Posts Tagged ‘Körpertherapie’

David Holbrook, M.D.: „NICHT SO SCHNELL!“: DIE BEHANDLUNG EINES PARANOID-SCHIZOPHRENEN CHARAKTERS (Fallbeschreibung und Beobachtungen)

7. November 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

„Nicht so schnell!“: Die Behandlung eines paranoid-schizophrenen Charakters

 

Wahnsinn Körpertherapie

31. Oktober 2019

In der antiautoritären Gesellschaft, die sich seit etwa 1960 formiert, nimmt im Durchschnitt die Körperpanzerung der Menschen mit jedem Jahrgang immer weiter ab, was durch eine entsprechende Zunahme der Augenpanzerung „bioenergetisch aufgefangen“ wird – die Kontaktlosigkeit wächst. Entsprechend tritt in der Orgontherapie die „Körpertherapie“ immer mehr in den Hintergrund und stattdessen die (orgontherapeutisch modifizierte) Charakteranalyse in den Vordergrund. Die besagte Modifikation der Therapie bezieht sich vor allem darauf, daß bioenergetischer Kontakt hergestellt wird.

Vor diesem Hintergrund ist es absolut bemerkenswert, wie sich seit 1960 eine „Reichianische Szene“ herausgebildet hat (Alexander Lowens „Bioenergetik“, Skan, Radix, etc.), bei der der Akzent ganz auf eine aktivistische und interventionistische „Körpertherapie“ gelegt wurde. Statt dem kranken Trend der antiautoritären entgegenzuarbeiten, wird er unterstützt und den einzelnen Patienten massiv geschadet.

David Holbrook, M.D.: EIN SCHIZOPHRENER NÄHERT SICH DER COUCH (Einführung)

30. September 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Ein Schizophrener nähert sich der Couch (Einführung)

 

David Holbrook, M.D.: „WORTSPRACHE“: CHARAKTERANALYSE IN DER FRÜHPHASE EINER MEDIZINISCHEN ORGONTHERAPIE (Behandlungsverlauf)

12. September 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

„Wortsprache“: Charakteranalyse in der Frühphase einer medizinischen Orgontherapie (Behandlungsverlauf)

 

Reichs Perlen und die grunzenden „Reichianer“-Säue

17. August 2019

Wie Reich in den beiden Vorworten von 1944 und 1948 zur Charakteranalyse ausführt, war die Reichsche Therapie ab dieser Zeit keine Psychotherapie mehr, sondern Biotherapie. Entsprechend wird die Charakteranalyse nicht mehr so angewendet, wie sie Reich in der Erstausgabe von 1933 beschrieben hatte, da das Vorgehen mittlerweile kein Psychologisches mehr ist, sondern ein Bioenergetisches.

Liest man die Charakteranalyse aus dieser von Reich vorgegebenen Sicht, wird deutlich, wie überaus kontaktvoll er 1933 war, denn seine damaligen Erläuterungen harmonieren perfekt mit der Orgontherapie. Beispielsweise erst die Ich-Funktionen und dann die Es-Funktionen zu analysieren, entspricht dem „biotherapeutischen“ Vorgehen vom Kopf zum Becken. Das Unbewußte darf weder mit Deutungen „bombardiert“ werden, noch darf schematisch (also letztendlich auch chaotisch!) vorgegangen werden, was eins zu eins dem Vorgehen in der Orgontherapie, wo es um die Auflösung der biophysischen Panzerung geht, entspricht. Stellen wie die folgenden möchte man „Reichianischen“ Laientherapeuten geradezu um die Ohren hauen, bis das Blut spritzt:

Man wird vergeblich versuchen, uns davon zu überzeugen, daß durch „Anschießen“ mit Sinndeutungen oder gar durch Behandlung aller Patienten nach einem Schema, etwa von einem angenommenen Urquell der Neurose aus, den großen Problemen der Psychotherapie beizukommen ist. Wer solches versucht, zeigt dadurch nur, daß er die eigentlichen Probleme der Psychotherapie nicht erfaßt hat und nicht weiß, was das „Durchschneiden des gordischen Knotens“ wirklich bedeutet: nämlich ein Zerstören der analytischen Heilungsbedingungen. Eine so geführte Analyse ist kaum mehr zu reparieren. Die Deutung ist einer wertvollen Droge [gemeint ist Medikament] zu vergleichen, mit der man sparsam umgehen muß, wenn sie ihre Wirksamkeit nicht verlieren soll. Unsere Erfahrungen lehren anderes: daß der umständliche Weg der Aufwicklung des Knotens noch immer der kürzeste ist – wir betonen – zum wahren Erfolg. (Charakteranalyse, KiWi, S. 69)

Der psychoanalytischen „Sinndeutung“, mit der man sparsam umgehen müsse, entspricht in der Orgontherapie das direkte Angehen der muskulären Panzerung. Wenn ich da an manche „Bioenergetiker“, „Skan-Therapeuten“ und selbsternannte „Orgontherapeuten“ denke, gerate ich in einen Blutrausch. Ganz zu schweigen von all den „Genies“, die Reich „weiterentwickelt“ haben und endlich den „gordischen Knoten durchschneiden können“!

Unsere therapeutische Methode ist von folgenden theoretischen Grundauffassungen bestimmt. Der topische Gesichtspunkt bestimmt den technischen Grundsatz, daß Unbewußtes bewußtgemacht werden muß. Der dynamische Gesichtspunkt bestimmt die Regel, daß dieses Bewußtmachen des Unbewußten nicht direkt, sondern auf dem Wege der Widerstandsanalyse zu erfolgen habe. Der ökonomische Gesichtspunkt und die Strukturerkenntnis zwingen uns bei der Widerstandsanalyse die Einhaltung einer jedem Fall entsprechenden Ordnung auf. (S. 72)

Man kann davon ausgehen, daß das keiner der genannten BLÖDEN WICHSER auch nur ansatzweise verstanden hat!

Dieser Tatbestand verdient besonders unterstrichen zu werden: Bei geordneter und konsequenter Analyse des Charakterwiderstandes braucht man sich um das dazugehörige infantile Material nicht zu bemühen, es strömt von selbst immer klarer, immer enger verbunden mit dem aktuellen Widerstand – vorausgesetzt natürlich, daß man diesen Prozeß nicht durch vorzeitige Deutungen des kindlichen Materials stört. Die Sorge, man könnte nicht in die Kindheit gelangen, wird ganz überflüssig. Je weniger man in die Kindheit einzudringen sich bestrebt, je korrekter man das aktuelle Widerstandsmaterial bearbeitet, desto rascher gelangt man hin. (S. 144)

Es wird klargeworden sein, was ich meine, wenn ich seit Jahren den Standpunkt vertrete, daß es für jeden Fall nur eine Technik gibt, die aus seiner eigenen Struktur abgeleitet und auf ihn angewendet werden muß. (S. 159)

Liest man die unerträglichen Elaborate von „Bioenergetikern“, „Neo-Reichianern“, etc. ist davon NICHTS übriggeblieben. Diese „Reichianer“ betreiben etwas, dem Reich 1933 ein Ende setzen wollte: menschenverachtende Quacksalberei. Liest man die Erstausgabe der Charakteranalyse heute, entsprechen die aktuellen vermeintlich „bioenergetischen“ Therapeuten den damaligen konfusen Psychoanalytikern, gegen die Reich anschrieb.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto empörter werde ich – und ich denke schon seit über 40 Jahren darüber nach…

Warum all die langweiligen Fallgeschichten im JOURNAL OF ORGONOMY? (Teil 1)

24. Juli 2019

Band auf Band nichts als psychiatrische Fallgeschichten! Diese Artikel sind interessant und werden mit jeder erneuten Lektüre immer interessanter, wenn man selbst in Orgontherapie ist. In praktisch jedem Fall erkennt man zumindest Teile seiner selbst bzw. seiner eigenen Orgontherapie. Man kann nicht nur mit dem Narrativ mitgehen, weil man sich mit ihm identifizieren kann, sondern die Lektüre hat auch etwas Charakteranalytisches und damit Kuratives. Die eigene Verkorkstheit wird einem vorgespiegelt. Auf jeden Fall führt das intellektuelle Wissen über das, was einem in der Therapie widerfahren ist, zu einer größeren Integration. Man erkennt ständig Dinge wieder und sagt zu sich selbst: „Also deshalb hat Dr. Soundso das und das mit mir gemacht!“ Für den Außenstehenden muß das ganze langweilig und (zumindest was das Laienpublikum betrifft) sinnlos erscheinen, für den Patienten ist es eine denkbar spannende Lektüre.

Wichtig sind auch Einsichten wie etwa die folgenden. Der Orgonom Peter Crist in der abschließenden Diskussion einer Falldarstellung:

Oft sehen wir, daß eine natürliche Stärke im Zentrum des grundlegenden Problems und der bedeutendsten [charakterlichen] Abwehr eines Menschen steht. Schließlich macht es Sinn, daß sich jemand nicht einer Schwäche bedienen würde, um sich zu verteidigen. Wie in diesem [von Crist diskutierten] Fall gezeigt, besteht ein Teil der Therapie darin, das Gesunde von den ungesunden Reaktionen des Patienten zu lösen. Die natürliche Kraft muß anerkannt, unterstützt und erschlossen werden, damit der Patient den defensiven Einsatz dieser gesunden Fähigkeit umkehrt. (The Journal of Orgonomy 50(2), S. 25)

Was könnte interessanter und für dich ganz persönlich wichtiger sein, als zu erfahren, daß dein größtes Problem, imgrunde dein einziges Problem auf Erden gleichzeitig auf deine größte Stärke verweist, was auch impliziert, wie wichtig die korrekte Durchführung einer Orgontherapie ist. Wenn dem Therapeuten (bzw. „Therapeuten“) die beschriebene „Umkehr“ nicht gelingt, weil er die charakterliche Abwehrstruktur nicht durchschaut oder mit ihr nicht umgehen kann, ist der Schaden unermeßlich. Tatsächlich sind so gut wie alle „Reichianischen“ Therapeuten Modjus, die es unerbittlich zu bekämpfen gilt. Der Orgonom Charles Konia schreibt dazu:

Auf der Grundlage von Erfahrungen mit der Behandlung von Dutzenden von Patienten, die zuerst von unerfahrenen Therapeuten (sowohl Laien als auch Mediziner) gesehen wurden und anschließend zu mir kamen, können die folgenden allgemeinen Aussagen gemacht werden: In einigen Fällen brauchten die Patienten viel Zeit um sich erneut zu panzern und ein gewisses Maß an Gleichgewicht zu erreichen, bevor sie ihr Funktionsniveau von vor der Therapie wiedererlangt hatten. Viele waren in einem derartig schlechten biophysischen Zustand, daß wenig, wenn überhaupt etwas, getan werden konnte, um ihre Situation zu verbessern oder ihre chronische Not zu lindern. Andere hatten einen Haken (unlösbaren Panzer) entwickelt, der sich in den meisten Fällen als unheilbar erwies. Keiner der Patienten, an den ich mich erinnern kann, zog einen dauerhaften Nutzen aus seiner vorangegangenen Therapie. Dort, wo medizinische Orgontherapie noch möglich war, war es in jedem Fall notwendig direkt an den Anfang zu gehen und damit zu beginnen, den Panzer des okularen Segments systematisch aufzulösen. (The Journal of Orgonomy 50(2), S. 40)

David Holbrook, M.D.: EMOTIONEN SPRECHEN LAUTER ALS WORTE

12. Mai 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Emotionen sprechen lauter als Worte

 

Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 4)

29. März 2019

von Dr. med. Dr. phil. Barbara Goldenberg Koopman

 

Fallgeschichte (Fortsetzung)

Eine Mutterübertragung auf mich ließ nicht lange auf sich warten. An der Oberfläche nahm sie die Form an, dass sie das gute, klagende kleine Mädchen war, die der Mutter gefallen wollte. Dies bannte einen starken Negativismus, Boshaftigkeit und sadomasochistische Provokation. Nachdem oberflächliche Wut in den Augen mobilisiert war, konnte ich diesen Trotz leicht in unbegrenzten Mengen anzapfen, indem ich sie treten und „Nein!“ schreien ließ. Gleichzeitig wies ich immer wieder auf den Abwehrcharakter der Fassade des „guten kleinen Mädchens“ hin.

Die Therapie wurde auf dieser Schiene über etwa ein Dutzend Sitzungen mit konstanter Charakterarbeit fortgesetzt. Der Negativismus schien unermesslich zu sein – „‚Nein‘ unter Schichten von ‚Nein‘“, wie es die Patientin formulierte. Die Arbeit am Augensegment setzte sich in verschiedenen Verästelungen fort: Augenkontakt mit mir, wobei verschiedene Emotionen zum Ausdruck gebracht werden, die Augen weit aufreißen beim Einatmen, gleichzeitige stimmliche und Licht-Stimulation usw. Ich musste vorsichtig sein, da die Augenarbeit schnell Schwindel hervorrufen konnte, gefolgt von einer Kontraktion des gesamten Organismus und dem Gefühl, das Drogenerlebnis neu zu erfahren. Letzteres war nie allzu klar definiert, sondern bestand aus einem umfassenden Entsetzen oder einer schweren Angst, die manchmal von Angst vor der Auflösung geprägt war. Ich sah mich daher einerseits mit extremem Negativismus konfrontiert, andererseits mit einer beunruhigenden Fragilität. Das Problem bestand darin, sie zwischen den beiden zu „titrieren“e, ohne sie zu überfordern. Ich warnte sie, sie solle mir sagen, wenn sie das Gefühl habe, dass es ihr zu viel werde.

Während dieser Zeit nahm die Mutterübertragung eine weitere Verzweigung an. Ein Teil des Negativismus schien eine Abwehr gegen scheinbar positive Gefühle gegenüber mir zu sein. Eine Sondierung offenbarte tiefe Trennungsangst, die regelmäßig durch das bloße Ende einer Therapiesitzung hervorgerufen (aber regelmäßig unterdrückt) wurde. Sich auf mich einzulassen, bedeutete demnach die Möglichkeit, mich zu verlieren. Dies beruhte alles auf ihren tiefen Abhängigkeitsbedürfnissen und dem Wunsch, dass ich diese befriedigen würde.

Nach weiteren zwei Monaten „Titrieren“ zwischen der negativistischen Kontaktverweigerung und der Mobilisierung der Fernwahrnehmung begann Frau M., sich ihres eigenen Weggehens aus dem Kontakt, wie es sich in ihrem Alltag ereignete, gewahr zu werden und sich selbst zurückzurufen. Zum ersten Mal berichtete sie über eine klarere Wahrnehmung; wie es sich anfühlt, in Kontakt zu sein.

Ich machte weiter auf die Abwehrnatur ihrer „gutes kleines Mädchen“-Fassade aufmerksam. Trotz ständiger Bemühungen ihre negativen oder misstrauischen Gefühle über mich auszuloten, konnte sie erst im darauf folgenden Monat eine direkte Feindseligkeit gegenüber mir verbalisieren. Schließlich kam es zu einer Fülle von Beschwerden: Ich hätte keine Entscheidungen für sie getroffen; die Therapie ließe sie „zu viel fühlen“, sie wollte sich nicht vor mir „emotional verausgaben“, Kindheitserinnerungen kehrten zu unpassendsten Gelegenheiten zurück ungewollt und unwillkommen, so wie damals, als sie auf Droge war, ich sollte mehr körperlich mit ihr arbeiten. Ich wies darauf hin, dass sie wütend auf mich sei, mir misstraue und Dinge von mir wolle, die ich ihr vorenthalte. Sie antwortete, indem sie den Wunsch äußerte, mir, entsprechend ihrer Tochter, auf den Kopf zu schlagen, so wie es die Mutter mit ihr getan hatte. Sie war dann in der Lage, eine Menge Wut direkt gegen mich loszulassen, während sie auf die Couch schlug.

 

Anmerkungen des Übersetzers

e In der medizinischen Umgangssprache wird der Begriff Titration für die schrittweise Anpassung einer Medikamentendosis verwendet

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 3 (1969), Nr. 2, S. 213-225.
Übersetzt von Robert (Berlin).

Der Hauptunterschied zwischen den „Reichianischen“ „Therapien“ und der Orgontherapie

18. März 2019

Die Techniken der Orgontherapie sind einfach. Sie sind einfach zu „erlesen“ und, als Patient, abzuschauen. Und schon macht man sich daran „Patienten“ zu „behandeln“. Es gibt weltweit zigtausende solcher „Therapeuten“. Sie verabreichen diese „Techniken“ auf eine mechanische Weise, haben keine Ahnung von den Grundlagen der Orgontherapie, wissen nichts von Charakteranalyse und Orgonometrie, können keine biopsychiatrische Diagnose stellen, etc. Aber das sind nur die Werkzeuge und die Kenntnis ihres korrekten Gebrauchs, der alles entscheidende Unterschied ist ein ganz anderer: (bioenergetischer) Kontakt mit dem Patienten aufnehmen und vor allem den Patienten dazu bringen, mit ihm, den Therapeuten, Kontakt aufzunehmen. Ohne diesen Kontakt zwischen Therapeuten und Patienten machen all die „Techniken“, egal wie oberflächlich korrekt sie angewendet werden, überhaupt keinen Sinn.

Intuitiv spürt der „Reichianische“ „Therapeut“ den Mangel an Kontakt und versucht das mit extremem „therapeutischen“ Aktivismus wettmachen (ähnlich wie kontaktlose Paare zu einem ganzen Arsenal von „Sextoys“ greifen, um ihre vermeintliche „Liebe“ zu retten). Mit schier unendlich langen Listen von „Methoden“ versucht er zu zeigen, wie kompetent er doch sei, offenbart aber tatsächlich nur seine Kontaktlosigkeit. Das entscheidende am Kontakt zwischen Therapeut und Patienten ist nicht nur, daß erst so die Techniken richtig angewendet werden können und wirksam sind, sondern auch daß erst dadurch, daß der Patient lernt Kontakt mit dem Therapeuten aufzunehmen, er lernt mit seinem EIGENEN KERN Kontakt aufzunehmen.

Dieses letztere Element ist der Wesenskern der Reichschen Therapie seit den Tagen der Charakteranalyse in den 1920er Jahren. Es geht um Übertragung und damit um die Dramen der frühen Kindheit, die die gegenwärtige Neurose erst erzeugt haben. Es geht um den bioenergetischen Kontakt mit den Eltern, der funktionell identisch ist mit dem Kontakt mit dem eigenen Kern. Wir sind BIOSOZIALE Wesen, keine bloßen Objekte, an denen Pseudotherapeuten ihren kontaktlosen Narzißmus ausleben können.

Antwort auf David Boadellas „The Breakthrough into the Vegetative Realm“ (Teil 2)

13. März 2019

von Paul Mathews

Bei der Behandlung der anderen Fallgeschichten ergibt sich das gleiche Muster, d.h. die Neigung Boadellas, fehlerhafte und unschmeichelhafte Schlüsse aus der unzureichenden Menge an Material zu ziehen, die eine Fallgeschichte insbesondere für den unqualifizierten Leser bietet, wenn sie nicht korrekt interpoliert und interpretiert wird. Ich werde nicht bei seiner „Analyse“ der Fälle der Drs. Sobey, Oller und Gold verweilen, die allesamt sehr klar im Widerspruch zu seinen Unterstellungen stehen. Stattdessen wende ich mich dem zu, was Boadella als „Kern der Kritik“ bezeichnet, dem Artikel von Dr. Elsworth Baker über „Ein schwerwiegendes therapeutisches Problem“. Hier spürt Boadella offenbar das Kaliber des Mannes, den er „kritisiert“ – den Mann, der von Reich ernannt wurde, ihn von der Ausbildung von Ausbildungskandidaten für die Praxis der Orgontherapie zu entlasten –, damit er seine gesamte Zeit der physikalischen Orgonforschung widmen konnte. Ihm bietet er diesen eher herablassenden Balsam (ausgesprochen wie „Bombe“) an: „Hoffentlich werden die unten gegebenen Kommentare in einem konstruktiven und nicht destruktiven Geist aufgegriffen werden.“ Dies leitet über in eine eingehende „Enthüllungsschrift“ über Bakers „Irrtümer“, „Fehler“, „Verzweiflung“ und „betrübliche Lagen“, nicht zu vergessen „düstere Feststellungen“. Darüber hinaus werden wir ermahnt (kein kleiner Trost für Dr. Baker), daß „die Fehler, die Baker gemacht hat, auch als ‚typisch‘ betrachtet werden und nicht in irgendeiner Weise als bezeichnend für diesen Therapeuten“.

Es sei darauf hingewiesen, daß sich Dr. Baker routinemäßig zur Gewohnheit machte, jeden zu veröffentlichenden Fall gründlich mit Dr. Reich zu diskutieren – natürlich vor der Veröffentlichung. „Ein schwerwiegendes therapeutisches Problem“ wurde ausführlich mit Dr. Reich diskutiert und analysiert, und Reich selbst sagte, er (Reich) hätte es nicht besser machen können, – daß diese Patientin ein unbehandelbarer Fall war.

Boadella versucht zu zeigen und in seinen Kommentaren zu diesem Fall zu implizieren, daß Dr. Baker solche elementaren Faktoren der Therapie wie die falsche positive Übertragung (die Boadella als „latente negative Übertragung“ bezeichnet) nicht kennt oder für sie nicht aufmerksam genug ist, die „chaotische“ Situation, die funktionelle Notwendigkeit mit Ich-Situationen entsprechend dem spezifischen Fall umzugehen usw. usw. Was jedoch in Wirklichkeit durch Boadellas Kommentare offenbar wird, sind sowohl Unkenntnis des orgontherapeutischen Prozesses als auch die Absicht, alle wichtigen Tatsachen, die in diesem Fall dargestellt werden, zu übersehen und wegzulassen. Tatsachen, die zeigen, daß Baker nicht nur die Dynamik des Prozesses genau versteht, sondern auch, daß der Fall – wie Reich sagte – ein unheilbarer Fall war. Hier einige wichtige Auslassungen:

Eine der Aufgaben des Orgonomen besteht darin, den Patienten daran zu gewöhnen, ein Funktionieren auf einem höheren Energieniveau zu ertragen. Das kann bei einem Patienten mit hoher Energieladung und wenig oder gar keiner Fähigkeit, sich anzupassen, eine sehr mühsame und sogar katastrophale Unternehmung sein. (Einleitender Absatz)

An einer Stelle meint Boadella, daß einem bestimmten Erfolg, den Baker bei dieser Patientin hatte, mißtraut hätte werden müssen – wie folgt: „Dieser Zustand des Wohlbefindens, der durch die Freisetzung von Muskelverspannungen hervorgerufen wurde, muß mit höchstem Mißtrauen betrachtet werden … denn Reich wies darauf hin, daß das Gefühl der Erleichterung oft dazu dient, ‚die wahre Situation in der Tiefe der biophysikalischen Struktur zu verschleiern‘.“ Schauen wir, wie Baker „getäuscht“ wurde (was Boadella impliziert). Dr. Baker kommentiert kurz nach dem Vorfall wie folgt:

Sie war in nichts freiwillig hineingegangen, obwohl sie darauf bestanden hatte, weiterzumachen, und sie schien mit dem, was geschah, nie wirklich in Fühlung zu sein. Ihre Angst kam wieder, zusammen mit ihrem Mißtrauen, der mörderische Gesichtsausdruck, die widerborstige, herabsetzende Haltung und der steife Hals. Genitale Empfindungen waren weiterhin vorhanden. (Anmerkung: Dieser Teil des Zitats wurde von Boadella absichtlich weggelassen, da er darauf hinweist, wie erfolgreich Baker bei diesem unheilbaren Fall gewesen war – ob Boadella dessen gewahr war oder nicht).

An einer Stelle behandelt Boadella ein Zitat so, daß es [insbesondere im Englischen, PN] den Anschein erweckt, daß Baker Dinge sagt, die die Patientin sagt: Boadellas Zitat:

Die Patientin beschuldigt den Therapeuten der Inkompetenz: „Sie begann, gegen mich aufzubegehren … ich gehe mit ihrer Übertragung auf mich nicht angemessen um, sondern übergehe sie zu rasch, weil ich sie nicht richtig verstanden hätte und sie nicht genug darüber reden lassen wolle. Das Thema ihrer Übertragung kam häufig zur Sprache, und ich hatte das Gefühl, sie müsse wohl recht haben, ich sei nicht richtig mit ihr umgegangen; aber ich konnte keine weiteren Hinweise auf das finden, was ich falsch gemacht hatte.“

Der vollständige Kontext:

Sie begann, gegen mich aufzubegehren; ich versuche, ihre Ehe zu zerstören, ich sei einfach nur eine Sexualbestie, ich gehe mit ihrer Übertragung auf mich nicht angemessen um, sondern übergehe sie zu rasch, weil ich sie nicht richtig verstanden hätte und sie nicht genug darüber reden lassen wolle. Tatsächlich sei ich nur daran interessiert, ein Tier aus ihr zu machen. Das Thema ihrer Übertragung kam häufig zur Sprache, und ich hatte das Gefühl, sie müsse wohl recht haben, ich sei nicht richtig mit ihr umgegangen; aber ich konnte keine weiteren Hinweise auf das finden, was ich falsch gemacht hatte. (Ich vermute, daß es nicht so sehr darauf ankam, wie ich mit der Übertragung umgegangen war, sondern sie es nicht verwinden konnte, mich nicht gewonnen zu haben.)

Wie unterschiedlich wir diesen Abschnitt doch lesen, wenn die Auslassungen aufgefüllt werden.

Der abschließende Absatz von Dr. Baker lautet:

Mein erster Eindruck von dieser Patientin war der, sie sei eine Vertreterin des üblichen phallischen Charakters, deren Abwehr zu bröckeln begann, aber das Problem war nicht so einfach. Die meisten Zeichen, die Reich als Gründe aufgezählt hat, eine Therapie abzubrechen, waren vorhanden, besonders die zähe Beharrlichkeit von Blockierungen.

Ich wußte im Verlauf ihrer Therapie, daß ich sie beachten sollte, aber ihre Not und ihre Entschlossenheit und ihr Flehen bewogen mich, weiterzumachen. Außerdem fiel es mir schwer, eine Niederlage zuzugeben. Es hat wenige Patienten gegeben, denen ich mehr hätte helfen wollen, und ich möchte hinzufügen, daß ich sie persönlich gern hatte und achtete, obwohl sie so schwierig war. (Hervorhebungen von mir hinzugefügt, P.M.)4

Ich habe diese weggelassenen und fragmentierten Auszüge vorgelegt, damit diejenigen, die keinen Zugang zu dieser Zeitschrift haben [d.h. dem Orgone Energy Bulletin], ein umfassenderes Bild von dem Fall bekommen und wie er verzerrt wurde.

Um einen Teil der Motive von Boadella zu verstehen, der versucht, Dr. Baker und die anderen Orgontherapeuten der ursprünglichen Gruppe um Reich zum „Affen“ zu machen, müssen wir zu folgender Zusammenfassung gehen. Laut Boadella ist Dr. Alexander Lowen – vom „Institut für Bioenergetische Analyse“ der einzige, der das tut, was Reich intendiert hatte (auch wenn er nie ein Orgontherapeut war und eine Zusammenarbeit mit Reich ablehnte, nachdem er seinen medizinischen Grad erhalten hatte). Lowen habe nun den Mantel von Reich geerbt, wie es Reich von Freud vor ihm getan hatte. Seltsamerweise erinnere ich mich nirgendwo in meiner Lektüre von Lowens Buch an irgendeinen Hinweis auf jene „präzisen“ therapeutischen Ziele, um die Bodella im Fall Raknes angeblich so besorgt ist, nämlich die orgastische Potenz und ihre Begleiterscheinungen; noch einer Erwähnung der Orgonenergie. Ich bin des weiteren amüsiert über die Anklage gegen Reich durch Lowen und Boadella, daß die somatisch und psychisch miteinander zusammenhängenden Probleme nicht systematisch dargestellt worden wären. Auf der einen Seite beschuldigen Schriftsteller wie Theodore Reik, Reich habe versucht, übermäßig zu systematisieren, und auf der anderen Seite haben wir die Aussage von Paul Ritter5: „Ich finde das Kapitel Reichs über die segmentäre Anordnung des Panzers weitaus systematischer und nützlicher als den Versuch Lowens bestimmte körperliche Symptome mit bestimmten Charakterstrukturen auf seine Weise gleichsetzen.“ Ritter sagt weiter: „Wenn man jeden Teil des Buches, der irgendwo im Werk von Reich zu finden ist, gewöhnlich besser ausgedrückt, penibel streicht, bleibt so wenig von Originalität und Bedeutung, daß für diejenigen, die nur eine begrenzte Zeit haben, meiner Meinung nach das sorgfältige Lesen der Charakteranalyse eine wertvollere Tätigkeit ist als das Lesen von [Lowens] Physical Dynamics of Character Structure.“ Aber ich vermute, daß auch Ritter beschuldigt wird, Lowen dessen „Unabhängigkeit“ zu verübeln.

Schließlich glaube ich, daß ein tiefer Einblick in die wirklichen Motive von denjenigen entsteht, die versuchen Verleumdungen auf eine derartig durchsichtige Art und Weise zu verbreiten. Um Reichs eigene Definition einer Autorität zu zitieren:

Eine Autorität ist jemand, der weiß, womit er es zu tun hat und nicht jemand, der niemals das gelernt hat, was er glaubt schon zu wissen. 6

 

Literatur

4. Baker, Elsworth F., M.D.: „A Grave Therapeutic Problem“ OEB, 1953

5. Ritter, Paul: Buchbesprechung, „Physical Dynamics of Character Structure“ von A. Lowen, M.D., Orgonomic Functionalism, September 1959

6. Reich, Wilhelm, M.D.: „The Orgone Energy Accumulator“, Orgone Institute Press, 1951

 

Aus der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 7 (1961), No. 2, S. 155-160.