Posts Tagged ‘Gehirn’

DAS BLAUE BUCH 2012-2016: 4. Orgonomie und Spiritualität, d. Folter, e. Ekstase, sexuelle Zwangsmoral und Gott

29. Oktober 2026

DAS BLAUE BUCH 2012-2016: 4. Orgonomie und Spiritualität, d. Folter, e. Ekstase, sexuelle Zwangsmoral und Gott

DAS BLAUE BUCH 2012-2016: 3. Medizinische Orgonomie, n. Marihuana

23. Oktober 2026

DAS BLAUE BUCH 2012-2016: 3. Medizinische Orgonomie, n. Marihuana

DAS BLAUE BUCH 2012-2016: 3. Medizinische Orgonomie, l. Der Gegensatz von Alzheimer und Krebs

18. Oktober 2026

DAS BLAUE BUCH 2012-2016: 3. Medizinische Orgonomie, l. Der Gegensatz von Alzheimer und Krebs

DAS BLAUE BUCH 2012-2016: 3. Medizinische Orgonomie, c. Gedächtnis / d. Die Ausdruckssprache des Lebendigen und die Linguistik

2. Oktober 2026

DAS BLAUE BUCH 2012-2016: 3. Medizinische Orgonomie,c. Gedächtnis / d. Die Ausdruckssprache des Lebendigen und die Linguistik

Der Mensch als Orgonmotor

18. September 2026

Frei nach Pawlow glaubte man ursprünglich, daß (beispielsweise) die wellenförmige Schwimmbewegung eines Aals auf einer Kette von Reflexen beruht. Ein Reflex regt den nächsten an. Ein rein mechanischer Vorgang. Doch durch Durchtrennen von Nerven konnte experimentell gezeigt werden, daß diese Bewegung auch ohne sensorische Rückmeldung abläuft, sozusagen „autonom“. Die Nervenzellen im Rückenmark feuern von sich aus in einer perfekt koordinierten wellenförmigen Sequenz. In den 1930er Jahren hatte der Verhaltensbiologe Erich von Holst (beispielsweise) bei Aalen das Gehirn vom Rückenmark getrennt und die sensorischen Nervenbahnen durchschnitten. Dieses simple Experiment bildete die Grundlage der modernen Neurobiologie und Verhaltensforschung. Was wir hier vor uns haben sind pulsatile orgonotische Funktionen, die unabhängig von der Umwelt und unabhängig vom Gehirn aus sich heraus agieren.

Hans Hass schreibt dazu:

Dieses Ergebnis war in doppelter Weise ungemein interessant. Erstens widerlegte es die Ansicht des russischen Biologen Pawlow und seiner Schule, die alle Instinkthandlungen auf „Ketten“ von einzelnen Reflexen zurückführten. Nach dieser Vorstellung – die damals von den meisten Biologen geteilt wurde – hätte die Bewegung eines Muskelsegmentes über innere Sinnesreize die Bewegung des nächstfolgenden auslösen müssen. Als einen solchen „Kettenreflex“ hatte man sich bisher den regelmäßigen Ablauf der Schwimmbewegung des Aales vorgestellt. Bei diesem Präparat waren jedoch keinerlei Rückmeldungen an das Rückenmark möglich, es konnten somit die Segmente einander nicht beeinflussen. Zweitens aber, und fast noch wichtiger, zeigte dieses Experiment, daß dieser offenbar von einer Stelle gesteuerte Bewegungsvorgang gar keines äußeren Reizes bedurfte, um abzulaufen. Die motorischen Zellen, welche die Schlängelbewegung kommandierten, waren vielmehr „spontan aktiv“. (Hass: Expedition zu uns selbst. Das Geheimnis menschlichen Verhaltens, NATURPHILOSOPHISCHE SCHRIFTEN, Bd. 4, München: Universitas 1987)

Es ist etwas unglücklich, da die falschen Assoziationen hervorgerufen werden, daß das lokale Netzwerk im Rückenmark, daß für die Rhythmik autonomer Muskelbewegungen, u.a. das Atmen, zuständig ist, ausgerechnet als „Zentraler Mustergenerator“ (Central Pattern Generator, CPG) bezeichnet wird, weil das Rückenmark Teil des Zentralen Nervensystems ist. Nochmal: das ganze läuft als „kontinuierlicher Antrieb“ autark, spontan aktiv ab, d.h. ohne sensorische Rückmeldungen von der Peripherie und ohne Befehle vom Gehirn.

Natürlich initiiert das Gehirn das Gehen, Kauen und Schlucken und beeinflußt das Atmen, doch der CPG feuert die Nervensignale autonom. Genauso modulieren Signale von der Peripherie her zwar diese autonome Rhythmik des CPG, aber das ändert nichts daran, daß der CPG aus sich selbst heraus pulsiert, d.h. auch sozusagen „im Leerlauf“ weiterlaufen würde.

Werden der betreffende CPG zerstört, kann man beispielsweise zwar noch gehen, doch ist dieses Gehen nicht mehr flüssig, nicht mehr koordiniert, nicht mehr unwillkürlich, sondern nur noch rein mechanisch, roboterhaft. Es ist wie bei Reichs Orgonmotor, der zwar mit elektromagnetischer Energie betrieben werden konnte, seine charakteristische „flüssige“ Bewegung aber nur durch das Einspeisen von autonom pulsierender Orgonenergie vollführen konnte.

DAS BLAUE BUCH 2012-2016: 1. Orgonbiophysik, o. Die Kraft der Jedi-Ritter / p. Bioenergetik und Tod

17. September 2026

DAS BLAUE BUCH 2012-2016: 1. Orgonbiophysik, o. Die Kraft der Jedi-Ritter / p. Bioenergetik und Tod

Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 3. Orgontherapie, e. Energie vom Kopf zum Genital!

14. Juli 2026

Peter Nasselstein: Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 3. Orgontherapie, e. Energie von Kopf zum Genital!

Die Ordnung der Panzersegmente

21. April 2026

Elsworth F. Baker zufolge ist das Brustkorbsegment das wichtigste Segment, weil es Lunge und Herz umfaßt: Aufnahme und Verteilung des Sauerstoffs. Außerdem ist es das erste Segment, das sich in der individuellen Entwicklung abpanzert: Drosselung der Energie. Außerdem erwähnt er, daß man das Brustsegment in einen oberen und unteren Bereich unterteilen kann (Der Mensch in der Falle, S. 102). Aus Sicht des energetischen Orgonoms ist es das bioenergetische Zentrum des Organismus:

Aus Sicht des orgonotischen Systems, d.h. der Struktur gewordenen Pulsationsfunktion, liegt der bioenergetische Kern hingegen im Oberbauch, d.h. dem Solar plexus: das zentrale Nervengeflecht, das Parasympathikus (Expansion) und Sympathikus (Kontraktion) miteinander verbindet.

Aber zurück zum energetischen Orgonom: Es ist, als würde das Brustsegment nach oben und nach unten verweisen als bioenergetisches Zentrum des Organismus. Oberhalb des Brustsegments gibt es drei Segmente (Hals-, Mund- und Augensegment) und unterhalb drei (Zwerchfell-, Bauch- und Beckensegment). Entsprechend gibt es eine bioenergetische Logik, die das Hals- mit dem Zwerchfellsegment verbindet, das Mund- mit dem Bauchsegment und schließlich das Augen- mit dem Beckensegment.

Zunächst einmal versuchen im Orgasmusreflex sich das Becken und der nach hinten geworfene Kopf einander zuckungsartig zu nähern, wobei die Brust kollabiert (Ausatmung), so als wolle sie sich in der Mitte zusammenfalten, was aus anatomische Gründen natürlich nicht geht. Daß Mund- und Bauchsegment zusammengehören, sollte offensichtlich sein, beginnt doch die Verdauung bereits im Mund. Bioenergetisch ist die „Magenverstimmung“ funktionell identisch mit der „depressiven Verstimmung“, die mit dem oralen Segment verbunden ist. Die Melancholie (chronische Depression) schlägt auf den Magen, während die Manie (manische Depression) mit Freßanfällen einhergeht. Hals und Zwerchfell sind die beiden Strukturen, die einerseits den Kopf vom Körper trennen (die meisten Menschen „leben“ nur in ihrem Kopf, „Sex findet im Kopf statt!“) andererseits den Unterkörper förmlich abriegeln. Mit Auflösung der Halspanzerung wird der Kopf frei bzw. verbindet sich der Kopf („der Geist“) mit dem Körper. Mit der entsprechenden Auflösung der Zwerchfellpanzerung wird der Körper erst als wirklich dreidimensional empfunden: ein Körper, durch den Ströme fließen. Am interessantesten ist aber die Verbindung von Augen- und Beckensegment: hier haben wir jeweils die innigste Verbindung zur Umwelt. An beiden Enden des Orgonoms drängt die Energie nach außen, wie an der obigen Abbildung zu sehen ist. Gehirn und Genital sind unmittelbar voneinander abhängig. Wie der Volksmund so schön kundtut, fickt der Gepanzerte mit dem Gehirn und „denkt mit dem Schwanz“. Nur der Ungepanzerte kann wirklich denken (d.h. funktionell denken) und wirklich lieben (d.h. wirklich Liebe empfinden – nicht nur „Platonisch“ bzw. pornographisch). Das zeigt sich in den Träumen und im Denken. Beides ist nicht mehr verwickelt, sondern eindeutig und einfach. Gleichfalls ist das Liebes- und Sexualleben nicht mehr „verwickelt“, d.h. voller Ambivalenz, sondern eindeutig und instinktsicher. Die „okulare Vision“ und die genitale Aktivität sind eins. Der Mensch ist mit sich und seiner Umwelt einig. ER LEBT! Für den Gepanzerten hingegen ist alles Wirrnis und Drama. Die Hysterie (Freuds „das Rätsel Weib“) ist das schlagende Beispiel, genauso aber auch der stets imgrunde saublöde Phallische Narzißt. Der verpeilte „Krieg der Geschlechter“…

Orgontherapie 2026 (Teil 8)

19. April 2026

Ich habe mit mehreren Orgontherapeuten und „Orgonpatienten“ darüber gesprochen: Orgontherapie über eine Videokamera ist möglich. Damit fällt (mal abgesehen von den Finanzen!) jedwede Ausrede weg, sich keiner Orgontherapie lege artis zu unterziehen.

In der liberalen modernen Kultur sind Leben und Leiden zu einem Störfaktor geworden, die durch Abtreibung und Euthanasie zu beseitigen sind. Das Lebendige, die Emotion, der bioenergetische Kern stört, etwa bei der profitablen Ausschlachtung von Wachkomapatienten. Selbst wenn sie nicht mehr auf „geistiger“ Ebene erreichbar sind, sind sie es doch auf emotionaler. Das läßt sich mittels Magnetresonanztomographie nachweisen. Auch wenn sich Wachkomapatienten uns nicht mitteilen können und kein Bewußtsein ihrer selbst haben, emotional „sind sie da“!

Eine Studie von Justin Feinstein (University of Iowa, Iowa City) et al. hat mit Probanden, die unter ständigem Gedächtnisverlust litten, gezeigt, daß man immer noch Gefühle empfindet, nachdem deren Ursachen längst vergessen sind. Die Versuchsteilnehmer litten unter Verletzungen am Hippocampus, der für das Abspeichern von neuen Erfahrungen verantwortlich ist. Betroffene vergessen neue Erlebnisse gleich wieder.

Die Forscher zeigten ihnen jeweils einen kurzen Film, einer davon mit lustigen Inhalten, der andere mit trauriger Grundstimmung. Fünf bis zehn Minuten nach Filmende wurden die Versuchspersonen über Details befragt. Wie erwartet, erinnerten sich die Probanden kaum mehr an den Film (…). Bei einer Befragung nach dem Gedächtnistest zeigte sich aber, daß die Emotionen immer noch vorhanden waren, die die Probanden während des Films erlebt hatten. Bei zwei Patienten blieben die Gefühle sogar deutlich länger bestehen, als bei den Gesunden, die den Film noch präsent hatten.

Diese Befunde zeigen, daß ein liebe- und respektvoller Umgang mit Menschen, die unter stark eingeschränkten Geistesfunktionen leiden, etwa Alzheimer-Patienten, alles andere als „vergebliche Liebesmüh“ ist. Feinstein erläutert dazu:

Ein Besuch oder Anruf kann also bei Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, anhaltende Freude auslösen – auch wenn sie den Besuch oder das Telefonat bereits wieder vergessen haben.

Im übrigen bestätigen die Forschungen Feinsteins Reichs psychotherapeutischen Ansatz, bei dem es, anders als bei der von der Psychoanalyse beeinflußten tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie und der kopflastigen kognitiv-behaviouralen Therapie, in erster Linie um die Befreiung der Emotionen geht. Sie sind weitaus fundamentaler als die „Psyche“ und machen den eigentlichen Wesenskern des Menschen aus. Sie machen uns zu liebesbedürftigen Menschen, auch wenn die höheren (d.h. oberflächlicheren) mentalen Funktionen weitgehend erloschen sind.

Emotionen haben primär gar nichts mit dem Gehirn zu tun, sondern sind unmittelbarer Ausdruck der Bewegung der Orgonenergie in einer geschlossenen Membran. Selbst Amöben spüren Lust (Expansion) und Angst (Kontraktion gegen die Expansion). Mit der Entwicklung einer Muskulatur tritt die Wut hinzu (expansive Bewegung der Energie in die Muskulatur hinein). Reich hat die Emotion Sehnsucht als Energiefluß definiert, der in den Brustbereich und die Arme geht, also das zentrale Segment der sieben bioenergetischen Segmente des Körpers. Unsere Sprache bringt die Verbindung zwischen Trauer, Sehnsucht und dem Herzbereich sehr klar zum Ausdruck.

Ich habe mich bereits mit Botox beschäftigt. Dieses Zeugs ist so bedeutsam, weil es viel über die muskuläre Panzerung sagt. Beispielsweise verschwinden Kopfschmerzen, wenn man die Gesichtsmuskulatur lahmlegt.

In Amerika machen sich konservative Kommentatoren häufig über die fast durchweg extrem linken „Reichen und Schönen“ (insbesondere in Hollywood) lustig, deren Markenzeichen mittlerweile jugendlich entspannte und gleichzeitig puppenhaft tote Gesichter sind: offensichtlich sei das Botox auf ihr Gehirn geschlagen.

Neuere Forschungen zeigen, daß das tatsächlich passiert. Botox setzt die kognitiven Funktionen herab, insbesondere das Sprachverständnis.

Ein Team um David Havas von der Universität Wisconsin-Madison habe 20 Frauen vor und nach einer Botox-Behandlung einem Sprachtest unterzogen. Nach der Therapie benötigten die Frauen eine Sekunde länger, um etwa folgenden Satz zu verstehen: „Sie verabschieden sich von einem guten Freund, den sie nie wieder sehen werden.“

Eine Sekunde Verzögerung klinge zwar nicht besonders lang, sagte Havas laut Magazin, sie genüge aber, um gewisse emotionale Schwingungen in einem Gespräch nicht mitzubekommen. Nach Vermutungen der Forscher benötigt das Gehirn ein Feedback der Gesichtsmuskeln, um Emotionen steuern zu können.

Jeder, der die Orgontherapie aus eigener Erfahrung kennt, weiß, daß Emotionen Ausdruck unseres gesamten Körpers sind. Botox und geradezu tragikomische Sätze wie „Nach Vermutungen der Forscher benötigt das Gehirn ein Feedback der Gesichtsmuskeln, um Emotionen steuern zu können“ – zeigen, wie weit wir auf dem Weg fortgeschritten sind, zu seelenlosen Barbiepuppen zu werden.

Körper und Seele (Teil 2)

10. März 2026

Francesco Foroni von der Freien Universität Amsterdam und Gün Semin von der Universität in Utrecht haben in einer Studie gezeigt, daß Sprache sich nicht nur im Gehirn abbildet, sondern buchstäblich „ver-körpert“ wird. Sie ist also kein rein „geistiges“ System aus abstrakten Symbolen, sondern Sprache und körperliche Reaktionen beeinflussen sich wechselseitig. Die aufgenommenen Symbole werden direkt in körperliche Reaktionen umgesetzt und so verstanden.

Die Probanden lasen Wörter ab, während die Aktivität jener Gesichtsmuskeln gemessen wurde, die das Stirnrunzeln und das Lächeln steuern. Bei „positiven Wörtern“ wie „Lächeln“, „Grinsen, „Lachen“ bewegten sich die Mundwinkel, „negative Wörter“ wie „Stirn runzeln“, „Weinen“, „Kreischen“ verursachten hingegen eine Bewegung der Stirn. Die Begriffe und die mit ihnen einhergehenden spontanen körperlichen Reaktionen führten auch zu entsprechenden emotionalen Reaktionen. Beispielsweise fanden die Testteilnehmer Comic-Abbildungen komischer, wenn sie vorher durch „positive“ Begriffe darauf eingestellt waren. Wurde die Muskelaktivität verhindert, indem der Proband einen Stift mit den Lippen festhielt, blieb die Belustigung aus.

Daß Körper und Geist funktionell identisch sind, zeigen auch die Forschungen von Meredith Rowe und Susan Goldin-Meadow von der University of Chicago. Sie berichten von einer Langzeitstudie an fünfzig Familien, bei der sie herausfanden, daß Kleinkinder, die mit 14 Monaten häufig gestikulieren, im Alter von viereinhalb Jahren über einen größeren Wortschatz verfügen als ihre gestikulationsfaulen Altersgenossen.

Eine Erklärung, wie die Gestik des Kindes zu einem größeren Wortschatz führt, haben die Forscherinnen auch parat. Die Mutter reagiert beispielsweise auf den Fingerzeig ihres Sprößlings, indem sie ihm erklärt, was es sieht. Das Kind seinerseits benutzt die Hände, um sich seiner Umwelt mitzuteilen, wenn es bestimmte Dinge noch nicht aussprechen kann.

Hier haben wir eine hervorragende Illustration für die Einheit von Psyche (Wortschatz) und Soma (Gestik). Sogar beim Lernen von Mathematik ist die Wechselwirkung mit Gesten wichtig, wie Susan C. Levine et al. zeigen konnten.

Sozioökonomische Unterschiede wirken sich bereits mit 14 Monaten auf die Gestik aus, noch bevor sich die Kinder in ihrer gesprochenen Sprache unterscheiden, d.h. in Familien aus sozial besser gestellten Schichten wird mehr gestikuliert und die Kinder haben später einen entsprechend größeren Wortschatz.

Die meisten würden wahrscheinlich davon ausgehen, daß in den Unterschichten, „die es nicht so mit Worten haben“, mehr gestikuliert wird als in den ökonomisch besser gestellten Klassen. Dieser Widerspruch löst sich aus bioenergetischer Sicht sofort auf, wenn man daran denkt, daß die ökonomisch niedrige Stellung mit einer generellen Kontraktion der bioenergetischen und biosozialen Funktionen einhergeht: das eine bedingt das andere.

Man braucht nur in eine Fabrik gehen und wird dies sofort anhand der gedrückten Körpersprache der Arbeiter im Vergleich mit der souveränen Körpersprache der Führungskräfte illustriert sehen. Menschen der Unterschicht sprechen lauter, verlassen sich ganz auf ihr Organ. In der Bahn, im Restaurant, überall: schaut man sich jene an, die unangenehm laut sind, hat man stets einen Proleten vor sich. Nonverbale Hinweise, Zwischentöne, leise Andeutungen und Rücksicht scheint es für diese Leute nicht zu geben.

Was „bioenergetische Lebendigkeit“ angeht: Samuele Marcora (Universität in Bangor, Wales) et al. konnten experimentell nachweisen, daß geistige Erschöpfung auch die körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Man empfindet nach geistiger Verausgabung eine körperliche Belastung als deutlich anstrengender und fühlt sich eher erschöpft. Dabei arbeiten die Muskeln und das Herz-Kreislauf-System weiter ohne meßbare Veränderungen. Es ist, als senke das Gehirn die Toleranz für körperliche Anstrengung. Die Forscher versuchen hier neue Ansätze für die Behandlung von Erschöpfungszuständen wie etwa dem chronischen Erschöpfungssyndrom zu erschließen. Sie denken dabei an „Kontrollzentren im Gehirn“, den „Gyrus cinguli, ein Teil des Limbischen Systems, in dem motorische Kontrolle mit Emotionen und kognitiven Prozessen zusammengeführt wird“ und den Botenstoff Dopamin.

Sicherlich gehören diese physiologischen, neurologischen und biochemischen Elemente zum Gesamtbild, doch was ist dieses Gesamtbild?