Posts Tagged ‘Wilhelm Reich’

nachrichtenbrief170

13. September 2020

Buchrezension: THE INVASION OF COMPULSORY SEX-MORALITY von Wilhelm Reich (Teil 2)

3. August 2020

von Paul Mathews, Brooklyn, N.Y.

 

Eine relevante Frage ist, warum dieses Buch zu dieser Zeit hätte veröffentlicht werden sollen, sogar vor solchen Werken wie Menschen im Staat (das Reichs Thesen über den Roten Faschismus und das Freiheitshausieren, die in Christusmord dargelegt wurden, ergänzt und mit historischem Material konkretisiert) und Der Krebs (das eines der Eckpfeiler von Reichs orgonomischen Erkenntnissen darstellt).

Mit den vorstehenden Fragen und Vorbehalten beabsichtige ich nicht, den Wert dieses Buches in seinem Kontext herabzumindern. Es ist eine brillante Analyse des Prozesses, der beim Übergang von einem natürlichen, sexuell bejahenden Matriarchat* zu einem sexuell verneinenden Patriarchat stattfindet. Reich hat dabei die klassischen Mythenfunde Bachofens über das Matriarchat und die sexuelle Freiheit genutzt; Morgans Studien über das irokesische Patriarchat und ihr Kreuz-Vetter-Basen-Ehesystem sowie dessen Erkenntnisse über den natürlichen Inzest unter den natürlich organisierten Urhorden; Engels Schlussfolgerungen über das Matriarchat als dem natürlichen Zustand des Menschen; Roheims unabsichtliche Bestätigung von Kreuz-Vetter-Basen-Ehen unter den australischen Ureinwohnern als Merkmal des sexuell verneinenden Patriarchats; und vor allem Malinowskis Studien über das Matriarchat (sic) der Trobriander.

Aus diesen Erkenntnissen schloss Reich, dass das Inzesttabu einen sozialen Ursprung hat. Er stellte fest, dass die ursprünglich inzestuösen matriarchalen Stämme – mit Brüdern und Schwestern als Partner, die gemeinsam Kinder haben – sich in feindselige Clans aufspalteten. Als die Clans sich anfreundeten, wurde die Heirat innerhalb des Clans ausgeschlossen zugunsten von Ehen außerhalb des Clans, was bestimmte Vorteile bot, wie zum Beispiel das Hochzeitsgeschenk. Diese Kreuz-Vetter-Basen-Ehen waren besonders für polygame Häuptlinge von Vorteil, die von den männlichen Verwandten ihrer Frauen großen Reichtum abgreifen konnten. Die Trobriand-Studie bot wertvolle Einblicke in die Verhaltensmuster einer relativ gesünderen Gesellschaft und in die Übergangsprozesse, die vom sexuell bejahenden Matriarchat zu seinem Gegenteil – dem sexuell verneinenden Patriarchat – führen. Reich zeigt, wie die Einbringung eines wirtschaftlichen Faktors in das Trobiand-Muster zu einer genitalen Unterdrückung der Häuptlingstöchter um „guter“ (wirtschaftlich vorteilhafter) Ehen willen führte, die dem Häuptling sowohl sein Heiratsgeschenk an den Ehemann seiner Schwester als auch die Geschenke der anderen männlichen Verwandten zurückbrachten. Damit wird der Weg von der genitalen Unterdrückung zu sexueller Stauung und Neurosen eröffnet, und wir haben den Durchbruch bzw. den „Einbruch“ des sexuellen Moralismus, der sich in den nachfolgenden Generationen fortsetzt. Mit diesen Erkenntnissen widerlegt Reich sowohl Engels Theorie der natürlichen Auslese als auch Freuds Hypothese, dass die aus der Ermordung des Urvaters (Totem und Tabu) resultierende Schuld der Ursprung des Inzesttabus ist.

 

Anmerkungen

* Der englische Text macht keinen Unterschied zwischen matriarchalen und matrilinearen Gesellschaften, obwohl sie natürlich ganz unterschiedlich sind.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 6 (1972), Nr. 1, S. 120-123.
Übersetzt von Robert (Berlin).

nachrichtenbrief160

5. Juli 2020

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Einführung

23. Juni 2020

 

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Einführung

nachrichtenbrief157

14. Juni 2020

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 69

29. Mai 2020

orgonometrieteil12

69. Die Orgonomie weiterentwickeln, gar überwinden?

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Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 58

7. März 2020

orgonometrieteil12

 

58. Von Freuds „Libido“ zu Reichs „Orgon“

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Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 57

5. März 2020

orgonometrieteil12

57. Freud und Reich

WR gleich Weltrevolution (Teil 1)

20. Februar 2020

Man überliest leicht, wie tief und wie weltumstürzend das war, was Reich geschrieben hat. Nehmen wir etwa folgende Aussage, die unserer gesamten bürgerlichen Gesellschaft den Boden unter den Füßen wegzieht:

Wenn homo normalis wirklich so normal ist. wie er behauptet; wenn er wirklich meint, daß Selbstverwirklichung und Wahrhaftigkeit die höchsten Werte individuellen und sozialen Lebens sind, dann sollte er doch (…) fähig und willens sein (…), sich vor sich selbst und vor seinem Therapeuten zu öffnen. Irgendetwas in der Struktur des homo normalis muß grundsätzlich nicht stimmen, wenn man die Wahrheit so schwer aus ihm herausbekommt. Würde man wie die angepaßten Psychoanalytiker erklären, daß das ganz in Ordnung sei, weil es ihm sonst unmöglich wäre, dem Ansturm all seiner Emotionen standzuhalten, so wäre dies gleichbedeutend mit völliger Resignation in Hinsicht auf die Verbesserung des menschlichen Schicksals. Man kann nicht die Verbesserung der Lebensbedingungen auf ein tieferes Wissen von der Seele des Menschen gründen und zugleich dessen Weigerung verteidigen, sich zu öffnen. Entweder – oder! Entweder wir vergrößern weiterhin unser Wissen vom Menschen und müssen dann auch die grundsätzlich ausweichende Haltung des homo normalis ablehnen, oder wir verteidigen diese Haltung und müssen den Anspruch aufgeben, die Seele des Menschen verstehen zu wollen. Es gibt keine andere Alternative. (Charakteranalyse, KiWi, S. 523)

All das Gerede über „Demokratie“ und „Aufklärung“ sind Makulatur, da wir nicht nur in der Lüge leben, sondern selbst eine Lüge sind; wir haben nicht nur Abwehrmechanismen, wir sind Abwehrmechanismen, d.h. bestehen nur aus Widerstand, unser Charakter selbst ist der Widerstand. Man spricht gemeinhin von „Charaktermaske“: uns selbst und anderen spielen wir nur etwas vor, schwatzen aber von Selbstverwirklichung und Wahrhaftigkeit, Demokratie und Freiheit! In jeder Orgontherapie-Sitzung bricht dieses ganze Lügengebäude zusammen, das alle, d.h. sowohl die Vertreter dieser Gesellschaft als auch ihre Kritiker, aufrechterhalten. Sollte die „Revolution“ erfolgreich sein, wird nur das Bühnenbild umgebaut, aber das Schauspiel, die Tragikomödie, die die Schauspieler (Charaktermasken-Träger) mit großem Pomp und Getue aufführen, wird fortgeführt.

Das bedeutet ganz und gar nicht, daß man in Resignation verfallen sollte, was eine gesellschaftliche Veränderung betrifft, wie es die „angepaßten Psychoanalytiker“ getan haben, von wegen „Todestrieb“ und sich in die allgegenwärtige Misere stoisch einpassen. Der Weg zu einer wahren Demokratie, der Arbeitsdemokratie, und zu einer wirklichen Aufklärung, d.h. Einsicht in die Funktionszusammenhänge („Orgonometrie“), kann nur freigemacht werden, wenn die „grundsätzlich ausweichende Haltung des homo normalis“ angegangen wird, das universelle Ausweichen vor dem Wesentlichen, der Zement der gepanzerten Gesellschaft.

Orgonomie-Kritiker

29. Dezember 2019

Was mich mittlerweile bis zur Weißglut nervt und puren HASS in mir hervorruft, sind die Zyniker und ewigen „Bedenkenträger“, die sich in der, for lack of a better word, „Reich-Szene“ tummeln. Ständig ziehen sie die Handbremse, wenn es darum geht irgendwas vorwärtszubringen und sei es nur einen Gedankengang zu entwickeln. Einwände werden vorgebracht, die schon vor Jahrzehnten abgehandelt worden sind, und irgendwelche Verwerfungen, die sich vor Jahrzehnten zugetragen haben, werden ans Licht gezerrt, als wenn wir heutigen das damalige Geschehen sinnvoll „aufarbeiten“ könnten. Das Perfide ist, daß diese Einwürfe unglaublich rational („kritisch“) wirken, daß sie aber tatsächlich (wenn man nur einen unverstellten, offenen Blick hat!) vollständig irrational sind. Das sieht man auch daran, daß die „Kritiker“ nichts voranbringen, sondern ganz im Gegenteil alle Arbeit zum Erliegen bringen. Und das ist auch das wahre Motiv dieser Leute, die selbst NICHTS, aber auch rein gar nichts zuwege bringen.

Der ganze Komplex erinnert mich immer an „Israel-Kritik“. Israel kann wahrhaftig auf seine „Kritiker“ gerne verzichten. Die unterstreichen zwar immer wieder keine Antisemiten zu sein, doch wenn man ihre „Kritiken“ zuende denkt (d.h. funktionell denkt), dann führen diese, sollte Israel ihnen jemals folgen, stets unweigerlich in der Vernichtung des jüdischen Staates. Überhaupt „Israel-Kritik“ – ich glaube es hackt! Reflexartig heißt es dann, eben weil Israel ein Teil der freien Welt ist, müsse man an das Land höhere Ansprüche stellen. Nochmal: Ich glaube es hackt! In Wirklichkeit ist das nichts anderes als Verrat an einem Bundesgenossen! Dreckiger Verrat, der sich das Mäntelchen einer höheren Moral umhängt. Desgleichen mit den „Kritikern der Orgonomie“: die Illoyalität verschlägt einem den Atem, zumal sie sich einen „orgonomischen“ Anstrich gibt!

Was wir hier diskutieren, ist nichts anderes als Emotionelle Pest: destruktives Handeln unter dem Vorwand konstruktiv zu sein. Dazu gehört auch das, was man als „emotionale Vergiftung“ bezeichnen könnte. Es ist so, als wenn die BBC bei der Übertragung der Geburtstagsparade der Queen in einem fort über die dunklen Aspekte von Elisabeths Lebensgeschichte, des Königshauses und der gegenwärtigen Parade selbst Kommentare ablassen würde und dabei mit der Kamera nach Hundekothaufen sucht, den Drogenhandel in den beiliegenden Parks dokumentiert und bei den Pferden nach Verletzungen Ausschau hält. Es wird nicht nur alles mies gemacht, sondern auch mit denkbar schlechten Gefühlen assoziiert, die dann an der Queen hängenbleiben. Exakt so gehen gewisse hassens- und verachtenwerte Subjekte mit Reich und der Orgonomie um! Pestilente Charaktere, die davon leben, daß schwache Menschen aus unbestimmten Schuldgefühlen heraus ihnen gegenüber „tolerant“ sind. „Man muß auch kritische Stimmen zu Worte kommen lassen.“ Einen Scheiß muß ich tun!