Archive for the ‘www.orgonomie.net’ Category

Wider die Mythisierung von Reichs letzten Jahren

14. Januar 2019

In der Literatur, die Reich wohlgesonnen ist, finden sich immer wieder vier Behauptungen über die tragischen letzten Jahre von Reichs Leben, die wenig bis nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Es wurden ausschließlich Orgonenergie-Akkumulatoren zerstört, ansonsten aber keine „medizinischen Gerätschaften“ oder gar wissenschaftliche Instrumente Reichs. Man hört sogar ab und an die FDA hätte sein Labor zertrümmert. Das ist reine Legendenbildung!

Durch die Bücherverbrennungen ist keine Literatur unwiederbringlich verlorengegangen, sondern nur ein ungeheurer finanzieller Schaden entstanden.

Es weist nichts auf einen Mord an einem „kerngesunden“ 60jährigen hin! Reich war jahrzehntelang Kettenraucher gewesen und schon seit Jahren schwer herzkrank. Sicherlich hat sein Gefängnisaufenthalt und damit einhergehende energetische Kontraktion zu seinem Tod beigetragen. Seine letzte Gefährtin, Aurora Karrer schrieb: „Er hätte niemals mit einer solchen Herzerkrankung im Gefängnis sein dürfen” (Offshoots of Orgonomy, Nr. 9, 1984, S. 61). Kurioserweise hatte Reich bereits 1927 (sic!) geschrieben, „daß Nikotinabusus Coronararteriensklerose und dadurch frühzeitigen Tod bedingen kann“ (Die Funktion des Orgasmus, S. 65f).

An anderer Stelle schrieb er 1927:

Meine eigenen Beobachtungen bei der Nikotinvergiftung, die ich wiederholt machen konnte, lassen keinen Zweifel darüber, daß sich im Augenblicke der Asystolie vor der Tachykardie eine Angstempfindung einstellt, die erst sekundär und nur bei längerem Bestande der intensiver werdenden Arrhythmie und Tachykardie mit dem Vorstellungsinhalt „Sterben – Tod” erfüllt wird. (ebd., S. 89)

Die orgonomischen Organisationen wurden nicht verboten, sondern auf Reichs eigenen Wunsch hin aufgelöst. Er wollte, daß die Orgonomie mit neuen Ärzten neu begründet wird. Genau das hat Elsworth F. Baker zehn Jahre nach Reichs Tod getan.

Chronik der Orgonomie (Teil 2)

12. Januar 2019

ChronikderOrgonomie

Ich habe den zweiten Teil meiner 414seitigen Reich-Biographie überarbeitet:

CHRONIK DER ORGONOMIE 1940-1957

Chronik der Orgonomie (Teil 1)

7. Januar 2019

ChronikderOrgonomie

Ich habe den ersten Teil meiner 414seitigen Reich-Biographie überarbeitet:

CHRONIK DER ORGONOMIE 1897-1939

Peter im Netz (Teil 4): Vorsicht Heckenschützen!

20. Dezember 2018

Es gibt Menschen, die ihr Leben der Orgonomie gewidmet haben, sie Jahrzehnte nicht nur studiert, sondern auch öffentlich ihren Namen damit verbunden haben, also sich quasi selbst ein „Kainsmal“ auf die Stirn gemalt haben. Um so unerträglicher sind „Kritiker“, die vielleicht gerade mal ein Buch von Reich gelesen haben und von denen man nie etwas gehört hat und nie wieder etwas hören wird. Vollkommen risikolos und in Zeiten des Internets eh meist anonym, markieren sie den großen Experten, der vernichtende Urteile fällen kann. Die Arbeitsdemokratie könne nicht gleichzeitig Utopie und bereits existierende Realität sein, die sekundäre Schicht nicht Quelle der sekundären Triebe und gleichzeitig Schutz vor den sekundären Trieben, die Emotionelle Pest sei auch nur eine Krankheit und man müsse sich deshalb aller Werturteile über sie enthalten, etc.

Diese „Kritiker“ vermischen Dinge, die getrennt werden müssen, und trennen Dinge, die zusammengehören. Oder mit anderen Worten: sie können nicht funktionell denken, sonnen sich aber in ihrer Ignoranz.

Zwei Fehlinterpretationen über Wilhelm Reich

15. Oktober 2018

Es wird häufig so dargestellt, daß Reich keine Kritik ertrug, sich mit Ja-Sagern umgab und paranoid war, insbesondere was die „kommunistische Verschwörung“ gegen ihn betraf. Liest man das mittlerweile posthum erschienene Material, die Erinnerungen von Myron Sharaf und Elsworth F. Baker, die nicht nur engsten Umgang mit Reich hatten, sondern zeitlebens ihre entsprechenden Erfahrungen mit Reichs übrigem Umfeld austauschen konnten (Baker behandelte sogar Familienmitglieder Reichs psychotherapeutisch!), zeigt sich ein differenzierteres Bild.

Beispielsweise konnte Reich aus rein arbeitsökonomischen und nicht zuletzt auch finanziellen Gründen unmöglich auf jeden (vermeintlich) „wissenschaftlichen“ Einwand eingehen und bei seinen Versuchen bis zum Exzeß alle Faktoren kontrollieren. Dann wäre er nämlich zeitlebens nicht über die „bioelektrischen Versuche“ hinausgekommen.

Zweitens war Reich anfangs in seiner Herangehensweise extrem liberal und „basisdemokratisch“, ohne jedwede hierarchische Grenzen. Um so schmerzhafter müssen die erwähnten (und andere) „neunmalklugen“ Einwände auf ihn gewirkt, haben, die von Leuten kamen, die definitiv nicht wichtig waren, nicht wirklich von Belang waren.

Drittens hat Reich sehr wohl Einwände zur Kenntnis genommen, wenn sie von Leuten stammten, die sich zumindest annäherungsweise auf seinem Niveau bewegten. Dies gilt insbesondere was seinen Umgang mit der Food and Drug Administration und der „roten Verschwörung“ betraf. Ein Paranoiker hätte den Einwand von Leuten wie Sharaf, Raphael und Baker, es handele sich „nur“ um eine „emotionale Verschwörung“, jedoch nicht um eine „Verschwörung“ im üblichen Sinne, zornentbrannt vom Tisch gewischt, statt zu sagen (ich paraphrasiere): „Mag sein, daß Sie recht haben!“ Kurioserweise kann man heute argumentieren, daß Reich nicht „paranoid“ genug war, da er die kommunistische Verschwörung, etwa die Rolle von Arthur Garfield Hays und Felix Frankfurter, gar nicht in ihrem ganzen Ausmaß sah (siehe Der Rote Faden).

Zusammengefaßt: Reich war kein Idiot, wie manche untergründig insinuieren!

Kommunisten haben die Orgonomie unterwandert

25. September 2018

Alle lächelten und lächeln mitleidig angesichts von Reichs Behauptung einer kommunistischen Verschwörung zum Opfer gefallen zu sein. „Komischerweise“ sind es genau diese hämischen Lächler, die die Verschwörung bis heute forttragen. Die orgonomische Definition von „Kommunist“ hat nichts mit Politik zu tun, sondern mit Charakter, d.h. mit dem Verhalten und wo es in der Konsequenz letztendlich hinführen wird. Ein gutes Beispiel ist Angela Merkel, die sich nicht nur wie eine Funktionärin der „Freien Deutschen Jungend“ verhält und dabei vorgibt etwas zu sein, was sie nicht ist (nämlich keine Rote, sondern „Schwarze“), sondern die auch noch kurz davor steht, eine vollkommen gleichgeschaltete, „internationalistisch“ ausgerichtete Meinungsdiktatur zu errichten.

Es ist vollkommen gleichgültig, was du vorgibst zu sein: Es geht um deine HANDLUNGEN. Was soll ich beispielsweise davon halten, wenn in den USA, wo aufgrund des dortigen allgegenwärtigen Abmahn-Terrors, daß jedes kleine Zitat durch Rückfrage beim Copyright-Inhaber juristisch abgesichert wird, Reichs Treuhänderin Mary Boyd Higgins praktisch jedem diese Rechte verwehrte, außer Paul Robinson, siehe dazu meine Besprechung seines (und gewisser Weise Herbert Marcuses!) rotfaschistischen Buches über Reich. Nach Aussage von Dusan Makavejev hat Higgins diesem für sein kommunistisches Machwerk Die Mysterien des Organismus sogar Filmsequenzen über Reich zur Verfügung gestellt (Film Summary. Mysteries of the Organism“,Energy and Character, Vol. 2, No. 3, Sept. 1971, S. 81). Makavejev zufolge sollte dieser Film das Publikum vor allem belustigen! Robinsons Buch und der Film waren unmittelbare Fortsetzungen der Angriffe der Kommunistin Mildred Brady zwischen 1947 und 1954. Das, wie man so schön sagt, „Narrativ“ wurde von Robinson und Makavejev aufgenommen, fortgesetzt und weiter ausgebaut.

Es paßt ins Bild, daß mit James Strick ein fanatischer Trump- und Israel-Hasser Nachfolger von Higgins wurde. Ich verweise auf meine Besprechung seines Buches. Um mich selbst zu zitieren:

In folgender Stelle wird Stricks Einstellung wohl am deutlichsten. Er schreibt, daß in Norwegen, die von allen politischen Parteien, die aus unserer heutigen Sicht durchweg „sozialdemokratisch“ orientiert gewesen seien, unterstützte Eugenik etwas moderater ausfiel als in Deutschland. Und er fährt bezugnehmend auf Reichs Gegenspieler, den Psychiater Johann Scharffenberg, fort: „Es mag aus unserer retrospektiven Sicht paradox erscheinen, daß jemand, der Hitler als Psychopathen betrachtete, dennoch eine ziemlich starke Form des Sterilisierens unterstützte – aus einer liberalen, sogar ‚sozialistischen‘ Sichtweise heraus” (Strick 2015, S. 229). Als wenn Hitler, nun wahrhaftig kein „Liberaler“, kein Sozialist gewesen wäre und „Sozialismus“ für Menschlichkeit, Vernunft und Fortschrittlichkeit per se stünde!
Im Zusammenhang mit den pestilenten Angriffen, die Reich, DuTeil und andere wegen der Bion-Forschung ausgesetzt waren, spricht Strick von „Richard Nixon-style ‚dirty tricks‘“ (Strick 2015, S. 291). Dieser ganze Linksdrall wird auch an der Netzseite evident, die das Buch begleitet http://wilhelmreichbiologist.org/: dort wird ganz offiziell Werbung für „Red Emma“ (Emma Goldman) gemacht. Es ist schlichtweg undenkbar, daß Reich so etwas toleriert hätte – in seinem Namen!

Im persönlichen Gespräch verweisen „diese Leute“ dann immer auf Baker, Mathews und Konia, die doch ganz offen die Orgonomie „politisiert“ hätten und das nicht nur einseitig rechtskonservativ, sondern fast schon rechtsradikal. Dann müsse es doch erlaubt sein… Nun, Baker, Mathews und Konia haben alle entsprechenden Äußerungen jeweils bioenergetisch (orgonomisch) untermauern können. Wenn man ihre linken Gegenspieler um das gleiche bittet, kommen sie allen Ernstes mit Herbert Marcuse und ähnlichem daher. Symptomatisch für diese Links-„Orgonomen“ ist auch, daß sie Reichs Behauptungen einer „Moskauer Verschwörung“ gegen ihn, nie Glauben geschenkt haben und nur mit Herablassung auf unsereins reagieren, aber heute enthusiastisch den objektiv haltlosen, von vornherein absolut abwegigen „Russiagate“-Anschuldigungen gegen Präsident Trump folgen und diese sogar offen propagieren!

Orgonomie: doktrinär, autoritär und kultisch?

12. September 2018

Doktrinär, autoritär und kultisch zu sein, wird der Orgonomie seit nunmehr 70, wenn nicht 80 Jahren vorgehalten. Deshalb sei sie steril und komme nicht voran. Da frägt man sich, was denn die beizutragen hatten bzw. hinterlassen haben, die gegen diese Doktrinäre, Autoritäre und Kultische gegenhielten! Was ist von Paul Ritter und David Boadella, deren Zeitschriften Orgonomic Functionalism und Energy and Character übriggeblieben? Liest man diese Periodika heute, stellt man fest, daß mit jedem Jahrgang, d.h. je mehr sie sich von Reich „emanzipierten“, die Beiträge flacher und unbedeutender wurden. Was an Originalität in den Vordergrund drang, war durchweg null und nichtig. Nicht ein fruchtbarer Gedanke, nicht einer! Nur Wirrnis und Leere. Ähnliches läßt sich über Alexander Lowen mit seiner „Bioenergetik“ sagen und Charles Kelleys „Radix“. Was bleibt, ist ein schlechtes Gefühl. Narzißten spreizen sich und wenn sie gegangen sind, bleibt nichts Produktives zurück.

Soweit die heterodoxen Nullen, aber mit den Orthodoxen ist es kaum besser. All die Orgonomen, die sich über die Jahrzehnte vom Hauptstrang der Orgonomie gelöst haben, um „frei“ zu sein… Dann hat man nie wieder von ihnen gehört. Bei manchen mag die Trägheit dafür gesorgt haben, daß die Bewegung einige Zeit anhielt, aber das verpuffte schnell. Am Ende stand eine gähnende Frustration.

Das, was diese Desperados von der Orgonomie entfremdete, war gar nicht das Doktrinäre, Autoritäre und Kultische der Orgonomie (das ich durchaus nicht bestreiten will!), sondern etwas ganz anderes: ihre eigene strukturelle Unfähigkeit Bewegung zu ertragen. Deshalb versuchen sie zu bremsen, die einheitliche, gerichtete Bewegung zu zersplittern und in chaotische Wärmebewegung zu transformieren. Sie sind im Organismus der Orgonomie das, was im einzelnen Organismus die Panzerung ist, die die einheitliche orgonotische Strömung eindämmt und zersplittert. Aus funktioneller Sicht sind deshalb SIE, die Rebellen der Orgonomie, doktrinär, autoritär und kultisch. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie (Teil 1)

5. September 2018

Klaus Heimann (Philipps-Universität Marburg/Lahn 1977, gepostet mit der freundlichen Genehmigung des Autors)

Einleitung

In Deutschland ist wenig echtes Wissen über die Orgonomie bekannt. Sie ist die Wissenschaft von der primordialen, kosmischen Energie, Orgonenergie genannt, die universell gegenwärtig ist und in den Lebewesen als biologische Energie funktioniert. Die Orgonomie erhebt den Anspruch, Naturwissenschaft zu sein. Obwohl ihr noch Pioniercharakter anhaftet, beruhen ihre Grundlagen auf klinisch-empirisch gut begründeten Thesen und aus Experimenten gewonnenen Einsichten. Das Stadium der bloßen Spekulation ist längst überwunden, was natürlich nicht heißt, daß es keine offenen, unbeantworteten Fragen mehr gibt.

Die Entdeckung der Orgonenergie in den Jahren 1936 bis 1939 und ihre weitere Erforschung ist im Wesentlichen das Werk Wilhelm Reichs. Reich begann seine wissenschaftliche Laufbahn als Mitglied der damals von Freud geleiteten Wiener psychoanalytischen Gesellschaft, in die er 1920 noch als Student auf Grund klinischer und theoretischer Beiträge aufgenommen wurde. Die konsequente Verfolgung tiefenpsychologischer Fragestellungen und Probleme führte zunächst zum Versuch einer Synthesebildung zwischen Psychoanalyse und Marxismus, später dann zur Entdeckung der Orgonenergie. Reichs Schriften, die lange Zeit in Vergessenheit geraten waren, wurden in der Studentenbewegung neu verlegt. Sie bildeten einen der theoretischen Stützpfeiler für die Forderungen nach Abschaffung der autoritär-patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen.

Jedoch erhielt die Ablehnung der Orgonomie durch die meisten von Reichs Zeitgenossen während der Studentenbewegung in Deutschland eine schicksalhafte Neuauflage. Die Reich-Renaissance der späten sechziger Jahre beschränkte sich auf seine frühen Schriften, die sich mit dem Zusammenhang von Sexualität und Politik befassen. Die Orgonomie wurde weiterhin ungeprüft abgelehnt.

In zahlreichen Gesprächen mit jungen, engagierten Intellektuellen zeigte sich, daß niemand, der sich mit dem frühen sexualpolitischen Schriften Reichs befaßt hatte, den logischen Schritt zur Beschäftigung mit der Orgonomie vollzogen hat. Mehrere Positionen lassen sich zusammenfassen.

  • „Ich weiß nichts über Orgonomie, ich kann da nichts zu sagen.“ Vertreter dieser Gruppe diskutieren ungeniert auf der Grundlage der sexualpolitischen Schriften Reichs Fragen zur Erziehung und Sexualität. Dieses anachronistisch anmutende Vorgehen ist in etwa vergleichbar dem Verhalten eines Mathematikers, der trotz Entdeckung der Computertechnik schwierige mathematische Aufgaben mit dem Rechenschieber zu lösen versucht, weil die neuen Erkenntnisse noch nicht Allgemeingut geworden sind.
  • „Wenn da was dran wäre, hätte schon längst jemand etwas gemerkt. Schließlich wird die Orgonomie ja von führenden Wissenschaftlern (klugen Köpfen!?) abgelehnt.“ Diese Aussage trifft oft gepaart mit einer anderen, im Folgenden beschriebenen Haltung auf.
  • „Reich stand unter dem Einfluß einer beginnenden Schizophrenie, als er sich mit der kosmischen Energie befaßte“ (statt als angesehener Therapeut, der er damals war, Geld und Anerkennung nachzujagen). Die Thesen der Orgonomie seien ja auch viel zu absurd, als daß man sich ernsthaft damit auseinandersetzen müßte.1
  • Von marxistischer Seite wird Reich die Aufgabe des Marxismus vorgeworfen. Eine Auseinandersetzung unterbleibt, man verweist in diesen Kreisen ebenfalls auf die vermeintliche Geisteskrankheit Reichs.

Gelegentlich bekam ich auch zu hören, die Orgonomie sei bereits widerlegt, jedoch wußte niemand anzugeben, wo eine wissenschaftliche Kritik nachzulesen ist. Ich selbst habe keine wissenschaftliche Veröffentlichung gefunden, die auf Grund von Überprüfung der Orgonenergie-Experimente zu einer Kritik an den gefundenen Phänomenen gelangt. Im Gegenteil: Wissenschaftler, die einzelne Experimente nachvollzogen haben, bestätigen die Reich’schen Entdeckungen. Darauf werde ich im Verlauf der Darstellung zurückkommen.2

Gegenwärtig mehren sich die Anzeichen für eine sachliche Auseinandersetzung mit der Orgonomie. Seit 1975 gibt eine Wilhelm Reich Studiengruppe in der Bundesrepublik die Wilhelm-Reich-Blätter heraus, die die Information und Diskussion über die Orgonomie zum Ziele haben. Auch existieren inzwischen schon einige Orgonenergie-Akkumulatoren in Deutschland, mit deren Hilfe Experimente nachvollzogen werden können. Ich selbst besitze seit Januar 1977 einen Akkumulator. Auf meine eigenen Erfahrungen gehe ich im Rahmen dieser Arbeit noch ein.

Die Beschäftigung mit der Orgonomie – und damit mit der Lebensenergie – ist unmöglich von der Beschäftigung mit dem eigenen Denken und Fühlen, den Manifestationen der Lebensenergie im eigenen Organismus, zu trennen. Voraussetzung für den praktischen Nachvollzug der Entdeckung der Orgonenergie ist die biologische Funktionsfähigkeit des forschenden Organismus. Ein Wissenschaftler der – vielleicht ohne es zu wissen – unfähig ist, das natürliche Funktionieren der Lebensenergie im eigenen Körper zu erleben, sich im Orgasmusreflex gänzlich hinzugeben, also das unwillkürliche, konvulsive Zucken des gesamten Körpers zuzulassen, kann unmöglich über eben diesen Orgasmusreflex und dessen bioenergetische Grundlage wissenschaftlich urteilen. Hierin liegt sicher ein Grund, warum bisher nur so wenige versucht haben, die Orgonomie sachlich zu behandeln. Mich persönlich führte die Beschäftigung mit der Orgonomie schließlich zur Einsicht in die eigene Neurose und damit zur Einsicht in die Notwendigkeit einer Orgontherapie mit dem Therapieziel: Herstellung des Orgasmusreflexes (orgastische Potenz). Da es gegenwärtig in Europa lediglich einen Orgontherapeuten gibt, muß ich eine längere Wartezeit in Kauf nehmen und kann daher die praktische Erfahrung einer Orgontherapie in diese Arbeit noch nicht einbeziehen.

Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Entdeckung der Orgonenergie darzustellen und dem Leser einen ersten Eindruck zu vermitteln, wie die Orgonenergie funktioniert. Es ist nur allzu verständlich, daß viele Fragen auftauchen werden, die nicht alle in dieser Arbeit behandelt werden können. Die Entdeckung der Orgonenergie kann heute nur sehr schwer systematisch nachvollzogen werden. Einer der Gründe hierfür liegt in der Tatsache, daß die umfangreichen Veröffentlichungen, die sich auf einen Zeitraum von ca. 30 Jahren verteilen, infolge verschiedener politischer und sozialer Umstände nur sehr schwer zugänglich sind. Es wurde in den USA, wo Reich seit 1939 arbeitete, während der fünfziger Jahre die Verbreitung orgonomischer Literatur ebenso wie die Verbreitung sexualpolitischer Schriften in Nazi-Deutschland gerichtlich verboten. In Deutschland sind viele Schriften Reichs zur Orgonomie heute noch nicht veröffentlicht. Daher war es mir auch nicht möglich, Reichs Arbeit Contact with Space in diese Darstellung einzubeziehen.3 Ein Lehrbuch zur Einführung in die Orgonomie existiert nicht, und die vorliegende Arbeit kann die mühsame Auseinandersetzung mit der Originalliteratur nicht ersetzen. Das Ziel dieser Arbeit wäre erreicht, wenn der Leser zu näherer Beschäftigung mit der Orgonomie motiviert würde und somit an einer sachlichen Diskussion über die Orgonenergie teilnehmen könnte.

 

Fußnoten

  1. Vgl. z.B. Rycroft, Charles, Wilhelm Reich, München 1972, S. 92.
    Die These, Reich sei schizophren gewesen und bei der Orgonomie handele es sich um pseudowissenschaftliche Wahnwelten, wurde noch im März 1977 in einer vom WDR ausgestrahlten Rundfunksendung vertreten. Aus dem Manuskript von Marianne Lienau geht hervor, daß sie ihre Aussage auf die Reich-Biographie von Ilse Ollendorff-Reich stützt. Ollendorff-Reich gibt aber deutlich zu verstehen, daß sie selber von der Existenz und Nützlichkeit der Orgonenergie überzeugt ist. Vgl. Ollendorff-Reich, I., Wilhelm Reich, München 1975, S. 165. Sie bezeichnet lediglich einige von Reichs Ideen in den fünfziger Jahren, also rund 12 Jahre nach Entdeckung der Orgonenergie, als paranoid, z.B. daß Reich glaubte, der Prozeß gegen ihn sei von den Sowjets angezettelt, und die amerikanische Regierung stünde auf seiner Seite und bewache ihn ständig. (Vgl. ebenda S. 196). Eine derartige Verdrehung von Aussagen durch den WDR kann als schlecht recherchierte Sendung abgetan werden. Meiner Auffassung nach stellt sie jedoch ein typisches Beispiel für die Rufmordkampagne gegen die Orgonomie dar. In einem Antwortbrief teilte mir die Autorin mit, sie habe sich kaum mit Orgonomie befaßt.
  2. Kelley bemerkt zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Orgonomie: „Was hat die traditionelle Wissenschaft getan, um Reichs Behauptungen zu widerlegen oder in Zweifel zu ziehen? In den mehr als 20 Jahren, seit Reich die Entdeckung der Orgonenergie verkündet hat, wurde niemals eine glaubwürdige Wiederholung irgendeines kritischen Orgonexperiments veröffentlicht, die Reichs Ergebnisse widerlegte. Dr. Bernard Grad wiederholte und bestätigte Reichs ‚Experiment XX‘. Wer hat es widerlegt? Ich wiederholte und bestätigte seine Wetterkontrollversuche. Wer hat diese widerlegt? Tatsache ist, trotz (und teilweise auch wegen) Spott, Verleumdungen und Versuchen der Orthodoxen, Reich und die Orgonomie zu ‚begraben‘, gibt es keine Gegenbeweise zu seinen Experimenten in einer wissenschaftlichen Publikation, geschweige denn eine systematische Widerlegung der Bände an wissenschaftlicher Arbeit, die ihren Standpunkt unterstützen.“ Aus: Kelley, Ch. R., What is Orgone Energy, Raubdruck, S. 72f [Zitat übersetzt von PN]. Bei dem Raubdruck handelt es sich um einen Vortrag aus dem Jahre 1962.
  3. Inzwischen habe ich von der Möglichkeit erfahren, diese Schrift in englischer Ausgabe über einen österreichischen Alternativ-Verlag zu beziehen.

Filmkritik: Der neue Reich-Film

28. Juli 2018

von Robert (Berlin)

In den Räumen der Sigmund-Freud Privatuniversität des riesigen Tempelhofer Flughafengebäudes gab es am 26. Juli 2018 die deutsche Erstaufführung des Films „Love, Work and Knowledge. The life and trials of Wilhelm Reich“.

Am Empfang gab es gleich einen netten Stoffbeutel mit Infomaterial. Für Essen (Knabbereien) und Getränke war obendrein gesorgt. Der Film wurde wegen hoher Anmeldezahlen in zwei Räumen gezeigt.

Augenblicklich erkannte ich die Koryphäen Bernd Senf und Heike Buhl. Nach einer kurzen Einführung durch einen Studenten ging es los.

Der Film selbst hat die Lauflänge von 110 min, was ziemlich mühevoll war. Da der Film in Englisch ist, war hier die Sprecherin von besonderer Bedeutung. Aber sie sprach leider ziemlich verwaschen, wie mir meine Nachbarin bestätigte, was das Verstehen noch schwieriger machte.

Einige Schwerpunkte im Film waren der Konflikt mit Freud und der Verfolgung durch das FBI. Es wurden viele unbekannte Fotos und Filmclips gezeigt, häufig war die Stimme von Reich selbst zu hören. Reich filmte selbst Aufmärsche der KPD. Seiner Zeit als Psychoanalytiker wurde viel Platz geschenkt, aber ob Aussagen von heutigen linken Psychoanalytikern oder eines abgehalfterten Soziologen wirklich so wichtig sind, bezweifle ich.

Der Zeit mit Elsa Lindenberg wurde viel Platz gegeben. Besonders manche Fotos von Reich zeigen ihn von einer mir bisher unbekannten, ausdrucksvollen Art. Weiterhin wurden unbekannte Fotos seiner Familie und Mitarbeiter gezeigt. Teile der Funktion des Orgasmus und People in Trouble scheinen von Reich vor der Publikation auf Magnetband gesprochen zu sein, wie im Film zu hören war.

Sehr interessant ebenfalls spätere Aufnahmen und Filmclips vom Orgonmotor, den Mäuseexperimenten und dem ersten Bau des ORAC, häufig in Farbe. Jedoch ist die amerikanische Periode sehr stark der Verfolgung und dem Prozess gewidmet. Hier fehlte mir einiges, so z.B. die therapeutische Entwicklung.

Leider ist der gesamte Film mit einem traurig klingenden Streichinstrument unterlegt, was eine bedrückende Atmosphäre hinterlässt. Da doch einige Punkte von Reichs Leben wegfielen, ist zu fragen, ob der Film nicht besser in zwei oder drei Teilen hätte gedreht werden sollen. Desgleichen der Schnitt erschien seltsam unausgegoren, manchmal erschienen Szenen aus späteren Zeiten, die Kohärenz war mir nicht ersichtlich. Im Abspann merkte man, dass eine starke Linksdrift vorhanden war, das ACO tauchte nicht auf. Morton Herskowitz wurde mehrmals mit seinen Aussagen wiedergegeben.

Bei der anschließenden Diskussion war ich nicht mehr dabei.

Fazit: Der Film überzeugt mit viel neuem Material. Insgesamt ist er etwas lückenhaft und manchmal wieder weitschweifig. Allerdings bin ich nicht in Lage, alles korrekt zu beurteilen, weil meine Englischkenntnisse verbesserungswürdig sind. Eine Teilnehmerin meinte, Untertitel (in Englisch) wären gut gewesen.

Pseudo-Orgonomen und ihr Kult des Unbedingten

30. Juni 2018

Politik löst keine Probleme, sie ist das Problem. Dabei geht es um die Einseitigkeit, Beschränktheit, die Unfähigkeit, über den Rand der eigenen Charakterstruktur hinauszusehen. Man betrachte nur das bizarre Ritual der Bundestagsdebatten, wo immer nur die eigene Partei klatscht. Man sieht immer nur die Gegensätze, nie das zugrundeliegende einheitliche Funktionsprinzip.

Die Untergang des Deutschen Reiches war unausweichlich, weil Stalin ein Trotzkist war und Hitler ein Nationalsozialist. Ganz nach Trotzkis Konzept war die Sowjetunion ein militärisch durchorganisiertes Land, dessen Ökonomie nur eine Funktion hatte: die von Trotzki geschaffene Rote Armee mit Offensivwaffen auszustatten und mit ihrer Hilfe die Grenzen der Union der Räte zu allen Meeresküsten des eurasischen Kontinents wenn nötig mit militärischer Gewalt vorzuschieben und schließlich den Planeten zu erobern. Wer etwas anderes glaubt, ist schlichtweg ein Idiot. Hitlers Krieg hat diesen Plan, den Durchbruch zum Atlantik, durchkreuzt. Die Sowjets, die sich in ihrer Hegelianischen Geschichtsmetaphysik auf dem Vormarsch und „die Reaktion“ auf dem Rückzug sahen, hatten sich gar nicht auf einen Abwehrkampf vorbereitet, so daß Hitler den Krieg hätte gewinnen müssen, wäre er nicht durch seinen rassistischen Wahn geblendet gewesen, der ihn in den „arischen“ Engländern natürliche Freunde, in den Juden natürliche Feinde und in den Slawen natürliche „Sklaven“ hat sehen lassen.

Stalin ein Trotzkist? „Ja, aber…“ Der Pseudo-Orgonom ist unfähig dialektisch (funktionell) zu denken! Liest der Pseudo-Orgonom die obigen Ausführungen, rastet er aus, denn in seinen Augen kann Hitler keinen „Abwehrkampf“ geführt haben und war Stalin ein nationalistisches Monster, ein zweiter Hitler. Beide seien absolut böse und sonst nichts. Und die Alliierten (die Alliierten Stalins!) waren die absolut Guten. Dieses widersprüchliche Wahngebäude wird uns dann als „Orgonomie“ verkauft! (Nebenbemerkung: Man lese die Ausgabe der Massenpsychologie des Faschismus von 1946, eine der vermeintlichen Hauptquellen des besagten Wahns: Reichs demonstratives Desinteresse am Zweiten Weltkrieg, seine offensichtliche Verachtung für den „Überlebenskampf“ der UdSSR und sein Diktum, daß man Faschisten in allen Lagern findet.)

So in allem: Pseudo-Orgonomen sind prinzipiell nicht in der Lage differenziert (funktionell) zu denken und bioenergetische Spannung auszuhalten: In ihren Augen gibt es keine Rassen, d.h. der Mensch ist plötzlich in dieser Hinsicht kein „Menschentier“ mehr! Andererseits sind wir „Menschentiere“ und daher sei die Genderideologie vollkommen falsch, so als gäbe es keine Grade von Männlichkeit und Weiblichkeit! Alles Mystische ist von vornherein Unsinn, d.h. weil die Pseudo-Orgonomen selbst „geistlos“ sind, muß auch die Welt „geistlos“ sein. Gnadenlos reduzieren sie alles auf mechanische „Ätherströme“. Der Mechanismus wird ebenfalls negiert, so als wäre unsere gesamte alltägliche Umwelt nicht durch und durch mechanisch! Daß man das Mechanische energetisch erklären müßte, kommt ihnen nicht in den Sinn, stattdessen leugnen sie beispielsweise die Existenz von Photonen und sogar von Atomen und alles löst sich in Wellen und einer mystischen „Energie“ auf. Daß Photonen und Atome ganz im Gegenteil unmittelbarer Ausdruck der Orgonenergie sind geht über ihren beschränkten Horizont.

Wenn man ihnen sagt, daß JEDER irgendwo Recht hat, sieht man in ihren Augen schiere Panik aufsteigen, denn ihre „Orgonomie“ ist ein Kanon fixer Glaubenswahrheiten. Sie sind nicht Eigner ihrer selbst, sondern von „orgonomischen“ Wahnideen, von Dämonen Besessene.