James Reich befaßt sich mit Mildred Brady und bestreitet, daß sie eine Stalinisten gewesen sei. Eine absolut lächerliche Behauptung. Es ist mir echt zu dumm darauf einzugehen. Ich verweise auf das, was ich an anderer Stelle zu dieser Roten Faschistin geschrieben habe. Mit Verweis auf ihren Artikel „The New Cult of Sex and Anarchy“, in dem es gar nicht (primär) um Reich geht, er wird nur 7 mal in Aufzählungen erwähnt, während Henry Miller 27 mal erwähnt wird (S. 163), erläutert der Autor, sie könne keine Stalinistin sein, weil der Artikel „konservativ“ sei. Dieser Einwurf ist derartig lächerlich – ich verweise wieder auf das, was ich an der oben verlinkten Stelle darüber gesagt habe.
Ansonsten geht es im Kapitel 11 um Robert Anton Wilson und Colin Wilson, Norman Mailer und Tuli Kupferberg, Jack Kerouac und William S. Burroughs, durchweg sehr gute Beschreibungen und von kulturgeschichtlichem Interesse, wobei der Autor auch deutlich macht, wie ablehnend Reich dieser ganzen Hipster- und Beatnik-Sache gegenüberstand, die sich nach Reichs Tod dann zur Woodstock-Generation entwickelte. Dusan Makavejevs Film WR: Mysteries of the Organism wird eingehend beschrieben und ebenfalls kritisch bewertet. Wobei aber auch zu vermerken ist, daß die Ausführungen anfangs nur einen Zweck zu haben scheinen, Reichs Konzept „Emotionelle Pest“ zu relativieren und zur bloßen Metapher für Dummheit zu machen. „Intellektuelle“ wie James Reich stehen mit ihrer „Intelligenz“ bzw. ihrem „Intellekt“ drüber.
Der Rest des Buches beschäftigt sich mit dem „gegenkulturellen“ Einfluß von Peter Reichs Book of Dreams, wobei James Reich seine Psycho-Analyse Reichs fortspinnt u.a. tauchen zu allem Überfluß auch noch Otto Weininger und Donald W. Winnicott auf: die Fliegenden Untertassen waren (zusammen mit Peter Reichs in der Dunkelheit leuchtendem Jo-Jo) als durch die phallische Space Gun verschwimmende, aber zurückkehrende „Übergangsobjekte“ im ödipalen Kampf zwischen Wilhelm und Peter Reich – oder so ähnlich… …jedenfalls endet das ganze, nach Winnicott, „in the direction of the functional climax of an orgasm“ (S. 199). Ich habe schlichtweg keinen Bock mehr, auf dieses degoutante Zeugs weiter einzugehen. Etwa: in Arizona ersetzte Wilhelm Reich für Peter Reich dessen ödipale Urszene durch Scienc Fiction-Abenteuer (S. 190) oder irgend so ein saublööööder Quark.
In Anlehnung an Deleuze und Guattari könnte man das Auftauchen der Fliegenden Untertasse als Antwort auf Formen des Totalitarismus und des Ödipuskomplexes betrachten, als Manifestation irrationaler Wunschproduktion. Ihre phantasmatische oder eidetische Präsenz ist gerade das Begehren oder dessen Mangel, und doch sind sie immer noch die Unidentifizierten Fliegenden Objekte des Begehrens, in denen Experimente am Körper durchgeführt werden – Penetration, Kastration, Imprägnation –, bei denen das Sprechen unmöglich ist – der Verlust des Subjekts, der Tod des sprechenden ‚Ichs‘. (S. 201f)
Ich muß voller Ekel und Verachtung an das „Zeitalter des Feuilletonismus“ denken, von dem Hermann Hesse in seinem Roman über die Orgonometrie sprach. Literarischer Eskapismus, quälend zäh zu lesen, der dem Thema „OROP Desert Ea“ denkbar unangemessen ist. James Reich spricht übrigens vom „delirium of Contact with Space“ (S. 190) und hatte sich am Anfang des Buches über den „Kubismus“ von Sharafs Reich-Biographie lustig gemacht (S. 26), dabei ist Wilhelm Reich versus The Flying Saucers wirres Geschmiere! Wenn ich das Wort „Kultur“, gar „Gegenkultur“ höre, entsichere ich meine Pistole. Hier Tuli Kupferbergs Antwort. Nach dieser Szene schneidet Dusan Makavejev abrupt Reichs „phallischen“ Cloudbuster in den Film…
Zum Schluß folgende “Some Notes on Desert (From a Talk by Reich at Orgonon, August 1954)”, die sich in Tuli Kupferbergs Nachlaß fanden und die Reichs ursprüngliche Einschätzung von Ea wiederspiegeln. Eine Einschätzung, die im Verlauf seines „Contact with Space“ ins Gegenteil umkippte:
DOR hat es schon immer gegeben. Der starke Anstieg der atmosphärischen DOR in den letzten Jahren ist eine Folge der Atomexplosionen und anderer atomarer Aktivitäten und offenbar auch auf kosmisches Orgon-Engineering durch die Menschen zurückzuführen, die unseren Planeten in Raumschiffen aus anderen Welten besucht haben. (Diejenigen, die immer noch skeptisch sind, was die Anwesenheit von „Fliegenden Untertassen“ an unserem Himmel betrifft, sollten wissen, daß unsere Regierung seit einigen Jahren nicht mehr als 2000 Leute beschäftigt, nur um optische Täuschungen zu beobachten.)
Über die genauen Absichten der „CORE-Männer“ kann man nur spekulieren. Offensichtlich sind sie besorgt über die weitreichenden Auswirkungen unserer periodischen Explosionen. Sie könnten diese schädlichen Explosionen stoppen, indem sie uns entweder durch DOR-Krankheit und Wüstenentwicklung in unserer Welt vernichten oder uns zu Gesundheit und Vernunft drängen. Da die CORE-Männer in Kontakt mit den Orgon-Funktionen stehen und zweifellos nicht gepanzert sind, ist es einfacher zu glauben, daß ihre Absichten uns gegenüber gutartig sind. Aber die Möglichkeit, daß sie eine neue Art von Krieg auf einem gefährlichen Planeten führen, ist nicht zu übersehen. (z.n. S. 182f)
Reich und Ea kann man ernsthaft nur in folgendem Rahmen diskutieren:
Und eine PHYSIKERIN über die UFOs der 1950er Jahre:
Und – WIR und die Fliegenden Untertassen:
Ende der Rezension
Schlagwörter: Ödipuskomplex, Colin Wilson, Deleuze, Donald W. Winnicott, Dusan Makavejev, Eskapismus, Feuilletonismus, Fliegende Untertassen, Guattari, Henry Miller, Hermann Hesse, Jack Kerouac, James Reich, Mildred Brady, Norman Mailer, Otto Weininger, Peter Reich, Robert Anton Wilson, Scienc Fiction, Stalinisten, Tuli Kupferberg, UFOs, Unidentifizierte Fliegende Objekte, William S. Burroughs, Woodstock
9. Oktober 2024 um 08:37 |
Ich wußte bisher nicht, warum dieser absurde Auftritt mit diesem Pseudo-Soldaten in Mysteries of the Organism stattfand und habe erst jetzt den Zusammenhang zu Reich entdeckt, nämlich dass Reich einen Briefwechsel mit Kupferberg hatte.
https://taz.de/100-Jahre-Tuli-Kupferberg/!5959260/
9. Oktober 2024 um 09:08 |
9. Oktober 2024 um 09:09 |
William Burroughs Fortsetzung des Gesprächs – 7 – (Wilhelm Reich)
1. Oktober 2020
Wilhelm Reich (1897-1957)
Das Gespräch zwischen Ginsberg, Corso und Burroughs aus dem Jahr 1985 wird fortgesetzt . Die Diskussion beginnt mit einer Frage aus dem Publikum
F (Publikum): Burroughs!
WSB: Ja
F (Publikum): Kann ich eine Frage stellen?
WSB: Ja. Ja, fragen Sie es.
F (Publikum): Hatten Sie irgendeine Verbindung zu ( Wilhelm) Reich ?
AG: Womit?
F (Publikum): Mit Wilhelm Reich
WSB: Na ja, ich meine, ich war an seinen Theorien interessiert und bin immer noch der Meinung, dass er mit seiner Krebsheilung auf dem richtigen Weg war. Und ein Weltraumarzt hat, ohne Reich zu kennen, Reichs Krebstheorie fast wortwörtlich wiederholt – dass eine Zelle mit einem hohen elektrischen Potenzial an der Oberfläche nicht krebsartig ist und ein niedriges Oberflächenpotenzial, elektrisches Potenzial, hat, wenn sie krebsartig ist. Und seine Orgon-Box ist genau darauf ausgelegt, das elektrische Oberflächenpotenzial von Zellen zu erhöhen. Ich denke, es war viel Arbeit nötig, wissen Sie, vielleicht musste man mit magnetisiertem Eisen arbeiten, aber ich denke, er war auf dem richtigen Weg. Und ein Arzt in Frankreich hat gesagt, dass Krebs in einem starken Magnetfeld nicht existieren kann. Aber natürlich wurde er von der orthodoxen Medizin absolut verdrängt, ohne auch nur … ohne Versuche, die sehr einfach und kostengünstig sind. (Sie wollen nichts über etwas wissen, das einfach und billig ist, je teurer, desto besser!) Also… ja, ich denke, er hat ganz definitiv etwas, nicht so viel, wie er dachte, aber er hatte etwas, ein Teil des Krebspuzzles.
10. Oktober 2024 um 00:02 |
Zu Milton, der in diesem Moment über Florida zieht:
„Sie kontrolliert den Hurrikan!“ – Trump-Vertrauter sieht Harris hinter Milton (fr.de)
Reich und sein Team hatten eine stärkere Kraft zur Verfügung, die präatomare Orgonenergie. Mit Hilfe von Cloudbustern wurden tatsächich Hurrikane weggeleitet.
Wilhelm Reich: „OROP Hurricane Edna“ CORE VII(1,2), March 1955, pp. 84-92 (Directed by Wilhelm Reich, M.D., Log Book Protocol Data Compiled By: Operator William Moise. September 10/11, 1954.)
Jetzt fällt mir erst auf, daß James Reich praktisch nichts übers Cloudbusting schreibt. Was für ein…
10. Oktober 2024 um 23:49 |
„Seit den 1940‘ern forsche man in den USA an Mitteln, die Entstehung … von Wirbelstürmen wie Hurrikan „Milton“ zu beeinflussen“ – vielleicht sollte man nicht daran arbeiten Wirbelstürme zu erzeugen.
Dann braucht man sich auch nicht überlegen, wie man genau diesen wieder wegbekommt. Eigentlich eine einfache Methode des Nichtstuns.
Der Forschungsansatz Atombomen zu schmeißen, zeigt ja nur – allein durch den Vorschlag – wie dumm man eigentlich ist. Aber ok, nehmen wir den Vorschlag für eine Sekunde ernst, eine Atombombe auf Washington könnte helfen, einen Hurrikan zu stoppen.
Es gebe ja auch friedlichere Methoden, aber die sind ja wieder richtig langweilig, ohne Bumms und so.