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Orgonomie und Christentum: Die Abfolge Heidentum – Christentum – Neoheidentum – Orgonomie (Teil 6)

16. Januar 2020

Das römische Kaiserreich nach Christi Geburt zerfiel immer mehr und drohte in einem Morast aus „orientalischem“ Obskurantismus und Verantwortungslosigkeit zu ertrinken. Schließlich konnte es nur noch vom Christentum zusammengehalten werden. Tatsächlich hat das Christentum das Abendland gerettet, indem es die Kräfte der Selbstregulation mobilisiert hat, die schließlich in der Entwicklung von Wissenschaft, Kapitalismus und Demokratie mündeten. Vorher waren Menschen, jedenfalls die außerhalb der Familie und der eigenen Gesellschaftsschicht, kaum mehr als Dinge, die man versklaven und in jeder denkbaren Weise „instrumentalisieren“ konnte. Erst im Christentum gewann jeder Mensch als „Ebenbild Gottes“ einen unverlierbaren Eigenwert, was über die Jahrhunderte erst die Selbstregulation der Gesellschaft ermöglicht hat.

Ähnliches läßt sich über den gegenwärtigen Westen sagen, für dessen Untergang wir alle Zeugen sind. Erneut versinken wir im „orientalischen“ Obskurantismus und Verantwortungslosigkeit. Wenn man die Orgonomie mit den allesbestimmenden „Weltlehren“ des letzten Jahrhunderts, dem Marxismus und der Psychoanalyse, vergleicht, hatte AUSSCHLIESSLICH Reich einen Zugang zum biosozialen (Arbeitsdemokratie) und biologischen Kern, dem Quell der Selbstregulation. Entsprechend Ist die Orgonomie der EINZIGE Weg der Rettung wie vor fast 2000 Jahren das Christentum. Ausschließlich die Orgonomie kann die Kräfte der Selbstregulation mobilisieren, die den Westen erneut zu ungeahnten Höhen bringen werden.

Haltlose Utopie? Tatsächlich hat sich die Gesellschaft Reich schon längst zu eigen gemacht. Reich selbst hatte Ende der 1920er Jahre darauf hingewiesen, daß Marx und Freud bloße Instrumente der Entwicklung autonom verlaufender wirtschaftlicher und sexualökonomischer Prozesse waren, die in der „mental-hygienischen Bewegung“ des frühen 20. Jahrhunderts, dem Freudo-Marxismus und letztendlich der „sexuellen Revolution“ der letzten 60 Jahre zum Ausdruck kamen. Wo immer man hinschaut, gibt es sogenannte „Reichianische“ Therapeuten und Leute, die ähnliche Sachen praktizieren, teilweise ohne überhaupt den Namen „Reich“ zu kennen. Es ist alles eine gigantische Verzerrung, Emotionelle Pest, aber es ist eindeutig ein Ersatz für das Wahre. Das Problem ist, daß das Wahre bei all diesen pestilenten Überwucherungen unsichtbar wird. Trotzdem wird die Orgonomie diese „Bewegung“ übernehmen, eben weil sie das Original ist und nicht nur bloßer Ersatz. Sie kann nicht in die Irre führen, solange sie sich auf das Problem Emotionelle Pest konzentriert. Elsworth F. Baker, Paul Mathews und Charles Konia waren die EINZIGEN nach Reich, die dieses „Konzept“ am Leben gehalten haben. Reich war der deutlichste Ausdruck der biosozialen Entwicklung, die mit dem Verfall des Christentums begann, und die heutige Orgonomie ist nur eine Fortsetzung dieses unüberwindlichen Impulses.

Orgonomie und Christentum: Die Abfolge Heidentum – Christentum – Neoheidentum – Orgonomie (Teil 5)

14. Januar 2020

Heute wo wir aus demographischen und kulturellen Gründen (die Islamisierung und der satanische Einfluß des 68er-Gesindels) sehen müssen, wie die europäisch-christliche Kultur dem sicheren Untergang entgegentaumelt, sehen wir, was wir verlieren. Die romantische Liebe verschwindet und wird durch eine frustrierende Fickerei ersetzt; die Wissenschaft löst sich in nichts auf, weil heute gewissenlose „Wissenschaftler“ nur noch unreproduzierbaren Müll veröffentlichen. Ein Wissenschaftsskandal jagt den anderen! Was wir sehen ist die Rückkehr des Heidentums in Gestalt dessen, was Charles Konia als das „antiautoritäre Zeitalter“ bezeichnet hat.

Wo ist der Ausweg? Den findet man, wenn man ergründet, was das Christentum in seinem Grundwesen ausmacht: erstens können Menschen dir vertrauen, nicht etwa, weil du an Gott glaubst und Angst vor Strafe hast, sondern weil du, die Welt und Gott in einem Vertrauensverhältnis verbunden seid (das im dreieinigen Gott vorgezeichnet ist); zweitens sind Mann und Frau nicht nur durch den Sexus miteinander verbunden, sondern sie verkörpern in ihrer Vereinigung die göttliche Liebe. Wie gesagt zerfallen diese beiden Grundelemente der christlichen Zivilisation, das Reich Gottes auf Erden, gegenwärtig zu nichts. Was bleibt ist Hinterhältigkeit, Gemeinheit und „Sex“. Das Ziel der sozialen und medizinischen Orgonomie ist die Vernichtung der Emotionellen Pest und die Befreiung der Genitalität. Entweder wird sie das Christentum in seiner Bedeutung ersetzen oder die Menschheit wird nicht überleben. Das hat nichts mit „Religion“ oder gar mit Mystizismus zu tun, aber alles mit der Bioenergetik (bzw. der Charakterstruktur) des Menschentiers.

Orgonomie und Christentum: Die Abfolge Heidentum – Christentum – Neoheidentum – Orgonomie (Teil 4)

12. Januar 2020

Mich fasziniert der Preterismus; eine Bewegung, die sich unter Protestanten in den USA gebildet hat, die endgültig die Nase voll davon hatten, daß ihre Glaubensbrüder ständig den Weltuntergang vor Augen haben und den Blick auf den Nahen Osten fixiert halten, zionistischer sind als die fanatischsten Israeli, blasphemischerweise den Bau eines neuen Tempels herbeisehnen, etc. Für die Preteristen (in abgeschwächter Form auch für die orthodoxen Christen!) fand der Weltuntergang im Jahre 70 n.Chr. statt, als der jüdische Tempel zerstört und damit das Judentum vernichtet wurde und damit das Christentum an seine Stelle trat. Das sei das zweite Kommen Christi gewesen und mit ihm sei das Zeitalter der Erlösung angebrochen, in dem sich der Löwe friedlich neben das Lamm legt. Das heidnische militante Rom (der Löwe) wurde christlich (das Lamm), der ewige Frieden ist angebrochen, die Toten sind auferstanden und die Menschen sind unsterblich.

„Geht’s noch?!“ Nun, was ist das herausragendste Element des Sündenfalls? Die Feindschaft zwischen der Schlange (Satan) und dem Weib. Mit dem Christentum kam es zu einer kultischen Hochstellung des Weibes. Man darf es nicht vergewaltigen, weil es Besitz eines Mannes ist, sondern weil das Weib EIN MENSCH mit unveräußerlichen Rechten ist. Das gab es in keiner vorchristlichen Kultur und bis heute in keiner außerchristlichen. Christen sagen die Wahrheit, nicht weil das Lügen verboten ist, sondern weil die Wahrheit heilig ist, d.h. man kann ihnen vertrauen. Erst das hat die Entwicklung von Wirtschaft und Wissenschaft ermöglicht. Und da das Heil nicht von Taten, sondern einzig vom Glauben (Vertrauen!) abhängt, gibt es für Christen den Tod nicht – sie sind erlöst.

Hier soll uns nur interessieren, daß es ausschließlich im Christentum die romantische Liebe gibt (Genitalität) und ausschließlich im Christentum die Wissenschaft. Diese beiden Bereiche waren und sind allen anderen Kulturen vollkommen fremd. Genau das sind aber die drei Elemente der Orgonomie: Liebe (Genitalität) und Wissenschaft (die Entdeckung des Orgons). Das dritte Element ist der orgonomische Funktionalismus, den man auf das Konzept der Dreieinigkeit zurückführen kann, wie ich an anderer Stelle ausgeführt habe.

Buchbesprechung: THE FREUDIAN LEFT von Paul A. Robinson (Teil 2)

22. Dezember 2019

von Paul Mathews, M.A.

 

Für diese Phase seiner Bewertung von Reich greift Robinson auf die verleumderischen Verzerrungen von Mildred Edie Bradys New Republic-Artikel vom 26. Mai 1947 zurück: „[Reich] etablierte bald eine lukrative Privatpraxis.“ „Orgonenergie konnte verwendet werden, um eine beliebige Anzahl von psychischen und physischen Krankheiten zu heilen, von Hysterie bis Krebs.“ „[Er] beobachtete die blaue Färbung von sexuell erregten Fröschen.“ Etc., etc. (Alles Kursive von mir – P.M.) Darüber hinaus wird Reich zu einem „religiösen Denker“, der „zu dem Schluss kam, dass die Religion, auch wenn sie reaktionär ist, der legitime Vorläufer seiner eigenen Wissenschaft ist“. Dies leitet er aus seiner offensichtlichen Fehlinterpretation von Christusmord und Die kosmische Überlagerung ab. Reich wird erneut eine „anti-intellektuelle Voreingenommenheit“ vorgeworfen, da Robinson, wie Rieff, nicht in der Lage ist, zwischen dem Intellekt als Abwehr und dem Intellekt des Kerns zu unterscheiden. Auf besonders raffinierte Weise missbraucht er Reichs Spekulation, Selbstwahrnehmungsprozesse könnten für den Ursprung der menschlichen Panzerung verantwortlich gewesen sein und behandelt sie wie ein Dogma: „Gleichzeitig erreichte die anti-intellektuelle Voreingenommenheit, die implizit in allen von [Reichs] Gedanken enthalten ist, schließlich eine explizite Formulierung: Der Mensch wusste zu viel für sein eigenes Wohl“ (S. 70).

Robinson ist besonders nachtragend gegenüber Reichs Konzept der emotionellen Pest und sagt: „Er hypostasiert alle Kritiker seiner Theorien zu ‚die emotionelle Pest‘ und erweist sich damit Freud mehr als ebenbürtig, was die Kunst des ad hominem-Arguments betrifft.“ Hier zeigt er nicht nur seine Unkenntnis der Definition der Pest durch Reich sowie von dessen wahren Motiven, sondern versucht auch, sich selbst gegen eine möglicherweise berechtigte Anschuldigung zu immunisieren.

Nachdem er eingeräumt hat, dass Reichs Gefühl der Verfolgung durchaus gerechtfertigt ist, kommt er zu dem Schluss: „Das war das traurige, aber (man kommt um das Gefühl nicht herum) angemessene Ende einer Karriere, die so zutiefst ernst und hoffnungslos grandios war, dass sie unmerklich in eine Farce verblasste“ (S. 73). Man kann sich nur fragen, warum Robinson überhaupt behauptet, Reich zu bewundern. Die Antwort liegt zweifellos nicht nur darin, dass er die Größe Reichs schemenhaft erahnt, sondern auch darin, im Namen der Sexualbejahung und unter dem Vorwand eines bewundernden Freundes, der ausgesprochen fair ist (vgl. S. 69, 70), die Bedrohung durch Reichs Theorie der Genitalität zu beseitigen; und natürlich auch in seinem Wunsch, durch „Neuinterpretation“ sich jener Aspekte von Reichs Werk zu bemächtigen, von denen er glaubt, dass sie seine politische Voreingenommenheit bestärken und bestätigen – was er in seiner Einleitung einräumt. So ist sein expliziter Vorsatz in diesem Buch, Freud selbst zu radikalisieren (in der Marcusianischen Wortbedeutung bzw. der der Neuen Linken) und jene Vertreter des „Freudschen“ Denkens, deren Theorien – speziell im sexuellen Bereich – revolutionäre Auswirkungen im politischen Sinne haben. Tatsächlich ist dies ein modernes Gegenstück (mit sehr unterschiedlichen Motivationen) zu Reichs seit langem aufgegebenem Versuch, Freud und Marx zu verschmelzen.

Robinson abstrahiert bei Roheim jene Aspekte seiner anthropologischen Erkenntnisse, die die Idee der Unvereinbarkeit von Kultur und Gesundheit unterstützen, insbesondere dessen Studien über die australischen Ureinwohner, deren Kindererziehung in jeder Hinsicht sexuell frei war, außer dem Inzesttabu (was Freuds Konzept des Urverbrechens unterstützte). Er führt Roheims Konservatismus bei der Lösung des Dilemmas der westlichen Gesellschaft auf dessen Loyalität zu Freud und die Fixierung auf den Pessimismus von Das Unbehagen in der Kulturc zurück. Robinson ist besonders beeindruckt von Roheims Erkenntnis, dass „der Schlüssel zum Wohlbefinden der Primitiven in der allgemeinen Permissivität ihrer Kultur [liegt]“. Dies ist ein wichtiger Punkt, da es mit der Identifikation des Autors mit Marcuse zusammenhängt. Freuds „Radikalismus“ läge in seinem Konzept eines Antagonismus zwischen Trieb und Kultur sowie in seinem Konzept des Todestriebs, den Norman Brown und Marcuse interessanterweise auf unterschiedliche Weise in ihre Philosophien aufgenommen haben.

 

Anmerkungen des Übersetzers

c Das Unbehagen in der Kultur ist der Titel einer 1930 erschienenen Schrift Sigmund Freuds.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 4 (1970), Nr. 1, S. 136-140.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 39

1. Dezember 2019

orgonometrieteil12

39. Gefühle, mechanistische Wissenschaft und Kunst

Das orgonomische Gesellschaftsmodell

26. November 2019

Von den ca. 80 Millionen Deutschen zahlen vielleicht 20% mehr ins System ein, als sie erhalten. Die restlichen 80% sind ihre Kostgänger: Kinder, Rentner, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, Beamte, Leute, die indirekt von Steuern leben, weil der Hauptkunde ihrer Firma der Staat ist, etc. „Wer bezahlt, sollte auch bestimmen!“, d.h. nur diese 20% sollten zur Wahl gehen dürfen. Um die Gerechtigkeit zu vollenden, sollten diese Stimmen nach den eingezahlten Steuern gewichtet sein. Das ist keine bloße Utopie, denn genau so waren (in sehr groben Zügen) ursprünglich die USA und das Wilhelminische Deutschland organisiert!

Man kann natürlich argumentieren, daß etwa ein Polizist („ein Kostgänger der Produktiven“) eine wichtigere und im Endeffekt auch produktivere Funktion ausfüllt, als etwa jemand, der Musketen für Sammler herstellt, dabei sehr erfolgreich ist und mit dieser Arbeit den Polizisten mitfinanziert. Ganz zu schweigen von etwa einem Wissenschaftler, der von staatlichen Fördergeldern lebt, aber mit seinen Erkenntnissen ganze Industriezweige neu erschafft. Je weiter man das durchdeklamiert, desto absurder wird meine „Utopie“ und desto mehr nähern wir uns dem heutigen demokratischen System, das auf jedem Fall dem Untergang geweiht ist, denn wenn die Parasiten zu 80% das Sagen haben, werden die 20% Produktiven immer mehr ausgebeutet und in die Ecke gedrängt, bis das System kollabiert.

Das einzige für die moderne Welt gangbare Demokratiemodell hat Reich entwickelt, die Arbeitsdemokratie. Hier steht nicht das Individuum (der Funktionsträger) im Mittelpunkt, sondern die Arbeit (die Funktion) selbst. Der Funktionsträger unterliegt eigenen Gesetzmäßigkeiten, die nichts mit der Funktion zu tun haben, sie teilweise sogar behindern. Man denke nur an das Problem der politischen Einstellung der Arbeitenden oder den ganzen Komplex unserer evolutionären Belastung (unser Primaten- und „Neandertalertum“), kulturelle und religiöse Prägungen, etc.

Wie funktioniert die Arbeitsdemokratie konkret? Die Frage beantwortet sich von selbst! Die Arbeitsdemokratie ist das, was übrigbleibt, wenn man die Idiosynkrasien der Funktionsträger, d.h. alles Irrationale wegstreicht. Das wird natürlich in alle Ewigkeit ein Ding der Unmöglichkeit sein, aber so hat man zumindest einen Rahmen, ein Zielkorridor, an dem man sich orientieren kann. Ein Gefühl für Arbeitsdemokratie gewinnt man etwa, wenn man sich mit dem Ingenieurswesen und der Wissenschaft beschäftigt. Hier ist die Vorstellung von „Wahlen“ genauso absurd, wie die einer Diktatur. Über die Frage, ob das Virus x die Krankheit y hervorruft, kann man weder abstimmen noch einfach etwas behaupten. Einzig und allein die Klinik und das Labor fallen die Entscheidung. Gleichzeitig kann es jederzeit neue Beobachtungen und Experimente geben, die die „erwiesene“ Theorie relativiert oder gleich ganz umstößt. Probleme machen hier nur die Ideologien und Persönlichkeitsstörungen der Ingenieure und Wissenschaftler. Im großen und ganzen herrscht aber der „wissenschaftliche Ethos“, der sich wegen der „Macht des Faktischen“ letztendlich immer durchsetzt. Genauso sollten wir unsere Demokratie angehen. Konkret bedeutet dies, einen „arbeitsdemokratischen Ethos“ zu verbreiten, wie Reich es als erster im Schlußkapitel von Die Massenpsychologie des Faschismus getan hat.

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 35

29. Oktober 2019

orgonometrieteil12

35. Die Orgonomie ist die endgültige Wahrheit!

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 23

9. Juli 2019

orgonometrieteil12

23. Was ist Wissenschaft?

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 22

25. Juni 2019

orgonometrieteil12

22. Induktion und Deduktion

Der Orgon-Akkumulator (Teil 2)

18. April 2019

von Bernd Laska

2. Entstehungsgeschichte

Der Akku war nicht eine geniale Idee, die Reich plötzlich hatte, sondern das Resultat jahrelanger, intensiver Forschungsarbeit.

Nach gut einem Jahrzehnt klinischer Arbeit auf psychoanalytischer Grundlage war Reich etwa um 1932/33 an die Grenzen der Psychologie gestoßen. Sicher gab es (und gibt es auch heute) noch zu erforschende Details; aber das war für den Pionier Reich keine Aufgabe, er wollte nicht in die Breite forschen, sondern in die Tiefe.

Da Reichs Orientierung von Anfang an naturwissenschaftlich war, hielt er sich neben seiner sonstigen Tätigkeit über die Entwicklungen in anderen Wissenschaften wie Biologie, Medizin, Physiologie etc. auf dem laufenden. Zudem wuchs mit seinen Einsichten in die Ursachen der Neurosenentstehung sein gesellschaftspolitisches Engagement, sodaß man kaum erwarten konnte, daß Reich sein Leben wie die meisten Psychoanalytiker mit dem einträglichen Kurieren von Neurosen verbringen würde.

Die wesentlichen Erkenntnisse, die mit der psychoanalytischen Methode gewonnen worden waren, hielt Reich gegen die ‚revisionistischen‘ Bestrebungen von vielen Analytikern und Freud selbst fest und brachte sie mit Erkenntnissen in Verbindung, die aus anderen Naturwissenschaften kamen. Er integrierte ausgewählte Ergebnisse aus Physiologie, Biochemie (speziell Kolloidchemie) und Biologie, die er mit eigenen charakteranalytischen Erkenntnissen zu einer ganzheitlichen Theorie vom Menschen zu entwickeln suchte. So stammt zB das Konzept der vegetativen Strömung vom Berliner Internisten Friedrich Krause. Auch die Untersuchungen von Walter und Käthe Misch zur Biochemie von Lust und Angst sowie L.R. Müllers Forschungen zum vegetativen Nervensystem ergänzten sich in Reichs Sicht gegenseitig und mit seinen eigenen Konzepten. Während dieses Jahres intensiven Studiums (1934) im dänischen Exil machte Reich selbst keine neuen Entdeckungen; er verarbeitete die erwähnten und weitere bisher kaum miteinander in Beziehung gebrachte Ergebnisse der Spezialwissenschaften zusammen mit eigenen Theorien zu dem fundamentalen biologischen Konzept der „psychosomatischen Identität und Gegensätzlichkeit“.

In diesem Prozeß der Aufarbeitung aller ihm in diesem Zusammenhang relevant erscheinenden Theorien tauchten bald Fragestellungen auf, deren Beantwortung er selbst in Angriff nehmen mußte. Er frischte also seine alten experimentellen Kenntnisse wieder auf, erweiterte sie und ging mit einigen speziell ausgebildeten Mitarbeitern diese neuen Probleme an. So kam es zu den elektrophysiologischen Versuchsreihen zur Angst und Sexualität (lange vor Masters/Johnson und mit anderer Zielrichtung) und zu den Bionversuchen.

Trotz der schlechten äußeren Bedingungen der Emigration waren die Jahre 1933-39 eine sehr fruchtbare Periode in Reichs Leben. Auch im ideologischen Bereich fand in diesen Jahren eine entscheidende Veränderung statt. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem französischen Vitalisten Roger DuTeil bei den Bionversuchen und unter dem Eindruck der Entwicklung im ‚sozialistischen Lager‘ löste sich Reich langsam vom offiziellen Marxismus, ohne jedoch die Ziele aufzugeben, die einst ihn und viele andere zum Marxismus geführt hatten.

Bei seinen elektrophysiologischen Vorsuchen und bei der Arbeit mit den Bionkulturen arbeitete Reich noch immer mit dem Konzept der Bioelektrizität. Einige Ergebnisse paßten dort jedoch überhaupt nicht hinein, sodaß sich Reich gezwungen sah, die Existenz einer energetischen Strahlung außerhalb des elektromagnetischen Spektrums zu postulieren, die er Orgonenergie nannte.

Dieser so konsequente Weg Reichs, der hier nur ganz grob skizziert werden konnte, ist allgemein wenig bekannt und deshalb hier dem eigentlichen Thema vorangestellt.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Aus: Wilhelm Reich Blätter 4/76.