Posts Tagged ‘Bioenergetik’

Orgonomie: doktrinär, autoritär und kultisch?

12. September 2018

Doktrinär, autoritär und kultisch zu sein, wird der Orgonomie seit nunmehr 70, wenn nicht 80 Jahren vorgehalten. Deshalb sei sie steril und komme nicht voran. Da frägt man sich, was denn die beizutragen hatten bzw. hinterlassen haben, die gegen diese Doktrinäre, Autoritäre und Kultische gegenhielten! Was ist von Paul Ritter und David Boadella, deren Zeitschriften Orgonomic Functionalism und Energy and Character übriggeblieben? Liest man diese Periodika heute, stellt man fest, daß mit jedem Jahrgang, d.h. je mehr sie sich von Reich „emanzipierten“, die Beiträge flacher und unbedeutender wurden. Was an Originalität in den Vordergrund drang, war durchweg null und nichtig. Nicht ein fruchtbarer Gedanke, nicht einer! Nur Wirrnis und Leere. Ähnliches läßt sich über Alexander Lowen mit seiner „Bioenergetik“ sagen und Charles Kelleys „Radix“. Was bleibt, ist ein schlechtes Gefühl. Narzißten spreizen sich und wenn sie gegangen sind, bleibt nichts Produktives zurück.

Soweit die heterodoxen Nullen, aber mit den Orthodoxen ist es kaum besser. All die Orgonomen, die sich über die Jahrzehnte vom Hauptstrang der Orgonomie gelöst haben, um „frei“ zu sein… Dann hat man nie wieder von ihnen gehört. Bei manchen mag die Trägheit dafür gesorgt haben, daß die Bewegung einige Zeit anhielt, aber das verpuffte schnell. Am Ende stand eine gähnende Frustration.

Das, was diese Desperados von der Orgonomie entfremdete, war gar nicht das Doktrinäre, Autoritäre und Kultische der Orgonomie (das ich durchaus nicht bestreiten will!), sondern etwas ganz anderes: ihre eigene strukturelle Unfähigkeit Bewegung zu ertragen. Deshalb versuchen sie zu bremsen, die einheitliche, gerichtete Bewegung zu zersplittern und in chaotische Wärmebewegung zu transformieren. Sie sind im Organismus der Orgonomie das, was im einzelnen Organismus die Panzerung ist, die die einheitliche orgonotische Strömung eindämmt und zersplittert. Aus funktioneller Sicht sind deshalb SIE, die Rebellen der Orgonomie, doktrinär, autoritär und kultisch. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!

Psychotherapie, Körpertherapie, Orgontherapie

25. Juli 2018

Psychotherapie ist nicht das, was sie vorgibt zu sein, denn jedes längere Gespräch setzt euphorisierende Endorphine frei. Deshalb ist die Methode auch ziemlich gleichgültig, wie jeder ehrliche Psychotherapeut zugeben wird. Es kommt auf die Person des Therapeuten an, sein Charisma und seinen Rapport mit dem Patienten. Ähnlich ist es mit der Körpertherapie bestellt, etwa der „Bioenergetik“ nach Alexander Lowen. Die Aktivierung verspannter Skeletmuskulatur setzt Endorphine frei und entsprechend enthusiasmiert verläßt der Patient die Praxis. In beiden Fällen kommt das endorphin-freisetzende freiere Atmen hinzu.

Was rundweg allen diesen Ansätzen fehlt, ist die Libidotheorie Freuds, die einzig und allein Reich beibehalten und weiter ausgebaut hat. Dabei geht es nicht nur, wie es häufig dargestellt wird, darum, daß Reich das vage Konstrukt „Libido“ mit einer konkreten physikalischen Energie, dem Orgon, ausgefüllt hat. Wichtig sind die Libidostufen, d.h. die Befreiung der genitalen Libido von prägenitalen Überlagerungen. Das zwingt dem Gespräch und den körperlichen Interventionen von den Themen bzw. den Körperregionen her eine bestimmte Abfolge auf.

Orgontherapie ist „biophysische Chirurgie“ (Reich), d.h. die sprachlichen und die körperlichen Interventionen haben jeweils eine bestimmte FUNKTION, sind Teil eines strategischen Gesamtplans. Es geht nicht darum, daß es dem Patienten besser geht, d.h. er sich in seiner Neurose häuslicher einrichtet, sondern um die Umstrukturierung seiner Libidostruktur (= Charakterstruktur) in Richtung Genitalität (= Gesundheit, das Funktionieren des Organismus als Einheit).

Leserbrief an Paul Ritters Zeitschrift ORGONOMIC FUNCTIONALISM (1959)

13. Juni 2018

von Paul Mathews*

Sehr geehrter Herr Ritter,

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um einige Kritikpunkte vorzubringen. In früheren Nummern [von Orgonomic Functionalism] haben Sie dazu eingeladen.

Erlauben Sie mir zunächst Ihre Hartnäckigkeit und Ihre Bemühungen zu würdigen, über die Jahre eine Zeitschrift herauszugeben, die zumindest zur Verbreitung von Informationen über Wilhelm Reich und die orgonomische Bewegung beigetragen, aber auch anregende und kreative Ideen eingebracht hat, die einer orgonomischen Ausrichtung entstammen. Dies ist heute um so wichtiger, wo die gesamte orgonomische Forschungs- und Veröffentlichungsarbeit eingestellt wurde – hoffentlich nur vorübergehend.

Auf der negativen Seite betrifft meine Kritik Bereiche, in denen ich glaube, daß Sie zu eifrig waren und zu weit gegangen sind. Ich glaube nicht, daß Sie oder irgendeiner Ihrer „Auszubildenden“ Orgontherapie praktizieren oder Berichte über Ihre Behandlungen im Orgonomic Functionalism veröffentlichen sollten. Die Gründe sind einfach: Im Gegensatz zur Praxis der heutigen Psychoanalyse, die sich für eine „laien-analytische Therapie“ anbietet, ist die Orgontherapie eine streng medizinische Disziplin. Reich selbst legte Richtlinien für die Anforderungen an einen Orgontherapeuten fest. Alle Therapeuten müssen Ärzte sein (d.h. M.D. [Dr. med.] oder das Äquivalent – vgl. „The Founding of the American Association for Medical Orgonomy“, S. 77f – OEB, Vol. 1, No. 2, April 1949), mit einer Ausbildung in klassischer Psychiatrie und einer Phase der orgonomischen Umstrukturierung bei einem qualifizierten ärztlichen Trainingstherapeuten. Die verschiedenen Prozesse in der Orgontherapie sind zwar funktioneller Natur und variieren mit dem Individuum, sie sind jedoch auf einen systematischen Ansatz ausgerichtet, bei dem der Therapeut weiß, was vor sich geht, warum es geschieht und wohin es geht. Tiefe und Kraft der Orgontherapie ist so groß, daß die Gefahr möglicher physiologischer Reaktionen und ihrer funktionell identischen psychischen Komponenten hoch ist, außer in den Händen derer, die die strengsten Anforderungen erfüllt und eine entsprechende medizinische Ausbildung erfahren haben. In dieser Hinsicht wurden von Zeit zu Zeit Warnungen in den verschiedenen orgonomischen Zeitschriften herausgegeben.

Abgesehen von pragmatischen medizinischen Überlegungen gibt es das soziale (und rechtliche) Problem, die bereits bestehenden Lügen und Verdrehungen hinsichtlich der „pseudowissenschaftlichen“ Natur der Orgonomie und der Etikettierung ihrer legitimen Praktizierenden als „Quacksalber“ weitere Nahrung zu geben. Die Emotionelle Pest sucht immer nach Wegen, die orgonomische Arbeit weiter zu diffamieren, zu stören und zu zerstören bzw. das, was davon übriggeblieben ist. Sie erinnern sich vielleicht an einen Brief, den Dr. Baker einmal an das American College of Physicians (OEB, Vol. 2, No. 1, Januar 1950, S. 45) senden mußte, aus dem ich teilweise zitiere:

Ich wünschte, Sie würden dem College erklären, daß ich keinem Kult angehöre. Die American Association for Medical Orgonomy setzt sich aus Mitgliedern zusammen, die Ärzte einer medizinischen Fakultät der Klasse A mit einem Jahr Berufspraktikum sind, mindestens einem Jahr Psychiatrie, einer kompletten Umstrukturierung durch eine persönliche Orgontherapie und drei Jahren Orgon-Biophysik-Ausbildung in Klinik, Seminar und Labor.

Man kann die Versuchung verstehen, therapeutisches Wissen in einem Land anzuwenden, in dem es keinen Zugang zu qualifizierten Orgontherapeuten gibt. Es ist jedoch sehr zweifelhaft, daß dies den beteiligten Patienten und dem Fach im Allgemeinen gerecht wird. Wäre es nicht besser diese Munition dem Feind vorzuenthalten und zu warten, bis qualifizierte Hilfe verfügbar wird (was unter letzterer Bedingung wahrscheinlicher ist)? Andernfalls gehen Sie möglicherweise ungerechtfertigte ernste Risiken ein, die andere Menschen betreffen. Es gibt natürlich keinen ernsthaften Einwand gegen eine Form von Counseling , Beratung oder Oberflächenanalyse einer verbalen Natur, die orgonomisch orientiert ist.

Nur noch eine Sache. Ihre Bezugnahme auf Alexander Lowens Buch PHYSICAL DYNAMICS OF CHARACTER STRUCTURE [1958, deutsche Übersetzung: Körperausdruck und Persönlichkeit, München 1981] als für die Orgonomie wichtig, ist meines Erachtens ungerechtfertigt. Dr. Lowen identifiziert sich nicht mit der Orgonomie und hat sich Techniken angeeignet, mit denen Reich und andere Orgonomen nicht übereinstimmen. Lowen verwendet nicht den Begriff „Orgon“, obwohl es offensichtlich ist, was er mit dem Ausdruck „Bioenergie“ meint. Meine eigene Lektüre des Buches zeigt keinen signifikanten Beitrag zum orgonomischen Wissen und weist in einigen Fällen auf eine Regression zu einigen der früheren vegetotherapeutischen Techniken hin. Am bedeutsamsten scheint mir jedoch der Versuch Lowens zu sein, mit den Psychoanalytikern irgendwie einen Vergleich zu finden und (wo Reich es nicht vermochte und zwar mit viel größerer Erfahrung, Wissen und Genialität als er) ihnen zu beweisen und sie zu überzeugen, daß die Lücke zwischen Freuds früheren Libido-Konzepten der Psychoanalyse (die die meisten von ihnen heute nicht akzeptieren) und den Energiekonzepten Reichs nicht existent ist. Ich wünsche ihm dabei viel Glück – er wird’s brauchen.

Mit freundlichen Grüßen,

Paul Mathews

* Aus der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 6 (1959), Nos. 2&3, S. 83f.

Orgasmusangst bei RTL

1. Juni 2018

Heute abend läuft auf RTL wieder eine der wenigen Gelegenheiten, bei der die Genitalität öffentlich gefeiert wird. Man kann die sexualökonomische Bedeutsamkeit des Tanzes von Mann und Frau kaum überschätzen. In welcher anderen Kultur gibt es so etwas, wie daß ein Paar explizit erotisch, begleitet von explizit erotischer Musik, mit explizit erotischen Texten engumschlungen eine Kreiselwelle auf die Tanzfläche zeichnet und sich dabei rhythmisch pulsierend aufeinander zu- und wieder voneinander wegbewegt, um das gemeinsame Energiefeld zur Erstrahlung zu bringen?! Niemandem ist bewußt, was er da sieht und warum ihn das derartig fasziniert, aber alle spüren es. Die damit einhergehende bioenergetische Erregung, die durch die Spannung zwischen den beiden Geschlechtern erzeugt wird, kann aber nur ertragen werden, wenn sie gedämpft, sozusagen „abgepanzert“ wird. Diese Funktion übernehmen schwule Moderatoren, schwule Juroren oder schwule Tänzer (plakative, groteske Prägenitalität), sowie zotige Sprüche und schlagfertige Wortspielereien, die die Energie in den Kopf verlagern. Hinzu kommt billige Sentimentalität, wenn die Promis ihre „Lebenstragödien“ vor der Öffentlichkeit ausbreiten. Was aber unter allen Umständen verhindert werden muß, ist, daß über längere Zeit jener „existentielle Ernst“ aufkommt, jene echte, weil tiefe Lebensfreude, die die Genitalität auszeichnet.

Niemand sieht, was vor sich geht, niemand, wirklich NIEMAND spricht darüber, – aber ALLE wissen davon, jedenfalls tief in ihrem Inneren.

nachrichtenbrief114

17. Mai 2018

Was die Massen lernen müssen

4. März 2018

Alles hängt davon ab, ob oder ob nicht und wie schnell die gesamte Öffentlichkeit von der Einsicht in die Schädlichkeit von Panzerung durchdrungen wird. (Kinder der Zukunft, S. 66)

Das ist eine der wichtigsten Aussagen in Kinder der Zukunft, das erste Buch von Reich, das seit 20 Jahren in Deutschland erschienen ist. Wie Charles Konia immer und immer wieder hervorgehoben hat, ist es praktisch das einzige, was man im Moment auf Massenbasis konkret tun kann: die Massen müssen gewahr werden, daß Panzerung ein Faktor, nein, DER Faktor ist, der ihr Leben bestimmt.

Dies umfaßt drei Bereiche:

  1. Die Prävention, d.h. das Verhindern, daß sich Säuglinge, Kinder und Jugendliche überhaupt erst abpanzern. Das ist natürlich das Thema von Kinder der Zukunft.
  2. Das Gewahrwerden, daß „psychische“ (emotionale) und „psychosomatische“ (bioenergetische) Erkrankungen nicht auf biochemischen Ungleichgewichten im Körper beruhen, sondern auf Panzerung, will sagen, sie gehen letztendlich auf Panzerung zurück. Langfristig bedeutet dies einen radikalen Umbau unseres gesamten Gesundheitswesens.
  3. Unser soziales Leben, insbesondere aber die „Gesellschaftspolitik“ ist Ausdruck von Panzerung. „Politik“ reduziert sich dann weitgehend auf Psychopathologie (d.h. Emotionspathologie) und verliert damit ihre Macht über die Massen. Dies gilt insbesondere für Politik linker Provenienz, die nichts anderes ist als säkularisierte Religion. Es ist buchstäblich so, daß das „Seelenheil“ der Weltverbesserer von der – Weltverbesserung abhängt, d.h. keinerlei Verankerung im rationalen Leben (in dem, was Reich „Arbeitsdemokratie“ nannte) hat.

Es wird sich in dieser Welt nichts, NICHTS, zum Positiven hin verändern, solange die Menschen sich ihrer Panzerung und der Panzerung in ihren Mitmenschen nicht gewahr werden. Es ist wie in der individuellen Orgontherapie: nichts, wirklich NICHTS, geht voran, solange der Patient sich nicht seiner jeweiligen Panzerung, etwa im Brustsegment, gewahr wird. Das bedeutet natürlich nicht nur, daß man intellektuell „weiß“, daß man gepanzert ist (ein bloßes Jonglieren mit nicht klar definierten Begriffen), sondern daß man es fühlt, erfährt, in Kontakt mit der Panzerung tritt, sozusagen Kontakt mit der Kontaktlosigkeit aufnimmt. Das geht einher mit einem existentiellen Schmerz und dem Willen zur Veränderung. Im sozialen Bereich muß dieser Wille die Massen erfassen oder es gibt keinerlei Hoffnung dem Abgleiten in die Barbarei zu entgehen. Deshalb ist etwa das Buch Kinder der Zukunft von einer Bedeutung, die schlichtweg nicht überschätzt werden kann.

Reich-Anhänger, Reichianer und „Orgonomen“ sind meine TODFEINDE

17. Dezember 2017

Reich-Anhänger, Reichianer und „Orgonomen“ benutzen Reichs Ideen aus Was ist Klassenbewußtsein?, um die westliche Gesellschaft zu zerstören. Weihnachten und alles, was sonst noch, mit Europa und dem Christentum verbunden ist, soll tabuisiert werden, weil es das richtige Bewußtsein untergräbt.

Sie benutzen Die Massenpsychologie des Faschismus, um jedweden Versuch zu deslegitimieren, sich für das Eigene einzusetzen. Alles, was nicht den Charakter einer Rebellion gegen die Autoritäten, gegen unsere Vorväter und schließlich gegen unser biologisches Erbe trägt, ist „reaktionär“.

Und schließlich haben sie, insbesondere mit Alexander Lowens „Bioenergetik“ und ähnlichen Systemen, den orgontherapeutischen Ansatz so gedreht, daß er die Patienten noch kontaktloser macht, als sie ohnehin schon waren und um insbesondere die okulare Panzerung zu verstärken. Es wird genau jene Struktur des Panzers reproduziert (Verschiebung von der Körperpanzerung zur Augenpanzerung), die die bioenergetische Grundlage des linksliberalen Syndroms ist.

Die Entdeckung des Orgons, den Orgonakkumulator und sogar den Cloudbuster nutzen sie dafür den Mystizismus zu legitimieren und zu propagieren, d.h. den Kern des Nationalsozialismus und aller anderen reaktionären, lebensfeindlichen Ideologien. Das Orgon wird unvermittelt zu einer Schnittstelle zwischen der materiellen und der vorgeblich „geistigen Welt“.

Alles, was sie tun, dient der Vernichtung der Orgonomie bei gleichzeitiger Nutzung ihrer Ergebnisse, um das Projekt der organisierten Emotionellen Pest voranzubringen, alle Möglichkeiten der individuellen und gesellschaftlichen Selbststeuerung zu hintertreiben und schließlich zu zerstören. Funktionell (das heißt von der Frage her: „Was kommt letztendlich dabei heraus?“) betrachtet, arbeiten sie genau für jene Kräfte, mit denen Reich sich am Ende im Krieg sah: die Kommunisten und „Rockefeller“, d.h. die Internationalisten und Globalisten. Sie tun dies explizit, insbesondere um sich gegen jene beiden Figuren abzugrenzen, die sie abgrundtief hassen: Elsworth F. Baker und Charles Konia. Konservative, d.h. klare Denker wie dieser hier:

Aber haben denn linke Reich-Anhänger, Reichianer und „Orgonomen“ nicht ein Recht auf ihre Meinung? Wie David Horowitz, einer der Gründer der Neuen Linken, gezeigt hat, gibt es eine direkte Linie von den Stalinisten, gegen die Reich gekämpft hat, der Neuen Linken und den heutigen Obama-Demokraten in den USA – sie sind identisch! Die Linke in Europa ist noch schlimmer… Wilhelm Reichs TODFEINDE gerieren sich heute frech als Reich-Anhänger, Reichianer und „Orgonomen“!

WR = Weltrevolution

12. Dezember 2017

Wolf E. Büntig schreibt in seinem bemerkenswert guten Beitrag über Reich zum fünfzehnbändigen Kompendium Die Psychologie des 20. Jahrhunderts aus dem Jahre 1977:

Freud (griff) am Ende seines Buchs Das Unbehagen in der Kultur Reichs Frage auf, ob nicht die Diagnose gerechtfertigt wäre, daß viele Erscheinungen der Zivilisation oder gar die ganze Menschheit unter dem Druck der zivilisierenden Einflüsse neurotisch geworden sind. Freud sah zwei prinzipielle Schwierigkeiten: Für die Untersuchung und Diagnose der Neurose der Kultur fehlten Vergleichsmöglichkeiten, wie man sie bei der Untersuchung des Einzelneurotikers hatte, den man dem Gesunden gegenüberstellen konnte, und schließlich stellte sich die Frage, was denn der Sinn der besten Analyse der sozialen Neurose wäre, wenn niemand die Macht hätte, die Gemeinschaft zu zwingen, sich der Therapie zu unterziehen. „Trotz aller dieser Erschwerungen darf man erwarten, daß jemand eines Tages das Wagnis einer solchen Pathologie der kulturellen Gemeinschaften unternehmen wird“ (Freud). Doch diese Frage blieb für Freud offen. Er selbst und die offizielle Psychoanalyse haben sich nie um eine Antwort bemüht. Insgesamt jedenfalls war die Reaktion der bei der Kulturdebatte Anwesenden Reichs Vorstellungen gegenüber kalt und ablehnend. Die Kluft zwischen Freud und Reich war tiefer denn je.

Es gibt keine Vergleichsmöglichkeiten, um entscheiden zu können, was an Gesellschaften krank ist und es gibt ohnehin keinen Therapieansatz für ganze Gesellschaften. So Freuds Haltung in der Kulturdebatte zwischen ihm und Reich.

Was zunächst einmal die „Therapie“ der Gesellschaft betrifft war Reichs Ansatz von Anfang denkbar einfach. Es geht schlicht um die Aufklärung der Massen. Ein Freud hatte nicht mehr beizutragen als die sterile „Psychopathologie des Alltagslebens“. Dank seiner Kenntnisse aus der Entschlüsselung der Funktion des Orgasmus und aus der Charakteranalyse konnte Reich hingegen eine ganz andere Ebene ansprechen, nämlich die der Sexualökonomie bzw. Bioenergetik. Diese Ebene war fruchtbar, denn auf ihr bot sich unmittelbar die Möglichkeit des Vergleichs an. Zunächst einmal durch das von Bronislaw Malinowski vermittelte Wissen über die Trobriander im fernen Melanesien, deren Gesellschaft insbesondere bewies, daß der Ödipuskomplex kein unentgehbares Schicksal ist und eine geregelte Sexualökonomie möglich ist. A.S. Neills Projekt „Summerhill“ und schließlich Reich eigenes Projekt „Kinder der Zukunft“ zeigten, daß es durchaus möglich war, innerhalb der gepanzerten Gesellschaft einen entsprechenden Gegenentwurf zur gesellschaftlichen Neurose zu schaffen. Und schließlich hat James DeMeo gezeigt, daß die gesellschaftliche Neurose eine innere Struktur hat, die man sowohl auf der Zeitachse, als auch auf der Raumachse entschlüsseln kann: „Saharasia“. Die gesellschaftliche Neurose hat sich entwickelt und von daher läßt sich bis in alle Einzelheiten rekonstruieren, was genau gesund und was eine Entartung ist. Bespielsweise heute die Morgenandacht, wo das Pucken (über das insbesondere DeMeo einiges zu sagen hat!) als natürlich, christlich und gut hingestellt wird. Orgonomisch braucht man sich auf solche Diskussionen gar nicht einlassen, denn wir wissen, was natürlich und gesund ist!

nachrichtenbrief96

10. Dezember 2017

Ein weiterer „Reichianer“: John C. Pierrakos

4. Dezember 2017

Mit Dr. Peter Stüwer habe ich einen durch und durch mechanistischen „linken“ Reichianer beschrieben, hier wird es ein durch und durch mystischer „rechter“ Reichianer sein.

Der Psychiater Pierrakos war Student der Orgonomie bevor er zusammen mit Alexander Lowen die „Bioenergetische Analyse“, kurz „Bioenergetik“, begründete. Die Orgontherapie hatte sich Schritt für Schritt aus der Orgasmustheorie und der Charakteranalyse entwickelt: bioenergetisches Zentrum im Solar plexus, Orgasmusreflex, segmentäre Anordnung der Panzerung, Therapierichtung von der Peripherie zum Zentrum, von oben nach unten, etc. Pierrakos und Lowen „emanzipierten“ sich von diesem Ansatz, „stellten sich einmal ganz dumm“ und betrachteten den Körper etwa so, wie ihn ein Gymnastik- oder Kampfsportlehrer sieht. Beispielsweise als „Zylinder“. „Spannungen“ sollten gelöst werden. Die Patienten sollten in ihren Beinen und Füßen „geerdet“ werden, um „ihren Mann stehen zu können“. Und so fort. Pierrakos reicherte diesen auffällig mechanistischen Ansatz mit etwas an, was er schon bei seiner Zusammenarbeit mit Reich vorgebracht hatte: er konnte Energiefelder und „Auren“ sehen. Etwas, was Reich nicht konnte oder nur in einem sehr beschränkten Maße. Beispielsweise beim Cloudbusten konnte Pierrakos Reich genau sagen, was gerade mit der Energie geschah, d.h. wie sie sich um den Cloudbuster verdichtete, abgezogen wurde, etc. Er war einigermaßen frustriert, daß Reich dafür kein gesteigertes Interesse aufbrachte und eher gleichgültig reagierte. Reich war stets darauf bedacht, daß man die energetischen Phänomene objektiv nachweisen kann oder sie zumindest intersubjektiv vermittelbar sind. Die atmosphärische Orgonenergie, DOR, etc. kann jeder Mensch guten Willens sehen!

Bei Pierrakos waren die Phänomene rein subjektiv bzw. konnten nur von dazu talentierten Spezialisten gesehen werden. Außerdem war das, was Pierrakos beschrieb, unglaublich kompliziert und verwickelt. Es geht, etwa bei der menschlichen Aura, um unterschiedliche Schichten, mit unterschiedlichen Pulsationsraten, „Strahlen“ und verwickelten Strukturen und Wirbeln (merkwürdigerweise spricht er ständig von Hakenkreuzen). Das ganze beschreibt Pierrakos mit auffällig mechanistischen Bildern, etwa „Brownscher Bewegung“, „Wasserdampf“, etc. Seine Ausführungen über die Pulsation des irdischen Energiefeldes sind trotz Illustrationen schlichtweg nicht nachvollziehbar. Mir ist es jedenfalls nicht gelungen. Gleichzeitig hat er den Anspruch den Materialismus zu überwinden, zumal es von der Qualität (dem „Feeling“) seiner Ausführungen her keinerlei Unterschied zu dem gibt, was etwa katholische oder hinduistische „Heilige“ und „Esoteriker“ berichten. In späteren Jahren arbeitete Pierrakos sogar mit einem „Medium“ zusammen, seiner Frau Eva, das Botschaften „channelte“.

Seine ganze Gedankenführung und Stellung zur Orgonomie wird an folgender Stelle deutlich, die in seinem Aufsatz über die menschliche Aura auftaucht, den er in David Boadellas Zeitschrift Energy and Charakter veröffentlicht hat:

Energie kommt von dem Wort energeia, das bedeutet Hervorrufen von Bewegung oder Arbeit. Eine funktionellere Definition ist, daß „Energie die lebendige Kraft ist, die vom Bewußtsein ausgeht“.

Das ganze ist denkbar weit weg von der Sexualität (siehe oben die Grundlagen der Orgontherapie!) und tut niemandem weh. Ganz im Gegenteil: es führt geradezu systematisch weg von dem Weg, für den der Name „Wilhelm Reich“ steht.

Pierrakos beobachtete das Energiefeld beim Menschen (warum nicht bei Tieren?), bei Pflanzen, Kristallen und der Erde. „Pulsation“ ist dabei der führende Begriff. Und dann veröffentlichte Sean Haldane doch tatsächlich das Buch Pulsation, das von nichts anderem handelt, als daß es im nichtlebenden Bereich keine Pulsation gibt! Genau deshalb, wegen diesem hohlen Kampf der Meinungen und Fehlinterpretationen, individuellen willkürlichen „Einfällen“ und „Eingebungen“ ohne jedweden wissenschaftlichen Wert, wollte Reich mit derartigen Spinnern nichts zu tun haben.