Orson Welles

Orson Welles war zweifellos ein sehr großer Schauspieler. Bemerkenswert ist seine Theorie von der Kunst des Schauspielerns. Welles‘ zufolge setzt man nicht etwas auf, keine Charaktermaske, sondern man nimmt ganz im Gegenteil Masken ab und offenbart Aspekte seiner selbst, die sonst verborgen bleiben. In diesem Sinne ist gute Schauspielerei keine Lüge! Hier ein Beispiel seiner Schauspielkunst aus der Dean Martin Show in den 1960er Jahren – als so etwas noch möglich war, da die Kultur des Westens noch nicht vom linken Gesindel zerstört worden war:

Hier stellt Welles Falstaff dar, eine der wenigen durch und durch guten Figuren der Weltliteratur, ein ungepanzerter Mensch – etwas, was ich weitgehend auch Welles selbst zugestehe! (Ich verweise auf seine Darstellung von Falstaff in seinem gleichnamigen Film.)

Welles‘ selbst bewunderte die Schauspielkunst von James Cagney, den er für den besten Filmschauspieler aller Zeiten hielt. Das bemerkenswerte an Cagneys Leinwandpräsenz war, daß er sich nicht eine Sekunde „wie ein normaler Mensch“ vor der Kamera verhielt. Es war alles gespielt und hoch stilisiert. Es war schlichtweg Kunst. Es war in jeder Sekunde stimmig und genau das, was notwendig war, um die Essenz des Dargestellten zu vermitteln. Es ist sinnlos den Alltag abzufilmen, es ist sogar in bestimmter Hinsicht eine Lüge, denn er gewinnt nur Bedeutung durch den Subtext, das LEBEN, das wir leben. Der Schauspieler muß einen Weg finden, diese Bedeutungstiefe durch seine „künstliche“ Mimik und Gestik zu vermitteln. Wenn Cagney etwa einen Kellner spielt, ist seine Darstellung wahrhaftiger, als das, was man erhält, wenn man einen echten Kellner mit versteckter Kamera filmt. (Was „echt“ und „unecht“ betrifft verweise ich auf Welles‘ Film F – For Fake!)

Welles hätte seine Seele gegeben, hätte er etwa den „Paten“ spielen dürfen. Gemeinhin wird Marlon Brando für seine Leistung in diesem Film angebetet. Ich frage mich aber, ob seine Schauspielkunst, bei der er ganz in seine Rolle aufging, wirklich das Optimum war. Er spielte schließlich einen MÖRDER, der eine Autoritätsperson für Dutzende andere Mörder darstellen mußte, die nur überleben konnte, wenn sie Angst bei Leuten hervorrief, die sich ansonsten vor nichts fürchten. Bei Brando ist „Don Corleone“ nur ein guter Onkel, während bei Welles‘ hypothetischer Darstellung das BÖSE und der schiere Terror durchgeschienen hätte, also das, worum es überhaupt geht. (Ich verweise auf Welles‘ schier unerträglich bedrückende Verkörperung des Bösen in Hauch des Bösen.)

Welles war ein Wunderkind gewesen. Er hat oft den Witz gemacht, daß es seit seinem 25. Lebensjahr für ihn abwärts ging, was den Ruhm betraf. In einem absurd frühen Alter war er ein persönlicher Freund von Präsident Roosevelt gewesen und im Nachkriegseuropa hatte er engen persönlichen Umgang mit Politikern, beispielsweise Churchill. Vor diesem Hintergrund verwahrte er sich gegen die billige, wohlfeile Rede von den Politkern als Schurken. Es seien keine Schurken, sondern SCHAUSPIELER, die auf ihre Weise das Leben und Streben einer Nation verkörpern. Ihr Auftreten in der Öffentlichkeit ist genausowenig „unecht“, wie das von James Cagney vor der Kamera.

Aber auch zweifellose Bösewichter wie Hitler und Merkel konnten ihre Länder nur deshalb ins Unglück stürzen, weil ihre Charakterstruktur perfekt mit der durchschnittlichen Charakterstruktur der Massen harmonierte. Siehe dazu Reichs Die Massenpsychologie des Faschismus.

Was Welles und Reich betrifft, gibt es m.W. nur eine einzige Verbindung und zwar, absurderweise, über Ernest Bornemann: https://books.google.de/books?id=RYzVCgAAQBAJ&pg=PT31&dq=orson+welles+reich+borneman&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjR5Mrkr87eAhXswIsKHTZFD9gQ6AEILzAB (vgl. hier).

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , ,

6 Antworten to “Orson Welles”

  1. Theater in Celle – Celle – die freie Seite Says:

    […] Orson Welles […]

  2. Frank Wenzel Says:

    Sehr interessant, danke!
    Eine Anmerkung zu Hitler: Soweit ich weiß, wurde er nicht von der Mehrheit gewählt – und ich glaube nicht, dass die durchschnittliche deutsche Charakterstruktur mit Hitler harmonisiert.
    Anders als bei Merkel (zumindest stillschweigend gewählt + Charakterstruktur).
    Der typische Deutsche ist eben nicht wie Hitler – aber ein Mitläufer.
    Andere Völker sind aber sicher auch Mitläufer?

  3. Abrasax Says:

    Ich habe einiges Böses studiert und ich möchte sagen:
    „Wie kann man nur die Darstellung des Bösen loben“?
    Da Böse ist hoch infektiös und hoch gefährlich, es ich sehr angebracht, sich mit dem Bösen nicht zu beschäftigen. Wer meint, er hätte das Böse im Griff und könne es beherrschen, der hat schon lange verloren.

    Die Menschheit wurde dazu gebracht, da Böse als Faszinosum zu betrachte das man genießen kann. So tief ist der Mensch gesunken – ist das tief traurig.

    • Peter Nasselstein Says:

      Nach christlicher Tradition ist es böse sich für gut zu halten. Es gehört zu den Grundexertitien das Böse in sich zu erkennen, um nicht die Demut zu verlieren. Das war Pater Brwons einziges Geheimnis:

      »Das Geheimnis ist –« Er hielt ein, als wäre er unfähig, fortzufahren. Dann fing er von neuem an und sagte:

      »Sehen Sie, ich selbst habe alle diese Leute ermordet.«

      »Was?« sagte der Amerikaner mit leiser Stimme, die aus tiefer, weiter Stille klang.

      »Ja, ich habe sie alle selbst ermordet,« erklärte Pater Brown geduldig. »Deshalb kannte ich natürlich den Hergang.«

      http://gutenberg.spiegel.de/buch/das-geheimnis-des-paters-brown-8962/2

      Das bedeutet nicht, daß ich Ihnen unbedingt unrecht gebe!

      • Abrasax Says:

        Sie sind einem kleinen Irrtum auf den Leim gegangen. Auf keinen Fall ist es böse, wenn ein Christ sich für gut hält. Aber wir müssen reflektieren, ob wir wirklich gut sind oder nur so tun, als wären wir gut. Das drückt das Gleichnis von dem sich selbst reflektierenden Sünder und dem selbstgerechten Pharisäer aus, der meint, er wäre doch so gut, da er doch alle Gesetze der Tora buchstabengetreu einhält.

        Wir erleben heute den massenhaften Pharisäer-Wahn der vielen Gutmenschen, die meinen sie wären ach so gut, weil sie den vielen armen Negerlein sogar über die Buchstaben der Gesetze hinaus so gut wie nur möglich helfen. Und wir anderen, die wir diese Hilfe verweigern wollen, wir wären Böse.

        Ab wann sind wir gut? Dürfen wir unser gut sein mit anderen Menschen vergleichen, bzw. macht das Sinn? In sehr groben Maßstäben möglicherweise schon. Aber auch wenn wir uns bemühen gut zu sein, werden wir viele Fehler machen und wenn das Gut sein zu einem hartleibigen Verhalten führt, dann ist das auch nicht mehr gut, sondern irgendwie krank.

        Die Christliche Lehre möchte den Menschen also auf keinen Fall dazu animieren es als böse zu betrachten, sich als gut zu präsentieren, sondern die Christliche Lehre möchte den Menschen dazu motivieren, seine kindliche Naivität im Schwarz-Weiß Denken über gut und böse abzulegen und auch das naive verurteilen besser sein zu lassen. Es macht einfach relativ wenig Sinn, sich als guten Menschen, oder gar als besseren Menschen zu präsentieren. Wir sind einfach Menschen.

        Oft ist ganz schwer zu entscheiden, ob eine eigene Einstellung zu einer Sache nun gut ist, oder schlecht ist. Und es ist noch lange nicht so, daß ich eine gute eigene Einstellung zu einer Sache habe, wenn ich den dazugehörigen Gesetzen folge und umgekehrt auch nicht. Es kann sogar so sein, daß beide Einstellungen falsch oder irgendwie böse sind, das ist dann eine Doppelfalle. Und es kann sein, daß beide Einstellungen richtig sind aber falsch in die Praxis umgesetzt werden.

        Und nehmen wir an, wir begegnen einem Verbrecher, der einen Mord begangen hat und wir hätte in dieser Reinkarnation keinen Mord begangen und in irgendeiner anderen Reinkarnation auch nicht. Wären wir dann gegenüber diesem Mörder ein besserer Mensch? So pauschal lässt sich das doch gar nicht sagen. Zum Beispiel kann ich mir eine realistische Situation überlegen, in der ich Aktionen durch mein eigenes Verhalten ins Rollen bringe, die zwei andere Menschen so unter Druck setzen, daß sie in eine Not geraten und sich gegenseitig angreifen. Ich hätte mich an alle Gesetze gehalten und möglicherweise sogar eine gute Tat getan, aber dennoch hätte ich den anderen zwei Menschen Schaden zugefügt, wodurch ein Mord möglich wurde.

        Außerdem kann der Mörder, obwohl er sich einen tragischen Mordfall aufgeladen hat, ein sehr braver Mensch sein, der sich einfach nicht anders zu wehren wusste, oder was auch immer, auch hier sind tausende von Varianten möglich.

        Die Christliche Lehre weißt also eher auf die recht dumme Verhaltensweise einer selbstgerechten eigenen Belobigung des eigenen Verhaltens und Charakters hin. Es lehrt nicht, daß Du Dich als Böse sehen sollst obwohl Du versuchst Gutes zu tun.

        Der Mensch soll sich nicht sinnlos selbst erniedrigen, das verlangt das Christentum auf keinen Fall aber es verlangt auch, daß wir uns nicht sinnlos selbst erhöhen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.


%d Bloggern gefällt das: