War Hitler antiautoritär? (Teil 2)

Charles Konia hat sich ausführlich über Psychopathen geäußert. Dabei geht es vor allem um die Psychopathen in den Chefetagen, die nicht zuletzt die Wirtschaftskrise der letzten Jahre zu verantworten haben.

Leider wurden in den modernen Diagnoseschlüsseln ICD-10 und DSM-V der Begriff „Psychopathie“ abgeschafft und durch weniger scharfe Begriffe ersetzt. Immerhin kann man jedoch auf Werke wie Menschenschinder oder Manager: Psychopathen bei der Arbeit (2007) von Paul Babiak und Robert D. Hare verweisen.

Ein Psychopath ist ein sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme, bei erheblich übersteigertem Selbstgefühl. Ein krankhafter Lügner mit betrügerisch-manipulativem Verhalten. Er leidet (bzw. leidet eben nicht) unter einem Mangel an Schuldbewußtsein, hat nur oberflächliche Gefühle, ist gefühlskalt und leidet (bzw. leidet eben nicht) unter einem Mangel an Empathie. Er übernimmt für sein Handeln keine Verantwortung.

Angesichts dieser Stichworte sei daran erinnert, daß Reich Hitler stets als „Generalpsychopathen“ bezeichnet hat! Dazu paßt teilweise auch dessen Impulsivität:

Der Psychopath ist von Erlebnishunger geprägt, führt einen schmarotzerhaften Lebensstil und hat sein Verhalten nicht unter Kontrolle. Schon früh zeigen sich Verhaltensauffälligkeiten, das Fehlen von realistischen, langfristigen Zielen, Impulsivität, Verantwortungslosigkeit.

Weitere Auffälligkeiten im Leben von Psychopathen sind Kriminalität in der Jugend, überhaupt eine vielgestaltige Kriminalität mit Verstößen gegen Bewährungsauflagen, Promiskuität und viele kurzzeitige eheähnliche Beziehungen.

Es ist beängstigend, daß in der sich seit etwa 1960 kontinuierlich entwickelnden und um sich greifenden anti-autoritären Gesellschaft diese psychopathischen Verhaltensmuster geradezu zu Verhaltensmaximen werden.

Babiak und Hare stellten empirisch fest, daß, während nur etwa 1 % der Gesamtbevölkerung psychopathisch sind, immerhin 3 bis 4 % der höheren Angestellten Psychopathen sind. Die Prozentzahlen an der Spitze der Wirtschaft werden wahrscheinlich sogar weitaus höher liegen.

Das Problem mit dem Kapitalismus ist, daß solche Typen teilweise recht nützlich sind, denn um eine Firma auch unter schwierigen Bedingungen zu gründen (und damit im günstigsten Fall eine ökonomische Kettenreaktion auszulösen, die eine ganze Region wirtschaftlich wiederbeleben kann!), braucht es einen, wenn man so will, „hitleresken“ Charme, Risikobereitschaft, Angstfreiheit und auch eine gewisse Ruchlosigkeit. Ich hätte beispielsweise wirklich Probleme damit, auch nur eine einzige alte Eiche zu fällen, „nur“ um eine Fabrikhalle zu errichten. Wie ist es erst um so etwas bestellt, wie Leute dazu zu bringen, für dich zu bürgen, oder den Ermessensspielraum eines Verwaltungsbeamten mit dem Einsatz von diversen „Überredungskünsten“ voll auszuschöpfen.

Selbst auf dem Gebiet der Sexualität: ein weicher „Frauenversteher“ kann sich auf ein Leben als Onanist einstellen.

Der britische Psychologe Kevin Dutton hat ein ganzes Buch über die Vorzüge einer psychopathischen Gesinnung geschrieben: Psychopathen: Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann. Allerdings würde auch er keine Psychopathen an die Spitze von Unternehmen setzen, bei denen es um langfristige Strategien geht.

Man kann anfügen: auch ein bei Frauen überaus erfolgreicher „James Bond“ wird sich kaum zum Familienvater eignen!

Wie stets bei Fragen von Gesundheit und Krankheit geht es nicht darum, ob eine Strebung vorhanden ist oder nicht, sondern wie sehr sie „energetisch besetzt“ ist. Es gibt „nur“ einen graduellen Unterschied zwischen „Ich habe dich zum Fressen gern!“ und sexuellem Kannibalismus. Entsprechendes läßt sich über den Kapitalismus sagen: er beruht zwar auf Konkurrenz, Gewinnstreben und Egoismus, aber wie in einem Gesellschaftsspiel gibt es doch einen gewichtigen Unterschied zwischen dem Verfolgen eigener Interessen, insbesondere indem Informationen nicht weitergegeben werden, und Betrug.

Mit dem Umsichgreifen der anti-autoritären Gesellschaft wurde diese, wie angedeutet nicht immer ganz eindeutige, Grenze immer eklatanter überschritten, insbesondere in der Finanzwirtschaft, die teilweise kaum noch von mafiöser Wirtschaftskriminalität zu unterscheiden ist. Selbst um das langfristige Überleben der eigenen Firma scheren sich die psychopathischen Finanzjongleure einen Dreck. Folge war die gegenwärtige Wirtschaftskrise, die prompt dazu genutzt wird, den Kapitalismus an sich in Frage zu stellen. Wie Konia ausgeführt hat, kann jedoch nicht der Sozialismus die Antwort sein, sondern einfach nur die konsequente Bekämpfung von Kriminalität.

Was wirklich Not tut, ist ein verbreitetes Verständnis der menschlichen Charakterstruktur, wie sie Reich, Baker und Konia entschlüsselt haben. Leider Gottes hat die moderne Psychiatrie, Psychologie und Soziologie gegenwärtig die unhelvolle Tendenz entsprechende Ansätze, wie etwa das klassische Verständnis der Psychopathologie, zu zerstören und verunmöglicht es dergestalt der Orgonomie in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Diese Entartung von Medizin und Humanwissenschaft ist ein weiteres Symptom der umfassenden anti-autoritären Zersetzung der Gesellschaft. Um so wichtiger und bemerkenswerter ist der eingangs erwähnte Artikel.

Um auf Hitler zurückzukommen: Vor diesem Hintergrund sollte es auch weniger absurd sein, den Nationalsozialismus als eine anti-autoritäre Bewegung zu betrachten.

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8 Antworten to “War Hitler antiautoritär? (Teil 2)”

  1. Avatar von davidmoerike David Says:

    Ein sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme, bei erheblich übersteigertem Selbstgefühl. Ein krankhafter Lügner mit betrügerisch-manipulativem Verhalten. Er leidet (bzw. leidet eben nicht) unter einem Mangel an Schuldbewußtsein, hat nur oberflächliche Gefühle, ist gefühlskalt und leidet (bzw. leidet eben nicht) unter einem Mangel an Empathie.

    Solche Leute werden gemeinhin – umgangssprachlich – auch als Narzissten bezeichnet.

    Neill Armstrong: bin mir nicht ganz sicher, ob es stimmt dass Armstrong Hochgradmaurer war; ferner entzieht es sich meiner Kenntnis, ob – und wie – die dort entsprechende Initiationen / Trainings machen, um die Angstreaktion – und andere emotionale Reaktionen abzutöten.

    Aber zusammenpassen würde das alles!!

  2. Avatar von O. O. Says:

    Anzunehmen dass „Psychopathen“ (oder Narzissten) zufällig in diese Positionen kommen, wäre absurd, sie werden gezielt hierzu berufen. Die „Globaliseriung“ mit ihrem psychopatischen Management ist das Werk von Multikonzernen und ihren Lenkern und ureigens das Werk der „Kapitalisten“ (nicht Mittelständler). Dies nun den „Antiautoritären“ zuzuschieben, entschuldigt Erstere und hält den Globalisierungswahn aufrecht. Konia wird somit zum Handlanger der von ihm als „antiautoritär“ bezeichneten Globalisierungs-Manager. An solchen Widersprüchen mag sich Konia nicht stören, aber hat er keine Mitstreiter, die mit ihm hierüber diskutieren können?

    Um das Programm der „Globalisierung“ in den Betrieben umzusetzen, bedarf es keiner Psychopathen, das wird von oben nach unten (eben autoritär) runter diktiert, so hat es auch im Faschismus funktioniert.

  3. Avatar von davidmoerike David Says:

    Betreffend Dr. Konia hat O. gesagt:

    Dies nun den “Antiautoritären” zuzuschieben, entschuldigt Erstere und hält den Globalisierungswahn aufrecht.

    Nein, lieber O., ich schätze das wie folgt ein: Konia – und auch PN – sehen das alles genau richtig.

    Jedoch benutzen Konia und PN mit „anti-autoritär“ .ein vollkommen irreführendes., falsches Wort zur Beschreibung der deutschen bzw. amerikanischen Gesellschaft bzw. der gesamten Welt wie sie derzeit ist.

    Vielmehr – wie ich hier schon einmal gesagt hatte, trifft der Begriff „Gangster-Gesellschaft“ den jetzigen Zustand viel besser.

    Warum?

    Weil man es – christliche Werte sind nicht mehr wichtig – als „cool“ einstuft, gegenüber den Ausgebeuteten und Schwachen ganz außerordentlich autoritär und hart. zu sein.

    Der Schwache ist selber dafür verantwortlich, .nicht schwach. zu sein!

    Ein Auswuchs dieser Grundeinstellung ist es auch, wenn man die „ex und hopp“ Einstellung bis zum äußersten steigert, etwa durch Produktion von Kleidungsstücken, die zum einmaligen Anziehen und dann Wegwerfen – also Nicht-Nachhaltigkeit. – vorgesehen sind.

    Das kranke System ist auf solche Dinge angewiesen, weil sonst die Menge der pro Zeiteinheit produzierten Waren (somit auch die Menge der pro Zeiteinheit verbrauchten Rohstoffe) nicht mehr wächst.

    System-immanente. Folge ist laut Günter Hannich Deflation und dann Systemzusammenbruch und höchstwahrscheinlich auch Krieg.

    Betreffend mögliche Lösungen bin ich ein wenig pessimistisch, denn falls – nach dem real existierenden Sozialismus auch der so genannte Kapitalismus zusammenbricht, könnte es sein, dass – in einer gepanzerten Welt der Feudalismus.das einzige ist, was über Jahrtausende hinweg stabil bleiben kann.

    Es sei denn, die Menschen sind genügend beweglich – und genügend emotional intelligent – sich selber zu helfen, wie es der Fall war während der letzten ungefähr fünfzehn Jahre in den Reform-Staaten Osteuropas, vor allem Ungarn und Polen.

    Durch die Aktivität dieser Menschen konnte jenes Ausbeuter-System, welches sich „Stalinismus“ oder „Sozialismus“ nennt, mit der Zeit überwunden werden.

    • Avatar von Zeitgenosse Zeitgenosse Says:

      Nun ja. Konia lebt eben teilweise noch in den 50er Jahren. Das merkt man an vielen seiner Aussagen. Leider existiert die USA der 50er nicht mehr.
      Auch vermute ich, versucht man latent und massiv das kommunistische Image von Reich abzuwaschen indem man einfach stark die „Gegenseite“ propagiert. Ich habe es an anderer Stelle schon einmal erwähnt: Vieles was das ACO an Meinungen veröffentlicht, könnte auch aus der homepage der Republikaner oder der Marketingabteilung irgendeines Konzerns stammen. Ob Staatssozialismus oder der augenblickliche Casinokapitalismus – beides sind keine positiven Gesellschaftsmodelle. Zumindest nicht auf Dauer.

      „Im Sozialismus wurde die Wirtschaft zuerst verstaatlicht und dann zerstört; im Kapitalismus wird sie zuerst zerstört und dann verstaatlicht.“ Kleiner Spruch zum nachdenken. .-)

      Allerdings eines stimmt schon: Manche „Schwache“ haben sich selber in ihre Position manövriert.

      Ansonsten stimme ich David hinsichtlich einer Gangstergesellschaft zu. Ob die Menschen noch in der Lage wären, sich selber und autonom zu verwalten? Ich bin mir da überhaupt nicht mehr sicher. Ich denke nicht (mehr).

      Der Feudalismus ist geil – für den Adligen bzw. Monopolisten. Was die Plebejer dazu sagen, weiß ich nicht. Eventuell am Ende: Liberte, Egalite, Fraternite…

    • Avatar von O. O. Says:

      Konia kritisiert jedoch nicht die „Gangster“, sondern erklärt bspw. die Occupy Bewegung zur „antiautoriären“ großmuttertreuen Linkenbewegung von Anti-Atom-, Friedens- und Anti-Vietnam „Hippies“. Diese sei die emotionelle Pest. Damit wird die Gangster-Gesellschaft für mich geschützt.

      Es ist ein Thema, dass Reich von Kommunisten attackiert wurde oder von Psychoanalytikern, wo Reich auch selbst aktiv war und sich hier letztlich keine Freunde machte (vgl. hierzu evtl. Jim Martin, Karl Falland etc.), und man hier ihre emotionell pestige Haltung als Motiv sucht und ein anderes, wenn die „Theorie der emotionellen Pest“ auf einen politischen Gegner angewendet wird und die eigene Partei zum „edlen Charakter“ hochstilisiert wird.

      Vielleicht mag ja eine soziopolitische These von Baker aus „Mensch in der Falle“ zu weiteren interessanten Thesen führen, die Konia vorträgt, Jedoch handelt er als Präsident des ACO und lässt es wie die offizielle Orgonomy aussehen. Dem kann man sich anschließen wollen oder nicht. Verquickt mit der Orgontherapie sehen diese Ansichten wie orgonomische Wahrheiten aus, was ich für problematisch halte.

      Alles in allem bin ich wohl einfach nur enttäuscht, die ACO-Präsidenten geben für mich keine gute Figur ab: Erst Blasband, jetzt Konia.

  4. Avatar von Johannes Johannes Says:

    Täter ohne Reue

  5. Avatar von Matthias Matthias Says:

    Bei memri gefunden. Erinnert mich an einen Buchtitel von Pilgrim ‚Sie können mich ruhig Frau Hitler nennen‘.

    Irgend jemand hat das wie folgt kommentiert:

    „Everyone chooses what they deserve – but in reverse. Einstein will make her feel stupid, Shakespeare will leave her speechless, Al Pacino will leave her a scar on her chick, Richard Gere will treat her like a prostitute, and Hitler – well – he will get her the final solution.“

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