Ein weiterer „Reichianer“: John C. Pierrakos

Mit Dr. Peter Stüwer habe ich einen durch und durch mechanistischen „linken“ Reichianer beschrieben, hier wird es ein durch und durch mystischer „rechter“ Reichianer sein.

Der Psychiater Pierrakos war Student der Orgonomie bevor er zusammen mit Alexander Lowen die „Bioenergetische Analyse“, kurz „Bioenergetik“, begründete. Die Orgontherapie hatte sich Schritt für Schritt aus der Orgasmustheorie und der Charakteranalyse entwickelt: bioenergetisches Zentrum im Solar plexus, Orgasmusreflex, segmentäre Anordnung der Panzerung, Therapierichtung von der Peripherie zum Zentrum, von oben nach unten, etc. Pierrakos und Lowen „emanzipierten“ sich von diesem Ansatz, „stellten sich einmal ganz dumm“ und betrachteten den Körper etwa so, wie ihn ein Gymnastik- oder Kampfsportlehrer sieht. Beispielsweise als „Zylinder“. „Spannungen“ sollten gelöst werden. Die Patienten sollten in ihren Beinen und Füßen „geerdet“ werden, um „ihren Mann stehen zu können“. Und so fort. Pierrakos reicherte diesen auffällig mechanistischen Ansatz mit etwas an, was er schon bei seiner Zusammenarbeit mit Reich vorgebracht hatte: er konnte Energiefelder und „Auren“ sehen. Etwas, was Reich nicht konnte oder nur in einem sehr beschränkten Maße. Beispielsweise beim Cloudbusten konnte Pierrakos Reich genau sagen, was gerade mit der Energie geschah, d.h. wie sie sich um den Cloudbuster verdichtete, abgezogen wurde, etc. Er war einigermaßen frustriert, daß Reich dafür kein gesteigertes Interesse aufbrachte und eher gleichgültig reagierte. Reich war stets darauf bedacht, daß man die energetischen Phänomene objektiv nachweisen kann oder sie zumindest intersubjektiv vermittelbar sind. Die atmosphärische Orgonenergie, DOR, etc. kann jeder Mensch guten Willens sehen!

Bei Pierrakos waren die Phänomene rein subjektiv bzw. konnten nur von dazu talentierten Spezialisten gesehen werden. Außerdem war das, was Pierrakos beschrieb, unglaublich kompliziert und verwickelt. Es geht, etwa bei der menschlichen Aura, um unterschiedliche Schichten, mit unterschiedlichen Pulsationsraten, „Strahlen“ und verwickelten Strukturen und Wirbeln (merkwürdigerweise spricht er ständig von Hakenkreuzen). Das ganze beschreibt Pierrakos mit auffällig mechanistischen Bildern, etwa „Brownscher Bewegung“, „Wasserdampf“, etc. Seine Ausführungen über die Pulsation des irdischen Energiefeldes sind trotz Illustrationen schlichtweg nicht nachvollziehbar. Mir ist es jedenfalls nicht gelungen. Gleichzeitig hat er den Anspruch den Materialismus zu überwinden, zumal es von der Qualität (dem „Feeling“) seiner Ausführungen her keinerlei Unterschied zu dem gibt, was etwa katholische oder hinduistische „Heilige“ und „Esoteriker“ berichten. In späteren Jahren arbeitete Pierrakos sogar mit einem „Medium“ zusammen, seiner Frau Eva, das Botschaften „channelte“.

Seine ganze Gedankenführung und Stellung zur Orgonomie wird an folgender Stelle deutlich, die in seinem Aufsatz über die menschliche Aura auftaucht, den er in David Boadellas Zeitschrift Energy and Charakter veröffentlicht hat:

Energie kommt von dem Wort energeia, das bedeutet Hervorrufen von Bewegung oder Arbeit. Eine funktionellere Definition ist, daß „Energie die lebendige Kraft ist, die vom Bewußtsein ausgeht“.

Das ganze ist denkbar weit weg von der Sexualität (siehe oben die Grundlagen der Orgontherapie!) und tut niemandem weh. Ganz im Gegenteil: es führt geradezu systematisch weg von dem Weg, für den der Name „Wilhelm Reich“ steht.

Pierrakos beobachtete das Energiefeld beim Menschen (warum nicht bei Tieren?), bei Pflanzen, Kristallen und der Erde. „Pulsation“ ist dabei der führende Begriff. Und dann veröffentlichte Sean Haldane doch tatsächlich das Buch Pulsation, das von nichts anderem handelt, als daß es im nichtlebenden Bereich keine Pulsation gibt! Genau deshalb, wegen diesem hohlen Kampf der Meinungen und Fehlinterpretationen, individuellen willkürlichen „Einfällen“ und „Eingebungen“ ohne jedweden wissenschaftlichen Wert, wollte Reich mit derartigen Spinnern nichts zu tun haben.

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15 Antworten to “Ein weiterer „Reichianer“: John C. Pierrakos”

  1. Peter Nasselstein Says:

    Mehr über Bewußtsein und Energie:

    http://www.psychorgone.com/orgone-biophysics/implications-of-orgone-for-consciousness-research-part-1

  2. O. Says:

    Aura sehen ist recht einfach, man versuche nur unscharf zu sehen. Wer es unbedingt sehen will, meint besonders scharf sehen zu müssen und sieht nix. Am CLB kann man es auch sehen und dann weiß man eben, dass er saugt. Wenn man es nicht sieht, woher will man wissen, was es tut? – Das OR-Geflimmer kann man überall sehen, wir achten nur nicht drauf; und Aura umgibt Gegenstände und Personen etwas mehr „shaped“.

    • claus Says:

      Es kommt bei all dem auf die Deutung an.

      • Peter Nasselstein Says:

        „unscharf sehen“ – schwierig von wegen Spalung von Erregung und Wahrnehmung…

      • Peter Nasselstein Says:

        Es geht um die Reformulierung der Orgonomie – ihr Gegenteil: das Orgon als Schnittstelle zwischen der „materiellen Welt“ und der „geistigen Welt“.

        • claus Says:

          Das ist schon eine ganze Menge Theorie. Und die muss mit Erfahrung begründet werden. Ich habe nichts gegen Vermutungen; aber sie sollten als solche erkennbar sein, sozusagen mit Fragezeichen versehen sein. Reformulierung ist nötig, allerdings nicht um spekulativer zu werden, sondern um die Ableitung aus Beobachtung darzulegen.

        • Peter Nasselstein Says:

          Das klingt jetzt so, als würde ICH vertreten, daß das Orgon die Schnittstelle ist…

          • claus Says:

            Sorry, hatte ich nicht als Referenz auf Reichianismus verstanden.
            Ich würde die wissenschaftstheoretische Arbeit an einer wirklich notwendigen Reformulierung gerne ansatzweise angehen. Wie ja klar geworden sein dürfte, bin ich nicht sehr angetan von ‚Talmudismus‘. Aber wie kriegt man das so hin, dass man vorher noch oder schon ernst genommen wird?

    • Zeitgenosse Says:

      Haben die meisten Orgonomen nicht auch Ansätze dieses „Aurasehens“ gehabt und konnten sie dadurch nicht expliziter auf Abwehrreaktionen der Panzerung eingehen? Im übrigen scheint dies ein völlig normaler Zustand bei ungepanzerten Menschen zu sein (ist es nicht so, dass viele von uns solche Erfahjrungen ebenfalls vorweisen – liegt halt meist in frühestem Kindesalter wenn überhaupt) und auch bei den Tieren drückt sich das oft aus – jedoch mache ich dafür eher den Instinkt verantwortlich.

      Other topic: Die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels war längst überfällig und im Grunde ein logischer Schritt da sie ja bereits seit längerem die fakltische Hauptstadt war/ist. und von einer neuen Intifada sehe ich zumindest nichts.

      • Peter Nasselstein Says:

        Mir hat ein Orgonom gesagt, daß er das Feld ab und an sehen kann. Kann auch vielleicht ab und an wichtig sein, keine Ahnung. Wirklich wichtig ist der energetische Eindruck. Man SPÜRT einfach, ob das Energiefeld schmutzig ist (etwa durch Cannabiskonsum), auf eine ungesunde Weise übererregt (etwa bei sexuellen Perversionen) oder diffus (wie bei Schizophrenie). DAS muß ein Orgontherapeut spüren, um überhaupt als Orgontherapeut arbeiten zu können.

        Es gab auch absolute Meister im Aurasehen, etwa Barbara Koopman. Das ist jedoch Extra und in keinster Weise eine Voraussetzung, um orgontherapeutisch arbeiten zu können.

  3. Zeitgenosse Says:

    Nachtrag: das Aurasehen kommt zuweilen als krankhafter Zustand bei Epileptikern und Menschen mit extremer Migräne vor.

  4. Robert (Berlin) Says:

    “ In späteren Jahren arbeitete Pierrakos sogar mit einem „Medium“ zusammen, seiner Frau Eva, das Botschaften „channelte“.“

    Die Bücher von Eva Pierrakos gibt es auch auf Deutsch:

    a) Der Pfad der Wandlung

    b) Bereit sein zur Liebe: Das weibliche und männliche Prinzip und die Illusion der Getrenntheit – das Pfadbuch für Beziehungen

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