehmung des Funktionsbereichs der ko-existierender Wirkung. Ich fühle nicht nur deine Angst, weil sich bei uns beiden das Orgon auf die gleiche Weise bewegt, sondern ich fühle auch deinen Schmerz – was wenig mit Bewegung zu tun hat.

Es gibt ein Kontinuum von der Sensation zum Denken. Die Sensation ist eine Funktion des energetischen Orgonoms, das im Zentralen Nervensystem zentriert ist. Das Denken (das dem Zentralen Nervensystem zugeordnet ist) wiederum ist eindeutig Ausdruck der ko-existierenden Wirkung. Die Verbindung zwischen Emotion und Denken ist nicht so direkt, da Emotion mit dem Vegetativen Nervensystem assoziiert ist.

Fassen wir zusammen:

Eine gegebene Emotion ist bei allen Lebewesen gleich, da dieselbe relative Bewegung auftritt (z.B. Kontraktion gegen Expansion bei der Angst). Die ko-existierende Wirkung spielt hier sicherlich ebenfalls eine Rolle, aber nur eine untergeordnete.

Jede Sensation ist kollektiv. Es gibt zum Beispiel keine individuellen Schmerzen. Mein Zahnschmerz ist unabhängig von zeitlichen und räumlichen Entfernungen mit deinem Zahnschmerz identisch. Dies liegt daran, daß es zum Bereich der ko-existierenden Wirkung gehört. Die relative Bewegung (in diesem Fall die Kontraktion von Nerven) spielt zwar ebenfalls eine Rolle, ähnlich wie die Funktion ko-existierende Wirkung bei den Emotionen, aber nur eine untergeordnete.

Ich habe gerade die bioenergetischen Grundlagen der Philosophien der Hindus, des Mahayana-Buddhismus, des Platonismus und imgrunde der Weltanschauung aller Menschen, insbesondere aber der primitiven Menschen, z.B. Voodoo, aufgedeckt.

Sie haben die Vorstellung, daß das eingangs erwähnte „emotionale Ich“ fortbesteht, weil anders als der materielle Körper die Emotionen unmittelbar in der Bewegung der kosmischen Lebensenergie verankert sind und sozusagen „Universalien“ darstellen. Bei Sensationen und Gedanken ist ähnliches gegeben, aber die Funktion der ko-existierenden Wirkung tritt hier in den Vordergrund, die in etwa dem „Logos“ entspricht, der unabhängig von Zeit und Raum ist. Das ist die bioenergetische Grundlage der vermeintlich „höchsten“ Aspirationen der menschlichen Existenz mit ihren Vorstellungen von „Erlösung“ und „Befreiung“ von den Beschwernissen der individuellen Existenz und der Bedrohung durch den Tod.

Charakteristischerweise ist das plebejische Christentum und sein Paradies ganz Leidenschaft, Glaube und Liebe, Emotion; während die höheren Weihen des aristokratischen Heidentums ganz in stoischer Emotionslosigkeit, reiner Sensation und abstrakten Ideen aufging, die allen Seelen eigen sind.

Erst vor diesem Hintergrund kann man die Religion und die Kunst, d.h. „Spiritualität“ wirklich verstehen. Etwa die Kunst des größten indischen Musikers, der seine Emotionen frei fließen läßt und uns, mystisch ausgedrückt, zum Kontakt mit der göttlichen Ebene und ihren ewigen Formgesetzen führt:

David Holbrook, M.D.: DIE ÜBERLEGENHEIT DER CHARAKTEROLOGISCHEN IM VERGLEICH ZUR SYMPTOMATISCHEN DIAGNOSE (Therapieverlauf)

28. November 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Die Überlegenheit der charakterologischen im Vergleich zur symptomatischen Diagnose