Posts Tagged ‘Körperpsychotherapie’

Wahrheit und Gegenwahrheit in der klinischen Situation (Teil 2)

14. Juli 2019

von David Holbrook, M.D.

 

Es gibt einen Grund für das Vorhandensein der Abwehr, eine „Gegenwahrheit“, die vom Therapeuten zumindest intuitiv wahrgenommen werden muß, um Fehler in der Behandlung zu vermeiden, die dem klinischen Äquivalent dessen entsprechen, was Reich in einem soziologischer Kontext als „Freiheitskrämerei“ bezeichnet hat. Mit anderen Worten, wenn der Therapeut aufgrund seines kontaktlosen therapeutischen Über-Ehrgeizes die Art der Abwehr des Patienten und die Gründe, warum diese vorhanden ist, nicht wahrnimmt und nicht mit ihr in Kontakt kommt; wenn der Therapeut die Gegenwahrheit der Abwehr des Patienten nicht wahrnimmt, dann besteht die Gefahr, den Patienten zu schädigen und die Therapie zu sabotieren, und zwar durch eine Art „Therapiekrämerei“ oder „Kernkrämerei“ bzw. „Gesundheitskrämerei“. UM ZU VERSTEHEN, WARUM EIN ORGANISMUS NICHT FREIHEITSFÄHIG IST, ALSO UM KEIN FREIHEITSKRÄMER ZU SEIN, MUSS MAN VERSTEHEN, WARUM EIN ORGANISMUS ES VORZIEHT, OHNE FREIHEIT UND KONTAKT ZU LEBEN. VON DAHER KANN DIE WAHRNEHMUNG DER GEGENWAHRHEIT IN MANCHEN ZUSAMMENHÄNGEN DIE ESSENZ VON KONTAKT SEIN und verhindern, daß der Therapeut ein „Kontaktkrämer“ wird.

Genauso wie Reich empfahl, daß das Angehen der Abwehrstruktur des Patienten dessen zugrundeliegende gesündere Kernimpulse spontan befreien würden, indem die Hindernisse für ihren Ausdruck beseitigt werden, und genauso wie er empfahl, daß das Verständnis der Gegenwahrheit ein wesentlicher erster Schritt auf der Suche ist, der Wahrheit zu erlauben, das menschliche Leben spontan zu regieren, empfahl er auch, daß, damit sich die gesunden Kernimpulse auf der soziologischen Ebene ausdrücken können, zunächst die Hindernisse angegangen werden müssen, die die Emotionelle Pest einem gesunden natürlichen Ausdruck im den Weg stellt. DIE GESUNDEN KERNIMPULSE, SOWOHL AUF DER INDIVIDUELLEN ALS AUCH AUF DER GESELLSCHAFTLICHEN EBENE, WERDEN SICH SELBST REGIEREN UND IN EINER SPONTANEN WEISE ENTWICKELN, WENN DIE HINDERNISSE ENTFERNT WERDEN:

„Wir sollten uns … vor allem auf die Pest und nicht auf die Wahrheit konzentrieren und in erster Linie der Dürre und dem Frost vorbeugen, anstatt darauf zu achten, was der Sämling macht oder machen könnte. Der Sämling wird seinen Weg zur lebensspendenden Sonne finden. … Man braucht nicht auf die ersten Gehversuche eines Kindes achtzugeben, sondern auf den Stein oder den Abgrund auf seinem Wege.“ (Reich 1953, S. 313)

Diese Aussagen zur Gegenwahrheit und zur Pest haben direkte klinische Relevanz. Wie Konia und Harman gesagt haben: „Die Emotionelle Pest ist unser Patient.“ (Konia 2014). „Sequestration und Beseitigung der Pest durch die Lebensfunktionen … ist letztlich die beste Beschreibung der Aufgabe des Therapeuten.“ (Harman 2012). Reich erklärte: „Die Technik der Charakteranalyse zielte grundsätzlich darauf ab, die stagnierende, in der Panzerung, in der ‘mittleren Schicht’ der Charakterstruktur enthaltende Energie zu mobilisieren.“ (1955, S. 464) und wie Dr. Harman ausführt: „Aus Reichs Beschreibungen (1949, 1953) … wird deutlich, daß die sekundäre Schicht … als strukturierte Form der Emotionellen Pest innerhalb des gepanzerter Organismus verstanden werden kann.“ (2012, S. 37)

Zusammenfassend bedeutet die erfolgreiche Bekämpfung der Abwehr des Patienten ein Verständnis der Gegenwahrheit innerhalb des Patienten, und die Gegenwahrheit und die von ihm aufgewandte Abwehr sind letztlich eine Funktion der Emotionellen Pest. In diesem Sinne sind charakteranalytische und orgon-biophysikalische Techniken Methoden, um die Gegenwahrheit und deren ultimative Ursache, die Pest, bei individuellen Patienten auszumachen und zu eliminieren.

Während unseres ganzen Lebens führen wir alle einen Kampf auf Leben und Tod. Um uns sicher zu fühlen oder unerträglichen Ängsten oder Gefahren zu entgehen, opfern wir oft die ganze Palette unserer Lebendigkeit und unserer emotionalen Freiheit, sogar unserer körperlichen Gesundheit.

Der Panzer beengt und bewahrt das Leben. Er ist Teil der Natur und es gibt ihn aus einem Grund. Wenn wir als medizinische Orgontherapeuten den Panzer stören, sollten wir alle Anstrengungen unternehmen, um sicherzustellen, daß wir verstehen, was wir da tun: wir beeinflussen die Natur tatsächlich und unsere Interventionen haben Konsequenzen.

Wieviel Lebendigkeit verträgt ein Patient? Wird das Ergebnis der Störung des Panzers durch den Therapeuten immer für den Patienten von Nutzen sein?

Ich denke, es ist schwer zu sagen, wieviel Lebendigkeit ein bestimmtes Individuum erfahren „sollte“. Der medizinische Orgontherapeut muß das Gleichgewicht zwischen Lebendigkeit und Sicherheit sorgfältig abschätzen, er muß die Funktion des Panzers verstehen, seine Gegenwahrheit. Das ist die Essenz des Kontakts zwischen Therapeut und Patient.

 

Literatur

  • Crist P 2013-2014: klinische Seminare des ACO und private Supervision
  • Harman R 2012: Clinical Applications of Reich’s Work with Impulsive Characters: The Ego, Ego-Ideal, Superego and the Id. The Journal of Orgonomy 46(1):20-47
  • Holbrook D 2009: “Word Language”: Character Analysis in the Early Stages of Medical Orgone Therapy. The Journal of Orgonomy 43(1):33-38
  • Holbrook D 2011: A Schizophrenic Approaches the Couch. The Journal of Orgonomy 44(2):7-21
  • Holbrook D 2012: “Not So Fast”: The Treatment of a Paranoid Schizophrenic Character. The Journal of Orgonomy 46(1):53-62
  • Holbrook D 2013: Sex and Love in a Case of Paranoid Schizophrenic Character. unveröffentlichtes Manuskript
  • Konia C 1981: Hazards of Body Therapies: Three Case Studies. The Journal of Orgonomy 15(1):64-73
  • Konia C 2004: Applied Orgonometry Part III: Armored Thought. The Journal of Orgonomy 38(2): 93-100
  • Konia C 2014: 2. März 2014, klinisches Seminar, Amercian College of Orgonomy Training Program
  • Reich W 1949: Charakteranalyse, Köln: KiWi, 1989
  • Reich W 1953: Christusmord, Freiburg: Walter-Verlag, 1978
  • Reich W 1955: Die emotionale Wüste. In: Ausgewählte Schriften, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1976
  • Wolfe TP 1949. In: Reich W: Character Analysis, Third, enlarged Edition. New York: Orgone Institute Press

 

Dieser Text wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.

Wahrheit und Gegenwahrheit in der klinischen Situation (Teil 1)

12. Juli 2019

von David Holbrook, M.D.

 

„Wahrheit ist voller, unmittelbarer Kontakt zwischen wahrnehmendem und wahrgenommenen Leben. Je besser der Kontakt ist, desto voller ist das wahrheitsgetreue Erleben. Je besser die Funktionen der lebendigen Wahrnehmung koordiniert sind, desto umfassender ist eine jeweilige Wahrheit. Und die lebendige Wahrnehmung ist genau in dem Grade koordiniert, wie die Bewegung des lebendigen Protoplasmas koordiniert ist. SO IST DIE WAHRHEIT EINE NATÜRLICHE FUNKTION …“ (Reich 1953, S. 297) „Wahrheit ist als Manifestation des vollsten Kontakts des Lebens zu sich selbst und seiner Umgebung unauflöslich mit der Energiehaushalt des Lebens verbunden. Daher wühlt Wahrheit, wenn sie voll gelebt wird, die tiefsten Emotionen auf und steigert damit den Drang zur genitalen Umarmung. DA NUN ABER DER KERN DER ENERGIEENTLADUNG DES LEBENDIGEN VON DEN MENSCHEN JAHRTAUSENDELANG AUSGESCHLOSSEN UND GEÄCHTET WAR, MUSSTE MAN AUCH DER WAHRHEIT AUSWEICHEN.“ (Reich 1953, S. 300f, kursiv im Original)

„Es muß eine entscheidende Wahrheit UNTERSCHIEDLICHER Art geben, die die Durchsetzung der eigentlichen Wahrheit verhindert. Wir nennen sie die GEGENWAHRHEIT.“ (Reich 1953, S. 354, kursiv im Original) „…die VOLLE Wahrheit [schließt] immer die GEGENWAHRHEIT mit ein…“ (Reich 1953, S. 258, kursiv im Original) „…die GEGENWAHRHEIT … besagt, daß in einer bestimmten Gruppe oder in einer bestimmten Situation die Anwendung [der] Grundwahrheit verhängnisvoll wäre.“ (Reich 1953, S. 315, kursiv im Original) „…bevor man eine Wahrheit verkündet, [sollte man] die HINDERNISSE kennen, die ihr entgegenstehen.“ (Reich 1953, S. 313f, kursiv im Original). „DER WAHRHEIT WIRD DESHALB AUSGEWICHEN, WEIL SIE FÜR DEN ORGANISMUS, DER SICH IHRER NICHT BEDIENEN KANN, UNERTRÄGLICH UND GEFÄHRLICH IST. … Wenn man versucht, einem Mitmenschen eine Wahrheit aufzuzwingen, die er nicht leben kann, so bedeutet dies, daß man in ihm Emotionen weckt, die er nicht ertragen kann; es bedeutet, daß man seine Existenz gefährdet und sein geordnetes – wenn auch unglückliches – Leben aus dem Gleichgewicht bringt.“ (Reich 1953, S. 302f, kursiv im Original.) „… [der WAHRHEITSKRÄMER] … wird mehr Schaden anrichten, als irgendeine Lüge es je getan hat.“ (Reich 1953, S. 305, kursiv im Original.)

 

In „Die Waffe der Wahrheit“, dem Anhang zu Christusmord, führte Reich sein Konzept der „Gegenwahrheit“ wie oben beschrieben ein. Er beschrieb dieses Phänomen in einem soziologischen Kontext. Vor kurzem hat Dr. Peter Crist den Begriff jedoch im klinischen Kontext verwendet (Crist 2013-2014), was mich dazu inspirierte „Die Waffe der Wahrheit“ erneut zu lesen, um ein besseres Gefühl für die volle Bedeutung dieses Begriffs zu bekommen.

Eines der ersten Dinge, die einem in den Sinn kommen, wenn man das Konzept der Gegenwahrheit studiert, sind einige Ähnlichkeiten mit dem Konzept der psychologischen „Abwehr“. In Charakteranalyse (Reich 1949) skizzierte Reich eine therapeutische Technik, die darauf abzielte, den Patienten mit bestimmten charakterologischen Einstellungen in Kontakt zu bringen, mit denen der Patient sich psychologisch und emotional gegen tiefere, authentischere („wahrere“) Impulse verteidigt.

Reich führt aus, daß diese Arbeit mit dem Patienten von der Oberfläche in die Tiefe erfolgen sollte, wobei der Patient zuerst mit der Tatsache in Kontakt gebracht werden muß, „daß“ er abwehrt, was dann spontan zu einem zunehmenden Kontakt mit dem „Wie“ der Abwehr führt, was ihn schließlich dazu brachte, damit in Kontakt zu kommen, gegen „welchen“ Impuls die Abwehr gerichtet war (Reich 1949, S. 104). Durch die Fokussierung auf die Abwehr („Widerstandsanalyse“) und nicht auf die Analyse des zugrundeliegenden Impulses, wie dies in der klassischen psychoanalytischen Behandlung häufig der Fall ist, paßt die charakteranalytische Technik zu Reichs Aussagen über die primäre Bedeutung zunächst die Gegenwahrheit zu verstehen: „Am Anfang einer neuen Entwicklung ist die Gegenwahrheit oft bedeutender als die Wahrheit. Je besser die Gegenwahrheit erfaßt worden ist, desto fester und solider wird die Wahrheit selbst sein.“ (Reich 1953, S. 358) Diese Aussage von Reich ähnelt bemerkenswert dem, was er darüber sagt, wie wichtig es ist, sich dem Charakterwiderstand zu widmen, bevor man sich mit dem Inhalt der verbalen Ausführungen des Patienten befaßt.

Reich entdeckte schließlich, daß der charakteranalytische Ansatz, bei dem sich der Therapeut auf die Charakterabwehr konzentriert, bevor er versucht, den zugrundeliegenden Impuls aufzudecken und zu analysieren, einen spontanen psycho-bio-energetischen und emotionalen Prozeß in dem Patienten auslöst, der eine ganzkörperlich Reaktion auf die therapeutische Arbeit ermöglicht, einschließlich in einigen Fällen spürbare Aktivierung und Beteiligung des autonomen Nervensystems, im Gegensatz zur klassischen psychoanalytischen Methode, die tendenziell eine flachere, ausschließlich intellektuelle (zentrales Nervensystem, gehirnzentrierte) Erfahrung in der Therapie hervorbrachte. Man kann sagen, daß diese Ganzkörperreaktion auf die charakteranalytische Aufklärung des Patienten über seine Abwehr beweist, daß die Charakteranalyse in gewissem Sinne eine biologische Intervention ist, die SOWOHL die Psyche ALS AUCH das Soma anspricht.

Wie Theodore Wolfe im Vorwort des Übersetzers zur Charakteranalyse hervorhob, führte die charakteranalytische Methode zu einer schnelleren und tiefgreifenderen psychologischen Veränderung als die traditionelle psychoanalytische Methode, bei der „ein Übermaß unbewußten Materials ohne irgendeinen therapeutischen Nutzen erschlossen wurde, weil es der Analyse nicht gelang, die Affekte des Patienten zu mobilisieren. Dies lag wiederum in der Tatsache begründet, daß die Affekte größtenteils im Charakterpanzer gebunden waren.“ (Wolfe 1949, S. xiiif)

Die charakteranalytische Technik löst im Patienten eine emotionale Reaktion aus, die nicht vom intellektuellen Verständnis abhängt („Einsicht“). In der Tat scheint das intellektuelle Verständnis fast als Nebenprodukt der Arbeit aufzutreten, gewissermaßen NACHDEM die durch die Charakteranalyse hervorgerufenen charakterologischen, psychologischen, emotionalen und sogar biophysikalischen Veränderungen eingetreten sind. Wie Konia ausführt: „… das Ausdrücken von Ideen, bevor es zum emotionalen Ausdruck gekommen ist, wirkt als Widerstand und führt in eine therapeutische Sackgasse. Sobald die in der gepanzerten Muskulatur enthaltene Energie emotional ausgedrückt wird, tauchen Ideen auf, die sich spezifisch auf den emotionalen Ausdruck beziehen.“ (Konia 2004, S. 93)

Vielleicht könnte man sagen, daß das Geniale der charakteranalytischen Technik in ihrer intuitiven Wahrnehmung der Gegenwahrheit liegt, wie sie durch die charakterliche Abwehr des Patienten ausgedrückt wird. In einem gewissen Sinne ist der Charakter eine „Lüge“ oder eine Art Gegenwahrheit. Durch das In-Kontakt-Bringen des Patienten mit seiner Gegenwahrheit (die eine Abwehr der Wahrheit ist und durch Kontaktlosigkeit aufrechterhalten wird) wird das Hindernis für einen gesunden, wahrheitsgemäßen Ausdruck (mit anderen Worten: der Panzer, der ebenfalls durch eine Art von Kontaktlosigkeit aufrechterhalten wird und eine solche erzeugt) geschwächt.

 

Literatur

  • Crist P 2013-2014: klinische Seminare des ACO und private Supervision
  • Harman R 2012: Clinical Applications of Reich’s Work with Impulsive Characters: The Ego, Ego-Ideal, Superego and the Id. The Journal of Orgonomy 46(1):20-47
  • Holbrook D 2009: “Word Language”: Character Analysis in the Early Stages of Medical Orgone Therapy. The Journal of Orgonomy 43(1):33-38
  • Holbrook D 2011: A Schizophrenic Approaches the Couch. The Journal of Orgonomy 44(2):7-21
  • Holbrook D 2012: “Not So Fast”: The Treatment of a Paranoid Schizophrenic Character. The Journal of Orgonomy 46(1):53-62
  • Holbrook D 2013: Sex and Love in a Case of Paranoid Schizophrenic Character. unveröffentlichtes Manuskript
  • Konia C 1981: Hazards of Body Therapies: Three Case Studies. The Journal of Orgonomy 15(1):64-73
  • Konia C 2004: Applied Orgonometry Part III: Armored Thought. The Journal of Orgonomy 38(2): 93-100
  • Konia C 2014: 2. März 2014, klinisches Seminar, Amercian College of Orgonomy Training Program
  • Reich W 1949: Charakteranalyse, Köln: KiWi, 1989
  • Reich W 1953: Christusmord, Freiburg: Walter-Verlag, 1978
  • Reich W 1955: Die emotionale Wüste. In: Ausgewählte Schriften, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1976
  • Wolfe TP 1949. In: Reich W: Character Analysis, Third, enlarged Edition. New York: Orgone Institute Press

 

Dieser Text wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.

Liebe und Orgasmusangst bei einem paranoid-schizophrenen Charakter (Teil 6)

24. Juni 2019

von David Holbrook, M.D.

Schlußfolgerung

George hat gesagt, daß die emotionalen Ereignisse in seiner oben beschriebenen sexuellen Beziehung die tiefsten „therapieartigen“ Erfahrungen sind, die er jemals gemacht hat. Er hat das Gefühl, daß er in der Liebesbeziehung zu Angela in die Lage versetzt wird, noch tiefer zu gehen, als dies normalerweise in der formalen therapeutischen Situation in meinem Büro möglich ist. Auf der anderen Seite ist es die Therapie und sowohl die tiefe nonverbale als auch die verbale Arbeit, die es ihm ermöglicht hat, diese tiefen Erfahrungen in seiner Liebesbeziehung zu ertragen und mit ihnen in Kontakt zu treten und diese Erfahrungen zu nutzen, um in Richtung Gesundheit zu wachsen.

George und Angela bemühen sich, ihren eigenen einzigartigen Weg zur tiefsten Liebesbeziehung zu finden, die sie tolerieren können. Dabei folgen sie, soweit es ihnen möglich ist, dem Rat von Reich:

„Es gibt nur eine, allgemein gültige Regel, wie man die eigene, besondere Wahrheit finden kann: Lernen, geduldig in sich hineinzuhorchen und sich so Gelegenheit geben, den eigenen Weg zu finden, der zu einem selbst und zu niemandem sonst gehört. Dies führt nicht ins Chaos oder in wilden Anarchismus, sondern letztendlich in den Bereich, wo die gemeinsame Wahrheit für alle verwurzelt ist. (…) Daher sind auch die grundlegenden Wahrheiten in allen Lehren der Menschheit die gleichen; sie laufen alle auf das Eine hinaus: den eigenen Weg zu finden zu dem, was man fühlt, wenn man liebt oder schöpferisch tätig ist, wenn man sich sein Haus baut, wenn man seine Kinder zur Welt bringt oder nachts zu den Sternen schaut.“ (Reich 1953, S. 311f)

[Weitere Informationen finden sich bei Holbrook 2013.]

 

Literatur

  • Baker EF 1967: Der Mensch in der Falle, München: Kösel, 1980
  • Hamilton AE 1997: My Therapy With Wilhelm Reich (Part I). The Journal of Orgonomy 31(1):3-21
  • Holbrook D 2013: Sex and Love in a Case of a Paranoid Schizophrenic Character. unveröffentlichtes Manuskript
  • Holbrook D 2014: Truth, Countertruth, and the Emotional Plague in the Clinical Situation. unveröffentlichtes Manuskript [erscheint demnächst im NACHRICHTENBRIEF]
  • Holbrook D 2015: Orgonotic Functions in the Clinical Situation: The Bioenergetic Unity of Psyche and Soma. unveröffentlichtes Manuskript
  • Konia C 2000: Orgonotic Contact Part II. The Journal of Orgonomy34(2):50-59
  • Konia C 2004: Applied Orgonometry II: The Origin and Function of Thought. The Journal of Orgonomy 38(1):100-111
  • Reich W 1927: Genitalität, Köln: KiWi, 1982 [Ursprünglich 1927 mit dem Titel Die Funktion des Orgasmus veröffentlicht. Das ist ein komplett anderes Buch als das von 1942 mit dem gleichen Namen.]
  • Reich W 1935: Die sexuelle Revolution, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, 1971
  • Reich W 1942: Die Funktion des Orgasmus, Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag, 1972
  • Reich W 1949a: Charakteranalyse, Köln: KiWi, 1989
  • Reich W 1949b: Processes of Integration in the Newborn and the Schizophrenic. Orgonomic Functionalism 6, 1996. Rangeley, Maine: The Wilhelm Reich Infant Trust
  • Reich W 1950: Orgonomic Functionalism, Part II. Orgone Energy Bulletin 2(1):1-15, New York: Orgone Institute Press
  • Reich W 1951: Die kosmische Überlagerung, Frankfurt: Zweitausendeins, 1997
  • Reich W 1953: Christusmord, Freiburg: Walter-Verlag, 1978

 

Dieser Text wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.

Bist du auf der Suche nach dir selbst?

14. Juni 2019

Millionen sind auf der Suche nach sich selbst. Manche reisen um die ganze Welt, „um sich zu finden“. Keiner sieht, daß sein Selbst hinter einer Mauer aus Angst und Terror verborgen ist und daß „die Suche nach sich selbst“ in Wirklichkeit nur die lebenslange Flucht vor dieser Furcht und diesem Schrecken ist. Einzig und allein in der Orgontherapie durchschreiten Menschen die besagte „Mauer“, die Panzerung.

 

 

 

David Holbrook, M.D.: EMOTIONEN SPRECHEN LAUTER ALS WORTE

12. Mai 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Emotionen sprechen lauter als Worte

 

Der Orgasmusreflex, ein trügerisches Zeichen für Gesundheit

8. Mai 2019

Im Journal of Orgonomy (50(2), S. 76) beschreibt Elsworth F. Baker eine Patientin, die mit einem frei beweglichen, also weitgehend ungepanzerten Beckensegment in Therapie gekommen war. Am Ende der Therapie führte die Beseitigung restlicher Spannungspunkte im Becken und die Mobilisierung des Beckens (Aufforderung die Schließmuskeln des Anus und der Vagina widerholt anzuspannen und wieder loszulassen) zu einem starken Zittern der Schenkel und sie war fähig, beim Ausatmen das Becken nach vorne zu stoßen. Baker war es jedoch nicht möglich den Orgasmusreflex auszulösen. Dazu schreibt er: „Reich wies darauf hin, daß, obwohl einige Fälle ein hohes Gesundheitsniveau erreichen können, sie niemals den Reflex zeigen und manche nie [orgonotische] Strömungen verspüren.”

Umgekehrt berichtet im gleichen Heft (S. 178) Charles Konia von einer Patientin, die er von einem anderen Orgonomen übernommen hatte, bei der bloßes Atmenlassen auf der Couch sofort zu einem generellen Zittern des Körpers und zu einem Orgasmusreflex führte. Das trat zu einem Zeitpunkt auf, als von einer Heilung noch nicht im Entferntesten gesprochen werden konnte, war aber kein Grund zur Besorgnis, weil der vorangehende Orgontherapeut das okulare Segment ausreichend mobilisiert hatte, um eine geregelte Fortführung der Therapie zu garantieren.

Bei Patienten, die in den oberen Segmenten stark verpanzert sind, aber ein freies Becken haben, kann der „Beckenreflex“ auftreten, sozusagen „der halbe Orgasmusreflex“. Dieser kann sogar ein schlechtes Zeichen sein, weil insbesondere bei Schizophrenen zunächst die oberen Segmente entpanzert werden müssen, was nur durch Herstellung einer Panzerung (Immobilisierung) im Becken gelingen kann (die dann am Ende der Therapie natürlich wieder beseitigt werden muß).

Laientherapeuten können das alles nicht richtig einschätzen. Hinzu kommt, daß manchmal der „Orgasmusreflex“ (bzw. etwas, was der Laie für ihn halten könnte) in der ersten Sitzung auftritt. Jedenfalls war das zu meiner eigenen starken Verwunderung bei mir der Fall. Dr. Schwartzman versicherte mir damals, daß dies mitnichten der Orgasmusreflex sei. Am Anfang ist der Organismus (soweit er nicht vollständig erstarrt ist) noch vollkommen unvorbereitet, „naiv“ und es gibt noch keine Übertragung. Der quasi „hysterisch“ erregte Organismus ist deshalb der Situation hilflos ausgeliefert und läßt sich sozusagen gehen. Sehr bald panzert man sich jedoch in der therapeutischen Situation ab und die Illusion von Gesundheit verpufft. Laientherapeuten (Freiheitskrämer) leben von der Kultivierung solcher Illusionen. Ich denke nur an das „Orgasmusreflex-Training“.

Beim Schreiben dieses Blogeintrags flattert eine Einladung des „Instituts der Deutschen Gesellschaft für Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo“ auf den Schreibtisch. Es geht um die „12. Jahrestagung mit Einführungkurs: Metapsychologie und Technik der IS-TDP nach [Habib] Davanloo: DIE SUCHE NACH DEM WIDERSTAND“. Das ganze findet im „Exerzitienhaus der Diözese Würzburg HIMMELSPFORTEN“ statt. Bei diesem ganzen Zauber geht es um die Nutzung der Übertragung, die einen Widerstand gegen emotionale Nähe mobilisiert. Schon mal Wilhelm Reichs Buch Charakteranalyse gelesen? Der hatte aber Respekt vor dem Widerstand des Patienten, der im Kern ein charakterlicher Widerstand ist. Das alles zu Umgehen und, wie es im Flyer, heißt u.a. einen „vertikalen Zugang zum Unbewußten“ zu finden, ist von einer erschreckenden Rücksichtslosigkeit: die Abwehr wird mit Gewalt durchbrochen. Ähnlich wie das „Orgasmusreflex-Training“ wirkt es wie eine Karikatur des Reichschen Ansatzes. Das ganze gemahnt an das, was Morton Herskowitz über Lowen und Janov geschrieben hat: http://www.orgonomie.net/hdobespr3.pdf (dort S. 154-160).

Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 5)

31. März 2019

von Dr. med. Dr. phil. Barbara Goldenberg Koopman

 

Fallgeschichte (Fortsetzung)

Die nächsten paar Sitzungen waren weiterhin durch ihre direkt gegen mich gerichteten aggressiven Wünsche geprägt. Die Abwehr des „gutes kleines Mädchen“ wurde intensiviert. Ich wies darauf hin, dass dies eine Abwehr gegen Kontakt und ihren Wunsch sei, dass ich mich um sie kümmern soll. Ihre Wut nahm zu, aber mit ihr kam die Angst vor Vergeltung. Ich brachte sie dazu, ihre Wut in den Augen zum Ausdruck zu bringen. Sie wollte nicht glauben, dass es sicher war, Wut zu entladen und hatte das Gefühl, sie würde eine gewischt kriegen (trotz ihrer Entladung feindseliger Gefühle in früheren Sitzungen). Hier war wieder eine Vertiefung ihrer Mutterübertragung: sie erwartete von mir die gleiche Vergeltung, die ihre Mutter ihr in der Vergangenheit zu Teil hat kommen lassen.

Auf Wunsch der Patientin folgte ein Monat Urlaub von der Therapie. Sie wechselte den Beruf, hatte einen neuen Zeitplan und brauchte Zeit, um ihr Leben neu zu organisieren. Ich hatte den Eindruck, dass sie vor ihren wütenden Gefühlen auf der Flucht war, es ihr zu viel wurde und sie eine Verschnaufpause brauchte.

Nach einem Monat kam sie zurück. Sie hatte einen viel besseren und befriedigenderen Job gefunden und war sehr gut darin. Die Augen waren jedoch blockiert und sie konnte sie nur schwer drehen. Auf der Couch konnte sie viel Boshaftigkeit ausdrücken. Die Trennung für einen Monat schien die Mutterübertragung auf mich und die Verwechslung mit der Mutter, die sie verlassen hatte, mit mir zu vertiefen. Ich benutzte die Stiftlampe an ihren Augen und weckte zunächst tiefe Wut, danach Schrecken und schließlich intensive Sehnsucht. Sie streckte ihre Arme aus und rief: „Mami, Mami!“

Die nächsten beiden Sitzungen brachten durch die Intensivierung der Übertragung einen erhöhten Widerstand. Dieser lag nahe an der Oberfläche und konnte leicht interpretiert werden. So konnte sie nun ihre bisher unausgesprochene Sicht auf mich als „hysterisch“ und „ungepflegt“ auf die Art in Bezug setzen, wie sie ihre Mutter sah. Sie drückte auch ein Schuldgefühl darüber aus, dass sie mich umbringen würde. Ich benutzte die Lampe und sie konnte mich mit großer Überzeugung und Engagement symbolisch auf der Couch schlagen. Es folgte entweder das Auftreten einer spontanen frühen Erinnerung (wie es bei einer starken affektiven Entladung auftreten kann) oder das Wiedererleben eines psychedelischen Erlebnisses: Sie fühlte sich plötzlich sechs Monate alt und konnte ihre Angst vor der Verlassenheit, die sie als Angst, dem Tod überlassen zu werden erkannte, deutlich erleben. Sie konnte regredieren und trotzdem gleichzeitig das beobachtende Ich ausreichend intakt halten, um über die Erfahrung zu berichten. Die laufenden Sitzungen waren hauptsächlich mit einer Intensivierung der Trauerreaktion über die Mutter angefüllt.

Die Patientin berichtet, dass sie nach ihren Sitzungen manchmal tagelang weint und dies als unerträglich und überwältigend empfindet. Es gibt jedoch keinen Funktionsverlust bei der Arbeit oder im Studium. Sie bemerkt auch, dass das zwanghafte Grübeln verschwunden ist und sie beginnt zu verstehen, wie es sich anfühlt, in Kontakt zu sein. In letzter Zeit hat sie Episoden, manchmal Stunden lang, von echtem binokularem Sehen erlebt.1 Doch sie fühlt sich unsicher und ist voller Angst, gefühlsmäßig „zu viel Staub aufzuwirbeln“. Ich habe ihr gesagt, dass ich auch sehr besorgt bin, sie nicht überwältigt werden solle, ich die Situation sorgfältig überwache und dass sie mir sagen muss, wenn sie das Gefühl hat, dass wir zu weit gehen. Das Problem scheint eine intensive Intoleranz für Expansion und eine zu leichte Freisetzung des Verdrängten zu sein – insbesondere dessen, was sie in ihren früheren Drogenerfahrungen wachgerufen hat. Die Fähigkeit ihres Biosystems, Angstzustände zu binden, ist ziemlich gering. Wie sehr der Drogenkonsum dies beeinflusst hat, ist schwer zu sagen. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass diese Patientin aus gutem „Material“ besteht und in der Lage sein wird, dem letztendlichen Schrecken der Auflösung zu widerstehen. In der Zwischenzeit ist Vorsicht angesagt.

 

Anmerkungen

1 Beschrieben bei Baker (1, S. 18).

 

Literatur

1. Baker, E.F.: Man in the Trap. New York: Macmillan Co., 1967

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 3 (1969), Nr. 2, S. 213-225.
Übersetzt von Robert (Berlin).

Die Geschichte des AMERICAN COLLEGE OF ORGONOMY

19. März 2019

Wiederholt wurde ich aufgefordert einen ausführlichen Artikel über die Entwicklung der Orgonomie im allgemeinen und des American College of Orgonomy (ACO) im besonderen zu schreiben. Das kann ich aus zwei Gründen nicht machen: zu wenig und zu viel Information. Wie sich die American Association of Medical Orgonomy (AAMO) genau aufgelöst hat, wie das mit dem Cloudbusting Anfang der 1960er Jahre genau war, warum Levy das ACO genau verlassen hat, warum die Abspaltung des Institute for Orgonomic Science (IOS) nun genau erfolgte und was Baker damals genau vorgeworfen wurde… Die, die darüber (noch!) reden könnten, hüllen sich in Schweigen oder verbreiten einseitige Gerüchte, in denen es keine Zwischentöne mehr gibt – und heutige Orgonomen zucken glaubhaft mit den Schultern: „Keine Ahnung!“ Und wenn ich die Histörchen, die ich per Zufall aus erster, zweiter und dritter Hand habe, ausmale, kann nur ein schiefes Bild entstehen – und außerdem möchte ich niemanden in die Pfanne hauen, u.a. weil mir dann berechtigterweise niemand mehr was erzählen würde.

Weitaus wichtiger ist sowieso das Grundsätzliche. Wofür steht eigentlich das Wort „College“ in „ACO“? Es ist ein „Kollegium“, ein Verbund von „Kollegen“, die primär Ausbildung (das zunächst von Baker und dann von Konia geleitete Seminar für Orgontherapie) und Forschung (Orgon-Biophysik im Elsworth F. Baker Oranur Research Laboratory) betreiben. Zunächst erfolgte das in den Praxen und „ausgebauten Scheunen“ von Orgontherapeuten. Seit Ende der 1980er Jahre in einem größeren ehemaligen Farmhaus und einem kleinen Nebengebäude auf einem großen Grundstück in einem mehr oder weniger ländlichen Vorort von Princeton, New Jersey. Der Name „College“ zeigt bereits, daß das keine „Organisation“ oder gar ein „Verein“ im üblichen Sinne ist. Mit wenigen Ausnahmen am Anfang des ACO können sowieso nur Promovierte Mitglied werden und das auch nur bleiben, solange sie aktiv mitarbeiten.

Die Struktur des ACO richtete sich stets nach dem Modell der USA aus: souveräne Staaten (nicht bloße „Bundesländer“ wie in Deutschland!) und doch eine starke Zentralregierung. Jeder Orgonom ist vollkommen frei auf seine eigene Weise die Orgonomie zur Entfaltung zu bringen (beispielsweise kann er eine „Organisation“ gründen), solange er einige wenige Kompetenzen (im Grunde aber nur eine) vollständig der Zentralregierung überläßt: in den USA ist das die Landesverteidigung, beim ACO die Ausbildung und „Lizensierung“ von Orgontherapeuten. Vielfalt in Einheit! Schaut man genauer hin, war das nicht nur zu Reichs Zeiten genauso (das Orgone Institute und drum herum die Wilhelm Reich Foundation, das AAMO, etc.), sondern es ist so durchweg bei allen akademischen und handwerklichen Verbänden weltweit.

Und woher nimmt das ACO seine Legitimation? Es ist unumstritten, daß Elsworth F. Baker, der Gründer des ACO, Ende der 1940er Jahre vom Orgone Institute (= Wilhelm Reich) den Auftrag erhalten hatte, zukünftige Orgonomen auszubilden, was er denn auch bis zu seinem Tode 1985 getan hat. Er war zu Reichs Lebzeiten der unumstrittene Führer der amerikanischen Orgontherapeuten im Großraum von New York City und wie selbstverständlich Herausgeber der Zeitschrift Medical Orgonomy, die zu Reichs Lebzeiten erschien und die der unmittelbare Vorläufer des Journal of Orgonomy war. Hätte Baker direkt nach Reichs Tod die Zügel in die Hand genommen, hätte es niemals irgendeinen Zweifel hinsichtlich „Legitimation“ gegeben!

Baker hat sich aber anders entschieden. Die Orgonomie war krachend gescheitert bzw. den Orgonomen war es nicht gelungen Reich zu schützen. Es wäre der helle Wahnsinn gewesen, einfach so weiterzumachen, als wäre nichts gewesen! Reich habe Baker persönlich bei ihrem letzten Treffen unmittelbar vor seinem Haftantritt erklärt, daß alle Organisationen eingestellt werden sollten, Baker sich von den restlichen Orgonomen distanzieren sollte, da diese ihn sonst „umbringen“, er solle stattdessen eine neue Generation von Orgonomen ausbilden und mit denen zusammen ein „College of Orgonomy“ gründen. 11 Jahre später hat Baker genau das getan.

Der Hauptunterschied zwischen den „Reichianischen“ „Therapien“ und der Orgontherapie

18. März 2019

Die Techniken der Orgontherapie sind einfach. Sie sind einfach zu „erlesen“ und, als Patient, abzuschauen. Und schon macht man sich daran „Patienten“ zu „behandeln“. Es gibt weltweit zigtausende solcher „Therapeuten“. Sie verabreichen diese „Techniken“ auf eine mechanische Weise, haben keine Ahnung von den Grundlagen der Orgontherapie, wissen nichts von Charakteranalyse und Orgonometrie, können keine biopsychiatrische Diagnose stellen, etc. Aber das sind nur die Werkzeuge und die Kenntnis ihres korrekten Gebrauchs, der alles entscheidende Unterschied ist ein ganz anderer: (bioenergetischer) Kontakt mit dem Patienten aufnehmen und vor allem den Patienten dazu bringen, mit ihm, den Therapeuten, Kontakt aufzunehmen. Ohne diesen Kontakt zwischen Therapeuten und Patienten machen all die „Techniken“, egal wie oberflächlich korrekt sie angewendet werden, überhaupt keinen Sinn.

Intuitiv spürt der „Reichianische“ „Therapeut“ den Mangel an Kontakt und versucht das mit extremem „therapeutischen“ Aktivismus wettmachen (ähnlich wie kontaktlose Paare zu einem ganzen Arsenal von „Sextoys“ greifen, um ihre vermeintliche „Liebe“ zu retten). Mit schier unendlich langen Listen von „Methoden“ versucht er zu zeigen, wie kompetent er doch sei, offenbart aber tatsächlich nur seine Kontaktlosigkeit. Das entscheidende am Kontakt zwischen Therapeut und Patienten ist nicht nur, daß erst so die Techniken richtig angewendet werden können und wirksam sind, sondern auch daß erst dadurch, daß der Patient lernt Kontakt mit dem Therapeuten aufzunehmen, er lernt mit seinem EIGENEN KERN Kontakt aufzunehmen.

Dieses letztere Element ist der Wesenskern der Reichschen Therapie seit den Tagen der Charakteranalyse in den 1920er Jahren. Es geht um Übertragung und damit um die Dramen der frühen Kindheit, die die gegenwärtige Neurose erst erzeugt haben. Es geht um den bioenergetischen Kontakt mit den Eltern, der funktionell identisch ist mit dem Kontakt mit dem eigenen Kern. Wir sind BIOSOZIALE Wesen, keine bloßen Objekte, an denen Pseudotherapeuten ihren kontaktlosen Narzißmus ausleben können.

Antwort auf David Boadellas „Occupational Hazards in Orgonomy“

14. März 2019

von Paul Mathews

Zunächst sei ein für alle Mal klargestellt, daß Wilhelm Reich nie verrückt geworden ist, bezeugt nicht nur durch den vom Gericht bestellten Psychiater, sondern auch von denjenigen, die ihn persönlich kannten; von Anfang an bis zum Tag seines Todes engen Kontakt und Umgang mit ihm hatten. Bis zum Ende, als er kurz zuvor noch sein letztes Buch in der Gefängniszelle abgeschlossen hatte, war er vollauf Herr seines Urteilsvermögens und seiner Geisteskräfte. Er wurde sowohl nach klassischen als auch nach orgonomischen Maßstäben als vollkommen geistig gesund von Leuten beurteilt, die dazu am sachkundigsten waren, was ihre Kenntnisse der Psychiatrie, seines Lebens und die direkte unmittelbare Beobachtung angeht. Die Angriffe auf die geistige Gesundheit Reichs sind von denen ausgegangen, die inkompetent sind und nie in irgendeiner Weise persönlichen Kontakt zu Reich hatten. Bei diesen Angriffen handelt es sich daher definitionsgemäß um Angriffe der Emotionellen Pest und durch Modju (eine spezifische Form der Pest, die solange unersättlich ist, bis sie ihr Opfer tatsächlich getötet hat). Boadellas Artikel veranschaulicht dies:

Die Schlange entblößt ihre Reißzähne, während sie zischt und faucht und dann auf das Opfer stürzt, wobei sie ihre giftigen Reißzähne tief in seinen Hals versenkt. Die Schlange ist ein „Laientherapeut“ namens David Boadella – selbst der „Therapie“- und „Ausbildungs“-Frankenstein des „Laientherapeuten“ Paul Ritter. Boadella kann sehr wohl Resultat von Ritters schimärischen und miasmatischen Vorstellungen von „Therapie“ sein.

Boadellas Artikel ist natürlich ein weiterer plumper Versuch den Einfluß und die Bedeutung von Reich und der Orgonomie zu zerstören – in einer langen Reihe derartiger Versuche (mit ihren Verflechtungen und ihrem System von Kettenreaktionen) – und nichts weniger als das. Es ist das „ad hominem“, um alle „ad hominems“ zu „ad hominem“. [Gemeint ist: Boadella immunisiert sich gegen „persönliche Angriffe“ (Mathews nennt ihn „Modju“), indem er Reich persönlich angreift (Boadella bezeichnet den Schöpfer des Konzepts „Modju“ als „Verrückten“), PN.] Es ist das Werk Modjus von seiner frühesten salbungsvollen Vorspiegelung von Freundlichkeit bis zu seinem letzten „Mörder-Angriffen“ auf das Leben und die Arbeit eines Mannes, neben dem der Angreifer sich ausmacht wie eine faulige Kloake im Vergleich zu einem Ozean. Es ist Viertelwahrheit und dick aufgetragene Verzerrung, gezeugt durch Neid, Ignoranz und Schrecken. Es ist die größt denkbare Impertinenz!

Modju weiß sehr gut, wie er die Angst, den Haß und den Verdacht der Menschen gegen sein Opfer wecken kann, indem er es durch Verdrehungen mit den Kräften des Schwarzen Faschismus in eine Reihe stellt. Modju weiß, wie er an die Angst vor Bewegung und starkem Handeln bei den Menschen appellieren kann, indem er die Bedeutung einer ärztlichen Einschätzung der Pest (Modju selbst) so verzerrt, daß sie dasselbe bedeutet wie München, Panmunjom und andere derartige „medizinische“ Ansätze. Er weiß, wie mit der Prämisse zu beginnen ist, sein Opfer leide unter „Paranoia“ (direkt aus den psychopolitischen Lehrbüchern aus „Modjuland“), und „einen Fall“ mit solchen „Autoritäten“ wie dem „entscheidenden“ Jack Green [ein „Reichianischer“ „Beatnik“ aus dem Greenwich Village der 1950er Jahre] und mit dem Mißbrauch von Myron Sharafs Aussagen, die von den Prämissen Modjus eingekreist sind, „aufzubauen“.

Modju hat sich nie die Mühe gemacht und die Arbeit auf sich genommen, das Material aus erster Hand an seiner Quelle zu studieren, um sich mit einer echten Therapie von Unreinheiten zu befreien (schließlich hatte Reich nie eine Orgontherapie – warum sollte also Modju eine haben?) – weil das das Ende von Modju bedeuten würde – und er weiß das! Modju hat nie Monate damit verbracht, die Atmosphäre und andere Phänomene in Arizona oder Maine zu untersuchen (er war zu sehr damit beschäftigt, das zu verzerren und dann zu generalisieren, was er ohne Verständnis gelesen hat). Er hat niemals harte Arbeit aufgebracht und auch nicht unter der Verfolgung gelitten, die er selbst seinem Opfer, dem echten Wissenschaftler und Arbeiter, angedeihen läßt. Er will aus zweiter Hand Kraft und Frieden schöpfen, indem er seinen „großen Peiniger“ zerstört.

Glücklicherweise hat uns der „große Peiniger“ jedoch beigebracht, Modju zu sehen und zu verstehen – wie er ihn vor 1950 und 1947 und sogar schon lange vorher gesehen und verstanden hat.

Wir haben gut gelernt, die „no see-ems“ zu sehen. [Winzige und deshalb „unsichtbare“ blutsaugende Mücken. Reichs Bild für den hinterhältigen und feigen pestilenten Charakter, der aus dem Verborgenen mit übler Nachrede arbeitet, PN.]

 

Aus der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 7 (1961), No. 3-4, S. 218f.