Peter brütet über Reichs Panzerzeichnungen und Panzerschemata

Seit Beginn meiner Beschäftigung mit Reich stolpere ich ständig über zwei eng miteinander verbundene Probleme:

1. wäre da der eklatante Widerspruch zwischen der Aussage und der Ausdruckssprache folgender Illustration aus Äther, Gott und Teufel:

Die Aussage ist, daß der Panzer ein quasi „anorganischer“ bzw. „antiorganischer“ Fremdkörper im Organismus ist, der dessen Lebendigkeit stört. In der obigen Abbildung hingegen wird die Panzerung durch eine organische Wellenform symbolisiert. In der entsprechenden freihändigen Zeichnung Reichs im Originalmanuskript ist es sogar eine Kreiselwelle!

2. Das Rätsel vertieft sich, wenn man sich vor Augen führt, daß die Funktionsschemata, die am Anfang der Entwicklung der Orgonometrie stehen, vor allem von der Beschreibung der Panzerung handeln und nicht etwa von der Beschreibung des Lebendigen selbst:

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7 Antworten to “Peter brütet über Reichs Panzerzeichnungen und Panzerschemata”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Meine Theorie: Der Panzer ist ein Teil des Lebendigen, also organisch. Demgemäß haben Teile des Organischen, also die Muskulatur, eine Fehlfunktion. Psychisch wirkt der Panzer wie ein Fremdkörper. Die Wellenform könnte eine Symbolisierung der Vielfältigkeit der Panzerung sein, verschiedene Abwehrformen.

    • Peter Nasselstein Says:

      Ne, diesen Ansatz finde ich nicht gut. Aber immerhin ist mir dabei ein anderer Gedanke gekommen: Gestrüpp. Der Impuls muß durch die dornige Hecke aus einem wirren Gestrüpp von Strebungen und Gegenstrebungen = Panzerung.

      Reich war durch und durch Europäer. Das Ideal sind gerade Linien, „gerade Bäume“. In China sind es krakelige Linien und krumm wachsende Bäume. Man schaue sich chinesische Gemälde an. Die einzige Maltradition, die von der Qualität her mit der europäischen mithalten kann. Oder etwa die Musik: in Europa klare, gerade Linien, während im mikrotonalen Indien (die einzige ernstzunehmende außereuropäische Musiktradition) kein eindeutiger Ton zu finden ist und alles bis ins Letzte verschnörkelt ist.

      • claus Says:

        Ich verstehe das als Assoziation.
        Aber wie soll eine Ästhetik dazu beitragen, Schlüsse zu rechtfertigen?

  2. claus Says:

    Man kommt nicht herum um die Feststellung, dass die Pfeile metaphorisch sind. Das ist vorübergehend OK, nur vorübergehend.
    Nehmen wir ein Männlichkeitsgehabe, das Angst abwehrt. Das Gehabe richtet sich gegen die Angst. Was heißt hier „richtet sich gegen“?
    Es eignet sich dafür, die Angst nicht spüren zu lassen? Es vermindert die Angst?
    Beides klingt plausibel.

  3. O. Says:

    Der Panzer wirkt noch flexibel wie bei einem weitestgehend gesunden Menschen. Da ein jeder schon von Frustration und Bildung eines Panzers geprägt ist, und der Impuls vom Kern nicht mehr klar durchkommt, ist eine emotionelle Aufspaltung eine der ersten noch lebendigen Reaktionen. Erst wenn alle Emotionen geblockt werden, keine Wut oder Angst mehr enstehen kann, wird der Panzer starr und dürfte nicht mehr wellenförmig sein. Es fehlt ein zweites Modell des erstarrten Panzers ohne Emotionen.

  4. Peter Nasselstein Says:

    Bin gerade über diese vollkommen absurde Überschrift gestolpert: https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1111/1745-8315.12107?journalCode=ripa20

    Widerstand in der Psychotherapie und im Kampf gegen die Nazis…

    Einerseits ist „Widerstand“ das, was überwunden werden muß, andererseits ist Widerstand das Gebot der Stunde.

  5. stephan Says:

    Hat sich reich von Simmel inspirieren lassen?

    „Der irre Lärm, die Kakofonie chaotischer Reize, die kalten Mächte der Sachlichkeit – all das „treibt ein Senkblei in die menschliche Seele“. Dem Metropolenbewohner, so notierte der Soziologe Georg Simmel, bleibe gar nichts anderes übrig, als sich mit „Blasiertheit“ zu panzern…
    Geht es nach Georg Simmel, dann schützen Metropolenbewohner ihr empfindsames „Gemüt“ vor Überreizung. “

    https://www.zeit.de/2015/38/hamburg-laerm-sirenen

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