Posts Tagged ‘Wilhelm Reich’

Wider die Mythisierung von Reichs letzten Jahren

14. Januar 2019

In der Literatur, die Reich wohlgesonnen ist, finden sich immer wieder vier Behauptungen über die tragischen letzten Jahre von Reichs Leben, die wenig bis nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Es wurden ausschließlich Orgonenergie-Akkumulatoren zerstört, ansonsten aber keine „medizinischen Gerätschaften“ oder gar wissenschaftliche Instrumente Reichs. Man hört sogar ab und an die FDA hätte sein Labor zertrümmert. Das ist reine Legendenbildung!

Durch die Bücherverbrennungen ist keine Literatur unwiederbringlich verlorengegangen, sondern nur ein ungeheurer finanzieller Schaden entstanden.

Es weist nichts auf einen Mord an einem „kerngesunden“ 60jährigen hin! Reich war jahrzehntelang Kettenraucher gewesen und schon seit Jahren schwer herzkrank. Sicherlich hat sein Gefängnisaufenthalt und damit einhergehende energetische Kontraktion zu seinem Tod beigetragen. Seine letzte Gefährtin, Aurora Karrer schrieb: „Er hätte niemals mit einer solchen Herzerkrankung im Gefängnis sein dürfen” (Offshoots of Orgonomy, Nr. 9, 1984, S. 61). Kurioserweise hatte Reich bereits 1927 (sic!) geschrieben, „daß Nikotinabusus Coronararteriensklerose und dadurch frühzeitigen Tod bedingen kann“ (Die Funktion des Orgasmus, S. 65f).

An anderer Stelle schrieb er 1927:

Meine eigenen Beobachtungen bei der Nikotinvergiftung, die ich wiederholt machen konnte, lassen keinen Zweifel darüber, daß sich im Augenblicke der Asystolie vor der Tachykardie eine Angstempfindung einstellt, die erst sekundär und nur bei längerem Bestande der intensiver werdenden Arrhythmie und Tachykardie mit dem Vorstellungsinhalt „Sterben – Tod” erfüllt wird. (ebd., S. 89)

Die orgonomischen Organisationen wurden nicht verboten, sondern auf Reichs eigenen Wunsch hin aufgelöst. Er wollte, daß die Orgonomie mit neuen Ärzten neu begründet wird. Genau das hat Elsworth F. Baker zehn Jahre nach Reichs Tod getan.

Chronik der Orgonomie (Teil 1)

7. Januar 2019

ChronikderOrgonomie

Ich habe den ersten Teil meiner 414seitigen Reich-Biographie überarbeitet:

CHRONIK DER ORGONOMIE 1897-1939

Blogeinträge September/Oktober 2015

26. Dezember 2018

Charles Konia über die pseudo-liberale Gesellschaft:

September/Oktober 2015

  • Der drohende Untergang des Zweiparteiensystems
  • Apropos Klimawandel
  • Was ist funktionelles Denken?
  • Der Zusammenbruch der Trennung zwischen Kirche und Staat
  • Die neue Moral
  • Die Entartung des genuin Liberalen zum Pseudo-Liberalen/Kommunismus

Das Projekt „Children of the Future” des „Orgonomic Infant Research Center” (O.I.R.C.) (Teil 2)

24. Dezember 2018

von Bernd Laska

Das Orgonomische Säuglingsforschungszentrum (nach OEB II/4) (Fortsetzung)

Alle bisherigen Ansichten über Erziehung hatten Anpassung an die speziellen nationalen, religiösen, rassischen oder sonstwelchen Ideale zur Grundlage und zum Ziel … Gesundheit und Normalitat wurden gleichgesetzt … ein Katholik hat da andere Vorstellungen als ein Hindu, ein Moslem andere als ein Liberaler, und im heutigen Rußland soll das Kind „wie Stalin“ werden… … Alle diese Ansichten haben eines gemein: DIE VÖLLIGE AUSSERACHTLASSUNG DER NATUR DES KINDES. Gesundheit, Normalitat sind nach Interessen definiert, die außerhalb des Bereichs der Entwicklung von Kindern liegen. Diese Ansichten beginnen damit, was ein Kind sein SOLL, und nicht mit der Frage, was ein Neugeborenes IST …

… Das Neugeborene ist nicht, wie irrtümlicherweise oft angenommen wird, ein leerer Sack oder eine chemische Maschine, in die jeder seine Ideen, was ein Mensch zu sein hat, hineinschütten kann. Es bringt ein enorm produktives und adaptives Energiesystem mit auf die Welt, das aus eigenem Antrieb Kontakt mit seiner Umgebung herstellt und anfängt, diese nach seinen Bedürfnissen zu gestalten. Die grundlegende und wichtigste Aufgabe jeder Erziehung, die vom Interesse am Kind geleitet ist und nicht im Dienst von Parteiprogrammen, Profit, Kirche o.ä. steht, besteht darin, jedes Hindernis zu entfernen, das dieser naturgegebenen Produktivität und Gestaltungsfähigkeit der biologischen Energie im Wege steht … Diese Kinder werden ihre eigenen Wege zu wählen haben und ihre eigenen Ziele bestimmen. Wir müssen von ihnen lernen statt ihnen unsere verqueren Ideen und bösartigen Praktiken aufzuzwingen, die sich in jeder neuen Generation immer wieder als äußert schädlich erwiesen haben …

… LASSEN WIR DIE KINDER SELBST UBER IHRE ZUKUNFT ENTSCHEIDEN! Unsere Aufgabe besteht darin, sie dazu zu befähigen und ihre natürliche Fähigkeit dazu nicht zu zerstören … Wir haben kein Recht, unseren Kindern zu sagen, wie sie ihre Zukunft bauen sollen; wir können unseren Kindern nur so genau wie möglich sagen, wo und wie wir gescheitert sind …

Die Arbeit des OIRC bestand aus vier Teilbereichen:

  1. Pränatale Fürsorge für gesunde, schwangere Frauen: Sexualökonomische Beratung beider Eltern; Routineuntersuchungen; Vermeidung von Dingen, die schädigend auf den Embryo wirken können, wie zu enge Gürtel, mangelnde orgastische Entladung usw.
    Benutzung des Orgonakkumulators während der Schwangerschaft. Regelmäßige sorgfältige Untersuchung des bioenergetischen Verhaltens des Organismus, insbesondere des Beckens. Untersucht werden sollte, welchen Einfluß Depressionen, gestauter Haß usw. auf den Embryo haben, worüber so gut wie nichts bekannt ist.
  2. Sorgfältige Überwachung der Geburt und der ersten Lebenstage des Neugeborenen: Diese Zeit ist sehr entscheidend in der Entwicklung; die meisten chronischen oder melancholischen Depressionen entwickeln sich aus so früher Frustration. Die fehlerhafte Entwicklung der Wahrnehmungsfunktion während der ersten sechs Wochen sind die Ursachen für die Entwicklung der schizophrenen Spaltung oder eines schizoiden Charakters. Die größte Schwierigkeit ist hier unsere geringe Kenntnis der bioenergetischen Ausdrucksweise des Neugeborenen.
  3. Verhinderung der Bildung eines Charakterpanzers in den ersten fünf bis sechs Jahren: Auch hierüber war klinisch wenig bekannt. Wir konnten erwarten, daß es ein Unterschied war, ob wir bereits stark gepanzerte Kinder zu behandeln hatten, oder ob wir das Beginnen der Panzerbildung in einem anderweitig sich natürlich entwickelnden Kind erkennen sollten. Es war nichts bekannt, welche Charakterzüge im Säuglingsalter infolge früher Panzerung und welche infolge natürlichen Lebensausdruckes auftreten. In den letzten Jahren hatten wir einige Kinder nach dem Prinzip der Selbstregulation aufwachsen sehen. Diese Kinder waren in ihrem Wachstum und in ihrer Entwicklung so wenig wie möglich durch Einflüsse von Kultur, Kirche, Staat o.a. behindert worden. Sie waren für uns die besten Lehrer; wir lernten mehr über Biologie und Selbstregulation als in dreißig Jahren Arbeit als Psychiater und Ärzte. Es war, im Ganzen gesehen, wie ein Blick in das „gelobte Land“. Es war außerdem eine Lektion darüber, was die emotionale Pest des Menschen am Menschen anrichtet. Diese Kinder entwickelten unterschiedliche charakterliche Reaktionen. Es war uns nicht bekannt, inwieweit dies gesetzmäßige, biologische Entwicklungen waren. Von der etablierten Wissenschaft konnten wir keine Hilfe erwarten; wir mußten ganz von vorn anfangen.
  4. Studium und Aufzeichnung der weiteren Entwicklung dieser Kinder bis zum Abschluß der Pubertät.

Aus diesem Plan ist leicht ersichtlich, daß dies ein sehr langfristiges Programm war. Die ersten entscheidenden Ergebnisse waren wahrscheinlich erst in zehn bis fünfzehn Jahren zu erwarten.

Was aus dem Projekt „Kinder der Zukunft“ geworden ist, ist mir nicht bekannt. Wahrscheinlich ist es infolge der bald einsetzenden Verfolgung Reichs, des Prozesses und schließlich seines Todes abgebrochen worden. Jedenfalls ist meines Wissens nichts mehr darüber publiziert worden (B.L.).

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Aus: Wilhelm Reich Blätter 1/76N.

Zwei Fehlinterpretationen über Wilhelm Reich

15. Oktober 2018

Es wird häufig so dargestellt, daß Reich keine Kritik ertrug, sich mit Ja-Sagern umgab und paranoid war, insbesondere was die „kommunistische Verschwörung“ gegen ihn betraf. Liest man das mittlerweile posthum erschienene Material, die Erinnerungen von Myron Sharaf und Elsworth F. Baker, die nicht nur engsten Umgang mit Reich hatten, sondern zeitlebens ihre entsprechenden Erfahrungen mit Reichs übrigem Umfeld austauschen konnten (Baker behandelte sogar Familienmitglieder Reichs psychotherapeutisch!), zeigt sich ein differenzierteres Bild.

Beispielsweise konnte Reich aus rein arbeitsökonomischen und nicht zuletzt auch finanziellen Gründen unmöglich auf jeden (vermeintlich) „wissenschaftlichen“ Einwand eingehen und bei seinen Versuchen bis zum Exzeß alle Faktoren kontrollieren. Dann wäre er nämlich zeitlebens nicht über die „bioelektrischen Versuche“ hinausgekommen.

Zweitens war Reich anfangs in seiner Herangehensweise extrem liberal und „basisdemokratisch“, ohne jedwede hierarchische Grenzen. Um so schmerzhafter müssen die erwähnten (und andere) „neunmalklugen“ Einwände auf ihn gewirkt, haben, die von Leuten kamen, die definitiv nicht wichtig waren, nicht wirklich von Belang waren.

Drittens hat Reich sehr wohl Einwände zur Kenntnis genommen, wenn sie von Leuten stammten, die sich zumindest annäherungsweise auf seinem Niveau bewegten. Dies gilt insbesondere was seinen Umgang mit der Food and Drug Administration und der „roten Verschwörung“ betraf. Ein Paranoiker hätte den Einwand von Leuten wie Sharaf, Raphael und Baker, es handele sich „nur“ um eine „emotionale Verschwörung“, jedoch nicht um eine „Verschwörung“ im üblichen Sinne, zornentbrannt vom Tisch gewischt, statt zu sagen (ich paraphrasiere): „Mag sein, daß Sie recht haben!“ Kurioserweise kann man heute argumentieren, daß Reich nicht „paranoid“ genug war, da er die kommunistische Verschwörung, etwa die Rolle von Arthur Garfield Hays und Felix Frankfurter, gar nicht in ihrem ganzen Ausmaß sah (siehe Der Rote Faden).

Zusammengefaßt: Reich war kein Idiot, wie manche untergründig insinuieren!

Blogeinträge August-Oktober 2014

9. Oktober 2018

Charles Konia über den roten und shwarzen Faschismus:

August-Oktober 2014

  • Es reicht nicht Obama zur Rede zu stellen
  • Die Funktion von Terroristen und Terrorismus verstehen
  • Die Organisation des schwarz-faschistischen Staates
  • Ein College-Kurs über sozio-politische Orgonomie
  • Die Entwicklung des okularen Panzers bei Säuglingen
  • Ebola und ISIS

Der verdrängte Christus: 24. Freuds Christusmord

19. September 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

24. Freuds Christusmord

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie (Teil 1)

5. September 2018

Klaus Heimann (Philipps-Universität Marburg/Lahn 1977, gepostet mit der freundlichen Genehmigung des Autors)

Einleitung

In Deutschland ist wenig echtes Wissen über die Orgonomie bekannt. Sie ist die Wissenschaft von der primordialen, kosmischen Energie, Orgonenergie genannt, die universell gegenwärtig ist und in den Lebewesen als biologische Energie funktioniert. Die Orgonomie erhebt den Anspruch, Naturwissenschaft zu sein. Obwohl ihr noch Pioniercharakter anhaftet, beruhen ihre Grundlagen auf klinisch-empirisch gut begründeten Thesen und aus Experimenten gewonnenen Einsichten. Das Stadium der bloßen Spekulation ist längst überwunden, was natürlich nicht heißt, daß es keine offenen, unbeantworteten Fragen mehr gibt.

Die Entdeckung der Orgonenergie in den Jahren 1936 bis 1939 und ihre weitere Erforschung ist im Wesentlichen das Werk Wilhelm Reichs. Reich begann seine wissenschaftliche Laufbahn als Mitglied der damals von Freud geleiteten Wiener psychoanalytischen Gesellschaft, in die er 1920 noch als Student auf Grund klinischer und theoretischer Beiträge aufgenommen wurde. Die konsequente Verfolgung tiefenpsychologischer Fragestellungen und Probleme führte zunächst zum Versuch einer Synthesebildung zwischen Psychoanalyse und Marxismus, später dann zur Entdeckung der Orgonenergie. Reichs Schriften, die lange Zeit in Vergessenheit geraten waren, wurden in der Studentenbewegung neu verlegt. Sie bildeten einen der theoretischen Stützpfeiler für die Forderungen nach Abschaffung der autoritär-patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen.

Jedoch erhielt die Ablehnung der Orgonomie durch die meisten von Reichs Zeitgenossen während der Studentenbewegung in Deutschland eine schicksalhafte Neuauflage. Die Reich-Renaissance der späten sechziger Jahre beschränkte sich auf seine frühen Schriften, die sich mit dem Zusammenhang von Sexualität und Politik befassen. Die Orgonomie wurde weiterhin ungeprüft abgelehnt.

In zahlreichen Gesprächen mit jungen, engagierten Intellektuellen zeigte sich, daß niemand, der sich mit dem frühen sexualpolitischen Schriften Reichs befaßt hatte, den logischen Schritt zur Beschäftigung mit der Orgonomie vollzogen hat. Mehrere Positionen lassen sich zusammenfassen.

  • „Ich weiß nichts über Orgonomie, ich kann da nichts zu sagen.“ Vertreter dieser Gruppe diskutieren ungeniert auf der Grundlage der sexualpolitischen Schriften Reichs Fragen zur Erziehung und Sexualität. Dieses anachronistisch anmutende Vorgehen ist in etwa vergleichbar dem Verhalten eines Mathematikers, der trotz Entdeckung der Computertechnik schwierige mathematische Aufgaben mit dem Rechenschieber zu lösen versucht, weil die neuen Erkenntnisse noch nicht Allgemeingut geworden sind.
  • „Wenn da was dran wäre, hätte schon längst jemand etwas gemerkt. Schließlich wird die Orgonomie ja von führenden Wissenschaftlern (klugen Köpfen!?) abgelehnt.“ Diese Aussage trifft oft gepaart mit einer anderen, im Folgenden beschriebenen Haltung auf.
  • „Reich stand unter dem Einfluß einer beginnenden Schizophrenie, als er sich mit der kosmischen Energie befaßte“ (statt als angesehener Therapeut, der er damals war, Geld und Anerkennung nachzujagen). Die Thesen der Orgonomie seien ja auch viel zu absurd, als daß man sich ernsthaft damit auseinandersetzen müßte.1
  • Von marxistischer Seite wird Reich die Aufgabe des Marxismus vorgeworfen. Eine Auseinandersetzung unterbleibt, man verweist in diesen Kreisen ebenfalls auf die vermeintliche Geisteskrankheit Reichs.

Gelegentlich bekam ich auch zu hören, die Orgonomie sei bereits widerlegt, jedoch wußte niemand anzugeben, wo eine wissenschaftliche Kritik nachzulesen ist. Ich selbst habe keine wissenschaftliche Veröffentlichung gefunden, die auf Grund von Überprüfung der Orgonenergie-Experimente zu einer Kritik an den gefundenen Phänomenen gelangt. Im Gegenteil: Wissenschaftler, die einzelne Experimente nachvollzogen haben, bestätigen die Reich’schen Entdeckungen. Darauf werde ich im Verlauf der Darstellung zurückkommen.2

Gegenwärtig mehren sich die Anzeichen für eine sachliche Auseinandersetzung mit der Orgonomie. Seit 1975 gibt eine Wilhelm Reich Studiengruppe in der Bundesrepublik die Wilhelm-Reich-Blätter heraus, die die Information und Diskussion über die Orgonomie zum Ziele haben. Auch existieren inzwischen schon einige Orgonenergie-Akkumulatoren in Deutschland, mit deren Hilfe Experimente nachvollzogen werden können. Ich selbst besitze seit Januar 1977 einen Akkumulator. Auf meine eigenen Erfahrungen gehe ich im Rahmen dieser Arbeit noch ein.

Die Beschäftigung mit der Orgonomie – und damit mit der Lebensenergie – ist unmöglich von der Beschäftigung mit dem eigenen Denken und Fühlen, den Manifestationen der Lebensenergie im eigenen Organismus, zu trennen. Voraussetzung für den praktischen Nachvollzug der Entdeckung der Orgonenergie ist die biologische Funktionsfähigkeit des forschenden Organismus. Ein Wissenschaftler der – vielleicht ohne es zu wissen – unfähig ist, das natürliche Funktionieren der Lebensenergie im eigenen Körper zu erleben, sich im Orgasmusreflex gänzlich hinzugeben, also das unwillkürliche, konvulsive Zucken des gesamten Körpers zuzulassen, kann unmöglich über eben diesen Orgasmusreflex und dessen bioenergetische Grundlage wissenschaftlich urteilen. Hierin liegt sicher ein Grund, warum bisher nur so wenige versucht haben, die Orgonomie sachlich zu behandeln. Mich persönlich führte die Beschäftigung mit der Orgonomie schließlich zur Einsicht in die eigene Neurose und damit zur Einsicht in die Notwendigkeit einer Orgontherapie mit dem Therapieziel: Herstellung des Orgasmusreflexes (orgastische Potenz). Da es gegenwärtig in Europa lediglich einen Orgontherapeuten gibt, muß ich eine längere Wartezeit in Kauf nehmen und kann daher die praktische Erfahrung einer Orgontherapie in diese Arbeit noch nicht einbeziehen.

Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Entdeckung der Orgonenergie darzustellen und dem Leser einen ersten Eindruck zu vermitteln, wie die Orgonenergie funktioniert. Es ist nur allzu verständlich, daß viele Fragen auftauchen werden, die nicht alle in dieser Arbeit behandelt werden können. Die Entdeckung der Orgonenergie kann heute nur sehr schwer systematisch nachvollzogen werden. Einer der Gründe hierfür liegt in der Tatsache, daß die umfangreichen Veröffentlichungen, die sich auf einen Zeitraum von ca. 30 Jahren verteilen, infolge verschiedener politischer und sozialer Umstände nur sehr schwer zugänglich sind. Es wurde in den USA, wo Reich seit 1939 arbeitete, während der fünfziger Jahre die Verbreitung orgonomischer Literatur ebenso wie die Verbreitung sexualpolitischer Schriften in Nazi-Deutschland gerichtlich verboten. In Deutschland sind viele Schriften Reichs zur Orgonomie heute noch nicht veröffentlicht. Daher war es mir auch nicht möglich, Reichs Arbeit Contact with Space in diese Darstellung einzubeziehen.3 Ein Lehrbuch zur Einführung in die Orgonomie existiert nicht, und die vorliegende Arbeit kann die mühsame Auseinandersetzung mit der Originalliteratur nicht ersetzen. Das Ziel dieser Arbeit wäre erreicht, wenn der Leser zu näherer Beschäftigung mit der Orgonomie motiviert würde und somit an einer sachlichen Diskussion über die Orgonenergie teilnehmen könnte.

 

Fußnoten

  1. Vgl. z.B. Rycroft, Charles, Wilhelm Reich, München 1972, S. 92.
    Die These, Reich sei schizophren gewesen und bei der Orgonomie handele es sich um pseudowissenschaftliche Wahnwelten, wurde noch im März 1977 in einer vom WDR ausgestrahlten Rundfunksendung vertreten. Aus dem Manuskript von Marianne Lienau geht hervor, daß sie ihre Aussage auf die Reich-Biographie von Ilse Ollendorff-Reich stützt. Ollendorff-Reich gibt aber deutlich zu verstehen, daß sie selber von der Existenz und Nützlichkeit der Orgonenergie überzeugt ist. Vgl. Ollendorff-Reich, I., Wilhelm Reich, München 1975, S. 165. Sie bezeichnet lediglich einige von Reichs Ideen in den fünfziger Jahren, also rund 12 Jahre nach Entdeckung der Orgonenergie, als paranoid, z.B. daß Reich glaubte, der Prozeß gegen ihn sei von den Sowjets angezettelt, und die amerikanische Regierung stünde auf seiner Seite und bewache ihn ständig. (Vgl. ebenda S. 196). Eine derartige Verdrehung von Aussagen durch den WDR kann als schlecht recherchierte Sendung abgetan werden. Meiner Auffassung nach stellt sie jedoch ein typisches Beispiel für die Rufmordkampagne gegen die Orgonomie dar. In einem Antwortbrief teilte mir die Autorin mit, sie habe sich kaum mit Orgonomie befaßt.
  2. Kelley bemerkt zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Orgonomie: „Was hat die traditionelle Wissenschaft getan, um Reichs Behauptungen zu widerlegen oder in Zweifel zu ziehen? In den mehr als 20 Jahren, seit Reich die Entdeckung der Orgonenergie verkündet hat, wurde niemals eine glaubwürdige Wiederholung irgendeines kritischen Orgonexperiments veröffentlicht, die Reichs Ergebnisse widerlegte. Dr. Bernard Grad wiederholte und bestätigte Reichs ‚Experiment XX‘. Wer hat es widerlegt? Ich wiederholte und bestätigte seine Wetterkontrollversuche. Wer hat diese widerlegt? Tatsache ist, trotz (und teilweise auch wegen) Spott, Verleumdungen und Versuchen der Orthodoxen, Reich und die Orgonomie zu ‚begraben‘, gibt es keine Gegenbeweise zu seinen Experimenten in einer wissenschaftlichen Publikation, geschweige denn eine systematische Widerlegung der Bände an wissenschaftlicher Arbeit, die ihren Standpunkt unterstützen.“ Aus: Kelley, Ch. R., What is Orgone Energy, Raubdruck, S. 72f [Zitat übersetzt von PN]. Bei dem Raubdruck handelt es sich um einen Vortrag aus dem Jahre 1962.
  3. Inzwischen habe ich von der Möglichkeit erfahren, diese Schrift in englischer Ausgabe über einen österreichischen Alternativ-Verlag zu beziehen.

Der siebte Lehrsatz über den Roten Faschismus

28. August 2018

Paul Mathews (Journal of Orgonomy 8/1, 1974)

Im Jahr 1950 schrieb Wilhelm Reich seine „Grundlegenden Lehrsätze über den Roten Faschismus“ nieder in Planet in Trouble (S. 158f, deutsch: Menschen im Staat). Der siebte Lehrsatz besagt:

Der Rote Faschismus [RF] unterscheidet sich von anderen Formen der politischen Verachtung von Tatsachen und der Wahrheit dadurch, daß er jegliche Kontrollmechanismen gegen den Mißbrauch der Macht ausschaltet und damit dem übelsten Politiker zur größtmöglichen Macht verhilft. Es wäre fatal zu glauben, „Friedensverhandlungen“ [oder überhaupt jedwede Verhandlungen – P.M.] seien als solche gemeint, sie können es sein oder auch nicht, je nach momentanem Kalkül. Der RF ist ein Machtapparat, der das Prinzip der Lüge oder der Wahrheit, der Tatsache oder der Entstellung, der Ehrlichkeit oder der Unehrlichkeit stets nur im Sinne der Verschwörung bzw. des Mißbrauchs der menschlichen Bösartigkeit zur Anwendung bringt.

Eine bemerkenswerte aktuelle Überprüfung dieses Grundsatzes erschien in einem Artikel in der New York Times vom 17. September 1973 mit der Überschrift „BRESCHNEW SAGTE ZUR BESCHWICHTIGUNG OSTEUROPAS, DASS ABKOMMEN MIT DEM WESTEN EINE TAKTIK SEIEN“. Der einleitende Absatz lautet:

Nach kürzlich eingetroffenen Geheimdienstberichten hat der sowjetische KP-Chef Leonid I. Breschnew den osteuropäischen Führern gegenüber betont, daß die Bewegung zur Verbesserung der Beziehungen zum Westen eine taktische Neuausrichtung der Politik seien, um in den nächsten 12 bis 15 Jahren die Oberhand zu gewinnen.

Man sollte das besser glauben!

Das Radio in meiner Küche wurde verstellt!

31. Juli 2018

Wilhelm Reich und Hans Hass hatten einen funktionellen Forschungsansatz. Bei der Betrachtung einer Gegebenheit, etwa eines Mikroorganismus unter dem Mikroskop oder eines Korallenriffs beim Tauchgang, geht es weniger um die Gestalt der Dinge, ihre Entwicklungsgeschichte oder gar darum sie richtig mit ihrem lateinischen Namen zu benennen, sondern primär im ihre Funktion. Leider macht die Gewöhnung unser Auge wie blind für die Funktion. Deshalb verbannte Reich jedes Wissen über Mikrobiologie aus seinem Gehirn und weigerte sich, sich in die aktuelle Fachliteratur einzuarbeiten, um sich ganz auf das Funktionelle konzentrieren zu können. Desgleichen Hans Hass, der beispielsweise in seiner anthropologischen Erforschung von Menschenmassen Filme benutzte, die er im Zeitraffer, verlangsamt, rückwärts, etc. abspielte, aus der Vogelperspektive aufnahm, etc. Er wollte so sein Gehirn austricksen und es dazu zwingen auf die Menschen zu blicken, als sei er ein Außerirdischer. Reich sprach vom funktionellen Blickwinkel „aus dem Flugzeug“. Darauf beruht auch die gesamte Ethnographie: der Fremde sieht Dinge, funktionelle Zusammenhänge, für die der Einheimische wie blind ist. Oder nehmen wir Leute, die nach Jahren im Ausland nach Deutschland zurückkehren und denen Dinge auffallen, für die wir vollkommen „betriebsblind“ sind: die wachsende Rücksichtslosigkeit im Alltag, die Überfremdung, der Verfall der Infrastruktur, die Erosion aller Standards, der Dreck auf den Straßen und in den Parks, die schlechte Stimmung und Angespanntheit der Leute, etc.

Seit vielen Jahren höre ich, wenn überhaupt, ausschließlich Deutschlandfunk, weil ich dort weitgehend von „Musik“ verschont werde, jetzt habe ich durch Zufall und weil ich zu faul war, das Radio wieder richtig einzustellen, in der Küche über längere Zeit NDR2 gehört, die neusten Hits. Fremde Klänge, nie zuvor vernommen – und ein Kulturschock. Ein geschmackloser Geräuschbrei und darüber ein Geknödel aus verkrampften Hälsen, das eher an den Toilettengang bei chronischer Verstopfung als an Gesang gemahnt. Neulich habe ich irgendwo den kurzen Kommentar eines Angestellten der Musikindustrie gelesen: das, was man heute im Radio an Sprechgesang-„Musik“ hört, hätte man noch vor 20, wenn nicht 10 Jahren sofort in den Mülleimer geschmissen, wenn das als Demo eingesendet worden wäre. Und das bei Rap-„Musik“, die ohnehin nie besonders anspruchsvoll war! Das Niveau fällt ins Bodenlose.

Hier ein Beispiel aus der Sparte Fäkalmusik:

Genauso geht es mir mit meiner mittlerweile jahrzehntelangen Fernsehabstinenz. Manchmal kriege ich Sekunden- und Minutenfetzen mit. Wer tut sich diesen Dreck nur freiwillig an? Jeder muß doch spüren, daß beim Zuschauen reihenweise Hirnzellen aus Verzweiflung Selbstmord verüben! Und selbst wenn man den Ton abdreht: jeder Schauspieler, insbesondere aber die jungen, wirkt konturlos, ohne jede Persönlichkeit. Bioroboter!

Ein „Außerirdischer“ wie ich sieht die letzten Zuckungen einer sterbenden Kultur.