Der Dalai Lama im Dschungelcamp

Der mechanistische Geist steht, schaut er in die Welt, einem vollständigen Chaos gegenüber, da er unfähig ist, gemeinsame Funktionsprinzipien (CFPs, Common Functioning Principles) zu sehen. Was ist das CFP unserer Kultur? Der brave „Reichianer“ wird jetzt vielleicht sagen: „Die Panzerung!“ Nun, das ist kein Funktionalismus, sondern kurzschlüssiger und abstrakter Mystizismus! Die Antwort ist nämlich viel zu unspezifisch und bietet kaum einen Ansatz, um irgendetwas praktisch zu verändern. Es ist bloße „Wahrheitskrämerei“!

Das tatsächliche CFP unserer gegenwärtigen Kultur läßt sich wie folgt ausdrücken:

transemse

Diese heterogene Funktionsgleichung erklärt sowohl die mechanistische als auch die mystische Seite unserer aktuellen Kultur.

Beispielsweise fragte die BILD-Zeitung angesichts der Ekelorgien im „Dschungelcamp“ einen Zoologen von der Uni Duisburg-Essen, was denn der Wurm fühle, wenn er auf dem Teller landet und dann zerkaut wird. Die „wissenschaftliche“ Antwort: „Er steht ungern im Rampenlicht. Aber Angst hat so ein Wurm nicht.“ Lande er im feuchten und dunklen Mund, sei er „für eine Sekunde (…) im Paradies – bevor er zermalmt wird“.

Auffällig bei allen derartigen Äußerungen ist stets, daß Emotionen (in diesem Fall Angst) geleugnet und stattdessen Sensationen (Signal: „Licht“, Reaktion: „Flucht ins Dunkle, wo es feucht und warm ist“) in den Vordergrund geschoben werden. Daß Lust (bioenergetische Expansion) und Angst (bioenergetische Kontraktion) die fundamentalsten Eigenschaften alles Lebendigen sind, die unmittelbar beobachtet werden können, wie Reich in den 1930er Jahren mit seinen bio-elektrischen und Bion-Experimenten zeigte, ist diesen Wissenschaftlern vollkommen unzugänglich. Für sie sind Würmer nichts anderes als eine Art „Bioroboter“, die ohne Innenleben („Qualität“) auf äußere Reize („Quantität“) reagieren. „Angst“ ist für diese Wissenschaftler ein Phänomen, das erst bei hochentwickelten Organismen mit Ansätzen von Bewußtsein auftritt.

Dieser Sicht liegt eine noch fundamentalere Transformation zugrunde, als die oben dargestellte:

transerwa

Jedwede bioenergetische Erregung kann sich nicht entwickeln, sondern wird sofort in Wahrnehmung überführt, die entsprechend ein schizophrenes (oder „schizoides“) Eigenleben führt. Schließlich spielt sich alles nur noch im Kopf ab. Wir alle kennen das „wissenschaftliche“ Diktum, daß das Gehirn das einzige „erogene Organ“ sei. Der Mensch als Maschine mit einem „Geist“. Das, die Rolle des „Bewußtseins“, ist das mystische Element, das sich zwangsläufig in ihre mechanistische Weltsicht einschleicht.

In dieser Kultur gibt es keinen Platz für Emotionen (und damit keinen Platz für die Orgonomie!). Das, was an Emotionen in jedem Menschen vorhanden ist, wird sofort in Sensation transformiert. Das wird jedem Biologen, Psychologen, Soziologen von vornherein als „wissenschaftliche Herangehensweise“ eingetrichtert. Überhaupt wird jedwede bioenergetische Erregung unmittelbar in Wahrnehmung überführt, was zu deren Eigenleben führt. Diese Menschen haben keinen Wurm mit seiner lebendigen Ausdruckssprache vor sich, die man unmittelbar nachempfinden kann, sondern ein abstraktes Konstrukt. Das sehende Auge schwebt über einer toten mechanischen Welt.

Exakt die gleiche bioenergetische Tiefenstruktur findet sich im mystischen Pendant zum allgegenwärtigen Mechanismus:

Die Orgonomie ist der Todfeind jedweder Art von Mystizismus, insbesondere, wenn er sich organisiert, um die freie Entfaltung des Lebendigen zu hintertreiben (Emotionelle Pest). Ein Beispiel für den in den Massen schlummernden Faschismus (Mystizismus ist untrennbar mit Sadismus verbunden) ist die „Heil-Begeisterung“ für den Dalai Lama.

Beispielsweise hat sich der Stern in den letzten Jahren mit enthemmtem Pathos hervorgetan:

Er [der Dalai Lama] ist der Ozean der Weisheit und das wunscherfüllende Juwel. Er ist der verlorene König und der Seelenretter des Westens. Er ist Tibets menschgewordener Gott und die größte Sehnsuchtsleinwand für Sinnsüchtige. Wie ein Gott vertrieben wurde, wie er auszog, sein Land zu befreien, und dabei die Welt das Glücklichsein lehrte.

Bei Empfängen für den Gottkönig werden in der deutschen Hauptstadt tausende Tibetfahnen gehißt. Städte, Gemeinden und Landkreise zeigen in ganz Deutschland auf ihren Rathäusern und Ämtern die Flagge Tibets. Es gibt keinen einzigen kritischen Presseartikel zum Siegeszug des „Gelben Papstes“, dem Europa wie eine reife Frucht in die Hand fällt, wenn dieses sich nicht gegen Saharasia verteidigt. Man lese dazu auch das Essay der Trimonis Der Eskapismus der Gutmenschen und besuche ihre Website www.trimondi.de.

Und was ist die großartige Botschaft seiner Heiligkeit? Sei authentisch, akzeptiere den anderen, übe Vergebung, das Streben nach Glück ist das wichtigste im Leben, etc.pp. Kein vernünftiger Mensch kann etwas gegen diese Allgemeinplätze sagen. Es sollte uns eher zu denken geben, daß der „Ozean der Weisheit“ praktisch nur solche austauschbaren Allgemeinplätze absondert.

Besonders gruselig wird es, wenn der Dalai Lama mit Quantenphysikern diskutiert („Blablablablablablabla“). Eine wissenschaftliche Koryphäe wie Stalin, Hitler, Mao und Ceausescu! Von der psychiatrischen Fachzeitschrift DNP – Der Neurologe & Psychiater wurde der Gelbe Papst im Oktober 2005 sogar zum „Mann des Monats“ erklärt. Er sei für seine „Schwäche für Neurotransmitter, synaptische Verschaltungen und Kernspintomographie“ bekannt! Beispielsweise habe sich seine Heiligkeit in der Eidgenössischen Technischen Hochschule, Zürich das Podium eines Symposiums zum Thema „Furcht und Angst“ mit „namhaften Wissenschaftlern“ geteilt.

In diesem Zusammenhang hat die DNP Sensationelles zu berichten: einer US-Studie aus dem Jahre 2004 zufolge haben tibetische Mönche, die der Dalai Lama ermutigt hatte, an dieser Untersuchung teilzunehmen, während der Meditation (und weniger ausgeprägt auch im Ausgangszustand!) im EEG eine „Gammaaktivität“ von einem Ausmaß gezeigt, das nie zuvor in einem „nichtpathologischen Kontext“ gemessen wurde. Daß das „Gammaband“ mit Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Lernen und bewußter Wahrnehmung in Verbindung gebracht wird – paßt zu unserer Analyse des bioenergetischen Hintergrundes des Buddhismus: die pathologische Transformation von Erregung in Wahrnehmung.

Auf insistieren des Dalai Lamas wurde dieser Zusammenhang vor kurzem erneut nachgewiesen. Maria Kozhevnikov, eine Neurowissenschaftlerin an der George Mason University in Fairfax, Virginia konnte zeigen, daß eine bestimmte Art der Meditation, bei der ein detailliertes mentales Bild der Gottheit geschaffen und erhalten wird, die visuelle Erinnerungsfähigkeit verstärkt. Wenn auch nur vorübergehend. Der Dalai Lama hatte dieses Forschungsprojekt angeregt, als er 2003 an einer neurowissenschaftlichen Konferenz am Massachusetts Institute of Technology teilgenommen hatte.

Die Transformation von Emotion in Sensation erklärt, warum die „Weisheiten“ des Dalai Lamas und sein Lächeln so… – so leer sind. Sie erklärt auch, warum er heutzutage so beliebt ist.

Meinen Buddhismus-Artikel habe ich mit vollem Recht nach Reichs Die Massenpsychologie des Faschismus benannt. Die Emotionelle Pest etwa im Islam zu durchschauen ist einfach. Beim Buddhismus bedarf es einer tiefergehenden funktionellen Analyse.

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8 Antworten to “Der Dalai Lama im Dschungelcamp”

  1. David Says:

    In der Tat ist China, der Saharasia-Theorie zufolge, eines der „borderlands“ und Tibet eher ein Teil Saharasias selbst.

    Selbstverständlich wünscht man den Tibetern auf den ersten Blick Freiheit und Unabhängigkeit, nicht nur Autonomie. – Nur Autonomie wäre die Position die der Dalai Lama hat oder auch nur vorgibt.

    Im Hinblick auf eine Autonomie, wie sie etwa Grönland gegenüber Dänemark hat, sehe ich mehrere Probleme:

    Es ist bereits die Bevölkerungsmehrheit chinesisch, ca. 70%; diese müssten im Falle einer Autonomie nicht das Land verlassen, wie es bei einer vollen Unabhängigkeit der Fall wäre. Dieser Umstand würde auch im Falle eines demokratisch-parlamentarischen Regierungssystems bewirken, dass die Mehrheit der Abgeordneten chinesisch wäre.
    Auch nach Ansicht der vergleichsweise demokratischen Regierung in Taiwan ist Tibet ein Teil Chinas.
    Tibet war im 17.Jh. ein Teil Chinas oder chinesisch besetzt; China beruft sich darauf dass Tibet formal seither nie unabhängig geworden ist. De facto aber trat die Unabhängigkeit allmählich innerhalb der nächsten zweihundert Jahre ein infolge der schlechten Verkehrswege.

    Sollte allerdings China sich politisch und wirtschaftlich weiter in Richtung auf einen reifen Kapitalismus hin entwickeln, so könnnte es für Tibet besser sein bei China zu bleiben oder allenfalls „nur“ Autonomiestatus zu erhalten.

    • Peter Nasselstein Says:

      Ich bin mir etwas unsicher, was den „sexualökonomischen“ Status des tibetischen Volkes betrifft. Schließlich ist der „Lamaismus“ eine Religion für die initiierte Elite, die das einfache Volk wenig bis nichts angeht. Oder man nehme etwa das formal „lamaistische“ Volk der Mosuo in Südchina, die durch und durch matriarchal sind. Oder die Tharu in Südnepal, die Hindus sind, aber auch islamische (!) und animistische Glaubenlehren vertreten.

      Im Royal Chitwan National Park, im bis vor kurzem malariaverseuchten Grenzgebiet zwischen Nepal und Indien, leben als eines der letzten matriarchalischen Völker der Erde die Tharu – die Welt vor dem Einbruch Saharasias. Siehe The Tharu Page.

      Zur Rolle dieser matriarchalischen „Restvölker“ in der Entwicklung der Kultur Indiens und der Randgebiete siehe Die Massenpsychologie des Buddhismus

      Oder Indonesien, das bis vor wenigen Jahren nur formal „islamisch“ war. Oder die „islamischen“ Aleviten in der Türkei.

  2. David Says:

    Oder Indonesien, das bis vor wenigen Jahren nur formal “islamisch” war …

    Bei Indonesien muss man auch an Bangladesh denken. Dieses Land ist sicher nicht matriarchalisch. Aber es kann auch nicht extrempatriarchalisch und nicht radikal-islamisch sein. Andernfalls hätte Mohammed Yunus sein Mikrokreditprogramm, für das er den Nobelpreis erhielt nicht so durchführen können wie er es gemacht hat, denn er gab die meisten Kredite direkt in die Hände von Frauen. Egal ob auch deren Freunde und Ehemänner einverstanden waren.

    • Peter Nasselstein Says:

      Bangladesh ist wirklich ein tieftraurig Thema. Seine Loslösung von Pakistan war gleichzeitig eine Befreiung vom islamischen Fundamentalismus. Heute verfallen die Bengalen, ausgerechnet die Bengalen, dem Islam und vergessen, daß im Befreiungskrieg die Mullahs die Verräter waren.

      So geht es mir allgemein mit Saharasia: es ist unglaublich, wie sehr sich die Welt in den letzten Jahrzehnten, in den letzten Jahren, immer mehr „saharasia-isiert“ hat.

  3. Sebastian Says:

    Meinen Buddhismus-Artikel habe ich mit vollem Recht nach Reichs Die Massenpsychologie des Faschismus benannt. Die Emotionelle Pest etwa im Islam zu durchschauen ist einfach. Beim Buddhismus bedarf es einer tiefergehenden funktionellen Analyse.

    Es ist auch tatsächlich eine Deiner besten Arbeiten. Authentisch, weil Du selbst diese Praxis erlebt hast und Dich für die Kultur interessierst. Habe das teilweise staunend mit offenen Mund gelesen und mit derselben Argumentation einige Buddhisten konfrontiert. Ich wollte wissen, ob daran etwas grob daneben ist. Außer, dass das „unerträglich“ sei, kam kein einziges Gegenargument. Das hat mir die Augen bezüglich Buddhismus geöffnet.

    • Peter Nasselstein Says:

      Die Rezeption des Buddhismus (und Hinduismus) im Westen beruht fast durchgehend auf einem grandiosen Mißverständnis, das wohl am besten in folgender Kundenrezension eines der zahllosen Bücher über Wiedergeburt zum Ausdruck kommt: „Die Reinkarnationsidee ist eine tröstende, heilende und sinngebende Vorstellung, mit der therapeutisch gearbeitet werden kann…“ http://www.amazon.de/Seelenreise-das-Leben-zwischen-den/dp/3442220084 (man schaue sich auch die restlichen Bücher dieser Reihe an!).

      Für uns Westler bedeutet es einen tiefen Trost eine Wiedergeburt zu sein und eines Tages wiedergeboren zu werden. Für die Inder bedeutet es hingegen den totalen Horror, etwa so, als müßte man in alle kosmischen Ewigkeiten täglich zurück ins Büro. Samsara, der Kreis der Wiedergeburten, ist die Hölle.

      Ein größeres Mißverständnis kann man sich gar nicht vorstellen!

  4. Das Verschwinden der Orgonomie | Nachrichtenbrief Says:

    […] in Der Dalai Lama im Dschungelcamp dargelegt, beruht unsere gegenwärtige Kultur auf zwei funktionellen Transformationen: die von […]

  5. Robert (Berlin) Says:

    DALAI LAMA – SEXUELLER MISSBRAUCH – WIRD IHM JETZT DER FRIEDENSNOBELPREIS ABERKANNT?

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