Der rechte Blick auf DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 4)

Ein weiterer Faktor, der das ganze Elend der bisherigen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zeigt, ist, daß man dessen „klassenkämpferische“ Elemente nie ernst genommen hat bzw. als bloßen Propagandatrick abgetan hat. Das wird insbesondere anhand der drei Eckpunkte des nationalsozialistischen Regimes deutlich: der vermeintliche „Röhm-Putsch“, 1938 die „Blomberg-Affäre“, die deutlich machte, worum es beim „Röhm-Putsch“ wirklich ging, und, genau 10 Jahre später, der tatsächliche Stauffenberg-Putsch.

Was es mit Ernst Röhm, der Reichswehr und dem Putsch auf sich hat, wird durch folgendes absolut bemerkenswertes Dokumentarspiel aus dem Jahre 1967 deutlich:

Es stammt von Axel Eggebrecht, der einst, wie Reich, zum roten Berlin gehört hatte (siehe Der Rote Faden und hier). Trotzdem, oder gerade deshalb, geht er hier vollkommen fair mit Röhm und seinem Umfeld um. Röhm wird als Mensch dargestellt, nicht als blutrünstiges Monstrum, und seine Homosexualität wird nicht auf billige Weise in den Vordergrund gestellt. Diese wurde von seinen sozialdemokratischen und kommunistischen Gegnern skandalisiert, als ginge es um eine Frage der „Moral“. Der gleichen widerwärtigen Taktik bedienten sich die ach so moralischen Saubermänner innerhalb der NSDAP, um Röhm loszuwerden. Tatsächlich war die SA nicht mehr „homosexuell“ als jede andere Organisation zu dieser Zeit. Es ist absolut bemerkenswert, daß ausgerechnet ein Ernst Röhm ein Opfer der Emotionellen Pest war. Ja, so manches vermeintlich „antifaschistisches“ (welch ein Hohn!) Spatzenhirn wird jetzt explodieren!

Worum es Röhm ging, wird durch ein zweites sehr gutes Dokumentarspiel deutlich, „Geheime Reichssache“ aus dem Jahre 1987:

Hier geht es um die „Affäre Blomberg“, wo wieder Göring, die SS und die Führung der Reichswehr (bzw. Wehrmacht) sich eines Menschen entledigten, der genau das infrage gestellt hatte, was bereits Röhm bekämpft hatte, den Standesdünkel und „die Reaktion“. Und genau wie bei Röhm stand auch hier wieder „illigitime Sexualität“ im Mittelpunkt. Reichswehrminister von Blomberg (der übrigens 1934 Hitler mit Verweis auf Hindenburg und die Reichswehr geradezu zur Beseitigung Röhms gezwungen hatte!) hatte ganz im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie eine weitaus jüngere Frau gegen alle Klassenschranken geheiratet, um kurz danach mit einem Polizeidossier über seine Frau konfrontiert zu werden, die einmal wegen Diebstahlverdachts in Haft gewesen, sowie als Model für Pornobilder aktenkundig geworden war. Vom Offizierskorps geächtet, hielt er zu seiner Frau, mußte abdanken und als Resultat unterstand die Wehrmacht nun Hitler unmittelbar.

Als Teile dieser Wehrmacht gegen einen Hitler putschten, in dessen Gegenwart es absolut verboten war sich abfällig über Röhm zu äußern, sah sich dieser tatsächlich von „rechts“ und „Reaktion“ bedroht – oder wie es, historisch korrekt, im Film Der Untergang heißt: „Ich hätte gut daran getan vor Jahren alle höheren Offiziere liquidieren zu lassen wie Stalin.“

Dem typischen „antifaschistischen“ Intellektuellen, der nur in rigiden „mechanischen“ Schablonen denken kann, nicht in „energetischen“ Funktionen, die sich stets im Fluß befinden und sich „materiell“ auf (oberflächlich betrachtet) unterschiedlichste Weise äußern können, entgehen diese Zusammenhänge. Das „naive“ Publikum ist nicht so beschränkt wie das besagte Gesindel und hat zumindest ein vages Gespür dafür, was wieder das „Faszinosum Nationalsozialismus“ erklärt.

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5 Antworten to “Der rechte Blick auf DIE MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS (Teil 4)”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Es gibt auch einen direkten Wikipedia Eintrag zu Axel Eggebrecht
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Axel_Eggebrecht

  2. Kim Says:

    „Als Teile dieser Wehrmacht gegen einen Hitler putschten, in dessen Gegenwart es absolut verboten war sich abfällig über Röhm zu äußern,“
    Hat Hitler ihn nicht liquidieren lassen?

    • Peter Nasselstein Says:

      Klar, aber trotzdem hat er ihn irgendwie in Ehren gehalten. Man muß sich das mal vorstellen: wenn Hitler überhaupt fähig war einen persönlichen Freund zu haben, dann war es Röhm, außerdem hatte Hitler ihn angebettelt doch nach Deutschland zurückzukommen und den Sauhaufen zu retten. Neuere Forschungen zeigen, daß das Umfeld Hindenburgs Hitler gezwungen hat, Röhm liquidieren zu lassen: „Entweder Sie oder Röhm!“ Die ganze Aktion hat sowieso nur mit Unterstützung der Reichswehr klappen können, denn die SS war damals noch vollkommen unbedeutend.

      Ich glaube, es ist ziemlich eindeutig, daß Hitler am Ende Röhm und dem Konzept einer Volksarmee im Nachhinein doch recht gab.

      Und übrigens: wirklich zum unumschränkten „Führer“ wurde Hitler erst nach dem „Röhmputsch“ und dem unmittelbar daran anschließenden Tod Hindenburgs und der Vereidigung der Reichswehr auf ihn PERSÖNLICH. Das ganze ist von vorne bis hinten ein einziger Alptraum.

  3. Peter Nasselstein Says:

    Hitler hat Röhm, Blomberg und Manstein alles, wirklich ALLES zu verdanken – und alle drei hat er abserviert. Dem Ersteren seine Macht, dem Zweiten seine absolute Macht und dem Dritten, daß der Zweite Weltkrieg nicht von vornherein in einem blutigen Desaster gescheitert ist.

    • Peter Nasselstein Says:

      Man kann auch sagen, daß es mit Röhm niemals einen Holocaust gegeben hätte (der von Hitlers persönlichen Leibwächtern begangen wurde, der SS), mit Blomberg hätte es niemals einen Zweiten Weltkrieg gegeben (die Wehrmacht stand vor dem Einmarsch in die Tschechei ohnehin kurz vor einem Putsch) und mit Manstein wäre das schier Unmögliche geglückt: den Krieg zu gewinnen, allein schon sein Blitzsieg über Frankreich war ein Wunder.

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