Politische Einstellungen unterliegen physiologischen Merkmalen: Politisches Denken und die biologische Grundlage des soziopolitischen Charakters (Teil 3)

Virginia Whitener, Ph.D.

In Science (2008) wird nun über Forschungsergebnisse berichtet, die sich mit diesem Thema befassen und diese Sichtweise unterstützen. Der Artikel verweist auf frühere Studien, die „die eingebaute, fast ‚automatisierte‘ Qualität vieler politischer Reaktionen“ zeigen (Oxley et al. 2008, Seite 1667)a. Die Autoren entwarfen Forschungen, um diesen Gegenstand zu untersuchen: „Warum scheinen einige Menschen darauf eingestellt zu sein, bestimmte politische Einstellungen einzunehmen, während andere darauf eingestellt zu sein scheinen, sich andere Einstellungen anzueignen“ (ebenda). Die Studie zielt auf die physiologische Reaktion auf eine wahrgenommene Bedrohung ab. Die Autoren geben an, dass sie diese Herangehensweise gewählt haben, weil „eine angemessene Reaktion auf die Bedrohung durch die Umwelt für das langfristige Überleben notwendig ist und … die wahrgenommene Bedrohung eine Vielzahl von einigermaßen gut dokumentierten, physisch bedingten Reaktionen hervorruft“ (ebenda). Sie beschreiben die „defensive Kaskade von miteinander verknüpften, schnellen Extensor-Flexor-Bewegungen, [die] im ganzen Körper innerhalb von 30 bis 50 ms auftreten“ (ebd.) als Reaktion auf eine plötzliche Bedrohung und die weniger unmittelbaren Signale, die von der Wahrnehmung über den sensorischen Kortex und schließlich das Gehirn laufen und das sympathische Nervensystem aktivieren. Sie stellen fest: „Obwohl diese grundlegenden Reaktionsmuster bei allen Menschen gelten, ist die individuelle Empfindlichkeit gegenüber wahrgenommenen Bedrohungen sehr unterschiedlich“ (ebenda). Die Autoren machten sich daran, die Hypothese zu testen, „dass Unterschiede in der physischen Empfindlichkeit gegenüber Bedrohungen mit politischen Überzeugungen verbunden sind“ (ebenda). Sie sammelten eine zufällige Stichprobe von Menschen in Nebraska und gaben ihnen ein Befragungsinstrument, mit dem politische Überzeugungen, Persönlichkeitsmerkmale und demografische Merkmale gemessen wurden. Zwei Monate später wurden die Probanden an ein physiologisches Gerät angeschlossen, das den Hautleitwert und elektromyographisch (EMG) den Lidschlussreflex des Orbicularisoculi maß. Der Hautleitwert wurde gemessen, weil er „relativ direkt und unverwässert die sympathische Aktivität widergibt“ (Seite 1668), und der Lidschlussreflex des Orbicularis oculi, eine unwillkürliche Reaktion auf ein erschreckendes Geräusch, da er einen erhöhten „Angstzustand“ durch höhere Blinzelamplituden („heftiges Blinzeln“) anzeigt. Den Probanden wurden drei separate bedrohliche Bilder gezeigt: „eine sehr große Spinne auf dem Gesicht einer verängstigten Person, eine benommene Person mit blutigem Gesicht und eine offene Wunde mit Maden drin“ (ebd.) und drei separate nicht bedrohliche Stimuli: ein Hase, eine Obstschale und ein glückliches Kind. Diese Bilder wurden in eine Sequenz von 33 Bildern eingestreut. Die Ergebnisse zeigten eine Korrelation zwischen der physiologischen Reaktion auf Bedrohung und politischen Einstellungen: „Eine relativ größere Reaktion auf bedrohliche Reize korreliert mit mehr Unterstützung für eine Politik gesellschaftlicher Abschottung“ (ebd.).

Anmerkungen des Übersetzers

a Siehe hier: https://digitalcommons.unl.edu/poliscifacpub/26/

Für eine neuere deutschsprachige Behandlung des Themas siehe:

Christian Kandler, Quellen politischer Orientierung: Genetische, soziale, kulturelle und Persönlichkeitsfaktoren.

Auf S. 21 steht: “Im Einklang mit diesen neuroanatomischen Unterschieden, konnten Oxley und Kollegen (2008) zeigen, dass rechtsorientierte Personen eine schnellere Bedrohungsreaktion zeigen. Bedrohungssensitivität gegenüber äußeren Gefahren ist bekanntermaßen mit der Amygdala-Aktivität assoziiert. Es ist plausibel, dass Menschen mit einer erhöhten Bedrohungssensibilität ein ihnen vertrauteres und sicher wirkendes Umfeld bevorzugen und daher Veränderungen und Unbekanntem eher ablehnend gegenüberstehen. Diese Tendenz mag sich auch in konservativeren Ansichten äußern.“

Christian Kandler, Rainer Riemann, Rechts oder links? Wie Gene unsere politische Orientierung beeinflussen.

Literatur

Oxley, D., Smith, K., et al. 2008. Political Attitudes Vary with Physiological Traits. Science 321 (September 19, 2008)

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 43 (2010), Nr. 2, S. 62-67.
Übersetzt von Robert Hase

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3 Antworten to “Politische Einstellungen unterliegen physiologischen Merkmalen: Politisches Denken und die biologische Grundlage des soziopolitischen Charakters (Teil 3)”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Das heißt auch, dass Konservative Gefahren schneller erkennen können. Damit wäre u. a. erklärbar, warum Linke die Masseneinwanderung kaum als Gefahr betrachten (neben ihren Schuldgefühlen).

  2. Peter Nasselstein Says:

    Gerade die Durchsage im ICE im Befehlston: „Wir erwarten von Ihnen, daß Sie sich an die behördlich angeordnete Maskenpflicht halten“! Nicht etwa „Wir bitten Sie“! Das Merkelregime zeigt immer mehr seinen zutiefst faschistischen Charakter! Aus dem schließlich zahlenden Kunden, „der König ist“, wird ein Untertan.

  3. Peter Nasselstein Says:

    https://redice.tv/news/white-supremacy-does-not-exist

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