Posts Tagged ‘Emotionen’

Die grenzenlose Charakterstruktur

1. November 2018

Reich glaubte, daß „die Emotionen an die Existenz und Bewegung von protoplasmatischer Substanz innerhalb eines begrenzten Systems gebunden sind und ohne diese Voraussetzung nicht existieren“. Expansion und Kontraktion gäbe es, so Reich, auch in der unbelebten Natur, aber mit einer Membran werden daraus die Emotionen, insbesondere die beiden Grundemotionen Lust (Expansion) und Angst (Kontraktion) (Äther, Gott und Teufel, S. 90f).

Aus dieser Warte muß man den heutigen Wahn sehen, alle Grenzen beseitigen zu wollen. Im Gespräch mit Jürgen Elsässer nennt Gerhard Wisnewski insbesondere folgende Beispiele dafür, daß überall Grenzen aufgelöst werden, wobei er bemerkenswerterweise „Leben“ durchaus ähnlich definiert wie Reich (Compact, 11/2018):

  1. finanzielle und wirtschaftliche Grenzen (deine Ersparnisse bürgen für die Verschwendung in Südeuropa, etc.);
  2. nationale Grenzen („Europa“ und die UN);
  3. ethnische Grenzen („Umvolkung“);
  4. intellektuelle und Begabungsgrenzen (die Einheitsschule, der Gerechtigkeitswahn);
  5. kulturelle Grenzen (Hollywoods globale Einheits-„Kultur“);
  6. sexuelle Grenzen („Gendermainstreaming“, wobei gleichzeitig die beiden Geschlechter zunehmend voneinander entfremdet werden);
  7. künstlerische Grenzen („Crossover-Projekte, es wird alles gemischt, Klassik mit Rock und Jazz und so weiter“).
  8. Die Grenzen zwischen Mensch und Maschine („Transhumanismus“).
  9. Die Grenzauflösung durch Organtransplantation, bei der übrigens LEBENDE ausgeschlachtet werden. Tote können keine Organe spenden, denn diese sind tot, d.h. funktionsunfähig!
  10. Die Grenze zwischen Tier und Mensch: Manieren, Schamgefühle, kurz die Kultur, werden aufgelöst – der Mensch wird zum Schwein.
  11. Die große Vereinheitlichung mit Weltstaat, gleichgeschaltetem Einheitsbürger und einer Weltreligion.

Für Wischnewski ist das alles von oben geplant und zwar seit Jahrzehnten, sogar Jahrhunderten (sic!). Er weiß nichts von der Emotionellen Pest, d.h. der Verschwörung gegen das Leben (das anfangs erwähnte Leben konstituierende „Grenzziehen“) an sich. Spezifischer geht es um die linksliberale und sozialistische Charakterstruktur, die auf der Verneinung von Emotionen beruht. Solche Menschen, die ganz „zerebral“ ausschließlich im „energetischen Orgonom“ leben, aus dem sie ständig hinaus streben, und denen das „orgonotische System“ (die Organisation der Pulsation – Expansion und Kontraktion, Lust und Angst) fremd ist, ertragen keine Grenzen, weil sie keine Emotionen ertragen. Bei der Nationalhymne legen sie nicht ergriffen die rechte Hand auf die Herzregion, sondern sie sind „internationalistisch angewidert“ und „betroffen“. Man gehe aus dieser Perspektive nochmals die obigen elf Punkte durch: alles löst sich in einen emotionslosen konturlosen Empfindungsbrei auf!

Daß sich die Emotionelle Pest organisiert, ist sekundär. Um zu verstehen, was wirklich in der Welt geschieht, muß man Wilhelm Reich, Elsworth F. Baker, Paul Mathews und Charles Konia lesen!

Über Perspektive

30. Oktober 2018

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia über die Kontaktlosigkeit der Linken:

Über Perspektive

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie (Teil 14)

30. September 2018

Klaus Heimann (Philipps-Universität Marburg/Lahn 1977, gepostet mit der freundlichen Genehmigung des Autors)

VI. Orgontherapie: 1. Biopsychiatrische Orgontherapie (Fortsetzung)

Die Störungen im Bewegungsfluß der körpereigenen Orgonenergie, die in den einzelnen Zellen eingeschlossen ist, nennt Reich „Panzerung“. Diese Panzerung verhindert, daß sich der Orgasmusreflex einstellt. Wie kommt es nun zu einer Panzerung? In unserer heutigen patriarchalischen Gesellschaft entsteht immer wieder ein Konflikt zwischen libidinösem Bedürfnis und Bedrohung desselben durch die Außenwelt. Dieser zunächst psychische Konflikt führt zu einer Abweisung des ursprünglichen Bedürfnisses. Mit dem ursprünglichen Bedürfnis, dem Trieb, geht aber immer auch eine Energiebewegung im Organismus einher, die infolge der Außenweltreaktion gebremst werden muß. Damit wandeln sich auch die inneren, lustvollen Bedürfnisse um in Angst- und Unlustgefühle, da die strömende und expandierende Lebensenergie stagniert und kontrahiert. Um die stets als Reaktion auf Versagung der Triebbefriedigung auftretenden Unlustgefühle zu mindern, baut der Organismus die Panzerung auf, welche die Empfindlichkeit gegenüber dem Angst- und Unlustempfinden herabsetzt. Dies geht zwangsläufig auf Kosten der inneren Beweglichkeit; die einst im Organismus ungehindert pulsierende Orgonenergie wird gebremst und in der Aufrechterhaltung der Panzerung gebunden. Der Kranke weiß gewöhnlich nichts von seiner Panzerung, und es nutzt wenig, ihm Hingabe zu predigen oder ihn Hingabe üben zu lassen. Einzig die Auflösung der muskulären Starre ist geeignet, die orgastische Potenz, also das freie Strömen der Lebensenergie im Körper, wiederherzustellen. Es zeigte sich in der praktischen therapeutischen Tätigkeit, daß die zur Entstehung der Panzerung gehörigen Erinnerungen (z.B. Inzestphantasie) mit Lockerung der Muskelverspannung wieder ins Bewußtsein auftauchen.

Reich fand heraus, daß die Panzerungen stets segmentär angeordnet sind.1 Die Verkrampfung der Muskeln ist durchwegs von den anatomischen Verläufen unabhängig. Panzerungen schließen sich wie ein Ring quer zum Verlauf der Wirbelsäule und blockieren die plasmatischen Strömungen und emotionellen Erregungen, die längs zur Körperachse gerichtet sind. Insgesamt kennzeichnet Reich sieben Panzersegmente: der okulare Panzerring, der Stirn, Augen und Jochbeingegen umfaßt; der orale Panzerring, der Lippen, Kinn und Rachen einschließt; die Panzerung des dritten Segments bedient sich wesentlich der tiefen Halsmuskulatur; die Panzerung des Brustkorbs (Atmung) bildet das vierte Segment, das Zwerchfell und die darunter liegenden Organe das fünfte; die Kontraktur der Bauchmitte stellt den sechsten Panzerring dar, die Panzerung des Beckens schließlich den siebten.

Aus diesen Erkenntnissen folgert Reich: „Die Technik der Orgontherapie hat uns gelehrt, daß im Menschentier buchstäblich noch immer ein Wurm funktioniert. Die segmentäre Anordnung der Panzerringe kann keine andere Bedeutung haben. Die Lösung der segmentären Panzerung setzt Ausdrucksbewegungen und plasmatische Strömungen frei, die von den anatomischen Nerven- und Muskelordnungen des Wirbeltieres unabhängig sind. Sie entsprechen weit mehr den peristaltischen Bewegungen eines Darms, eines Wurms oder eines Protisten.“2 Reich konstatiert die funktionale Identität von Körperbewegungen und Emotionen des Menschen und Bewegungen von Einzellern, wiederum beherrscht ein Prinzip das Lebendige. „Wie die Darwinsche Theorie aus der Morphologie des Menschen seine Abstammung von den niederen Vertebraten ableitete, so führt die Orgonbiophysik die emotionellen Funktionen des Menschen weit tiefer noch auf die Bewegungsformen der Weichtiere und Protisten zurück.“3

Es ist gerade der Wurm im Menschen, vor dem wir uns fürchten und den wir mit allen Mitteln zu bekämpfen versuchen. Daher wundert es kaum, daß der gepanzerte Mensch alle seine neurotischen Kräfte mobilisiert, um sein neurotisches Gleichgewicht zu erhalten. Er fürchtet den freien Energiefluß in seinem eigenen Organismus und wehrt sich dagegen, seine Panzerung aufzulösen. Er fürchtet in seinem tiefsten Innern die Freiheit, die er in seinen Idealen anstrebt; er ist schlechterdings unfähig zur Freiheit, da er Angst hat, sich der Freiheit, dem Lebendigen, dem Wurm in seinem eigenen Körper hinzugeben, was auf Grund seiner Sozialisation natürlich verständlich ist. Wie die Lösung dieses Widerstandes, der identisch ist mit unbeweglicher, die Panzerung aufrecht erhaltender Orgonenergie, erreich wird, kann hier nur angedeutet werden.

Der Orgontherapeut lenkt die Aufmerksamkeit des Patienten auf gepanzerte Stellen, soweit der Kranke diese empfinden kann. Er reguliert die Atmung, läßt den Patienten mechanische Übungen ausführen, durch die Strömungen in Gang gesetzt oder verstärkt werden, oder er bearbeitet direkt gepanzerte Stellen des Körpers mit der Hand. Charakteranalytische Maßnahmen greifen unterstützend ein. Bei richtig verlaufender Orgontherapie stellt sich der freie Energiefluß, und damit der Orgasmusreflex allmählich ein. Die Entdeckung von DOR, stagnierender, unbeweglicher Orgonenergie, legte die Vermutung nahe, daß auch in den Muskelpanzerungen DOR eingeschlossen ist. Reich versuchte daher, das Prinzip des Cloudbusters auch medizinisch einzusetzen, was in vielen Fällen erfolgreich war.4

 

Fußnoten

  1. Vgl. hierzu: Reich, W., Charakteranalyse, a.a.O. S. 372–392
  2. ebenda S. 395
  3. ebenda S. 398
  4. Vgl. Raknes, W. Reich und die Orgonomie, a.a.O. S. 81

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie (Teil 13)

29. September 2018

Klaus Heimann (Philipps-Universität Marburg/Lahn 1977, gepostet mit der freundlichen Genehmigung des Autors)

VI. Orgontherapie

Die Entdeckung der Orgonenergie führte, wie wir gesehen haben, weit hinein in Bereiche der Natur und des Kosmos. Es war die Arbeit am menschlichen Charakter, an den menschlichen Empfindungs- und Wahrnehmungsorganen, die in so umfassende Forschungsgebiete führte. Die Entdeckung des Orgonenergie blieb selbstverständlich nicht ohne Auswirkung auf die Theorie vom menschlichen Organismus, von seinem Charakter und seinen Emotionen, und auf ihre therapeutische Beeinflussung.

 

1. Biopsychiatrische Orgontherapie

Die schon erwähnte Charakteranalyse bildet die Grundlage für das Verständnis der biopsychiatrischen Orgontherapie. Sie hatte bereits die funktionelle Beziehung zwischen Charakterhaltung (Psyche) und Muskelpanzerung (Soma) herausgearbeitet. Die Entdeckung der lebensspezifischen Orgonenergie führte zu neuen Erkenntnissen und Techniken in der Therapie. Folgendes Schema verdeutlicht die neu gewonnene Auffassung vom menschlichen Organismus:

Die kosmische Orgonenergie funktioniert im lebenden Organismus als spezifisch biologische Energie. Sie bildet den biologischen Kern, der sich in biophysikalischen Organbewegungen (im Körperlichen) einerseits und in den Emotionen (im Psychischen) andererseits ausdrückt. Emotionen sind folglich im Grunde nichts anderes als Bewegungen der an die Körperflüssigkeit gebundenen Orgonenergie im menschlichen Organismus.1

Auf Grund dieser Auffassung vom menschlichen Organismus wird es verständlich, daß die wesentliche Aufgabe des Orgontherapeuten darin besteht, die gestörten plasmatischen Strömungen, d.h. die Strömungen der Orgonenergie im Organismus, wieder herzustellen. Das Lebendige drückt sich in Bewegung aus, es „funktioniert jenseits aller Wortvorstellungen und –begriffe“.2 Daher tritt in der Orgontherapie die Wortsprache in den Hintergrund, was natürlich nicht heißt, daß in der Orgontherapie überhaupt nicht gesprochen wird. Der Orgontherapeut konzentriert sich auf den Bewegungsausdruck des Patienten, zu dem auch der Ausdruck der Bewegungslosigkeit und Starre zu zählen ist. Der Patient wird dazu angehalten, sich unter Ausschaltung der Wortsprache biologisch auszudrücken. Die klinische Arbeit hatte gezeigt, daß die Wortsprache regelmäßig der Abwehr der Ausdruckssprache des biologischen Kerns dient. „Die Kranken kommen zum Orgontherapeuten voll von Nöten. Diese Nöte sind für das geübte Auge an den Ausdrucksbewegungen und dem Bewegungsausdruck ihres Körpers direkt abzulesen. Läßt man die Kranken nun nach Belieben sprechen, so stellt man fest, daß ihr Reden von den Nöten wegführt, sie in dieser oder jener Weise verhüllt. Will man zu einer korrekten Entscheidung kommen, so muß man den Kranken dazu verhalten, vorerst nicht zu sprechen. Diese Maßnahme erwies sich in hohem Grade als fruchtbar, Denn sobald der Kranke nicht mehr redet, tritt der körperliche Bewegungsausdruck klar hervor. Nach wenigen Minuten Schweigens hat man meist den hervorstehenden Charakterzug, oder korrekter, den plasmatischen Bewegungsausdruck erfaßt. Schien der Kranke, während er sprach, freundlich zu lächeln, so verwandelt sich im Schweigen das Lächeln in ein leeres Grinsen, an dessen maskenhafter Charakter auch der Kranke selbst nicht lang zweifeln kann. Schien der Kranke, während er sprach, mit verhaltenem Ernst über sein Schicksal zu sprechen, so tritt während des Schweigens etwa ein Ausdruck verhaltener Wut an Kinn und Hals unzweideutig hervor.“3

 

Fußnoten

  1. Vgl. Reich, W., Charakteranalyse, a.a.O. S. 359–362
  2. ebenda S. 362
  3. ebenda S. 364

Zur Entstehungsgeschichte der Orgonomie (Teil 3)

9. September 2018

Klaus Heimann (Philipps-Universität Marburg/Lahn 1977, gepostet mit der freundlichen Genehmigung des Autors)

I. Die Spannungs-Ladungs-Funktion: 2. Die Entdeckung der Orgasmusfunktion

Wiederum war es klinische Beobachtung, die Reich einen Schritt weiterbrachte. Stand das Therapieziel der Herstellung der orgastischen Funktionsfähigkeit inzwischen fest, so blieb doch noch offen, wie dies zu erreichen sei. Die in der Behandlung durch Symptomauflösung freigesetzte seelische Energie, die bislang in den Symptomen gebunden war, reichte offenbar nicht aus, um die volle orgastische Funktion herzustellen. Die Kranken verloren zwar ihre Symptome, doch im Ganzen blieben sie gesperrt. Es drängte sich logischerweise die Frage auf, wo, außer in den neurotischen Symptomen sexuelle Energie gebunden ist. „Aufgrund der psychoanalytischen Neurosenlehre lag es nahe, die fehlende Energie für die Herstellung der vollen Orgasmusfähigkeit in den nichtgenitalen, also in den frühkindlichen prägenitalen Betätigungen und Phantasien zu suchen … Dadurch verschärfte sich die Anschauung, daß die einzelnen sexuellen Triebe nicht gesondert voneinander funktionieren, sondern eine Flüssigkeit in kommunizierenden Röhren, eine Einheit bilden. Es kann nur eine einheitliche Sexualenergie geben, die sich an verschiedenen erogenen Zonen und seelischen Vorstellungen zu befriedigen sucht.“1

Im Laufe der Entwicklung der Charakteranalyse2 fand Reich heraus, daß es der gesamte Charakter eines Patienten ist, der sich gegen die volle sexuelle Hingabe richtet und somit den Mechanismus darstellt, der alle Energie bindet. Bei der Charakteranalyse trat das, was die Patienten sagten, immer mehr in den Hintergrund. Wichtig wurde die Art und Weise, wie der Patient spricht und handelt; der Habitus des Patienten ist weit mehr Ausdruck seines Charakters als der Inhalt seiner Worte. Die einzelnen Charakterzüge sind voneinander abhängig und bilden zusammen ein einheitliches System der Abwehr gegen alle Emotionen, die als gefährlich empfunden werden. Die Gesamtheit und Starre des Abwehrsystems nannte Reich den Charakterpanzer. Dieser hat die Funktion, Unlust zu vermeiden. Bei der Untersuchung der Körperhaltungen, die die emotionalen Ausbrüche der Patienten begleiteten, zeigt sich, daß dem psychischen Panzer ein entsprechender somatischer Muskelpanzer gegenübersteht. Gab ein Patient in seiner seelischen Abwehrhaltung nach, brachen stets auch körperliche Affekte durch. Wurden umgekehrt muskuläre Verspannungen aufgelöst, so kam es zu Ausbrüchen von Wut, Haß, oder Angst oder auch zu sexueller Erregung. Das bedeutet, daß die sexuelle Energie durch dauernde muskuläre Spannungen gebunden werden kann und daß auch Lust und Angst durch muskuläre Spannungen abgebremst werden können. „Die charakterliche Panzerungen erscheinen nun als ‚funktionell identisch‘. Der Begriff ‚funktionell identisch‘ besagt nichts anderes, als das muskuläre und charakterliche Haltungen im seelischen Getriebe dieselbe Funktion haben, einander ersetzen und gegenseitig beeinflußt werden können. Im Grunde sind sie nicht zu trennen, in der Funktion identisch.“3 „Emotional“ bedeutet nicht mehr bloß etwas „Psychisches“, sondern meint die Bewegung von Energiepotentialen im Organismus.

Einen Todestrieb, wie ihn Freud einführte, fand Reich in der klinischen Praxis nicht bestätigt. Vielmehr erwiesen sich alle seelischen Äußerungen, die als Todestrieb gedeutet werden konnten, als Produkte der Neurose. Das Motiv der Destruktion, des Tötens, ist nicht die ursprüngliche Lust an Destruktion, sondern das Interesse des Lebenstriebes, Angst zu ersparen und das Gesamt-Ich zu erhalten. Der Destruktionstrieb will nicht Lust erzielen, sondern das Ich von Unlust befreien, somit tritt die Destruktion in den Dienst des Lebenstriebes. Ein Masochist, der phantasiert, gepeinigt zu werden, um zu zerplatzen, erhofft sich dadurch Entspannung. Man kann also sagen, daß auch der Masochist dem Lustprinzip folgt und nicht einen Leidenstrieb (Todestrieb) agieren läßt.4

Immer noch war die Frage unbeantwortet, welcher Natur die sexuelle Energie sei. Sie kann nicht auf irgendwelche chemischem Stoffe zurückgeführt werden, die in den Eierstöcken und Zwischendrüsen des Hodens produziert werden. Dem widersprach unter anderem die Tatsache, daß Kastration nach der Pubertät die Erregungsfähigkeit des Menschen nicht ausschaltet und er zum Geschlechtsakt fähig bleibt. Auch kann die sexuelle Erregung keinesfalls alleine identisch sein mit Blutbewegung, denn es gibt Blutfüllungen der Genitalorgane ohne eine Spur von Erregungsgefühl. Reich vermutete schließlich, daß es sich bei der gesuchten Energie um Bioelektrizität handele. Er berief sich auf den Berliner Internisten Kraus, der festgestellt hatte, daß der Körper von elektrischen Prozessen gesteuert wird. Auch der Orgasmus mußte ein bioelektrischer Vorgang sein. Bei der sexuellen Reibung wird in den beiden Körpern zunächst Energie aufgeladen, dann im Orgasmus wieder entladen.

„Untersucht man den Vorgang genauer, so entdeckt man einen merkwürdigen Viertakt des Erregungsablaufs: Die Organe füllen sich erst mit Flüssigkeit: Erektion mit mechanischer Spannung. Dies führt eine starke Erregung mit sich …, elektrischer Natur: Elektrische Ladung. Im Orgasmus baut die Muskelzuckung die elektrische Ladung beziehungsweise sexuelle Erregung ab: Elektrische Entladung. Dies geht über in eine Entspannung der Genitalien durch Abfluß der Körperflüssigkeit: Mechanische Entspannung.“5 Es ergibt sich als Spannungs-Ladungs-Funktion, auch Orgasmusformel genannt, der Viertakt:

SPANNUNG – LADUNG – ENTLADUNG – ENTSPANNUNG

Zur Überprüfung der Orgasmusformel untersuchte Reich die elektrischen Oberflächenladungen der menschlichen Haut an den erogenen Zonen im Zustand von Lust und Angst.6 Die Experimente schienen die bioelektrische Erklärung der Sexualenergie zu bestätigen. An den sexuellen Zonen wurden Schwankungen des Oberflächenpotentiale bis zu 50 MV gemessen. „Einzig und allein biologische Lust, die mit dem Empfinden des Strömens und der Wollust einhergeht, ergibt Steigerung der bioelektrischen Ladung. Alle anderen Erregungen, Schmerz, Schreck, Angst, Druck, Ärger, Depressionen gehen mit Erniedrigung der Oberflächenladung des Organums einher.“7

Gegen die Auffassung, bei der Bioelektrizität handele es sich um die bekannte bioelektromagnetische Energie (Elektrizität), wandte Reich mehrere Argumente ein. „Die elektromagnetische Energie bewegt sich mit Lichtgeschwindigkeit … Man beobachte nun die Art der Kurven und Zeitmaße, die die Bewegung der bioelektrischen Energie kennzeichnen, und man wird finden, daß der Charakter der Bewegungen der bioelektrischen Energie sich grundsätzlich von den bekannten Tempo- und Bewegungsarten der elektromagnetischen Energie unterscheidet. Die bioelektrische Energie bewegt sich außerordentlich langsam mit Millimettern in der Sekunde … Die Bewegungsform ist langsamwellig. Der Bewegungscharakter dieser biologischen Energie ähnelt den Bewegungen eines Darms oder einer Schlange … Man könnte zur Auskunft greifen, daß es der große Widerstand der tierischen Gewebe ist, der si Geschwindigkeit der elektrischen Energie im Organismus verlangsamt. Diese Auskunft ist unbefriedigend. Die Zuführung eines elektrischen Reizes am Körper wird augenblicklich empfunden und beantwortet.“8

Reich wies ferner darauf hin, daß Menschen feine Voltmeter durch Berühren beeinflussen. Aber die Quantitäten dieser Reaktion sind nach Reichs Auffassung im Verhältnis zu den Energieleistungen des menschlichen Organismus viel zu gering, als daß sie alleine dafür verantwortlich gemacht werden könnten. Also mußte nach eine andere, bislang unbekannte Energie die Grundlage der Bioelektrizität bilden.

Mit der Entdeckung der Orgasmusformel war aber der grundlegende Schritt zur Entdeckung dieser noch unerforschten Energie getan. Es zeigte sich, daß der Spannungs-Ladungsvorgang ebenfalls die Herzfunktion dirigiert. Ebenso folgen Darm, Harnblase und Lunge in ihrer Funktionsweise diesem Viertakt. Die Spannungs-Ladungsfunktion gilt für sämtliche Funktionen des autonomen Lebensapparates. Auch die Zellteilung unterliegt dieser Funktion. Die Teilung einer Zelle mit gespannter Oberfläche in zwei kleinere Zellen, bei denen der gleiche Volumeninhalt von einer weit größeren und daher weniger gespannten Oberflächenmembran umgeben ist, entspricht einer Spannungslösung.9 Ebenso folgen die Bewegungen von Würmern und Schlangen und Einzellern dem Rhythmus der Spannungs-Ladungsfunktion. „Ein Grundgesetz scheint also den Organismus als Ganzen ebenso wie seine autonomen Organe zu beherrschen. Die Gesamtorganismus zuckt im Orgasmus wie das Herz bei jedem Pulsschlag, Wir fassen mit unserer biologischen Grundformel den Kern des lebenden Funktionierens.“10 Die Orgasmusformel entpuppt sich somit als Lebensformel schlechthin. Der menschliche Organismus ist also am Höhepunkt der sexuellen Befriedigung im Grunde genommen nichts anderes als ein zuckender Plasmahaufen.

 

Fußnoten

  1. Reich, W. Die Entdeckung des Orgons – Die Funktion des Orgasmus, a.a.O. S. 101
  2. Eine ausführliche Darstellung der Charakteranalyse findet sich in: Reich, W. Charakteranalyse, Frankfurt 1973, S. 23 – 252
  3. Reich, W. Die Entdeckung des Orgons – Die Funktion des Orgasmus, a.a.O. S. 203
  4. Vgl. ebenda S. 189 – 193; u. Reich, W. Charakteranalyse, a.a.O., S, 213 – 253
  5. Reich, W. Die Entdeckung des Orgons – Die Funktion des Orgasmus a.a.O. S. 206
  6. Vgl. ebenda S. 278 – 286
  7. ebenda S. 284
  8. ebenda S. 288
  9. Vgl. ebenda S. 204 – 214
  10. Reich, W. Die Entdeckung des Orgons – Der Krebs, Frankfurt 1976, S. 29

Emotionen und Politische Diskussion (Teil 2)

7. August 2018

von David Holbrook, M.D.

Ich bin der Meinung, daß, wenn man seine politischen Ansichten auf der Wirklichkeit gründet, man nicht das Bedürfnis verspürt, zu agitieren oder feindselig zu werden, um sie durchzusetzen. Ich benutze das als eine Art Lackmustest, um zu entscheiden, was ich ernst nehmen bzw. weiter untersuchen und was ich ignorieren sollte. Eine ruhig geäußerte Meinung wird viel eher meine Aufmerksamkeit erregen als eine, die mit hysterischer Emotionalität oder Beleidigungen oder Moralisiererei gegenüber den Gegnern vertreten wird. Ich bin absolut für Emotionen und ihren Ausdruck, aber ich bin nicht für Geschrei, buchstäbliches oder metaphorisches, und generell mißtraue ich Emotionen im Bereich der Politik.

Ich mag die Meute nicht, den Mob. Die Art von Dingen, von denen die Meute schreit, basieren selten auf Vernunft oder Tatsachen. Die Meute gehört zu den Dingen, von denen man sich am besten fernhält. Ich nahm an politischen Demonstrationen teil, als ich ein Teenager war, an denen Hunderttausende von Menschen beteiligt waren. Ich kam schließlich zu dem Schluß, daß es sich im Grunde genommen im Wesentlichen um große Partys und im schlimmsten Fall um Unruhen handelte, und daß eine ernsthafte Person sich davon fernhalten sollte.

Im allgemeinen braucht man nicht über Fakten brüllen. Sie verbreiten sich allmählich von selbst, weil sie durch die Wahrheit angetrieben werden. Sie müssen nicht wirklich als Schlagstock benutzt werden, um Leute den Schädel einzuschlagen, das ist kontraproduktiv. Die Wahrheit wird sich schließlich durchsetzen, wenn die Bedingungen stimmen. Es gibt Gründe, warum sich die Wahrheit nicht immer wie ein Lauffeuer ausbreitet. Die Menschen werden auf die Wahrheit hören, wenn sie dazu bereit sind, und man wird die Menschen wahrscheinlich eher überzeugen, wenn man ruhig, großzügig und wohlwollend vorgeht. Das Medium ist die Nachricht. Edle Ziele rechtfertigen keine unwürdigen Mittel.

Was, wenn man die Fakten hat, aber niemand zuhört, könnte man fragen. Meine Antwort lautet, daß es bei Agitation viel weniger wahrscheinlich ist, daß Menschen ein Gehör für die Fakten haben, über die man mit ihnen ins Gespräch kommen will. Je ruhiger die Aussage ist, desto wahrscheinlicher werde ich annehmen, daß sie in der Realität begründet ist und möchte mich weiter damit beschäftigen. Die Tatsache, daß die Person, die die Aussage macht, nicht das Bedürfnis verspürt, etwas anzupreisen oder ihre Meinung jemanden aufzudrängen, beeindruckt mich und vermittelt mir den Eindruck, daß es wahrscheinlicher ist, daß das, worüber gesprochen wird, in der Realität begründet ist, so daß es mein Interesse weckt. Agitation oder Feindseligkeit hat den gegenteiligen Effekt. Je agitierter die Aussage ist, desto eher gehe ich davon aus, daß sie auf Voreingenommenheit beruht, nicht auf Fakten. Voreingenommenheit erfordert definitionsgemäß eine emotionale Investition. Die Aufmerksamkeit auf die Realität zu richten wird hingegen leichter durch einen ruhigen Geisteszustand sowohl im Individuum als auch zwischen den Individuen. Fakten stehen für sich selbst ein, man muß keine Schreierei über sie veranstalten und es ist weniger wahrscheinlich, daß sie Menschen aufgezwungen werden müssen, im Gegensatz zur Voreingenommenheit, die den Einsatz von Gewalt für ihre Durchsetzung erforderlich macht. Wenn man überzeugt ist, die Fakten auf seiner Seite zu haben, aber niemand auf dich zu hören scheint, dann sollte man sich fragen, was die Menschen daran hindert zuzuhören. Das wäre ein vernünftiger Ansatz. Allgemein gesagt, ist es so, daß, wenn man Leute bedrängt, sie sich dessen erwehren, statt zuzuhören. Bedrängen ist demnach generell kontraproduktiv. Wenn du versuchst, jemanden von etwas zu überzeugen, wird das Beleidigen definitiv nicht funktionieren! Wenn sich etwas Faktisches nicht angemessen ausbreitet, bedeutet das, daß es eine andere Tatsache gibt, die seine Verbreitung verhindert, und man sollte versuchen rational herauszufinden, was diese Tatsache ist. Cartoon-hafte Meinungen oder Fantasien über den Gegner lassen dich nur dumm aussehen.

Wann hast du zum letzten Mal gesehen, daß jemand gleichzeitig rational und agitiert war? Agitation ist ein Zeichen von Verwirrung. Menschen, die einen guten Zugang zu den Fakten haben, müssen gemeinhin nicht in Wallung geraten. Wenn sie auf ein Hindernis stoßen, werden sie sich zurückziehen, über die Situation nachdenken und versuchen, einen besseren Weg zu finden, um die Leute zu erreichen.

Dr. Holbrooks Facebook-Seite entnommen, aus dem Amerikanischen übersetzt und hier abgedruckt mit seiner freundlichen Genehmigung.

Emotionen und Politische Diskussion (Teil 1)

5. August 2018

von David Holbrook, M.D.

Ich persönlich verstehe nicht, warum, wenn man mit der Politik von Leuten nicht einverstanden ist, das bedeuten muß, daß man sie nicht mag und daß sie schlechte Menschen sind. Es ist meiner Meinung nach eine sehr engstirnige Sicht auf und Herangehensweise an die menschliche Natur. Aber ich verstehe, daß manche Menschen sich so gründlich mit ihren Überzeugungen identifizieren, daß sie diese nicht lange genug auf Abstand halten können, um das Menschliche in jemandem, dem sie nicht zustimmen, zu sehen und sogar zu schätzen. Schade.

Von meiner Arbeit als Therapeut her habe ich einen Instinkt entwickelt, um zu spüren, wo das „nicht dort Hingehen“ bei Menschen liegt. Im allgemeinen kann man Menschen nur erreichen, wenn man nicht in die Zone des „nicht dort Hingehen“ vordringt. Man muß einen Ort finden, der etwas oberflächlicher ist als diese Zone, oder vielleicht einen Weg finden, der um sie herum führt, wenn man mit jemanden auf eine Weise kommunizieren will, die ihm zeigt, daß man seine Grenzen und seine Subjektivität respektiert – mit anderen Worten man vermeidet ihn zum Objekt zu machen.

Das gleiche gilt für die Politik: es ist eine „nicht dort Hingehen“-Zone. Früher verstanden die Menschen das, wenn sie davor warnten, jemals mit anderen Menschen über Religion oder Politik zu diskutieren.

Im gegenwärtigen Klima gehe ich davon aus, daß es sehr unwahrscheinlich ist, mit jemandem einer anderen politischen Ausrichtung über Politik diskutieren zu können, weil heutzutage für fast jeden Politik im Wesentlichen eine „nicht dort Hingehen“-Zone ist. Im politischen Kontext ist diese Zone ein Ort, an dem, wenn man hineingeht, die andere Person die Perspektive verlieren und deine Menschlichkeit nicht mehr sehen wird. Es ist so eine tragische Verschwendung.

Ich glaube wirklich und zutiefst, daß ein sehr großer Prozentsatz der Menschen den Kontakt mit jeglicher Art von Bewußtsein für unsere gemeinsame Menschlichkeit verloren hat. Für diese Leute BIST du deine Politik. Dies ist meiner Meinung nach ein Fehler. In der Tat ist es die Art von Fehler, die das meiste Blutvergießen in der Geschichte der Menschheit verursacht hat.

Ich kann verstehen, daß wir auf den Gedanken kommen, wir seien unsere Politik, aber ich denke, daß die Leute eine breitere Sichtweise haben müssen. Obwohl die politische Identifikation viel über eine Person aussagt, ist es nicht alles, was man über jemanden sagen oder wissen oder an ihm schätzen kann. Man verstehe es nicht als einen Ausdruck von Sentimentalität, wenn ich sage, daß unsere gemeinsame Menschlichkeit breiter ist als unser politisches Dasein. Ich denke wirklich, daß das wahr ist und für jeden offensichtlich sein sollte; aber irgendwie ist diese offensichtliche Tatsache – die wir alle bis vor zwei oder drei Jahren oder vielleicht vor etwas länger Zeit zu verstehen schienen –den Menschen abhanden gekommen. Ich denke, daß diejenigen, die dieses Bewußtsein verloren haben, einen langen, harten Blick auf sich selbst richten und sich fragen sollten: „Was ist mit mir passiert?“ Ich denke, sie sollten aufhören, selbstgerecht zu sein und etwas Demut zeigen. Und wenn aus ihrem Geist als Antwort kommt, daß es wegen etwas Politischem ist, ist die betreffende Person meiner Meinung nach verloren und muß sich selbst und andere wiederfinden. Und ich würde das gleiche zu jedem sagen, der auf diesen Eintrag mit irgendeiner Art von Bezug auf Politik antwortet. Ich möchte nicht gemein sein, aber ich denke, du bist verloren, wenn dein Verstand so funktioniert, und ich bedauere dich. Viel Glück, beim Finden deiner selbst. Ich meine das nicht auf eine böse Weise.

Wenn man jemanden wegen Politik anschreit, kommuniziert man nicht mit ihm. Man ist mit einer Art autistischer Übung beschäftigt. In gewissem Sinne schreit man vielleicht sich selbst an – vielleicht ist es ein seltsamer Dialog mit den eigenen Dämonen, eine Form von Projektion – aber man kommuniziert sicherlich nicht mit einem anderen Menschen. Man hat eine „nicht dort Hingehen“-Zone betreten, in der keine Kommunikation möglich ist. Ich denke von daher wirklich, daß die Leute sich fragen sollten: „Warum mache ich das?“

Dr. Holbrooks Facebook-Seite entnommen, aus dem Amerikanischen übersetzt und hier abgedruckt mit seiner freundlichen Genehmigung.

ZUKUNFTSKINDER: 7. Das Drogenproblem, f. Der Weg in die Verblödung

30. April 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

ZUKUNFTSKINDER:

7. Das Drogenproblem, f. Der Weg in die Verblödung

Der Grundfehler der Orgonomie im Umgang mit der Öffentlichkeit

1. März 2018

Seit Reichs Zeiten wird immer wieder der gleiche Fehler gemacht: gegen die Lüge der anderen wird die Wahrheit (nicht „die eigene Wahrheit“, sondern DIE Wahrheit) gesetzt. Etwa gegen die Lüge, daß Reich nicht ganz richtig im Oberstübchen war, die Wahrheit, daß das Orgon existiert und praktisch eingesetzt werden kann. Theoretisch mag dieser Ansatz die beste Lösung sein, doch praktisch… Praktisch sieht es aus der Perspektive des Publikums so aus, daß hier jede Seite ihre „eigene Wahrheit“ vertritt und die Jury folgt dann fast immer dem gesellschaftlichen Mainstream. So kann die Orgonomie niemals auf einen grünen Zweig kommen. Was tun?

In der realen Welt, weit weg von wissenschaftlichen Prinzipien, Kliniken, Forschungslabors und erkenntnistheoretischen Erwägungen, geht es immer nur um Erzählungen, d.h. letztendlich um EMOTIONEN. Eine solche Erzählung ist „Reich der verrückte Pseudowissenschaftler“ und weniger populär „Reich der Orgasmuskönig“. Zwei Erzählungen, die den eigentlichen Inhalt von Christopher Turners Adventures in the Orgasmatron ausmachen. Ein sehr modernes Buch, denn nur oberflächlich geht es um eine Biographie mit akademischem Anspruch, im Kern aber um das Ausspinnen der zwei besagten populären Erzählungen. Worum es heutzutage generell geht, sieht man etwa anhand von Obama und Trump: in den letzten Jahren ging es nie auch nur ansatzweise um objektive politische Berichterstattung, sondern einzig um das Fortspinnen der Erzählung vom humanistischen und intellektuellen Superneger Obama bzw. vom rassistischen und tumben Kinderfresser Trump. Man kann tun und lassen, was man will, gegen derartige Erzählungen ist nicht anzukommen! Nochmal: Was tun?

Das einzige, was man tun kann, ist auf subversive Weise eine Gegenerzählung in Gang zu setzen. Untergründig hat es diese Gegenerzählung in der Orgonomie stets gegeben, sie hat beispielsweise den heutigen Präsidenten des American College of Orgonomy als Jugendlichen zur Orgonomie gebracht: Reich als heroisches Opfer finsterer Machinationen „der Mächtigen“.

Baut man dadurch nicht selbst die eigene Unternehmung auf der Lüge auf? Nur aus mechano-mystischer Sicht stoßen wir hier auf ein Dilemma. In der funktionellen Herangehensweise unterscheiden wir nicht zwischen „irrationalen“ Gefühlen (Erzählungen) und rationalem Verstand (die Wahrheit), sondern zunächst einmal zwischen primären (ungepanzerten) und sekundären (gepanzerten) Gefühlen. Es geht schlichtweg darum, daß irrationale Argumente sich, so Reich, nicht mit Verstandesargumenten allein schlagen lassen. Die gegen sie vorzubringenden Verstandesargumente müßten vielmehr „auf festem Fundament kräftiger, natürlicher Gefühle ruhen“ (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 203).

ZUKUNFTSKINDER: 3. Die Entstehung des „Nein“, d. Autismus und Schizophrenie

12. Februar 2018

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3. Die Entstehung des „Nein“, d. Autismus und Schizophrenie