Warum wenden sich „Orgonomen“ von der Orgonomie ab?

Ich muß immer wieder den Kopf schütteln, wenn ich an Leute zurückdenke, die mir einst geradezu inquisitorische Fragen über meine „orgonomische“ Rechtgläubigkeit und Ernsthaftigkeit stellten – und die sich mittlerweile in Luft aufgelöst haben, teilweise sogar zu Gegnern der Orgonomie geworden sind. Seit Reichs Zeiten gibt es immer wieder sogar Orgonomen, die quasi „in Amt und Würden“ standen und öffentlich gegen die Verzerrung der Orgonomie auftraten – und die dann später einfach verschwanden, teilweise sogar zu Gegnern der Orgonomie geworden sind. Wie ist das zu erklären?

Die Antwort findet sich bei Reich:

Es ist immer die Unfähigkeit des gepanzerten Organismus, seine Liebesregungen zu entwickeln, in Enthusiasmus zu geraten, sich dauernd einer Sache hinzugeben. Die ihn destruktiv werden läßt. (Äther, Gott und Teufel, S. 74, Hervorhebung hinzugefügt)

Da der gepanzerte Organismus „nie voll auszuschwingen vermag, ist seine Liebe eine kleine, abgemessene, säuberlich verteilte und zugeteilte Liebe“. Er ist, wie Reich weiter schreibt, stets beherrscht, zieht die Umstände in Betracht, handelt wohlabgewogen und überlegt. „Ein solcher Organismus haßt die geordnete, aber unendlich variable Freiheit der Naturvorgänge oder er fürchtet sie“ (ebd., S. 67f).

Imgrunde war diesen lauwarmen Gesellen die Orgonomie schon immer fremd. Das dumme ist, daß man im realen Leben ihr Verhalten immer erst im nachhinein durchschaut und daß sie sich nur durch einen einzigen Faktor zu erkennen geben: in der Dauer ihres Enthusiasmus. Hält der nicht unvermindert bis zur Todesstunde an, war es gar kein „Enthusiasmus“ für die Wissenschaft von der Lebensenergie, d.h. kein einheitlicher und umfassender Ausdruck ihres biologischen Kerns, sondern nur ein isolierter Vorstoß ihrer Lebensenergie durch eine Lücke in der Panzerung, ein folgenloses Strohfeuer.

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3 Antworten to “Warum wenden sich „Orgonomen“ von der Orgonomie ab?”

  1. Robert (Berlin) Says:

    „in der Dauer ihres Enthusiasmus“

    Ich hab es immer als meine Tragödie betrachtet, mich nie von Reich lösen zu können. Persönlich hat die Sache mir vmtl. mehr geschadet als genutzt. Andererseits hat mir dieser Blog auch neue Einsichten verschafft und persönlich sehr (!) weiter geholfen.
    Es ist auch ein Zeichen von Einsicht, sich von einer Sache zu lösen, wenn man ihr nicht genügt.

  2. claus Says:

    Ich würde eher von Annahmen ausgehen, die jeweils mehr oder weniger wahr und zu prüfen sind. Zur Interpretation von Beobachtungen gehört mehr oder weniger Theorie, und die sollte auch revidierbar sein.
    Merkwürdig ist bloß, dass Leute dann in der Tat ‚mechanistisch‘ oder ‚mystizistisch‘ werden.

    • O. Says:

      Menschen (um Reich kreisend) „werden“ nicht mystisch oder mechanistisch, sie sind es (schon immer gewesen). Wie konnten sie uns je blenden? Dadurch, dass sie zum lieben Schein die Behauptung aufstellten, der org. Pot. ein Quantum näher zu sein. Dies war ihre Lüge und ihr Nicht-begreifen. Niemand kann ihr ein „Quantum“ näher sein. Es geht um Qualität!

      Wer glaubt, es gehe um „Orgonomie“, begreift ihre Inhalte nicht.

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