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Lore Rubin Reich: ERINNERUNGEN AN EINE CHAOTISCHE WELT

26. März 2020

Dieses Buch ist eine Übersetzung des unveröffentlichten Originalmanuskripts. Obwohl die Autorin diese Übersetzung ausdrücklich lobt (S. 9), ist sie holprig und voller Fehler. Sätze wie: „Es gab kein Bedürfnis nach einer Revolution und auch kein Verlangen danach“ (S. 218). Es gab keinen Bedarf! Fast alle unterschätzen, wie schwer das Übersetzen vom Englischen ins Deutsche ist. Außerdem sollte der Übersetzer sich im Sujet auskennen. Wie kann man etwa von „Kamerad Thomas“ sprechen, statt „Genosse Thomas“! Und dann Reichs Tochter Lore selbst: wie, äh, aaarghhhh muß man sein, um Reichs Theorie damit zu „erklären“, daß nur der Orgasmus Neurosen auflösen könne (S. 30)?! Das macht ebensoviel Sinn, als behauptete man, nur Geschlechtsverkehr könne erektive Impotenz heilen oder nur das Gehen einen Querschnittgelähmten. Oder etwa zu schreiben: „Ich bin mir sicher, daß er seine Patienten dazu brachte, ihre Hemmungen soweit fallen zu lassen, daß sie vor ihm einen Orgasmus hatten“ (S. 155). Sic! Aus dem ganzen spricht einfach nur Böswilligkeit und Verachtung! Und dann sich fragen, warum Reich so „aggressiv“ gewesen sei!

Trotzdem verlohnt es „Mein Leben als Tochter von Annie Reich und Wilhelm Reich“ zu lesen, einfach weil es die Reich-Biographie plastischer macht. Da wäre die graue Kindheit der beiden Reich-Töchter und die Knappheit der Mittel, die es zum Problem machte eine vernünftige Hauskraft/Kindermädchen anzustellen. Die Familie war imgrunde arm, weil Reich nur genausoviel zur Familienkasse beitrug wie Annie, die als Mutter und psychoanalytische Anfängerin nur wenig verdiente. Wo erfährt man sonst, daß Annie sieben Abtreibungen hatte oder daß Lore dem armen Reich aufgedrängt wurde, um die Ehe zu einer Zeit zu retten, als Reich „politisch“ aktiv wurde. Entsprechend betrachtete er Lore stets als Annies Kind. Die ungemütlichen Wohnverhältnisse, da, wie damals bei Psychoanalytikern üblich, zuhause gearbeitet wurde; Reichs aufbrausendes und manchmal verstörendes Temperament; dazu das Kontrastprogramm: der dickliche und kleine Genosse Thomas als „Hausfrau“ (S. 140); bis hin zur Beschreibung von Reichs Beerdigung, bei der die Familie an den Rand gedrängt wurde. Lore hatte große Probleme im trüben November zum abgelegenen Orgonon zu gelangen, nur um auf der Beerdigung zu erfahren, daß gleich drei ihrer Kollegen an der psychiatrischen Klinik, in der sie zu der Zeit tätig war, führende Orgonomen waren und einen Flug nach Orgonon organisiert hatten. Sie hatten sich ihr nie zu erkennen gegeben und ignorierten sie auch auf der Beerdigung demonstrativ (S. 247f).

Die ganze Dynamik von Reichs erster Ehe wird in einer Szene deutlich, die gleichzeitig das definitive Ende der Beziehung zwischen Annie und Wilhelm beschreibt. Reich floh nach dem Reichstagsbrand sofort mit seiner Frau Richtung Österreich und zwar als Bergtouristen getarnt, um Grenzkontrollen zu entgehen. „Meine Mutter berichtete, daß mein Vater voller Angst war. Auf einmal verspürte sie eine enorme Verachtung ihm und seiner Angst gegenüber. In diesem Moment konnte sie sich endlich von der Knechtschaft, in der er sie gefangenhielt, befreien. Deswegen konnte sie umkehren und ihn auf dem Berggipfel alleine lassen. Sie kehrte nach Berlin zurück und organisierte den Umzug der Möbel aus der Wohnung“ (S. 38). Offensichtlich war bei einer Hysterikerin die Übertragung zerbrochen, als sich der angebetete Held selbst „hysterisch“ benahm.

Oder wie inflationär und laienhaft der Begriff „verrückt“ von Psychoanalytikern benutzt wurde, um das Renommee „abtrünniger“ Psychoanalytiker nachhaltig zu zerstören. Nicht nur Reich war Opfer dieser Taktik, sondern auch Rado, Rank, Jung, Adler, Tausk, Ferenczi, Melanie Klein und deren Tochter Melitta Schmiedeberg (S. 67). „Mein Vater war ein naiver und vertrauensvoller Mann“, der die psychotherapeutische Behandlung seiner Tochter Eva zwei Frauen überließ, nämlich Berta Bornstein und Anna Freud, welche Bornstein supervidierte, „die voller Haß ihm gegenüber waren“ (S. 77). Beide lebten „ihre Neurose wie bösartige Geister unter dem Deckmantel der psychoanalytischen Rechtschaffenheit aus“ (S. 80).

Lores Buch bietet einige Ergänzungen zu Der Rote Faden etwa, daß viele fanatische Trotzkisten später Neokonservative wurden. Lore selbst war von den späten 1940er bis zu den frühen 1960er Jahren in einer Trotzkistischen „Partei“ (Sekte!) aktiv. Oder etwa, wenn sie beschreibt, unter welcher Daueranspannung ihr Schwiegervater Genosse Thomas litt: „Eines Tages sah er in unserem Wohnhaus einen Psychoanalytiker in Begleitung eines Agenten der sowjetischen Geheimpolizei, den Thomas kannte. Aus Angst entdeckt zu werden, eilte er zurück in den Aufzug; er war schockiert von diesem Vorfall“ (S. 140). Dieser Vorfall habe, so Lore, auch gezeigt, welchen Zuspruch Stalins KP noch in den USA genoß. So hätten auch Psychoanalytiker Umgang mit der KP gepflegt, trotz all der Greueltaten.

Sie beschreibt die kommunistische Unterwanderung Amerikas sehr gut: Während sie in Europa nur Menschen getroffen hatte, die von der KP desillusioniert waren, traf sie in Amerika viele Erwachsene, die Kommunisten waren. New York sei voller genauso idealistischer wie ignoranter Leute gewesen, die die UdSSR verherrlichten. „Jahrelang, sogar nach dem Krieg, bis Mitte der 1950er Jahre, folgten diese Leute der kommunistischen Parteilinie ohne zu wissen, daß diese von Moskau aus diktiert wurde, marschierten in Maiparaden und hielten sich für ‚die Guten‘.“ Sie hielten sich stets an die jeweilige Linie der Partei, selbst wenn die, wie zu Anfang des Krieges, die Unterstützung Hitlers vorsah. „Heute sind Menschen der Meinung, daß man damals ‚unter jedem Bett einen Kommunisten sah‘ und verleugnen, wie groß die Anhängerschaft, zumindest in New York, war. Natürlich waren diese Menschen keine Spitzel, da sie diese Überzeugungen offen zur Schau stellten. Stattdessen übten sie enormen Druck auf die öffentliche Meinung, die Kunst und die Medien aus“ (S. 145f).

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4. März 2020

Die 15 Orgonomie-Gruppen (Teil 3)

11. Februar 2020

10. Charles Kelley war in vieler Hinsicht sozusagen der „amerikanische Paul Ritter“. In seiner Militärzeit war er zum Meteorologen ausgebildet worden und hatte an der Universität als Psychologe wissenschaftliche Methodik kennengelernt. Er war der einzige, der zu Reichs Lebzeiten in Reichs Zeitschriften außer Reich jeweils einen Artikel über Orgonometrie und Theoretisches zur Meteorologie veröffentlicht hatte. Nach Reichs Tod gründete er das Interscience Institute, cloudbustete, hatte engen Kontakt zu Oscar Tropp und ging bei einem Schüler von Baker in Therapie. Er gründete die Zeitschrift The Creative Process, in der u.a. auch Jerome Eden veröffentlichte und nicht zuletzt Leute aus dem Umfeld Ritters. Obwohl Kelley grundsätzlich zu Baker hielt, kam es doch im Laufe der Zeit zu einer starken Entfremdung. U.a. weil sich Kelley zunehmend für die Arbeit von Alexander Lowen interessierte und empört war, wie schroff und radikal die amerikanischen Orgonomen diese vermeintlich „wichtigen“ Beiträge von sich wiesen. In seinem Frust löste sich Kelley von der Orgonomie und gründete „Radix“ mit einer eigenen Theorie und sogar Therapieform – jeweils Karikaturen der Orgonomie.

11. Alexander Lowen, ursprünglich Rechtsanwalt, war einer der ältesten Schüler Reichs in Amerika, hatte er doch bereits Reichs Vorlesungen an der New School for Social Research unmittelbar nach Reichs Ankunft in den USA beigewohnt. Er wollte Therapeut werden, woraufhin ihn Reich dazu zwang noch im reifen Mannesalter ein Medizinstudium auf sich zu nehmen, das er in der damals bettelarmen und deshalb für Amerikaner spottbilligen Schweiz absolvierte. Als Reich nach dessen Rückkehr von Lowen forderte auch noch Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zu werden, wandte sich dieser frustriert ab und gründete zusammen mit John Pierrakos die Bioenergetik, eine Disziplin, die plastisch zeigte, daß er nicht den blassesten Schimmer von der psychiatrischen Krankheitslehre im allgemeinen und der Psychoanalyse (die damals die Psychiatrie dominierte) im besonderen hatte.

12. Vollständig absurd wird es, wenn man daran denkt, daß sogar Reichs Klavierlehrer Al Bauman eine eigene „Reichianische“ Therapieform gründete, das heutige „Skan“ und ähnlich den Tropps eine Art „Kommune“ ins Leben rief. Ich habe mich an anderer Stelle mit Skan beschäftigt und werde hier nicht weiter auf diese Kackscheiße eingehen.

13. Alle bis hierher beschriebenen Abspaltungen von der Orgonomie waren zwar zum Großteil Ärgernisse, aber keine wirkliche Bedrohung für die Integrität der Orgonomie. Ganz anders war es um die Abspaltung des Institute for Orgonomic Science im Jahre 1982 bestellt. Wichtige, wenn nicht die wichtigsten Orgonomen, bildeten eine eigene Gruppe, darunter Bakers eigener Sohn Courtney Baker, der vor allem in der Orgonphysik tätig war, Robert Dew, Louisa Lance, Robert Ganz, die eine Reihe von Ausbildungskandidaten, also praktisch die Zukunft der Orgonomie, mit sich nahmen. Hinzu kam Lois Wyvell. Gründe für die Spaltung waren persönliche Auseinandersetzungen (es stellte sich heraus, daß Baker heimlich eine „Zweitfamilie“ gegründet hatte) und zunehmende Zweifel an der Urteilsfähigkeit des immer gebrechlicher werdenden Baker. Entsprechend war die Gruppe anfangs sozusagen „päpstlicher als der Papst“, doch nach dem Tod bzw. Ausscheiden der Gründungsmitglieder zerfiel sie sehr schnell zu einem Sammelsurium von „Linksorgonomen“ und es gab viele Überschneidungen zu den Gruppen um Sobey und Raphael. Jedenfalls hat sich die Orgonomie von diesem traumatischen Aderlaß nie wieder recht erholt.

14. Der letztendliche Grund für die Spaltung war der der Orgonomie inhärente Zielkonflikt zwischen Arbeitsdemokratie („Dezentralismus“) und einer effektiven, schlagkräftigen Führung, die etwas zuwege bringt („Zentralismus“). Dieser Konflikt zeigt sich in der letzten größeren Abspaltung im Jahre 2003, als der Orgontherapeut Dr. Gary Karpf zusammen mit wenigen anderen Orgonomen das American College of Orgonomy (ACO) verließ. Er hatte als neuer Präsident des ACO versucht „Schwung in den Laden zu bringen“ und die Orgonomie finanziell auf gesunde Beine zu stellen, nur daß niemand ihm folgte. In welche Richtung das ganze hätte gehen sollen, sieht man hier. Man sieht auch, wie der vor wenigen Tagen verstorbene Orson Bean, einer der Mitbegründer des ACO, für die Sache Werbung macht. So ungefähr würde heute die Orgonomie aussehen, wenn sich Dr. Karpf durchgesetzt hätte.

15. Last but not least ist natürlich der Geograph Dr. James DeMeo zu nennen, der seit Anfang der 1970er Jahre von Richard Blasband, einem der engsten und loyalsten Mitarbeiter Baker und nach dessen Tod Präsident des ACO, protegiert wurde. DeMeo ist der einzige in dieser Liste, der niemals Ambitionen in Richtung „Therapeut“ zeigte und sich ausschließlich auf den nichtmedizinischen Bereich, sozusagen die „wissenschaftliche“ Orgonomie konzentriert hat. Er steht heute vollkommen isoliert da und ist neben dem ACO die einzige Institution, die man ernstnehmen kann.

Es müßten zumindest noch Leute und Gruppen erwähnt werden, die sich auf Ola Raknes und Walter Hoppe berufen, aber dazu fehlen mir die Kenntnisse. Ohnehin wollte ich mich, wie anfangs gesagt, auf den amerikanischen (angelsächsischen Bereich) beschränken. Abgesehen vom ACO sind alle Gruppen heute tot oder allenfalls scheinlebendig (man schaue sich nur die verschiedenen Netzseiten an, die teilweise gar nicht mehr gepflegt werden!), selbst Alexander Lowens „Bioenergetik“, die als Therapieform derartig schlecht ist, daß kein gesunder Hahn mehr danach kräht.

Die 15 Orgonomie-Gruppen (Teil 2)

10. Februar 2020

6. Reichs Tochter und anfängliche Treuhänderin seines Nachlasses, Eva Reich, hielt sich ebenfalls „aus allem raus“, begann aber in den 1970er Jahren eine Vortragstätigkeit und arbeitete weltweit mit wirklich fast jedem zusammen, der auch nur ein entferntes Interesse an Reich zeigte. Sie wurde dergestalt so etwas wie die Übermutter des „Reichianismus“. All das wurde gefärbt durch ihre absurde persönliche Ideologie („ich bin eine christliche Sozialistin“) und ihre bereits in den 1980er Jahren einsetzende Demenz. Übrigens war sie nie Orgontherapeutin und hat das auch nie von sich behauptet!

7. Neben Silvert war Robert McCullough, ein Biologe, der zweite wichtige Mitarbeiter Reichs im nichtmedizinischen Bereich. Insbesondere spielte er während der Expedition nach Arizona eine Rolle. Anfang der 1970er Jahre tat er sich mit dem anthroposophisch (sic!) und allgemein okkultistisch orientierten Cloudbuster-Operateur Trevor Constable zusammen. Ich verweise auf meine Rezension von dessen Buch The Cosmic Pulse of Life. Vor kurzem verstorben, bildete Constable bis heute sozusagen die „Schnittstelle“ zwischen Orgonomie und Okkultismus, insbesondere über die Borderland Science Research Foundation.

8. Jerome Eden, ebenfalls Cloudbuster-Operateur, war gewisserweise der Gegenpol Constables in der Orgonomie. Ich verweise auf den „Jerome Eden-Teil“ von www.orgonomie.net.

9. Paul Ritter und sein Mitstreiter David Boadella wirkten zwar nicht in Amerika, doch gehören sie hierher, weil es bereits in den frühen 1940er Jahren enge Kontakte zwischen Reich und der „englischen Gruppe“ gab, hierher gehört insbesondere der Name Derek Eastmond. Ritters 1954 erstmals erschienene Zeitschrift Orgonomic Functionalism war das einzige Periodikum, das ein Kontinuum zwischen der Orgonomie zu Reichs Zeiten, der vorangegangenen Sexpol (etwa in Holland) und den späteren Entwicklungen herstellte. Das Problem mit dem Architekten Ritter war, daß er sich als vollkommener Laie anmaßte „therapeutisch“ tätig zu sein und Reichs Funktionalismus „weiterzuentwickeln“. Einen Eindruck von der, zumindest zu Reichs Lebzeiten und kurz danach teilweise durchaus wertvolle, Arbeit der Gruppe vermitteln die Artikel von Boadella, die ich hier im Nachrichtenbrief veröffentlicht habe: „Orgonenergie, Liebe und Raumschiffe (1955)“ (11 Teile), „Einige orgonotische Erstrahlungseffekte. Eine vorläufige Mitteilung (1958)“ (7 Teile) und „Orgonotische Erregungseffekte II (1958)“ (8 Teile).

Die 15 Orgonomie-Gruppen (Teil 1)

9. Februar 2020

Jeder wird sich über diesen Beitrag aufregen: weil Leute genannt werden und weil Leute nicht genannt werden, weil die Liste zu orthodox und weil sie zu unorthodox ist, etc. Zunächst möchte ich sagen, daß ich mich (mit einer Ausnahme) ausschließlich auf amerikanische Gruppen konzentriert habe und mich bemühe das ganze objektiv und aus weiter Ferne zu betrachten.

1. Elsworth F. Baker war seit Ende der 1940er/Anfang der 1950er Jahre derjenige, der für die Ausbildung neuer medizinischer Orgonomen verantwortlich zeichnete, diese, die meist in New York und Umgebung ihre Praxen hatten, organisierte und beispielsweise zu Reichs Lebzeiten die Zeitschrift Medical Orgonomy herausbrachte. Er war der „Haustherapeut“ der Familie Reich. In vielerlei Hinsicht war er der zweite Mann hinter Reich. Zusammen mit den Orgonomen Robert Ing Duvall und Morton Herskowitz und seinen Schülern Richard Blasband, Paul Mathews, John Bell, Barbara Koopman, Norman Levy, Michael Rothenberg und einigen anderen, darunter Reichs Sekretärin und zeitweise Geliebte Lois Wyvell, führte er 10 Jahre nach Reichs Tod seine alte Zeitschrift unter dem neuen Titel Journal of Orgonomy fort und gründete 11 Jahre nach Reichs Tod das American College of Orgonomy, bei dem die beiden außeramerikanischen Orgonomen Ola Raknes und Walter Hoppe Ehrenmitglieder wurden.

2. Zu Reichs Lebzeiten war der Orgonom Chester M. Raphael der engste Freund Bakers. Das sieht man etwa noch an Bakers Buch Der Mensch in der Falle von 1967, wo das Kapitel über Geburten weitgehend von Raphael stammt. Raphael war kein Psychiater, sondern Gynäkologe, der in der gleichen Klinik gearbeitet hatte, in der Baker, bevor er die Orgonomie zu seiner Karriere machte, Leiter der psychiatrischen Frauenabteilung gewesen war. Baker hatte Raphael auf Reich aufmerksam gemacht. Nach Reichs Tod entfremdeten sich die beiden zusehends, wobei sich Raphael mit den Orgonomen Philip Gold und Charles Oller (anfangs auch Victor Sobey) zusammentat und so etwas wie eine informelle Oppositionsgruppe gegen Baker organisierte. Raphaels Patientin (und Geliebte) Mary Boyd Higgins wurde zur Treuhänderin des Reichschen Nachlasses, womit diese Gruppe nunmehr Orgonon und den schriftlichen Nachlaß Reichs kontrollierte. Higgins und Raphael brachten die Reichschen Schriften auf eine denkbar laienhafte Art und Weise neu heraus. Für eine gewisse Aufregung sorgte 1970 Raphaels „Gegenbuch“ zu Bakers Der Mensch in der Falle, in dem Raphael wirklich kein einziges gutes Haar an Baker ließ. Gerade diese groteske Einseitigkeit nahm der 100seitigen Kritik jedoch jedwede Wirkung. Parallel ging Higgins gerichtlich gegen Baker vor, weil dieser Reich plagiiert habe. Der Prozeß endete praktisch sofort in einem Vergleich.

3. Die Beziehung des bereits erwähnten Orgonomen Victor Sobey zu Baker ist bemerkenswert, denn die beiden Männer waren sich stets sympathisch und Baker war wie selbstverständlich davon ausgegangen, daß Sobey sich seiner Gruppe anschließen würde. Dieser ging aber vollständig eigene Wege und bildete Laien, seine eigenen Patienten, zu „Orgontherapeuten“ aus. Während Baker stets der „Rechtsaußen“ der Orgonomie war, war Sobey der „Linksaußen“ und hob stets hervor, daß neben Freud vor allem Marx der Lehrer Reichs war.

4. Die ersten drei Gruppen hätten jeweils die Orgonomie selbständig fortführen können, was praktisch vor allem die Ausbildung neuer medizinischer Orgonomen umfaßt – auch wenn unbestritten nur Baker dazu von Reich autorisiert worden war. Die Gruppe um die beiden Orgonomen Simeon und Oscar Tropp wäre dazu auch in der Lage gewesen, wären die beiden nicht so früh, bereits Anfang der 1960er Jahre, verstorben. Simeon Tropp war vielleicht der einzige Orgonom, der mit Reich durch eine persönliche Freundschaft verbunden war. Er war schlicht ein Genie des sozialen Umgangs. Das zeigte sich auch im Verhältnis zu seinen Patienten, denen gegenüber er die gewöhnliche Distanz zwischen Patient und Therapeut nie aufkommen ließ. Therapiestunden waren eher eine „Teepartie“. Sehr schnell bildete sich eine groteske sektiererische Gruppe heraus, bei der beispielsweise die Makrobiotik eine große Rolle spielte. Ich werde über diese Tragikomödie demnächst separat und ausführlich berichten.

5. Kommen wir zu einer echten Tragödie: Michael Silvert war in den 1950er Jahren der vielleicht engste Mitarbeiter Reichs, einfach weil er der einzige unter den medizinischen Orgonomen war, der sich auch für Reichs bio-physikalische Arbeit interessierte und hier wirklich aktiv mitwirken konnte. Die Orgonomen, insbesondere Baker, haßten ihn wie die Pest, da sie ihn für einen pestilenten Charakter hielten. Reich mußte Silvert beispielsweise verbieten Frauen zu therapieren, da es immer wieder zu Beschwerden gekommen war. Kurz nach Reichs Tod, für den indirekt Silvert verantwortlich war, der schließlich durch sein Verhalten den schwer herzkranken Reich ins Gefängnis gebracht hatte, beging Silvert Selbstmord. Trotz allem hatte sich um ihn herum eine kleine Gruppe treuer Patienten gebildet, die ohne jedwede Öffentlichkeitsarbeit und losgelöst von allen anderen orgonomischen Gruppen fortwirkte und beispielsweise Cloudbusting-Operationen durchführte.

Orgonomie-Kritiker

29. Dezember 2019

Was mich mittlerweile bis zur Weißglut nervt und puren HASS in mir hervorruft, sind die Zyniker und ewigen „Bedenkenträger“, die sich in der, for lack of a better word, „Reich-Szene“ tummeln. Ständig ziehen sie die Handbremse, wenn es darum geht irgendwas vorwärtszubringen und sei es nur einen Gedankengang zu entwickeln. Einwände werden vorgebracht, die schon vor Jahrzehnten abgehandelt worden sind, und irgendwelche Verwerfungen, die sich vor Jahrzehnten zugetragen haben, werden ans Licht gezerrt, als wenn wir heutigen das damalige Geschehen sinnvoll „aufarbeiten“ könnten. Das Perfide ist, daß diese Einwürfe unglaublich rational („kritisch“) wirken, daß sie aber tatsächlich (wenn man nur einen unverstellten, offenen Blick hat!) vollständig irrational sind. Das sieht man auch daran, daß die „Kritiker“ nichts voranbringen, sondern ganz im Gegenteil alle Arbeit zum Erliegen bringen. Und das ist auch das wahre Motiv dieser Leute, die selbst NICHTS, aber auch rein gar nichts zuwege bringen.

Der ganze Komplex erinnert mich immer an „Israel-Kritik“. Israel kann wahrhaftig auf seine „Kritiker“ gerne verzichten. Die unterstreichen zwar immer wieder keine Antisemiten zu sein, doch wenn man ihre „Kritiken“ zuende denkt (d.h. funktionell denkt), dann führen diese, sollte Israel ihnen jemals folgen, stets unweigerlich in der Vernichtung des jüdischen Staates. Überhaupt „Israel-Kritik“ – ich glaube es hackt! Reflexartig heißt es dann, eben weil Israel ein Teil der freien Welt ist, müsse man an das Land höhere Ansprüche stellen. Nochmal: Ich glaube es hackt! In Wirklichkeit ist das nichts anderes als Verrat an einem Bundesgenossen! Dreckiger Verrat, der sich das Mäntelchen einer höheren Moral umhängt. Desgleichen mit den „Kritikern der Orgonomie“: die Illoyalität verschlägt einem den Atem, zumal sie sich einen „orgonomischen“ Anstrich gibt!

Was wir hier diskutieren, ist nichts anderes als Emotionelle Pest: destruktives Handeln unter dem Vorwand konstruktiv zu sein. Dazu gehört auch das, was man als „emotionale Vergiftung“ bezeichnen könnte. Es ist so, als wenn die BBC bei der Übertragung der Geburtstagsparade der Queen in einem fort über die dunklen Aspekte von Elisabeths Lebensgeschichte, des Königshauses und der gegenwärtigen Parade selbst Kommentare ablassen würde und dabei mit der Kamera nach Hundekothaufen sucht, den Drogenhandel in den beiliegenden Parks dokumentiert und bei den Pferden nach Verletzungen Ausschau hält. Es wird nicht nur alles mies gemacht, sondern auch mit denkbar schlechten Gefühlen assoziiert, die dann an der Queen hängenbleiben. Exakt so gehen gewisse hassens- und verachtenwerte Subjekte mit Reich und der Orgonomie um! Pestilente Charaktere, die davon leben, daß schwache Menschen aus unbestimmten Schuldgefühlen heraus ihnen gegenüber „tolerant“ sind. „Man muß auch kritische Stimmen zu Worte kommen lassen.“ Einen Scheiß muß ich tun!

Trump setzt die Neurose der „Reichianer“ frei

13. Dezember 2019

Als Reich 1939 nach Amerika kam, glaubte er, daß er unter den Linken in Amerika noch den meisten Zuspruch finden würde. Deshalb wählte er beispielsweise Arthur Garfield Hays zu seinem Anwalt, der durch den berühmten „Affen-Prozeß“ in Tennessee 1925 und durch die Verteidigung der beiden Anarchisten Sacco und Vanzetti berühmt geworden war. Um so verbitterter reagierte Reich, als ihm von Seiten der Stalinisten ab etwa 1946 der blanke Haß und Vernichtungswille entgegenschlug (Stichwort Mildred Edie Brady) und sich infolge auch die Trotzkisten von ihm distanzierten, um nicht mit dem Orgon in Zusammenhang gebracht zu werden und so im Kampf gegen die Stalinisten, wegen einer Sache in die Defensive zu geraten, an die sie eh nicht glaubten. So stand in den letzten zehn Jahren von Reichs Leben für ihn fest, daß seine Probleme in Amerika auf eine von „Moskau“ geleitete Verschwörung zurückgingen, er demnach Opfer des Kalten Krieges sei und deshalb von der US-Regierung unterstützt werden müsse, die aber von den Verschwörern manipuliert würde und unterwandert sei.

Von jeher konnten sich die diversen „Reichianer“, angefangen bei Paul Ritter und David Boadella bis hin zu Jerome Greenfield (Autor von USA gegen Wilhelm Reich) kaum wieder einkriegen, wie wahnhaft Reichs Einschätzung doch war und wie lächerlich sich Leute machen würden, die Reich darin in ihrer kultischen Verblendung folgten. Die meisten Orgonomen hielten zu dem Thema eine vornehme Distanz und sagten, daß die von Reich vorgebrachten Beweise sie nicht recht überzeugen würden. Diese Haltung nahm insbesondere Elsworth F. Baker ein.

Die wirkliche Psychopathologie zeigte sich aber erst in den letzten drei Jahren in Zusammenhang mit der vermeintlichen „Rußland-Affäre“ von Donald Trump, für die es schlichtweg keinerlei gerichtsverwertbare Belege (Mueller Report) und ohnehin nicht mal ansatzweise Indizien gibt. Das hinderte praktisch alle „Reichianer“ nicht daran, sich mit Haut und Haaren dieser vollkommen haltlosen Verschwörungstheorie zu verschreiben. Sie haben Reich nie ein Wort geglaubt und konnten sich vor Lachen kaum einkriegen, wenn es vermeintliche Idioten wie unsereins taten, nun folgen sie aber aufgrund ihrer hochpathologischen linksliberalen (pseudoliberalen) Charakterstruktur einer „Moskau-Theorie“, weil es sich um Donald J. Trump handelt, der die „progressive“ Hillary vom Tisch gewischt hatte.

Wie bizarr ihr Wahn und wie abgrundtief ihre Verlogenheit ist, zeigt etwa folgender Kommentar auf Facebook, den der Reichianer Peter Robbins, bekanntgeworden durch seine hochpenible und immer um Ausgewogenheit und Objektivität bemühte UFO-Forschung, verfaßt hat:

Was Putin über Trump hat, sind in der Tat Filme seiner sexuellen Eskapaden, die zweifellos auf jeder Geschäftsreise, die er zuerst 1986 in die Sowjetunion unternahm und auf den Reisen nach Rußland seitdem aufgezeichnet wurden. Wer das Gegenteil glaubt, versteht nicht, wie der KGB früher und seitdem auch unter Putin arbeitete. Einfach ausgedrückt, wird er mit Material erpreßt, das sein zerbrechliches Ego und seine pathologisch narzißtische Persönlichkeit niemals das Tageslicht erblicken lassen darf. So sehr, daß er es weitaus besser findet, Putins Forderungen in allen Angelegenheiten der Machtverlagerung vom amerikanischen Einfluß auf die Russen Folge zu leisten, ohne Rücksicht auf den unglaublichen Schaden, den solche Aktionen auf der Weltbühne anrichten werden. Wie ein Spionageroman, der zum Leben erweckt wird, ist der Präsident der Vereinigten Staaten ein russischer Aktivposten im Weißen Haus, der nach verfassungsrechtlicher Definition des Verrats schuldig ist. Natürlich kann ich diesen Vorwurf nicht nachweisen, aber zumindest für mich ist es die einzige Erklärung, die alle Handlungen und Verhaltensweisen gegenüber Putin und Rußland erklärt, seit er vereidigt wurde. Wenn man das versteht, paßt alles zusammen und macht Sinn. Ich würde alles verwetten, was ich besitze.

Ich wollte, ich wäre in irgendeiner Sache dermaßen sicher! Durch seine persönliche Art (praktisch keine charakterologische Fassade) und durch sein politisches Wirken (Konservatismus, der sich für nichts entschuldigt, sondern ganz im Gegenteil angreift: für Linke ist das schlichtweg „Faschismus“!) sorgt Trump dafür, daß bei Links-Reichianern sämtliche Sicherungen durchschmoren und daß sie ungewollt ihre ganze Lebenslüge bloßstellen.

Die Nachfolge Reichs

30. Oktober 2019

Myron Sharaf hat mal gesagt, daß es die Nachfolger Reichs in mancher Hinsicht schwerer haben, als dieser selbst. Nachdem Reich die Psychoanalyse verlassen hatte und auf eigene Entdeckungsfahrt gegangen ist, war er frei seine eigene Begrifflichkeit an die Natur so anzupassen, wie er sie wahrnahm. Seine Nachfolger haben diese Freiheit nicht mehr: sie bewegen sich in jenem Gebäude, das Reich errichtet hat. Man könnte jetzt sagen, daß sie doch einfach das Gebäude verlassen sollen und Reich in dem Sinne nachfolgen sollen, daß sie selbst auf ihre eigene Entdeckungsfahrt gehen und eigene Gebäude errichten. Dazu möchte ich zweierlei sagen:

  1. hat jeder, der eine solche eigene Entdeckungsfahrt gemacht hat (z.B. Alexander Lowen oder Charles Kelley) kein besseres Gebäude errichtet, sondern ein weitaus schlechteres; und
  2. betrachte ich das Reichsche Gebäude weniger als fixes Gebäude, denn als geordnete Ansammlung von Werkzeugen, die gepflegt werden müssen, an ihren angestammten Platz zurückgebracht werden müssen, etc.

Mein Haupteinwand gegen Sharafs ansonsten richtige Anmerkung ist jedoch, daß Reich das Gebäude („die Panzerung“) – imgrunde jedwedes Gebäude – verlassen hat und ins Freie getreten ist. Oder, wie Reich selbst es ausgedrückt hat: er hat einen neuen Kontinent entdeckt und am Strand ein paar wenige Stützpunkte eingerichtet, von denen aus seine Nachfolger in die unerforschten Weiten vorstoßen müssen, um über die Generationen hinweg den Kontinent zu ihrem eigenen zu machen.

Kann Peter für die Orgonomie sprechen? (Teil 2: Henning van Brokenkröt [Teil 3])

25. Oktober 2019

Vorbemerkung: Dies ist eine fiktive Satire. Jede Ähnlichkeit mit Zeitgenossen wäre rein zufällig. Die beiden ersten Teile („Ein zorniger Brief über „Reichianische“ Therapeuten“ und „Ein Brief an Henning van Brokenkröt über das von ihm entwickelte Orgongerät“ finden sich hier.

Der umtriebige Henning van Brokenkröt versucht zunehmend das Gesicht der „Wilhelm-Reich-Bewegung“ in Deutschland zu werden. Ich denke da etwa an diverse Interviews, die im Internet kursieren – nun gut, mit Klickzahlen, die sich an einer Hand abzählen lassen… Der Inhalt soll uns hier nicht weiter interessieren, wichtiger ist das Wie. Wie ich an anderer Stelle und in einem ganz anderen Zusammenhang ausgeführt habe, ist das pausenlose und (soweit das physiologisch überhaupt möglich ist „blinkfreie“) Anstarren des Gegenübers eine sehr effektive Art und Weise der Hypnose und gleichzeitigen Selbsthypnose. Der direkte und frontale Blick in die Augen ist für Primaten extrem stressig. Beispielsweise ist es ein todessicherer Weg Gorillas oder Schimpansen extrem aggressiv zu machen. Diese über viele Minuten, vielleicht sogar über Stunden auszuhalten, ist prinzipiell nur möglich, wenn es zu einer Spaltung zwischen Erregung und Wahrnehmung kommt. Man selbst und das angestarrte Gegenüber „geht weg“. In einem „orgonomischen“ Zusammenhang kann diese Praxis sogar als „kontaktvoll“ verkauft werden, da ein intimerer Kontakt abgesehen von direkten Körperberührungen tatsächlich kaum vorstellbar ist. Und genau diese okulare Panzerung induzierende bzw. aufrechterhaltende Praxis übt Brokenkröt bei seinen „Interviews“ aus. Selten habe ich eine derartige Erstarrung bei einem Menschen gesehen, der ständig von „Lösung des Erstarrten“ spricht. Überhaupt dieses ewige Gelaber vom „bioenergetischen Bauchempfinden“… Das gesamte „Reichianische“ und pseudo-orgonomische Oeuvre weltweit kommt „tief“ daher, in Wirklichkeit ist das aber durchweg nichts anderes als oberflächlichster Moralismus und Psychologismus, der nichts, aber auch rein gar nichts, mit der Orgonenergie zu tun hat!

Im übrigen geriert sich Brokenkröt mittlerweile als eine Art „Kollege“ von mir, indem er an die „werten Interessenten“ seines „Wilhelm Reich Instituts“ regelmäßig eine streng vertrauliche Zeitschrift verschickt (Auflage 7 Exemplare), die mir bis heute einer seiner Vertrauensleute postwendend zur Verfügung stellt. In diesen photokopierten Rundbriefen geht es neben seinem Therapieansatz und dem „Orgonapp Booster“ insbesondere um – mich.

Erst einmal ist es nicht zu rechtfertigen, den Namen „Wilhelm Reich“ zu benutzen, um á la Brokenkröt etwas zu präsentieren, was weniger ist als Orgonomie. Es ist doch offensichtlich absurd, etwas „nur“ als „Wilhelm Reich-Sache“ zu betrachten. Jeder kann tun und lassen, was er will, aber niemand hat das Recht, dazu den Namen anderer Menschen zu mißbrauchen. Reich wollte, daß sein Name für die Orgasmustheorie und die Entdeckung der kosmischen Orgonenergie steht. Heute wird er von Leuten verwandt, die genau mit diesen Grundlagen der Orgonomie ein Problem haben – und deshalb den Begriff „Orgonomie“ tunlichst vermeiden.

Brokenkröts Ausführungen über Therapie sind, wie zu erwarten war, absolut verheerend. Beispielsweise beschreibt er das „Training des Orgamusreflexes“ (sic!) so, daß der Kopf beim Ausatmen nach vorne geht, statt nach hinten. Ich habe das mit dem Kopf beim Lesen gemacht und konnte stundenlang nicht mehr richtig atmen und war wirklich biophysisch desorientiert. Noch jetzt bin ich durcheinander, wenn ich dran denke. Und das von einem Therapeuten! Man stelle sich mal vor, wie der seine „Patienten“ beeinflußt: das ist so, als wenn ich mit meinen rostigen Hobbywerkzeugen in der Freizeit Chirurgie betriebe und dann noch Artikel über das Entfernen von Blinddärmen veröffentlichte. Oder etwa die Sache mit dem Mobilisierung des Brustsegments: es ist genauso typisch für Laientherapeuten wie absolut verheerend hier mit Gewalt und Nachdruck vorzugehen. Es hat eine Funktion, wenn Menschen nicht atmen! Hier mit körperlicher Gewalt vorzugehen, kann zum Zusammenbruch führen oder paradoxerweise die Blockade noch weiter verstärken und sogar unaufhebbar machen. Ich kann immer mehr nachvollziehen, wie es Rudolf in der „Therapie“ mit Brokenkröt ergangen sein muß.

Im Zentrum steht eine eingehende Beschreibung von Brokenkröts frei erfundener Orgontherapie bei einem Orgonomen in Portugal, der ihn orgastisch potent gemacht habe. Dazu gehören etwa der Fahrten mit dem Thalys und Aufenthalte, in den Spitzenhotels von Lissabon, alles bis ins kleinste Detail beschrieben – und, wie gesagt, frei erfunden. Neben diesen Romanfragmenten sind Brokenkröts Elaborate von überwertigen Ideen bestimmt: wie gesagt „Peter Nasselstein“ (ein genauso verachtenswertes wie böses „Kind eines Hafenarbeiters“) aber auch Portugiesen im Vergleich zu Deutschen, die Schönheiten Lissabons, Videobotschaften von Swami Durcheinanda und Musikvideos von Xavier Naidoo (siehe z.B. das Video unten, das mich am Geisteszustand von allen Xavier-Naidoo-Fans zweifeln läßt), eine abgrundtiefe Verachtung für die Arbeiterklasse, die er schlichtweg mit dem Faschismus gleichsetzt, eine „private Liebesgeschichte“ um eine „süße Araberin“ und seinen Rivalen, einen bitterbösen Beamten des Ordnungsamtes, Brokenkröt beim Einkaufen und wie die Leute in Aachen auf ihn, diese Verkörperung kontaktvoller, genitaler Gesundheit, reagieren; finstere Machinationen gegen ihn, geplante Gerichtsprozesse, die er gegen meine Wenigkeit angestrengt habe, Ausbrüche unbändiger Freude, wenn ihm mal wieder etwas geglückt ist, das ihm seinen Traum näherbringt, mit Hilfe der Orgonomie reich und berühmt zu werden und überhaupt Zeugs wie, daß man in Zusammenhang mit seiner „Love Story“ mit der arabischen Schönheit versuche in Aachen allen Ernstes über den Umfang seiner Einkäufe im Biosupermarkt zu eruieren, über wieviel Geldmittel er verfüge, da man „eine solche Dame“ auch ernähren müsse. Seine „Informationen“ über mich und andere, schöpfte er aus einem Telefonat mit einem ebenfalls selbsternannten „Orgonomisten“, der sich nunmehr daranmacht „Orgongeräte“ im großen Stil zu produzieren. Brokenkröt will mit ihm zusammen den „arabischen Markt“ erschließen und sucht Kooperationspartner, die ihm helfen seinen „Orgonapp Booster“ zu promoten. Er sieht sich als einziger Vertreter einer wirklich „originalen Reich-Körpertherapie“ (sic!) und als großen Forscher.

Seine frühpubertär anmutenden Geschichten über seine „arabische Dame“ und daß „es“ bald passieren werde, mündeten in einem Gerichtsverfahren, bei dem sich Brokenkröt weigerte sich einer vom Gericht angeordneten psychiatrischen Untersuchung zu unterziehen. Es wurde also nach „Aktenlage“, d.h. aufgrund seiner Liebesbriefe und der bombastischen Blumengebinde, die er an den städtischen Arbeitsplatz der über alle Maßen Angebeteten geschickt hatte, eine Diagnose gestellt. Seitdem sind alle Psychiater Quacksalber und die Psychiatrie eine Pseudowissenschaft! Das sind die Verfolgungen, die er als ausgesprochen attraktiv aussehender orgastisch Potenter ausgesetzt ist.

Er habe für viel Geld den Computer seines „Instituts“ vor Außenangriffen abschirmen müssen, um seine „Kontakte“ zu schützen. Ich nehme an vor dem Meisterhacker Peter Nasselstein, das Genie des Bösen. Oder, wie Brokenkröt sich ausdrückt, „der Abschaum der Menschheit“. Aus Rache für imaginierte „Nachstellungen“ will er mich vor Gericht zerren. Hinzu kommen haltlose Phantasien von Macht und Kontrolle durch einstweilige Verfügungen des Amtsgerichts Hamburg, das Brokenkröt über meine Machenschaften informieren werde. (Brokenkröt ahnt nicht, daß seine ständigen Kopfschmerzen, über die sein Lamentieren nicht aufhören will, daher rühren, daß Flo und ich heimlich Elektroden nach der Freiburger Methode in sein Gehirn pflanzen ließen, um seine Gedanken direkt an der Quelle anzuzapfen!)

Das ganze wird darauf hinauslaufen, daß Brokenkröt sich gegen die Orgonomie selbst wenden wird. Erste Anzeichen dieser gegen die Orgonomie gerichteten Vernichtungstendenz finden sich darin, daß er es gerne sähe, die Titel „Orgonomie“, insbesondere aber „medizinische Orgonomie“ rechtlich schützen zu lassen. Mit anderen Worten: Brokenkröt will eine Wissenschaft den Gesetzen des Markenrechts unterwerfen, also Wissenschaft verunmöglichen.

Kann Peter für die Orgonomie sprechen? (Teil 1)

24. Oktober 2019

Ab und an wird mir vorgehalten, ich würde mir anmaßen für die Orgonomie zu sprechen. Tatsächlich zucke ich selbst manchmal schuldbewußt zusammen, wenn ich als „Homepage der Orgonomie“ daherkomme, aber dieses Projekt (anfangs natürlich offline!), in dem der Leser diese Zeilen liest, ist fast 40 Jahre alt und Dinge, die ich im jugendlichen Überschwang in Gang gesetzt habe, kann ich nicht zurückholen. Heute würde ich weitaus kleinere Brötchen backen. Andererseits: lieber ICH habe http://www.orgonomie.net als irgendjemand anderes in Deutschland! Man weise mir doch bitte in den zig tausend (sic!) von mir veröffentlichten Druckseiten zur Orgonomie auch nur einen einzigen substantiellen Fehler oder besser gesagt eine einzige substantielle Entstellung der Orgonomie nach!

Ich hätte auch gerne meinen Namen draußen vor gelassen und mich, wie fast alle anderen, hinter einem Pseudonym versteckt, doch das war wegen der langen Geschichte dieses Projekts (fast vier Jahrzehnte!) nie eine Option. Presserecht und vor allem Kontinuität! Als Anonymous hätte ich nämlich anfänglich gar keine Leser gehabt!

Die Orgonomie ist eine Wissenschaft und ich habe das gleiche Recht über sie zu schreiben, wie ich das Recht habe über Biologie, Physik oder Astronomie zu schreiben. Wer sollte es mir verwehren etwa http://www.soziologie.net zu kaufen und mich über die Soziologie von Durkheim bis heute auszulassen – solange ich nicht kompletten Unsinn verzapfe? Und selbst das (ein Auftrumpfen aus dem Nichts kommend) habe ich, wie gesagt, mit der Orgonomie nicht getan, denn meine Netzseite und der Blog sind nicht „vom Himmel gefallen“, sondern organisch gewachsen. Ich verbitte mir Vorhaltungen von Leuten, die noch nicht mal geboren waren, als ich anfing mich mit Reich zu beschäftigen, und die, wie alle bisherige Erfahrung zeigt, in wenigen Jahren nichts mehr mit Reich am Hut haben werden!

Und, gemach, daß und vor allem WIE meine ganz persönliche Neurose (charakterliche Abwehr) in diesem Blog auf denkbar fundamentale Weise zum Ausdruck kommt, ist mir schmerzlich bewußt.