Posts Tagged ‘Wilhelm Reich’

Frage und Antwort: Sex und Liebe

3. Juni 2019

von David Holbrook, M.D.

 

Frage: Ich höre sehr oft, daß junge Menschen heutzutage weniger an Liebe interessiert sind als frühere Generationen, während sie gleichzeitig sexuell weitaus aktiver sind als frühere Generationen. Wilhelm Reich schrieb über die Bedeutung des Orgasmus im besonderen und das sexuelle Funktionieren im allgemeinen bei der psychischen und körperlichen Gesundheit. Warum scheint es so, daß all die sexuellen Aktivitäten heutzutage die Menschen nicht psychisch gesünder machen?

Antwort: Reichs Entdeckungen werden allgemeinhin dahin mißverstanden, als hätte er behauptet, daß zwischen sexueller Aktivität und psychischer Gesundheit ein mechanischer Zusammenhang bestehe. Reich hat jedoch sehr deutlich gemacht, daß er über sexuelle Liebe spricht und nicht über Sex ohne Liebe oder Liebe ohne Sex. Liebe ist ein biophysikalisches Phänomen, und als Reich über Lust- und Orgasmusangst schrieb, schrieb er nicht nur über Sexualangst an sich. Er beschrieb die Angst vor einer vollständigen physio-emotionalen Beteiligung am Leben im allgemeinen und insbesondere in der genitalen Umarmung:

Die Fähigkeit, sich trotz mancher Widersprüche mit der gesamten affektiven Persönlichkeit zeitweise auf das genitale Erleben einzustellen, ist eine (…) Eigenschaft der orgastischen Potenz. (Reich 1927, S. 43, kursiv im Original)

Was ich meine, ist die emotionale, die primäre emotionale Erfahrung der Verschmelzung zweier Organismen … Es ist nicht nur das Ficken, Sie verstehen, nicht die Umarmung an sich, nicht der Geschlechtsverkehr. Es ist die wirkliche emotionale Erfahrung: der Verlusts des Ichs, des gesamten geistigen Selbst. (Reich 1952, S. 24)

Die Genitalien sind bloß ausführende Organe der physischen Durchdringung, nachdem die gegenseitige Verschmelzung der Orgonenergiefelder schon einige Zeit vor der schließlichen Erfüllung geschah. (Reich 1953, S. 76)

Die innere Beschaffenheit der Liebesfunktion hat auf jede einzelne Teilfunktion auch aller anderen Aktivitäten des Individuums bestimmenden Einfluß. (Reich 1953, S. 80)

Die Quantität an sexueller Aktivität kann niemals die Qualität der vollen emotionalen Beteiligung an der Sexualität ersetzen. Das Konzept der Orgasmusangst beinhaltet implizit ein Konzept der „Liebesangst“. Das ist der Grund, warum Orgasmusangst, ein scheinbar psychisches Phänomen, die Grundlage allen Panzers sein kann, sei es physisch (quantitativ) oder charakterologisch (qualitativ):

Letzten Endes steckt die Orgasmusangst hinter allen Manifestationen der Panzerung. (Baker 1967, S. 32)

Orgasmusangst ist keine mechanische Sache. Es ist eine Funktion der Unfähigkeit des menschlichen Organismus, sich vollständig der Liebeserfahrung zu ergeben, und diese Unfähigkeit ist sowohl auf somatische als auch auf charakterologische Panzerung zurückzuführen. Daher ist alle Orgasmusangst auch „Liebesangst“.

Auf der tiefstmöglichen Ebene bildet „Pulsationsangst“, die Unfähigkeit, volle Pulsation zu ertragen, die Grundlage aller Lustangst, einschließlich Orgasmusangst und Liebesangst. In diesem Sinne sind dies alles unterschiedliche Begriffe für dasselbe.

 

Literatur

  • Baker EF 1967: Der Mensch in der Falle, München: Kösel, 1980
  • Reich W 1927: Genitalität, Köln: KiWi, 1982 [Ursprünglich 1927 mit dem Titel Die Funktion des Orgasmus veröffentlicht. Das ist ein komplett anderes Buch als das von 1942 mit dem gleichen Namen.]
  • Reich W 1952, In: Higgins MB, Raphael CM (Hrsg.) 1967: Reich Speaks of Freud, New York: Farrar, Straus and Giroux, 1967
  • Reich W 1953: Christusmord, Freiburg: Walter-Verlag, 1978

 

Dieser Text wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.

Der Orgon-Akkumulator (Teil 1)

17. April 2019

von Bernd Laska unter Verwendung der Veröffentlichungen von Wilhelm Reich und Material, das von Manfred Hinz (München) und Rony Werams (Stuttgart) zur Verfügung gestellt wurde.

1. Einleitung

Über den Orgon-Akkumulator (im folgenden: Akku) kursieren seit eh und je die abenteuerlichsten Gerüchte, unabhängig davon, ob der Zugang zu seriöser Information darüber in jedem Fall leicht oder schwierig war. In ihrer Mehrzahl haben diese Gerüchte erkennbar die Funktion der Abwehr von Reichs Theorien insgesamt (und hier besonders die der Sexualität), wie auch die Gerüchte über seine Person und das oft auffällig im Vordergrund stehende Interesse zu diskutieren, ob Reich denn „wirklich verrückt geworden“ sei. Beispiele hierzu brauche ich wohl nicht anzuführen; sie dürften den meisten Lesern aus eigener Erfahrung geläufig sein.

Im folgenden soll daher in etwas komprimierter Form alles für einen potentiellen Benutzer Wesentliche über den Akku zusammengestellt werden, da die Angaben in den bisher auf deutsch veröffentlichten Schriften Reichs in dieser Beziehung nicht detailliert genug sind.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Aus: Wilhelm Reich Blätter 4/76.

Das JOURNAL OF ORGONOMY auf deutsch

3. April 2019

Man findet 31 Artikel aus dem JOURNAL OF ORGONOMY (JofO) auf Orgonomie in Deutschland und auf Soziale Orgonomie. Es wurden aber auch bereits vor über 20 Jahren in dem Band Nach Reich, herausgegeben von James DeMeo und Bernd Senf, weitere 13 Artikel aus dem JofO auf deutsch veröffentlicht. Ich erwähne das, weil das Buch als pdf-Datei online einsehbar ist:

aus dem JofO 1/1&2, 1967: „Symptombefreiung mit orgonomischer Erster Hilfe“ von Morton Herskowitz (im Buch S. 163-171) [eine Alternativübersetzung zu http://w-reich.de/herskowitz.html%5D

aus dem JofO 2/1, 1968: „Eine Einführung in die Orgontherapie“ von Ola Raknes (im Buch S. 115-120)

aus dem JofO 12/2, 1978: „Erinnerungen an Wilhelm Reich“ von Morton Herskowitz (im Buch S. 286-305)

aus dem JofO 13/1, 1979: „Wilhelm Reichs frühe Arbeit über Charakteranalyse“ von Myron R. Sharaf (im Buch S. 95-114)

aus dem JofO 18/2, 1984: „Wirkungen des Orgonakkumulators (ORAKs) bei krebskranken Mäusen: drei Experimente“ von Richard A. Blasband (im Buch S. 673-684)

aus dem JofO 20/1, 1986: „Energiefelder und Bewußtsein“ von Barbara Koopman (im Buch S. 815-837)

aus dem JofO 20/2, 1986: „Orgonomische bei Heilung durch Berührung“ von Bernard R. Grad (im Buch S. 804-814)

aus dem JofO 22/2, 1988: „Transformationen in mikrobiologischen Organismen“ von Richard A. Blasband (im Buch S. 606-614)

aus dem JofO 23/1, 1989: „Wirkungen des Orgonakkumulators auf die Fingertemperatur“ von Neill R. Snyder (im Buch S. 664-672)

Vortrag vor dem American College of Orgonomy, 1989: „Orgonomische Hilfsmittel bei der Behandlung von Infektionen“ von Myron D. Brenner (im Buch S. 764-777)

aus dem JofO 24/1, 1990: „Béchamps Mikrozyme und Reichs Bione: Ähnlichkeiten und Unterschiede“ von Bernard R. Grad (im Buch S. 598-605)

aus dem JofO 24/1, 1990: „Die orgonenergetische Behandlung transplantierter Tumoren und die damit verbundenen immunologischen Funktionen“ von Ernano Eduardo Trotta und Eugénio Marer (im Buch S. 685-692)

aus dem JofO 25/2, 1991: „Bionöse Desintegration bei degenerativen Krankheiten“ von Alan Cantwell (im Buch S. 615-626)

aus dem JofO 25/2, 1991: „Forschungsnotiz: Reichscher Bluttest und Autofluoreszenz“ von Charles Frigola und Pilar Castro (im Buch S. 627f)

Weiteres JofO-kompatibles Material findet sich auf den deutschen Netzseiten von Jerome Eden, Charles Konia, Vittorio Nicola und David Holbrook.

Eine Nachbemerkung zu „Die Geschichte des AMERICAN COLLEGE OF ORGONOMY“

23. März 2019

Die Geschichte des AMERICAN COLLEGE OF ORGONOMY

Zu den mittlerweile Dutzenden von Orgonomen, die seit Reichs Tod aufgetaucht sind und wieder in die Vergessenheit zurückgesunken sind, ist zweierlei zu sagen:

1. Es gibt heute zwei Empfänger des „Wilhelm Reich Award“, der höchstens einmal in einer Generation vergeben wird: Elsworth F. Baker und Charles Konia. Beide haben bei ihren Dankesreden erklärt, warum sie sie erhalten haben: schlicht und ergreifend, weil sie noch da waren. Andere mögen es vehement bestreiten, doch von Reichs Schülern war Baker der einzige, der Kurs gehalten hat. Das gleiche trifft auf Konia zu, der als einziger von Bakers Schülern aus den 1950er und 1960er Jahren bei der Stange geblieben war.

Ganz anders ist das bei Reich selbst: Er hat praktisch jährlich Positionen aufgegeben, die er vorher noch vehement als „unumstößlich“ verfochten hatte. Schließlich war er der Pionier, der das ganze Feld erst erschlossen hat. Es macht keinerlei Sinn die, die später dieses Feld beackert haben, mit ihm zu vergleichen.

2. Was ist im einzelnen mit den anderen Orgonomen passiert? Sie haben sich auf ihre Privatpraxen als Orgontherapeuten zurückgezogen, die Orgonomie ganz hinter sich gelassen oder sie sind in Sekten und die „Spiritualität“ abgedriftet. Das ist aber ihr Privatproblem, das imgrunde niemanden etwas angeht. Sie waren Psychiater, die auf Reich gestoßen waren (wie andere auf Frankl, Adler, Jung, etc.) und sich eine Zeitlang mit seiner Arbeit identifiziert haben. Was sie davor, danach und nebenbei getan haben, hat uns nicht zu interessieren. Es hat etwas zutiefst Pathologisches, diesen Leuten hinterher zu schnüffeln. (Insbesondere ist das bei Patienten virulent. Ödipus ick hör dir trapsen!)

Hingegen gibt es in Reichs Leben (und damit automatisch auch im Leben seines Umfeldes) keinerlei Bereiche, die ausgeklammert werden dürfen. Selbst vertraulichste Liebesbriefe mit intimsten Details sollte man veröffentlichen. Die übrigen Orgonomen kann man mit Malern im klassischen Sinne vergleichen: ihre Werke sind das einzig bedeutsame, sie selbst sind imgrunde uninteressant. Reich war demhingegen ein „Gesamtkunstwerk“, sozusagen ein „Aktionskünstler“. Er selbst und das Werk, das er geschaffen hat, sind nicht voneinander zu scheiden. Die Orgonomen danach hingegen sind als Personen nur für ihre Familien, Kollegen und Freunde von irgendeinem Interesse. Sie zu behandeln, als seien sie sozusagen „Wilhelm Reiche“ ist objektiv betrachtet ein Kategorienfehler und menschlich betrachtet geradezu ekelhaft. Man schnüffelt nicht im Leben anderer Menschen herum!

Die Geschichte des AMERICAN COLLEGE OF ORGONOMY

19. März 2019

Wiederholt wurde ich aufgefordert einen ausführlichen Artikel über die Entwicklung der Orgonomie im allgemeinen und des American College of Orgonomy (ACO) im besonderen zu schreiben. Das kann ich aus zwei Gründen nicht machen: zu wenig und zu viel Information. Wie sich die American Association of Medical Orgonomy (AAMO) genau aufgelöst hat, wie das mit dem Cloudbusting Anfang der 1960er Jahre genau war, warum Levy das ACO genau verlassen hat, warum die Abspaltung des Institute for Orgonomic Science (IOS) nun genau erfolgte und was Baker damals genau vorgeworfen wurde… Die, die darüber (noch!) reden könnten, hüllen sich in Schweigen oder verbreiten einseitige Gerüchte, in denen es keine Zwischentöne mehr gibt – und heutige Orgonomen zucken glaubhaft mit den Schultern: „Keine Ahnung!“ Und wenn ich die Histörchen, die ich per Zufall aus erster, zweiter und dritter Hand habe, ausmale, kann nur ein schiefes Bild entstehen – und außerdem möchte ich niemanden in die Pfanne hauen, u.a. weil mir dann berechtigterweise niemand mehr was erzählen würde.

Weitaus wichtiger ist sowieso das Grundsätzliche. Wofür steht eigentlich das Wort „College“ in „ACO“? Es ist ein „Kollegium“, ein Verbund von „Kollegen“, die primär Ausbildung (das zunächst von Baker und dann von Konia geleitete Seminar für Orgontherapie) und Forschung (Orgon-Biophysik im Elsworth F. Baker Oranur Research Laboratory) betreiben. Zunächst erfolgte das in den Praxen und „ausgebauten Scheunen“ von Orgontherapeuten. Seit Ende der 1980er Jahre in einem größeren ehemaligen Farmhaus und einem kleinen Nebengebäude auf einem großen Grundstück in einem mehr oder weniger ländlichen Vorort von Princeton, New Jersey. Der Name „College“ zeigt bereits, daß das keine „Organisation“ oder gar ein „Verein“ im üblichen Sinne ist. Mit wenigen Ausnahmen am Anfang des ACO können sowieso nur Promovierte Mitglied werden und das auch nur bleiben, solange sie aktiv mitarbeiten.

Die Struktur des ACO richtete sich stets nach dem Modell der USA aus: souveräne Staaten (nicht bloße „Bundesländer“ wie in Deutschland!) und doch eine starke Zentralregierung. Jeder Orgonom ist vollkommen frei auf seine eigene Weise die Orgonomie zur Entfaltung zu bringen (beispielsweise kann er eine „Organisation“ gründen), solange er einige wenige Kompetenzen (im Grunde aber nur eine) vollständig der Zentralregierung überläßt: in den USA ist das die Landesverteidigung, beim ACO die Ausbildung und „Lizensierung“ von Orgontherapeuten. Vielfalt in Einheit! Schaut man genauer hin, war das nicht nur zu Reichs Zeiten genauso (das Orgone Institute und drum herum die Wilhelm Reich Foundation, das AAMO, etc.), sondern es ist so durchweg bei allen akademischen und handwerklichen Verbänden weltweit.

Und woher nimmt das ACO seine Legitimation? Es ist unumstritten, daß Elsworth F. Baker, der Gründer des ACO, Ende der 1940er Jahre vom Orgone Institute (= Wilhelm Reich) den Auftrag erhalten hatte, zukünftige Orgonomen auszubilden, was er denn auch bis zu seinem Tode 1985 getan hat. Er war zu Reichs Lebzeiten der unumstrittene Führer der amerikanischen Orgontherapeuten im Großraum von New York City und wie selbstverständlich Herausgeber der Zeitschrift Medical Orgonomy, die zu Reichs Lebzeiten erschien und die der unmittelbare Vorläufer des Journal of Orgonomy war. Hätte Baker direkt nach Reichs Tod die Zügel in die Hand genommen, hätte es niemals irgendeinen Zweifel hinsichtlich „Legitimation“ gegeben!

Baker hat sich aber anders entschieden. Die Orgonomie war krachend gescheitert bzw. den Orgonomen war es nicht gelungen Reich zu schützen. Es wäre der helle Wahnsinn gewesen, einfach so weiterzumachen, als wäre nichts gewesen! Reich habe Baker persönlich bei ihrem letzten Treffen unmittelbar vor seinem Haftantritt erklärt, daß alle Organisationen eingestellt werden sollten, Baker sich von den restlichen Orgonomen distanzieren sollte, da diese ihn sonst „umbringen“, er solle stattdessen eine neue Generation von Orgonomen ausbilden und mit denen zusammen ein „College of Orgonomy“ gründen. 11 Jahre später hat Baker genau das getan.

Antwort auf David Boadellas „Occupational Hazards in Orgonomy“

14. März 2019

von Paul Mathews

Zunächst sei ein für alle Mal klargestellt, daß Wilhelm Reich nie verrückt geworden ist, bezeugt nicht nur durch den vom Gericht bestellten Psychiater, sondern auch von denjenigen, die ihn persönlich kannten; von Anfang an bis zum Tag seines Todes engen Kontakt und Umgang mit ihm hatten. Bis zum Ende, als er kurz zuvor noch sein letztes Buch in der Gefängniszelle abgeschlossen hatte, war er vollauf Herr seines Urteilsvermögens und seiner Geisteskräfte. Er wurde sowohl nach klassischen als auch nach orgonomischen Maßstäben als vollkommen geistig gesund von Leuten beurteilt, die dazu am sachkundigsten waren, was ihre Kenntnisse der Psychiatrie, seines Lebens und die direkte unmittelbare Beobachtung angeht. Die Angriffe auf die geistige Gesundheit Reichs sind von denen ausgegangen, die inkompetent sind und nie in irgendeiner Weise persönlichen Kontakt zu Reich hatten. Bei diesen Angriffen handelt es sich daher definitionsgemäß um Angriffe der Emotionellen Pest und durch Modju (eine spezifische Form der Pest, die solange unersättlich ist, bis sie ihr Opfer tatsächlich getötet hat). Boadellas Artikel veranschaulicht dies:

Die Schlange entblößt ihre Reißzähne, während sie zischt und faucht und dann auf das Opfer stürzt, wobei sie ihre giftigen Reißzähne tief in seinen Hals versenkt. Die Schlange ist ein „Laientherapeut“ namens David Boadella – selbst der „Therapie“- und „Ausbildungs“-Frankenstein des „Laientherapeuten“ Paul Ritter. Boadella kann sehr wohl Resultat von Ritters schimärischen und miasmatischen Vorstellungen von „Therapie“ sein.

Boadellas Artikel ist natürlich ein weiterer plumper Versuch den Einfluß und die Bedeutung von Reich und der Orgonomie zu zerstören – in einer langen Reihe derartiger Versuche (mit ihren Verflechtungen und ihrem System von Kettenreaktionen) – und nichts weniger als das. Es ist das „ad hominem“, um alle „ad hominems“ zu „ad hominem“. [Gemeint ist: Boadella immunisiert sich gegen „persönliche Angriffe“ (Mathews nennt ihn „Modju“), indem er Reich persönlich angreift (Boadella bezeichnet den Schöpfer des Konzepts „Modju“ als „Verrückten“), PN.] Es ist das Werk Modjus von seiner frühesten salbungsvollen Vorspiegelung von Freundlichkeit bis zu seinem letzten „Mörder-Angriffen“ auf das Leben und die Arbeit eines Mannes, neben dem der Angreifer sich ausmacht wie eine faulige Kloake im Vergleich zu einem Ozean. Es ist Viertelwahrheit und dick aufgetragene Verzerrung, gezeugt durch Neid, Ignoranz und Schrecken. Es ist die größt denkbare Impertinenz!

Modju weiß sehr gut, wie er die Angst, den Haß und den Verdacht der Menschen gegen sein Opfer wecken kann, indem er es durch Verdrehungen mit den Kräften des Schwarzen Faschismus in eine Reihe stellt. Modju weiß, wie er an die Angst vor Bewegung und starkem Handeln bei den Menschen appellieren kann, indem er die Bedeutung einer ärztlichen Einschätzung der Pest (Modju selbst) so verzerrt, daß sie dasselbe bedeutet wie München, Panmunjom und andere derartige „medizinische“ Ansätze. Er weiß, wie mit der Prämisse zu beginnen ist, sein Opfer leide unter „Paranoia“ (direkt aus den psychopolitischen Lehrbüchern aus „Modjuland“), und „einen Fall“ mit solchen „Autoritäten“ wie dem „entscheidenden“ Jack Green [ein „Reichianischer“ „Beatnik“ aus dem Greenwich Village der 1950er Jahre] und mit dem Mißbrauch von Myron Sharafs Aussagen, die von den Prämissen Modjus eingekreist sind, „aufzubauen“.

Modju hat sich nie die Mühe gemacht und die Arbeit auf sich genommen, das Material aus erster Hand an seiner Quelle zu studieren, um sich mit einer echten Therapie von Unreinheiten zu befreien (schließlich hatte Reich nie eine Orgontherapie – warum sollte also Modju eine haben?) – weil das das Ende von Modju bedeuten würde – und er weiß das! Modju hat nie Monate damit verbracht, die Atmosphäre und andere Phänomene in Arizona oder Maine zu untersuchen (er war zu sehr damit beschäftigt, das zu verzerren und dann zu generalisieren, was er ohne Verständnis gelesen hat). Er hat niemals harte Arbeit aufgebracht und auch nicht unter der Verfolgung gelitten, die er selbst seinem Opfer, dem echten Wissenschaftler und Arbeiter, angedeihen läßt. Er will aus zweiter Hand Kraft und Frieden schöpfen, indem er seinen „großen Peiniger“ zerstört.

Glücklicherweise hat uns der „große Peiniger“ jedoch beigebracht, Modju zu sehen und zu verstehen – wie er ihn vor 1950 und 1947 und sogar schon lange vorher gesehen und verstanden hat.

Wir haben gut gelernt, die „no see-ems“ zu sehen. [Winzige und deshalb „unsichtbare“ blutsaugende Mücken. Reichs Bild für den hinterhältigen und feigen pestilenten Charakter, der aus dem Verborgenen mit übler Nachrede arbeitet, PN.]

 

Aus der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 7 (1961), No. 3-4, S. 218f.

Wider die Mythisierung von Reichs letzten Jahren

14. Januar 2019

In der Literatur, die Reich wohlgesonnen ist, finden sich immer wieder vier Behauptungen über die tragischen letzten Jahre von Reichs Leben, die wenig bis nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Es wurden ausschließlich Orgonenergie-Akkumulatoren zerstört, ansonsten aber keine „medizinischen Gerätschaften“ oder gar wissenschaftliche Instrumente Reichs. Man hört sogar ab und an die FDA hätte sein Labor zertrümmert. Das ist reine Legendenbildung!

Durch die Bücherverbrennungen ist keine Literatur unwiederbringlich verlorengegangen, sondern nur ein ungeheurer finanzieller Schaden entstanden.

Es weist nichts auf einen Mord an einem „kerngesunden“ 60jährigen hin! Reich war jahrzehntelang Kettenraucher gewesen und schon seit Jahren schwer herzkrank. Sicherlich hat sein Gefängnisaufenthalt und damit einhergehende energetische Kontraktion zu seinem Tod beigetragen. Seine letzte Gefährtin, Aurora Karrer schrieb: „Er hätte niemals mit einer solchen Herzerkrankung im Gefängnis sein dürfen” (Offshoots of Orgonomy, Nr. 9, 1984, S. 61). Kurioserweise hatte Reich bereits 1927 (sic!) geschrieben, „daß Nikotinabusus Coronararteriensklerose und dadurch frühzeitigen Tod bedingen kann“ (Die Funktion des Orgasmus, S. 65f).

An anderer Stelle schrieb er 1927:

Meine eigenen Beobachtungen bei der Nikotinvergiftung, die ich wiederholt machen konnte, lassen keinen Zweifel darüber, daß sich im Augenblicke der Asystolie vor der Tachykardie eine Angstempfindung einstellt, die erst sekundär und nur bei längerem Bestande der intensiver werdenden Arrhythmie und Tachykardie mit dem Vorstellungsinhalt „Sterben – Tod” erfüllt wird. (ebd., S. 89)

Die orgonomischen Organisationen wurden nicht verboten, sondern auf Reichs eigenen Wunsch hin aufgelöst. Er wollte, daß die Orgonomie mit neuen Ärzten neu begründet wird. Genau das hat Elsworth F. Baker zehn Jahre nach Reichs Tod getan.

Chronik der Orgonomie (Teil 1)

7. Januar 2019

ChronikderOrgonomie

Ich habe den ersten Teil meiner 414seitigen Reich-Biographie überarbeitet:

CHRONIK DER ORGONOMIE 1897-1939

Blogeinträge September/Oktober 2015

26. Dezember 2018

Charles Konia über die pseudo-liberale Gesellschaft:

September/Oktober 2015

  • Der drohende Untergang des Zweiparteiensystems
  • Apropos Klimawandel
  • Was ist funktionelles Denken?
  • Der Zusammenbruch der Trennung zwischen Kirche und Staat
  • Die neue Moral
  • Die Entartung des genuin Liberalen zum Pseudo-Liberalen/Kommunismus

Das Projekt „Children of the Future” des „Orgonomic Infant Research Center” (O.I.R.C.) (Teil 2)

24. Dezember 2018

von Bernd Laska

Das Orgonomische Säuglingsforschungszentrum (nach OEB II/4) (Fortsetzung)

Alle bisherigen Ansichten über Erziehung hatten Anpassung an die speziellen nationalen, religiösen, rassischen oder sonstwelchen Ideale zur Grundlage und zum Ziel … Gesundheit und Normalitat wurden gleichgesetzt … ein Katholik hat da andere Vorstellungen als ein Hindu, ein Moslem andere als ein Liberaler, und im heutigen Rußland soll das Kind „wie Stalin“ werden… … Alle diese Ansichten haben eines gemein: DIE VÖLLIGE AUSSERACHTLASSUNG DER NATUR DES KINDES. Gesundheit, Normalitat sind nach Interessen definiert, die außerhalb des Bereichs der Entwicklung von Kindern liegen. Diese Ansichten beginnen damit, was ein Kind sein SOLL, und nicht mit der Frage, was ein Neugeborenes IST …

… Das Neugeborene ist nicht, wie irrtümlicherweise oft angenommen wird, ein leerer Sack oder eine chemische Maschine, in die jeder seine Ideen, was ein Mensch zu sein hat, hineinschütten kann. Es bringt ein enorm produktives und adaptives Energiesystem mit auf die Welt, das aus eigenem Antrieb Kontakt mit seiner Umgebung herstellt und anfängt, diese nach seinen Bedürfnissen zu gestalten. Die grundlegende und wichtigste Aufgabe jeder Erziehung, die vom Interesse am Kind geleitet ist und nicht im Dienst von Parteiprogrammen, Profit, Kirche o.ä. steht, besteht darin, jedes Hindernis zu entfernen, das dieser naturgegebenen Produktivität und Gestaltungsfähigkeit der biologischen Energie im Wege steht … Diese Kinder werden ihre eigenen Wege zu wählen haben und ihre eigenen Ziele bestimmen. Wir müssen von ihnen lernen statt ihnen unsere verqueren Ideen und bösartigen Praktiken aufzuzwingen, die sich in jeder neuen Generation immer wieder als äußert schädlich erwiesen haben …

… LASSEN WIR DIE KINDER SELBST UBER IHRE ZUKUNFT ENTSCHEIDEN! Unsere Aufgabe besteht darin, sie dazu zu befähigen und ihre natürliche Fähigkeit dazu nicht zu zerstören … Wir haben kein Recht, unseren Kindern zu sagen, wie sie ihre Zukunft bauen sollen; wir können unseren Kindern nur so genau wie möglich sagen, wo und wie wir gescheitert sind …

Die Arbeit des OIRC bestand aus vier Teilbereichen:

  1. Pränatale Fürsorge für gesunde, schwangere Frauen: Sexualökonomische Beratung beider Eltern; Routineuntersuchungen; Vermeidung von Dingen, die schädigend auf den Embryo wirken können, wie zu enge Gürtel, mangelnde orgastische Entladung usw.
    Benutzung des Orgonakkumulators während der Schwangerschaft. Regelmäßige sorgfältige Untersuchung des bioenergetischen Verhaltens des Organismus, insbesondere des Beckens. Untersucht werden sollte, welchen Einfluß Depressionen, gestauter Haß usw. auf den Embryo haben, worüber so gut wie nichts bekannt ist.
  2. Sorgfältige Überwachung der Geburt und der ersten Lebenstage des Neugeborenen: Diese Zeit ist sehr entscheidend in der Entwicklung; die meisten chronischen oder melancholischen Depressionen entwickeln sich aus so früher Frustration. Die fehlerhafte Entwicklung der Wahrnehmungsfunktion während der ersten sechs Wochen sind die Ursachen für die Entwicklung der schizophrenen Spaltung oder eines schizoiden Charakters. Die größte Schwierigkeit ist hier unsere geringe Kenntnis der bioenergetischen Ausdrucksweise des Neugeborenen.
  3. Verhinderung der Bildung eines Charakterpanzers in den ersten fünf bis sechs Jahren: Auch hierüber war klinisch wenig bekannt. Wir konnten erwarten, daß es ein Unterschied war, ob wir bereits stark gepanzerte Kinder zu behandeln hatten, oder ob wir das Beginnen der Panzerbildung in einem anderweitig sich natürlich entwickelnden Kind erkennen sollten. Es war nichts bekannt, welche Charakterzüge im Säuglingsalter infolge früher Panzerung und welche infolge natürlichen Lebensausdruckes auftreten. In den letzten Jahren hatten wir einige Kinder nach dem Prinzip der Selbstregulation aufwachsen sehen. Diese Kinder waren in ihrem Wachstum und in ihrer Entwicklung so wenig wie möglich durch Einflüsse von Kultur, Kirche, Staat o.a. behindert worden. Sie waren für uns die besten Lehrer; wir lernten mehr über Biologie und Selbstregulation als in dreißig Jahren Arbeit als Psychiater und Ärzte. Es war, im Ganzen gesehen, wie ein Blick in das „gelobte Land“. Es war außerdem eine Lektion darüber, was die emotionale Pest des Menschen am Menschen anrichtet. Diese Kinder entwickelten unterschiedliche charakterliche Reaktionen. Es war uns nicht bekannt, inwieweit dies gesetzmäßige, biologische Entwicklungen waren. Von der etablierten Wissenschaft konnten wir keine Hilfe erwarten; wir mußten ganz von vorn anfangen.
  4. Studium und Aufzeichnung der weiteren Entwicklung dieser Kinder bis zum Abschluß der Pubertät.

Aus diesem Plan ist leicht ersichtlich, daß dies ein sehr langfristiges Programm war. Die ersten entscheidenden Ergebnisse waren wahrscheinlich erst in zehn bis fünfzehn Jahren zu erwarten.

Was aus dem Projekt „Kinder der Zukunft“ geworden ist, ist mir nicht bekannt. Wahrscheinlich ist es infolge der bald einsetzenden Verfolgung Reichs, des Prozesses und schließlich seines Todes abgebrochen worden. Jedenfalls ist meines Wissens nichts mehr darüber publiziert worden (B.L.).

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Aus: Wilhelm Reich Blätter 1/76N.