Wie Wilhelm Reich benutzt wird, um die Orgonomie zu zerstören

Kaum hat man irgendeinen fruchtbaren Gedanken, etwa daß Frauen in die Familie gehören, um die Kinder großzuziehen, daß Kinder eine väterliche Autorität benötigen und daß es für Kinder nichts schlimmeres gibt, als schutzlos dem Gruppendruck von seiten anderer Kinder ausgesetzt zu sein, – kommt der nächste Reichianer und haut dir eines von Reichs Werken, etwa Die sexuelle Revolution, um die Ohren. Kaum denkt man über die Ökonomie nach, wird einem Reichs Haltung zu Marx unter die Nase gehalten. Und so in vielen weiteren Bereichen.

Es ist absurd sich auf diese Weise auf Reich zu berufen. Was wäre, wenn Reich 1932 gestorben wäre? Wären „Reichianer“ noch heute fanatische Kommunisten? Hätte Reich das ORANUR-Experiment nicht durchgeführt, würden sie heute noch vertreten, daß Orgonenergie-Akkumulatoren in den radiologischen Abteilungen von Krankenhäusern neben anderen Geräten zur physikalischen Therapie stehen sollten? Man kann Figuren wie Giordano Bruno und selbst Christus ganz anders sehen, als Reich es getan hat (siehe Der verdrängte Christus). Erdreistet sich noch jemand, Lenin so zu zeichnen, wie es Reich getan hat? (Lenin war der einzige Revolutionär, der im Detail beschrieben hat, wie man etwa zaristische Polizeioffiziere ermorden kann.)

Reich ist seit über einem halben Jahrhundert tot und seine Ansichten sind nur noch von historischem Interesse. Das einzige was zählt, ist die Funktion des Orgasmus, die Entdeckung des Orgons und die Orgonometrie. Orgonomie ist nicht etwas, was auf den zeitlich spätesten jeweiligen Reich-Zitaten beruht und dann jederzeit durch eine nachträglich entdeckte noch spätere Aussage Reichs wieder infrage gestellt werden muß. Sie ist die selbständige Anwendung der Reichschen Methode. Aber jeder, der auf vollkommen korrekte Weise zu neuen Ergebnissen kommt, setzt sich der Gefahr aus, von „Reichianern“ zurechtgewiesen zu werden. Auf diese Weise wird jeder Fortschritt der orgonomischen Wissenschaft hintertrieben und die Orgonomie selbst sogar in ihrer Existenz gefährdet.

Es hat schon seinen Sinn, wenn heute medizinische Orgonomen ihre Patienten kaum noch berühren, jedenfalls drastisch weniger als sogenannte „Körpertherapeuten“. In diesem Zusammenhang auf Reich zu verweisen, dessen Therapie am Ende doch so vollkommen anders ausgesehen habe, ist vollkommen daneben, denn Reich behandelte nur ein bestimmtes Klientel, d.h. langwierige Fälle übergab er seinen Schülern, und es ging ihm primär um eine experimentelle Herangehensweise. Daß sich die Orgontherapie so entwickelt hat, wie sie sich entwickelt hat, läßt sich funktionell begründen. Hier die Orgonomie mit Rückverweis auf Reich „retten“ zu wollen, kann ihr nur schaden.

Dazu gehören auch Fragen der grundsätzlichen Strategie, etwa im Verhalten gegenüber Behörden. Reichs Umgang mit der FDA kann wohl kaum als Muster einer vernünftigen Vorgehensweise gelten! Sollten die Orgonomen in Amerika so manchem halbinformierten Dogmatiker folgen, etwa was den Orgonenergie-Akkumulator, den Cloudbuster und selbst das Berühren von Patienten betrifft, könnte das sehr schnell im Verschwinden der organisierten Orgonomie auf dem nordamerikanischen Kontinent münden. Die Orgonomie muß juristisch unangreifbar sein. Alles andere ist eine offene Einladung an die Emotionelle Pest!

Es stimmt, daß Reich am Ende die Orgonenergie in den Mittelpunkt stellen wollte, doch eine vernünftige Forschung, die dem skeptischen Blick insbesondere der Physiker widerstehen könnte, würde Unsummen verschlingen, mal abgesehen vom ungeheuren Zeitaufwand und der notwendigen Expertise. Das geht alles nicht ohne ein angemessenes gesellschaftliches Umfeld, das aktiv im Rahmen der sozialen Orgonomie geschaffen werden muß. Jede Orgonforschung verpufft in der sich immer mehr okular abpanzernden antiautoritären Gesellschaft, wenn sie nicht sogar den grassierenden Mystizismus unterfüttern würde („Feinstoffliches“). Nichts gegen Orgonphysik, aber zu behaupten, daß die orgonomische Soziologie zu sehr im Mittelpunkt stehe…

Man kann sogar mit dem Begriff „Kontakt“ die Kontaktlosigkeit vertreten:

Ich habe dieses Video hier reingestellt, weil es m.E. die wahrscheinliche Zukunft der „Orgonomie“ zeigt: Reichs Entdeckungen eingebettet in etwas, was letztendlich auf das Gegenteil dessen hinausläuft, für was er gestanden hat. Die junge Frau wirkt so merkwürdig, weil das mit ihr gemacht wurde, für das gemeinhin „Reich“ steht: das Beckensegment wurde geöffnet, der Körper mit „Kundalini“-Energie überflutet und reaktiv hat sich das okulare Segment verkrampft. Dem entspricht ein Weltbild, das das Ende jeder Vernunft ist.

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11 Antworten to “Wie Wilhelm Reich benutzt wird, um die Orgonomie zu zerstören”

  1. Klaus Says:

    Donnerwetter!! So krass habe ich das Eso-Gestikulieren usw. wohl noch nie gesehen. Auf zum ’synergetischen Kontakt‘!

    • O. Says:

      Ich dachte schon, was hat es denn mit Reich zu tun bis ich … Bernd Senf horte. Schreiiiiiiiiiiiiii!!!!
      „Forum“ ist immer ein codiertes Sektenwort (das sich sehr um und mit Reich beschäftigt, ohne ihn positiv zu verwenden und um Menschen zu manipulieren).

      • Klaus Says:

        Ich habe nicht sehr auf das, was sie redet, geachtet, und wusste nicht, dass sie Prof. Senf erwähnt. Für den Zusammenhang genügte mir ihr Sitz, ihr Blick, ihre Gestik – Eso. Taoisten, Prana, … ganzheitlich …
        (Richtig verwies hier ja kürzlich jemand auf die Lichtnahrungsszene. Von Massentierhaltung bin ich auch nicht begeistert. Aber morgens gibt’s mal wieder ein Nackensteak.)

      • Sebastian Says:

        Mich hat sie inspiriert – zum Schlafen! Wenn ich das Interview geführt hätte, wäre mir wahrscheinlich die Kamera aus der Hand und der Kopf aufs Bett gefallen.

      • O. Says:

        Ist euch nicht ihr Blick aufgefallen? Offensichtlich schielt sie, da will ich mal nicht von okularem Panzer reden. Außerdem sitzt und gestikluiert sie symbolhaft illuminativ mit Handsymbolen der Merkel. (umgekehrte Pyramide mit den Händen, mit den Armen aber die Pyramide abzeichnend etc.). Ich finde auch, dass sie nach einer Weile eine trance induziert, hätte mich da nicht „Bernd Senf“ geweckt, danach konnte ich auch nicht mehr wirklich zuhören und bin fast eingenickt.

    • Peter Nasselstein Says:
    • O. Says:

      Wenn man von einer „Orgonomie“ sprechen möchte, insbesondere in Deutschland, sollten wohl alle WR-Organisationen „eingestampft“ werden. (Das lässt sich ja nicht mehr realisieren.) Doch hingegen wird „synergetisch“ alles mit allem vermischt. Amerikanische oder englische Orgonomen unterstützen das deutsche Esomodell des Reichismus. Seit zehn Jahren sind DGK und WR-Esos mit einander verwoben. 50% der DGK Members sind Oranur-Junkies, was zeigt, das sie gar nichts von Reich verstehen und natürlich auch nichts erfühlen können.
      Solange es keine klaren Positionen gibt, eben auch keine klare Abgrenzung zu „Grenzgängern“, bleiben alle Organisationen zweifelhaft und vom Eso-Virus infiziert. Soziologische Orgonomie fängt vor der eigenen Tür an, doch ob Konia hier den richtigen Blick hat, erschließt mich mir noch nicht.
      Wie durch das Video schon angesprochen, fängt der synergetische Eso-Reichismus nicht in einer Organisation an, sondern beim Einzelnen, der dieser beitritt. Vollblockiert und ohne adequate Eigentherapie bleibt es eine Vereinigung von „Persönlichkeitsstörungen“. Die Zukunft der „Orgonomie“ bleibt die traurige Gegenwart der Synergie.

  2. O. Says:

    Wäre Reich 1932 verstorben, hätte ich ihn nie gelesen. Und in einem Land, wo ich mich nicht über Orgonenergie unterhalten dürfte, möchte ich nie leben. Für mich besteht dort heute keinen Unterschied zur Situation von 1933, wo die Psychoanalyse sich mit dem Faschismus gleichschalten wollte und Reich preisgegeben hat. Die Psychoanalyse hätte komplett nach London umziehen müssen und sich klar abwenden. Stattdessen wurde die Psychologie faschistisch interpretiert und fortgeführt, was das Ende einer Psychotherapie bedeutet.
    In diesem Sinne hatte es Reich völlig korrekt gemacht, jedoch ging er ins falsche Land.

  3. claus Says:

    Das Video ist immer noch etwas schockierend.
    Vgl. http://deacademic.com/pictures/dewiki/76/Ludwig_II_of_Bavaria_-_Project_Gutenberg_eText_16431.jpg

    • claus Says:

      Nicht jeder in der ‚Tantra-Szene‘ wirkt so merkwürdig wie sie. Diese Frau macht einen klareren Eindruck, oder (ich meine jetzt nicht so sehr inhaltlich)? w.youtube.com/watch?v=ZQyDWWaZOjQ
      Empfehlung gegen Schmerzen durch Yoga ist dann: noch mehr Achtsamkeit: w.youtube.com/watch?v=BiWSNiIdghM

  4. Peter Nasselstein Says:

    Apropos okulare Panzerung. Man schaue sich die irre Psychiaterin an, die Trump für irre hält:

    Das ist alles dermaßen – irre…

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