Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters (Teil 7)*

von Paul Mathews

Die moderne liberale Pest wurde für eine eingehendere Untersuchung nicht etwa deshalb ausgewählt, weil ich die Macht und das Vordringen anderer Formen der Pest, ob organisiert oder nicht, außer Acht lasse. Es geschah, weil der moderne Liberalismus der gegenwärtige Ausdruck des umfassenden, vorherrschenden Zustands ist, der für den Erfolg aller Pestreaktionen sorgt. Wo immer eine lebenszerstörende Kraft – sei es der rote oder der schwarze Faschismus, ein mörderischer Verbrecher oder ein randalierender Mob, ein psychopathischer Hausierer utopischer Drogenwelten oder sexueller Pornographie und Zügellosigkeit – im Namen von „Frieden“, „Gerechtigkeit“ und „Freiheit“ verteidigt werden soll, steht der moderne Liberale mit seiner Unterstützung bereit, bietet seine ritualisierten Parolen an und signalisiert Tugendhaftigkeit.

Sozio-politische Probleme erscheinen komplex, weil sie im Grunde genommen ein Überbau sind, der aus frühesten Blockaden (Panzerung) erwächst. Der rote Faden der Einfachheit, der von den Liberalen so gescheut wird, wird wegen der Blindheit und Unkenntnis des Menschen gegenüber den bioenergetischen Faktoren, die dem Charakter des Menschen innewohnen, übersehen. Es gibt eine bestechende und, wie ich glaube, unbestreitbare Analogie zwischen Reichs Schema der menschlichen Struktur der Panzerung und der Struktur des sozio-politischen Dilemmas der gepanzerten Menschheit (7):

Kurz gesagt, wir haben das Bild einer komplizierten Struktur der Panzerung, in der das Verdrängte und das Verdrängende keineswegs getrennt sind, sondern in einer komplexen und scheinbar ungeordneten Weise miteinander verflochten sind. Es ist nur die charakteranalytische Arbeit, die Ordnung ins Bild bringt, eine Ordnung, die der Geschichte der Struktur entspricht . . . es ist offensichtlich, dass der Prozess nicht durch irgendein mechanistisches oder systematisches Denken verstanden werden kann, sondern nur durch funktionelles und strukturelles Denken.

Der Liberale versteht weder dies noch die enorme Kluft zwischen der Sehnsucht des Menschen und seiner Fähigkeit zur Erfüllung. Er wählt deshalb unterschiedliche mechanistische Programme zur Besserstellung des Menschen, die sich eher an Illusionen als an der Realität orientieren. Er verbündet sich mit den schlimmsten Feinden einer wirklichen Besserung oder provoziert Unruhen, Mord, Anarchie und Chaos – Produkte der Frustration, die er mit seinen illusorischen Hoffnungen und Versprechungen erzeugt. Um jeden Preis muss er eine monolithische Welt aufbauen, in der Bewegung und gesunde Aggression zum Stillstand kommen: das ist der „Frieden“, der für seinen gepanzerten Organismus am angenehmsten ist.

Zusammenfassend teilt der moderne Liberale die folgenden Merkmale in unterschiedlichem Maße mit dem voll entfalteten emotionalen Pestcharakter, im Detail beschrieben von Reich (7s) und Baker (1):

  1. Er funktioniert hauptsächlich in der oberflächlichen Schicht (Fassade) der psychischen Struktur.
  2. Seine Panzerung ist so beschaffen, dass er natürliche bioenergetische Bewegungen oder Strömungen in seinem eigenen Organismus nicht tolerieren kann (lebensnegative Einstellung).
  3. Ebenso kann er es nicht ertragen, sie in irgendeinem anderen Organismus zu sehen oder zu spüren, da dies unerträgliche Angst und Hass hervorruft.
  4. Er bürdet seiner Umwelt deshalb rigide Anforderungen auf, die darauf gerichtet sind, gesunde Bewegung und Aggression außer Kraft zu setzten. Er tut dies auf dem Altar des Gemeinwohls, und er glaubt wirklich an die Ehrenhaftigkeit seiner Sache.
  5. Sexuell ist er ein überzeugter Freund des Pornographischen und Ungesunden (seine großzügige Toleranz) und der Erzfeind der natürlichen Genitalität in all ihren Erscheinungsformen.
  6. Er inthronisiert Vernunft und Intellekt und zieht die Energie vom Becken zum Kopf hinauf. Er ist daher kontaktlos und durch seine besondere Art der Panzerung von seinem natürlichen Kern und seinen genitalen Gefühlen abgeschnitten.

Wenn man das berücksichtigt, rückt das Paradoxon des modernen Liberalen – zugleich lebensnegativ und „Weltverbesserer“ zu sein – deutlich in den Brennpunkt.

[Ende des Artikels]

 

* Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 1 (1967), Nr. 1 & 2, S. 138-148.
Übersetzt von Robert (Berlin) mit Unterstützung von Peter Nasselstein.

 

Anmerkungen des Übersetzers

s Charakteranalyse, Kapitel 6, „Die emotionale Pest“.

 

1. Baker, E.F.: Man in the Trap. New York: Macmillan Co., 1967
7. Reich, W.: Character Analysis. 3. erw. Aufl. New York: Orgone Institue Press, 1949

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9 Antworten to “Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters (Teil 7)*”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Wie der moderne Liberale die roten Faschisten mitten in Deutschland schützt

    http://www.theeuropean.de/adorjan-f-kovacs/12495-linke-gewalt-mit-ansage

  2. Peter Nasselstein Says:

    Angesichts solcher Meldungen wird Konia sagen, daß Mathews vor 50 Jahren vollkommen recht hatte, daß aber angesichts der gesellschaftlichen „Rotverschiebung“ es keinen Sinn mehr macht, groß zwischen Sozialisten, modernen Liberalen und Kommunisten zu unterscheiden – es sind durchweg rote Faschisten:

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-landtagswahl-2019-brandenburgs-cdu-erwaegt-koalition-mit-der-linken/21160852.html

  3. Peter Nasselstein Says:

    Um das ganze zu verdeutschen: zu Mathews‘ Zeiten gab es Deutschland diese kleine Pestratte:

    http://www.spiegel.de/einestages/mythos-rudi-dutschke-a-946831.html

  4. Peter Nasselstein Says:

    Sie opfern alles, wirklich alles, selbst die eigenen Kinder auf dem Altar des Gutmenschentums!

    https://zeuropa.net/4-jaehriges-kind-missbraucht-und-staatsanwalt-laesst-taeter-fluechtling-frei

  5. claus Says:

    Gibt es eine zusammenhängende Vorliebe des Antiautoritären für Feuer, Kiffen und Hunde?
    Diesen drei Sachen begegne ich besonders oft in EINEM Milieu.

    • Peter Nasselstein Says:

      Beinahe: „Gar nicht so dumme Frage!“ Aber wirklich: alles drei steht für „Libido, Erregung, Sex und Freiheit“. Feuer symbolisiert nicht nur das „Lebensfeuer“, sondern mobilisiert das okulare Segment und damit das gesamte Energiesystem wie kaum etwas anderes. Deshalb gibt es ja auch psychiatrisch kranke „Feuerteufel“. Das gleiche gilt für das Kiffen, das zumindest am Anfang die Panzerung, insbesondere die okulare, öffnet (sic!) – was dann in eine unlösbare reaktive Kontraktion umschlägt. Gesucht wird aber natürlich der anfängliche „Flash“. Und Hunde stehen für „Libido, Erregung, Sex und Freiheit“. Einer von Bakers Söhnen hat dazu mal einen Aufsatz geschrieben: Alan Baker: „Water in James Joyce’s ULYSSES“ JO 7(1), May 1973, pp. 99-105

      • claus Says:

        Ja. Der Anlass dieses Posts, war, wie ich am Abend ein antiautoritäres Pärchen an einem improvisierten Feuer (in einem Wok?) vor einem Mietshaus sitzen sah. Am nächsten Tag: tatsächlich ist das Haus angekokelt, die Isolierung teilweise angebrannt, die Feuerwehr war nachts um drei Uhr da.
        Freiheitskrämerei gegen Verantwortung.

        • Peter Nasselstein Says:

          Das ist wohl wieder ein anderes Faß, das ich aufmache: die Isolierung. Krieg, Naturkatastrophen, langanhaltende Dürre, Industrieunfälle – der Hamburger Feuersturm wird gar nichts dagegen sein, wenn etwa das Plastik anfängt zu brennen, mit dem unser Hochhaus lückenlos eingepackt wurde. Ein IRRENHAUS. Allein schn die Dämpfe – und das alles im Namen des Umweltschutzes… Außerdem sieht Plastik nach kurzer Zeit dreckig, zugealgt und zugemoost und einfach SCHEISSE aus.

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