
Peter Nasselstein: Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 1. Wilhelm Reich, a. Reich und die moderne Psychiatrie
Ich habe mit mehreren Orgontherapeuten und „Orgonpatienten“ darüber gesprochen: Orgontherapie über eine Videokamera ist möglich. Damit fällt (mal abgesehen von den Finanzen!) jedwede Ausrede weg, sich keiner Orgontherapie lege artis zu unterziehen.
Therapeuten, die nicht wissen, was sie tun, nehmen aus Unsicherheit zu dramatischen Interventionen Zuflucht. In der „Körperpsychotherapie“ sind das etwa „Streßpositionen“ nach Alexander Lowen oder direkte körperliche Interventionen, um die Panzerung „aufzubrechen“. Es wird strengen Vorgaben gefolgt, wie der Patient zu liegen hat, wie er Arme und Beine zu halten hat, wie er zu atmen hat, etc. All das soll überspielen, daß der Therapeut nicht weiß, was er tut, und nicht mal eine Diagnose hat stellen können. Seine Unsicherheit überspielt er mit Show und Action.
Die Orgontherapie beruht darauf, daß der Therapeut eine biopsychiatrische (= auf der Struktur der Panzerung beruhende) Diagnose gestellt hat und sich der jeweiligen Blockaden seines Patienten bewußt ist, die dem vollständigen Orgasmusreflex (= der Fähigkeit des Organismus als Einheit zu funktionieren, ganz, d.h. gesund zu sein) entgegenstehen. Daraufhin versucht er die Blockaden auf geordnete Art und Weise aufzulösen. „Geordnet“ meint hier, daß jede Blockade eine Funktion hat, die erkannt werden muß, bevor man sich daran macht sie zu beseitigen. Ansonsten kann es nämlich zu einem Desaster kommen. Man muß wissen, was man tut, bevor man einem Krüppel seine Krücke wegschlägt!
Ein neutraler Beobachter wird sich wahrscheinlich darüber wundern, daß die Interventionen des Orgonomen selten sind und zu einem Gutteil konventionell wirken, jedenfalls im Vergleich zum theatralischen Aktionismus des „Reichianischen Therapeuten“. Der erstere bleibt gelassen, weil er weiß was er tut, d.h. wie er den weitgehend autonom verlaufenden Heilungsprozeß („Ganzwerdungsprozeß“) anregen und aufrechterhalten kann, der letztere kompensiert seinen Amateurstatus mit hektischem, „zersplitterndem“ Engagement und – zerstört die Selbstregulation des Patienten endgültig.
Augendrehen, das Gesicht und den Kiefer bewegen, Muskeldrücken, etc. mag oberflächlich wie „Orgontherapie“ wirken, ist aber vollkommen sinnlos, wenn nicht zwei Elemente hinzutreten:
Das Atmen erhöht das Energieniveau und der Versuch spontan zu atmen das „Frustrationsniveau“, infolge beginnt das neurotische Gleichgewicht zu wanken. Die Kunst des Therapeuten liegt darin, die Intervention genau in jenem Augenblick anzubringen, wenn dieses Gleichgewicht sich als Ergebnis ein Stückweit in Richtung Genitalität verschieben wird. Zu jedem anderen Zeitpunkt wird nur das energetische Chaos vergrößert und eine Heilung unmöglich.
Die Panzerung ist nicht vom Himmel gefallen, sondern ist in einer Beziehung entstanden, d.h. im Familienleben. Entsprechend kann sie auch ausschließlich in einer Beziehung wieder aufgelöst werden. Man kann exakt das gleiche allein auf einer Matratze tun, was man im Beisein des medizinischen Orgonomen macht, doch es wird keinerlei Wirkung zeitigen. Seine bloße Anwesenheit aktiviert genau jene Emotionen und Gefühle, die am Anfang der Panzerung standen und die auch wieder an ihrem Ende stehen müssen.
Zum Abschluß dieser Reihe von Blogeinträgen verweise auf die denkbar eingehende Beschreibung der Orgontherapie auf https://roomforhappiness.de/.

Zu den Blogeinträgen Juni-November 2016 liegen folgende Kommentare von Lesern vor.
Zu „Die Eckpfeiler der sozialen Orgonomie“ verwies Robert (Berlin) darauf, daß, was „Die soziopolitische Charakterstruktur“ betrifft, die Trennung zwischen modern liberals und conservatives sich auch durch die Parteien zieht. Er verweist dabei auf einen nicht mehr im Netz zu findenden Artikel von pi-news von 2016 demzufolge Überfremdung und Islamisierung die gesellschaftliche Linke spalten. Dazu ich: Richtige Soziologie sieh mittlerweile wie folgt aus:
Zu „Betrachtungen zu Trumps Strategie für das Jahr 2016” verweist David auf: https://www.sueddeutsche.de/politik/aussenansicht-trump-kann-gewinnen-1.3106136
Robert (Berlin) sagt:
Pussy- und Arschkriecher-Generation“: Clint Eastwood outet sich als Trump-Versteher
Der 86-jährige Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood hat in einem Esquire-Interview zugegeben, von der Politkorrektheit und Kriecherei in den USA müde zu sein und bekannte sich zu dem Präsidentschaftskandidaten und US-Milliardär Donald Trump. Auch wenn der Republikaner „viele Dummheiten“ sagt. (Linkt nicht mehr vorhanden)
Robert (Berlin): US-Elite-Studenten: Harvard-Republikaner wenden sich gegen Trump – https://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-harvard-studenten-wenden-sich-gegen-ihren-kandidaten-a-1106235.html
Peter Nasselstein sagt:
James Strick, das IOS, Renate Reich, Peter Robbins, etc. – sie alle unterstützen Clinton. Warum? Neben dem üblichen Müll („Faschismus“) vor allem aus sexualökonomischen Gründen: das Recht auf Abtreibung. Mit anderen Worten MORD, denn heutzutage gibt es so viele Verhütungsmittel, daß man die Lage kaum mit den 1930er Jahren vergleichen kann. Und was wird Trump vorgeworfen? Er und seine Famiiie hätte jede Menge Tiere getötet: (Link nicht mehr vorhanden)
http://www.wnd.com/2016/08/secret-service-shields-hillary-from-hecklers/#i99iTEFplFDqVZ9o.99
Liberalism is a mental disorder!
Und Peter weiter:
Nach Deutschland: Hier ein Beispiel für die Verschiebung des politischen Spektrums nach linksaußen zum Stalinismus hin:
Wer wählt sowas?
„Die politschen Auswirkungen des Niedergangs des Zweiparteiensystems“:
Robert (Berlin)
Konia sieht unsere europäische Parteienvielfalt als noch kränker als die us-amerikanische an. Wenn Linke und Rechte die zwei Seiten der Panzerung sind, dann wird die Panzerung durch die Parteienvielfalt zersplittert – in noch mehr Symptome. Generell könnte man das Parteienheer in Konservative und Liberale einsortieren.
Peter:
Es ist einfach Teil von „Checks and Balances“:
Innerhalb der beiden großen Blöcke halten sich Linke und Rechte in Schach und im Großen die beiden Blöcke selbst.
Innerhalb der Blöcke wird der jeweilige (linke und rechte) Rand weitgehend integriert und so die Emotionelle Pest weitgehend neutralisiert. Und was das gesamte politische System betrifft können die Konservativen beispielsweise nicht mit ihren Extrempositionen hinsichtlich dem Totalverbot der Abtreibung durchkommen und umgekehrt die Linken nicht mit den ihren (daß Abtreibung wie in der Sowjetunion ein Mittel der Geburtenkontrolle wird). Es kommt immer zu VERNÜNFTIGEN Kompromissen, die das Maximum an Rationalität darstellen, die es in einer gepanzerten Gesellschaft geben kann. Generell geht es um Sachfragen, weil der politische Streit in den Hintergrund tritt.
Ganz anders in Ländern wie etwa Holland oder Israel: die großen Parteien zerfallen in Splitterparteien, die jeweils homogen ideologische Extrempositionen und Sonderinteressen vertreten, nie das gesamte Land im Blick haben. Es kommt zu einer generellen Politisierung, in der Sachfragen vollständig in den Hintergrund treten und die Politik verselbständigt sich: es kommt zu absurden Koalitionen. Ich wähle etwa die CDU, um die Grünen draußenzuhalten – und bin dann mit einer schwarzgrünen Regierung konfrontiert. Das ist keine Demokratie mehr!
Als sich die Bundesrepublik konsolidierte, steuerte alles von der anfänglichen Zersplitterung auf ein Zweiparteiensystem zu. Mit dem Zerfall der Bundesrepublik zersplittert die Parteienlandschaft erneut.
Generell kann man sagen, daß es („quasi orgonometrisch“) bei jeder Frage um zwei Alternativen geht. Invasion! Verteidige ich am Strand oder im Hinterland? Beides hat sein Für und sein Wider und es ist ziemlich egal, wofür man sich entscheidet, solange es konsequent durchgeführt wird. Zum Desaster kommt es, bei „Koalitionen“ und den entsprechenden halbherzigen und widersprüchlichen Kompromissen: am Strand wird ein bißchen verteidigt und die Verteidiger entsprechend überrannt. Im Hinterland gibt es entsprechend keine ausreichende Kräfte – der Krieg ist verloren. Und so in allen Lebenslagen.
Robert (Berlin):
„zerfallen in Splitterparteien, die jeweils homogen ideologische Extrempositionen und Sonderinteressen vertreten“
Ähnlich die Zersplitterung in Minigewerkschaften, wie die der Lokführer oder Fluglotsen, die ein ganzes Land öfters am lahmlegen sind.
Robert (Berlin) 2018: Neuer Trend in den USA – geh weg von der Democratic Party
Konias über „Die politischen Vorteile der Linken“
Peter kommentiert:
Dank der linken Medien leben wir in einem Lalala-Land:
Alles läuft auf eine Alternative hinaus: Untergang in die Barbarei oder der eiserne Besen, eine Militärdiktatur! (Link existiert nicht mehr)
Peter: Berlin! https://www.berlinjournal.biz/jugendliche-brechen-nasenbein-s-bahn/ Man kann sich sehr effektiv wehren, aber dann kriegt man mehr, sehr viel mehr Ärger als die Angreifer = man ist absolut schutzlos!
Peter: Heutzutage gibt es ausschließlich bei „Rechten“ Sexpol-Aufsätze! https://der-kleine-akif.de/2016/09/08/fucking-deutsch/
Die Zukunft der Orgonomie ruht auf vier Pfeilern, von denen gegenwärtig alle vier brüchig, wenn überhaupt vorhanden sind:
Die Lage scheint ausweglos zu sein, doch das Schöne an der Orgonomie ist, daß jeder in jedem beliebigen Moment etwas Konstruktives tun kann. Man kann seine eigene Panzerung dadurch angehen, daß man sie zunächst einmal spürt. Man kann immer und überall die Orgonenergie beobachten. Man kann sich der Irrationalität in seiner Umgebung entgegenstellen. Und vor allem kann man sich bemühen, so funktionell wie nur irgend möglich zu leben. Liebe, Arbeit und Wissen sind die Grundlagen unseres Lebens, sie sollten es auch beherrschen!
Alles hängt von den „Massen“ ab – alles hängt von uns ab. Jeder Erwachsene trägt die Verantwortung für sein Leben und die Umstände, unter denen er lebt.
Die Orgontherapie ist so zentral wichtig, weil ohne Orgontherapie alles nichts ist! Deshalb erscheinen in der Zeitschrift für Orgonomie ausschließlich Texte zur Orgontherapie.
Betrachten wir dazu das Emblem der Zeitschrift. Historisch geht es auf die zu Reichs Lebzeiten von Elsworth F. Baker herausgegebene Zeitschrift Orgonomic Medicine zurück, deren Symbol eine Äskulapschlange war, die sich um das Symbol des orgonomischen Funktionalismus schlängelte. Als Baker diese Zeitschrift 1968 unter neuem Titel fortführte (The Journal of Orgonomy), gesellte sich zur Schlange, die die Medizin symbolisiert, der Blitz als Symbol der Physik. Die neue Zeitschrift sollte nämlich auch die von Reich herausgegebene Zeitschrift CORE ersetzen, in der es vor allem um Orgonbiophysik gegangen war. Insgesamt symbolisiert das Emblem der Zeitschrift für Orgonomie die drei Hauptbereiche der Orgonomie: Medizin (Schlange), Physik (Blitz) und Kosmologie (Spiralgalaxie).
Entsprechend wird die Orgonomie in den drei Bänden von Die Entdeckung des Orgons beschrieben: Bd. 1: Die Funktion des Orgasmus, Bd. 2: Der Krebs und der nie abgeschlossene dritte Band über die orgonomischen Funktionalismus, dessen geplanter Inhalt sich aus Äther, Gott und Teufel und Die kosmische Überlagerung in etwa erschließen läßt.
Nochmal: Warum ist dann die Orgontherapie so überproportional wichtig? Weil –, um mit Kant zu sprechen: „Die Welt erscheint nicht so, wie sie ist, sondern so, wie ich bin.“ Bin ich gepanzert, ist alles nichts! Oder anders gesagt: Es müssen in Deutschland erst eine „kritische Masse“ an Menschen eine Orgontherapie durchlaufen haben, ehe man sich sinnvoll mit etwas anderem als der orgonomischen Medizin beschäftigen kann!
Und hier geht es wirklich um die Orgontherapie, nicht irgendeine „Körperpsychotherapie“ oder eine vom American College of Orgonomy nicht autorisierte angebliche „Orgontherapie“!
In einem Kalender habe ich folgenden Spruch des Schweizer Jesuiten und Zen-Meisters Niklaus Brantschen gefunden: „Wie ich gehe, so geht es mir; wie ich stehe, so steht’s um mich; wie ich laufe, so laufen die Dinge bei mir.“ Kant wird hier sozusagen „verkörpert“. Im Kommentar wird auf alltägliche Sprüche verwiesen wie „Laß den Kopf nicht hängen!“, „mit stolzgeschwellter Brust“, „Trag die Nase nicht so hoch!“
Das bedeutet aber nicht, daß die Orgontherapie eine „Körpertherapie“ ist. Ganz im Gegenteil!
Reich hat seinem Mitarbeiter Myron Sharaf gesagt: „Es sollte möglich sein, Orgontherapie durchzuführen, ohne den Patienten zu berühren, nur mit Reden“ (z.n. Sean Haldane: Pulsation, London 2014, S. 199).
Und Baker hat geschrieben:
Manchmal kann man Gefühle freisetzen und manchmal läßt das Festhalten nach, wenn man dem Patienten beschreibt, was er ausdrückt oder was er tun möchte, oder wenn man ihm einen Spiegel vorhält oder durch verständnisvolle Worte und nicht durch direkte Bearbeitung der Muskeln. Ich habe oft das Gefühl gehabt, wenn man nur genug wüßte und aufmerksamer wahrnähme, könnte man die Therapie ganz und gar auf diese Weise durchführen. (Der Mensch in der Falle, München 1980, S. 91)
Noch etwas: Die Orgonomie wird in Deutschland nur eine Zukunft haben, wenn die Orgontherapie hier eine Zukunft hat. Mehr: die Orgonomie wird nur in Deutschland eine Zukunft haben. Oder anders ausgedrückt: hat Deutschland keine Zukunft, hat auch die Orgonomie keine Zukunft.
Im ersten Vortrag ist Thomas Harms zu hören. In den Bildern von der Ersten Orgonomischen Konferenz macht er ein „68er-Feeling“ aus. Er mag den Begriff „Emotionelle Pest“ nicht. Das erläutert er auch nochmals in der Abschlußdiskussion der Konferenz, wo er nahe legt, der Kampf um „die wahre Lehre“ in der Orgonomie wäre etwas durchweg Negatives und Destruktives. Um so besser ist sein Vortrag über das Projekt Kinder der Zukunft. Insbesondere was er über Genitalität in der Kindheit zu sagen hat: ein ausgesprochen wertvoller und hörenswerter Beitrag. Das ist Orgonomie! Gut, Reich hat aber auch gesagt:
Es würde an Wahnsinn grenzen, so große Projekte wie „Die Kinder der Zukunft“ (…) in Angriff zu nehmen, ohne begriffen zu haben, wie es möglich war, daß all dies Elend jahrtausendelang unvermindert, unerkannt und unangefochten bestehen konnte; daß nicht ein einziger der vielen glänzenden Versuche zur Erklärung der Situation und zur Linderung der Leiden Erfolg hatte; daß mit jedem Schritt hin zur Erfüllung des großen Traums das Elend nur schlimmer und tiefer wurde (…). Gegenwärtig ist eine sorgfältige Untersuchung des Christusmordes weit wichtiger als die wunderbarsten Kinder, die wir vielleicht aufziehen könnten. Jede Hoffnung, jemals den Sumpf unserer Erziehungsmisere zu durchdringen, wäre unwiderruflich verloren, wenn dieser neue und so hoffnungsvolle Versuch, Kinder auf bessere Art zu erziehen, sich festfahren und in sein genaues Gegenteil verkehren würde, so wie es allen früheren, hoffnungsvollen Unterfangen des Menschen auch ergangen ist. (Christusmord, Freiburg 1978, S. 40)
Der „Körperpsychotherapeut“ Manfred Tielen erwähnt, daß sich in Reichs Archiv keine Fallgeschichten finden, die die Entwicklung seiner Therapie von der Charakteranalyse über die Vegetotherapie hin zur Orgontherapie detailliert nachvollziehbar machen. Dies unterstreicht m.E. erneut, daß man die Reichsche Therapie ausschließlich von seinen unmittelbaren, von Reich selbst autorisierten Schülern lernen kann. Reich hat einen einzigen Orgontherapeuten diesen Auftrag erteilt: Elsworth F. Baker, der wiederum Charles Konia autorisiert hat.
Nichts gegen den Vortrag von Andreas Peglau über Reich in Berlin, aber – man sollte, so Reichs Meinung, auf einer Konferenz seinen Vortrag niemals vorlesen. Der Vorlesende verkrampft und der Zuhörer mit ihm: denkbar unpassend für eine Konferenz über den Schöpfer der Orgontherapie! Es sind wirklich zwei grundsätzlich verschiedene Medien: das gesprochene und das gelesene Wort! – Daß Reich sich 1930 als Abgeordneter für die KPÖ aufstellen ließ, war mir neu. Soweit zu Reichs Behauptung, er sei nie politischer Kommunist gewesen! Ansonsten kann ich zu Peglaus Vortrag nur sagen: LEUTE, KAUFT DAS BUCH!
Philip Bennets Vortrag über Reichs politische Zurückhaltung in den USA nach dessen Inhaftierung als „Alien Enemy“ wird von Christian Rudolph übersetzt. Er stockt, bricht in Tränen aus, nachdem er eine entsprechende Stelle aus American Odyssey übersetzt, wo sich Reich bitter über die „Ungerechtigkeit und Gemeinheit“ der USA beschwert. (Auch später wird es während der Konferenz recht tränenreich.) Bennet behauptet, daß die Änderungen in der Massenpsychologie des Faschismus zwischen 1933 und 1946 „im Wesentlichen linguistisch und sehr geringfügig“ seien. Stimmt das? Siehe dazu meine Ausführungen in dem Kapitel Marx und die Orgonbiophysik (S. 208). Und selbst wenn es stimmt, was bleibt dann von Reichs angeblichem politischen Opportunismus?
Wenn Bennet recht hat und Reich einfach Angst vor politischer Verfolgung in den USA hatte, warum dann nur „linguistische und sehr geringfügige“ Veränderungen? Man muß Bennet aber recht geben, daß Reich schlichtweg gelogen hat, wenn er später behauptete, kein Kommunist „im politischen Sinne“ gewesen zu sein. Es ist nur die Frage, ob Reich zwischen 1928 und 1933 „er selbst“ war (und damals innerlich mit sich rang) oder ob er es in den 1950er Jahren war. Bennet legt nahe, daß in Amerika Reich sein „wahres Denken“ kaschierte, um zu überleben. So hätten es ja schließlich viele andere linke Analytiker auch getan! Hmmm…
Bennets gesamte Argumentation (Reichs Verhaftung als „Alien Enemy“ habe diesem einen derartigen Schrecken eingeflößt, daß er sich fortan politisch verstellte) ist schlichtweg nicht tragfähig. Beispielsweise fällt Reichs Auseinandersetzung mit seiner sozialistischen Assistentin Gertrud Gaasland, d.h. sein endgültiger Bruch mit dem Sozialismus, vor seine Verhaftung. Siehe dazu Ilse Ollendorffs Reich-Biographie. Außerdem waren bereits in Norwegen die letzten Nummern der Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie demonstrativ unpolitisch.
Am Ende seines Vortrags nervt Bennet einfach, wenn er all die sexuelle Repression in den USA beschreibt, was im übrigen nicht zum Thema seines Vortrages paßt. Die Frage ist, was funktionell wichtig ist: die moderne Permissivität der amerikanischen Gesellschaft oder der überkommene Puritanismus.
In der anschließenden Diskussion verweist Bennet auf Reichs Briefwechsel mit Neill, der Reichs Opportunismus belegen würde. Nun, an keiner Stelle hat sich Reich anti-kommunistischer geäußert. Ständig versucht Reich Neill von dessen Marxistischen Flausen abzubringen. Gerade in seinen in den USA nicht veröffentlichten privaten Äußerungen war er ganz so, wie die Orgonomen um Elsworth F. Baker Reich später beschrieben haben. Bennet hält dagegen, daß Reich bis zum Ende eine gesellschaftspolitische „Vision“ hatte. Immerhin räumt Bennet mit der Mär auf, Reich sei im Gefängnis ermordet worden.
Bennet versucht in seinem zweiten Vortrag, das Reichsche Konzept der „Arbeitsdemokratie“ mit Reichs Marxismus zu verknüpfen. Bennet hat entdeckt, daß Reich 1956 in seiner geplanten Zeitschrift CORE Command Bulletin u.a. seine ersten beiden Schriften zur Arbeitsdemokratie veröffentlichen wollte, die er vorher angeblich aus Angst vor den amerikanischen Behörden nicht auf englisch veröffentlicht hatte. Gleichzeitig konstatiert Bennet bei Reich am Ende seines Lebens „paranoide Züge“. Er deutet an, m.E. zu recht, daß Reich vielleicht damals seine politisch inkriminierenden Tagebücher zwischen 1923 und 1933 verbrannt hat.
Peinlicherweise zitiert Bennet, wie Reich in diesem Zusammenhang eine der zehn oder zwölf Sätze von Marx von sich gibt, die immer wieder und wieder und wieder und wieder ad nauseam von Marxisten genannt werden. In diesem Fall ist es: „Ich bin kein Marxist!“ Genauso peinlich ist es, wenn Bennet Reichs Kritik am amerikanischen Liberalismus teilt, etwa was die Äußerungen von Holocaust-Leugnern und Rassisten betrifft. „Haßverbrechen“, – mit deren Verfolgung der Stalinismus in die westliche Welt seinen Einzug hält! Das ganze läuft bei Bennet darauf hinaus, daß er allen Ernstes Reichs Konzept der Arbeitsdemokratie mit der Occupy-Bewegung gleichsetzt. Praktisch in allem ist Bennet das Negativ von Charles Konia. Ich kann den geneigten Leser nur auf Zeugnisse einer Freundschaft verweisen, um zu sehen, wo Reich heute wahrscheinlich stünde und wie genau es mit dessen Antiliberalismus aussieht!
Dieses Netztagebuch ist aus der Netzseite www.orgonomie.net herausgewachsen. Ursprünglich war der Nachrichtenbief eine wöchentliche Strompost, die die neusten Entwicklungen in Gesellschaft und Wissenschaft mit den Themen der Netzseite in Zusammenhang bringen sollte.
Problem bei solchen Netztagebüchern ist, daß sie zur Verbreitung von Weltanschauungen tendieren. Die Orgonomie ist jedoch Wissenschaft, keine Weltanschauung. Entsprechend war für Reich in den 1920er und 1930er Jahren die Psychoanalyse eine Wissenschaft und keine Weltanschauung, obwohl sie als Weltanschauung bekämpft wurde (Menschen im Staat, S. 238). Reich führte damals weiter aus, daß sich in der „objektiven Wissenschaft“ der weltanschauliche Konflikt nicht direkt zu äußern pflege. Man müsse unterscheiden, wo wissenschaftliche Differenzen Mängeln sachlicher Erkenntnis und wo sie weltanschaulichen Motiven entspringen, und ausmachen, wo es zur Bremsung der Erforschung der Wahrheit durch eine unbewußt festgehaltene Weltanschauung komme (ebd., S. 250).
Es kann also nicht darum gehen, hier eine vermeintlich „orgonomische“ Weltanschauung zu vertreten (was ein Widerspruch in sich selbst wäre!), sondern nur darum zu zeigen, wo und wie die diversen Weltanschauungen verhindern, daß sich die Wahrheit, d.h. die Wissenschaft durchsetzt. Ein solches Unterfangen ist natürlich nur möglich, wenn man selbst auf einem sachlichen Fundament steht.
Dieses Fundament ist die Orgonomie bzw. die folgenden vier Grundelemente (vgl. www.orgonomie.net/hdozeit.htm):
Am wichtigsten, weil die Grundlage von allem, ist der 1. Punkt. Für den Leser dieser Zeilen bedeutet dies konkret psychiatrische Orgontherapie als die alles entscheidende Grundvoraussetzung, um überhaupt in irgendeiner Weise orgonomisch tätig sein zu können (siehe www.roomforhappiness.de).
Parallel dazu strebt die soziale Orgonomie danach, die „soziale Panzerung“ aufzulösen. Dies geschieht, indem den Massen bewußtgemacht wird, daß die Lösung ihrer Probleme nicht im politischen, sondern im bio-energetischen Bereich liegt. Wie der amerikanische Orgonom Charles Konia in seinem Netztagebuch schrieb:
Das erste und einzige, was den Menschen auf ihrem aktuellen emotionalen Entwicklungsstand gesagt werden kann, ist, daß es keine politischen Lösungen für ihre sozialen Probleme gibt und ihre politischen Lösungen, um den Himmel auf Erden zu erreichen, ein Schwindel sind. Wenn die Menschen diesen Gedanken fassen können, reicht das erst mal. Politische Sehnsucht ist bei den heutigen Massen an die Stelle der religiösen Sehnsucht getreten. Auf diese Weise drücken sie ihren Mystizismus aus.
Punkt 2 beinhaltet den Nachvollzug und die Weiterführung von Reichs Experimenten.
Punkt 3 ist mehr oder weniger Inhalt von www.orgonomie.net, desgleichen
Punkt 4, hier insbesondere der Kampf gegen die Emotionelle Pest, die Auswirkungen von DOR (abgestorbener, giftiger Orgonenergie) auf gesellschaftlicher Bühne (OREP).
Die innige Beziehung zwischen „Äußerlichkeiten“ und dem Innersten des Menschen zeigt sich an so etwas simplen wie der Körperlänge oder etwa der Breite des Gesichts.
Jane Green, University of Oxford, et al. haben die Daten von mehr als 1,3 Millionen Frauen mittleren Alters ausgewertet, die über ein Jahrzehnt hinweg beobachtet wurden. In dieser Zeit traten 97 000 Krebsfälle auf. Nachdem man alle anderen Risikofaktoren heraus rechnete, ergab sich, daß das Krebsrisiko pro 10 Zentimeter mehr Körpergröße um 16 Prozent steigt.
Bemerkenswerterweise gilt dies für die unterschiedlichsten Arten von Krebs, sagt also etwas über „den Krebs an sich aus“, – den es für die moderne Medizin zunehmend gar nicht mehr gibt. Der mechanistische Erklärungsversuch:
Entweder gibt es bestimmte Umweltfaktoren oder genetische Besonderheiten, die sowohl das Wachstum als auch das Krebsrisiko beeinflussen. Oder die größere Anzahl von Zellen, die in einem großen Körper vorhanden sind, erhöht per se die Wahrscheinlichkeit, daß es zu Entartungen kommt. In jedem Fall könnte der Größeneffekt laut den Forschern zumindest zum Teil erklären, warum es in unterschiedlichen Ländern verschiedene Krebsraten gibt – und warum die Anzahl von Krebserkrankungen seit Jahren stetig zunimmt, denn auch die Durchschnittsgröße steigt kontinuierlich an.
Zunächst einmal hat Reich in Der Krebs ebenfalls die Behauptung aufgestellt, daß die Anzahl der Biopathien, insbesondere aber die der Krebserkrankungen steigt. Reich:
Es wird in der Literatur der Krebsstatistik behautet, daß das Anwachsen der Zahl der Todesfälle infolge Krebses in den letzten Jahrzenten der besseren Diagnostik am Lebenden und an Leichen zuzuschreiben ist; daß also das Anwachsen der Todesziffern ein Artefakt ist. (Der Krebs, Fischer TB, S. 407f)
Die mechanistische Wissenschaft müsse das sagen, „um an der rein erblichen Natur des Krebses (festhalten zu können)“ (ebd., S. 408).
Wir sehen anhand der obigen Meldung, daß aus heutiger Sicht das Anwachsen des Krebsrisikos kein Artefakt ist. Die mechanistische Wissenschaft kann das heute einräumen, weil sie gleich eine naheliegende genetische Erklärung zur Hand hat: mehr Zellen bedeutet, daß mehr Zellen genetisch entarten, d.h. sich zu Kondensationskernen von Krebstumoren entwickeln können. Und da in den industrialisierten Ländern die Menschen von Generation zu Generation immer größer werden, wachse dort das Krebsrisiko, während es in den unterentwickelten Ländern, wo dieses Längenwachstum nicht in diesem Ausmaß auftritt, in etwa gleich bleibt.
Für Reich ist Krebs eine Art „Enttäuschungsreaktion auf Zellebene“. Große Erwartungen, d.h. ein entsprechend mobilisiertes Energiesystem, führen zu entsprechend verheerenden Enttäuschungsreaktionen; eine bioenergetische Reaktion, die bis auf die Zellebene zurückwirkt. Wir alle wissen aus eigener Anschauung, wie es „bis ins Mark geht“, wenn große Erwartungen brutal enttäuscht werden. „Bremsen bei voller Fahrt!“
Und warum breitet sich dann die Krebserkrankung immer weiter aus? Reich:
Menschen, die durch die Veränderung der Sitten zur Bewußtheit ihrer sexuellen Bedürftigkeit kommen, denen aber die Mittel und Wege fehlen, der sexuellen Energie den natürlichen Ablauf durch volle natürliche Befriedigung zu geben, müssen notwendigerweise zerrissen werden, müssen biopathisch erkranken (…). (ebd., S. 412)
Die Lebendigkeit der Menschen bliebe, so Reich weiter, immer mehr hinter ihren Ansprüchen zurück, was zu immer weiter steigender sexueller Frustration führt.
Parallel zu der von Reich beschriebenen sexualökonomischen Entwicklung wurden die Menschen auch immer größer. Anthropologen fanden anhand von Knochensammlungen heraus, daß es immer wieder Zeiten mit regelrechten Wachstumsschüben gegeben hat. Sie sprechen von „säkularer Akzeleration“. Seit Ende des 19. Jahrhunderts, als die Industrialisierung begann, sind wir größer geworden als jemals zuvor. Die Ursachen dafür sehen sie in den optimalen Umweltbedingungen. Wir haben ausreichend Nährstoffe und Nahrung zur Verfügung. Aber auch die sonstigen Bedingungen, wie ein hoher Standard an Hygiene, sind sehr gut.
Was die Körpergröße betrifft, war es im Laufe der Jahrhunderte entscheidend, in welcher Familie man geboren wurde. So haben soziale Unterschiede im vergangenen Jahrhundert eine sehr große Rolle gespielt. Gleichaltrige Schüler, die auf Schulen für Arme gingen, waren oft 20 cm kürzer als diejenigen, die Schulen für Adlige besuchten. Auch heute sind solche Unterschiede, je nach sozialer Schicht, erkennbar. Allerdings beträgt der Unterschied nur noch zwei bis drei Zentimeter.
Und was hat eine Zunahme der Körpergröße direkt mit einer Zunahme des Krebsrisikos zu tun? Aus bioenergetischer Sicht ist Krebs gleichbedeutend mit einem Hang zur Anorgonie.
In der Anorgononie ist weniger biologische Energie frei und tätig; die träge Masse des Organismus wird im Verhältnis zur tätigen Energie, die den Körper zu bewegen hat, größer, also schwerer. (ebd., S. 400)
Offenbar, so können wir angesichts der heutigen Daten spekulieren, „hinkt die organismische Orgonenergie der hypertrophierenden Masse hinterher“.
Interessanterweise haben große Menschen ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Herz-Kreislauferkrankungen sind in vieler Hinsicht das Gegenteil der Krebs-Schrumpfungsbiopathie, nämlich eine „Stauungsbiopathie“. „Zu viel Energie für die zu kleine Masse.“
Weitere Ausführungen würden vollends in Spekulation abgleiten, weshalb ich es mit folgender Aufstellung bewenden lassen will:
Michael Haselhuhn und Elaine Wong (University of Wisconsin in Milwaukee), haben in zwei Studien gezeigt, daß je breiter ein Männergesicht im Verhältnis zur Höhe ist, es desto wahrscheinlicher ist, daß Männer lügen und betrügen. Das gilt nur für Männer, bei Frauen ist die Gesichtsform in keinster Weise mit dem Hang zum Betrug verbunden.
Ein breites Gesicht ist [bei Männern] ein klares Indiz dafür, daß sein Besitzer zum Mogeln und zum Betrügen neigt. Damit sei zum allerersten Mal eine Verbindung zwischen unethischem Verhalten und einem genetisch festgelegten körperlichen Merkmal nachgewiesen worden, jubeln Haselhuhn und Wong. Vermittelt werde diese Verbindung ganz offensichtlich durch das persönliche Machtgefühl. Das mache auch aus Sicht der Evolution Sinn: Wäre das breite Gesicht lediglich ein Indikator für einen Hang zum Lügen, dürfte es seinen Trägern in der Vergangenheit ausschließlich Nachteile gebracht haben und müßte mittlerweile völlig verschwunden sein. Ist es jedoch gleichzeitig ein Anzeichen für positiv gewertete Qualitäten, könnte das den negativen Effekt aufgehoben haben. Genau das sei hier der Fall: Macht beziehungsweise das Gefühl von Macht bringe auch Optimismus, zielgerichtetes Verhalten und Führungsqualitäten mit sich.
1980 hat mich meine damalige Freundin zu einer „charakterkundlichen“ Vorlesungsreihe mitgeschleppt. Im Anschluß an Johann Caspar Lavater (der heute vor allem durch seine Beziehung zu Goethe bekannt ist) ging es darum, aus der Schädelform und den Gesichtszügen den Charakter zu lesen. Entsetzt saß ich da im altertümlichen Vorlesungssaal, den der Veranstalter von der Hamburger Universität angemietet hatte, und fühlte mich um 40 Jahre in die Vergangenheit versetzt. Ich ärgerte meine Freundin, indem ich sie als „Ernährungstyp“ charakterisierte und sie mich: ich sei vom Typus des „genialen Verbrechers“ (hohe Stirn mit unausgewogenen Gesichtszügen).
Merkwürdigerweise sahen fast durchweg alle Schachgroßmeister, Teilchenphysiker, Mathematikprofessoren, etc., denen ich im Leben begegnet bin, ausgesprochen „unintelligent“ aus.
Weniger witzig war, daß dieses System auch auf „Rassen“ angewendet wurde, wobei die „weiße Rasse“ als „vergeistigt“ galt, die „schwarze Rasse“ als „animalisch“.
Bereits Reich mußte sich bei seiner Formulierung der Charakteranalyse mit derartigen Vorstellungen herumschlagen, insbesondere mit der Charakterkunde von Ludwig Klages (Charakteranalyse, KiWi, S. 198).
Das ganze läuft darauf hinaus, daß der Mensch aus drei Schichten aufgebaut ist: bioenergetischer Kern, Mittlere Schicht und soziale Fassade.
Diese drei Schichten entsprechen der angeborenen Natur des Menschen (ich habe beispielsweise das aufbrausende Temperament meiner Mutter geerbt), sein Charakter, d.h. die Art und Weise, wie er sich im Leben durchsetzt und schließlich seine Persönlichkeit, mit der er sich mehr oder weniger willentlich der Umwelt präsentiert (beispielsweise: „Immer nur lächeln, auch wenn einem zum Weinen zumute ist!“). „Charakterologen“, wie Klages, werfen diese drei Bereiche wild durcheinander. Dergestalt ist „Charakterkunde“ ein Beispiel für die Emotionelle Pest.
Der Charakter zeigt, wie man mit dem „angeborenen Material“ umgeht. Meist ist dies kontraproduktiv, läßt sich aber in einer Orgontherapie weitgehend verändern.
Ich habe mit mehreren Orgontherapeuten und „Orgonpatienten“ darüber gesprochen: Orgontherapie über eine Videokamera ist möglich. Damit fällt (mal abgesehen von den Finanzen!) jedwede Ausrede weg, sich keiner Orgontherapie lege artis zu unterziehen.
Panzerung kann man durchaus mit einer Art „Amputation“ vergleichen: wir haben ganze Bereiche unseres Körpers abgespalten, entsprechend erstarrt und zerstückelt ist unser Innenleben. Das spiegelt sich zweifellos auch in der neuronalen Struktur unseres Gehirns wider. Wir sind, mechanistisch ausgedrückt, sozusagen hoffnungslos „falsch verdrahtet“.
Neurologen aus den USA berichten jedoch über den Fall eines 56jährigen Mannes, dem vor 35 Jahren die rechte Hand amputiert worden war. Während dieser dreieinhalb Jahrzehnte wurde die betreffende Hirnregion anderweitig genutzt, doch offenbar kann sich dieses Areal nach der Transplantation einer neuen Hand seiner alten Funktion erinnern und von neuem beispielsweise dem Tastsinn dienen.
Schon allein die Erkenntnis, daß das Gehirn die Umstrukturierung während all der Zeit ohne Hand wieder rückgängig zu machen scheint, ist bemerkenswert, erklärt [Scott Frey von der Universität von Oregon in Eugene]. Für noch erstaunlicher hält er indes die Tatsache, daß dieser Vorgang eintritt, obwohl das Gehirn des Patienten zum Unfallzeitpunkt schon vollentwickelt war. Die Ergebnisse seien somit sehr bedeutsam für das Verständnis der Flexibilität des Gehirns bei Erwachsenen und in der Neurorehabilitation.
Das menschliche Protoplasma erstarrt nicht unwiderruflich, sondern bleibt bis ins hohe Alter erstaunlich flexibel und anpassungsfähig. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, daß wir bis zum Zeitpunkt unseres Todes die Möglichkeit haben, uns mit Hilfe der Orgontherapie zu verändern und zu erneuern: wir sind durch die Panzerung nicht unwiderruflich verstümmelt.
Eine Fallstudie der Johns Hopkins University (Daniel Dilks et al.) über einen Patienten, der infolge eines Schlaganfalls teilweise erblindet war, deutet darauf hin, daß das Gehirn von Erwachsenen genauso formbar ist, d.h. neue Nervenbahnen bilden kann, wie das von Kindern.
Der Schlaganfall hatte einige Nervenbahnen geschädigt, die die Information von den Augen zum visuellen Cortex im hinteren Teil des Gehirns übertragen. Als Folge war im oberen linken Teil des Gesichtsfeldes ein blinder Fleck entstanden. Tests zeigten jedoch, daß der vom Auge abgeschnittene Teil des visuellen Cortex auf Bildinformationen anspricht, die vom unteren linken Gesichtsfeld kommen. Etwas, was bei Erwachsenen nach der gängigen Theorie gar nicht auftreten kann, weil alles sozusagen bereits fest und unveränderbar „verschaltet“ ist. Schon vorher hatten Forscher berichtet, daß bei „erwachsenen“ Mäusen Neuronen im Gehirn nachwachsen können.
Diese Forschungsergebnisse deuten erneut darauf hin, daß die orgontherapeutische „Umstrukturierung“ des Charakters mit dem Ziel einen neurotischen, d.h. „unveränderbar verschalteten“, Charakter in einen lebendigen, einen genitalen Charakter umzuwandeln, eine reale Möglichkeit ist. Es besteht keinerlei Grund für einen therapeutischen Nihilismus, der sich teilweise auf Reich beruft („Krumm gewachsene Bäume kann man nicht wieder geraderichten!“), der aber nichts anderes ist als Ausdruck von Lebensfeindlichkeit. Wer nicht an die eigene Veränderung glaubt, soll von den „Kindern der Zukunft“ gefälligst schweigen!