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Emotionen sprechen lauter als Worte (Teil 8)

11. Februar 2019

Eine Einführung in die klinische Theorie der Orgonomie mit einer Diskussion einiger paralleler Funde in der modernen Neurowissenschaft und Psychotherapie von David Holbrook, M.D.

 

DER WEG EINES ORGONOMEN ZUR ORGONOMIE (Fortsetzung)

Ich hatte in den 1970er Jahren an einer Gruppentherapie-Erfahrung teilgenommen, die in vielerlei Hinsicht an meine Schauspielerfahrungen erinnerte. In den Gruppen wurden tiefe Dinge ausgedrückt, manchmal durch Worte, manchmal nonverbal durch Wut oder Weinen oder sogar durch Tanzen. Mein Vater, der Schauspieler, begleitete mich zu einer langen Gruppensitzung am Wochenende und sagte anschließend, daß dies zu den besten Schauspielleistungen gehörte, die er je gesehen hatte. Damit meinte er nicht falsche Vorspiegelungen, sondern echten, aufrichtigen, tiefen und wahrhaftigen emotionalen Ausdruck. Es war eines der besten Theater, das wir beiden jemals erlebt hatten.

Schauspiel beinhaltet zwar verbale Sprache, aber auch Körpersprache. Wenn die Körpersprache „ausgeschaltet“ wird, ist das Schauspielern überhaupt nicht zwingend oder glaubwürdig. Die Wahrheit liegt in den Worten, aber auch im körperlichen Ausdruck. Mein Vater sagte bei der Lektüre dieser Ausführungen: „Vor einigen Jahren konnte ich mich der Methode annähern, Worte nicht zu spielen oder an Worte zu denken, sondern mich zu bemühen, die Emotionen zu beantworten, die ich in den Augen des anderen Schauspielers sehen konnte“ (persönliche Mitteilung). Vielleicht hat mein Hintergrund in der Schauspielerei mein Interesse an der Beziehung zwischen verbaler und nonverbaler Erfahrung beeinflußt. Emotion ist sowohl mit einem tiefen verbalen als auch mit einem tiefen nonverbalen Ausdruck verbunden.

Seit einigen Jahren bin ich daran interessiert, die Beziehung zwischen dem verbalen und dem nonverbalen Bereich besser zu verstehen. Ich merke immer mehr, wie wir alle ständig mit unserem Körperausdruck „nonverbal“ miteinander „reden“. Unser Kontakt mit uns selbst beinhaltet auch das Kontrollieren unserer eigenen körperlichen Zustände. Wir sprechen von „Bauchgefühl“ oder „innigen Emotionen“ oder von etwas, das uns „unter die Haut geht“. Wenn wir von etwas emotional bewegt werden, können wir Gänsehaut bekommen oder andere Empfindungen in unserem Körper verspüren.

Ich war schon immer auf die nonverbale Dimension „eingestellt“. Mir ist aufgefallen, daß ich viel mehr auf das reagiere, was ich in den Augen oder im Gesicht eines Menschen ausgedrückt sehe, oder auf das, was ich in seinem Tonfall höre, als auf die tatsächlichen Worte, die er von sich gibt, vor allem, wenn die Wörter nicht mit dem übereinstimmen, was der Rest des Körpers „sagt“. Ich finde mich wieder, wie ich die Worte „ausstelle“ und in eine Art Tagtraum eintrete, in dem ich ihre nonverbalen Botschaften beobachte und sie im Inneren intern beantworte, Botschaften, die ihnen vielleicht selbst nicht bewußt sind. Du weißt worüber ich rede?

 

Dieser Text aus dem Jahre 2013 wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.

Emotionen sprechen lauter als Worte (Teil 7)

9. Februar 2019

Eine Einführung in die klinische Theorie der Orgonomie mit einer Diskussion einiger paralleler Funde in der modernen Neurowissenschaft und Psychotherapie von David Holbrook, M.D.

 

DER WEG EINES ORGONOMEN ZUR ORGONOMIE

Ich möchte einige meiner eigenen Gedanken über Emotionen zur Sprache bringen und einiges darüber, was Reich und andere in der Orgonomie über Emotionen gesagt haben und über die Beziehung zwischen Wörtern und Emotionen. Dabei werde ich persönliche Geschichten über einige der Dinge erzählen, von denen ich denke, daß sie mich zur Orgonomie und zum Thema Emotion hingezogen haben könnten. Ich hoffe, daß dies in den Köpfen und Herzen der Leser einige Überlegungen zu die persönliche Lebensreise anregt, was im Leben wirklich wichtig war und was einen dazu gebracht hat, die Entscheidungen zu treffen, die man getroffen hat und darüber, was einen begeistert und motiviert; und was diejenigen betrifft, die sich für die Orgonomie interessieren, wie es dazu kam, daß Sie sich für die Orgonomie interessiert haben und was Sie an der Orgonomie berührt hat. Ich hoffe, daß dieses kurze Verweilen beim Persönlichen unser Denken darüber voranbringt, was Emotionen sind und warum sie manchmal lauter sind als Worte.

Während ich diesen Artikel schrieb, habe ich mich gefragt: Warum wollte ich über dieses Thema, die Emotion, sprechen? Und wie tief muß ich in mich selbst dringen, um diese Frage beantworten zu können? Bezüglich meiner eigenen Geschichte muß ich damit beginnen, daß ich eine intensive emotionale und intellektuelle Reaktion auf Reichs Arbeit hatte, als ich 1975, als ich 20 Jahre alt war, sie erstmals kennenlernte. Um die Sprache der 70er Jahre zu verwenden, fand ich seine Einsichten und Ermittlungen „umwerfend“. Ich denke, dies ist auch eine Art zu sagen, daß die Orgonomie meine Denkweise über die Dinge verändert hat.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich angenommen, daß ich wahrscheinlich Schauspieler werden würde. Die Schauspielerei hatte mich seit ungefähr meinem fünften Lebensjahr sehr gefesselt. Meine Eltern waren Schauspieler und als Kind war ich ein paarmal mit ihnen auf der Bühne aufgetreten. Ich identifizierte mich stark mit meinem Vater, der ein erfolgreicher Schauspieler war. Aber als ich Teenager war, interessierte ich mich eher für das Leben in der „freien Natur“, für die Natur und ihre Erforschung. Ich habe ein paar Sommer auf einer Ranch in Montana verbracht. Ich verbrachte die Abschlußklasse der Oberstufe in einem Alternativprogramm, in dem wir elf Monate lang durch die Vereinigten Staaten reisten, die ganze Zeit draußen schliefen, in der Wildnis wanderten und etwas über die Natur lernten. Dies hatte einen enormen Einfluß auf mich.

In meinen frühen Zwanzigern machte ich lange Wanderungen in der Wildnis, einmal für einen zweimonatigen Trip. In diesen Jahren verbrachte ich viel Zeit alleine, trampte durch alle 48 US-Staaten, fuhr Güterzüge usw. (es war „eine 70er Jahre-Sache“!). Ich denke, daß meine Erfahrungen mit der Natur und dem Alleinsein mit der Reise verbunden waren, die ich zu dieser Zeit während der späten Adoleszenz unternahm, eine Reise, bei der die Erwachsenenwelt, in die ich gerade eintrat, tief in Frage gestellt wurde. Ich fühlte mich zerrissen zwischen tiefen Gefühlen, die aus meiner Kindheit stammen, die ich in Kontakt mit Schauspielern und der Theaterwelt verbrachte, der Welt der Menschen, der Kulturwelt; im Gegensatz zur nichtmenschlichen Welt, dem riesigen Reich der Natur, von dem ich mich sehr berührt fühlte und die mich stark beeindruckte. Ich hatte damals das Gefühl, daß die Natur voller Wahrheit, Schönheit und Leben war, während die Menschheit voller Ausweichen, Häßlichkeit und Zerstörung war. Gewisserweise hatte ich das Gefühl, man könne sich auf die Natur verlassen, aber nicht auf Menschen, was mit unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen zu tun hatte, die ich durchlebt habe.

Dieser Unterschied zwischen der menschlichen und der natürlichen Welt erinnert mich an Reichs Kapitel mit der Überschrift „Bühne und Wiese“ in seinem Buch mit dem Titel Die kosmische Überlagerung, das ich zu dieser Zeit zum ersten Mal las. In dem Buch schreibt Reich:

In welcher Weise ist der Mensch in der Natur verwurzelt? … der Autor hat sich bemüht, die letzten Konsequenzen aus dem Wissen über das Funktionieren des Menschen zu ziehen, das er sich in mehr als dreißig Jahren intimer Kenntnis der charakterologischen Vorgänge hinter der Bühne des menschlichen Lebens angeeignet hat. … er hat die Tür geöffnet, die von der Kulisse des Theaters zu den weitläufigen Feldern und Wiesen führt, die das Theater des gegenwärtigen Alltagslebens umgibt. Für einen Beobachter, der auf diesen Wiesen steht, über sich die schimmernden Sterne am endlosen Firmament, wird das Schauspiel auf der Bühne befremdlich sein. Es hat den Anschein, als stünde der weite Himmel der stillen Nacht in keinem Zusammenhang mit dem aufgeführten Stück und seiner Thematik … (Reich 1951, S. 10f, Übersetzung verbessert PN).

Junge, diese Worte klingen heute noch wahrer! Reich fährt fort:

Wenn Christus Sorgen hatte, dann zog er sich in die Einsamkeit und Stille einer Wiese oder eines Hügels zurück … Alle religiösen Bewegungen der Menschheitsgeschichte haben versucht, die Botschaft von der emotionalen Tiefe von der Wiese auf die Bühne drinnen zu versetzen, doch vergebens …. (S. 12f, Übersetzung verbessert, PN). Die Orgonomie hat uns dadurch, daß sie Übergänge vom Denken zu den Emotionen, von den Emotionen zu den Instinkten, von den Instinkten zu den bioenergetischen Funktionen und von den bioenergetischen Funktionen zu den physikalischen Funktionen der Orgonenergie sichtbar gemacht hat, einige wichtige Anhaltspunkte … geliefert. (S. 14, Übersetzung verbessert, PN) …. alle Ereignisse, die auf der Bühne stattfinden, [sind] irgendwie auf das Geschehen auf der Wiese zurückzuführen. (S. 14, Übersetzung verbessert, PN).

Warum zitiere ich diese Passage? Ich weiß es nicht!! Es bewegt mich einfach wirklich sehr. Ich habe aus der Orgonomie gelernt, daß es nicht immer notwendig ist, sofort zu verstehen, warum man fühlt, was man fühlt, daß es das Beste ist, sich einfach seinem Gefühlen zu überlassen, und oft wird das Verständnis später spontan folgen.

„Bühne“ könnte unter anderem als Metapher für Worte betrachtet werden, während „Wiese“ als Metapher für Emotionen betrachtet werden könnte. Ein anderer Gedanke über meine eigenen Erfahrungen ist, daß die Orgonomie geholfen hat, die Spaltung in mir zu heilen zwischen „Wiese“, die ich als die Wahrheit empfand, und „Bühne“, von der andere behaupteten, daß sie die Wahrheit sei.

Reichs Schriften haben mich zutiefst bewegt. Sie haben mich sowohl emotional als auch intellektuell in Erregung versetzt und inspiriert. Ich fühlte mich zu seinen Schriften hingezogen und wollte die Dinge genauso tief fühlen wie er und die Natur einschließlich der menschlichen Natur in der tiefen und profunden Art und Weise verstehen, wie er es tat. Nach einem mehrjährigen Umweg in den 1980er Jahren, als ich professioneller Schauspieler wurde, entschied ich mich im Alter von 34 Jahren, als Neuling für vier Jahre an ein College zurückzukehren und dann ein Medizinstudium aufzunehmen, um Psychiater und medizinischer Orgonom zu werden. (Ja, das heißt, ich habe mit 42 Jahren das Medizinstudium abgeschlossen und meine Facharztausbildung mit 47 abgeschlossen, also vor 15 Jahren!! Puh!! Außerdem hatte ich zwei Kinder!) Obwohl ich der Schauspielerei sehr verbunden war, war Orgonomie zu meiner Muse geworden, das Drehbuch, das mich mehr als alle anderen Drehbücher gefesselt hat und in dem ich am meisten auftreten wollte.

 

Literatur

  • Reich W 1951: Die kosmische Überlagerung. Frankfurt: Zweitausendeins, 1997

 

Dieser Text aus dem Jahre 2013 wurde mit Genehmigung von Dr. Holbrook seiner Facebook-Seite entnommen und übersetzt.

Orson Welles

18. November 2018

Orson Welles war zweifellos ein sehr großer Schauspieler. Bemerkenswert ist seine Theorie von der Kunst des Schauspielerns. Welles‘ zufolge setzt man nicht etwas auf, keine Charaktermaske, sondern man nimmt ganz im Gegenteil Masken ab und offenbart Aspekte seiner selbst, die sonst verborgen bleiben. In diesem Sinne ist gute Schauspielerei keine Lüge! Hier ein Beispiel seiner Schauspielkunst aus der Dean Martin Show in den 1960er Jahren – als so etwas noch möglich war, da die Kultur des Westens noch nicht vom linken Gesindel zerstört worden war:

Hier stellt Welles Falstaff dar, eine der wenigen durch und durch guten Figuren der Weltliteratur, ein ungepanzerter Mensch – etwas, was ich weitgehend auch Welles selbst zugestehe! (Ich verweise auf seine Darstellung von Falstaff in seinem gleichnamigen Film.)

Welles‘ selbst bewunderte die Schauspielkunst von James Cagney, den er für den besten Filmschauspieler aller Zeiten hielt. Das bemerkenswerte an Cagneys Leinwandpräsenz war, daß er sich nicht eine Sekunde „wie ein normaler Mensch“ vor der Kamera verhielt. Es war alles gespielt und hoch stilisiert. Es war schlichtweg Kunst. Es war in jeder Sekunde stimmig und genau das, was notwendig war, um die Essenz des Dargestellten zu vermitteln. Es ist sinnlos den Alltag abzufilmen, es ist sogar in bestimmter Hinsicht eine Lüge, denn er gewinnt nur Bedeutung durch den Subtext, das LEBEN, das wir leben. Der Schauspieler muß einen Weg finden, diese Bedeutungstiefe durch seine „künstliche“ Mimik und Gestik zu vermitteln. Wenn Cagney etwa einen Kellner spielt, ist seine Darstellung wahrhaftiger, als das, was man erhält, wenn man einen echten Kellner mit versteckter Kamera filmt. (Was „echt“ und „unecht“ betrifft verweise ich auf Welles‘ Film F – For Fake!)

Welles hätte seine Seele gegeben, hätte er etwa den „Paten“ spielen dürfen. Gemeinhin wird Marlon Brando für seine Leistung in diesem Film angebetet. Ich frage mich aber, ob seine Schauspielkunst, bei der er ganz in seine Rolle aufging, wirklich das Optimum war. Er spielte schließlich einen MÖRDER, der eine Autoritätsperson für Dutzende andere Mörder darstellen mußte, die nur überleben konnte, wenn sie Angst bei Leuten hervorrief, die sich ansonsten vor nichts fürchten. Bei Brando ist „Don Corleone“ nur ein guter Onkel, während bei Welles‘ hypothetischer Darstellung das BÖSE und der schiere Terror durchgeschienen hätte, also das, worum es überhaupt geht. (Ich verweise auf Welles‘ schier unerträglich bedrückende Verkörperung des Bösen in Hauch des Bösen.)

Welles war ein Wunderkind gewesen. Er hat oft den Witz gemacht, daß es seit seinem 25. Lebensjahr für ihn abwärts ging, was den Ruhm betraf. In einem absurd frühen Alter war er ein persönlicher Freund von Präsident Roosevelt gewesen und im Nachkriegseuropa hatte er engen persönlichen Umgang mit Politikern, beispielsweise Churchill. Vor diesem Hintergrund verwahrte er sich gegen die billige, wohlfeile Rede von den Politkern als Schurken. Es seien keine Schurken, sondern SCHAUSPIELER, die auf ihre Weise das Leben und Streben einer Nation verkörpern. Ihr Auftreten in der Öffentlichkeit ist genausowenig „unecht“, wie das von James Cagney vor der Kamera.

Aber auch zweifellose Bösewichter wie Hitler und Merkel konnten ihre Länder nur deshalb ins Unglück stürzen, weil ihre Charakterstruktur perfekt mit der durchschnittlichen Charakterstruktur der Massen harmonierte. Siehe dazu Reichs Die Massenpsychologie des Faschismus.

Was Welles und Reich betrifft, gibt es m.W. nur eine einzige Verbindung und zwar, absurderweise, über Ernest Bornemann: https://books.google.de/books?id=RYzVCgAAQBAJ&pg=PT31&dq=orson+welles+reich+borneman&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjR5Mrkr87eAhXswIsKHTZFD9gQ6AEILzAB (vgl. hier).

Carolin Kebekus und die Orgonomie

6. Dezember 2015

Es ist ziemlich nichtssagend, geradezu idiotisch Menschen in „gesund“ und „krank“, „ungepanzert“ und „gepanzert“, „orgastisch potent“ und „orgastisch impotent“ einzuteilen. Wir sind alle miteinander ziemlich verkorkst, aber fast jeder hat Bereiche, in denen er ungepanzert und natürlich agieren kann.

Immerhin gibt es zumindest ein Maß, nach dem man seine Mitmenschen einschätzen kann: sind sie wandlungsfähig oder nicht? Es geht nicht darum, ein guter Schauspieler zu sein, denn viele der großen Schauspieler haben immer nur sich selbst gespielt, sondern darum gut „schauspielern“ zu können. Reich war beispielsweise bekannt dafür, daß er mit Leichtigkeit jede Art von Neurose und Psychose nachspielen konnte. Als guter Therapeut konnte er sich vollkommen in seine Patienten hineinversetzen.

Diese Art von Wandlungsfähigkeit bewundere ich maßlos an Carolin Kebekus. Man zeige mir eine andere 30jährige, die auf so überzeugende Weise eine 13jährige nachahmen kann:

Derartig wandlungsfähige Menschen können offensichtlich nicht stark gepanzert sein, insbesondere haben sie ein ziemlich offenes okulares Segment. Sie können unvermittelt und im freien Wechsel haßerfüllt, ängstlich, freudig erregt, sehnsüchtig und traurig aus den Augen gucken. Ihre Stimme ist ausdrucksstark und melodisch. Der ganze Körper ist frei beweglich. Es ist schlichtweg unvorstellbar, daß sie irgendeinem religiösen oder politischen Extremismus verfallen. Sie sind sozial kompetent, so daß ihr Sexual- und Arbeitsleben ohne größere Probleme verläuft.

Mit einem Satz: sie sollten sich von der Orgonomie angezogen fühlen und das Gesicht der Orgonomie prägen. Das Gegenteil ist der Fall!

Elsa Lindenberg, Tänzerin an der Berliner Staatsoper und Reichs Lebensgefährtin während der 30er Jahre, war so ein Mensch – und hatte stets Probleme mit den neurotischen Sonderlingen, die Reich umgaben (Er selbst hat diese Gestalten später in seiner Rede an den Kleinen Mann beschrieben) Tatsächlich kenne ich niemanden in der Geschichte der Orgonomie, der sich „biophysisch“ mit einer Carolin Kebekus messen könnte.

Spontan fallen mir der lebenslang schwer depressive Elsworth Baker ein; der zwanghafte Theodore Wolfe wurde von Reich in seinen Tagebüchern als charakterologischer „Nazi“ abgekanzelt, Morton Herskowitz mußte sich von Reich anhören lassen, er sei biophysisch tot. So war es mit allen und so ist es mit allen, die mit der Orgonomie verbunden sind.

Warum das so ist? Was für Menschen fühlen sich von Titeln wie Die Funktion des Orgasmus oder Die sexuelle Revolution angesprochen? Überhaupt: was muß man für ein verkorkster Sonderling sein, um sich mit Dingen wie „Orgonenergie“ zu beschäftigen? Was will man schon groß erwarten, wenn vor allem Psychologen, Psychiater (und gar deren Patienten) zur Orgonomie finden! Das sind Studiengänge, die Menschen anziehen, die starke „psychische“ (emotionale) Probleme haben.

Das erklärt auch, warum seit ungefähr 20 Jahren die Orgonomie so gut wie tot ist, nachdem sie sich in den 60er, 70er und 80er Jahren von ihrer Zerschlagung in den 50er Jahren zusehends zu erholen schien. Die neurotischen Sonderlinge („Suchende“), elende Spinner, haben dem Zeitgeist folgend die „Spiritualität“ für sich entdeckt – und da kann Wilhelm Reich nun wahrhaftig nicht mehr mithalten.

Ich glaube, das Problem ist kaum lösbar, da die Orgonomie außerhalb der mechano-mystischen Zivilisation steht und entsprechend traurige Außenseiter anzieht. Sie zieht die Opfer der gepanzerten Gesellschaft an. Jene, die, da sie (immer mit dem anfangs erwähnten Vorbehalt!) wenig gepanzert sind, an sich ganz gut in der gepanzerten Gesellschaft zurechtkommen, stehen der Orgonomie geradezu feindselig gegenüber!

So werden wohl in absehbarer Zukunft kaputte Typen wie Orson Bean das Gesicht der Orgonomie bleiben, statt (konventionell als auch orgonomisch gesehen) gesunde Menschen wie Carolin Kebekus.

Es paßt durchaus ins Bild, daß Kebekus feige ihr linksliberales Fähnchen nach dem Wind hängt, sich brav dem „gesellschaftlich fortschrittlichen Kräften“ anbiedert, auf das Mieseste über die Katholische Kirche herzieht (ach wie mutig!) und etwa immer wieder über „Nazis“ herzieht. Christoph Schlobies hat kurz und knapp das notwendige dazu gesagt: