Emotionen und Politische Diskussion (Teil 2)

von David Holbrook, M.D.

Ich bin der Meinung, daß, wenn man seine politischen Ansichten auf der Wirklichkeit gründet, man nicht das Bedürfnis verspürt, zu agitieren oder feindselig zu werden, um sie durchzusetzen. Ich benutze das als eine Art Lackmustest, um zu entscheiden, was ich ernst nehmen bzw. weiter untersuchen und was ich ignorieren sollte. Eine ruhig geäußerte Meinung wird viel eher meine Aufmerksamkeit erregen als eine, die mit hysterischer Emotionalität oder Beleidigungen oder Moralisiererei gegenüber den Gegnern vertreten wird. Ich bin absolut für Emotionen und ihren Ausdruck, aber ich bin nicht für Geschrei, buchstäbliches oder metaphorisches, und generell mißtraue ich Emotionen im Bereich der Politik.

Ich mag die Meute nicht, den Mob. Die Art von Dingen, von denen die Meute schreit, basieren selten auf Vernunft oder Tatsachen. Die Meute gehört zu den Dingen, von denen man sich am besten fernhält. Ich nahm an politischen Demonstrationen teil, als ich ein Teenager war, an denen Hunderttausende von Menschen beteiligt waren. Ich kam schließlich zu dem Schluß, daß es sich im Grunde genommen im Wesentlichen um große Partys und im schlimmsten Fall um Unruhen handelte, und daß eine ernsthafte Person sich davon fernhalten sollte.

Im allgemeinen braucht man nicht über Fakten brüllen. Sie verbreiten sich allmählich von selbst, weil sie durch die Wahrheit angetrieben werden. Sie müssen nicht wirklich als Schlagstock benutzt werden, um Leute den Schädel einzuschlagen, das ist kontraproduktiv. Die Wahrheit wird sich schließlich durchsetzen, wenn die Bedingungen stimmen. Es gibt Gründe, warum sich die Wahrheit nicht immer wie ein Lauffeuer ausbreitet. Die Menschen werden auf die Wahrheit hören, wenn sie dazu bereit sind, und man wird die Menschen wahrscheinlich eher überzeugen, wenn man ruhig, großzügig und wohlwollend vorgeht. Das Medium ist die Nachricht. Edle Ziele rechtfertigen keine unwürdigen Mittel.

Was, wenn man die Fakten hat, aber niemand zuhört, könnte man fragen. Meine Antwort lautet, daß es bei Agitation viel weniger wahrscheinlich ist, daß Menschen ein Gehör für die Fakten haben, über die man mit ihnen ins Gespräch kommen will. Je ruhiger die Aussage ist, desto wahrscheinlicher werde ich annehmen, daß sie in der Realität begründet ist und möchte mich weiter damit beschäftigen. Die Tatsache, daß die Person, die die Aussage macht, nicht das Bedürfnis verspürt, etwas anzupreisen oder ihre Meinung jemanden aufzudrängen, beeindruckt mich und vermittelt mir den Eindruck, daß es wahrscheinlicher ist, daß das, worüber gesprochen wird, in der Realität begründet ist, so daß es mein Interesse weckt. Agitation oder Feindseligkeit hat den gegenteiligen Effekt. Je agitierter die Aussage ist, desto eher gehe ich davon aus, daß sie auf Voreingenommenheit beruht, nicht auf Fakten. Voreingenommenheit erfordert definitionsgemäß eine emotionale Investition. Die Aufmerksamkeit auf die Realität zu richten wird hingegen leichter durch einen ruhigen Geisteszustand sowohl im Individuum als auch zwischen den Individuen. Fakten stehen für sich selbst ein, man muß keine Schreierei über sie veranstalten und es ist weniger wahrscheinlich, daß sie Menschen aufgezwungen werden müssen, im Gegensatz zur Voreingenommenheit, die den Einsatz von Gewalt für ihre Durchsetzung erforderlich macht. Wenn man überzeugt ist, die Fakten auf seiner Seite zu haben, aber niemand auf dich zu hören scheint, dann sollte man sich fragen, was die Menschen daran hindert zuzuhören. Das wäre ein vernünftiger Ansatz. Allgemein gesagt, ist es so, daß, wenn man Leute bedrängt, sie sich dessen erwehren, statt zuzuhören. Bedrängen ist demnach generell kontraproduktiv. Wenn du versuchst, jemanden von etwas zu überzeugen, wird das Beleidigen definitiv nicht funktionieren! Wenn sich etwas Faktisches nicht angemessen ausbreitet, bedeutet das, daß es eine andere Tatsache gibt, die seine Verbreitung verhindert, und man sollte versuchen rational herauszufinden, was diese Tatsache ist. Cartoon-hafte Meinungen oder Fantasien über den Gegner lassen dich nur dumm aussehen.

Wann hast du zum letzten Mal gesehen, daß jemand gleichzeitig rational und agitiert war? Agitation ist ein Zeichen von Verwirrung. Menschen, die einen guten Zugang zu den Fakten haben, müssen gemeinhin nicht in Wallung geraten. Wenn sie auf ein Hindernis stoßen, werden sie sich zurückziehen, über die Situation nachdenken und versuchen, einen besseren Weg zu finden, um die Leute zu erreichen.

Dr. Holbrooks Facebook-Seite entnommen, aus dem Amerikanischen übersetzt und hier abgedruckt mit seiner freundlichen Genehmigung.

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16 Antworten to “Emotionen und Politische Diskussion (Teil 2)”

  1. Peter Nasselstein Says:

    Ich erfahre gerade, daß gestern Morton Herskowitz, Reichs letzter Schüler, gestern gestorben ist.

  2. Robert (Berlin) Says:

    War er der letzte Mensch, der Reich noch persönlich kannte?
    Es gibt wohl einen Kurzfilm über ihn.
    https://www.imdb.com/title/tt2292134/?ref_=rvi_tt

  3. claus Says:

    „Die Wahrheit wird sich schließlich durchsetzen, wenn die Bedingungen stimmen.“
    Sicher: Agitation macht unglaubwürdig. Ich sehe allerdings wenig Grund für die Hoffnung, dass sich jemals ein Gehör für Fakten entwickelt. Die Bedingungen brauchen nie zu stimmen. Wir erleben ja gerade, dass Täuschung – z.B. begriffliche Täuschung, die Migration mit Flucht gleichsetzt – durch Seriosität maskiert wird. Wenn eine Frauenbeauftragte mit ‚Kostüm‘, Brille u. dgl. Accessoires auftritt, ist die entscheidende Bedingung dafür, Gehör zu finden, erfüllt. Holbrook ist sehr optimistisch.

    • claus Says:

      Der Film oben über Herskowitz fährt auch wieder die bekannten Geschütze der Seriosität auf: klassische Musik, gerahmte Ölportraits, Freud höchstselbst. Ich bin dafür selbst sehr anfällig. Das Freud-Museum in London fand ich wundervoll. Das steht nun in völligem Kontrast zu … zum Beispiel. Alex Jones. Bei diesem Gegensatz fällt mir ganz seriös Hegel ein. Die abgestorbene Seriosität muss konfrontiert werden. Geht es dabei nur um Provokation? Nein. Wahrheitsermittlung ist sehr schwierig geworden, weil einem in jedem Diskurs der begriffliche Boden unter den Füßen weggezogen wird! Das passiert jetzt in der Political Correctness, und schon ist auch dieser Ausdruck wieder linker Anti-rechts-Agitation zum Opfer gefallen.
      Herskowitz hat ja selbst zum Schluss geglaubt, den bösen ‚Rechtspopulismus‘ mit Reich demaskieren zu können oder zu sollen. Demaskieren wir das!

    • Robert (Berlin) Says:

      „Das steht nun in völligem Kontrast zu … zum Beispiel. Alex Jones.“

      Der wird sowieso ausgeschaltet:
      https://www.pcwelt.de/a/apple-youtube-und-facebook-entfernen-hetzer-podcasts-und-videos,3439449

  4. Peter Nasselstein Says:

    Das Problem mit Kritikern von Alex Jones ist immer, daß sie sich nicht die Mühe geben ihm schichtweg zuzuhören. Ich war Anfangs auch ein Gegner von Jones‘. Findet sich hier irgendwo noch im undurchdringlichen Dschungel dieses Blogs. Bis ich ihm schlichtweg zugehört habe. Ich kann kaum etwas entdecken, was kritikwürdig sein sollte, mal abgesehen davon, daß er der schlechteste Interviewer der Welt ist.

  5. Robert (Berlin) Says:

    Hier eine Analyse über die Agitation der Staatsmedien

    https://vera-lengsfeld.de/2018/08/19/exclusiv-im-ersten-rbb-kontrastesendung-wer-ist-das-volk-cottbus-im-aufruhr/

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